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IMM Cologne 2013: Wilde+Spieth. Interview mit CEO Thomas Gerber

Thursday, February 14th, 2013

Treue Leser unseres Blogs wissen bereits, dass wir die Abwesenheit einiger der wichtigsten deutschen Designermöbelhersteller immer als ein Zeichen der Schwäche der IMM Cologne gesehen haben. Diese Leser werden daher unsere Verwirrung verstehen, als wir gehört haben, dass Wilde+Spieth – endlich – bei der IMM Cologne dabei sind.

Wir haben uns gefreut, dass sie teilnehmen. Aber jetzt haben wir leider einen Beweis für die Schwäche der IMM weniger.

Wilde+Spieth hat seinen Sitz in Esslingen, einem Ort in der Nähe von Stuttgart, und stellte ursprünglich Fensterrollläden her, bis 1948 Egon Eiermann mit einer einfachen Anfrage auf das Unternehmen zukam. Er brauchte extra weite Fensterläden für die Ciba Ag Fabrik, die er gerade in Wehr, Baden baute. Daran knüpfte Eiermann noch eine weiter Anfrage an, die er kurz mit “Kinderchen könnt ihr auch Stühle bauen?” formulierte.

Und sie konnten.

Egon Eiermanns hoffnungsvolle Frage sollte sich zu einer der produktivsten, erfolgreichsten, aber vor allem innovativsten Zusammenarbeiten in der Geschichte des deutschen Möbeldesigns entwickeln.

Zusammen brachten Wilde+Spieth und Egon Eiermann über 30 Produktpaletten auf den Markt und sogar heute, ungefähr 43 Jahre nach Eiermanns Tod, bleiben die beiden unzertrennbar, indem Stühle wie der SE 18, der SE 42 oder der SE 68 ihren verdienten Platz im Olymp des europäischen Designs eingenommen haben.

Viele von Eiermanns frühen Kooperationen mit Wilde+Spieth wurden auf der Internationalen Möbel Messe Köln, dem zweijährig stattfindenden Vorgänger der jetzigen IMM, lanciert und so war es irgendwie mehr als passend, dass bei dem Debut des Herstellers auf der modernen IMM vier Eiermann-Klassiker in neuen Farben aus der Le Corbusier “Les Couleurs” Kollektion präsentiert wurden.

Daneben, und in vielerlei Weise bedeutungsvoller, nutze Wilde+Spieth die IMM Cologne 2013 außerdem, um neue Produkte zu lancieren: CU! von Avinash Shende, TG1 von Thore Garbers und Typus von Edelhoff & Nettesheim.

Es schien daher naheliegend, die Möglichkeit zu ergreifen und mit dem Wilde+Spieth CEO Thomas Gerber über die neuen Produkte und das Leben mit Egon Eiermanns Erbe zu sprechen. Aber zunächst  haben wir ihn gefragt, warum sie sich nach all den Jahren doch dafür entschieden haben, auf der IMM Cologne auszustellen…

Thomas Gerber: Wir haben zwar z.B. oft auf der Orgatec ausgestellt, mit unseren Eiermann Stühlen hatten wir aber nie das Gefühl ausreichend Objekte zu haben, die man als “Wohnmöbel” bezeichnen könnte. Dieses Jahr bringen wir aber drei neue Produkte raus, Produkte, die sehr gut in den Wohnmöbelsektor passen und wir dachten, die IMM sei ein passender Ort, um sie zu lancieren. Auf der einen Seite wegen des internationalen Profils der Messe und auf der anderen Seite wegen des heterogenen Publikums – Architekten, große Ketten, aber auch kleine Läden repräsentieren sehr gut unsere Zielgruppe.

(smow)blog: Bevor wir zu den neuen Produkten kommen, erst einmal zu Ihrem bisherigen Produkt-Portfolio: Bis jetzt hat sich Wilde+Spieth mehr oder weniger nur auf die klassischen Egon Eiermann Stuhldesigns konzentriert. Auch wenn das wahrscheinlich ein Vorteil ist, inwiefern kann so eine enge Verbindung zu so einem berühmten Möbelarchitekten auch ein Fluch sein?

Thomas Gerber: Nun, der Geschmack der Kunden ändert sich zum Glück nur sehr langsam. Die Popularität von Designklassikern verläuft zyklisch und so kommt es, dass es Phasen gibt, in denen die Eiermann Stühle in sind, aber auch solche, in denen Eiermann Möbel out sind. Solche Phasen sind natürlich sehr schwer für uns. Einen großen Teil unseres Geschäftes machen die Aufträge aus dem Projektgeschäft aus und wenn ein Projektmanager keine Designklassiker für sein Projekt will, dann haben wir ein Problem. Was schließlich auch ein Grund für die Einführung neuer Produkte ist.

Und da fängt dann der Fluch erst richtig an. Denn, wenn wir bekannt geben, wir bringen etwas Neues auf den Markt, dann sind die Erwartungen sehr hoch. Es wird erwartet, dass wir etwas herausbringen, das genauso gut ist wie das, was wir zurzeit haben, das aber gleichzeitig billiger ist und das zum nächsten Klassiker wird. Das macht es sehr schwierig. Über die Jahre hatten wir mit zahlreichen Designern und Architekten zusammengearbeitet, aber bis jetzt nichts als wirklich passend empfunden …

(smow)blog: Bis jetzt! Dieses Jahr stellen Sie drei neue Produkte vor. Was haben die, was die anderen nicht hatten?

Thomas Gerber: Wahrscheinlich liegt es daran, dass wir die Suche von einer anderen Perspektive angegangen sind. Dieses Mal haben wir die Designer eher uns suchen lassen als jemanden zu beauftragen, der etwas für uns entwirft. Den CU! Stuhl von Avinash Shende z.B. haben wir auf der Salone Satellite in Mailand entdeckt, waren sofort begeistert und haben überlegt, ihn – insofern es wirklich passt - in unser Sortiment aufzunehmen. Als die Entscheidung einmal getroffen war, mussten wir das Design nur noch etwas optimieren, sodass der Stuhl seriell hergestellt werden konnte.

(smow)blog: Wir vermuten, das bedeutet, Sie sind zuversichtlich die Erwartungen zu erfüllen?

Thomas Gerber: Wir würden ihn nicht vorstellen, wenn wir es nicht wären! Bevor wir uns endgültig für das Projekt entschieden haben, haben wir den Stuhl z.B. mehreren Architekten gezeigt und bekamen 100% positives Feedback, was für uns dann einer der Gründe war, Ja zu sagen.

(smow)blog: Eine Sache, die uns bei CU! sofort aufgefallen ist, sind die Farben. War die Entscheidung für so eine helle Farbpalette auch ein Resultat aus den Reaktionen der Architekten?

Thomas Gerber: Zum Teil. Aber noch mehr ist CU! ein freches, frisches Produkt, das geradezu danach schreit bunt zu sein. Es kann auch für den Outdoorbereich genutzt werden, und wer sagt, dass Caféstühle immer schwarz oder weiß sein müssen?

(smow)blog: Unsere letzte Frage – bleiben wir bei den Farben: Sie lancieren außerdem vier Eiermann Klassiker in Tönen der Le Corbusier “Les Couleurs”-Kollektion. Warum die Le Corbusier Farben?

Thomas Gerber: Weil es alles gut zusammenpasst. Wenn man sich Le Corbusier und Egon Eiermann ansieht, findet man einige Parallelen. Beide lebten ungefähr zur gleichen Zeit, hatten ähnliche Leidenschaften und schließlich passen die Farben einfach sehr gut zu den Möbeln und man kann sagen, es kommt zusammen, was zusammengehört. Und natürlich ist ein Stuhl nur ein Teil eines Raumdesigns, zu dem unweigerlich auch andere Möbel, Tapeten, Teppiche usw. gehören – und die sind über andere Hersteller auch in den Le Corbusier Farben erhältlich. Weil die Farbtöne alle auf natürlichen Tönen basieren und aufeinander abgestimmt sind, kann man entweder eine einzige Farbe für ein Projekt nehmen oder die Farben mühelos miteinander kombinieren. Wir halten die polychrome Farbharmonie bei Les Couleurs für ein faszinierendes Konzept.

IMM Cologne 2013  Wilde+Spieth Egon Eiermann Le Corbusier Les Couleurs

IMM Cologne 2013: Wilde+Spieth Egon Eiermann Stühle in neuen Farbtönen aus der Le Corbusier "Les Couleurs" Kollektion

IMM Cologne 2013  Wilde+Spieth Egon Eiermann SE 68 SE 42 Le Corbusier Les Couleurs

SE 68 und SE 42 in Le Corbusier "Les Couleurs"

IMM Cologne 2013  Wilde+Spieth CU! by Avinash Shende

IMM Cologne 2013: CU! von Avinash Shende für Wilde+Spieth

IMM Cologne 2013  Wilde+Spieth Typus by Edelhoff & Nettesheim

Der Tisch Typus von Edelhoff & Nettesheim für Wilde+Spieth. Hier mit zwei SE 68ern. (Foto Wilde+Spieth)



L’Italia di Le Corbusier im MAXXI Rome

Monday, November 5th, 2012

Wie treue Leser wissen, machen wir fast nichts lieber als Italiens Ruf als angebliche Wiege des zeitgenössisches Designs und moderner Architektur in Europa zu untergraben. Unser Schlachtruf: Das ist alles nur Show und gezielte Täuschung!

Demzufolge ist die Ausstellung L’Italia di Le Corbusier, die zurzeit im MAXXI Rom läuft, keine, die wir wirklich befürworten können. Denn sie impliziert zum einen, dass Italien eine signifikante Rolle in der Entwicklung des Architekturverständnisses vom jungen Le Corbusier gespielt habe und zum anderen dass Italien ein fortwährender Referenzpunkt für seine Karriere gewesen sei – was natürlich für unsere Argumentation nicht förderlich ist.

Le Corbusier FIAT Lingotto

Le Corbusier auf dem Dach des FIAT Komplexes in Lingotto, 22. April 1934 (Foto Courtesy Fondation Le Corbusier, Parigi)

Obwohl viele die einzige bedeutende Verbindung zwischen Le Corbusier und Italien in den bei Cassina liegenden Lizenzen für seine Möbeldesigns sehen, beginnt die Beziehung zwischen Charles-Edouard Jeanneret und Italien bereits 1907, als er 20 Jahre alt war und zum ersten Mal über die schweizerisch-italienische Grenze reist. Bis zu seinem Tode im Jahr 1965 sollte seine enge Bindung zu Italien bestehen bleiben.

L’Italia di Le Corbusier bietet einen Einblick in das Verhältnis zwischen Le Corbusier und Italien und erkundet dabei, wie das Land Le Corbusier und seine Arbeit beeinflusst hat. Wenigstens lautet so das erklärte Ziel der Ausstellung. Wir haben sie nicht gesehen, können das also weder bestätigen noch widerlegen. Aber es klingt so, als könnte es gelingen.

Mit ungefähr 320 Dokumenten und 300 Fotografien deckt L’Italia di Le Corbusier nicht nur Le Corbusiers Werk als Architekt ab, sondern widmet sich auch seinen Fotografien, Malereien, Skulpturen… und verspricht damit sowohl einen Blick auf Le Corbusier wie ihn die wenigsten kennen als auch einen Überblick über sein gesamtes Oeuvre.

In vier chronologische und thematische Abschnitte unterteilt, beginnt L’Italia di Le Corbusier mit seinen frühen Studienreisen nach Italien, wo Fotografien und Architekturzeichnungen von Pisa und Aquarelle von Venedig und Pisa entstanden sind. Der nächste Abschnitt  widmet sich seinen künstlerischen Bestrebungen in den frühen 1920er Jahren – einschließlich der Etablierung des Magazins L’Esprit Nouveau, in dessen erster Ausgabe Charles-Edouard Jeanneret zu Le Corbusier wurde – sowie seinem Kontakt mit den italienischen Rationalisten während der 1930er Jahre. Ein besonderes Highlight ist für uns hierbei die Dokumentation von Le Corbusiers wohlwollender Annäherung an Mussolini, um den Auftrag für die Neustadt von Pontinia zu erhalten.

L’Italia di Le Corbusier endet mit einem Blick auf Le Corbusiers Arbeiten im Nachkriegsitalien – seinen zwei letzten italienischen Projekten, von denen zwar keines realisiert wurde, die aber beide exemplarisch für den “späten Le Corbusier” stehen – das Olivetti Electronic Calculation Centre in Rho und ein Krankenhaus in Venedig.

 

Le Corbusier Pisa

"Studio della facciata del duomo di Pisa con dettagli di archetti e colonnine, 1907" von Le Corbusier (Courtesy Fondation Le Corbusier)

Wir haben die Ausstellung wie gesagt noch nicht gesehen und trotz unserer Befürchtungen die Ausstellung könnte zu dem ein oder anderen Problem bei unserem Feldzug gegen Italien führen, scheint die Ausstellung doch ganz gut zu sein.

Was uns dabei besonders anspricht ist der Landesfokus. Irgendetwas fasziniert uns daran, in die Beziehung zwischen einem Mann wie Le Corbusier und einem Land einzutauchen…

Die Geschichte von Architektur und Design ist durchtränkt mit engen Verbindungen zwischen einzelnen Personen und Ländern, in denen sie nicht geboren wurden. Allerdings ist der Einfluss solcher Beziehungen nur zu oft auf Fußnoten oder allgemein anerkannte Fakten in den posthumen Biographien beschränkt.

L’Italia di Le Corbusier bietet die seltene Gelegenheit eine solche Beziehung im Detail zu erkunden. Und die Gelegenheit für einige Tage aus dem nordeuropäischen Winter in die römische Sonne zu fliehen.

L’Italia di Le Corbusier kann bis zum 17. Februar 2013 im MAXXI Rom gesehen werden. Weitere Informationen findet man unter www.fondazionemaxxi.it

Le Corbusier Self portrait

Le Corbusier - Selbstportrait, 1917 (Courtesy Fondation Le Corbusier)

Le Corbusier Venice

Zeichnung von Venedig aus dem Jahre 1964 von Le Corbusier (Courtesy Fondation Le Corbusier, Parigi)



Flughafendesign oder Wie man es besser nicht machen sollte

Friday, October 5th, 2012

Es gibt tausend gute Gründe, warum man eine Durchreise durch den  Ben Gurion Flughafen Tel Aviv vermeiden sollte. Und ein paar sehr gute.

Beispielsweise sind die öffentlichen Transportwege zwischen Israels einzigem relevanten internationalen Flughafen und Israels einzigen relevanten Metropolen so beschwerlich und schlecht aufeinander abgestimmt, dass man sich in die Zeit der Kreuzzüge zurücksehnt, als der Weg nach Jaffa oder Jerusalem von Europa aus innerhalb von acht Wochen zu Pferde und auf Schiffen zu bewältigen war.

Wenn man das Land dann erkundet und festgestellt hat, dass es sich um eine offene, freundliche, tolerante und einladende Nation handelt, wird man beim Versuch aus Israel auszureisen stillschweigend beschuldigt, das Land nur bereist zu haben, um Sprengstoff zu ergattern, den man nun auf seinem Rückflug explodieren lassen will. Dabei wird man obendrein noch mit dem entsprechenden Mangel an Respekt behandelt.

Doch der allerbeste Grund dafür, wieso man es zumindest vermeiden sollte, das Land über den Tel Aviv Ben Gurion Flughafen zu verlassen, kommt erst nach dem “Wo-haben-wir-die-Bombe-denn-bloß-versteckt”-Marathon. Nachdem man es durch die Sicherheitskontrollen geschafft hat, ohne an Altersschwäche oder purer Langeweile zugrunde zu gehen, kommt man in eine Shopping-Oase – eine Shopping-Oase, die mit den billigsten Kopien des LC2 Sessels von Le Corbusier übersät ist, die wir je gesehen haben.

lc2 le corbusier copy tel aviv

Le Corbusier LC2 Kopien am Gurion Airport in Tel Aviv.

Dass es kein “Bauhaus Tel Aviv” gibt, hat man ja so langsam verstanden. Die verantwortlichen Architekten haben das eigentlich auch nie behauptet, aber der Spitzname hält sich trotzdem.

Obwohl die überwältigende Mehrheit der Architekten, die die Weiße Stadt gebaut haben, keine Bauhaus-Absolventen per se waren, lebten sie in einer Zeit, in der die Lehren von Walter Gropius, Hannes Meyer & Co. sehr en vogue waren. Soweit wir wissen, beschäftigten sich auch just zu jener Zeit als Tel Aviv erbaut wurde viele Bauhäusler mit dem Bau der Kibbuzim. Es wäre ja auch irgendwie seltsam hätte es dort keine Interaktion gegeben, einen Versuch, die schönen neuen Ideen zu kanalisieren.

Von daher gab es damals noch kein Kopieren oder Fälschen… nur die Interpretation aktueller Trends aus der Ferne. Das haben sie auch ganz fantastisch gemacht und ein abwechslungsreiches, interessantes und funktionales Stadtbild geschaffen. Bei den Möbeln sieht es da allerdings ganz anders aus…

Die Stühle im Ben Gurion Flughafen sind Kopien der Arbeit von jemand anderen. Schlechte, minderwertige Kopien, die den Eindruck erwecken, dass weder der Designer noch der Hersteller die leiseste Ahnung hatten, was sie überhaupt taten. Während die Gebäude in der Innenstadt von Tel Aviv die positiven Aspekte des generischen Bauhaus-Stils hervorheben, entwerten die Sessel im Flughafen Le Corbusiers Kanon und seinen Beitrag zum Design des 20. Jahrhunderts.

Dass die staatlich kontrollierte Israel Airports Authority ausgerechnet solche Sessel für den Ben Gurion Flughafen gewählt hat, ist nicht nur äußerst verwerflich, sondern auch sehr, sehr bedauerlich. Als wir vor den Olympischen Spielen in London mit einigen Experten für britisches Design gesprochen haben, äußerten sich viele sehr zufrieden damit, wie die Behörden britische Designer in größere Infrastrukturprojekte eingebunden und dem britischen Design so eine Plattform gegeben haben. Eines der am häufigsten zitierten Projekte war der Flughafen Heathrow.

Flughäfen sind naturgegebenermaßen Schnittstellen. Menschen aus ganz verschiedenen Ländern bewegen sich durch sie, meist sogar zwei mal kurz hintereinander. Man kann sie folglich hervorragend als Plattform nutzen, um all das zu zeigen, was in einem Land gut, faszinierend, interessant, aufregend, sterotypisch, modern, lohnenswert, lebendig und anders ist. Oder man kann, wie im Fall des Ben Gurion Flughafens in Tel Aviv, die völlige Geringschätzung kreativer Talente zeigen.

Israel mag zwar nicht besonders viele Designtalente haben, dafür sind die vorhandenen aber umso exzellenter. Von Leuten wie Ron Arad (Tel Aviv, 1951) über Arik Levy (Tel Aviv, 1963) oder Jair Straschnow (Rehovot, 1965) bis hin zum stets verlässlichen Strom qualitativ hochwertiger Absolventen international anerkannter Institutionen wie der Bezalel Academy of Art and Design Jerusalem oder dem in London ansässigen Designstudio Raw Edges (Yael Mer und Shay Alkalay, beide Tel Aviv 1976), haben israelische Designer einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung des Designs in der ganzen Welt geleistet und werden es auch weiterhin tun. Auch das Design Museum Holon konzentriert sich seit 2010 auf nationales, zeitgenössisches Design.

Nur zehn Kilometer entfernt investiert der Ben Gurion Flughafen in billige, miese Kopien international anerkannter Designklassiker. Unerklärlich.

Letzten Endes ist es rückblickend vielleicht gar keine schlechte Sache, dass die Security so lange braucht. Sonst müsste man die Farce ja noch länger über sich ergehen lassen.

lc2 le corbusier copy

Aus der Ferne mögen sie vielleicht gar keinen schlechten Eindruck machen... man sollte ihnen aber keinesfalls zu nahe kommen.



Museum für Angewandte Kunst Köln: Von Aalto bis Zumthor. Architektenmöbel

Tuesday, January 17th, 2012

Wie es die Tradition so will, richtet das Museum für Angewandte Kunst Köln (MAKK) auch in diesem Jahr wieder, wenn in Köln die Möbelmesse IMM stattfindet, eine Sonderausstellung zum Thema Möbel aus.

Unter dem Titel “Von Aalto bis Zumthor. Architektenmöbel” stellt das MAKK über 120 verschiedene Möbel aus, denen eins gemein ist: sie wurden alle von Architekten designt.

Museum für Angewandte Kunst Köln Von Aalto bis Zumthor Architektenmöbel

Museum für Angewandte Kunst Köln: Von Aalto bis Zumthor. Architektenmöbel

Wie treue Leser längst wissen werden, ist der “Möbel-Architekt” eines unserer Lieblingstehmen. Und das nicht nur, weil solche Architekten einige wirklich fantastische Arbeiten hervorgebracht haben – und das oft nur aus purer Leidenschaft und mit wenig oder gar keinen finanziellen Ambitionen -, sondern weil wir glauben, dass das Verstehen des “Möbel-Architekten” eine wichtige Basis für das Verstehen der Möbelindustrie und letztendlich guten Möbeldesigns ist.

In der Pressemitteilung erklärt das MAKK, dass viele der Architekten zum Möbeldesign gekommen seien, weil sie auf dem Markt kein passendes Mobiliar für ihre Projekte gefunden hätten.

Es ist naturgemäß nicht unsere Art alteingesessenen und anerkannten Designmuseen zu widersprechen.

Aber.

Wir glauben zwar auch, dass der Notwendigkeitsaspekt in manchen Fällen bestimmt ein entscheidender Faktor gewesen ist, der Wunsch ein Projekt vollständig zu kontrollieren und so eine formale Einheit zu schaffen in vielen Fällen aber als bedeutender einzuordnen  ist.
Wir haben einige hübsche Zitate gefunden; z.B. wie Egon Eiermann nur zustimmen wollte, ein Haus in Berlin zu entwerfen, wenn er auch die Möbel gestalten durfte; oder wie Arne Jacobsen ähnliche Forderungen stellte, bevor er die Aufträge für das SAS Royal in Kopenhagen und das St. Cahthrines College in Oxford akzeptierte. Und Le Corbusier hat seine sozialen Wohnungsbauten der 1950er nur nicht selber eingerichtet, weil IKEA noch erfunden werden musste.

Für uns ist diese Unterscheidung so wichtig, weil sich aus ihr etwas entscheidendes herauslesen lässt: Die Motivation definiert den Hintergrund der entworfenen Möbel und unterstreicht als solches die Art und Weise, wie die Architekten dachten und arbeiteten.

Was unstrittig ist, ist der Wert der Arbeiten.

Museum für Angewandte Kunst Köln Von Aalto bis Zumthor Architektenmöbel

10 Unit System von Shigeru Ban über Artek (2009)

Neben Stücken aus der museumseigenen Sammlung wird “Von Aalto bis Zumthor. Architektenmöbel” durch Leihgaben vervollständigt und erzählt die Geschichte eines ganzen Jahrhunderts “Möbel-Architekten”. So beginnt die Ausstellung bei Werken von Hoffmann, Wagner oder Emil Beutinger. Letzterer ist mit seiner wunderbaren Kücheneinrichtung aus dem Jahr 1903 vertreten. Das Ensemble enthält einen “Sitzschrank”, der auch aus einer Haute Couture Kollektion des Ateliers Moormann stammen könnte.

Im Vergleich zu der dezenten Eleganz vieler früher Stücke, konnten wir uns nicht dem Eindruck entziehen, dass viele modernere Stücke förmlich schreien “Sieh mich an!”.

Natürlich wissen wir, dass der Wunsch nach Aufmerksamkeit noch ganz andere Ausmaße annehmen kann. Man denke nur an Menschen, die ihrer Berühmtheit wegen in den australischen Dschungel ziehen und vor laufender Kamera Kangaroohoden essen, nur um mit dem, “was sie der Gesellschaft hinterlassen haben”, in Erinnerung zu bleiben. – So um Aufmerksamkeit bemüht waren wirklich nur die allerwenigstens Stücke in der Ausstellung.

Nun könnte man argumentieren, dass der Grund dafür ist, warum viele der Vorkriegsmöbeldesigns im Gegensatz zu den modernen “Hinguckern” so konservativ und, ja, normal erscheinen, dass die Gesellschaft auch so war. Es gab keine größeren oder kleineren Angriffe auf akzeptierte Normen.

Nach der Postmoderne, dem Dadaismus und dem Punk haben wir jedoch andere Erfahrungen gemacht und mittlerweile ist es sogar zulässig Konventionen anzufechten. Dies gilt insbesondere für Möbel, die für ein Gebäude entworfen wurden, das Ansprüchen an modernes Wohnen gerecht werden muss.

Was uns zu den Ursachen zurückbringt, warum ein Architekt Möbel designt….

So oder so glauben wir, dass jene Architekten, die in die Kategorie “Hauptsache Aufmerksamkeit” fallen, gar nicht erst als “Möbel-Architekten”, sondern als “Künstler” bezeichnet werden müssen. Und ihre Arbeiten nennt man auch nicht “Möbel”, sondern “Kreationen” – oder schlimmer noch “Statements”.

Das führt uns zu der Frage, ob solche Künstler überhaupt in eine Möbelausstellung wie diese gehören. Nun, Kunst, Design und Architektur sind zwar verschiedene Disziplinen, sie können jedoch ineinander greifen und verschmelzen. Die Frage, die aber bleibt, ist, welche Disziplin die dominante ist. Bei der Auswahl der Objekte für so eine Ausstellung würden wir sagen, ist es Design. Idealerweise Design, das mit der Übung, dem Auge und dem Verständnis eines Architekten gestateltet worden ist.

Was zwangsläufig zu der nächsten Frage führt: Wo war eigentlich das USM Haller Möbelsystem – ein Möbel, das direkt aus einem architektonischen Konzept entstanden ist?

Museum für Angewandte Kunst Köln Von Aalto bis Zumthor Architektenmöbel

Jean Prouvé und Alvar Aalto bei Von Aalto bis Zumthor. Architektenmöbel

“Von Aalto bis Zumthor. Architektenmöbel” ist eine gute Ausstellung. Unser Problem ist aber, dass nicht genug erklärt wird; es wird nur gezeigt. Für eine Sonderausstellung in einem Museum wie dem MAKK ist das einfach zu wenig. Man sollte die Ausstellung doch mit dem Gefühl verlassen, wirklich etwas über das Thema erfahren zu haben.

Wir kennen uns auf dem Gebiet einigermaßen gut aus und haben es genossen, die Stücke einfach alle einmal beisammen zu sehen und vergleichen zu können. Den meisten Besuchern geht es vermutlich anders – sie kennen nicht schon die meisten der Exponate, weil sie diese und andere Möbelklassiker in einem Onlineshop verkaufen.

Für einige Ausstellungsstücke gab es sogar gut konzipierte und hübsch illustrierte Schautafeln, für die Mehrzahl gab es jedoch nur etwas, das aussah wie Archivkarten mit einem Namen und wenigen anderen Informationen darauf.

Und dann war da natürlich noch die Entscheidung einige Stühle 5 Meter hoch über dem Boden zu platzieren – halb versteckt in Kisten, sodass sie keiner sehen kann. Das finden einfach nur blöd.

Trotz des für uns etwas lustlosen Ausstellungskonzepts bleibt der Wert der Arbeiten unangetastet und “Von Aalto bis Zumthor. Architektenmöbel” einen Besuch wert – besonders während der IMM Cologne, wenn der Eintritt frei ist.

“Von Aalto bis Zumthor. Architektenmöbel” ist im Museum für Angewandte Kunst Köln bis 22. April 2012 zu sehen.

 



Design Miami/Basel 2011

Thursday, July 14th, 2011

Dieses Jahr haben wir es endlich mal auf die Design Miami/Basel geschafft.

Es gibt unter den teilnehmenden 43 internationalen Designgalerien zwei Arten: die, die “alte” Objekte ausstellen und die, die neue zeitgenössische Entwürfe präsentieren.

Die Galerien, die sich auf neues zeitgenössisches Design spezialisiseren, verdienen ihr Geld in der Regel mit limitierten Konzeptkunst-Auflagen, die sie dann verkaufen. Oder sie kaufen die ersten Auflagen von neuen Arbeiten auf, die das Potential haben, Designklassiker zu werden.

Fragile Future Chandelier 3.1 by Lonneke Gordijn & Ralph Nauta at Carpenters Workshop Gallery

Fragile Future Chandelier 3.1 von Lonneke Gordijn & Ralph Nauta in der Carpenters Workshop Gallery

Die modernen Arbeiten, die in Basel zu sehen waren, reichten von Stücken, die – wenn man ehrlich ist – eher Kunst als Design sind, wie z.B. der wirklich monumentale “Fragile Future Chandelier 3.1″ von Lonneke Gordijn & Ralph Nauta in der Carpenters Workshop Gallery, bis hin zu erstklassigen Produktdesigns, die uns wirklich beeindruckt haben, wie z.B. die wunderbaren Lichtskulpturen “Well of Life” von Arik Levy bei Priveekollektie.

Am unterhaltsamsten waren Arbeiten wie Oskar Zietas Plopp oder Endless von Dirk vander Kooij – Produkte, die Ihre Designmesse-Premieren als revolutionäre aber gesichtslose Wunder gefeiert haben. Es es ist immer schön, Dinge heranwachsen zu sehen – egal ob es Kinder, Schafe oder Schaukelstühle aus geschmolzenen Kühlschränken sind.

Von den älteren Designs haben uns am besten die Architektur-Designs und die einmaligen Location-bezogenen Stücke gefallen. Ältere Versionen von Produkten, die noch produziert werden, haben uns nicht wirklich hinterm Ofen hervor gelockt. Siehe unten.

Was letztere Kategorie betrifft, hatte z.B. die Galerie Dansk Møbelkunst eine paar schöne nicht-serielle Stücke von Arne Jacobsen, unter anderem den tollen Easy Chair als Teil eines Architekturprojekts und ein paar sehr einfache – fast zu einfache – Schubladen, aus dem SAS Royal in Kopenhagen.

Aus der Kategorie Architektur hat uns die Le-Corbusier-Treppe, die es in der Galerie Downtown – François Laffanour zu kaufen gab, gut gefallen. Und natürlich die Installation der Galerie Patrick Seguins von Jean Prouvés zerlegbarem Flüchtlingsunterschlupf aus dem Jahr 1944. Beides erinnert an die Ursprünge der Branche von der wir uns heute ernähren.

The only Le Corbusier we could afford at Design Miami Basel 2011

Der einzige Le Corbusier, den wir uns auf der Design Miami/Basel 2011 leisten konnten

Trotz der vielen Höhepunkte, gab es auch ein paar Wolken am Basler Designhimmel. Und wir meinen nicht nur die von Asif Khan. (Billiger Gag. Sorry.)

Zum Beispiel mussten wir erfahren dass Museen zu den wichtigsten Kunden der Galerien zählen. Das ist unserer Meinung nach falsch. Wir verstehen ja, dass jemand, der ein privates Busfahrscheinmuseum eröffnen möchte, auch seine eigenen Ausstellungsstücke beziehen sollte. Aber nationale Museen die dazu da sind, kulturell und historisch wichtige Kunstgegenstände für das Gemeinwohl zu bewahren, sollten doch solche Artefakte eigentlich ganz selbstverständlich erhalten. Kostenlos. Hat ein privater Sammler das gleiche Recht auf einen frühen Mies-van-der-Rohe-Stuhl wie ein Museum? Ist der vermeintliche Marktwert einer Lampe, der auf Basis seiner Herkunft und Rarität berechnet wird, vergleichbar mit ihrem historischen Wert auf Basis ihrer kulturellen Bedeutung? Bei diesen Fragen können wir einfach nicht mit den Argumenten des “freien Marktes” der Galerien mitgehen. Natürlich ist es richtig, dass Museen nicht das Recht haben, die Eigentümer von Werken nach Lust und Laune zu enteignen, aber sollten Museen nicht ein Vorkaufsrecht haben, wenn etwas auf den Markt kommt? Wir sagen ja! Obwohl wir wissen, das ein solches System praktisch nicht regulierbar wäre und keiner entscheiden könnte, welche Stücke in welches Museum gehen sollen… Die gleichen Argumente gibt es auch in der Kunstszene und auch dort sind wir derselben Meinung. Wo etwas von kultureller oder historischer Relevanz ist, muss es der öffentlichen Hand gehören.

Der zweite Wolke war: Nachdem wir mehrere Stunden in der Halle 5 der Messe Basel herumgewandert waren, sind wir zu dem unvermeidlichen Schluss gekommen: Wir sind keine Sammler! Unsere Leidenschaft ist es nicht, die Objekte zu besitzen. Unsere Leidenschaft sind die Objekte, die Ideen dahinter, die Personen dahinter und die Geschichten dahinter. Wenn jemand die Objekte gern besitzen möchte, soll er das bitte tun. Wir sind einfach nur froh, dass die Objekte existieren und es kreative Köpfe gibt und gab, die die Objekte möglich gemacht haben.

Deshalb ist die Design Miami/Basel einfach nichts für uns. Es gibt keinen Grund für uns dort zu sein. Design Miami/Basel ist was für Sammler. Für europäische Sammler gibt es wahrscheinlich nichts besseres als die Design Miami/Basel.

Trotzdem sind wir froh, dass wir hingefahren sind und es einmal erleben durften. Es ist nur nicht unsere Welt. Und vielleicht fahren wir nächstes Jahr noch einmal hin – nur um zu sehen, ob die Veranstalter mutig genug waren, das “Miami” aus dem Namen zu streichen.

Ein paar unserer Highlights der Design Miami/Basel 2011 gibt es in unserer Facebook Galerie.

Design Miami Basel 2011

Design Miami/Basel 2011



Design Miami/Basel 2011

Wednesday, June 15th, 2011

Dieses Jahr schaffen wir es endlich mal zur Design Basel.

In der Vergangenheit ist uns immer irgendetwas dazwischen gekommen: Krankheiten, andere Termine oder dieses vage Gefühl im Bauch, das uns immer sagen wollte, dass die Veranstaltung einfach zu elitär und zu weit weg vom normaler Designmöbelinteressierten sei, um die Reise zu rechtfertigen.

In diesem Jahr sind wir gesund, frei und ein bisschen älter und weiser.

In ihrem sechsten Jahr zeigt die Design Basel mit Ausstellungen von 43 interntaionalen Designgalerien ein beeindruckendes Spektrum sowohl “historischen” Designs (wie aus dem frühen 20. Jahrhundert) als auch zeitgenössischer Arbeiten.

Ihr kennt uns. Wir sind nicht leicht zu beeindrucken – erst recht nicht im Vorfeld einer Veranstaltung. Also keine Vorschusslorbeeren an dieser Stelle, es könnte schließlich alles Mist sein.

Dennoch freuen wir uns besonders auf ein paar Galerien, wie z.B. Dansk Møbelkunst, die ihrem Namen alle Ehre macht und Arbeiten dänischer Designer präsentiert. Die Pariser Galerie Downtown François Laffanour verspricht einige interessante Arbeiten von Le Corbusier, Charlotte Perriand und Ron Arad; die Priveekollektie Contemporary Art | Design zeigt u.a. Stücke von Arik Levy, Reinier Bosch und Rolf Sachs.

Ein weiteres Highlight werden sicher zwei Konstruktionen von Jean Prouvé sein: Jousse Entreprise zeigt einen Teil von Prouvés Ecole de Villejuif aus dem Jahr 1957 und die Galerie Patrick Seguin präsentiert eine Live-Show, auf der täglich ein 6 x 6 Meter Bungalow auf- und wieder abgebaut wird. Prouvé hatte ihn 1944 für Kriegsflüchtlinge in Lothringen entworfen.

Wir haben nach wie vor ein komisches Gefühl bei der Sache. Aber wir freuen uns auf lange detaillierte Diskussionen mit den Galeristen und lernen hoffentlich etwas mehr über den ganzen Galeriezirkus und seinen Einfluss auf Möbeldesign.

Sicher werden wir auch dem VitraHaus einen Besuch abstatten und ein paar Fotos aus unmöglichen Blickwinkeln schießen.

Design Miami/Basel läuft vom 14. bis 18. Juni. Weitere Informationen gibt es unter www.designmiami.com



(smow)offline: “gute aussichten – junge deutsche fotografie” Georg Brückmann

Monday, August 2nd, 2010
Eames Lounge Chair by George Bruckmann. A delightful combination of paiting, photography and mind games.

Eames Lounge Chair von Georg Brückmann. Eine wunderbare Kombination aus Malerei, Fotografie und Gedankenspielchen.

Illegale Kopien von Designklassikern sind ein Thema, das uns nicht nur hier im (smow)Blog sondern generell im globalen (smow)Netzwerk immer wieder beschäftigt.

Oder besser gesagt, wann ist ein Designklassiker ein Designklassiker?

Beim HGB Rundgang in Leipzig im Februar wurden wir mit einer unerwarteteten und ungewöhnlichen Interpretation dieser Frage in Form des “Eames Lounge Chair” von Georg Brückmann konfrontiert.

Wir waren begeistert.

Und nicht nur wir waren beeindruckt von Brückmanns Arbeit. Im Oktober 2009 wurde seine Serie “in situ” für eine der wichtigsten und angesehensten deutschen Fotografie-Ausstellungen: “gute aussichten – junge deutsche fotografie” 2009/2010 ausgewählt.

Nach 10 Monaten und 6 Stationen in 3 Ländern, öffnet die letzte “gute aussichten” Ausstellung der 2009/2010 Tour am Donnerstag, dem 29. Juli im Art Foyer DZ Bank in Frankfurt am Main.

Bis zum 11. September können Besucher die Arbeiten von Georg Brückmann und den sieben anderen Künstlern, die aus 91 Bewerbungen von 33 deutschen Hochschulen ausgewählt wurden, anschauen.

Im Vorfeld der Ausstellungseröffnung haben wir Georg Brückmann in seinem Atelier in Leipzig-Lindenau getroffen. Und sind auch gleich zu Beginn in einen dicken Fettnapf getreten.

Wie alle Formen von “Design” bauen auch die bildenden Künste auf Innovation und neuen Ideen wenn sie überleben wollen.

Wir dachten, Brückmann malt auf Fotos.

Tut er nicht.

Still life with beer by George Brückmann. The objects are real, have been painted and then photographed

Stillleben mit Bier von Georg Brückmann. Die Objekte sind real, wurden angemalt und dann fotografiert.

Ursprünglich bemalte er die Objekte, überzog sie mit der gleichen Farbe und fotografierte sie anschließend. So hat er wunderbare, undurchsichtige, voluminöse Szenen irgendwo zwischen Realität, Malerei und Fotografie geschaffen.

Dann ging er dazu über, Objekte anzumalen, die im Bewusstsein des Betrachters dann in andere Objekte weitergesponnen werden, bevor er sich mit dem Thema Designklassiker bzw. der Beziehung zwischen Designklassikern und Nicht-Designklassikern auseinandersetzte.

Wir wollen den Reiz der Arbeiten nicht zerstören, indem wir den Entstehungsprozess verraten. Aber Georg Brückmann malt Designmöbelklassiker so, dass durch die Komposition des endgültigen Fotos “normale” Objekte in Kultmöbel verwandelt erscheinen.

Die Bilder der Stühle an sich sind nicht sonderlich akkurat, die Proportionen und Formen weichen oft von den Originalen ab. Aber das spielt keine Rolle. Man erkennt sie dennoch, findet sie attraktiv, gibt ihnen einen Wert – einen Wert, der auch die rauen und rudimentären Kulissen scheinbar veredelt.

Brückmanns Arbeit befasst sich mit der “imaginären Erweiterung” von einem Objekt in ein anderes. Das erreichen die Werke durch das Zusammenspiel von Perspektive, Kontext, Kunst und der Wahrnehmung des Betrachters. Sei es ein Pappkarton der zu einem Liegestuhl wird oder eine schlichte Gartenliege die Le Corbusiers LC 4 Chaiselongue wird.

Charles und Ray Eames’ Lounge Chair, der F 51 von Walter Gropius und Mies van der Rohes Barcelona Chair sind nur drei der Designklassiker, die Brückmann reinterpretiert hat… Oder besser gesagt, die er erweitert oder aufgewertet hat von weniger wertvollen Alltagsgegenständen zu Designklassikern die wir alle kennen.

In Brückmanns Worten: “Hier wird der Gegenstand zu dem, was er hätte werden können, was er sein könnte, sein wollte oder gar sollte.”

Unser Interview mit Georg Brückmann über seine Arbeit, gute ausichten und seine Zukunft gibt es auf den (smow)Kulturseiten.

Die Ausstellung “gute aussichten – junge deutsche fotografie 2009/2010” ist bis zum 11. September im Art Foyer DZ Bank in Frankfurt am Main zu sehen.

Le Corbusier LC 4 by George Brückmann

Le Corbusier LC 4 von Georg Brückmann



(smow)offline: Charlotte Perriand in der Schweiz

Thursday, July 1st, 2010
Charlotte Perriand with Le Corbusier und Pierre Jeanneret

Charlotte Perriand mit Le Corbusier und Pierre Jeanneret

Wahrscheinlich ist die Pariser Architektin und Designerin am besten für ihre Kooperationen mit Le Corbusier bekannt, mit dem sie zusammen die moderne Bewegung in Europa voran getrieben hat. Nicht zuletzt ist Charlotte Perriand für die Umsetzung der modernen Möbelideen von Le Corbusier verantwortlich und hat somit die Tradition von minimalem gebogenem verchromten Stahl und Ledermöbeln mitbegründet.

Die bekanntesten Werke ihrer Zusammenarbeit sind die von Cassina produzierten LC4 Chaiselongue, LC2 Sessel und der LC7 Drehstuhl welche Le Corbusier, Pierre Jeanneret und Charlotte Perriand ehemals für ihr “Maison la Roche” in Paris kreiert haben.

Die Kollaboration zwischen Charlotte Perriand und Le Corbusier war jedoch nur eine Station im Leben und der Karriere. Es folgten Zusammenarbeiten mit Fernand Leger und Jean Prouvé sowie Stationen in Moskau, Japan, Vietnam und Brasilien.

LC4 by Charlotte Perriand Le Corbusier and Pierre Jeanneret through Cassina

LC4 von Charlotte Perriand, Le Corbusier und Pierre Jeanneret hergestellt von Cassina

Ihre Zeit in Brasilien wird in einer Ausstellung im Gewerbemuseum in Winterthur zum Thema gemacht. Eröffnung ist am 4. Juli.

“Charlotte Perriand und ihre Spuren in Brasilien” wurde einer Wohnung gewidmet, welche Sie Anfang der 60er Jahre in Rio de Janeiro designt und gebaut hat. Die Kuratoren der Ausstellung haben die Wohnung im Maßstab 1:2 nachgebaut um so Charlotte Perriands Herangehensweise an Arbeit und Design zu ergründen.

Am 16. Juli eröffnet das Museum für Gestaltung, Zürich die Ausstellung “Charlotte Perriand: Designer, Photographer, Activist”. Die Ausstellung fokussiert sich mehr auf das Möbeldesign, die Fotografie und das soziale Engagement von Charlotte Perriand.

Zusammen bieten die Ausstellungen eine seltene Chance mehr über die wenigen Frauen zu erfahren, die sich in dieser hierarchischen Männerdomäne etabliert haben. Das Frauenwahlrecht wurde erst 1944 in Frankreich eingeführt – zu dieser Zeit hatte Charlotte Perriand, sowie die Pariserin Eileen Gray sich bereits einen Namen gemacht und einen entscheidenden Teil zur Moderne beigetragen.

“Charlotte Perriand und ihre Spuren in Brasilien” ist im Gewerbemuseum Winterthur vom 4. Juli bis zum 22. August zu sehen.

Charlotte Perriand Designer, Photographer, Activist ist im Museum für Gestaltung in Zürich vom 16. Juli bis zum 24. Oktober zu besichtigen.

Und die beiden Museen sind nur 25 KM von einander entfernt – also ein schöner Tagesausflug an einem Feiertag.



Neu bei (smow): Cassina

Friday, January 15th, 2010
Cassina

Cassina

Italienisches Design ist, wenn wir unsere Augen für ein oder zwei Minuten schließen und brutal ehrlich sind, wie englischer Fußball oder französische Küche – seine ständige Assoziation mit besonderer Qualität und Genie beruht zum großen Teil auf einer Anzahl von nicht-Italienern (Engländern/Franzosen), die kontinuierlich zur Tradition beigetragen und sie damit modern, frisch und aufregend gehalten haben.

Dänisches Design ist dänisch weil es nur Dänen erlaubt ist – italienisches Design ist universell, weil jeder es darf: vorausgesetzt die Italiener laden dazu ein.

Und daher kommt es nun, dass wir es alle genießen im April nach Milan zu reisen und dort für eine Nacht in einem schäbigen Zimmerchen mehr zu bezahlen, als wir im Jahr für unsere eigenen Wohnungen ausgeben; denn es ist Milan und Milan ist Design.

1927 wurde ein entscheidender Schritt zur Etablierung “italienischen Designs” getan, als die Brüder Cesare und Umberto Cassina ihre neue Möbel Pruduktions Firma eröffneten, die sich in Meda, Lombardei (auf halbem Wege zwischen Milan und dem Como See – für all jene von Ihnen, die auf der Suche nach einem traumhaften “auf-halbem-Wege-Haus” sind) befindet.

LC 1 by Le Corbusier Jeanneret and Perriand through Cassina

LC 1 von Le Corbusier, Jeanneret und Perriand durch Cassina

Nachdem sie sich mit der qualitativ hochwertigen Ausstattung von Schiffen, Hotels und Casinos schnell einen Namen gemacht hatten, startete Cassina 1967  ihre “CASSINA I MAESTRI” Reihe, mit dem Ankauf der Lizenzen für vier Le Corbusier, Pierre Jeanneret und Charlotte Perriand Produkten: LC1, LC2, LC3 und LC4. In Cassinas eigenen Worten war das Ziel – und ist es immernoch “die Verbreitung der universell akkreditierten Kulturwerte durch das Angebot heute von “rekonstruierten” Einrichtungsgegeständen.” Unter Verwendung von orginalen Entwürfen und Notizen als Basis für ihre Modelle erstand Cassina nicht nur die Rechte an weiteren Le Corbusier Werken, sondern auch an wichtigen Arbeiten von so verschiedenen Designern wie Gerrit T.Rietveld, Charles Renne Mackintosh und Frank Lloyd Wright.

In den 1970gern, mit der Sicherheit, die durch die CASSINA I MAESTRI Reihe erreicht wurde, im Rücken, handelte Cassina “italienisch”, indem man neue Materialien und neue Technologien annahm und sich mit den Werken von Designern wie Mario Bellini oder Vico Magistretti als ein wichtiger und zukunftsorientierter Player in der internationalen Designer Möbel Szene etablierte. Ein Trend, der durch Kooperationen mit Designern wie Konstantin Grcic, Patrick Jouin oder Philippe Starck fortgesetzt wurde.

Zig-Zag chair by Rietveld through Cassina

Zig-Zag Stuhl von Gerrit T.Rietveld durch Cassina

Und so wie der Mix aus eigenen und fremden Spielern Manchester United oder Liverpool dabei geholfen hat, globalen Erfolg zu erringen, hat die Kobination aus italienischem und internationalem Design-Talent Cassina dabei geholfen, heute eines der führenden Designer Möbelhäuser zu sein.

Und seit Ende 2009 ist die Cassina CASSINA I MAESTRI Reihe auch bei smow.com erhältlich, eine Reihe die zum Beispiel Design Klassiker wie den Zig-Zag Stuhl von Rietveld oder den Argyle Stuhl von Mackintosh beinhaltet.

Falls Sie etwas moderneres bevorzugen, kann smow.com auch mit der kompletten Cassina Palette dienen.

Details finden sich auf der smow.com Cassina Seite.

(und ja, für all die aufmerksamen Leser da draußen, google hat uns nicht mit einer Liste der top 3 Sterne Restaurants in Paris, die von Ausländern geführt werden, versorgen können :( )



Ein Genie – Le Corbusier

Friday, December 4th, 2009
Porträt von Le Corbusier auf der Schweizer Zehn-Franken-Banknote

Porträt von Le Corbusier auf der Schweizer Zehn-Franken-Banknote

Le Corbusier, als Charles-Edouard Jeanneret-Gris in La Chaux-de-Fonds in der Schweiz 1887 geboren, gilt als einer der wichtigsten Architekten, Städteplaner und Designer des 20. Jahrhunderts. Seine Möbelentwürfe sind moderne Designklassiker schlechthin geworden.

Le Corbusier sieht die Aufgabe des Architekten im Erstellen von zweckmäßigen, funktionalen und wirtschaftlichen Entwürfen. Er bekennt sich dabei umfassend zu den technischen Möglichkeiten der Zeit. Das bedeutet, den Einsatz von Eisenbeton, Stahl und Fertigteilen um eine völlig neue, vormals nicht mögliche Architektur zu realisieren. Die von Le Corbusier begründete Architekturlehre nimmt sich die reine Funktionalität der Maschine zum Vorbild für die Gebäudegestaltung. Daraus resultieren klare und einfache Körper, die sich aus den geometrischen Grundformen des Rechtecks, Kreises und Quaders zusammensetzen.

Das Bekenntnis zum Eisenbeton geht bei Le Corbusier soweit, dass er unter anderem sogar Einrichtungsgegenstände wie Kästen und Schreibtische daraus fertigt.

Le Corbusier wird 1887 als Sohn eines Designers und einer Musiklehrerin in der Schweiz geboren. Bereits in jungen Jahren beginnt er eine Ausbildung als Graveur, Maler und Goldschmied an der École d’Art in La Chaux-de-Fonds.

1914 entwickelt er ein Eisenbeton-Skelett-System “Domino” für mehrgeschossige Bauten. Für die Pariser Exposition Internationale des Arts D’coratifs von 1925 entwarf Le Corbusier den Pavillion L’Esprit Nouveao, und auf dem Pariser Herbstsalon von 1929 stellte er seine Möbelentwürfe aus. Daraufhin übernahm die Firma
Thonet die Produktion.

Der Modulator

Der Modulor

In den 40er Jahren schafft Le Corbusier eine neue Maßeinheit, Modulor, die dem menschlichen Maßstab angepaßt ist und die in Architektur und Technik universell anwendbar sein soll.
Der Modulor ist ein Proportions-System und stellt den bedeutendsten modernen Versuch dar, der Architektur eine am Maß des Menschen orientierte mathematische Ordnung zu geben. Der Modulor zählt heute zu den bedeutendsten Schriften der Architekturgeschichte.

Neben Architektur beschäftigte sich Le Corbusier auch mit der bildenden Kunst und Möbeldesign. Die geometrischen Formen aus seinen Bauwerken finden sich auch in seinen Möbelentwürfen der Serie LC wieder. So zeichnet sich der Corbusier Basculant LC1 durch Leichtigkeit und Eleganz aus. Abgeleitet vom Safaristuhl ist der Corbusier Basculant ein bequemes und zugleich raumsparendes Möbel. Er ergänzt die moderne Einrichtung gutbürgerlicher Wohnungen ebenso wie schicke Lofteinrichtungen und Atelier-Möblierungen.

LC1 von Le Corbusier für Cassina

LC1 von Le Corbusier für Cassina

Die Design-Möbel der Reihe LC sind natürlich im (smow)Shop erhältlich.