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Mailand 2013: Moormann non è presente

Monday, April 8th, 2013

Die Tore zur Hölle sind geöffnet. Es ist Möbelmesse in Mailand.

Die normalerweise recht angenehme, ruhige und zu Recht ausgezeichnete lombardische Metropole wird in dieser Woche von Strömen kollektiver Gier und naiver Studententräumereien überflutet, die die Kanäle, Parks und früheren Industriegegenden in brennende Gruben von Gegensätzen, Nachahmungen und purem Gold verwandeln werden.

Überleben ist hier eine Frage des Ausblendens der Realität und der Selbstmanipulation, alles sei brillant und man habe eine richtig großartige Zeit.

Also, the same procedure as every year…

Nur dass in diesem Jahr einer von den vernünftigeren Köpfen in diesem Chaos fehlen wird: Moormann stellt 2013 nicht auf der Mailänder Möbelmesse aus.

Milan Design Week 2013 Moormann non è presente

Möbelmesse Mailand 2013: Moormann non è presente

Im Wesentlichen ist der Grund für sein Fernbleiben seine Unzufriedenheit über die Standverteilung bei der Messe. Als wir 2011 mit Nils Holger Moormann sprachen, erzählte er uns bereits über die Probleme rund um das Thema.

Von Gesprächen mit anderen Chefs großer Möbelhersteller wissen wir auch, wie vertrackt und schleppend das Standverteilungssystem in Mailand funktioniert. Die Mehrheit der Aussteller sieht jedoch keine Alternative und erträgt so, was ertragen werden muss, um dabei sein zu können.

Bei Moormann ist damit jetzt aber Schluss.

Für uns liegt die bittere Ironie darin, dass nun die überwiegende Mehrheit in Halle 20, wo die jungen Möbelhersteller ihre Stände haben, von italienischen Herstellern dominiert wird, die nicht nur nichts annähernd Innovatives vorstellen, sondern deren “neue” Produkte nicht mal dazu bestimmt sind, in die Produktion zu gehen. Sie werden nur ausgestellt, um Aufmerksamkeit zu erregen. Es wird also Platz verschwendet, um ein bisschen Aufmerksamkeit zu erhaschen, statt der Branche die Möglichkeit zu bieten, zu wachsen und sich zu entwickeln.

Auch wenn wir Moormann natürlich vermissen, finden wir seinen Widerstand gut. Die Monopolstellung Mailands muss gebrochen werden und je mehr dabei mitmachen, desto schneller wird es die dringend benötigten Alternativen für die junge Designermöbelbranche geben.

Die eine, sehr positive Tatsache an Moormanns Entscheidung ist, dass, wenn Moormann eine Sache angeht, das immer mit sehr viel Einsatz, Herzblut und Kreativität geschieht. Der Bookinist Cup ist dafür so ein Beispiel. Und natürlich wissen wir auch, ohne dass Moormann auf der Messe ist, dass sie neue Produkte haben. Und wir können es kaum erwarten, sie zu sehen. Und natürlich wäre Moormann nicht Moormann, wenn sie ihre Abwesenheit in Mailand nur durch eine kleine Pressemitteilung bekannt geben würden. Nein, da lässt sich Moormann nicht lumpen und hat gleich mal ein Brettspiel entwickelt.

Und wir wären nicht wir, wenn wir nicht gleich eine Runde gespielt hätten und das fein säuberlich für euch dokumentiert hätten.



Von Bücherregalen bis Corporate Identities. Moormann – Der One Stop Shop.

Friday, November 30th, 2012

Letzte Woche Freitag waren wir bei einer Diskussion in Potsdam. Nils Holger Moormann redete dort so eloquent und überzeugend wie gewohnt über die Vorteile von langen Lebenszyklen bei Möbeln sowie die Weiterentwicklung, die nur möglich ist, wenn man die Möbel als sich entfaltende Projekte – und nicht als Profit generierende Waren – begreift.

Bezogen auf das FNP Regalsystem zum Beispiel, sagte er so etwas wie: Sogar nach 25 Jahren entdeckt man immer noch neue Wege das System zu erweitern und weiterzuentwickeln.

Und es sind nicht nur die eigenen Produkte, die Moorman weiterentwickelt.

Inspiriert vom unsensiblen Umgang des (smow)Grafik-Teams mit dem Moormann-Logo (da hat wohl jemand mal was verwechselt und plötzlich war das Logo nicht mehr quadratisch…), war das Team von Moorman so gut und hat neben dem ganzen Weihnachtsstress (smow) dabei geholfen noch etwas an seiner Corporate Identity zu arbeiten.

Eines der neuen Logos sieht man oben links auf dieser Seite…

Und tatsächlich ist die (smow)Geschäftsführung so froh über die Arbeit, dass sie in Erwägung zieht, Moormann mit der Gestaltung eines Logos für den neuen (smow)room Stuttgart zu beauftragen. Die Frage ist nur, ob das nicht zu viel von der Aschauer Kreativschmiede verlangt wäre…

Ein früher Versuch vom (smow)blog das Nils Holger Moormann Logo zu verlängern.



Morgen Kinder wird’s was geben… Warum sind wir da nicht selbst drauf gekommen? Geschenkideen zum Selbermachen von Jongerius, Häberli, Moormann u.a.

Thursday, November 15th, 2012

Diejenigen unter euch, die auch lesen, was wir schreiben und nicht nur unsere das Genre neu definierenden Fotografien* angucken, kennen unsere Beschwerden darüber, dass keine Artikel über Design in den seriösen Printmedien gibt.

All zu oft scheint es, als wäre “Design” etwas, was den Blogs vorbehalten ist, die bei der Bebilderung ihrer zuckersüßen Hymnen auf eine kuschelige Wohlfühl-Wohnwelt vor allem auf den Gaußschen Weichzeichner setzen – oder sie schlimmer noch, gleich mit Instagram fotografieren.

Und so ziehen wir den Hut vor dem Süddeutsche Zeitung Magazin für ihren “Der frühe Vogel”-Beitrag. Das Motto dabei ist, der frühe Vogel muss nicht notwendigerweise den Wurm fangen, kann aber durchaus schon Mitte November alle Weihnachtsgeschenke beisammen haben. Aus diesem Grund hat die Redaktion in München acht Designstudios gebeten, ein Objekt vorzustellen, dass die Leser nachbauen bzw. -basteln können.

Das Ergebnis ist weder ein Aufruf zu den Waffen noch der Beginn einer Open-Design-Revolution, aber eine Kollektion eigensinniger Objekte, die nicht nur als Weihnachtsgeschenk taugen, sondern das gesamte Jahr über als stylische Erinnerungen dafür dienen können, dass Design eine Art zu denken ist – und nicht nur ein Job.

Süddeutsche Zeitung Magazine Der frühe Vogel Dave Hakkens

Dave Hakkens - Notice Block

Von den gesichtslosen Wohnaccessoires auf Möbelmessen inspiriert, entwickelte Hella Jongerius eine Familie von Papierkreaturen, die im Gegensatz zu der Wohnlichkeit heuchelnden Messedeko mit Poesie und Leben gefüllt sind. In der Süddeutschen zeigt uns Hella Jongerius, wie man einen “Penguin Prop” baut. Das ist ein putziger kleiner Gefährte, der ganz den Vorlieben entsprechend bemalt und personalisiert werden kann.

Ebenso wie der “Penguin Prop” aus persönlichen Überlegungen heraus entstanden, ist auch der Astleuchter von Nils Holger Moormann. Nils brauchte eine Lampe für den Besprechungsraum in Aschau, als ihm eines Tages die Inspiration im Wald erschien. Wortwörtlich. Wie man es von einem Nils Holger Moormann Produkt erwartet, ist der Astleuchter eine feinsinnige, daktylische Melange von Simplizität und Genialität. Oder anders ausgedrückt: Der Astleuchter ist ein Kronleuchter aus…. einem Ast.

Daneben wird in der Kollektion eine Fahrradtasche von Werner Aisslinger für die Mittelstange gezeigt, die aus dem praktisch unkaputtbaren Material hergestellt ist, das sich schon tausendfach für die sogenannten – Achtung, nicht PC! – “Türkenkoffer” bewehrt hat; Sam Hecht präsentiert uns einen Blumentopf, der seine technische Komplexität hinter einer Fassade künstlicher Banalität versteckt; Dave Hakkens stellt uns seine umweltbewusste Antwort auf die Post-it Zettel vor; Sebastian Herkner zeigt uns ein Regalsystem, basierend auf Besenstielen; das Stockholmer Note Design Studio hat eine Zeitschreiftenablage entworfen, die genauso viel von der Klarheit des Bauhauses wie von der Wärme eines skandinavischen Waldes hat; und last but not least ist da noch Alfredo Häberlis traumhafter Kerzenständer für lange Winterabende.

Süddeutsche Zeitung Magazine Der frühe Vogel Werner Aisslinger

Werner Aisslingers Zeichnung für seine Fahrradtasche

Neben den Stücken selbst, ist das wirklich schöne an der Kollektion zum einen, dass es sich bei der Mehrheit der Objekte um solche handelt, die die Designer zuvor für ihren eigenen Gebrauch designt hatten und nun mit uns teilen, und zum anderen, dass die Baupläne für alle acht Geschenkideen von den Designern selbst gezeichnet oder anderweitig aufbereitet wurden.

Die Pläne gewähren damit einen kleinen Einblick in die Persönlichkeit, die Arbeits- und Denkweise der Designer sowie ihre Art Ideen zu entwickeln. Und so ist der Artikel nicht nur ein praktisch ausgerichteter Designartikel, sondern auch ein wirklich interessantes und unterhaltsames Stück Designjournalismus.

Ein großes Lob dafür an alle, die daran beteiligt waren.

Alle Designs und Baupläne findet man unter sz-magazin.sueddeutsche.de.

Die meisten Baupläne sind auf Englisch, einige auf Deutsch. Aber alle sind ausgezeichnet illustriert und sollten selbsterklärend sein. Und vielleicht das beste daran, alle Objekte könnten auch von Kindern gebaut werden…..

* Die Harry Portman PR Bibel. Kapitel 5, Regel 2. “Wenn man etwas nicht gut kann, nennt man es einfach “die Neudefinition des Genres”. Die meisten Menschen werden das glauben. Besonders Spiegel-Leser…

 



Mailand 2012: Harry Thaler. Pressed Chair, Moormann und ich.

Wednesday, April 18th, 2012

2011 präsentierte Moormann in Mailand den Prototypen des Pressed Chair von Harry Thaler. Und nun wurde auf der Messe der Vorhang für die marktreife Version des Stuhls gelüftet.

Letztes Jahr hat sich ja Nils Holger Moormann ausführlich zum Pressed Chair geäußert. Und um das Puzzle zu vervollständigen haben wir uns dieses Jahr vor der Messe mit Harry Thaler in seinem Londoner Atelier getroffen um mehr über ihn und den Pressed Chair zu erfahren.

harry thaler pressed chair moormann london

Harry Thaler, Pressed Chair, Moormann, London

(smow)blog: Fangen wir mit deinem Hintergrund an. Wenn wir richtig informiert sind, bist du gelernter Goldschmied?

Harry Thaler: Ja, ich komme aus dem Schmuckbereich, habe zehn Jahre als Goldschmied in meiner Heimatstadt Meran gearbeitet bevor ich nach Wien zog und schließlich an der Hochschule für Gestaltung Pforzheim einen Schmuckkurs belegt habe. Diese Zeit in Pforzheim hat mich dann bewegt Design zu studieren – also in größeren Dimensionen zu arbeiten.

(smow)blog: Und wie bist du zum Royal College of Art nach London gekommen?

Harry Thaler: Nach Pforzheim habe ich Design in Bozen studiert, aber dort gab es einen Kurs den ich in Englisch absolvieren musste. Nachdem ich 8 mal durch die Prüfung gefallen war, hab ich mir gedacht “Ok, du musst nach London gehen um Englisch zu lernen!”. Also hab ich mich am RCA beworben, wurde angenommen, habe zwei Jahre studiert und 2010 mein Studio hier in London aufgemacht.

(smow)blog: Vor dem Hintergrund, dass du Goldschmied bist: Arbeitest du als Designer mehr mit Modellen und handwerklichen Entwürfen oder entstehen die ersten Schritte am Computer?

Harry Thaler: Das hängt sehr vom Projekt ab. Ich arbeite gerade an einem Haus, da wird natürlich viel am Computer gemacht. Aber dann gibt es auch Projekte wie den Pressed Chair, der überhaupt nicht am Computer entstanden ist sondern reines Experimentieren war.

(smow)blog: Ein guter Übergang zu unserer nächsten Frage. Wenn wir uns deine früheren Arbeiten anschauen, sehen wir keinen offensichtlichen Weg hin zum Pressed Chair. War das ein komplett neues Projekt für dich oder gibt es eine Verbindung zu früheren Arbeiten?

Harry Thaler: Der Pressed Chair hat schon einen Bezug zu meiner Vergangenheit. Wenn ich nicht als Goldschmied gearbeitet hätte, wäre ich nie auf den Stuhl gekommen. Natürlich sind die Dimensionen ganz anders, aber das Formen der Metall- und Blechteile ist ein typischer Goldschmiedprozess.

(smow)blog: Erinnerst du dich an die ursprüngliche Idee? Gab es da eine bestimmte Eingebung?

Harry Thaler: Es gibt durchaus Projekte, wo man aufwacht und eine Idee hat. Aber der Pressed Chair war mehr ein Prozess. Es hat mit einer kleinen Gabel aus einem Stück Holz angefangen. Daraus wurde dann ein Tisch, Stuhl, Hocker aus einem Stück Holz. Die Holzplatte wurde in die Form eines Stuhls gebogen…

(smow)blog: Und dann dachtest du, ok, wenn es mit Holz funktioniert, kann ich es auch mit Metall probieren?

Harry Thaler: Nicht ganz. Der ursprüngliche Plan war etwas aus nur einem Stück Material zu machen, letzten Endes war das Metall. Nachdem wir die Grundform hatten, wollten wir das ausreifen um das Blatt so dünn wie möglich zu gestalten. Wenn wir einfach ein 1cm starkes Stück Metall genommen hätten, wäre es viel einfacher und man bräuchte die Rillen nicht. Aber die Rillen machen im Grunde auch den Stuhl aus.

(smow)blog: Wie war die erste Begegnung mit Nils Holger Moormann?

Harry Thaler: Das war im Januar 2011 in Köln. Ich hatte den Interior Innovation Award gewonnen und Nils kam auf der IMM auf mich zu.

(smow)blog: Kannte er deine Arbeit schon oder hat er das in Köln zum ersten Mal gesehen?

Harry Thaler: Er hat gesagt, dass er meine Arbeit schon eine Weile verfolgt hatte. Und ich werde nie vergessen, wie er in Köln ankam. Er ging direkt auf mich zu, schaute nicht nach rechts oder links, nur geradeaus, fokussiert, zu mir!

(smow)blog: Wie ist das für dich als Designer? Du entwicklest einen Stuhl, gewinnst Preise und dann kommt eine Firma wie Moormann und sagt “Super, wir möchten das produzieren, aber wir müssen Veränderungen vornehmen.” Macht dich das nervös? Hast du dabei ein ungutes Gefühl?

Harry Thaler: Überhaupt nicht. Die Zusammenarbeit mit Moormann war wunderbar. Sie haben mir Bilder geschickt und ich habe gesehen dass es im Grunde der selbe Stuhl ist. Es wurden zwar kleine Veränderungen vorgenommen aber im Prinzip war der Geist der gleiche. Und ich wurde die ganze Zeit auf dem Laufenden gehalten. Sie haben nicht einfach die Idee genommen und damit gemacht was sie wollen ohne mich zu fragen. Sie haben viel gemacht aber mich dabei immer informiert und konsultiert, sodass ich den Prozess begleiten konnte.

(smow)blog: Jetzt ist er nun auf dem Markt. Ist das Projekt damit für dich abgeschlossen und du wartest nur noch auf die Schecks? Oder denkst du noch darüber nach und verfolgst die Entwicklung?

Harry Thaler: Das schöne am Design ist, dass ich den Stuhl vielleicht in einem Café hier in London sehe oder bei jemandem zuhause, also irgendwo wo er ein eigenes Leben hat. Wenn sich die Leute am Stuhl erfreuen und ihn wirklich benutzen, dann macht mich das glücklich. Aber ich möchte das Konzept natürlich auch weiterentwickeln in andere Objekte wie einen Tisch oder einen Hocker.

Harry Thaler Pressed Chair Nils Holger Moormann

Pressed Chair von Harry Thaler für Nils Holger Moormann

Harry Thaler Pressed Chair Nils Holger Moormann

Der Moormannstand in Mailand ist ganz dem neuen Stern am Moormannhimmel gewidmet. Eine schöne Mischung aus biblischer Allegorie und Hollywood-Glanz (unserer Meinung nach).



Nils Holger Moormann: Wagon-Lire

Wednesday, February 15th, 2012

Auf der Qubique in Berlin sprachen wir mit Nils Holger Moormann darüber, wie viele Tage wir nach dem Bookinist Cup im Bett verbracht haben – der Durchschnitt lag unter allen Teilnehmern ungefähr bei drei Tagen. Ganz nebenbei erwähnte Herr Moormann, dass er aktuell an der Umgestaltung eines Autos arbeitete. Damals konnte er leider noch nicht mehr verraten; im Dezember war es dann aber so weit und das fertige Projekt wurde in Bilbao bei der Markteinführung des neuen Renault Twingos der gespannten Öffentlichkeit – wozu insbesondere wir uns zählten – präsentiert.

Inspiriert vom wagon-lit, was die französische Bezeichnung für Schlafwagen ist, kreierte Nils Holger Moormann den Wagon-Lire – einen Lese-Wagen. Und nicht nur der Name, sondern auch das Design beschwören die Romantik des goldenen Zeitalters herauf, in dem man noch mit luxuriösen Dampfloks gereist ist, und übertragen diese romantischen Reisevorstellungen auf unsere moderne, so sehr auf Funktionalität ausgerichtete Welt der Autoreisen.

Indem er das Heck des Twingos mit einem angepassten FNP Regalsystem, einem Klapptisch und sogar einem kleinen Kamin ausgestattet hat, hat Nils Holger Moormann ein Auto geschaffen, das schon fast auf Stau hoffen lässt. Der mit allen notwendigen Utensilien für ein schönes Tässchen Tee am Straßenrand bestückte Kofferraum versüßt garantiert jeden Stopp.

Neben den ganzen spielerischen Elementen kann der Wagon-Lire aber vor allem auch durch technische Raffinesse punkten. So verfügt er über einen einfachen, aber genialen Mechanismus, der die vordere Sitzbank umklappen und sowohl nach vorne als auch hinten ausrichten lässt. Spätestens solch ein Detail zeigt, dass der Wagon-Lire von einem Designer mit einem überaus professionellen Blick fürs Detail entworfen wurde.

Renault konnte uns leider noch nicht bestätigen, wann der Twingo Wagon-Lire auf den Markt kommt, aber wir werden euch auf jeden Fall auf dem Laufenden halten.

Für alle, die noch nicht so ganz verstanden haben, worüber wir hier eigentlich reden, gibt es einen kurzen Werbespot:

Nils Holger Moormann: Wagon-Lire



Designpreis der Bundesrepublik Deutschland 2012: DMY Berlin ersetzt den Rat für Formgebung als Veranstalter

Monday, February 6th, 2012

Vor einigen Jahren saßen wir eines Freitagabends in der Küche der Berge von Moormann in Aschau im Chiemgau als Nils Holger Moormann freudestrahlend hereinkam.

Er kam gerade mit einem “Deutschen Designpreis” in Gold fürs Berge in der Tasche von der Designpreisverleihung zurück und schwärmte nun davon, dass der Gewinn des Designpreises der Bundesrepublik Deutschland im Vergleich zu anderen Designpreisen so ist, als würde man olympisches Gold gewinnen.

Vielleicht hat er ihn auch nicht wirklich mit den Olympischen Spielen verglichen – unsere Erinnerung daran kann auch etwas verschwommen sein -, doch es bedeutete auf jeden Fall ein großes Lob. Und er strahlte bis über beide Ohren.Designpreis der Bundesrepublik Deutschland 20121969 ins Leben gerufen, ist der Designpreis der Bundesrepublik Deutschland der offizielle nationale Designpreis des Landes und wurde bisher im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie vom Rat für Formgebung verwaltet und organisiert. Ab 2012 soll DMY Berlin diese Aufgaben übernehmen – offenbar eine recht umstrittene Entscheidung.

Bei der ersten Pressekonferenz hat Hans-Joachim Otto, der Parlamentarische Staatssekretär beim Bundesminister für Wirtschaft und Technologie, mehrfach betont, dass die Entscheidung DMY mit dem Wettbewerb zu betrauen, keinesfalls eine Beleidigung gegenüber dem Rat für Formgebung darstellen solle. Das tat er mit einer Bestimmtheit und unmissverständlichen “hör ganz genau zu”-Deutlichkeit, die darauf schließen ließ, dass sich jemand gewaltig vor den Kopf gestoßen gefühlt hat.

Ob sich der Rat für Formgebung tatsächlich beleidigt fühlt, kann man vielleicht am besten daran sehen, dass sie ihren eigenen Wettbewerb ins Leben gerufen haben: den German Design Award. Oder wie wir solche Entscheidungen verstehen: “Wenn wir kein Stürmer sein können, nehmen wir unseren Ball eben mit nach Hause und spielen alleine”.

Soweit wir das beurteilen können, ist es nicht gerechtfertigt, dass der Rat für Formgebung seinen eigenen Wettbewerb startet. Das liegt nicht zuletzt daran, dass das zu Missmut führt und eine klar definierte Einordnung der derzeitigen Designqualität in Deutschland im Rest der Welt verhindert, woran der Rat für Formgebung rein theoretisch ebenfalls interessiert sein sollte.

german design award 2012

German Design Award 2012: Nicht zu verwechseln mit dem Designpreis der Bundesrepublik Deutschland 2012

Und nicht nur der Rat für Formgebung scheint durch die Entscheidung verstimmt zu sein. Ein Kollege wirkte auf der Pressekonferenz sehr sehr verärgert darüber, dass der Rat für Formgebung nicht länger die Organisation innehat. Sofern wir das richtig verstanden haben, lag das wohl daran, dass er Angst hatte, der Wettbewerb könnte zu kommerziell werden und irgendwie seine bisherige Reinheit verlieren.

Ohne die Kompetenz unseres Kollegen in Sachen deutsches Design offen anzweifeln zu wollen – denn wir fürchten, das könnte damit enden, dass wir winselnd und mit eingezogenen Schwänzen in den Wald flüchten -, so sollte er vielleicht mal einen Blick auf die Teilnahmebedingungen des Wettbewerbs werfen, als er noch vom Rat für Formgebung organisiert wurde und sich dann fragen, wieso der Rat für Formgebung sich dazu gezwungen fühlte, seinen eigenen Wettbewerb ins Leben zu rufen? Mal abgesehen von Neid und verletztem Stolz… Außerdem sollte er etwas kritischer beäugen, wie der Designpreis der Bundesrepublik Deutschland in letzter Zeit unter der Leitung des Rates für Formgebung vergeben wurde. Das hat das Wirtschaftsministerium auf jeden Fall getan…

Beim Versuch das Konzept des Rates neu auszurichten, ließ der Parlamentarische Staatssekretär auch verlauten, dass das Ministerium der Ansicht war, dass das Abhalten der Preisverleihungszeremonie während der Ambiente nicht die erforderliche Resonanz gebracht hat.

So sieht’s aus.

Nichts gegen die Frankfurter Messe, aber die Ambiente ist einfach keine Designmesse, sondern eine Messe für Wohnaccessoires und Geschenke. Am meisten mit Design zu tun, haben dort wahrscheinlich die Tapeten – mit Grafikdesign…

Der in Frankfurt ansässige Rat für Formgebung scheint oft nicht in der Lage über die Ufer des Mains hinauszudenken. Beispielsweise besteht der Stiftungsrat für das neue Deutsche Design Museum, das eigentlich für Berlin geplant ist, ausschließlich aus Frankfurtern. Das liegt vermutlich daran, dass der Rat für Formgebung keine kompetenten Leute kennt, die in Berlin wohnen.

Hätten sie von einem Designfestival in Berlin gewusst, hätten sie die Kooperation vermutlich früher begonnen und ihre Preisverleihung und -ausstellung zumindest parallel zum oder direkt beim DMY Festival veranstaltet. Das hätte auf jeden Fall ein größeres Medienecho hervorgerufen als die Teller, Handtuchhalter und Maniküreprodukte der Ambiente.

Was die Medienwirksamkeit betrifft, braucht man nur einmal den Umfang unserer Berichterstattung hier betrachten und dann googeln, wer noch darüber berichtet…

messe frankfurt messeturm

Der Messeturm auf der Frankfurt Messe beherbert seit Januar 2012 das Hauptquartier von... man kann es sich wahrscheinlich denken (Foto: Messe Frankfurt Exhibition GmbH / Helmut Stettin )

Wir vermuten mal, dass die Verehrung alles Hessischen durch den Rat für Formgebung mit ein Grund dafür war, wieso der Vertrag DMY zugesprochen wurde. Wenn das tatsächlich der Fall ist, können sie sich nur selbst die Schuld in die Schuhe schieben. Wir jedenfalls begrüßen die Entscheidung, DMY Berlin mit der Organisation des Wettbewerbs betraut zu haben.

Bei der Pressekonferenz hörten wir die Bezeichnung “Generationswechsel”, die wir überaus passend finden. Viele Menschen haben Angst vor Generationswechseln, doch sie sind wichtig, wenn eine Organisation, ein Event oder eine Beziehung sich entwickeln und zukünftige Herausforderungen meistern muss.

Wenn man so oft mit jungen und alten, etablierten und weniger etablierten deutschen Designern spricht wie wir, hört man oft die Kritik, dass die bestehenden Designinstitutionen Deutschlands sich zu sehr auf die “gute Form” konzentrieren und noch immer in einer Welt agieren, in der Dieter Rams bestimmt, was deutsches Design überhaupt ist. Außerdem verbringen sie viel Zeit damit, Designern zu sagen, was sie tun sollten, anstatt ihnen dabei zu helfen, das zu fördern, was sie eigentlich tun. Das liegt im Wesentlichen daran, dass die Organisation von einer Generation dominiert wird, die aus einer Zeit stammt, in der die Dinge noch so liefen. Das ist gut so. Doch heute ist das eben nicht mehr so. Und auch das ist gut so.

Mit DMY als Organisator des Designpreises der Bundesrepublik Deutschland wird der Wettbewerb wahrscheinlich nicht nur moderner, sondern auch demokratischer und offener gestaltet werden – vor allem durch den All-Inclusive-Preis von 350 Euro. Durch diese relativ geringe Gebühr wird es viel mehr kleineren Firmen und Designstudios möglich sein sich zu bewerben als bei den vielen anderen Designpreisen, bei denen Designer oft tausende Euro für den Gewinn zahlen müssen.

(Eine kurze Anmerkung für alle, die das nicht wissen: Einen Designwettbewerb zu gewinnen ist sehr teuer. Es gibt beispielsweise einen Wettbewerb, bei dem die Sieger eine “Gewinngebühr” in Höhe von 2800 Euro zusätzlich zu obligatorischen Kosten für Katalogeinträge bezahlen müssen – und natürlich die Teilnahmegebühr. Das stellt natürlich für jeden, der nur über ein eingeschränktes Budget verfügt, eine große Hürde dar.)

Es ist natürlich auch möglich, dass DMY Berlin den Wettbewerb verbockt und das Ganze in einem Disaster endet. Dieses Risiko besteht immer, wenn man den Partner wechselt. Das werden wir aber erst Mitte Mai wissen, wenn Details darüber bekannt gegeben werden, wie viele Anmeldungen eingegangen sind, von wem und aus welchen Disziplinen.

Doch wenn man sich das vom DMY entwickelte Konzept mal ansieht und es sowohl mit dem, was vorher war, vergleicht als auch mit all den anderen Designpreisen in Deutschland, so sehen wir eine reale Chance den Designpreis der Bundesrepublik Deutschland wiederzubeleben und dem deutschen Design sowie den deutschen Designern dabei zu helfen, sich besser auf dem Weltmarkt zu präsentieren.

Wir schlagen vor, der Rat für Formgebung lässt den Ball einfach da liegen, wo er ist, und akzeptiert seine Postion am Flügel…



(smow) Blog Best of 2011: Bookinist Cup – Die Hölle von Aschau

Monday, January 9th, 2012

Obwohl als Firmenfeier angedacht, bei der Moormann seinen Partnern, Händlern, Designern usw. für die gute Zusammenarbeit im vergangenen Jahr danken wollte, war die Die Hölle von Aschau viel mehr so etwas wie ein Familienfest und die Stimmung so warm wie ofenfrischer Apfelstrudel.

Und das trotz Schneeregen und Wind!

Diese Wärme offenbarte sich dem Zuschauer besonders als sich Nils Holger Moormann höchstpersönlich auf die Piste schwang und das Fotografenaufgebot umgehend auf ein Level anstieg, das man eher von Auftritten von George Clooney oder Brad Pitt gewohnt ist.

Das war wirklich ergreifend.

In einer Woche oder so werden wir in Köln bei der IMM sein, in einer Welt also, wo harte Geschäfte auf den Bezügen von Ledersofas fragwürdiger Qualität von unangemessen selbstüberzeugten Außendienstmitarbeitern ausgehandelt werden. In diesem Jahr mit Tablets, selbstverständlich.

Der Bookinist Cup hat uns daran erinnert, dass es so aber nicht laufen muss.

Wenn wir einmal schätzen, was der Spaß wohl gekostet hat, sind wir uns ziemlich sicher, dass das Geld, das Moorman in Die Hölle von Aschau investiert hat, gut und gerne auch für einen schönen Stand auf einer Messe gereicht hätte.

Aber wir kennen Nils Holger und seine fröhliche Schar von Moormännern gut genug, um zu wissen, dass die Wahl zwischen einer Messe und einem Rennen mit einem ihrer Möbelstücke immer auf das Rennen fallen würde.

So etwas ist nur in einer Welt möglich, in der Qualität mehr als Profit zählt – auch wenn Profit unweigerlich zu den notwendigen Dingen im Geschäft gehört; in einer Welt, in der Qualität entsteht, wenn man eine Sache mit Leidenschaft verfolgt, wenn das, was man tut, mehr als bloße Arbeit ist und wenn das einen glücklich macht.

Weil uns also Die Hölle von Aschau so nachhaltig daran erinnert, dass die Designermöbelindustrie etwas ist, das von Zeit zu Zeit wahrhaft froh stimmen kann, erhält das Rennen ganz klar einen Platz auf unserer Highlights-2011-Liste.

Für alle, die nicht dabei gewesen sind, gibt es hier den offiziellen Film vom Rennen.

 



Die Hölle von Aschau 2011 – Concours d’Élégance

Wednesday, December 21st, 2011

Abseits der Rennstrecke war ein wahres Highlight der “Hölle von Aschau” der Concours d’Élégance.

Vor dem Event hatte Moormann seinen Kunden, Partnern und Freunden Bastelsets zum Nachbau von Miniatur-Bookinisten geschickt, die “gepimpt”  zum Wettbewerb “Concours d’Élégance” eingereicht werden konnten. Sie hatten wahrscheinlich nicht erwartet, dass es so viele Einsendungen geben würde. So war die Moormann-Jury nicht nur von der hohen Resonanz beeindruckt, sondern auch von der sehr hohen Qualität der Einsendungen.

Vom Lebkuchen-Bookinisten übers Papamobil bis hin zum unsäglich plumpen und doch coolen “Bookimist” von Jehs + Laub – die Fantasie und das künstlerische Talent der Moormann-Familie scheint grenzenlos.

Es war wirklich die reinste Freude. Und die gesamte Galerie gibt’s hier.

Die Hölle von Aschau 2011 Concours d'Élégance

Die Hölle von Aschau 2011: Concours d'Élégance

Ein Bastelset landete auch im (smow)Hauptquartier.

Doch wären wir nicht (smow), wenn wir blind den Regeln folgen würden. Auch wenn die Regeln von Nils Holger Moormann persönlich stammen. Und so individualisierte auch (smow) einen Bookinisten – allerdings im Maßstab 1:1.

In den Tälern Südsachsens von ortsansässigen Handwerkern mithilfe traditioneller Herstellungsverfahren gefertigt und ganz im Gegensatz zu Moormanns Ozonschicht zerstörenden und offen gesagt total veralteten Dieselmotoren mit einem umweltfreundlichen Elektromotor ausgestattet, wurde der (smow)Bookinist…

…sofort vom Rennen disqualifiziert! Und das obwohl er mit echten Büchern bestückt war und nicht nur mit Aufklebern wie die anderen Renn-Bookinisten!

Doch nach mehrfachem Bitten und Flehen zeigte sich die Jury gnädig und entschied sich für die Einrichtung einer Extra-Kategorie für außergewöhnliche Beispiele ostdeutscher Ingenieurskunst und das (smow)Team durfte endlich in die Boxengasse, um sich für die Schlacht zu rüsten.

Als die Zeit dann kam, zeigte sich auf der engen Strecke von Aschau der unschätzbare Wert der vielen Trainingsstunden. Unter dem Jubel von Tausenden Zuschauern schaffte der (smow)Pilot die Strecke mit seinem Mobil in der beachtlichen Zeit von 1:17.65. Das wäre in einer gerechten Welt immerhin der 8. Platz gewesen.

Und als sich die übrigen Teilnehmer die Nacht um die Ohren schlugen, war das (smow)Racingteam noch immer auf den Beinen und übte auf den regennassen Pflastersteinen Aschaus.

Wie sollte es auch anders sein?

Die Hölle von Aschau 2011 smow bookinist

Die Hölle von Aschau 2011: Der (smow) Bookinist nimmt Gestalt an.

Die Hölle von Aschau 2011 smow bookinist test

Noch eine Testrunde auf dem Moormann-Parkplatz ....

Die Hölle von Aschau 2011 smow bookinist race

...und dann auf die Rennstrecke um den Bookinist Cup 2011.

Die Hölle von Aschau 2011 smow bookinist meat

Als die anderen das Essen mit allen Beteiligten am Rennen voll auskosteten...

Die Hölle von Aschau 2011 smow bookinist night

...raste (smow) noch immer durch die Nacht.



Vienna Design Week: Global Village @ WAGNER:WERK Museum

Thursday, November 17th, 2011

In den 1980ern gab es nichts, was Hannibal Smith glücklicher machte, als wenn ein Plan funktionierte. (Für unsere jüngeren Leser: Hannibal Smith – der Fadenzieher im A-Team – zündete sich dann immer eine Zigarre an und grinste gaunerhaft in die Kamera.)

Dieses Gefühl kennen wir natürlich nicht. Na ja, so gut wie nicht. Kommt es doch zu einem dieser raren Momente, in denen Fortuna all die Fäden unseres Blogs zu packen scheint und auf faszinierende Weise zusammenführt, sodass bei unseren Lesern der Eindruck eines durchdachten Plans entstehen muss, dann wünschen auch wir uns nichts sehnlicher als nach einer handgerollten Havanna zu greifen und unser gehässigstes Grinsen aufzusetzen.

So geht das vielleicht auch den Designern, deren Arbeiten offenbar einem größeren Plan untergeordnet sind, als wir immer glaubten. Zumindest, wenn man den folgenden Stimmen Glauben schenken will.

Bei Norm=Form behauptete Timo de Rijk, dass modernes Design nichts als die Neugestaltung bekannter Standards sei und auch nichts anderes sein könne, da die Öffentlichkeit von einem Produkt diese bestimmte, bekannte Form erwarte. Designer geben der Öffentlichkeit also nur was sie wollen – das, was sie kennen. Auch wenn das immer mit einer eigenen Interpretation und Handschrift erfolgt. Ettore Sottsass und seine Memphis Group haben zwar versucht, das etwa mit ihrem Carlton Cabinet zu widerlegen, doch am Ende ist und bleibt es die bittere Wahrheit.

Die Ausstellung Global Village im WAGNER:WERK Museum in Wien greift dieses Thema auf, indem sie modernes Design im Kontext “traditioneller” Objekte nichteuropäischer Zivilisationen betrachtet. Einige Vergleiche sind in der Tat verblüffend. So mussten wir beispielsweise feststellen, dass die Eames Stools nur eine Abwandlung handgearbeiteter Stühle aus Burkina Faso sind oder dass das Design von Karim Rashids Lounge Chair Surf eigentlich aus Ost-Java zu stammen scheint.

Natürlich soll hier niemand des Kopierens bezichtigt werden. Global Village unterstreicht lediglich auf eindringliche Weise, wie abhängig Designer von etablierten und altbewährten Formen sind. Die Schaufel existiert seit ewigen Zeiten. Wir können nur das Material und die Ergonomie verändern.

Wir finden zwar, dass die Ausstellung beim Vergleich von Nils Holger Moormanns Easy Reader mit einer indonesischen Kinderschubkarre etwas weit gegangen ist, doch optisch machen die beiden nebeneinander schon was her.

Fast ebenso beeindruckend wie die Ausstellung selbst ist übrigens der Ausstellungsort: Otto Wagners Postsparkasse. Nur so viel: Wenn unsere Bank so aussehen würde, würden wir uns definitiv intensiver um unsere Anlagegeschäfte kümmern.

Global Village im WAGNER:WERK Museum läuft noch bis zum 26. November. Mehr Infos gibt’s unter www.ottowagner.com



Bookinist Cup 2011: Die Hölle von Aschau

Thursday, November 10th, 2011

Vierundzwanzig Stunden bevor Sebastian Vettel in Japan seinen zweiten Formel 1-Titel besiegelte, sicherten sich Markus Jehs und Jürgen Laub den Sieg bei einem Motorsportevent, dessen Niveau um einiges höher anzusiedeln ist als das der Formel 1 und auf das Vettel selbst hofft eines Tages aufzusteigen, wenn er etwas besser fahren kann: dem Bookinist Cup.

Für viele ist der Bookinist nur ein Sessel, in dem man von seiner Lieblingsliteratur umgeben sitzen und lesen kann. Hierbei handelt es sich jedoch nur um eine fiese Marketing-Verschleierungstaktik.

Allein der Stil, in dem Nils Holger Moorman seinen Streitwagen 2008 erstmals in Mailand präsentierte verriet seine wahren Absichten.

Aber die Redakteure der Hochglanzmagazine und die Praktikanten hinter den oberflächlichen Designblogs waren – wie bei so vielen Werken Moormanns – einfach nicht in der Lage, die wahre Größe dieser Kreation zu verstehen. Und so war das Unternehmen gezwungen, das Marketing etwas zu mäßigen und den Bookinist als ein familienfreundliches Produkt zu vertreiben; also als etwas, das auch die Oma benutzen könnte.

Insider und Adrenalinjunkies wissen es aber besser. Die Hartgesotteneren unter ihnen nahmen Nils Holger Moormanns Herausforderung zum Kampf an.

Die Hölle von Aschau Nils Holger Moormann

Der Herausforderer: Nils Holger Moormann

Beim Bookinist Cup 2011 versammelten sich zwanzig internationale Teams in Aschau unter dem Uhrenturm gegenüber der Festhalle zum Kampf – miteinander und mit dem wahrscheinlich abwegigsten und gnadenlosesten Transportvehikel seit Erfindung des Esels.

Obwohl uns der erste Schnees des Winters von den Gipfeln der Chiemgauer Alpen verhöhnte und dunkle Wolken noch Schlimmeres erahnen ließen, meinte Petrus es gut mit den Wettkämpfern und es blieb fast während des ganzen Rennens freundlich.

Die trockene Fahrbahn nützte dem ersten Team aber leider nichts. Das “Tuktuk-Racing” Team zerstörte in einem dramatischen Auftakt den Bookinist – mangelhafte Fahrkünste, die zu einer unliebsamen Begegnung mit den Strohballen und zur Abtrennung des Vorderrads vom Fahrgestell führten.

Glücklicherweise hatte das Moormann-Designteam nicht nur zwei Bookinisten für das Rennen präpariert, sie können sogar auch schweißen. Sogar schnell. Und so konnte der Wettbewerb nach einer kurzen Safety-Car-Phase ungehindert fortgesetzt werden.

Nach Robert Widmann & David Fencher, Bibs Hosak-Robb & David Robb und Gabriele & Matthias von Schweinitz, betrat Nils Holger Moormann höchstselbst die Arena. Falls Euphorie jemals Grenzen gekannt hat, so hat sie an jenem kalten Nachmittag in Südbayern neue Sphären erreicht.

Moormann fuhr seinen persönlichen Bookinist, ein Vehikel, das er tatsächlich dazu benutzt, jeden Tag zur Arbeit zu fahren. Moormanns Leistung war leider weniger triumphierend als sein Empfang an der Startlinie:  Seine Maschine lief nicht optimal, was womöglich daran lag, dass der falsche Kraftstoff getankt wurde. Das war vom Streckenrand aus schwer zu sagen.

Nachdem der Herausforderer geschlagen war, oblag es den übrigen Teilnehmern um die Krone zu kämpfen. Erika und André Küchler machten der Schweiz alle Ehre, wärend Saskia Kaptein & Just Haasnoot viele der Vorurteile niederländischen Fahrern gegenüber  erfolgreich widerlegten. Doch letztlich konnte niemand sich mit der Geschicklichkeit, der Anmut und den stählernen Nerven des Stuttgarter Designstudios Jehs und Laub messen.

Der Bookinist war niemals eine Bestie, die gezähmt werden musste. Es gibt kein Buch über den “Bookinist-Flüsterer” und wir können uns auch nicht vorstellen, das es so was jemals geben wird. Und doch gebührt all jenen Respekt, die der Hölle von Aschau entronnen sind, um ihre Geschichte zu erzählen. Wir ziehen den Hut vor euch!

Und ja, das Team (smow) war auch da… aber das ist eine andere Geschichte für einen anderen Tag.

Der Vollständigkeit halber gibt es eine Liste aller Teams und Zeiten unter: www.die-hoelle-von-aschau.de

Hier die vier Gewinner:

Schnellstes Team: Stuttgarter Höllenhunde (Markus Jehs & Jürgen Laub)

Bester Stunt: Die Molitomähns (Frank Leukers & Jürgen Kupfer)

Eleganteste Performance: Vatikan Racing – Der eilige Stuhl (Klaus Wolter & Mark Bruckmann)

Meiste Kontakte mit den Strohballen: Ratz-Fatz-Team (Alex Seifried & Stephan Scholl)