Posts Tagged ‘Richard Lampert’

(smow)intern: Designmöbelkatalog 2011

Wednesday, July 6th, 2011

Technikverweigerer! Das wird (smow) ja normalerweise nicht nachgesagt. Soweit uns bekannt ist, hat noch kein (smow)Mitarbeiter einen iPad zertrümmert oder einen W-LAN Zugang gekappt um gegen die schleichende und zwanghafte Ausbreitung von Technologien in alle Lebensbereiche zu protestieren. Aber: In den ersten Wochen des Sommers waren alle im (smow)Hauptquartier mit der Vorbereitung und Herstellung des allerersten (smow)Katalogs beschäftigt. Ein realer gedruckter Katalog! Auf Papier! Mit Tinte!

Technikverweigerer? Au contraire, nos amis! Die Herstellung eines solchen analogen Katalogs ist technisch eine größere Herausforderung als dieses idiotensichere HTML zu programmieren. Und trotzdem ist es uns am Ende gelungen ein tolles Heft fertigzustellen. Gut gemacht, Katalogteam!

Neben einer Auswahl von (smow)Produkten enthält der Designmöbelkatalog 2011 auch biografische Informationen zu wichtigen Designern und natürlich wunderbare extra für den Katalog in Auftrag gegebene Fotos von Produkten von USM Haller, Vitra, Moormann, Richard Lampert et al.

So ein gedruckter Katalog ist im Prinzip nichts anderes als damals die Mechanisierung in den Textilfabriken, die den unterdrückten Massen erstmals den goldenen Geschmack von Freizeit kosten ließ. Mit dem Katalog bekommen wir ein Stück Technikfreiheit zurück. Computer ausschalten, Katalog in Ruhe durchblättern, Computer wieder anmachen, bestellen.

Ein Exemplar des Kataloges kann man über das Kontaktformular auf smow.de oder unter service@smow.de anfordern.

Auf facebook.com/smowcom haben wir außerdem die Fotogalerie zum Katlaogentstehungsprozess veröffentlicht.

smow Designer Furniture Catalogue 2011

(smow) Designmöbelkatalog 2011



Wilbur von Daniel Wahl

Wednesday, June 29th, 2011

Daniel Wahl aka weltunit hat auf dem DMY Berlin 2011 offiziell seine neue Schreibtischplatte Wilbur vorgestellt.

Wilbur ist ein Entwurf speziell für das Egon-Eiermann-Tischgestell und soll Schreibtischtätern in erster Linie helfen, wieder die Kontrolle über ihren Arbeitsplatz zu erlangen – und vor allem über ihre Kabel.

Was viele gar nicht wissen: Egon Eiermann hat lediglich das Tischgestell designt. Seine Idee war, dass jeder sich seine eigene Platte selbst besorgt. Und tatsächlich haben viele seiner Studenten einfach alte Türen auf ihre Gestelle gelegt.

Damals wurde noch alles per Hand und auf Papier erledigt. Schreibtischorganisation bezog sich im Prinzip nur darauf, wie man seine Papiere stapelte. Die Tischplatte an sich war demnach weniger wichtig, sie musste musste nur flach sein.

Seitdem hat sich einiges getan. Wer kennt nicht die immer unübersichtlicheren Berge von Kabelsalat und notwendigen technischen Gerätschaften, die sich auf dem “Schreib”tisch türmen.

Wilbur ist Daniel Wahls Antwort.

Ein “Tunnel” unter der Tischplatte bietet genug Raum für sämtliche Kabel, Ladegeräte und externe Festplatten – oder wahlweise auch für Kekse, falls die Kollegen wiederholt Backwareneigentumsrechte verletzen!

Zugang zum Tunnel bekommt man über einen Ausschnitt in der Tischplatte. Die Abdeckung ist an der Seite geschlitzt sodass Kabel eingeführt werden können.

Es ist alles so simpel dass man fast weinen möchte.

Wilbur wird in Deutschland hergestellt und ist in verschiedenen Größen und Ausführungen erhältlich. Für den Ausschnitt in der MDF-Platte werden verschiedene Optionen angeboten – je nach den unterschiedlichen Kabelgegebenheiten der Nutzer.

Weitere Informationen gibt es unter www.weltunit.com



Möbelmesse Mailand 2011: Richard Lampert

Wednesday, April 27th, 2011
Stack by Patrick Frey under

Experten begutachten Stak von Patrick Frey

Neben der Kids Only Kollektion hat Richard Lampert in Mailand zwei neue Produkte vorgestellt: Stijl von Alexander Seifried und Stak von Patrick Frey.

So wie die Entwicklung einer Kinderkollektion ein lang gehegter Wunsch von Richard Lampert war, wollte er auch die Rehabilitierung der viel verschmähten Küchen-Eck-Bank, die früher in jeder Berghütte zu finden war, vorantreiben.

Wir kennen Leute, die meinen, eine Rehabilitierung der genialen Küchenecke sei unnötig. Aber warum sollte man sich Küchenstühle in den Weg stellen, wenn sie doch schön Teil des Tischarrangements sein könnten? Warum?

Stijl ist bewusst zurückhaltend gestaltet und technisch gesehen gar kein Eckbankensemble. Es ist eher eine Tisch-Bank-Kombination, die entweder als “normale/r” Bank/Tisch in Standardmaßen geliefert werden kann oder aber in den Wunschmaßen des Kunden.

Die Konstruktion aus massiver Fichte gehört rein optisch einfach in eine Küche. Und darum geht es ja auch.

Ebenso bewusst unkompliziert ist Stak von Patrick Frey.

Das modulare Aufbewahrungssystem aus Stahl und Holz ist unendlich erweiterbar. Stak gibt es in einer Tiefe, zwei Höhen und zwei Breiten. Die individuellen Einheiten greifen einfach ineinander sodass zum Aufbau kein Werkzeug benötigt wird.

Viel mehr gibt es nicht zu sagen. Unserer Meinung nach sind die Produkte eine logische Ergänzung der Richard Lampert Kollektion, der es bisher – abgesehen von den Egon Eiermann Regalen – immer an Aufbewahrungs- und Regalsystemen fehlte.

stijl-alexander-seifried-richard-lampert-milan

Stijl von Alexander Seifried für Richard Lampert, hier zusammen mit dem Prater Chair von Marco Dessi

stak-patrick-frey-richard-lampert-milan-2011

Stak von Patrick Frey für Richard Lampert



IMM Cologne 2011: Richard Lampert – Kids Only

Friday, January 28th, 2011
Eric Degenhardt presents his new Tur-Tur. In the foreground the new kids In-Out lounger

Eric Degenhardt präsentiert den Tur-Tur. Im Vordergrund der neue In-Out Sessel für Kinder

Richard Lampert ist natürlich kein Newcomer in der Welt der Designer-Kindermöbel. Produkte wie der Eiermann Kindertisch – eine verkleinerte, kinderfreundliche Version des Egon Eiermann Tischgestells – oder der Kinderdrehstuhl Turtle von Peter Horn entwickelten sich über die Zeit zu echten Familienlieblingen.

Da es aber scheinbar kaum qualitativ hochwertige Designermöbel für Kinder auf dem Markt gibt, entschied sich Richard Lampert mit Hilfe von jungen internationalen Designtalenten eine eigene Kinderkollektion ins Leben zu rufen. Die Ergebnisse dieser fruchtbaren Zusammenarbeit stellte er nun in Form der Möbelserie “Kids Only” auf der IMM Cologne 2011 vor.

Dort gezeigt wurde “Tur-Tur” von Eric Degenhardt, das als Indoor-Baumhaus in gewisser Weise an die von den Brüdern Bouroullec 2000 entwickelte Installation Lit Clos erinnert. Ausschließlich für Kinder entwickelt, erweist sich “Tur-Tur” als kein schlechtes Spielzeug.

Nachdem sich 2010 ein fast endloser Strom aus “Hochstühlen” auf Designmessen und Studentenausstellungen über uns ergoss, begeistert uns Tur-Tur nun, im Gegensatz zu allen anderen gesehenen Möbeln für Erwachsene, die ihr inneres Kind wiederentdecken möchten, durch seine Ausrichtung auf real existierende Kinder.

Hoch über allen (erwachsenen) Dingen können sich Kinder ihre eigene Welt schaffen, und sich dabei einzigartig fühlen. Dieses “Das kann nur ich und niemand anderes”-Gefühl ist doch für Kinder unbestreitbar das befreiendste Gefühl überhaupt.

Außerdem kann man allerlei Sachen an und über die Stufen hängen, es gibt Stauraum im Rücken und man kann sogar darunter zelten.

Auch Degenhardts großartiger “In-Out” Sessel aus dem Jahr 2008 wurde auf Kindergröße geschrumpft. Natürlich haben wir den Sessel nicht ausprobiert, aber er sieht genauso gut aus wie die Erwachsenen-Version.

Das holländische Wunderkind Bertjan Pot hat derweil mit dem reifenförmigen Beanbag “Pit Stop” eine seiner (unserer Meinung nach) besten Arbeiten der letzten Jahre abgeliefert. Er ist vielleicht nicht sehr innovativ, aber dafür umso funktionlaer und praktischer.

Rocker by Doshi Levien - winner of a Best of Best, Interior innovation Award 2011 Best of

Rocker von Doshi Levien - Gewinner Best of Best, Interior Innovation Award 2011

Ein echter Hingucker der Kollektion ist aber Rocker vom Londoner Designstudio Doshi Levien.

Die Form erinnert entfernt an Walter Papsts Schaukelplastik, aber das Design von Rocker ist viel einfacher und interaktiver. Wir sind uns sicher, dass ein durchschnittliches Kind den Rocker nicht nur als Schaukelpferd benutzen wird, sondern eher als Instrument zum Entdecken und Austesten.

Erwachsene werden ihre Freude haben an der Mischung aus Holz und Kunststoff, die den Rocker aussehen lässt wie ein vergessener dänischer Designklassiker aus den 1970ern… und sicher in jedem Raum eine gute Figur abgibt. Soll heißen, die vorrübergehende Anwesenheit von Kindermöbeln im Haus muss nicht mit dem eigenen Stylingkonzept interferieren.

Alles in allem ist die Kids Only Kollektion von Richard Lampert eine ausgewogene und intelligente Zusammenstellung.

Und – was noch viel wichtiger ist – die Kollektion hat den Maßstab für Designerkindermöbel wieder etwas höher gesetzt.

Through the keyhole: Richard Lampert introduces his new Kids Only Collection

Blick durchs Schlüsselloch: Richard Lampert stellt seine neue Kids Only Kollektion vor

Richard Lampert and the Kids Only Collection designers

Richard Lampert und die Designer der Kids Only Kollektion

For us the highlight of the new Richard Lampert Kids Only collectionRocker by Doshi Levien, a

Unser Highlight der neuen Kids Only Kollektion von Richard Lampert: Rocker von Doshi Levien

Pit Stop by Bertjan Pot

Pit Stop von Bertjan Pot



Eiermann Schreibtisch: Warum hat ihn sich Benjamin verdient?

Friday, January 14th, 2011

Bereits im Oktober 2010 veranstaltete der Designer Blog pixelganster.de einen Wettbewerb mit einem Richard Lampert Egon Eiermann Schreibtisch als Hauptgewinn – natürlich gesponsort von (smow).

Die Teilnehmer wurden gebeten darzustellen, warum sie den Schreibtisch verdient hätten.

In seinem Gewinner-Video fragte Benjamin seine Freunde, warum er den Schreibtisch verdient hätte – wären deine Freunde so großzügig?

Unsere wahrscheinlich nicht.

Aber wir haben ja bereits einen Eiermann Schreibtisch!

Benjamin’s Gewinner-Video (deutsch mit englischen Untertiteln)



(smow)Blog Rückblick 2010: Januar, Februar, März

Friday, January 14th, 2011

Obwohl viele Kritiker meinen, dass ein Jahresrückblick lediglich ein einfacher und augenscheinlicher Weg ist Content zu generieren ist dieser für uns ein wichtiger Schritt in der Planung unserer Aktivitäten im kommenden Jahr – d.h. wo wir hingehen, mit wem wir sprechen werden, worauf wir sitzen werden und was viel wichtiger ist was wir dieses Jahr aufgeben oder anders machen werden.

Das einzig wirkliche Problem für uns dabei ist, dass wir erst mit der Aufarbeitung realisieren wieviel Material wir aufgrund der Fülle unbeachtet lassen müssen. Dadurch bekommen wir jedoch einen Eindruck davon, wieviel mehr Material wir im kommenden Jahr erwerben können.

Heck!

Lesender Tisch von Uli Budde @ Designers Fair 2010 Köln

Lesender Tisch von Uli Budde @ Designers Fair 2010 Köln

Das Jahr begann wie immer mit der IMM und Designers Fair in Köln. Abgesehen von der Möglichkeit einige Anti-Karneval-Scherze zu machen brachte uns der Ausflug einige tolle neue Produkte und Designer näher, so z.B.: Uli Budde, Christian Lessing, Martin Neuhaus, Alexander Gufler, maigrau, Tim Baute etc, etc, etc…

Ein weiteres Higlight war die Einführung von Herbert Hirche´s Interbau 57 Sessel durch Richard Lampert.

Negativ war der Mangel an Innovationen und wenn wir ehrlich sind die Qualität der Ausstellungen auf der IMM. Dafür, dass die IMM Deutschlands größte und wichtigste Möbelmesse ist, war sie einfach nicht gut genug.

Lassen wir uns überraschen was die IMM 2011 bringt.

Im Februar waren wir dann mit der Eröffnung des VitraHaus auf dem Vitra Campus in Weil am Rhein und einem Besuch beim MoormannHaus in Aschau im chiemgar auf einem wesentlich sichereren Grund unterwegs.

Moormann Haus, Aschau im Chiemgau

Moormann Haus, Aschau im Chiemgau

Abgesehen von der Art und Weise wie das VirtraHaus majästatisch vor einem erscheint war für uns die Entscheidung Gegenstände, die nicht aus dem Hause Vitra stammen, in die Ausstellung zu integrieren die wahre Freude. Ganz im Geiste der Collage von Charles and Ray Eames zum Prinzip der Innnenarchitektur.

Wenn wir einen Wunsch für 2011 hätten, dann der, dass man das eine oder andere Werk eines jungen Designers in die Ausstellungsfläche im VitraHaus aufnimmt, anstatt ausschließlich auf etablierte Designer zu bauen.

Das VitraHaus ist groß genug, um jungen Talenten eine Chance zu geben.

Während das MoormannHaus nur in Bruchteilen so spektakulär war wie Architektur von Vitra, war das eigentliche Highlight unseres Trips nach Aschau die Moormann Berge.

Die Moormann Berge ist eine wundervolle Einführung in die Moormann Philosophie, ganz abgesehen davon, dass es auch ein hervorragender Ausgangspunkt für einen Trip in die bayrischen Alpen ist.

Im März feierte die (smow)airport systems mit einer Reihe von auf USM Haller basierten Flughafen Lösungen auf der Passenger Terminal Expo 2010 in Brüssel Premiere. In Zusammenarbeit mit USM Haller hat die (smow) airport systems eine Reihe von Lösungen sowohl für operative als auch Lounge und Retail Bereiche auf Flughäfen entwickelt – Lösungen die auch bei den Besuchern der PTE sehr gut ankamen.

Auch wenn sich Firmenname und Struktur seit der PTE 2010 wieder verändert haben werden wir auch bei der PTE 2011 in Kopenhagen wieder dabei sein, zum einen um die Entwicklung des Projekts als Ganzes zu verfolgen und zum anderen um über Entwicklungen im Flughafen- und öffentlichen Bereich der Möbelwelt zu berichten.

Volles Haus im (smow)Raum für eine Lesung im Rahmen der Leipziger Buchmesse

Volles Haus im (smow)Raum für eine Lesung im Rahmen der Leipziger Buchmesse

Zurück in Leipzig fand im März 2010 die Leipziger Buchmesse statt und parallel dazu eine erfolgreiche Lesungsreihe im Rahmen des Events (smow)liest im (smow)Raum am Burgplatz.

Angefangen mit dem Buch “Grillsaison” von Philipp Kohlhöfer, gefolgt von “Neue Stimmen from Switzerland” bis hin zu “Meine Frau will einen Garten” von Gerhard Matzig brachten alle drei Vorlesungen ein sehr unterschiedliches, wenn auch gleichermaßen unterhaltsames Erlebnis mit sich.

Mehr davon Anfang 2011!



(smow)offline: Herbert Hirche, Strahlend Grau

Tuesday, May 25th, 2010
Strahlend Grau Herbert Hirche Exhibition, Museum der Dinge Berlin

Strahlend Grau Herbert Hirche Ausstellung, Museum der Dinge Berlin

Weil sich unser Artikel über den neuen London Bus aufgrund einer gebrochenen Wasserleitung verspätet, haben wir uns entschieden, stattdessen den Eindruck eines typischen Nutzers der London Busse wieder zu geben.

“Typisch. Man wartet stundenlang, und dann kommen zwei auf einmal. Schuld an alledem ist Ken Livingstone!”

Noch vor der Eröffnung der Retrospektive von Dieter Rams mit dem Titel “Less and More: Das design ethos von Dieter Rams“, besuchten wir die Eröffnung einer zweiten Ausstellung, die sich dem Leben und dem Werk eines früheren Designers aus dem Hause Braun widmet.

Die Ausstellung “Strahlend Grau” über Herbert Hirche im Werkbundarchiv Berlin ist eine wunderbar kompakte Übersicht über einen Designer, der neben seiner relativen Unbekanntheit doch ebenso wichtig wie Dieter Rams, Egon Eiermann oder Ludwig Mies van der Rohe ist – um nur drei der großen Altmeister des Deutschen Designs zu nennen, mit denen Herbert Hirche zusammen arbeitete.

Und es ist ein passender Anlass um Herbert Hirches 100. Geburtstag zu feiern.

Geboren in Görlitz am 20. Mai 1910, studierte Herbert Hirche an der Bauhaus Universität in Dessau und Berlin. Nach der Schließung der Institution im Jahre 1933 schloss er sich dem Team seines früheren Professors Ludwig Mies van der Rohe an und blieb dort bis Mies van der Rohe 1938 in die USA floh. Nach einem Jahr als Freelancer arbeitete er schließlich in Egon Eiermanns Büro bis Eiermann Berlin 1945 wegen der nahenden Roten Armee verließ.

Strahlend Grau: Herbert Hirche on the roof of Bauhaus Dessau, 1932

Strahlend Grau: Herbert Hirche auf dem Dach des Bauhaus Dessau, 1932

Einen Arbeitgeber an ein totalitäres Regime zu verlieren ist Unglück – zwei zu verlieren erscheint wie ein Fluch.

In den Nachkriegsjahren war Herbert Hirche stark am Wiederaufbau Berlins beteiligt. Daneben lehrte er erst an der Hochschule für angewandte Kunst in Berlin-Weißensee und anschließend an der staatlichen Akademie für bildende Künste in Stuttgart, wo er auch als Rektor von 1969 bis 1971 tätig war.

Kuratiert von Nicola von Albrecht, präsentiert “Strahlend Grau” eine chronologische Reise durch Herbert Hirches Leben, wunderbar illustriert mit Original Briefen, Dokumenten und Fotografien. Eines der Highlights war für uns ein Brief von Egon Eiermann, der bescheinigte, dass Hirche in seinem Büro anheuern dürfe – kleine Dinge, die das sonst so abstrakte Bild über das Leben eines anderen zum … Leben erwecken.

Strahlend Grau Herbert Hirche's contribution for the exhibition Interbau Berlin, 1957

Strahlend Grau Herbert Hirches Beitrag für die Ausstellung Interbau Berlin, 1957

Und “Strahlend Grau” ist voll mit solchen Momenten.

Überhaupt nicht voll ist die Ausstellung an Möbeln.

Das liegt vor allem daran, dass viele von Herbert Hirches Arbeiten nie den Prototyp-Status überschritten haben und weil sein Erbe meist nur in Papierform vorliegt.

Trotz alledem beinhaltet die Ausstellung vier Werke von Herbert Hirche aus der aktuellen Richard Lampert Kollektion: den Hirche Barwagen, 1953 Lounge Chair, H57 Armchair und den Rattansessel “Santa Lucia”.

Soweit wir wissen, sind dies die einzigen Stücke von Hirche, die derzeit produziert werden. Und dass, obwohl Herbert Hirche für Hersteller wie Knoll, Wilkhahn oder Wilde + Spieth gearbeitet hat.

Richard Lampert war selbst auch vor Ort und erzählte uns, wie er auf Herbert Hirche aufmerksam wurde – glücklicherweise nicht durch lange Recherchen in staubigen Archiven auf der Suche nach kommerziellen Möglichkeiten von vergessenen Designs.

Nein, Richard Lamperts Einführung in die Arbeiten von Herbert Hirche fand während eines langen Abends in einer geselligen und gar nicht staubigen Umgebung in Stuttgarts legendärem Restaurant “Santa Lucia” statt.  Ein Restaurant, für das Hirche nicht nur einmal, sondern zwei mal das Interior Design konzipierte und für welches er den Rattan Stuhl entwarf.

Anfangs skeptisch, war Richard Lampert doch so beeindruckt von dem Stuhl, dass er am folgenden Tag noch einmal zum Restaurant zurückkehrte um nachzufragen, wo der Stuhl herkäme.

Rattan chair Santa Lucia by Herbert Hirche

Rattan Chair Santa Lucia von Herbert Hirche für Richard Lampert

Und so begann eine wunderbare Beziehung, die schließlich in der Auszeichnung mit dem “Classic Innovation” Award auf der IMM 2010 in Köln für den Relaunch des H57 Armchair mündete.

Solche Anekdoten bringen uns immer zum Schmunzeln, weil sie zeigen, dass gutes und ehrliches Design immer dem aktuellen Hype, Starnamen und großen Marketing-Budgets überlegen sind. Und das gibt uns Hoffnung für die Zukunft.

Herbert Hirche Strahlend Grau: In every drawer a gem

Herbert Hirche: Strahlend Grau

“Strahlend Grau” ist weder eine umfangreiche Ausstellung, noch ist es eine Ausstellung, die passiv betrachtet werden kann. Ein Besuch von “Strahlend Grau” bedeutet aktives Suchen und Bedenken der präsentierten Informationen. Aber der Aufwand ist es wert und es gibt einige wahre Kostbarkeiten zu entdecken.

Und noch wichtiger: es ist eine wunderbare Einführung zu einem Designer, der mehr Ansehen verdient als er momentan bekommt und zu einer Ära des Deutschen Designs, das weit mehr zu bieten hat als viele Leute meinen.

“Strahlend Grau” läuft im Werkbundarchiv – Museum der Dinge, bis 13. September.

Werkbundarchiv – Museum der Dinge
Oranienstraße 25
10999 Berlin

Öffnungszeiten: Fr, Sa, So, Mo 12 – 19 Uhr

www.museumderdinge.de

Strahlend Grau: Herbert Hirche's 1953 lounge chair from Richard Lampert

Strahlend Grau: Herbert Hirches 1953 Lounge Chair von Richard Lampert



Vom iRmann Tisch zum iSlate

Tuesday, January 26th, 2010

Mit Spannung blickt die Welt auf San Francisco für die Ankündigung des Jahres. Steve Jobs wird am Mittwoch das neueste Gerät aus dem Hause Apple vorstellen.

Ist das der iSlate?

Ist das der iSlate?

Man munkelt, das flache, tragbare, tastaturlose Objekt der Begierde wird iSlate oder iPad oder iTablet heißen. Nutzer sollen mit der Mischung aus iPhone und iMac überall schreiben, zeichnen und rechnen können.

Im Prinzip eine Schiefertafel für das 21. Jahrhundert.

Daher der Name.

Was viele von Ihnen aber vielleicht überraschen wird: Nicht nur die Geschichte der Schiefertafel selbst ist germanisch, auch Apples Designansatz hat seine Ursprünge in Deutschland und sogar die Namensgebung basiert auf historischer deutscher Syntax.

Der iSlate ist also eigentlich deutsch.

Das Zentrum der weltweiten Schiefertafel-Branche war Steinach in Thüringen. In dieser Idylle aus Wald und Bächen wurden 30 Milliarden Schiefertafeln hergestellt und in alle Ecken der Welt versendet, bis die Produktion schließlich 1968 eingestellt wurde. Das “Schiefermuseum” der Stadt gibt einen wunderbaren Überblick über die Geschichte der Tafel-Herstellung in der Gegend und lohnt einen Besuch, wenn Sie das nächste Mal am Rennsteig sind. Den Betreibern zufolge, wird erst nach Steve Jobs offizieller Enthüllung entschieden, ob der iSlate in die Ausstellung aufgenommen wird.

Und ob er wirklich iSlate heißt.

Der klassische Eiermann Tisch von Egon Eiermann für Richard Lampert

Der klassische Eiermann Tisch von Egon Eiermann für Richard Lampert

Aber lange bevor Jonathan iVes begonnen hat, unser Denken in Bezug auf Produkte neu zu erfinden, haben die Deutschen genau dies bereits getan.

Der iRmann Tisch von Egon Eiermann ist wahrscheinlich das beste Beispiel dafür, wo das Produktdesign von Apple seinen Ursprung hat.

So wie Jonathen iVes Produkte auf das Wesentlichste reduziert bevor er sie in einem Pseudo-Post-Dieter-Rams-Format wieder auf den Markt bringt; so hat auch Egon Eiermann Schreibtischdesign nur auf das Gestell reduziert bevor er es in einem Pseudo-Pre-Dieter Rams-Format herausbrachte.

Der Name “iRmann” entstammt einer beliebten anglo-friesischen Konstruktion, die das phonetische “i” in der Schriftsprache als minderwertig betrachtete, weswegen der zweite Buchstabe entsprechend großgeschrieben wurde. Der Kleinbuchstabe “i” blieb nur um der Klarheit willen. In Brandenburg – woher Eiermann stammt – und dem benachbarten Berlin war diese Praxis weit verbreitet, starb jedoch aus als die ingwäonischen Sprachen in den 1980ern endgültig zugunsten des modernen Deutschs kapitulierten.

Unter Wissenschaftlern ist allgemein die These anerkannt, dass die Verwendung des Kleinbuchstaben “i” durch Apple in Wörtern wie iPod oder iPhone ähnliche Ursprünge hat und in Zusammenhang steht mit Steve Jobs friesischer Herkunft.

Heute wird der iRmann Schreibtisch von Richard Lampert hergestellt, allerdings unter dem Namen Eiermann Tisch.

Sowohl Apple-Produkte als auch iRmann Tische werden weltwelt von Architekten, Designern und anderen kreativen Menschen genutzt.

Das kann kein Zufall sein.

Der iRmann Tisch wird wunderbar ergänzt durch George Nelsons iClock von Vitra.

Der Name iClock ist ein schlechtes Wortspiel, welches wir uns nur ausgedacht haben, um die Uhr in diesem Post unterzubringen.

Aber wir mögen ihn.

Detaillierte Informationen zum iSlate gibt es hier nach der offiziellen Vorstellung von Apple.

iSlate und iRmann Tisch mit einem Panton Chair... Sieht so das kreative Bürodesign der Zukunft aus?

iSlate und iRmann Tisch mit einem Panton Chair... Sieht so das kreative Bürodesign der Zukunft aus?



smow am Rhein: Richard Lampert

Friday, January 22nd, 2010

Richard Lampert hatte versprochen, Herbert Hirches 100sten Geburtstag hier in Köln zu feiern; und am Ende gab es für den verstorbenen Prof. Hirche den Preis in der Kategorie Classic Innovation der diesjährigen Interior Innovation Awards.

Interior Innovation Award 2010 presented to Richard Lampert

Interior Innovation Award 2010 für Richard Lampert

Die Jury, in der unter anderem der in Mailand ansässige britische Designer James Irvine und der in London ansässige japanische Designer Tomoko Azumi SITZEN, wählte Hirches “GFK Schalensessel für die Interbau Berlin” (ein Fiberglas-Sessel, den Hirche 1957 für die “Interbau”-Messe entworfen hatte) als eines der besten Beispiele klassischer Innovation.

Der Stuhl ist keineswegs eine reine Fiberglas-Kreation wie die Eames Schalen.

Richard Lampert hat sich bei der Wiederauflage des Möbelstücks an den originalen Hirche-Sessel in sattem grünen Velours gehalten. Der GFK-Sessel ist außerdem in anthrazit Velours oder mit Lederpolsterung erhältlich. Eine Ausführung mit “nacktem” Rücken wird ebenso entwickelt.

Herbert Hirche Lounge Chair

Herbert Hirche Lounge Chair

Offensichtlich stammt der GFK-Sessel aus einer bestimmten Epoche der Designgeschichte.  Charles Eames, Finn Juhl oder andere Zeitgenossen von Hirche lassen grüßen. Aber wie jedes großartige Designerstück findet er immer und überall seinen Platz.

Wir sind nach wie vor große Fans von Hirches Lounge Chair aus dem Jahr 1953, aber der GFK Armchair zeigt noch einmal mehr Herbert Hirches Bedeutung im Hinblick auf Design in Deutschland.

Egon Eiermann Paravent

Egon Eiermann Paravent

Richard Lampert feierte aber nicht nur Herbert Hirche, sondern zeigte auch einige neue Produkte seiner Egon Eiermann Reihe; z.B. Eiermanns Raumteiler von 1968 – welcher einst auf elegante Weise die Sitze im Bundestag in Bonn abtrennte – und Polster für den E 10 Rattansessel.

Unsere sind – wie Sie sich denken können – mit veganen Schaffellen überzogen, aber es soll Leute geben, die ein ordentlich gefertigtes Kissen für ihren E 10 zu schätzen wissen würden. Gut also, dass Richard Lampert diese Möglichkeit anbietet.

Herbert Hirche GFK Schalensessel fur die Interbau Berlin ... and the master can relax

Herbert Hirche GFK Schalensessel für die Interbau Berlin ... und der Meister kann entspannen



smow am Rhein: Herbert Hirche und Egon Eiermann

Tuesday, January 19th, 2010
Herbert Hirche

Herbert Hirche

Unsere Vorbereitungen auf die IMM 2010 in Köln laufen zügig. Ein Highlight scheint dieses Jahr der Stand von Richard Lampert zu sein, an dem der 100. Geburtstag von Herbert Hirche zelebriert wird.

Geboren in Görlitz, ist Hirche in vielerlei Hinsicht der “vergessene” Bauhaus-Student, und das trotz seines beachtlichen Beitrags an der Nachkriegs-Architektur  und Design in Deutschland.

Nachdem er seine Zimmermannslehre abgeschlossen hatte, immatrikulierte er 1930 im Bauhaus Dessau und zog 1932 mit der Schule nach Berlin um, wo er bis zur Schließung 1933 Student blieb. Unter seinen Dozenten befanden sich Wassily Kandinsky und Ludwig Mies van der Rohe, in dessen Büro Hirche nach der Schließung des Bauhaus noch bis 1938 arbeitete. Im Jahr 1939 trat er zusammen mit Egon Eiermann eine Stelle an, mit dem er zusammen arbeitete, bis Eiermann in den letzten Wochen des zweiten Weltkrieges nach Westdeutschland ging. Hirche blieb in Berlin und spielte eine wichtige Rolle beim Wiederaufbau der Stadt.

1948 startete er seine zweite Karriere als Dozent an der neu gegründeten Hochschule für Angewandte Kunst in Berlin Weißensee. Im Jahr 1950 ging Hirche, teilweise aus politischen Gründen, nach Stuttgart, wo er sowohl an seinen Design-Produkten arbeitete als auch als Professor für Interior und Zukunfts-Design an der Akademie für bildende Künste tätig war. Dort war er auch von 1969 bis 1971 Rektor.

hirche-lounge-chair from Lampert

Hirche "deep lounger" von Richard Lampert

Zu Hirches bekanntesten Möbelstücken zählen sein 457 Sessel für Wilkhahn, sein Teewagen für Holzäpfel und sein “deep lounger” aus dem Jahr 1953, der zu Hirches Lebzeiten nie in Serienproduktion ging aber von Richard Lampert seit 2000 produziert wird.

Im Jahr 2010 wird Lampert seine Produktpalette um zwei weitere Hirche-Produkte erweitern.

Wir sind schon gespannt darauf! Und Sie sollten es auch sein.

Zusätzlich zu Hirche wird der Lampert Stand in Köln auch die neuen Produkte von Hirches Zeitgenossen Eiermann vorstellen, wie z.B. neue Tischplatten für das Eiermann Tischgestell und neue Kissen für den Eiermann E 10 Rattan Sessel.

Wir vom (smow)Blog werden natürlich Berichte, Kommentare und Fotos zu den Produkten liefern.

Egon Eiermann Rattan chair from Lampert

Egon Eiermann E 10 Rattan Chair von Richard Lampert