Posts Tagged ‘Universität der Künste’

(smow)sommertour 2010: Drei Ausstellungen und ein Todesfall

Wednesday, July 28th, 2010
Summar tour 2010 review

(smow)sommertour 2010 Rückblick

Obwohl sie kurz war, hat sich der Aufwand für die (smow)sommertour 2010 gelohnt.

Es lohnt sich immer die Jahresausstellungen der Design-Hochschulen zu besuchen. Unser Fokus lag logischerweise auf die Arbeiten des Produkt- und Industrie-Designs. Aber wir haben auch die Gelegenheit genutzt, andere Fachbereiche zu besuchen. Und wo immer man hingeht und was immer man auch sieht, irgendetwas bewegt oder inspiriert einen.

Oft in völlig unerwarteten Bereichen.

Genau deshalb können wir solche Ausstellungen nur empfehlen.

Weil es uns an Kreativität fehlt, ein eigenes Format für eine kurze Zusammenfassung zu erstellen, haben wir das der “Design Grundlagen” Klasse aus dem 2. Semester der Universität der Künste geklaut.

All time-favourite – Was uns am meisten gefallen hat:

Neben dem genialen Projekt in Weimar, das wir leider weger diskutieren, fotografieren oder erwähnen können (aber merken Sie sich, wo sie zuerst davon gehört haben) – war der schönste Moment der Sommertour auf der Heimreise. Als wir im ICE zurück nach Leipzig saßen und uns die Ereignisse der letzten Tage noch einmal vor Augen hielten. Der Möwenkopf in Weimar, das Café an der UDK Berlin, die 3D Fotografie an der Burg Giebichenstein, das Bad in Weimar, das Bühnendesign in Weißensee, die Kerzen an der UDK, die Porzellan Zeitung an der Burg Giebichenstein, die Prototypen in Weißensee, die humorlosen, haarlosen, halslosen Türsteher der Burg Giebichenstein. Klingt wie ein Klischee. Ist ein Klischee, aber es war herrlich.

Personal Disaster – Was wir in Zukunft vermeiden möchten:

The opening of the Burg Giebichenstein Exhibition 2010

Die Eröffnung der Burg Giebichenstein Ausstellung 2010

Die “Ausstellungseröffnung” der Burg Giebichenstein. Wir verließen die Volkspark Galerie um 19 Uhr, nachdem wir die Kunstausstellung ungefähr 20 mal gesehen hatten. Als wir aufbrachen, wand sich die Schlange draußen durch den Garten. Kein Einlass für die Öffentlichkeit vor 19:30 Uhr – trotz der angeblichen Eröffnung um 18:30 Uhr.

18:30 Uhr galt natürlich für die eingeladenen VIPs aus Halle. Aber warum hat man das nicht allen gesagt.

So schlecht organisiert und so schlecht als “Ausstellungseröffnung” vermarktet, ist es einfach unakzeptabel und für uns etwas, das wir nicht noch einmal erleben möchten.

Nächstes Jahr werden wir wohl einfach an einam Samstag oder Sonntag die Burg Giebichenstein besuchen, weil ein Ausflug dorthin es Wert ist und weil die Burg eines unserer Lieblings Design-Hochschulen bleibt.

Die Hochschul-Website wird leider so unbenutzbar bleiben. Nach dem Motto “des Kaisers neue Kleider 2.0″. Aber wir wissen dennoch, dass die Studenten weiterhin gut unterrichtet werden und Arbeiten auf hohem Niveau produzieren. Und das ist es, worum es geht. Nicht um den Champagner und das Finger Food.

Whack on the head – Als der Groschen fiel:

The Palast der Republik in Berlin opend in 1976. We suspect that was also the last year the UDK Berlin was renovated.

Der Palast der Republik in Berlin öffnete 1976. Wir vermuten, das war auch das letzte Mal, als die UDK Berlin renoviert worden ist.

Es war weniger ein Groschen, sondern viel mehr die Erkenntnis über die riesigen Unterschiede in der Deutschen Design Bildung. Als wir über den Campus der Bauhaus Universität Weimar bummelten, machte sich eine kleine Stimme in uns bemerkbar, die ständig sagte: das alles wird von unseren Steuern bezahlt. Tatsächlich waren die Gebäude makellos und es scheint, das Geld keine Rolle bei der Renovierung spielte. Sowas nennt man wohl “Prestige Projekt”.

Die Universität der Künste in Berlin blieb 1976 geschlossen. Das war wohl auch das letzte Mal, als die Korridore des Fachbereichs Design in der Straße des 17. Juni gestrichen worden sind. Das Gebäude roch wie eine Bildungsanstalt im Jahre 1976. Die Werkstätten der Kunsthochschule Berlin Weißensee hatten moderne Maschinen, jedoch nicht in der Menge mit der Weimar prahlen kann.

Die Wahl, auf welche Design Hochschule man gehen sollte, hängt größtenteils von den angebotenen Kursen und den lehrenden Professoren / Dozenten ab. Das heißt, nur weil man eher Industrie-Design in Berlin mit Professor Axel Kufus als Produkt-Design mit Professor Heiko Bartels in Weimar studieren würde, sollte man keine schlechteren Bedingungen erwarten. Oder Retro-Gerüche.

Die Hochschulen an sich sind nicht das Problem, eher jene, die die Finanzierung organisieren. Wir haben keine Lösung für das Problem. Kooperationen mit kommerziellen Partnern mögen helfen, einzelne Klassen zu finanzieren, sind aber keine Dauerlösung.

Das war die (smow)sommertour 2010

Die Herbsttour 2010 wird uns nach Kopenhagen, London, Wien und Brüssel führen.

Aber dazu später mehr.



(smow)sommertour 2010: Universität der Künste Berlin, Rundgang 2010

Monday, July 26th, 2010
Who needs architechts anyway?

Wer braucht schon noch Architekten?

Nach der Enttäuschung an der Burg Giebichenstein fühlten wir uns auch auf dem Weg nach Berlin vom Glück verlassen, als wir durch Sturm und Regen nordwärts fuhren.

Der grundsätzliche Fokus beim Rundgang 2010 an der Universität der Künste Berlin lag auf den Semester-Projekten.

Eine Auswahl an Diplom-Arbeiten war zu sehen, bedauerlicherweise aber nicht alle Diplom-Projekte. “Jack” von Julia Reischel und “Qabel” von Philipp Frank waren zwei Projekte, die wir gern bestaunt hätten, die wir aber leider nur auf dem Papier und nicht in persona sahen.

fffff

Der Trockenschirm von Janja Maidl an der Universität der Künste Berlin

Die Semesterprojekte an sich waren ziemlich eingeschränkt. Was auf der einen Seite eine legitime Methode ist, die Konzentration der Studenten zu fokussieren. Wir hatten gelegentlich das Gefühl, dass die Projekte ein wenig zu sehr so angepasst wurden, dass sie den Anforderungen der kommerziellen Partner genügen.

Die Kooperation zwischen Design-Schulen und kommerziellen Partnern ist ein Punkt, den wir später noch einmal diskutieren werden.

Und obwohl Projekte wie “Light my Fire” oder “Lichten”, die die Frage “Wieviel Erleuchtung benötigt ein Licht?” aufwarfen, eine Reihe interessanter Ergebnisse hervorbrachten, dienten sie für uns weitestgehend dazu, den Lernprozess zu beobachten und zu verstehen.

Eine besonders herrliche Visualisierung des Lernprozesses war die Umfrage, die alle Studenten der Klasse “Industrial Design Grundlagen” ausfüllten. Durch Nennung ihrer Lieblings-Projekte, ihrer persönlichen Katastrophe und dem Moment “als der Groschen fiel” konnte man deutlich einige Gemeinsamkeiten unter den neuen Design-Studenten ausmachen. Die häufigsten Probleme waren verspäteter Beginn der Vorbereitungen und vor dem Produktionsstart keinen sauberen Prototypen angefertigt zu haben. Folglich war auch die Ausstellung weniger bedeutsam als die Notizwand im Flur.

dddd

Sno von Louise Unbekannt an der Universität der Künste Berlin

In einer ansonsten sehr informativen und hoch amüsanten Ausstellung fanden wir nichts, dass als Innovation definiert werden könnte.

Mit Sno hat Louise Unbekannt eine wundervolle Moormann-ische Garderobe entwickelt. Drei gebogene Holzteile, die ineinander übergehen und sich gegenseitig stützen. “Sno” hat nicht nur eine wunderbare Geometrie, sondern auch einige kleine Details, die das Talent hinter dem Design erkennen lassen.

Mesa Portador von Ben Raubold scheint ebenso seine Wurzeln in Aschau im Chiemgau zu haben. Obwohl wir die Idee der Tischbeine, die in zwei verschiedenen Höhen genutzt werden können, sehr mochten, war es doch die Weiterentwicklung, die uns sehr beeindruckte.

Sno Lo

Mesa Portador von Ben Raubold an der Universität der Künste Berlin

Portador ist spanisch für tragend und zaubert dennoch das Konzept des Transportablen hervor.

Falls Ben es schafft, das Design so zu entwickeln, dass alle Komponenten flach zusammen gesteckt werden können damit sie leicht transportieren kann, dann können wir uns auch einige praktische Anwendungen für Mesa Portador vorstellen.

Wenn wir von diesen beiden Arbeiten einmal absehen, dann sahen wir ansonsten sehr wenig in Sachen “Produkte”. Aber das sollte nicht als Kritik verstanden werden. Der Tonus der Ausstellung war vielmehr die Entwicklung der Studenten zu zeigen – und in diesem Fall erwartet man wohl auch keine “Produkte” sondern “Ideen” und “Möglichkeiten”. Und die waren so massenhaft wie Sachsen mit Sonnenbrand am Warnemünder Strand.

Ein weiteres Highlight erwartete uns vor dem Hauptgebäude der UDK in der Hardenberg-Straße.

Eine Windturbine, gebaut aus alten Ölfässern.

Viel mehr darüber wissen wir auch nicht, da das Informationsschild dazu fehlte.

Wir vermuten, dass solche Konstruktionen zu hunderttausenden auf kleinen Bauernhöfen in Indien und Afrika stehen. Oder zumindest hoffen wir das.

Das Konzept war zumindest das erste in Berlin, dass uns wirklich inspirierte und motivierte.

Bilder vom Rundgang 2010 an der Universität der Künste Berlin sind auf (smow)flickr zu sehen.

Und nach so einem unterhaltsamen Tag an der Universität der Künste fuhren wir weiter nach Nordosten zum Rundgang 2010 der Kunsthochschule Berlin Weißensee.

Mehr (smow) videos