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Mailand 2012: Belgium is Design

Tuesday, April 24th, 2012

Wir machen aus unserer Bewunderung für das belgische Volk keinen Hehl: Sie haben nicht nur genügend gesunden Menschenverstand, um Pommes Frites zu ihrem Nationalgericht zu erklären, sondern auch zweifelsfrei bewiesen, dass Politiker keine Grundvoraussetzung für einen funktionierenden Staat im Europa des 21. Jahrhunderts sind. Wir fanden es nur schon immer schade, dass die verschiedenen Teile des Landes nicht miteinander klar kommen. Das ist in einem derart kleinen Land absolut unnötig…

Zum Glück ändert sich das gerade – zumindest im Design: In den letzten paar Jahren haben Brüssel, Wallonien und Flandern damit begonnen, zusammen zu arbeiten und gemeinsame Austellungen zu veranstalten. Das war nicht immer so. Wir können uns noch gut an die Wallonien/Brüssel-Ausstellung [Les belges] erinnern. Das war eine wirklich frustrierende Show: Viele Produkte, die zwar gut aussahen, aber im Praxistest versagt haben. Aber wie gesagt haben sich die Zeiten zum Glück verändert und in Mailand vereinigt sich das Triumvirat (mehr oder weniger) für zwei Belgium is Design Ausstellungen – eine im Triennale Design Museum und eine im SaloneSatellite.

Milan 2012 Belgium is Design

Mailand 2012: Belgium is Design @ Triennale Design Museum

Die Triennale-Ausstellung wurde unter dem Titel Perspectives veranstaltet und will “…die sich verändernde Landschaft des belgischen Designs” im Kontext von fünf “Rastern” untersuchen: Industriedesign, eigenproduziertem Design, Designkunst, sozialem Design und Design als “offene Arbeit”. Wir können allerdings nicht so ganz beurteilen, ob das geklappt hat, weil einfach zu wenig Story vorhanden war; es wurden aber einige wirklich schöne Objekte gezeigt.

Wir waren besonders angetan vom Schreibtisch Strates von Mathieu Lehanneur für Objekten, der tragbaren Solarlampe O’Sun von Alain Gilles, dem OS-Wasserkocher von openstructures und Stein No 1 von Kaspar Hamacher. Letzterer war auch einer der wenigen Designer, die bei [Les belges] etwas produziert hatten, das uns gefallen hat. Immer, wenn die Welt grau und hoffnungslos erscheint, denken wir an sein Regal Das Brett.

Beim SaloneSatellite präsentierte Belgium is Design zehn junge Designer aus Wallonien und Brüssel. Wir hoffen, dass die Abwesenheit der Flandern nur daran lag, dass es im Norden von Belgien keine besonders guten jungen Designer gibt. Es wäre jedenfalls eine Schande, wenn kleinkarierter Regionalismus da eine Rolle spielen würde…

Uns sind vor allem die Kork Milan Leuchten, Tische und Aufbewahrungsboxen vom Studio Two Designers aus Lüttich aufgefallen, die sich durch ihre Zeitlosigkeit und etwas freche Retrosprache von der Masse abgehoben haben.

Milan 2012 Belgium is Design two designers kork milan

Mailand 2012: Belgium is Design. Two Designers Kork Milan @ Salone Satellite

Der Titel der Shows Belgium is Design stimmt natürlich nicht. Belgien ist nicht Design. Belgien war auch nie Design. Maarten van Severen hat zwar einige der elegantesten und reduziertesten Designstücke im Nachkriegseuropa entworfen. Aber so klein Belgien auch ist, macht ein Designer alleine noch keine Tradition… Tim Baute von interror gehörte lange zu den größten Highlights auf der Kölner Möbelmesse. Er war aber auch einer der wenigen belgischen Designer, denen man auch mal außerhalb von Mailand oder dem Design September in Brüssel über den Weg gelaufen ist.

Belgien ist also nicht Design, hat aber durchaus Potential. Wie bei britischem Design vermuten wir, dass dieses Potential verstärkt in Kooperationen mit externen Herstellern liegt. Doch um das zu erreichen, müssen sie in Belgien mehr Leute aus der Branche regelmäßiger heranholen. Die Kortrijk Biennale ist schon ein guter Anfang, aber nur ein kleiner.

Belgien muss aber vor allem den Ruf seiner Designschulen verbessern. Die aktuelle Flut an qualitativ hochwertigen niederländischen Designern ist fraglos mit dem hohen Status der Eindhoven Design Academy verknüpft. Belgien braucht eine ähnliche Institution – und ein paar mehr Jahre Ausstellungen wie Belgium is Design. Dann sind sie vielleicht auch in der Position, diesem Namen gerecht zu werden…

Milan 2012 Belgium is Design o sun alain gilles

Mailand 2012: Belgium is Design. Die tragbare Solarleuchte O'Sun von Alain Gilles

 

 

 



Passenger Terminal Expo 2012: Pascal Berberat, Vitra Airport Division

Saturday, April 14th, 2012

Wahrscheinlich schreiben wir so viel über Designermöbel an Flughäfen, weil wir so viel Zeit auf Flughäfen verbringen… und entsprechend viel darüber nachdenken, was uns da geboten wird. Denn wenn man in Frankfurt fünf Stunden Verspätung hat, möchte man natürlich sicher gehen, dass der Sitz bequem ist. Wenn man die Nacht am Kopenhagener Flughafen verbringen muss, möchte man ebenfalls sicher gehen, dass der Sitz bequem ist. Wenn man… naja, ihr wisst schon was wir meinen…

Aber nicht nur wir verbringen immer mehr Zeit an Flughäfen. In den letzten zehn Jahren ist die Zahl der Flugreisenden dramatisch gestiegen – und steigende Passagierzahlen bedeuten natürlich auch eine wachsende Nachfrage an Flughäfen und der dazugehörigen Infrastruktur. Und wie bei all solchen Architekturprojekten wünschen sich die Eigentümer und Betreiber ein gleichermaßen bekanntes wie einzigartiges Interieur.

Die größte und wichtigste Messe für Flughafenbetreiber ist die Passenger Terminal Expo. Neben Unternehmen, die Lösungen für die Gepäckabfertigung und Beschilderung anbieten, sind auch Designermöbelhersteller wie Vitra oder USM Haller feste Bestandteile der Messe.

Die Passenger Terminal Expo 2012 wird vom Flughafen Wien veranstaltet. Vor der Show sprachen wir mit Pascal Berberat, dem Leiter der Vitra Airport Division, über Möbel, die Zusammenarbeit mit Alberto Meda und – was für uns am wichtigsten ist – wieso die Sitze in Flughäfen eigentlich immer Armlehnen haben. Doch wieso brauchte ein weltweit agierendes Unternehmen wie Vitra eigentlich eine spezielle Flughafenabteilung?

Pascal Berberat: Das Flughafen-Business ist weltweit ziemlich gleich. Während die Wahl der Möbel für den Hausgebrauch oft durch kulturelle Aspekte beeinflusst wird, sind Flughäfen überall weitgehend gleich und stellen unabhängig von ihrem Standort die gleichen Anforderungen. Vitra hat ein internationales Netzwerk von Vertretern und Fachhändlern für Home- und Office-Möbel, aber für den Bereich ist es sinnvoller, eine zentrale Flughafenabteilung zu haben. Außerdem gehören zu einem Flughafen ja nicht nur Abflughallen; er ist eher wie eine kleine Stadt mit Geschäften, Apotheken, Restaurants usw… also ganz vielen Bereichen, in denen Möbel gebraucht werden. Deshalb kann Vitra jede Menge Lösungen und Erfahrung für alle Arten von Möbeln anbieten.

(smow)blog: Bleiben wir bei Abflughallen. Was ist für Sie das wichtigste Kriterium für die Flughafen-Bestuhlung?

Pascal Berberat: Für mich ist das die Kombination aus den sich manchmal widersprechenden Bedürfnissen des Kunden nach Wohlbefinden und den Effizienzbestrebungen der Flughafenbetreiber.

(smow)blog: Zusätzlich zu den speziell entworfenen Produkten wie der Airline-Reihe von Sir Norman Foster bieten Sie auch verschiedene Klassiker von Vitra an, zum Beispiel Maarten Van Severen als Flughafensitze. Ist das wirklich nötig? Wieso bleiben Sie nicht bei einem einzigen, speziell entworfenen Produkt?

Pascal Berberat: Heutzutage spricht ja jeder über Umweltschutz und Nachhaltigkeit – ein Thema, das auch in den Vitra-Prozessen seit Jahrzehnten fest verankert ist. Aber sich aktiv für Nachhaltigkeit zu engagieren, heißt nicht nur, erneuerbare Rohstoffe zu verwenden, die Abfallentsorgung zu optimieren, Produkte mit einer langen Lebensdauer zu entwerfen, usw., sondern auch, seinen Kunden optisch nachhaltige Produkte anzubieten. Wir haben alle schon mal etwas weggeworfen, das noch funktioniert hat, oder noch in einem guten Zustand war, weil es einfach aus der Mode gekommen war. Durch die Arbeit mit verschiedenen Designern, insbesondere mit den “alten Meistern” wie George Nelson, Jean Prouvé oder Charles & Ray Eames haben wir gelernt, wie wichtig es ist, Produkte zu entwickeln, die nicht nur lange halten, sondern auch optisch nachhaltig sind. Wenn man bedenkt, dass 90% der CO2-Emissionen während des Fertigungsprozesses eines Produktes entstehen, muss man sich fragen was umweltfreundlicher ist: ein Produkt für Jahrzehnte zu benutzen oder es alle fünf Jahre zu ersetzen, weil es veraltet ist? Vitras Vorgeschichte mit den alten Meistern kombiniert mit der Frische zeitgenössischer Designer und Ingenieure ermöglicht es uns, Produkte zu entwickeln, die das Potenzial dazu haben, die Klassiker der Zukunft zu werden.

(smow)blog: Das bringt uns direkt zur nächsten Frage… Sie haben doch kürzlich mit Alberto Meda an der Meda Gate-Serie gearbeitet. Wieso gerade mit ihm? Immerhin ist er ja eher für seine Büromöbel bekannt?

Pascal Berberat: Alberto Meda hat schon bei vielen Projekten mit Vitra zusammengearbeitet und schon sehr erfolgreiche Konzepte für uns entworfen. Er ist Designer und Ingenieur, weshalb er perfekt für die Umsetzung der spezifischen Anforderungen eines Flughafensitzes geeignet ist. Dank seiner hervorragenden Fähigkeiten als Ingenieur haben wir bei Meda Gate ein Produkt, das nicht nur der außergewöhnlich intensiven Nutzung auf Flughäfen genügt, sondern auch Komfort in sehr eleganter Optik bietet. Außerdem muss man sagen, dass er abgesehen von seiner technischen Kompetenz eine sehr charismatische Person ist und es eine echte Freude ist, mit ihm zu arbeiten!

(smow)blog: Letzte Frage: Sie haben uns schon gesagt, was Sie an Flughafensitzen wichtig finden; jetzt sind wir an der Reihe. Was uns wirklich nervt sind die Armlehnen an den Stühlen. Wieso wollen Sie uns denn nicht schlafen lassen?

Pascal Berberat: Wenn die Leute auf Flughäfen auf den Bänken liegen, nimmt eine Person eine ganze Bank ein, und dann würden die Kapazitätsberechnungen des Flughafens nicht mehr stimmen. Man hat dann drei Sitze, aber nur einen Nutzer. Stattdessen bieten wir in den Airline- und Meda Gate-Reihen Liegesitze in Bereichen an, in denen besonders viele Transitpassagiere erwartet werden…

Passenger Terminal Expo Vitra Airport Division, MedaGate

Vitra Airport Division. Hier bei der Passenger Terminal Expo 2011 in Kopenhagen

Passenger Terminal Expo Alberto Meda Meda Gate Vitra

Meda Gate von Alberto Meda für Vitra

Passenger Terminal Expo 2012 Pascal Berberat Vitra Airport Division Suita

Neben den Abflughallen haben Flughäfen außerdem VIP- und Airline-Lounges, die möbliert werden müssen - zum Beispiel mit Suita von Antonio Citterio.



Einen fröhlichen Nationalfeiertag, Belgien: .03 von Maarten van Severen für Vitra.

Monday, August 1st, 2011

Glaubt man A.C.F. Beales, war Leopold George Frederick wahrscheinlich der einzige, der jemals seinen Posten als König freiwillig niedergelegt hat.

Und das nur, um 2 Monate später wieder eine ähnliche Position anzunehmen.

In seinem Artikel “Der irische König von Griechenland” (Das Journal der hellenisches Studien, Vol. 51, 1931 Teil 1, Seiten 101-105) argumentiert Beales, dass Leopold das Amt des Königs von Griechenland im Februar 1830 akzeptierte, dann aber im Mai 1830 wieder ablehnte, als es zum Streit um das Darlehen kam, das Großbritannien Griechenland zur Hilfe anbot, um ihm aus der Finanzkrise zu helfen.

Griechenland? Finanzkrise?

Am 21. Juli 1830 wurde aus Leopold George Christian Frederick, Leopold I. – König von Belgien.

Das war jetzt wirklich ein langer Weg, um allen Belgiern nachträglich einen fröhlichen Nationalfeiertag zu wünschen!

Indes ist es nur allzu einfach, sich über ein Land lustig zu machen, das selbst kaum fähig war eine demokratische Regierung aufzubauen, jedoch von sich behauptet, der beste Ort für viele der wichtigsten EU Institutionen zu sein. Das Möbeldesign, das Produktdesign und die Architektur verdanken Belgien jedenfalls eine ganze Menge.

Da gab es zunächst einmal Henry van de Velde, der die geniale Idee hatte Walter Gropius zu seinem Nachfolger an der großherzoglichen Kunstgewerbeschule in Weimar zu ernennen – woraus sich später das Bauhaus entwickelte und was die (Design-)Welt bekanntlich nachhaltig veränderte.

Van de Velde selbst kehrte nach Belgien zurück und gründete die L’École de la Cambre, die eine Reihe von bedeutenden belgischen Architekten und Künstlern hervorbrachte, deren Einflüsse auch heute noch spürbar sind.

Wobei der Designer, mit dem ihr am meisten vertraut sein dürftet, Maarten van Severen sein wird.

In Antwerpen geboren, studierte van Severen Architektur in Ghent. Seinen ersten Stuhl entwickelte er 1986 – wobei “Schatten eines Stuhles” vielleicht der bessere Ausdrück für diesen quasi nicht existenten Leder- und Stahlstuhl No. I ist. Während des nächsten Jahrzehnts konzentrierte sich van Severen auf Architektur und Innendesign – und eine Menge schrecklicher Tischdesigns -, bevor er 1996 eine wirklich fruchtbare Kooperation mit Vitra begann, die erst mit dem vorzeitigen Tod van Severens 2005 endete.

Eines der wichtigsten Werke Maarten van Severens  ist der 1998 entstandene Stuhl N° III – besser bekannt als .03.

In Zusammenarbeit mit Vitra entstanden, enthält der .03 alle Elemente, die den Mann und seinen Denkansatz bezüglich Produktdesign, so interessant, bedeutend und unbestreitbar einzigartig machen.

Erst kürzlich organisierte die Maarten van Severen Stiftung eine Ausstellung, die auf die Geburt des Designobjektes .03 zurückschaut – am Ende des Blogs ist ein kurzer Trailer zur Ausstellung verlinkt, der euch einen kleinen Einblick in die Entstehungsgeschichte des .03 gibt. Darüber hinaus aber zeigt die Ausstellung wie aufrichtig geliebt und geschätzt Maarten van Severen wurde.

Ganz besonders mögen wir das Zitat von Nick Top vom belgischen Hersteller Aiki, einem Mann, der über mehrere Jahre eng mit van Severen zusammenarbeitete und der viele seiner frühen Stücke produzierte. Bei seiner ersten Begegnung mit van Severen und dessen Werk sagte Top: ” Was glaubst Du eigentlich, wer Du bist? Nicht einmal ein Kind würde so ein Piktogramm zeichnen, das du hier als dein Design verkaufst. Du musst Nerven haben.”

Einfach fantastisch!

Neben einem Interview mit Maarten van Severens Witwe Marij enthält das Video ebenso eines mit dem Vitra CEO Rolf Fehlbaum.

Viel Vergnügen!



(smow)chair v1.0

Thursday, September 2nd, 2010
smowchair

(smow)chair v1.0

Die Motivation zum (smow)Stuhl kam mit dem Chairless von Alejandro Aravena für Vitra.

Obwohl es ein wirklich bezauberndes Produkt ist, waren wir etwas irritiert ob der Tatsache dass das Design für den Chairless nicht wirklich “chairless” – also “stuhllos” ist … eigentlich ersetzt es nur die Spannung innerhalb des Stuhls durch die Spannung innerhalb des Körpers.

Der Benutzer wird zum Stuhl und ist demzufolge während der Benutzung in seinen Bewegungen eingeschränkt.

Aber da uns das “Chairless”-Konzept so beeindruckt hat, wollten wir die Gelegenheit wahrnehmen, die uns der Vitra-Design-Museum-Pappmöbel-Workshop und die Ausstellung “Essence of Things. Design and the Art of Reduction” boten, um unseren eigenen “Chairless”-Stuhl zu entwickeln.

Unsere Kriterien:

  • 100% Pappe, kein anderes Material
  • transportabel
  • so reduziert wie möglich

Als erstes entschieden wir uns, die Beine wegzulasssen. Stühle brauchen keine Beine.

Wir in den westlichen Kulturen sind so an Stühle mit Beinen gewöhnt, dass wir es kurios finden oder sogar gönnerhaft “authentisch”, wenn wir andere Kulturen bereisen, in denen Stühle mit Beinen keine Alltagsgegenstände sind.

Aber Stühle brauchen keine Beine.

Also mussten die Beine dran glauben.

MVS Chais by Maarten van Severen for Vitra.

MVS Chaise von Maarten van Severen für Vitra.

Die Grundlage für unser Design war Maarten Van Severens MVS Chaise von Vitra.

Seine wunderbare dreiteilige Form bildet die perfekte Basis für einen Falt-”Stuhl” mit Sitz, Rücken und SUPPORT.
Die Frage war nur, wie wir die nötige Stabilität erreichen würden ohne auf andere Materialien zurückgreifen zu müssen.

Nach einer Reihe erfolgloser Experimente kam die Antwort durch das (smow)Lager-Team.

Die Kollegen aus dem (smow)Lager sind nicht nur Experten im Verpacken und Versenden von Designermöbeln und in der USM Haller Montage – sie wissen auch ein bisschen was über Statik.

Und dieser Input führte dann zur Form des (smow)chair v1.0

Im Prinzip wurde “der Stuhl” auf “die Armlehnen” reduziert.

Die Arme bieten die Stabilität und sind verantwortlich für den Stuhl.
Die Rücken-, Stütz- und Sitzteile, die die meisten als “Stuhl” verstehen, sind dagegen austauschbar und verzichtbar.

Wer die Armlehnen hat, kann auch einen Stuhl bauen. Wer nur ein Rücken-, Sitz- oder Stützteil hat, kann das nicht.

Two smow chairs ready for departure

Abfahrbereit!

Außerdem ermöglicht der Längsschlitz in den Armen das sichere Zusammenlegen des Stuhls – und der gefaltete (smow)chair kann überall hin mitgenommen werden.

Wir haben z.B. zwei (smow)chairs aus Weil am Rhein am Rucksack festgeschnallt mit nach Hause gebracht.

Die Entwicklung des (smow)chairs ist noch nicht zu Ende. Der (smow)chair v2.0 wurde gerade fertiggestellt, v3.0 wird bald erwartet.

Ein Serienmodell ist allerdings noch nicht in Sicht.

In den nächsten Wochen werden wir hier nicht nur die Weiterentwicklung des (smow)chair dokumentieren sondern den Stuhl auch dazu nutzen um Möbeldesign und die Designmöbelbranche ein wenig zu erläutern.

smow chair and the art of reduction

(smow)chair und die Kunst der Reduktion



2010 Designermöbel Weltmeisterschaft: Dänemark-Belgien 2:2

Tuesday, July 13th, 2010

Da Verner Panton durch die rote Karte im Spiel gegen Fritz Haller für dieses Match gesperrt war, war Dänemark gezwungen umzudisponieren. So lief Arne Jacobsen gegen Maarten Van Severen auf.

Obwohl abzusehen war, dass diese Begegnung nicht zu den schnellsten des Turniers gehören würde, wurden die Zuschauer beim Anblick dieser zögerlich dahinplätschernden Begegnung in Johannesburg doch etwas ungeduldig.

Beide Designer perfektionierten ihre Züge bis zur Unkenntlichkeit, sodass es erst gegen Mitte der zweiten Halbzeit zum ersten Angriff kam. Ein tadelloser Ant Chair vom alten Meister des dänischen Designs brachte Arne Jacobsen in Führung. Mit neuem Selbstbewusstsein ausgestattet, startete Jacobsen sogleich die nächste Aktion und baute die Führung mit seinem Egg Chair zum 2:0 aus.

Maarten Van Severen gab sich jedoch noch nicht geschlagen und konnte in den letzten Minuten mit einem schön herausgespielten .07 und dem Kast für Vitra glänzen.
Hier geht es zur Tabelle und zu den Ergebnissen der Gruppe A



Vitra Design Museum Workshop: Teil 2 – Die Entwicklung

Wednesday, July 7th, 2010
"AUthorised Vitra Original"?  Not yet!! The (smow)chiar in devlopment

"Authorisiertes Vitra Original"? Noch nicht!! Der (smow)chair in der Entwicklung

Nach dem wir uns für das Konzept entschieden hatten, ging es vor allem um Stabilität.

Auch wenn wir wußten, dass die Stabilität ein Problem werden würde, sie ist es immer wenn man mit Pappkarton arbeitet, haben wir unterschätzt wie schwer es ist sie im Design zu verarbeiten ohne zusätzliche Masse und Gewicht anzufügen.

Es hat genau vier Minuten gedauert, bis unsere sorgfältig angefertigten Skizzen im Müll landeten.

3D Realität und 2D Ideen gehen einfach nicht so gut zusammen.

Anfangs basierte unser Stuhl auf Maarten Van Severens MVS Chaise welchen man von einem “normalen” Stuhl in einen Liegestuhl umbauen kann.

Schöne Idee: Aber leider komplett neben unserem Hauptkonzept.
Auch nach großen Anstrengungen unseres (smow)Technik Teams musste unser Plan aufgegeben werden.

An eerly experiment in joining two pieces of cardboard

Eine frühe Studie: Verbindung zweier Pappteile.

Eine Schande. Nächstes Mal wird es besser.

Mit dem neuen Plan blieben die Probleme allerdings nicht aus. Richtlinie 1 realisieren: ein reduziertes Design verwenden.

Fast alle Lösungen für das Stabilitätsproblem haben den Stuhl entweder aufgebläht oder man musste weitere andere Materialien hinzufügen.

Und so wurden aus den ersten 20 Minuten Modellbau ein ganzer Tag im smow(warehouse) mit Schneiden, Falten, Fluchen, Zweifeln, Schneiden, Weinen, Fluchen und Falten.

Die entscheidende Idee kam dann vom (smow) USM Haller Battalion.

Eine geniale Lösung, welche nicht nur unser Ausgangsproblem löste, sondern gleichzeitig eine neue Dimension an Möglichkeiten eröffnete.

OK, wir wollen unseren Tag des Faltens und Fluchens nicht mit Charles und Ray Eames Sperrholzformungs-Experimenten, Michael Thonets Holzbiegungs-Bemühungen oder der Arbeit der Kartell Laboratorien zur Entwicklung neuer Kunststoffe vergleichen.

Aber.

Nach einem Tag mit dem Versuch der Umsetzung einer Papierzeichnung in ein Produkt welches bestimmte Anforderungen erfüllen soll, verstehen wir umso mehr, wieviel Probleme Produktdesigner jeden Tag zu lösen haben und wieviel Talent es braucht erfolgreich zu sein.

Und nach einem Tag mit dem Versuch der Umsetzung einer Papierzeichnung in ein Produkt welches bestimmte Anforderungen erfüllen soll haben wir jetzt den (smow)chair.

Der reizende und praktische (smow)chair.

smow chair coming soon

(smow)chair coming soon



Vitra Design Museum Workshop: Teil 1 – Die Idee

Tuesday, July 6th, 2010
Vitra Design Museum:

Vitra Design Museum: Die Essenz der Dinge. Design und die Kunst der Reduktion.

Parallel zu den Ausstellungen im Vitra Design Museum werden Workshops angeboten. Sie begleiten die Ausstellung und bieten den Teilnehmern neue Einblicke in das Thema der Ausstellung, bzw. in kleinere Teilbereiche.

Für die aktuelle Ausstellung “Die Essenz der Dinge. Design und die Kunst der Reduktion.” heißt das: Workshops unter anderem über Pappkartonmöbel.

Pappkarton ist ohne Frage eines der schwierigeren Materialien für das Möbeldesign.

Als ein günstiges, überall verfügbares und umweltverträgliches Produkt scheint es perfekt für das moderne Möbeldesign zu sein.

Perfekt bis zu der Frage nach Stabilität und Zerbrechlichkeit.

Da wir Herausforderungen lieben, haben wir uns für den Workshop angemeldet.

Unsere erste Aufgabe war es, herauszufinden, was für ein Produkt wir erstellen wollen.

Drei Inspirationsquellen haben uns den Weg gewiesen.

Zuerst das Thema der Ausstellung: Die Essenz der Dinge. Design und die Kunst der Reduktion. Reduktion. Egal was wir uns vorgenommen haben, es sollte während des Designprozesses das Produkt “reduzieren”.

Chairless by for Vitra

Chairlessby von Alejandro Aravena für Vitra

Unter den aktuellen Produkten auf dem Markt, welche sich dem Konzept der Reduktion verschrieben haben, ist Chairless von Alejandro Aravena für Vitra.

Als Produkt gibt Chairless an, den Stuhl vom Stuhl zu befreien und wurde so zu unserer zweiten Inspirationsquelle.

Auch wenn wir das Konzept mögen, für uns ist es eine Umsetzung des statischen Stuhls in die Nutzung der eigenen Muskelkraft.

So kommt es, dass der Nutzer des Chairless in seiner Bewegung stark eingeschränkt ist, denn wenn er sich bewegt, bricht das System aus Stabilität zusammen.

Und so kam uns die Idee der Entwicklung eines wahren Chairless Chairs der die Bewegung des Sitzenden aber nicht einschränkt.

MVS Chaise by Maarten van Severen from Vitra

MVS Chaise von Maarten van Severen für Vitra

Wir sind dann ziemlich schnell bei faltbaren Konzepten angelangt und ließen uns von Maarten van Severen leiten, einem Experten auf dem Gebiet des reduzierten Designs. Wir haben die unsere Geometrie an seinen MVS Chaise angelehnt.

Das Grundproblem blieb – Wie garantieren wir die Stabilität?

Mit anderen Materialien wie Kunststoff, Holz oder Zement ist eine gewisse Stabilität einfach immer gegeben.

Beim Pappkarton muss die Stabilität als eines der Elemente im Design berücksichtigt werden.

Frank Gehry zum Beispiel hat mit seiner “Easy Edges” Serie Stabilität durch Schichtung gewonnen: Stühle wie der Wiggle Side Chair werden unter hohem Druck durch das Kleben mehrerer Schichten hergestellt.

Die andere klassische Lösung ist das Falten und Stecken.

Die Frage, die uns beschäftigte war, wie wir unser Produkt am besten designen könnten, ohne das Ziel der Reduktion aus dem Auge zu verlieren.

Und das war die Frage, die den Entwicklungsprozess beherrscht hat.



Vitra Design Museum: Die Essenz der Dinge. Design und die Kunst der Reduktion

Tuesday, June 29th, 2010
Vitra Design Museum: The Essence of Things. Design and the Art of Reduction

Vitra Design Museum: Die Essenz der Dinge. Design und die Kunst der Reduktion

Das (smow)blog-Team hat sich nach dem Pappkarton-Möbel-Workshop den Besuch der aktuellen Ausstellung Die Essenz der Dinge. Design und die Kunst der Reduktion im Vitra Design Museum natürlich nicht entgehen lassen.

Es scheint mehr als nur ein wenig ironisch, dass eine Ausstellung zum Design und der Kunst der Reduktion in einem Gebäude von Frank Gehry stattfindet, wenn Tadao Andos Konferenzpavillon nur 10 Meter entfernt liegt. Und nach der langen Reise nach Weil am Rhein amüsierte uns dieser Gedanke immerhin noch ganze 4 Stunden…

Die Ausstellung ist in zwölf Themenbereiche gegliedert, die sich jeweils einem anderen Aspekt der “Reduktion” widmen. Das können entweder Dinge sein, die der Endnutzer wahrnimmt, wie beispielsweise die Geometrie oder Leichtigkeit, oder solche, die dem Nutzer verborgen bleiben wie zum Beispiel eine reduzierte Logistik.

Stephan Schulz: Betonschale

Stephan Schulz: Betonschale

Rund 160 Objekte zeigen die verschiedenen Themen anhand von Designklassikern wie Michael Thonets Stuhl Nr. 14 oder der Ameise von Arne Jacobsen für Fritz Hansen bis hin zu Stücken, die zwar weniger bekannt, aber genauso interessant sind, wie Stephan Schulz‘ Betonschale oder Marcel Wanders Knotted Chair für Capellini.

Gutes Design muss nicht kompliziert sein, weniger ist mehr, Form folgt Funktion – die Designtheorien, die die “Reduktion” anpreisen, sind so zahlreich wie legendär. Dennoch werden wir auf Designausstellungen immer wieder mit Produkten konfrontiert, die versuchen, uns mit Komplexität und Extravaganz für sich zu gewinnen. Wir sind uns nicht ganz sicher, wieso das so ist, vermuten aber, dass es was mit dem gesättigten Markt und der damit verbundenen wachsenden Rolle zu tun hat, die das Internet dabei spielt, dafür zu sorgen, dass deine – vielleicht völlig überflüssige – Arbeit gesehen wird.

Welcher Designblog würde sich Jasper Morrisons Ply-Chair widmen, wenn sie ein Foto von einem Bücherregal haben, das wie zwei Paradisvögel beim Paarungsritual auf Carmen Miranda aussieht? Ok, wir würden es machen. Aber nicht viele andere.

Für uns bedeutet die Kunst der Reduktion, wenn der Designer das Volumen des Produktes auf das absolute Minimum reduziert – sei es durch die Verwendung neuer Materialien, innovative Verbindung der einzelnen Elemente oder durch die Reduktion der äußeren Abmessungen.

.03 by Maarten Van Seeveren

.03 von Maarten Van Severen

Ein besonderes Beispiel ist Maarten van Severens .03 mit eingebautem Federblatt, das dem Stuhl seine Stabilität und seinen Komfort verleiht, ohne überflüssiges Gewicht oder Größe hinzuzufügen.

Die Ausstellung Die Essenz der Dinge. Design und die Kunst der Reduktion zeigt auf jeden Fall, dass Reduktion auch andere Prozesse mit einbeziehen kann.

Joe Colombos No 281 Lampe, Wilhelm Wagenfelds Teeservice oder Donald Judds Chair 84 sind alles Beispiele dafür, was mit Talent und Motivation alles erreicht werden kann.

Wir fanden jedoch, dass die Arbeit von Charles und Ray Eames zu sehr im Vordergrund stand.

Trotzdem ist die Ausstellung Die Essenz der Dinge. Design und die Kunst der Reduktion für alle interessant, die sich für den Unterschied zwischen “Designer”-Möbeln und den günstigen, generischen Produkten interessieren.

Die Essenz der Dinge. Design und die Kunst der Reduktion im Vitra Design Museum läuft bis zum 19. September 2010. Mehr Infos gibt’s unter http://www.design-museum.de



2010 Designermöbel Weltmeisterschaft: Italien-Belgien 0:1

Friday, June 25th, 2010

Nach seiner Verletzung am Sprunggelenk wurde Cesare “Joe” Colombo für dieses Spiel durch Antonio Citterio ersetzt – einen der erfahrensten Designer der italienischen Mannschaft.

Er eröffnete das Match mit einem schnellen Mobil für Kartell und legt kurz darauf mit dem Follow Me für Vitra nach. Trotz dieses intensiven Beginns, gelang es Citterio nicht, Maarten Van Severens legendäre Gelassenheit zu durchbrechen.

Das Urgestein des belgischen Möbeldesigns glänzte mit einer eleganten Kombination des LCP für Kartell und der MVS Chaise für Vitra und konnte so mit Antonio Citterios exzellenter Arbeit gleichziehen.

Im weiteren Spielverlauf konnten keine weiteren Großchancen herausgearbeitet werden, sodass das Spiel 0:0 endete.

Hier geht es zur Tabelle und zu den Ergebnissen der Gruppe A



2010 Designermöbel Weltmeisterschaft: Schweiz-Belgien 0:0

Friday, June 11th, 2010

Dieses Match war zwar lange nicht so extravagant wie das Eröffnungsspiel, aber Fritz Haller und Maarten Van Severen kämpften eine knappe und minimalistische Schlacht in Durban.

Seit seinem Durchbruch in der internationalen Designszene in den 60ern, hat sich Fritz Hallers Stil kaum verändert. Sein charakteristischer Mini-Midi-Maxi-Ansatz sorgte für eine typisch solide Fritz Haller Performance. Maarten Van Severens gelegentliche Vorstöße waren immer sehr durchdacht und perfekt ausgeführt, aber trotz .03 oder .04 sehr guter Chancen für Vitra, konnte Maarten Van Severen die solide Abwehr von Fritz Haller nicht durchbrechen und das Spiel endete 0:0.

Hier geht es zur Tabelle und zu den Ergebnissen der Gruppe A