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Vitras Eames Elephant erobert die Leipziger Spinnerei

Wednesday, May 8th, 2013

Wie sich treue Leser vielleicht erinnern können, wird ein großer Teil der niederen Arbeiten bei (smow) von einem Team hochqualifizierter Vitra Eames Elephants ausgeführt.

In der Vergangenheit haben wir sie z.B. für ihre Mithilfe beim Transport von USM Haller Möbeln in unser Lager gelobt.

Nun bezog (smow) ein neues Büro auf dem Gelände der Leipziger Baumwollspinnerei, einer ehemaligen Spinnerei, in der mittlerweile neben einigen Büros viele Ateliers, Galerien und Kunsträume beheimatet sind.

Es hat nicht lang gedauert, bis sich eines der von Natur aus neugierigen Tiere aufmachte und unsere neue Nachbarschaft erkundete …und dabei ganz zufällig sogar einige alte Bekannte traf.

Aber seht selbst. Die eigentlich recht scheue Art der Eames Elephants ließ sich vor lauter Freude über das neue Zuhause auf seiner Erkundungstour sogar filmen.



Monsieur Montebourg und sein Eames Lounge Chair

Friday, April 26th, 2013

Es ist bezeichnend für das Bild von Designermöbeln in unserer Gesellschaft, dass Medien aus ganz Europa den Fakt aufgegriffen haben, dass der französische Wirtschaftsminister, Arnaud Montebourg, in Zusammenhang mit dem kürzlich veröffentlichten Wohlstandsbericht des französischen Kabinetts zugab, er besitze einen Eames Lounge Chair.

Spiegel Online illustrierte den Wohlstandsbericht sogar zeitweise mit einem Bild eines solchen Eames Lounge Chairs.

vitra eames lounge chair

Der Eames Lounge Chair. Ähnlich dem von Arnaud Montebourg.

Während die Faszination für Monsieur Montebourg und seinen Eames Lounge Chair fast sicher mit der Tatsache zusammenhängt, dass es sich dabei um eine der wenigen Enthüllungen bei der ganzen Sache handelt – auch wenn die Enthüllung kein Teil des offiziellen Dokuments ist, sondern eigentlich aus einem Interview in der Zeitung Le Monde stammt -, offenbart sie gleichzeitig die weitläufige Meinung über den Besitz von Designermöbeln als einen Indikator von unerreichbarem und irgendwie ungerechtem Reichtum.

Ja, so ein Ojekt wie der Eames Lounge Chair kostet mehr als die meisten Menschen normalerweise für ein Möbelstück ausgeben würden. Aber wenn man mal eine Kosten-Nutzen Rechnung macht, ist es, verglichen mit den Alternativen, plötzlich gar nicht mehr soooo viel. Die Investition in einen Eames Lounge Chair ist eine Investition in ein Objekt, das einen nicht nur bis zum letzten Atemzug begleitet, sondern darüber hinaus auch noch den eigenen Kindern erhalten bleiben wird.

Und dann ist da noch die materielle Investition. Wenn man sich den Bericht des Ministeriums ansieht, findet man z.B. heraus, dass der Europaminister Thierry Repentin 2009 einen Renault Scenic für 26.700 Euro kaufte. Der ist jetzt noch 8.500 Euro wert. Der Eames Lounge Chair hingegen, den Arnaud Montebourg 1988 für ca. 4.300 Euro gekauft hat, wird kaum einem Wertverlust von 66% unterlegen haben. Und wünschen wir uns nicht alle Politiker, die vernünftige ökonomische Entscheidungen treffen? Vor allem in der aktuellen Lage?

Für uns ist ein Teil des Problems, der zu der Faszination für den Besitz eines Designklassikers wie dem Eames Lounge Chair führt, wie solche Produkte beworben oder generell in den Medien präsentiert werden. Viel zu oft werden Designermöbel als etwas übernatürliches präsentiert, als etwas exklusives und nichts für so jemanden wie dich und mich. Wie wir bereits sagten – und wiederholen werden bis unsere Zähne ausfallen – wenn sich Hersteller der ermüdenden, von Agenturen erschaffenen Bilderwelt verweigern würden und sich dafür darauf konzentrieren würden, die Qualität der verwendeten Materialien, der angewandten Handwerkskunst, die Dauer des Designprozesses, die Investitionen in die Maschinen, die für die Herstellung benötigt werden usw. usf. zu erklären, würde die Öffentlichkeit auch den Preis nachvollziehen können. Und würden sich so ein Objekt vielleicht sogar als einen Hauch von Luxus in ihrem grauen, unerfüllten Leben wünschen.

In diesem Zusammenhang kann im Lounge Chair Atelier im VitraHaus eine wunderbare Entwicklung beobachtet werden, da es dort dem Besucher seit einiger Zeit nicht nur möglich ist, zu sehen und zu fühlen, wie ein Vitra Lounge Chair hergestellt wird, sondern auch mit den Mitarbeitern zu sprechen und ein bisschen mehr über die Menschen hinter dem Produkt zu erfahren.

Von daher sagen wir, lassen Sie Monsieur Montebourg in Ruhe! Er hat unserer Meinung nach sehr weise und vernünftig investiert.

Und was die Dekadenz angeht: Justizministerin Christiane Taubira gab zu, drei Fahrräder zu besitzen. Drei Fahrräder!!!

Qu’ils mangent de la brioche! Also echt…!

Vitra Eames Lounge Chair Chemnitz

Ein Vitra Eames Lounge Chair White. Hier bei der Ausstellung Eames by Vitra im Wasserschloß Klaffenbach, Chemnitz



Mailand 2013: Workbay Office von Ronan und Erwan Bouroullec für Vitra

Tuesday, April 23rd, 2013

Auf der Orgatec 2012 präsentierte Vitra im Oktober Workbay, das neue Konzept von Ronan und Erwan Bouroullec.

Workbay ist die neueste Entwicklung der Brüder in ihrer fortwährenden Suche nach einem “Raum im Raum”: ein flexibles System, das – basierend auf Fleecewänden und Aluminiumträgern – einer Kreuzung aus Alcove Sofa und den Bouroullecschen Communal Cells von der Orgatec 2010 ähnelt.

Als wir Workbay in Köln gesehen haben, dachten wir, nette Idee, nette Erweiterung des Bouroullecschen Programms… und sind weiter gegangen um uns auf den Cork Desk zu konzentrieren.

In Mailand präsentierten Vitra und die Bouroullecs Workbay nun in seiner vollen Größe.

In einer Installation, die extra für die Salone Ufficio Abteilung der Möbelmesse in Mailand entworfen wurde, zeigten Ronan und Erwan Bouroullec das Workbay Office: Man sieht, wie Workbay in ein Büro integriert werden kann und so separate Flächen schafft, die mit einigen ziemlich simplen Extras erweitert werden können.

Sofas. Regale. Schreibtische. Aufbewahrungseinheiten. Waschbecken.

Und weil das Workbaysystem praktisch in jeder Länge, Umfang,  Durchmesser oder Form konstruiert werden kann, kann es in ein Büro jeder Größe integriert werden. Und es kann, wie es die Situation eben gerade erfordert, an die Umgebung angepasst werden.

Als solches bietet Workbay für uns nicht nur einen völlig neuen Zugang zum Büromöbel, sondern als System bietet es Architekten und Innenausstattern auch eine ganz neue Freiheit beim Einrichten von Büroräumen.

Und wir dachten, Workbay wäre nur eine flexible Fleece und Aluminium Wand…



Tom Vac von Ron Arad für Vitra. Und die Neue Sachlichkeit!

Tuesday, April 2nd, 2013

Wie bei so vielen von Ron Arads kommerziell erhältlichen, in Serie hergestellten Designs beginnt auch die Geschichte vom Tom Vac weit, weit weg von den Einheitswohnzimmern, in dem man ihn heutzutage sieht.

In diesem Fall begann die Geschichte an einer Straßenecke in Mailand. 1997 startete das italienische Architektur und Design Magazin Domus eine PR-Kampagne, bei der zeitgenössische Designer gebeten wurden, eine Installation zu entwerfen, die die Grundsätze des Magazins verkörpert. Der erste Beitrag kam von Ron Arad und wurde während der Mailänder Design Week 1997 vorgestellt. Die Arbeit bestand aus einem Stapel von 100 Aluminium Stühlen, die Arad extra für das Projekt entwickelt hatte. Die Installation namens “Domus Totem” untersuchte, wenn wir es richtig verstanden haben, Neu und Alt in Design, Kunst und Architektur. Ein guter, gepflegter Spaß.

Als Projektsponsor überarbeitete Vitra die Stühle schließlich in Form einer Kunststoff-Variante und seit ihrer Lancierung 1999 hat sich der Tom Vac zu einem der Grundpfeiler der Vitra Sitzmöbel-Kollektion entwickelt.

Dass man diesen reduzierten, bescheidenen, fast schon unschuldigen Tom Vac nun vor dem Kunstmuseum Stuttgart unter dem Banner für “Otto Dix und die Neue Sachlichkeit” finden kann, ist sicher ein Versehen. Wenn man ein Ron Arad Stuhl für so einen Kontext wählen will, dann doch den Rover Chair oder den Bad Tempered Chair. Viel besser würden diese beiden zu Otto Dixs provokativen Schilderungen des Krieges, der Prostitution und der Verdorbenheit in der Weimarer Republik passen.

Vielleicht interpretieren wir es auch einfach falsch und erkennen nicht die brilliante kritische Gegenüberstellung der Kuratoren. Wie auch immer. Es hat uns jedenfalls amüsiert. Und das wollten wir mit euch teilen…

“Otto Dix und die Neue Sachlichkeit”  ist noch bis zum 7. April im Kunstmuseum Stuttgart zu sehen. Wir sind gespannt, welchen Gegenspieler der Tom Vac als nächstes bekommt…

Tom Vac by Ron Arad for Vitra And New Objectivity

Tom Vac von Ron Arad für Vitra. Und die Neue Sachlichkeit!

Tom Vac by Ron Arad for Vitra And New Objectivity

Tom Vac von Ron Arad für Vitra. Und die Neue Sachlichkeit!



Wasserschloss Klaffenbach Chemnitz: Eames by Vitra

Monday, March 11th, 2013

Bis zum 9. April wird im Wasserschloss Klaffenbach Chemnitz die Ausstellung “Eames by Vitra“, präsentiert von (smow) Chemnitz, gezeigt.

Wie bereits in unserem ersten Post erwähnt, gibt “Eames by Vitra” einen vollständigen Überblick über den Charles-und-Ray-Eames-Stuhl-Kanon, der durch Texte, Fotografien und Videos vervollständigt wird, die den Hintergrund zum Eames Studio erklären. Es ist keine Ausstellung, die das komplette Phänomen Charles und Ray Eames erklärt, aber das behauptet sie auch nicht. Es geht ganz um die Stühle.

“Eames by Vitra” im Wasserschloss Klaffenbach ist über drei Räume verteilt, was den positiven Nebeneffekt hat, dass der Besucher auf eine Reise durch das Eames’sche Werk geschickt wird. Jeder Raum hat seine eigene Atmosphäre, seinen eigenen Charakter und das ist bezogen auf die Ausstellung ein Umstand, der zusammen mit den offenen Räumen, den Eindruck erweckt, die Ausstellung sei viel größer als sie ist.

Und sie ist nicht groß. Sie ist intensiv, aber nicht groß.

Trotz allem zeigt “Eames by Vitra” recht viel aus dem Werk der Möbeldesigner: Eames Sperrholz, Plastic und Aluminium Chair Kollektionen, neben der La Chaise Liege, den Stools und natürlich dem Eames Lounge Chair. Außerdem gibt es genug Eames Elephants in der Ausstellung, um einen Wasserschloss Klaffenbach Safari Park aufzumachen.

Wenn wir etwas bemängeln würden (und uns ist durchaus bewusst, was es bringt, wenn wir uns beschweren…) wäre es, dass das erste Ausstellungsstück, das man sieht, ein Eames Plastic Chair ist. Denn es ist nicht nur so, dass die Eames Geschichte chronologisch mit den Sperrholzstühlen beginnt. Um das Eames Ouvre zu verstehen, muss man auch die Eames Plywood Chairs verstehen. Daher würde es für uns mehr Sinn ergeben, mit dem gebogenen Sperrholz zu beginnen. Aber das sehen wahrscheinlich nur wir so.

Und wie immer sind wir mehr als froh darüber, dass sich ja jeder Besucher seine eigene Meinung bilden kann… Um uns dann zu sagen, dass wir falsch liegen.

“Eames by Vitra” ist bis zum 9. April 2013 im Wasserschloss Klaffenbach Chemnitz zu sehen.

Weitere Informationen unter www.wasserschloss-klaffenbach.de

“Eames by Vitra” ist eine Co-Produktion zwischen der C³ Chemnitzer Veranstaltungszentren GmbH und (smow) Chemnitz.



Orgatec 2012 Interview: Antonio Citterio “Ich mag es an Produkten zu arbeiten, die sich mit der Zeit entwickeln. Ich arbeite nicht gern für den Moment”

Monday, February 11th, 2013

In unserem Orgatec Interview mit Vitra CEO Eckart Maise sprachen wir über das Bürosystem als zentrale Komponente der Vitra Büromöbel Philosophie. Ein Designer, der mehr als jeder andere dazu beigetragen hat, Vitras guten Ruf im Büromöbelbereich zu stärken, ist ohne Frage Antonio Citterio. Seit seiner ersten Zusammenarbeit mit dem Unternehmen in den späten 1980er Jahren arbeitete Antonio Citterio mit Vitra an zahlreichen Schlüsselprojekten, darunter das Ad Hoc System, die AC sowie ID Bürostühle und zuletzt der Grand Repos Lounge Chair. Auf der Orgatec 2012 präsentierten Antonio Citterio und Vitra die jüngsten Früchte ihrer Arbeit und wir haben die Gelegenheit genutzt, um mit Antonio Citterio über seine Arbeit mit Vitra und seine Bewunderung für Charles und Ray Eames zu sprechen. Zuerst haben wir jedoch nach der Herangehensweise an seine Arbeit gefragt.

Antonio Citterio: Ich mag es an Produkten zu arbeiten, die sich mit der Zeit entwickeln. Ich arbeite nicht gern für den Moment, sondern über lange Zeiträume und an Langzeitkonzepten. Mein Ansatz ist es, bestehende Systeme weiterzuentwickeln und alle paar Jahre ein paar Änderungen durchzuführen. Zum Beispiel haben wir 2010 das ID Chair Concept vorgestellt und dieses Jahr präsentieren wir eine neue Rückenlehne für das System. Außerdem haben wir ein paar Änderungen für Ad Hoc und einen neuen Visavis. Das sind immer noch die gleichen Produkte, nur andere Optionen. Ich will nichts so weiterentwickeln, dass die vergangenen Versionen alt oder überholt wirken.

(smow)blog: Alt und überholt sind interessante Stichwörter. Ad Hoc ist nun über 20 Jahre alt, ist es noch relevant in modernen Büros oder hat sich die Büroumgebungen schneller entwickelt als Ad Hoc?

Antonio Citterio: Natürlich verändern sich mit der Zeit die Anforderungen an ein System oder Produkt. Die Büroumgebung verändert sich, aber ein System wie Ad hoc verändert sich mit. Zum Beispiel war das erste Ad Hoc sehr tief, weil damals noch diese riesigen Computermonitore auf die Tische passen mussten, aber jetzt brauchen wir wegen der Laptops und Tablets weniger Platz. Das System bleibt das gleiche, es entwickelt sich jedoch weiter und bleibt praktisch und relevant.

(smow)blog: Diese Weiterentwicklung oder Erweiterung des Systems, ist die immer nur eine technische oder spielt Ästhetik dabei auch eine Rolle?

Antonio Citterio: Es wäre langweilig, wenn es nur technische Entwicklungen wären. Das technische Element ist ein wichtiger Teil des Jobs, aber der ästhetische macht immer auch einen großen Teil aus. Es genügt nicht, wenn man sich nur der technischen Seite widmet. Beim ID Concept z.B. reicht es nicht aus eine neue Lehne zu entwickeln, alle Aspekte müssen in so eine Entwicklung einbezogen werden, alles muss passen. Nicht jedes Projekt führt dabei zum Ziel, manchmal muss man einfach aufhören, wenn man nicht das gewisse Etwas erreicht hat.

(smow)blog: Kann man daher sagen, dass Büromöbel interessanter für Sie sind als Wohnmöbel, wo man kürzere Produktzyklen hat?

Antonio Citterio: Nein, ich mag beides. Büromöbel mag ich wegen der anspruchsvollen Technologie, die in ihnen steckt. Mit Vitra konnte ich diese Technologie sogar in den Grand Repos stecken – ein Möbel für den Wohnbereich durch und durch. Vitra ist ein Unternehmen, das Bürosysteme versteht.

(smow)blog: Sie sind gelernter Architekt und arbeiten auch immer noch als solcher. Wenden Sie den Ansatz einer Langzeitentwicklung von Systemen auch in Ihrer architektonischen Arbeit an?

Antonio Citterio: Ja, es sind sehr ähnliche Prozesse. Zum Beispiel habe ich drei Produktionshallen für Vitra gebaut: die erste vor 15 Jahren, die zweite vor fünf Jahren und die dritte im letzten Jahr. Alle Hallen sind gleich, aber Entwicklungen innerhalb eines Systems. Die sind zwar immer schon fertig, werden aber jedes Mal verbessert. Die zweite wurde z.B. nah an der ersten  gebaut. Als junger Architekt würde man nun ein Zeichen setzen wollen, aber Vitra braucht keine Zeichen zu setzen. Vitra braucht einen produktiven Ort. In Weil am Rhein mit dem Vitra Campus sieht es etwas anders aus. Dort hat man viel Raum und eine Reihe ausdrucksstärkere Arbeiten von verschiedenen Architekten. Aber um einen kreativen Vitra Ort zu schaffen, muss man konsequent sein und so entwickelten wir für das zweite Werk  das Konzept des ersten weiter. Als wir dann die dritte Halle gebaut haben, hatte ich bereits ein gutes wettbewerbsfähiges System, das schnell gebaut werden kann und gut aussieht. Also ja, es ist ein ähnlicher Prozess.

(smow)blog: Um das Thema langsam zu wechseln, Sie werden als großer Bewunderer von Charles und Ray Eames zitiert. Was macht die Bewunderung aus?

Antonio Citterio:  Wenn man sich die Arbeiten der Eames ansieht, erkennt man, dass die Produkte nie fertig sind, sie wurden immer weiter verbessert und an den Designs gearbeitet. Und das ist etwas, womit ich mich identifizieren kann. Jedes Produkt kann noch besser sein und man sollte nie aufhören, sie zu verändern und versuchen besser zu machen. Und Charles Eames war ein unglaublicher Designer und Visionär und ohne Frage einer der besten des 20. Jahrhunderts.

(smow)blog: Ist das in Verbindung mit Ihrer eigenen Präferenz für die kontinuierliche Entwicklung von Projekten über einen langen Zeitraum ein Grund, warum Sie so zufrieden mit Vitra sind? Das Unternehmen bietet Ihnen schließlich die Freiheit Ihre Produkte kontinuierlich zu entwickeln.

Antonio Citterio: Bestimmt ja. Ich war immer sehr glücklich mit Vitra.

(smow)blog: Letzte Frage: Wir sind auf einer Büromöbel Messe. Wie sieht Ihr Büro aus?

Antonio Citterio: Ich habe einen Ad Hoc und werde bald den neuen ID Chair haben. Zurzeit haben wir noch den Axess und Visavis…

(smow)blog: ….also ist es ein Citterio Büro….

Antonio Citterio: Klar. Ein Citterio Büro in einem Citterio Haus.

Antonio Cittero bei Vitra

Antonio Cittero (Foto: Bettina Matthiesen © Vitra)

Antonio Citterio grand repos vitra

Grand Repos von Antonio Citterio für Vitra

Antonio Citterio pivot orgatec vitra

Der Stuhl Pivot von Antonio Citterio für Vitra

Antonio Citterio ad hoc id chair vitra

Das Bürosystem Ad Hoc und der ID Chair von Antonio Citterio für Vitra



A&W Designer des Jahres 2013: Ronan + Erwan Bouroullec

Thursday, January 17th, 2013

Mal wieder bot die IMM Cologne die Kulisse für die Verleihung des A&W Designer des Jahres Preises. Nach Tokujin Yoshioka 2011 und Patrica Urquiola 2012 ging die Auszeichnung 2013 an unser aller Lieblinge Ronan und Erwan Bouroullec.

Außerdem wird den Brüdern Bouroullec sozusagen als Krönung ihres Gewinns eine Ausstellung im Kölnischen Kunstverein gewidmet.

Da die Ausstellung ausschließlich einen Überblick über ihre neueren Arbeiten bietet, kann man hier nicht direkt von einer Retrospektive sprechen, aber man hat einmal Gelegenheit, die Arbeiten der beiden für die verschiedenen Hersteller, wie VitraMagis, Kvadrat oder Lignet Roset, zu vergleichen und so die Methoden und Motive ihrer Arbeiten zu erkunden.

Wir für unseren Teil haben die meiste Zeit damit verbracht, das Designkonzept der Ausstellung, das jede gerade Linie im Raum durch eine Art Vorhang bzw. Raumtrenner unterbricht, zu verfluchen. Das machte es uns nämlich unmöglich ein anständig weites Bild zu machen, das die gesamte Ausstellung in einem Schuss einfängt.

Erst im Gespräch mit Erwan Bouroullec erschloss sich uns, dass es sich bei den ärgerlichen Textilien um ihr letztes Produkt für Kvadrat handelt – das Ready Made Courtain System, ein Vorhangsystem zum selber kombinieren.

Sie waren zwar immer noch im Weg, aber immerhin wussten wir nun, warum.

Wir haben uns entschieden den Brüdern das Trauma eines weiteren Interviews mit uns zu ersparen, sie haben in den letzten Jahren schon genug gelitten, aber hier sind ein paar visuelle Eindrücke von ihrer Ausstellung.

Und solltet ihr demnächst in Köln sein, die Ausstellung ist noch bis zum 20. Januar im Kölnischen Kunstverein in der Hahnenstr. 6, 50667 Köln zu sehen.

 



Orgatec 2012 Interview: Michel Charlot über die U-Turn für Belux

Tuesday, November 13th, 2012

Geht man durch die Vitra Ausstellung auf der Orgatec, kommt man an einem Produkt einfach nicht vorbei. Auf jedem Tisch, in jedem Workbay, in jedem Alcove steht eine Lampe.

Eine Vitra Lampe?

Eigentlich nicht. Eigentlich ist es eine Lampe des Schweizer Herstellers Belux.

Seit 2001 ist Belux jedoch Teil der Vitra Familie und auf der Orgatec 2012 haben sie ihre Familienbeziehung genutzt, um den letzten Neuzugang im Sortiment des Lampenherstellers, U-Turn vom ECAL Lausanne Absolventen Michel Charlot, vorzustellen.

Treue Leser werden sich an unsere totale Begeisterung für die Standing Task Light von Erik Wester erinnern. Das ist eine Lampe, deren Fuß und Schirm durch ein innovatives Kugelgelenk ganz nach Gusto ausgerichtet werden können.

U-Turn von Michel Charlot für Belux erinnert uns stark an die Standing Task Light – nur mit ein paar kleinen Unterschieden. Unterschiede, die so technisch brillant wie poetisch sind und vor allem die Schönheit der Standing Task Light auf eine ganz andere Ebene transportieren.

Bei der U-Turn ist der Lampenkopf durch einen Magnet mit dem Fuß verbunden und kann nicht nur ausgerichtet werden, sondern der Kopf kann auch abgenommen und andersherum wieder aufgesteckt werden. Das Licht kann so nach oben oder unten gerichtet werden. Eine Lampe also, die echte Flexibilität bietet und die Atmosphäre eines Raumes immer wieder neu definieren kann, z.B. indem sie während der Arbeit am Schreibtisch direktes Licht auf die Arbeitsfläche und später, am Abend, angenehmes indirektes Licht nach oben, an die Decke wirft.

Im Moment ist die U-Turn als Schreibtisch-, Hänge-, Wand- und Stehlampe erhältlich, 2013 wird es außerdem eine Klipplampe und eine dimmbare Version geben.

Um etwas mehr über die U-Turn Lampe und ihren Designer herauszufinden, haben wir mit Michel Charlot gesprochen. Als erstes wollten wir wie immer die Hintergründe zum Projekt erfahren….

Michel Charlot: Nachdem ich mein eigenes Studio in Basel eröffnet hatte, kam ich in Kontakt mit Vitra, Belux ist ein Teil von Vitra, die Hilfe bei einem Projekt brauchten und glücklicherweise mich fragten. Sie hatten bereits eine Vorstellung von einer Lampe, die auf einer Kugel und einem Magnet basieren sollte, aber noch funktionierte es nicht und sie wussten nicht, wie sie weitermachen sollten. Es ist die eine Sache eine Idee zu haben, aber eine andere, eine Produktfamilie darum zu entwickeln und dem Ganzen einen eigenen Charakter und eine Identität zu verleihen.

(smow)blog: Und was hast du als erstes getan? Alles über den Haufen geworfen und von vorne begonnen?

Michel Charlot: Mehr oder weniger. Das ursprüngliche Objekt war ziemlich groß, hatte zwei Spots und arbeitete mit einer anderen Technik. Also ja, ich habe so ziemlich alles verändert und was wir jetzt haben, hat nichts mehr mit dem zu tun, was Belux damals hatte. Die Grundidee mit der Kugel und dem Magneten ist die gleiche, aber sonst ist alles neu.

(smow)blog: Als junger, relativ unbekannter Designer zu Unternehmen wie Belux oder Vitra zu sagen “Das ist alles Müll. Wir fangen nochmal von vorne an.” klingt nicht als wäre es so leicht…

Michel Charlot: Es ist natürlich schwierig, wenn man so jung ist und es ist auch schwierig für die Leute, mit denen man zusammenarbeitet. Design und Designentwicklung hat viel mit Vertrauen zu tun und es ist natürlich einfacher Leuten wie Antonio Citterio oder Jasper Morrison zu vertrauen, die mehr Erfahrungen haben. Wenn man noch so jung und unerfahren ist, kann es ziemlich schwierig sein, jemanden von einer Idee zu überzeugen, vor allem dann, wenn sie riskant ist. Aber ich denke, im Design ist es wichtig, dass man Risiken eingeht, weil man nur so zu spannenden Ergebnissen kommt. Glücklicherweise hat mich Belux sehr dabei unterstützt und war offen für die Ideen, die ich in das Projekt eingebracht habe.

(smow)blog: Wie lange hat es gedauert das Design zu überarbeiten?

Michel Charlot: Insgesamt hat es zwei Jahre gedauert. Die Herausforderung in der Lichtindustrie ist, dass sich die Technologie so schnell verändert und man es sich nicht leisten kann, zu lange an einem Projekt zu arbeiten, weil das Risiko besteht, dass z.B. die LED Technologie schon wieder überholt ist, wenn man das Produkt auf den Markt bringt, weil man zu lange gebraucht hat. Aber genau weil es diesen Wandel gibt, haben wir die U-Turn entwickelt, deren LED-Technik in Zukunft angepasst werden kann. Die U-Turn, die man in zwei oder drei Jahren kaufen wird, wird zwar noch die gleiche sein, aber mit der modernsten LED Technik. Das ist eine Möglichkeit den Lebenszyklus eines Produktes zu verlängern.

(smow)blog: Du hast dich einer bereits existierenden Idee angenommen und daraus ein Produkt entwickelt. Bist du mit dem Ergebnis zufrieden?

Michel Charlot: Ja, ich bin sehr zufrieden damit. Die Idee ist sehr simpel und es ist ein stimmiges Objekt. Ein Ziel ist es immer für mich, ein Produkt eindeutig zu gestalten, d.h. im Sinne von “Natürlich sieht es so aus.” oder “Wie könnte es anders sein?”. Ich mag es, wenn Menschen ein Objekt sehen und es “normal” finden. Das ist nämlich gar nicht so leicht zu erreichen, das setzt eine Menge versteckte Arbeit voraus. Um z.B. sicherzustellen, dass sich der Leuchtenkopf geschmeidig über die Kugel bewegt, dann aber an einer Stelle stoppt und nicht verrutscht, war eine Menge Entwicklungsarbeit notwendig.

(smow)blog: Ein Projekt mit Belux ist ein prima Start für dein eigenes Studio. Wie soll es nun weitergehen, können wir mit weiteren Projekten von dir in naher Zukunft rechnen?

Michel Charlot: Ich arbeite zurzeit an einem Projekt mit dem italienischen Taschenhersteller Nava, das eigentlich ein Industriedesignprojekt ist, da es Spritzguss, Schweißen und andere industrielle Verfahren beinhaltet. Mein wahres Interesse gilt dem Industriedesign. Für mich macht der Industrieaspekt ein Projekt zu einer wirklichen Herausforderung, aber auch faszinierend und bereichernd. Viele Designer neigen heutzutage zu handwerklichen Galerieprojekten, aber das ist keine Richtung, die für mich interessant wäre.

(smow)blog: Unsere letzte, unvermeidliche Frage: Die Orgatec ist eine Büromöbelmesse, wie sieht dein Büro aus?

Michel Charlot: Ich habe einen alten Industrie-Tisch, den ich als Schreibtisch aufpoliert habe und ein paar Vitra Stühle von Maarten van Severen. Und hoffentlich werde ich bald eine neue Schreibtischlampe haben!

Orgatec 2012 Michel Charlot U-Turn Belux

U-Turn von Michel Charlot für Belux. Eine Lampe, eine Welt voller Möglichkeiten.

Orgatec 2012 Michel Charlot U-Turn Belux clip

Die Clip Version der U-Turn von Michel Charlot für Belux

Orgatec 2012 Michel Charlot U-Turn Belux workbay

U-Turn von Michel Charlot in Aktion in einem Vitra Workbay



Orgatec 2012: Ein Interview mit Vitra Chief Design Officer Eckart Maise

Friday, November 9th, 2012

Im Februar 1991 schlug das Urgestein des italienischen Designs Ettore Sottsass dem Vitra CEO Rolf Fehlbaum ein gemeinsames Projekt vor. Es sollte um Leben und Arbeiten im Büro gehen. Das Ziel war dabei nicht Büromöbel zu entwerfen, sondern den Mikrokosmos “Büro” in all seinen Facetten zu erkunden.

Rolf Fehlbaum stimmte bereitwillig zu und zusammen mit Michele de Lucchi, Andrea Branzi und James Irvine machten sich Sottsass und Vitra auf eine Erkundungstour, sie forschten, überlegten und entwarfen.

Das Ergebnis wurde der Öffentlichkeit in Form des “Citizen Offices” präsentiert: eine Ausstellung, die im April 1993 im Vitra Design Museum öffnete, und ein begleitendes Buch, das die unternommene Reise und gewonnenen Erkenntnisse erklärt. Aber viel mehr war das Citizen Office eine Vision davon, wie unsere zukünftige Bürowelt aussehen könnte, sollte – oder würde? Eine Vision, die in vielerlei Hinsicht als Grundgerüst für Vitras Büromöbelphilosophie der letzten zwei Jahrzehnte fungierte.

1989 ging Vitra mit “Metropol” von Mario Bellini bereits die ersten, zaghaften Schritte in Richtung eines Bürosystems. In den Folgejahren begannen dann die Langzeitkooperationen mit Designern wie Antonio Citterio oder Werner Aisslinger, während in den letzten Jahren die Idee des Citizen Offices durch Designer wie Ronan und Erwan Bouroullec oder Hella Jongerius bereichert wurde. Von Designern also, die ein Wohn-Gefühl in die technikdominierte Welt der Büromöbel brachten.

Auf der Orgatec 2012 haben wir mit Chief Design Officer Eckart Maise über das Vermächtnis des Citizen Offices und die Entwicklung neuer Bürosysteme gesprochen … und darüber, wie man zu Designern “Nein” sagt…

(smow)blog: Nimmt man das Citizen Office Projekt als den Ausgangspunkt für Vitras Arbeit mit Büromöbeln, ist das, was Sottsass, de Lucchi, Brandi und die anderen damals gemacht haben, noch relevant oder ist es mit den Jahren überholt?

Eckart Maise: Das Citizen Office Projekt besteht aus verschiedenen Stufen. Eine Stufe zum Beispiel beinhaltet eine Zusammenarbeit mit Siemens und bezieht futuristische Objekte wie Mobiltelefone ein. In dieser Hinsicht wurde das Citizen Office von technologischen Neuerungen eingeholt. Wie auch immer, im Kern ging es bei dem Projekt um das Büro als sozialen Ort, als Raum der Interaktion und des Engagements, als Ort, wo Menschen zusammenarbeiten – und all diese Dinge sind immer noch wichtig für uns.

(smow)blog: Kann man also sagen, dass sich die Büroumgebung als Citizen Office entwickelt hat, wenn auch nicht genau so wie vorausgesagt?

Eckart Maise: Im Hinblick auf einzelne Elemente auf jeden Fall. Wenn man auf irgendein Projekt zurückblickt, das sich mit Zukunftsentwicklungen auseinandersetzt, kann man immer die rosarote Brille aufsetzen, die die Vorhersagen herausfiltert, die realisiert wurden; jedenfalls haben viele Elemente aus dem Citizen Office fraglos die Bürogestaltung der letzten 20 Jahre beeinflusst.

(smow)blog: Blickt man auf die letzten 20 Jahre von Ad Hoc über Level 34 bis hin zu Joyn zurück, hat Vitra immer wieder neue Büromöbelsysteme entwickelt. Warum ist das “System” so wichtig in Vitras Büromöbelphilosophie und warum wird ihm mehr Bedeutung geschenkt als dem einzelnen Möbelstück?

Eckart Maise: Wenn ein Architekt ein Büroprojekt plant, betrachtet er zuerst die Grundstruktur des Raumes und überlegt, wie viele Menschen darin untergebracht werden müssen, wie diese Menschen arbeiten, wie sie interagieren, welche Art von Situationen an dem Ort möglich sein müssen usw. In diesem Kontext sind Möbelsysteme mit Tischen, Stauraum usw. sehr wichtig. Der Stuhl z.B. kommt später, am Anfang sind das nur Punkte auf dem Grundriss. Systeme bieten uns außerdem dauerhafte Flexibilität. Vitra ist als Unternehmen bekannt für den Vertrieb von Designklassikern. Von den Klassikern wissen wir nur zu gut, dass ein Produkt für einen langen Zeitraum relevant sein kann, aber auch dass man sich aktiv darum kümmern muss und dass man es gelegentlich anpassen muss, wenn sich die Situation oder die Anforderungen ändern. Bei einem System ist das Bedürfnis nach Veränderung ein eingebautes Merkmal. Ein System besteht aus einzelnen Elementen und wenn sich die Umstände ändern, kann man einfach die Elemente anpassen. Oder verbessern. Die Grundidee und das Konzept können aber weiter bestehen bleiben.
Bei Ad Hoc z.B. ist das zentrale Element die Stange unter der Tischplatte und die ist seit 1993 die gleiche geblieben. Alle Generationen von Ad Hoc sind also miteinander kompatibel.

(smow)blog: Was zu der naheliegenden Frage führt, wer oder was entscheidet, dass ein neues System entwickelt oder ein bestehendes weiterentwickelt werden muss. Sind das Sie oder die Designer?

Eckart Maise: Es sind beide Seiten ein bisschen. Manchmal kommt von uns der Input mit einer Untersuchung oder Beobachtungen, die wir gemacht haben, oder durch Kundenfeedback, und manchmal treten die Designer mit Ideen und Vorschlägen an uns heran. Dann gibt es da natürlich noch allgemeine Änderungen der Normen und Standards, auf die wir reagieren müssen. Es ist ein kontinuierlicher Prozess, aber nie etwas, das ohne Grund passiert.

(smow)blog: In Bezug auf diese Veränderungen: Die Orgatec findet alle zwei Jahre statt – ist das ein angemessener Rhythmus für Büromöbel?

Eckart Maise: Ich denke, ja. Die Orgatec ist nicht die einzige Messe, auf der wir neue Büroobjekte präsentieren, aber sie definiert in gewisser Weise den Rhythmus für unsere Produktentwicklung, ähnlich wie Mailand für unsere Home Collection. Und bestimmt wäre ein jährliches Event zu viel für Büromöbel.

(smow)blog: Vitra ist allgemein für seine Langzeitkooperationen mit Designern wie Antonio Citterio oder Alberto Meda bekannt. Die sind mehr oder weniger mit Vitra gewachsen. Kann man zu einem Antonio Citterio oder Alberto Meda denn noch “Nein” sagen?

Eckart Maise: Wenn man an einem Projekt arbeitet, muss man ständig “Nein” sagen. Ansonsten wäre es ein bisschen so als würde man einen Architekten mit einem Hausbau beauftragen und ihm sämtliche Entscheidungen überlassen. Das Risiko, dass man am Ende nicht in dem Haus wohnen will, ist sehr hoch. Im Zuge des Dialoges ist es wichtig, dass beide Seiten ihre Position deutlich machen. Wir als Unternehmen vertreten dabei die Position des Herstellers und der Kunden. Also ja, manchmal gibt es ein Nein. Aber nicht nur von uns, auch die Designer haben ihre Meinung und vertreten eine Position. Aber wie auch immer, ein Nein muss nicht endgültig oder kontraproduktiv sein. Es ist Teil eines offenen Dialoges, wo Diskussionen ein wichtiger Prozess sind, man aber immer eine Lösung findet.

(smow)blog: Und zum Schluss unsere traditionelle Orgatec-Frage: Wie sieht Ihr eigenes Büro aus?

Eckart Maise: Ich arbeite im Stehen. Mein Schreibtisch ist 1,50 m hoch und mein Stuhl ist ein Lehrmodell, das wir vor einigen Jahren entwickelt haben. Ich habe das “High Work”-Modell, das wir hier auf der Orgatec präsentieren, also gelebt und gewissermaßen perfektioniert.

(smow)blog: Und warum stehen Sie lieber beim Arbeiten?

Eckart Maise: Ich halte es für einen ausgezeichneten Weg zu arbeiten: Es ist dynamisch und aktiv. Im Laufe des Tages bin ich häufig in Meetings oder anderen Situationen, die nicht an meinem Schreibtisch stattfinden. Man kann sagen, ich bin nie länger als eine Stunde an meinem Schreibtisch. Und während dieser Zeit kommen ständig Kollegen zu mir, um etwas zu besprechen oder zu fragen. Durch das Arbeiten in aufrechter Position, kann ich sitzen bleiben und trotzdem auf Augenhöhe diskutieren, was die Produktivität und den Komfort verbessert.



Vitra Design Museum: Confrontations – Contemporary Dutch Design Live. Videos

Tuesday, July 3rd, 2012

Vitra Design Museum Confrontations Contemporary Dutch Design Live logoVerschiedene Verpflichtungen im Zuge des DMY in Berlin ließen es leider nicht zu, dass wir Confrontations – Contemporary Dutch Design Live im Vitra Design Museum besuchen konnten. Glücklicherweise hat das Vitra Design Museum und sein Partner, die niederländische Designplattform Premsela, aber Videos der fünf Projekte veröffentlicht. So gewinnt man sogar einen Einblick in das sechste Projekt – das Ausstellungsdesign von Catalogtree.

Von den erfahrenen Händen von designguide.tv gedreht, bieten die Videos einen tollen Einblick in den Hintergrund, die Umsetzung und die Ergebnisse der fünf Projekte. Außerdem zeigen sie, dass das Wetter in dieser Woche in Weil am Rhein offenbar genauso schlecht war wie in Berlin.

Fraglos das tiefgründigste, existenziellste Projekt war das von Lucas Maassen in Kooperation mit Roche. Als Fortsetzung eines Projektes, bei dem seine Kinder Möbel für ihn malten, hat Lucas Maassen die DNA seiner Eltern in Form sechseckiger Laborkristalle abbilden lassen und als echte Kristalle reproduziert. Dann sollten seine Eltern mit ihrer visualisierten DNA als Bausteine eine Kristalleuchte bauen. Einfach genial! Ja, das ist wieder eines dieser Projekte, die ein klein wenig mehr in Richtung Kunst statt Design tendieren. Zurzeit jedenfalls. Wir warten einfach mal ab, was Lucas daraus macht.

Auf einer etwas simpleren Ebene schufen 2012Architecten eine Sitzinstallation, bei der sie alles andere als perfekt verchromte Gestelle von Eames Aluminium Chairs und Holzreste verarbeiteten. Und wir vermuten mal, dass sie auch für die Eames Armchair-Sitzschale verantwortlich sind, die als Schaukel an einem Baum auf dem Vitra Campus aufgehängt im Video zu sehen ist. Das hat uns aufgrund der fast schon obszönen Einfachheit fast noch mehr beeindruckt als der “offizielle” Teil des Projekts.

Das in Eindhoven ansässige italienische Designstudio formafantasma arbeitete derweil mit der Köhlerin Doris Wicki zusammen. Sie schufen eine Serie von Glasgefäßen mit Holzkohlefiltern und servierten selbstgefiltertes Wasser zusammen mit kohlestaubversetztem Brot. Das soll die Verdauung fördern. Im Video geht es ungefähr ab Minute 5:45 darum.

Für das pechschwarze Kohlebrot würden wir zwar nicht Wieki Somers’ Bezeichnung “Genuss in Schichten” (“Layers of Pleasure”) verwenden, aber für Somers Projekt kann man wohl keinen treffenderen Ausdruck finden. Ein 100 Kilo schwerer Schokoladenzylinder, den sie mit dem Chocolatier Rafael Mutter zusammen kreiert hat, wird Schicht für Schicht abgeschabt, wodurch sich dem Betrachter die immer wieder neuen Muster in der überdimensionierten Praline offenbaren. Und als wäre dieser Anblick nicht schon Genuss genug, können die abgetrennten Schokoladenschichten auch noch gegessen werden. Wir empfehlen wirklich sich im Video ein Bild davon zu machen.

Der letzte Beitrag stammt von Dirk Vander Kooij, der seine Untersuchung fortsetzte, wie Objekte designt werden können, deren finale Form ohne großen Aufwand je nach Bedarf endlos verändert werden kann – das heißt ohne nach dem eigentlichen Produktionsprozess noch neue Werkzeuge, Formen oder  Fertigungsverfahren anwenden zu müssen. Sein Projekt Endless ist nun ein weiterer Schritt in diese Richtung. Zusammen mit dem Autoteilehersteller A. Raymond entwickelte er ein Dreieck, das mithilfe eines einfachen Mechanismus an den Kanten mit anderen Dreiecken verbunden werden kann, sodass dreidimensionale, beliebig erweiterbare Objekte entstehen. Und obwohl wir dachten, das Dreieck selbst wäre das “Produkt”, ist es nur ein einfacher Baustein, aus dem die gewünschten Objekte dann zusammengesetzt werden können. Wir hoffen, ihr könnt uns in etwa folgen… Die Leuchten, die er mit den PET-Dreiecken kreiert hat, sehen auf jeden Fall so aus, als würde sich die Weiterentwicklung der Idee lohnen.

Wie gesagt haben wir nur die Videos gesehen, aber nach dem zu urteilen, was wir da gesehen haben, scheint Confrontations – Contemporary Dutch Design Live sehr erfolgreich gewesen zu sein. Die Ausstellung hat auf jeden Fall fünf sehr verschiedene und sehr interessante Projekte hervorgebracht.

Die Ausstellung kann noch bis zum 2. September 2012 in der Vitra Design Museum Gallery besucht werden.

Und es gibt auch gute Nachrichten für alle, die es nicht nach Weil am Rhein schaffen werden: Die Premsela-Leiterin Els van der Plas hat angedeutet, die Ausstellung eventuell auf Tour zu bringen. Das klingt doch super! Wir nehmen an, dass die erste Show dann im Oktober bei der Dutch Design Week zu sehen sein würde… Wir halten euch auf jeden Fall auf dem Laufenden.

Alle Videos zu Confrontations – Contemporary Dutch Design Live gibt’s unter vimeo.com/premsela.

Wir haben uns die Freiheit genommen, das Video von 2012Architecten beim Recyceln der Vitra-Abfälle hier einzubetten:


Film von designguide.tv für Premsela und das Vitra Design Museum