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Orgatec 2012: WORKSPACE von Müller Möbelfabrikation

Monday, November 19th, 2012

Auf der Orgatec 2012 stellte die Augsburger Müller Möbelfabrikation ihre neue WORKSPACE Produktreihe vor.

In Zusammenarbeit mit Andreas Struppler und Sebastian Frank vom Münchner Struppler Industriedesign entwickelt, besteht WORKSPACE eigentlich aus zwei Produktlinien – WORK und SPACE, oder “Labor et Spatium”, für Schüler des historischen Möbeldesigns -, die zusammen ein modulares Bürosystem ergeben.

WORK wird durch zwei höhenverstellbare Schreibtische repräsentiert, einer elektrisch, der andere mechanisch. Die Tische können mit End- und Mittelkonsolen sowie Akustikplatten und Sichtschutz versehen werden. Eine wichtige Eigenschaft des Schreibtisches ist, dass die Kabel in der Struktur verschwinden können; integrierte Stecker, DSL-Dosen und USB-Anschlüsse ermöglichen eine einfache Verbindung mit handelsüblicher Büro Hardware.

Wenn wir ehrlich sind, wären wir mit unserer sträflichen Missachtung universeller Regeln der räumlichen Ordnung wahrscheinlich imstande die sorgsam überlegte, klare Geometrie von WORK zu zerstören. Aber allen normalen Anwendern sollte es eine aufgeräumte Arbeitsumgebung bieten.

SPACE dient der Aufbewahrung und beinhaltet verschiedene Sideboard- und Rollcontaineroptionen.

Besondere Highlights des WORKSPACE Systems sind für uns der elektrisch höhenverstellbare Tisch, ein Objekt, das technisch so ansprechend ist wie visuell, und die End- und Mittelkonsolen, die nicht nur als Trennwände fungieren, sondern auch zur Aufbewahrung und als Memoboards verwendet werden können.

Es wird keine Überraschung sein, dass Stahlblech das Grundmaterial ist und dass die einzelnen WORKSPACE-Elemente in jeder denkbaren RAL Farbe erhältlich sind.

Das sind schließlich die zwei Merkmale der Müller Möbelfabrikation Philosophie, die die Produkte so interessant und ansprechend machen.

Das und, wie wir seit unserem Besuch im Werk der Müller Möbelfabrikation wissen, dass die Produktion auf gutem alten Handwerk basiert.

In unserem letzten Text haben wir erwähnt, dass die damals noch selbst designte “Classic Line Collection” ziemlich wuchtig war, über die Jahre aber durch neue – und leichtere – Kollektionen ergänzt wurde. Dieser Trend wird durch WORKSPACE eindeutig fortgeführt und das auf sehr innovative und charmante Weise.

Hier sind ein paar Eindrücke von der Müller Möbelfabrikation auf der Orgatec 2012.

 

 



Orgatec 2012 Interview: Michel Charlot über die U-Turn für Belux

Tuesday, November 13th, 2012

Geht man durch die Vitra Ausstellung auf der Orgatec, kommt man an einem Produkt einfach nicht vorbei. Auf jedem Tisch, in jedem Workbay, in jedem Alcove steht eine Lampe.

Eine Vitra Lampe?

Eigentlich nicht. Eigentlich ist es eine Lampe des Schweizer Herstellers Belux.

Seit 2001 ist Belux jedoch Teil der Vitra Familie und auf der Orgatec 2012 haben sie ihre Familienbeziehung genutzt, um den letzten Neuzugang im Sortiment des Lampenherstellers, U-Turn vom ECAL Lausanne Absolventen Michel Charlot, vorzustellen.

Treue Leser werden sich an unsere totale Begeisterung für die Standing Task Light von Erik Wester erinnern. Das ist eine Lampe, deren Fuß und Schirm durch ein innovatives Kugelgelenk ganz nach Gusto ausgerichtet werden können.

U-Turn von Michel Charlot für Belux erinnert uns stark an die Standing Task Light – nur mit ein paar kleinen Unterschieden. Unterschiede, die so technisch brillant wie poetisch sind und vor allem die Schönheit der Standing Task Light auf eine ganz andere Ebene transportieren.

Bei der U-Turn ist der Lampenkopf durch einen Magnet mit dem Fuß verbunden und kann nicht nur ausgerichtet werden, sondern der Kopf kann auch abgenommen und andersherum wieder aufgesteckt werden. Das Licht kann so nach oben oder unten gerichtet werden. Eine Lampe also, die echte Flexibilität bietet und die Atmosphäre eines Raumes immer wieder neu definieren kann, z.B. indem sie während der Arbeit am Schreibtisch direktes Licht auf die Arbeitsfläche und später, am Abend, angenehmes indirektes Licht nach oben, an die Decke wirft.

Im Moment ist die U-Turn als Schreibtisch-, Hänge-, Wand- und Stehlampe erhältlich, 2013 wird es außerdem eine Klipplampe und eine dimmbare Version geben.

Um etwas mehr über die U-Turn Lampe und ihren Designer herauszufinden, haben wir mit Michel Charlot gesprochen. Als erstes wollten wir wie immer die Hintergründe zum Projekt erfahren….

Michel Charlot: Nachdem ich mein eigenes Studio in Basel eröffnet hatte, kam ich in Kontakt mit Vitra, Belux ist ein Teil von Vitra, die Hilfe bei einem Projekt brauchten und glücklicherweise mich fragten. Sie hatten bereits eine Vorstellung von einer Lampe, die auf einer Kugel und einem Magnet basieren sollte, aber noch funktionierte es nicht und sie wussten nicht, wie sie weitermachen sollten. Es ist die eine Sache eine Idee zu haben, aber eine andere, eine Produktfamilie darum zu entwickeln und dem Ganzen einen eigenen Charakter und eine Identität zu verleihen.

(smow)blog: Und was hast du als erstes getan? Alles über den Haufen geworfen und von vorne begonnen?

Michel Charlot: Mehr oder weniger. Das ursprüngliche Objekt war ziemlich groß, hatte zwei Spots und arbeitete mit einer anderen Technik. Also ja, ich habe so ziemlich alles verändert und was wir jetzt haben, hat nichts mehr mit dem zu tun, was Belux damals hatte. Die Grundidee mit der Kugel und dem Magneten ist die gleiche, aber sonst ist alles neu.

(smow)blog: Als junger, relativ unbekannter Designer zu Unternehmen wie Belux oder Vitra zu sagen “Das ist alles Müll. Wir fangen nochmal von vorne an.” klingt nicht als wäre es so leicht…

Michel Charlot: Es ist natürlich schwierig, wenn man so jung ist und es ist auch schwierig für die Leute, mit denen man zusammenarbeitet. Design und Designentwicklung hat viel mit Vertrauen zu tun und es ist natürlich einfacher Leuten wie Antonio Citterio oder Jasper Morrison zu vertrauen, die mehr Erfahrungen haben. Wenn man noch so jung und unerfahren ist, kann es ziemlich schwierig sein, jemanden von einer Idee zu überzeugen, vor allem dann, wenn sie riskant ist. Aber ich denke, im Design ist es wichtig, dass man Risiken eingeht, weil man nur so zu spannenden Ergebnissen kommt. Glücklicherweise hat mich Belux sehr dabei unterstützt und war offen für die Ideen, die ich in das Projekt eingebracht habe.

(smow)blog: Wie lange hat es gedauert das Design zu überarbeiten?

Michel Charlot: Insgesamt hat es zwei Jahre gedauert. Die Herausforderung in der Lichtindustrie ist, dass sich die Technologie so schnell verändert und man es sich nicht leisten kann, zu lange an einem Projekt zu arbeiten, weil das Risiko besteht, dass z.B. die LED Technologie schon wieder überholt ist, wenn man das Produkt auf den Markt bringt, weil man zu lange gebraucht hat. Aber genau weil es diesen Wandel gibt, haben wir die U-Turn entwickelt, deren LED-Technik in Zukunft angepasst werden kann. Die U-Turn, die man in zwei oder drei Jahren kaufen wird, wird zwar noch die gleiche sein, aber mit der modernsten LED Technik. Das ist eine Möglichkeit den Lebenszyklus eines Produktes zu verlängern.

(smow)blog: Du hast dich einer bereits existierenden Idee angenommen und daraus ein Produkt entwickelt. Bist du mit dem Ergebnis zufrieden?

Michel Charlot: Ja, ich bin sehr zufrieden damit. Die Idee ist sehr simpel und es ist ein stimmiges Objekt. Ein Ziel ist es immer für mich, ein Produkt eindeutig zu gestalten, d.h. im Sinne von “Natürlich sieht es so aus.” oder “Wie könnte es anders sein?”. Ich mag es, wenn Menschen ein Objekt sehen und es “normal” finden. Das ist nämlich gar nicht so leicht zu erreichen, das setzt eine Menge versteckte Arbeit voraus. Um z.B. sicherzustellen, dass sich der Leuchtenkopf geschmeidig über die Kugel bewegt, dann aber an einer Stelle stoppt und nicht verrutscht, war eine Menge Entwicklungsarbeit notwendig.

(smow)blog: Ein Projekt mit Belux ist ein prima Start für dein eigenes Studio. Wie soll es nun weitergehen, können wir mit weiteren Projekten von dir in naher Zukunft rechnen?

Michel Charlot: Ich arbeite zurzeit an einem Projekt mit dem italienischen Taschenhersteller Nava, das eigentlich ein Industriedesignprojekt ist, da es Spritzguss, Schweißen und andere industrielle Verfahren beinhaltet. Mein wahres Interesse gilt dem Industriedesign. Für mich macht der Industrieaspekt ein Projekt zu einer wirklichen Herausforderung, aber auch faszinierend und bereichernd. Viele Designer neigen heutzutage zu handwerklichen Galerieprojekten, aber das ist keine Richtung, die für mich interessant wäre.

(smow)blog: Unsere letzte, unvermeidliche Frage: Die Orgatec ist eine Büromöbelmesse, wie sieht dein Büro aus?

Michel Charlot: Ich habe einen alten Industrie-Tisch, den ich als Schreibtisch aufpoliert habe und ein paar Vitra Stühle von Maarten van Severen. Und hoffentlich werde ich bald eine neue Schreibtischlampe haben!

Orgatec 2012 Michel Charlot U-Turn Belux

U-Turn von Michel Charlot für Belux. Eine Lampe, eine Welt voller Möglichkeiten.

Orgatec 2012 Michel Charlot U-Turn Belux clip

Die Clip Version der U-Turn von Michel Charlot für Belux

Orgatec 2012 Michel Charlot U-Turn Belux workbay

U-Turn von Michel Charlot in Aktion in einem Vitra Workbay



Orgatec 2012: Ein Interview mit Vitra Chief Design Officer Eckart Maise

Friday, November 9th, 2012

Im Februar 1991 schlug das Urgestein des italienischen Designs Ettore Sottsass dem Vitra CEO Rolf Fehlbaum ein gemeinsames Projekt vor. Es sollte um Leben und Arbeiten im Büro gehen. Das Ziel war dabei nicht Büromöbel zu entwerfen, sondern den Mikrokosmos “Büro” in all seinen Facetten zu erkunden.

Rolf Fehlbaum stimmte bereitwillig zu und zusammen mit Michele de Lucchi, Andrea Branzi und James Irvine machten sich Sottsass und Vitra auf eine Erkundungstour, sie forschten, überlegten und entwarfen.

Das Ergebnis wurde der Öffentlichkeit in Form des “Citizen Offices” präsentiert: eine Ausstellung, die im April 1993 im Vitra Design Museum öffnete, und ein begleitendes Buch, das die unternommene Reise und gewonnenen Erkenntnisse erklärt. Aber viel mehr war das Citizen Office eine Vision davon, wie unsere zukünftige Bürowelt aussehen könnte, sollte – oder würde? Eine Vision, die in vielerlei Hinsicht als Grundgerüst für Vitras Büromöbelphilosophie der letzten zwei Jahrzehnte fungierte.

1989 ging Vitra mit “Metropol” von Mario Bellini bereits die ersten, zaghaften Schritte in Richtung eines Bürosystems. In den Folgejahren begannen dann die Langzeitkooperationen mit Designern wie Antonio Citterio oder Werner Aisslinger, während in den letzten Jahren die Idee des Citizen Offices durch Designer wie Ronan und Erwan Bouroullec oder Hella Jongerius bereichert wurde. Von Designern also, die ein Wohn-Gefühl in die technikdominierte Welt der Büromöbel brachten.

Auf der Orgatec 2012 haben wir mit Chief Design Officer Eckart Maise über das Vermächtnis des Citizen Offices und die Entwicklung neuer Bürosysteme gesprochen … und darüber, wie man zu Designern “Nein” sagt…

(smow)blog: Nimmt man das Citizen Office Projekt als den Ausgangspunkt für Vitras Arbeit mit Büromöbeln, ist das, was Sottsass, de Lucchi, Brandi und die anderen damals gemacht haben, noch relevant oder ist es mit den Jahren überholt?

Eckart Maise: Das Citizen Office Projekt besteht aus verschiedenen Stufen. Eine Stufe zum Beispiel beinhaltet eine Zusammenarbeit mit Siemens und bezieht futuristische Objekte wie Mobiltelefone ein. In dieser Hinsicht wurde das Citizen Office von technologischen Neuerungen eingeholt. Wie auch immer, im Kern ging es bei dem Projekt um das Büro als sozialen Ort, als Raum der Interaktion und des Engagements, als Ort, wo Menschen zusammenarbeiten – und all diese Dinge sind immer noch wichtig für uns.

(smow)blog: Kann man also sagen, dass sich die Büroumgebung als Citizen Office entwickelt hat, wenn auch nicht genau so wie vorausgesagt?

Eckart Maise: Im Hinblick auf einzelne Elemente auf jeden Fall. Wenn man auf irgendein Projekt zurückblickt, das sich mit Zukunftsentwicklungen auseinandersetzt, kann man immer die rosarote Brille aufsetzen, die die Vorhersagen herausfiltert, die realisiert wurden; jedenfalls haben viele Elemente aus dem Citizen Office fraglos die Bürogestaltung der letzten 20 Jahre beeinflusst.

(smow)blog: Blickt man auf die letzten 20 Jahre von Ad Hoc über Level 34 bis hin zu Joyn zurück, hat Vitra immer wieder neue Büromöbelsysteme entwickelt. Warum ist das “System” so wichtig in Vitras Büromöbelphilosophie und warum wird ihm mehr Bedeutung geschenkt als dem einzelnen Möbelstück?

Eckart Maise: Wenn ein Architekt ein Büroprojekt plant, betrachtet er zuerst die Grundstruktur des Raumes und überlegt, wie viele Menschen darin untergebracht werden müssen, wie diese Menschen arbeiten, wie sie interagieren, welche Art von Situationen an dem Ort möglich sein müssen usw. In diesem Kontext sind Möbelsysteme mit Tischen, Stauraum usw. sehr wichtig. Der Stuhl z.B. kommt später, am Anfang sind das nur Punkte auf dem Grundriss. Systeme bieten uns außerdem dauerhafte Flexibilität. Vitra ist als Unternehmen bekannt für den Vertrieb von Designklassikern. Von den Klassikern wissen wir nur zu gut, dass ein Produkt für einen langen Zeitraum relevant sein kann, aber auch dass man sich aktiv darum kümmern muss und dass man es gelegentlich anpassen muss, wenn sich die Situation oder die Anforderungen ändern. Bei einem System ist das Bedürfnis nach Veränderung ein eingebautes Merkmal. Ein System besteht aus einzelnen Elementen und wenn sich die Umstände ändern, kann man einfach die Elemente anpassen. Oder verbessern. Die Grundidee und das Konzept können aber weiter bestehen bleiben.
Bei Ad Hoc z.B. ist das zentrale Element die Stange unter der Tischplatte und die ist seit 1993 die gleiche geblieben. Alle Generationen von Ad Hoc sind also miteinander kompatibel.

(smow)blog: Was zu der naheliegenden Frage führt, wer oder was entscheidet, dass ein neues System entwickelt oder ein bestehendes weiterentwickelt werden muss. Sind das Sie oder die Designer?

Eckart Maise: Es sind beide Seiten ein bisschen. Manchmal kommt von uns der Input mit einer Untersuchung oder Beobachtungen, die wir gemacht haben, oder durch Kundenfeedback, und manchmal treten die Designer mit Ideen und Vorschlägen an uns heran. Dann gibt es da natürlich noch allgemeine Änderungen der Normen und Standards, auf die wir reagieren müssen. Es ist ein kontinuierlicher Prozess, aber nie etwas, das ohne Grund passiert.

(smow)blog: In Bezug auf diese Veränderungen: Die Orgatec findet alle zwei Jahre statt – ist das ein angemessener Rhythmus für Büromöbel?

Eckart Maise: Ich denke, ja. Die Orgatec ist nicht die einzige Messe, auf der wir neue Büroobjekte präsentieren, aber sie definiert in gewisser Weise den Rhythmus für unsere Produktentwicklung, ähnlich wie Mailand für unsere Home Collection. Und bestimmt wäre ein jährliches Event zu viel für Büromöbel.

(smow)blog: Vitra ist allgemein für seine Langzeitkooperationen mit Designern wie Antonio Citterio oder Alberto Meda bekannt. Die sind mehr oder weniger mit Vitra gewachsen. Kann man zu einem Antonio Citterio oder Alberto Meda denn noch “Nein” sagen?

Eckart Maise: Wenn man an einem Projekt arbeitet, muss man ständig “Nein” sagen. Ansonsten wäre es ein bisschen so als würde man einen Architekten mit einem Hausbau beauftragen und ihm sämtliche Entscheidungen überlassen. Das Risiko, dass man am Ende nicht in dem Haus wohnen will, ist sehr hoch. Im Zuge des Dialoges ist es wichtig, dass beide Seiten ihre Position deutlich machen. Wir als Unternehmen vertreten dabei die Position des Herstellers und der Kunden. Also ja, manchmal gibt es ein Nein. Aber nicht nur von uns, auch die Designer haben ihre Meinung und vertreten eine Position. Aber wie auch immer, ein Nein muss nicht endgültig oder kontraproduktiv sein. Es ist Teil eines offenen Dialoges, wo Diskussionen ein wichtiger Prozess sind, man aber immer eine Lösung findet.

(smow)blog: Und zum Schluss unsere traditionelle Orgatec-Frage: Wie sieht Ihr eigenes Büro aus?

Eckart Maise: Ich arbeite im Stehen. Mein Schreibtisch ist 1,50 m hoch und mein Stuhl ist ein Lehrmodell, das wir vor einigen Jahren entwickelt haben. Ich habe das “High Work”-Modell, das wir hier auf der Orgatec präsentieren, also gelebt und gewissermaßen perfektioniert.

(smow)blog: Und warum stehen Sie lieber beim Arbeiten?

Eckart Maise: Ich halte es für einen ausgezeichneten Weg zu arbeiten: Es ist dynamisch und aktiv. Im Laufe des Tages bin ich häufig in Meetings oder anderen Situationen, die nicht an meinem Schreibtisch stattfinden. Man kann sagen, ich bin nie länger als eine Stunde an meinem Schreibtisch. Und während dieser Zeit kommen ständig Kollegen zu mir, um etwas zu besprechen oder zu fragen. Durch das Arbeiten in aufrechter Position, kann ich sitzen bleiben und trotzdem auf Augenhöhe diskutieren, was die Produktivität und den Komfort verbessert.



Orgatec 2012: Stand-up von Thorsten Franck “für” Wilkhahn

Monday, October 29th, 2012

Jeder, der etwas mit dem Kinderspielzeugmarkt in den 1970er Jahren zu tun hatte – ob als Verbraucher (Kind) oder Konsument (Erwachsener) – wird sich einer Tatsache mehr als bewusst sein: Egal, wie sehr man es probiert, wie stark man sie umstößt, Stehaufmännchen wackeln, aber sie fallen niemals um.

Stand-up von Thorsten Frank wendet eine ähnliche Logik an, wenn auch auf die etwas urbanere Welt der Möbel übertragen.

Das Konzept ist nicht neu, tatsächlich kann man sogar sagen, dass Möbel, die schaukeln und sich in Einklang mit dem Körper bewegen, Teil eines vollständig etablierten Zweiges innerhalb der Möbelindustrie sind. Jeder von uns wird mit mindestens einem “schaukelnden Sitzsystem” auf dem Markt vertraut sein – eins abscheulicher als das andere und alle entbehren jeder Logik eines formalen Konzepts.

Genau wie die furchtbare “Frauenliteratur” der 90er Jahre, bringen solche “Sitzsysteme” Funktionen mit, die scheinbar nur auf Anraten der Marketingabteilung, ohne die Gesamtkomposition im Blick zu haben, entstanden sind. Stand-up von Thorsten Franck ist im Gegensatz dazu so etwas wie eine frühe Irvine-Welsh-Kurzgeschichte – gewagt, frech und unverdrossen. Es ist außerdem das erste Produkt dieser Sparte, das uns auf Anhieb gefallen hat.

Orgatec 2012 Stand-up Thorsten Franck  Wilkhahn

Orgatec 2012: Stand-up von Thorsten Franck "für" Wilkhahn

Geht man auf Thorstens Website, sieht man ganz deutlich, dass Stand-up der Höhepunkt eines langen Studienprojektes sein muss – von einem, das uns nie aufgefallen ist, dem letzten Beitrag auf der Website nach zu urteilen aber im April 2011 in Mailand präsentiert wurde.

Momentan ist Stand-up nur ein Prototyp – daher auch die Anführungszeichen im Titel. Bedenkt man aber, wie viel Geld in die Präsentation in Köln gesteckt wurde, kann Wilkhahns Absicht nur sein, es auch zu produzieren. Außer das Feedback ist wirklich schlecht, aber das wird es nicht.

Geht man einmal durch das Portfolio von Wilkhahn, stößt man auf andere Projekte, die den Pilzen ganz schön ähnlich sind. Zunächst sind die Parallelen zu dem erfolgreichen ON Bürostuhl allzu offensichtlich; tatsächlich sieht die grüne Version wie eine Sparversion von ON aus. Es ist eine optische Täuschung, wissen wir, aber die Assoziation mit ON verleiht Stand-up eine Authentizität und Ernsthaftigkeit wie es bei keinem anderen Hersteller der Fall gewesen wäre. Dann die Farben. Die Auswahl ist stark an die von Stefan Diez’ Chassis Chair angelehnt. Dadurch fügt sich Stand-up sehr gut in das Wilkhahn-Sortiment ein und lässt unsere Vermutung schließlich immer plausibler werden.

Zusammen mit dem Design, das so einfach wie genial ist, ergibt sich daraus für uns ein rundes, gut überlegtes und vor allem exzellent umgesetztes Objekt.

Obwohl auf der Orgatec zu sehen, ist Stand-up für uns ein Produkt, das sich für Zuhause und das Büro eignet und das man, obwohl es stark nach der Sorte von Produkten riecht, die ein Muss für jeden Tischtennisplatten- und Kickerbereich von Start-ups zu sein scheinen, nicht anders als lieben kann.

Orgatec 2012 Stand-up Thorsten Franck  Wilkhahn

Orgatec 2012 Stand-up Thorsten Franck @ Wilkhahn. "strahlende Pilze..."

Orgatec 2012 Stand-up Thorsten Franck  Wilkhahn

Orgatec 2012: Stand-up von Thorsten Franck bei Wilkhahn



Orgatec 2012: Ein Werksbesuch bei Müller Möbelfabrikation

Friday, October 19th, 2012

Die Müller Möbelfabrikation wurde 1996 von drei Freunden mit gemeinsamer Leidenschaft für Metallmöbel gegründet. Seither hat sich das Unternehmen zu einem der interessantesten Hersteller für zeitgenössisches Möbeldesign in Europa entwickelt.

Mit ihren Möbeln machen sie nichts wirklich revolutionäres und es besteht wohl auch keine Gefahr, dass sie irgendwann den Möbelmarkt auf den Kopf stellen. Aber die Müller Möbelfabrikation ist für einige der interessantesten, auffälligsten und zugänglichsten Möbel auf dem aktuellen Markt verantwortlich und beweist damit, dass qualitatives Handwerk und gutes Design immer über Trends und Modeerscheinungen triumphieren werden.

Die anfängliche Classic Line Kollektion mit selbst designten, ziemlich wuchtigen Büromöbeln wurde über die Jahre durch neue – und leichtere – Kollektionen ergänzt, die in Zusammenarbeit mit Designstudios wie dem 040studio, Lippert Studios oder Delphin entstanden sind.

Und alles wird noch ganz altmodisch in Deutschland von Hand hergestellt. Grund genug für uns da einmal genauer hinzuschauen…

Vor der Orgatec 2012 haben wir der Müller Möbelfabrikation in ihrem Augsburger Werk einen Besuch abgestattet und die Herstellung der Möbel einmal unter die Lupe genommen. Und das hat uns ganz schön begeistert…

 

 

 



Orgatec 2012 Vorschau Teil 1: Der ergonomische Bürostuhl – anno 1928

Friday, August 24th, 2012

Als wir so durch den Katalog zur Ausstellung Der Stuhl in Stuttgart blätterten, fiel uns ein Stuhl besonders auf: Der Federdreh von Albert Stoll, Waldshut (Baden). Und das nicht nur, weil er ein schönes Beispiel für hervorragende Holzverarbeitung ist.

Der Federdreh hält, was er verspricht: er dreht sich und hat eine Federung. Das klingt vielleicht nicht allzu interessant, aber damals war er weltweit der allererste Stuhl seiner Art. Demzufolge ist Der Federdreh im Prinzip der Ururgroßvater aller modernen ergonomischen Bürodrehstühle. Außerdem verdeutlicht er den Zeitgeist und den allgemeinen positiven Stimmungswandel in den 1920er Jahren, den Der Stuhl perfekt einfing.

Aufgrund einer dieser Unternehmensspaltungen, die die zeitgenössische Möbelindustrie prägen, ist der genaue Ursprung des Federdrehs ohne ewig lange Recherchen leider nur schwer festzumachen. Zwei Hersteller behaupten von sich, der rechtmäßige Nachfolger der Firma zu sein, die den Federdreh ursprünglich herstellte – wahrscheinlich sind es sogar beide. Aber wir wollen uns lieber nicht in jahrzehntealte Familienfehden einmischen… Deshalb können wir nur eines mit Sicherheit sagen: 1928 stellte das deutsche Unternehmen Albert Stoll den Federdreh in Stuttgart vor. Und seither sind Büroangestellte auf der ganzen Welt dankbar.

Neben einem höhenverstellbaren Sitz mit einer verstellbaren Federung, verfügte Der Federdreh auch über eine gefederte, höhenverstellbare Lehne, die praktischerweise auch noch so geformt ist, dass man eine Jacke darüber hängen kann. Alles in allem also ein wirklich faszinierendes Stück.

1930 verbesserte die Firma Albert Stoll den Federdreh noch und schaffte eine weitere Weltneuheit: Sie gaben ihm Rollen und schufen so den ersten mobilen, ergonomischen, federnden Bürodrehstuhl. Denkt daran und seid dankbar, wenn euer Chef mal wieder OOO ist und ihr Stuhlrennen quer durchs Büro macht…

In ein paar Wochen begeben wir uns wieder auf unsere halbjährliche Pilgerreise zur Orgatec, um die neuesten Entwicklungen und Fortschritte in der Welt der Büromöbel zu begutachten, darunter zweifellos viele “neue” ergonomische Bürodrehstühle. Die Frage ist nur, wie viele von ihnen wirklich so revolutionär sein werden wie Der Federdreh und wie viele einfach nur banale Imitationen eines 85 Jahre alten Designklassikers sind. Wir halten euch auf jeden Fall auf dem Laufenden…

 

Der Federdreh by Albert Stoll, Waldshut (Baden)

Der Federdreh von Albert Stoll, Waldshut (Baden) - Original Werbeanzeige aus dem Ausstellungskatalog zu "Der Stuhl" Stuttgart, 1928



Orgatec 2010: Vitra

Thursday, March 3rd, 2011
Vitra @ Orgatec 2010

Vitra @ Orgatec 2010

Vitras Aushängeschild ist natürlich die “Home Collection”. Aber die Büromöbelsparte trägt seit Jahrzehnten ebenso zum Erfolg des Herstellers bei.

Demzufolge befasst sich Vitra tagtäglich mit der Entwicklung von neuen Ansätzen im Bürodesign und versucht vorherzusagen, was die Arbeit im Büro in der Zukunft ausmachen wird.

1991 beauftragte Vitra die Designer Michele de Lucchi, Ettore Sottsass und Andrea Branzi mit der Planung des Office Designs der Zukunft. Wichtiger Bestandteil sollte dabei der Entwurf eines sowohl sozialen als auch produktiven Büroumfelds sein.

Seitdem wurden zahlreiche Variationen des Themas entwickelt. Auf der Orgatec 2008 stellte Vitra beispielsweise das Net’n'Nest Office Design vor. Das Konzept teilte im Grunde ein Großraumbüro in Bereiche für kommunikative Arbeit in Teams (Net’) und Bereiche für konzentriertes, individuelles Arbeiten (‘Nest) und lieferte die Möbel für beide Bereiche.

Auf der Orgatec 2010 war Vitras Schlagwort “Citizen Office 2011″ .

20 Jahre nachdem Branzi, de Lucchi und Sottsass ihre Forschungsergebnisse präsentierten, ist Vitras “Citizen Office 2011″ eine aktuelle Version dieser Arbeit im Kontext moderner Arbeitsmethoden und in vielerlei Hinsicht eine Weiterentwicklung des Net’n'Nest Office.

Leider musste Vitra die ganze Übung mit diesem unsinnigen Marketingvokabular durchziehen, das unser Blut zum Kochen bringt.

Die Marketingchefs haben ihre eigene Sprache. Das ist allgemein bekannt und hinlänglich in Satiren behandelt worden. Unser erstes “Marketing Jargon Bingo” haben wir 1993 gespielt und denken, dass jeder durchschnittliche Vitra-Käufer selbst mindestens eine sinnlose Marketingphrase in den Raum werfen kann.

Aber einer Schreibtischkollektion einen Marketingnamen zu geben und sie dann mit einem Vorort zu vergleichen, hat noch keinen Tisch verkauft.

Wird es auch nie.

Solche Versuche sind reine Zeit- und Geldverschwendung.

Immer.

Alcove Work by Ronan and Erwan Bouroullec @ Orgatec 2010

Alcove Work von Ronan und Erwan Bouroullec @ Orgatec 2010

Zum Glück hat Vitra auf der Orgatec auch das eine oder andere Produkt präsentiert, das von solcher Qualität war, dass es unseren Bluthochdruck wieder etwas senken konnte.

Das ist jetzt vielleicht offensichtlich, aber uns hat das Alcove Work von Ronan und Erwan Bouroullec wirklich beeindruckt. Das Alcove gehört zu unseren Lieblingssofadesigns, aber war für uns nie eine Option fürs Büro. Mit etwas Stauraum und einer Schreiboberfläche haben es die Bouroullecs aber in ein Möbelstück verwandelt, das sich auch für Arbeitsplätze empfiehlt.

Die Communal Cells von den Bouroullecs dagegen ließen uns erst mal zusammenzucken. Wieso sollten Vitra oder die Bouroullecs eine moderne Version der 70er-Jahre-Flughafen-Telefonzellen produzieren wollen?

Wir haben dann aber schnell gemerkt, dass es sich bei den Communal Cells in Wahrheit um ein modulares Konzept handelt, mit dem man seine eigene Innenarchitektur kreieren … und diese auch nach Bedarf umbauen kann.

Mit den Communal Cells können z.B. Besprechungsräume, Areale für Drucker/Kopierer oder Entspannungsecken geschaffen werden – je nachdem was im Büro gerade benötigt wird.

Als wir das Konzept verstanden hatten, waren wir dann auch wirklich beeindruckt.

ID Chair Concept by Antonio Citterio for Vitra - unvieled at Orgatec 2010

ID Chair Konzept von Antonio Citterio für Vitra - vorgestellt auf der Orgatec 2010

Der andere Designer der den Vitra-Stand auf der Orgatec 2010 dominierte war Antonio Citterio. Neben dem Suita Club Sofa/Sessel und dem Unix Chair war Citterios wichtigster Beitrag natürlich das neue ID Chair Konzept.

Der ID Chair wartet mit einem patentierten FlowMotion-System auf und wird wahrscheinlich Vitras Bürmöbelkonzepte der nächsten Jahre dominieren.

Mehr zum ID Chair aber in einem separaten Beitrag.

Außerdem stellte Vitra noch neue Produkte von Naoto Fukasawa und Arik Levy sowie den bereits erwähnten HAL von Jasper Morrison vor.

Die Marketingbeauftragten haben zwar alles versucht, die Sache zu verkomplizieren, aber Vitra baut immernoch einen großen Teil der Officedesign-Konzepte auf einer lockeren Interpretation der Idee der “Collage” von Charles Eames in der häuslichen Inneneinrichtung auf. Das ist kein schlechter Ansatz und nichts wofür man sich schämen muss.

Abwechslung ist nicht nur die Würze des Lebens sondern auch notendig für einen effektiven Arbeitsplatz.

Das “Citizens Office 2011″ wird vielleicht nicht unbedingt unsere Vorstellungen von Büroeinrichtungen ändern, aber viele der individuellen Produkte, die auf der Orgatec 2010 vorgestellt wurden, werden das sicher. Und die Bürodesigns die dann daraus entstehen werden, werden letzten Endes dem nahe kommen, was Vitra im “Citizen Office 2011″ Manifest beschreibt.

(Nur ohne überflüssige Office Forums und Workstation Areas.)

Orgatec 2010: Vitra - Comunal Cells as wardrobe, Alcove Work , ID Chair Concept

Orgatec 2010: Vitra - Comunal Cells als Kleiderschrank, Alcove Work , ID Chair Concept



Orgatec 2010 Interview: Erwan Bouroullec

Tuesday, March 1st, 2011
Erwan Bouroullec @ Orgatec 2010

Erwan Bouroullec @ Orgatec 2010

Der Vitra Stand auf der Orgatec 2010 wurde hauptsächlich von zwei Designstudios dominiert: Antonio Citterio und Ronan and Erwan Bouroullec. Neben den neuen Varianten des Alcove Sofa und der Playns Workstation präsentierte Vitra die neuen modularen Arbeits- (und Freizeit-) Kabinen der Bouroullecs, die Communal Cells sowie ihren High Meeting Table.

Wir haben Erwan Bouroullec zu dem bevorstehenden Yacht Projekt (über das wir bereits berichtet haben) und zu den neuen Vitra-Produkten befragt. Außerdem wollten wir wissen, wie das Büro der Bouroullecs aussieht und was ihnen im Bürodesign wirklich wichtig ist.

(smow)blog: Erzählen Sie uns etwas über Ihre neuen Produkte auf der Orgatec!

Erwan Bouroullec: Ronan und ich arbeiten schon seit langem mit Vitra zusammen und nun zeigen wir hier ein paar Verbesserungen an bereits von uns designten Möbeln. Ebenso stellen wir einige unserer Forschungsergebnisse der letzten Jahre zur Gestaltung von Räumen in Büroräumen vor, aus denen wir das Zellensystem Communal Cells entwickelt haben.

(smow)blog: Kann man denn die Communal Cells als Erweiterung des Alcove Systems verstehen?

Erwan Bouroullec: Ja und nein. Es ist das gleiche Prinzip, aber mehr auf die Frage einer Art kleinen Architektur bezogen, die man in offenen Büros nutzt. Zum Beispiel eine Küche, ein Druckerbereich oder ein kleiner Besprechungsraum – also Räume, die jedem bei der Arbeit und der Freizeit dienen.

(smow)blog: Und wie genau schaut jetzt das Bouroullecsche Büro aus?

Alcove Work by Ronan and Erwan Bouroullec @ Orgatec 2010

Alcove Work von Ronan und Erwan Bouroullec @ Orgatec 2010

Erwan Bouroullec: Was uns wirklich an unserem Büro gefällt, ist, dass wir das Glück haben, viele verschiedene Arbeitsmethoden nutzen zu können. Manchmal zeichne ich, machmal arbeite ich am Computer oder an Modellen. Deshalb sieht das Büro immer ein bisschen unordentlich aus, aber auch nur weil wir so viele verschiedene Dinge auf einmal tun. Wirklich sehr erfrischend. Das, was Leute wirklich während der Arbeit brauchen, ist Abwechslung im Tagesablauf und die Veränderung der Position des Körpers. Ich denke, dass das wirklich wichtig ist ….

(smow)blog: … also, dass man sich im Büro wohlfühlt…

Erwan Bouroullec: … Ja, ich denke der beste Weg sich in einem Büro wohlzufühlen, ist, dass man tagsüber mit verschiedenen Arten von Bequemlichkeit konfrontiert ist: manchmal ist es das Sitzen auf einem Sofa, so wie jetzt, manchmal das Sitzen in einem Bürostuhl oder auf einem Esszimmerstuhl, aber der Wechsel ist wichig.  Die ganze Zeit auf einem Sofa zu sitzen ist nicht gut, einen Tag in einem Bürostuhl zu verbringen, ist vielleicht besser, allerdings auch nicht perfekt. Genauso verhält es sich auch mit der Arbeit in offenen, öffentlichen Räumen oder abgekapselt und für sich allein. Der Wechsel macht’s.

(smow)blog: Gibt es Projekte an denen Sie momentan arbeiten?

Erwan Bouroullec: Wir beginnen gerade die Arbeit an einem sehr spannenden Segelboot-Projekt.

(smow)blog: Sicherlich bietet es ein bisschen Abwechslung von der normalen Arbeit, oder?

Erwan Bouroullec: Ja, aber irgendwie hatten wir solche Arten von Projekten, die etwas außerhalb der gängigen Wege laufen, schon immer dabei. Das bringt natürlich eine interessante Dynamik rein und sorgt für einige frische Gesichtspunkte. Zudem entdecken wir Dinge, die uns bei der Arbeit an Industrie-Projekten helfen.

(smow)blog: Sie übertragen dann alternative Denkansätze auf Ihre anderen Arbeiten…

Erwan Bouroullec: Ja, mit anderen Kontexten konfrontiert zu sein, ist wirklich interessant. Meiner Meinung nach ist die wirkliche Frage beim Design von Dingen, die Balance zwischen vielen verschiedenen Faktoren zu halten. Je mehr man mit verschiedenen Kontexten konfrontiert ist, desto mehr lernt man darüber, wie Dinge im Gleichgewicht zu halten sind.

Communal Cells by Ronan and Erwan Bouroullec for Vitra - here as a kitchen

Communal Cells von Ronan und Erwan Bouroullec für Vitra - hier als Küche



Orgatec 2010 Interview: Alberto Meda

Wednesday, December 8th, 2010
Alberto Meda @ Orgatec 2010

Alberto Meda @ Orgatec 2010

Obwohl er selbst keinerlei neue Produkte auf der Orgatec 2010 präsentierte, nutze Alberto Meda die Veranstaltung, um sich bei anderen Designern Eindrücke von deren Arbeiten zu holen.

Und als wir uns mit Alberto Meda am Vitra-Stand trafen, stellten wir fest: Alberto Meda benutzt denselben Bürostuhl wie die (smow)-Blog Crew…

(smow)-Blog: Wie wir festgestellt haben, stellen Sie auf der diesjährigen Orgatec 2010 keine Produkte selbst aus?

Alberto Meda: Nein, aber ich arbeite zusammen mit Vitra an einem neuen Produkt, welches aber bisher noch nicht fertig ist. Aus diesem Grund bin ich lediglich hier, um zu schauen, was sich sonst so tut. Kein Designer weiß, was die anderen Designer machen und daher ist es für mich schön, einige neue Projekte zu sehen.

(smow)-Blog: Eines Ihrer bekanntesten Produkte ist der MedaPal Stuhl. Was war der Anlass für den Stuhl? Wo kam die Idee dazu her?

Alberto Meda: Die Idee war eine Weiterentwicklung des vorherigen Stuhl-Designs mit einem veränderten Kinematik-System innerhalb der Struktur. Um den Preis zu senken, haben wir uns entschieden, wieder vermehrt traditionelle Bürostuhlkonstruktionen herzustellen. Das bedeutet, es gibt eine mechanische Plattform, auf welche man den Sitz und andere Komponenten hinzufügen kann. Somit stellten wir zuerst den MedaPro und dann den MedaPal her. Der MedaPal ist ökonomischer, weil sich der Sitz nicht bewegt, man aber dennoch eine Menge Komfort hat und die Lendenwirbelsäule sehr gut gestützt wird. Ich benutze diesen Stuhl mittlerweile seit zwei Jahren jeden Tag…

(smow)-Blog: …den MedaPal ?…

Alberto Meda: …ja…

(smow)-Blog: …wir verwenden auch den MedaPal. Sind Sie zufrieden mit ihm?

MedaPal von Vitra wie er von Alberto Meda und der (smow)-Blog Crew genutzt wird

MedaPal by Alberto Meda für Vitra

Alberto Meda: [lacht] …sehr zufrieden. Und wenn Leute zu mir kommen, lasse ich Sie auf dem Stuhl Platz nehmen und die Mechanik ausprobieren und das Feedback ist immer positiv.

(smow)-Blog: Gibt es aktuelle Projekte, von denen Sie uns berichten können?

Alberto Meda: Vor kurzem habe ich zusammen mit Vitra einen Flughafen-Stuhl entwickelt, der sich MedaGate nennt und mit dem ich sehr zufrieden bin.

(smow)-Blog: …Sie mögen das Präfix “Meda”…

Alberto Meda: [lacht] …nein, nein das hat Vitra entschieden und war nicht meine Idee. MedaGate wurde auf der Passenger Terminal Expo im März vorgestellt und an meinem nächsten Projekt werde ich erneut zusammen mit Vitra arbeiten. Allerdings kann ich dazu bisher nocht nichts preisgeben, außer dass es ein Stuhl wird.

(smow)-Blog: Darauf freuen wir uns schon sehr. Vielen Dank!



Orgatec 2010 Interview: Alexander Schärer, USM Haller

Wednesday, December 1st, 2010

Auf der Orgatec 2010 sprachen wir mit Alexander Shärer, dem CEO von USM Haller, über die Rückkehr des Unternehmens zur Orgatec nach 12 Jahren Abstinenz, deren neue “Living Essentials” Kollektion und wie sein eigenes Büro aussieht…