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Mailand 2013: Tools for Life von OMA für Knoll

Wednesday, April 24th, 2013

Zur Mailänder Möbelmesse 2013 präsentierte Knoll offiziell die “Tools for Life” Kollektion der niederländischen Architekten OMA, die vom OMA Mitbegründer Rem Koolhaas betreut wird.

Die Kollektion war bereits Teil der Bühnendekoration der Prada Men Fashionshow im Januar und wurde in der gleichen Location, bei Prada Mailand, erstmals öffentlich vorgestellt. Ein Ort also, den unseresgleichen theoretisch niemals betreten sollten. Aber Möbelmesse ist Möbelmesse.

Milan Design Week 2013 Tools for Life by OMA for Knoll

Möbelmesse Mailand 2013: Tools for Life von OMA für Knoll bei Prada Mailand

Zunächst einmal muss man sagen, dass die Kollektion aussieht wie von einem Architekten entworfen. Nicht auf so einfache Weise, wie wir es alle von Jacobsen, Eiermann, Haller & Co. kennen. Und bestimmt nicht in der Tradition der Architekten, mit denen sich Knoll einen Ruf gemacht hat, also Mies van der Rohe, Bertoia, Saarinen… Es ist alles viel mehr das Ergebnis eines konzeptionellen Denkers, eine reine Autorenkollektion von einem Designer, der auf Grundlage einer Theorie arbeitet, statt nach einem bestimmten funktionalen oder ästhetischen Prinzip. Haute Couture, um sich mal der Prada-Sprache zu bemächtigen.

Für Knoll ist das Aushängeschild der Kollektion der 04 Counter. Drei ineinandersteckende Balken, die zwei oberen können im 360 Grad Winkel gedreht werden und so für eine Reihe verschiedener ineinander übergehender Funktionen verwendet werden. Sitzen, Präsentieren, Diskutieren. So innovativ und interessant die Funktionalität fraglos auch ist, so unsicher sind wir, wer sowas eigentlich braucht oder will.

Der 03 Coffee Table funktioniert nach einem sehr ähnlichen Prinzip, mit einem ähnlichen Mechanismus. Doch wegen seiner kleineren Abmessungen macht die Bewegung hier mehr Sinn.

Für uns ist das Highlight der Kollektion der 11 Floor Seating, ein beinloser Stuhl, der auf den ersten Blick aussieht, als wäre er nur zum Entspannen da; doch im Kontext vom modernen Wohnen mit Tablet Computern usw., wird das niedrige, leicht gekrümmte Sitzen mit hochgezogenen Knien durchaus zur immer häufigeren Option. Und qualitativ hochwertige, gut überlegte Stühle, die einem erlauben, auf dem Boden zu sitzen, sind ungefähr so rar wie Prada Jacken in unserem Kleiderschrank. Für uns braucht “11″ nur einen etwas höheren Rücken, um wirklich funktional zu sein.

Milan Design Week 2013 Tools for Life by OMA for Knoll

Das 11 Floor Seating aus der Tools for Life Kollektion von OMA für Knoll (Die Kissen werden noch bezogen.)

Unter den weiteren Objekten, hat der 01 Arm Chair keine unansprechende Formensprache, obwohl man ein bisschen braucht, um sich daran zu gewöhnen. Als wir ihn das erste mal gesehen haben, hat er uns überhaupt nicht gefallen. Es war, als wolle da jemand ein unangenehmes Star Trek meets 80s Miami Beach Nightclub Bild erzeugen – und zwar ein Designer, der ein bisschen zu sehr wollte. Doch nachdem es etwas auf uns gewirkt hatte, haben wir angefangen es zu verstehen und zu schätzen. Es ist ein bisschen wie mit David Bowie. Jahrzehnte konnten wir nichts mit ihm anfangen und haben doch vor ein paar Jahren plötzlich einen neuen Zugang zu seiner Musik gefunden. Und seither gefällt sie uns immer mehr.

Der 05 Round Table und der 06 Table sind technisch sehr, sehr interessant. Doch je weniger man darüber sagt, desto besser. Und nein, wir glauben nicht, dass wir uns jemals daran gewöhnen werden. Aber in Moskau würden sie sicher sehr gut ankommen.

Der wahre Star der Präsentation war für uns aber Rem Koolhaas, der rund um die Prada Kathedrale von einer Masse umzingelt war, die hungrig nach Informationsfetzen im Wesentlichen nach dem Grund für seine Materialwahl suchte. Eine Frage, die er geduldigerweise mindestens 1000 Mal beantwortete.

Wir waren natürlich kein Teil des Mobs. Zu dem Zeitpunkt waren wir gerade dabei Croissants zu essen – mit einer Hingabe die Eisbär Knut alle Ehre gemacht hätte. Das waren Prada Croissants. Wann bekommt man schon mal wieder die Chance Prada Croissants zu essen? Nie, ist die Antwort. Und ja, sie waren wunderbar.

Milan Design Week 2013 Tools for Life by OMA for Knoll

Der 01 Arm Chair aus der Tools for Life Kollektion von OMA für Knoll. Hier mit dem Prototyp-Bezug.

Tools for Life ist für Rem Koolhaas das erste Mal, dass er an einem Möbelprojekt teilnimmt. Knoll zufolge wurde der erste Kontakt schon vor 15 Jahren hergestellt, aber Koolhaas hatte  zu der Zeit kein wirkliches Interesse, oder besser gesagt, nicht die notwendige Motivation für Möbel. Dann, vor einigen Jahren haben sie noch einmal über die Möglichkeit diskutiert und Koolhaas hat Ja gesagt, “…weil Knoll uns bat eine Kollektion, statt eines einzelnen Objekts, zu machen und das machte es zu einem interessanten Auftrag.”

Und unabhängig davon, was man von den einzelnen Stücken oder der Formensprache hält, als Kollektion funktioniert Tools for Life sehr gut. Sie verfügt über eine innere Einheit, eine Solidarität, die die einzelnen Stücke aneinander bindet.

In unserem Post über die Ausstellung im Museum für Angewandte Kunst Köln “Von Aalto bis Zumthor. Architektenmöbel” stellten wir die Hypothese auf, dass die von Architekten wie Eiermann, Jacobsen oder Le Corbusier designten Möbel deshalb so ansprechend sind, ist, weil sie überwiegend für spezielle Projekte entworfen wurden, in einem speziellen Kontext zu verorten sind und von diesem Kontext beeinflusst und geformt wurden.

Architektenmöbel zeigte auch, was passiert, wenn Architekten Möbel außerhalb eines festen Kontext entwickeln. Oder es wurde zumindest gezeigt, was passieren kann. Tools for Life von OMA für Knoll ist ein weiteres gutes Beispiel dafür. Als interessante und nicht unansprechende Kollektion, war sie für uns ein wenig zu sehr davon getrieben, eine OMA Möbekollektion zu sein und als solche fehlt es ihr an einer bestimmten Nonchalance, die notwendig ist, wenn man Möbel machen will, die Menschen besitzen und benutzen wollen.

Insofern befürchten wir, dass Tools for Life geweiht ist, eine historische Fußnote in der Geschichte von Knoll und OMA zu werden – gut für Hochglanzfotos, aber darüberhinaus kulturell und ökonomisch irrelevant.

Trotzdem gibt es genug technische Innovation und interessante neue Denkweisen in der Kollektion, dass man fast sicher sein kann, dass wenn wenn man OMA und Rem Koolhaas genauere Anweisungen gibt, etwas wirklich wundervolles dabei herauskommen könnte.

Oder anders gesagt, nach der Haute Couture können wir die Prêt-à-Porter kaum erwarten.



Bauhaus Dessau: Marcel Breuer – Design und Architektur

Wednesday, June 6th, 2012

So wie Gerrit Rietvelds Karriere in der öffentlichen Wahrnehmung fälschlicherweise oft auf den Rood-blauwe stoel reduziert wird, so macht man es sich auch zu einfach, wenn man meint, Marcel Breuer habe seine Zeit mit nichts als dem Entwerfen von gebogenen Stahlrohrstühlen und -tischen verbracht.

Zugegebenermaßen schlägt einem der allwissende Google-Algorithmus neben der Marcel Breuer Schule auch gerade einmal  “Marcel Breuer Stuhl” und “Marcel Breuer Biografie” vor. Dass die öffentliche Wahrnehmung von Marcel Breuer so einseitig scheint, ist aber besonders insofern überraschend, als die Breuer Biografie noch eine der bekannteren Bauhaus-Biografien ist. Er ist wohl einer der wenigen Bauhäusler, über den bei einer Fernsehquizshow eine Frage gestellt werden würde.

Die Ausstellung “Marcel Breuer – Design und Architektur”, die zurzeit am Bauhaus Dessau gezeigt wird, führt den Besucher in die weniger bekannten Bereiche der Breuer’schen Arbeit ein und präsentiert auch das ein oder andere kaum bekannte Objekt aus Breuers Oeuvre. Vor allem macht die Ausstellung aber deutlich, dass so wichtig die Stahlrohrarbeiten auch für das europäische Design im 20. Jahrhundert gewesen sein mögen, sie für Breuer selbst nur eine frühe und kurze Phase seines kreativen Schaffens ausmachen.

 

Marcel Breuer design and architecture Bauhaus dessau wassily club chair B3
Der B3  Clubstuhl (Wassily Sessel) von Marcel Breuer @ Bauhaus Dessau

Der Ausstellungstitel verspricht nichts, was er nicht halten kann und so werden in der Ausstellung zum einen Breuers Wirken im Design und zum anderen sein architektonisches Schaffen betrachtet.

Der Designteil ist in der Ausstellung chronologisch angeordnet und beginnt daher mit Breuers frühen Holzobjekten, einschließlich des eindeutig vom de Stijl beeinflussten – und dementsprechend farbigen – Lattenstuhl sowie einer gewaltigen, fast steampunkartigen Frisierkommode mit Stuhl, die er 1923 für das Haus am Horn in Weimar entworfen hat.

Mitte der 1920er Jahre begann Marcel Breuer dann seine bahnbrechenden Experimente mit Stahlrohr. Natürlich ist dieses Genre umfassend in der Ausstellung vertreten – sei es in Form des “Wassily” B3 Clubstuhls in all seinen Variationen, Breuers zahlreichen und verschiedenen Kooperationen mit Thonet oder seine Freischwinger-Stuhldesigns.

Was besonders interessant in der Ausstellung zu beobachten ist, ist die Spannweite, die in manchen von Breuers Entwürfen steckt. Sein B 35 Stuhl für Thonet zum Beispiel wird als verschweißte und verschraubte Version gezeigt; die eine offensichtlich für das Versenden in flachen Paketen und als modulare Möbelserie gedacht, die andere ästhetisch ansprechender.

Das Stahlrohr stellt zwar ohne Zweifel die bekannteste und wichtigste Epoche für Breuer dar, wir finden den Sperrholzbereich allerdings viel interessanter. Auf der einen Seite weil Sperrholz ein Material ist zu dessen Gebrauch Breuer mehr oder weniger gezwungen wurde – das Unternehmen Isokon war wenig an Stahlrohrmöbeln interessiert und wollte stattdessen das kommerziell relevantere Holz – und auf der anderen Seite weil es ein Material ist, mit dem er einige wirklich schöne Möbel geschaffen hat, die mit ihrer organischen Formensprache jedoch in deutlichem Kontrast zu dem stehen, was man normalerweise mit Marcel Breuer assoziiert. Zugegebenermaßen hat man begrenzte Möglichkeiten mit gebogenem Sperrholz, aber was Breuer damit geschaffen hat, ist ein wirklich wunderbarer Anblick.

Dieser Teil seines Schaffens ist aber auch so bemerkenswert, weil er zeigt, dass Breuer ein Verständnis von der kommerziellen Möbelindustrie hatte, von dem sich einige seiner Zeitgenossen eine Scheibe hätten abschneiden können. Sein Stapelstuhl aus dem Jahr 1936 ist ein wunderbares Beispiel dafür.

 

Marcel Breuer design and architecture Bauhaus dessau Isokon moulded plywood chair
Beispiele für Marcel Breuers gebogene Sperrholzarbeiten für Isokon. Im Vordergrund der Stapelstuhl

Im Gegensatz zum chronologischen Designteil gliedert sich der Architekturteil thematisch und zwar in die Bereiche “Räume”, “Häuser” und was die Kuratoren als “Volumen” bezeichnen, also gigantische, fast brutalistische Konstruktionen, die ihre Existenzberechtigung allein dadurch zu behaupten scheinen, dass sie so präsent sind.

Jeder der Bereiche wird durch Modelle, Fotos und Zeichnungen repräsentativer Gebäude erklärt, wobei die interessanteste Darstellung für uns die des BAMBOS Projektes ist.

Wie eintausend japanische Touristen täglich bestätigen können, gehören die Meisterhäuser – eine Reihe Villen, extra gebaut für die Bauhausmeister – zu den wichtigsten Aspekten vom Bauhaus Dessau. Der Bau der Meisterhäuser trug allerdings damals sehr zur Verärgerung der “jungen Meister”, wie Breuer, Josef Albers oder Herbert Bayer, bei. Sie empfanden es als “unsozial”, dass die Meister strahlend neue Villen erhielten, und sie selber (die schließlich den Löwenanteil des Unterrichts übernahmen) nichts vergleichbares bekamen.

In einem Akt, der im krassen Kontrast zu den gutgelaunten, feierwütigen Bauhäuslern steht, wie sie derzeit in der Barbican Art Gallery dargestellt werden, rebellierten die jungen Meister gegen diese vermeintliche Ungerechtigkeit und schlugen eine eigene Serie experimenteller, vorgefertigter Häuser vor, die umgangssprachlich BAMBOS nach ihren Urhebern Breuer, Albers, Meyer, Bayer, Meyer-Ottens und Schmidt genannt werden.

Anfänglich wurde das Vorhaben abgelehnt, aber als Breuer damit drohte Dessau zu verlassen, stimmte Walter Gropius dem Projekt schließlich zu. Allerdings wurde das Projekt letztlich niemals realisiert und große Teile der originalen Dokumentation sind seit langem verschwunden. Folglich beschränkt sich die Präsentation von BAMBOS auf einen kurzen Text und ein Modell des BAMBOS Hauses Typ 1.

Der Einbezug von BAMBOS ist insofern wichtig, als er bestätigt, dass das Bauhaus nicht mit Lichtgeschwindigkeit einem gemeinsamen Ziel entgegen raste und dabei niemals von der Spur der gemeinsamen Ideologie abkam, sondern dass auch das Bauhaus in erster Linie ein Sammelbecken für Individuen mit eigenen Meinungen, die verteidigt werden wollten, war. Auch wenn das den ein oder anderen auch mal aus der Bahn warf.

Auf ähnliche Weise würde die Ausstellung von ein wenig mehr Informationen über die Verärgerung profitieren, die hervorgerufen wurde, als Breuer seine Stahlrohrmöbel über sein eigenes Label “Standard-Möbel” verkaufte, ohne das Bauhaus darüber zu informieren. Oder über einen der vielen anderen Momente, als sich Breuer und das Bauhaus überwarfen. Trotz des Erfolges für alle Parteien war nicht immer alles Friede, Freude, Eierkuchen.

Unabhängig von dieser, in unseren Augen, Auslassung präsentiert “Marcel Breuer – Design und Architektur” einen wunderbaren, sehr zugänglichen Überblick über einen Mann, sein Vermächtnis und seinen Platz in der Design- und Architekturgeschichte des 20. Jahrhunderts. Geht man durch die Ausstellung, bekommt man ein gutes Gefühl für die Entwicklungen in Breuers Karriere.

Aber noch wichtiger ist, ähnlich wie bei “Gerrit Rietveld – Die Revolution des Raums“, dass man versteht, dass die öffentliche Person nur die Schale für einen komplexen und kreativen Charakter ist. Wenn man so will, eine Einladung mehr zu entdecken.

Marcel Breuer – Design und Architektur ist die perfekte Gelegenheit genau das zu tun und kann noch bis zum 31. Oktober 2012 im Bauhaus Dessau besucht werden.

Marcel Breuer design and architecture Bauhaus dessau BAMBOS House Type 1
Ein Modell für das “BAMBOS Haus Typ 1″
Marcel Breuer design and architecture Bauhaus dessau
Bauhaus Dessau: Marcel Breuer – Design und Architektur
Marcel Breuer design and architecture Bauhaus dessau aula
Die Aula im Bauhaus Dessau, ausgestattet mit Stühlen designt von Marcel Breuer


(smow)intern: Designmöbelkatalog 2011

Wednesday, July 6th, 2011

Technikverweigerer! Das wird (smow) ja normalerweise nicht nachgesagt. Soweit uns bekannt ist, hat noch kein (smow)Mitarbeiter einen iPad zertrümmert oder einen W-LAN Zugang gekappt um gegen die schleichende und zwanghafte Ausbreitung von Technologien in alle Lebensbereiche zu protestieren. Aber: In den ersten Wochen des Sommers waren alle im (smow)Hauptquartier mit der Vorbereitung und Herstellung des allerersten (smow)Katalogs beschäftigt. Ein realer gedruckter Katalog! Auf Papier! Mit Tinte!

Technikverweigerer? Au contraire, nos amis! Die Herstellung eines solchen analogen Katalogs ist technisch eine größere Herausforderung als dieses idiotensichere HTML zu programmieren. Und trotzdem ist es uns am Ende gelungen ein tolles Heft fertigzustellen. Gut gemacht, Katalogteam!

Neben einer Auswahl von (smow)Produkten enthält der Designmöbelkatalog 2011 auch biografische Informationen zu wichtigen Designern und natürlich wunderbare extra für den Katalog in Auftrag gegebene Fotos von Produkten von USM Haller, Vitra, Moormann, Richard Lampert et al.

So ein gedruckter Katalog ist im Prinzip nichts anderes als damals die Mechanisierung in den Textilfabriken, die den unterdrückten Massen erstmals den goldenen Geschmack von Freizeit kosten ließ. Mit dem Katalog bekommen wir ein Stück Technikfreiheit zurück. Computer ausschalten, Katalog in Ruhe durchblättern, Computer wieder anmachen, bestellen.

Ein Exemplar des Kataloges kann man über das Kontaktformular auf smow.de oder unter service@smow.de anfordern.

Auf facebook.com/smowcom haben wir außerdem die Fotogalerie zum Katlaogentstehungsprozess veröffentlicht.

smow Designer Furniture Catalogue 2011

(smow) Designmöbelkatalog 2011



Happy Birthday Eero Saarinen!

Thursday, August 19th, 2010
Eero Saarinen

Eero Saarinen, 1910 - 1961

Am 20. August jährt sich zum 100. Mal der Geburtstag des finnischen Architekten und Designers Eero Saarinen.

Eero Saarinen hatte wahrscheinlich keine große Alternative bei der Auswahl seines Berufes. Sein Vater Eliel Saarinen war ein gefeierter Architekt in Finnland, zwei Onkel waren ebenfalls Architekten, und seine Mutter Loja Gesellius Saarinen war Bildhauerin und Textildesignerin.

Eero Saarinen verbrachte die ersten 13 Jahre seines Lebens in seinem Geburtsort Kirkkonummi, außerhalb von Helsinki. 1923 emigrierte die Familie nach positivem Feedback auf Eliel Saarinens eingereichten Beitrag für die Chicago Tribune Tower Competitionin in die USA. Ursprünglich ging es nach Evanston, Illinois, aber 1925 wurde Eliel Saarinen von G.G. Booth mit dem Bau der neuen Cranbrook Academy of Art in Bloomfield Hills, Michigan beauftragt.

The Cranbrook Academy Campus, designed by Eliel Saarinen

Der Campus der Cranbrook Academy, entworfen von Eliel Saarinen

Ein Auftrag der später noch großen Einfluss auf Eero Saarinens Karriere nehmen sollte.

1930 reiste Eero nach Paris, wo er ein Jahr Bildhauerei an der Académie de la Grande Chaumière studierte, bevor er sich an der Yale School of Architecture einschrieb. 1935 machte er dort seinen Abschluss und reiste anschließend ein Jahr lang durch Europa und Nordafrika. Nach seiner Rückkehr nach Amerika arbeitete Eero Saarinen im Büro seines Vaters in Cranbrook. Dort lernte er auch Charles Eames kennen. Die jungen Eames studierten beide am College und waren in Eliel Saarinens Büro angestellt.

Dieses Treffen sollte der Beginn einer lebenslangen beruflichen und persönlichen Beziehung werden; Saarinen nannte seinen ersten Sohn in zweiter Ehe sogar “Eames”.

Charles Eames and Eero Saarinen at Cranbrook Academy (photo © Cranbrook Archives)

Charles Eames und Eero Saarinen in der Cranbrook Academy (photo © Cranbrook Archives)

Die beruflichen Entwicklungen von Charles Eames und Eero Saarinen waren eng miteinander verknüpft und beide begannen tatsächlich mit gemeinsamen Projekten: dem Wettbewerb “Organic Design in Home Furnishings” im Jahre 1940 und dem “Case Study House #9″ für das Arts & Architecture Magazine von 1945 bis 1949.

Als Antwort auf die zunehmende Gelangweiltheit der Amerikaner von den minimalistischen Stahl-/Leder-/Glasobjekten der Bauhaus-Schule, organisierte das Museum of Modern Art in New York 1940 den Wettbewerb “Organic Design in Home Furnishings” um die besten neuen Möbeldesignkonzepte in den USA zu finden. Laut Wettbewerbsregeln sollten die Designs funktionell und bezahlbar sein und auf neuen, modernen Produktionsprozessen beruhen.

Eames und Saarinen reichten acht Entwürfe ein die hauptsächlich auf ihren früheren Experimenten mit geformten synthetischen Möbeln basierten – u.a. den Conversation Chair, heute bekannter unter dem Namen Organic Chair.

Die Jury, der Lichtgestalten wie Marcel Breuer und Alvar Aalto angehörten, vergab den ersten Platz an Charles Eames und Eero Saarinen.

The Organic Chair by Charles Eames and Eero Saarinen through Vitra

Der Organic Chair von Charles Eames und Eero Saarinen (Vitra)

Obwohl der Preis dem Paar viel Anerkenung einbrachte, war die Massenproduktion der Eames-Saarinen Designs in den frühen 1940er Jahren noch unmöglich. Die Technologie war einfach noch nicht weit genug um die Stühle zu produzieren bzw. die Maschinen, die die Stühle produzieren könnten. Der Ansatz, der hier zum Tragen kam, sollte jedoch in der Arbeit beider Designer später eine wichtige Rolle spielen. Charles Eames nutzte ihn für seine Fiberglas/Plastic Chair Serie, während Saarinen ihn in seinen Arbeiten für Knoll International anwendete: z.B. den Womb Chair und den Tulip Chair – seine beiden wohl wichtigsten Designs.

Auch ihre Laufbahn als Architekten begannen Eames und Saarinen mit einem gemeinsamen Projekt. Der Herausgeber der amerikanischen Zeitschrift Arts & Architecture, John Entenza, rief im Januar 1945 in einem Leitartikel dazu auf, mehr Massenproduktionstechnologie im Hausbau anzuwenden. In den darauf folgenden Jahren wurde eine Reihe namhafter Architekten beauftragt, ihre Visonen des industriell massengefertigten Hauses der Zukunft zu entwerfen und zu bauen.

1949 wurde das “Case Study House #9″ von Charles Eames und Eero Saarinen fertiggestellt. Es zeigt die typisch quadratischen Formen der frühen Arbeiten von Eames und Saarinen. Die Ausstattung und Einrichtung illustriert den Glauben der beiden an die Einheit von Architektur und Design und die Beziehung zwischen einem Haus, seinem Inhalt und seinem Nutzer/Bewohner.

Neben dem “Case Study House #9″ befindet sich “Case Study House #8″ – das sogenannte “Eames House”, welches offiziell Charles und Ray Eames zugeschrieben wird. Aber auch hier ist der Einfluss von Eero Saarinen unverkennbar.

Die Teilnahme an einem solch prestigeträchtigen Projekt brachte den beiden – noch relativ jungen – Architekten Saarinen und Eames ein größeres Publikum für ihre Arbeiten und letztendlich auch das Ansehen.

1946 führte eine weitere “Cranbrook Connection” von Eero Saarinen zu seiner Zusammenarbeit mit Knoll International.

Tulip Chair by Eero Saarinen for Knoll International

Der Tulpenstuhl (Tulip Chair) von Eero Saarinen für Knoll International

In Cranbrook hatte Saarinen Florence Schust kennengelernt. 1944 heiratete Florence den jungen deutschen Möbelhersteller Hans G. Knoll und wurde die Innendesignerin bei Knoll International. Sie war es, die Saarinen ansprach, sein Form-Stuhl-Konzept für die Firma zu entwickeln.

Alles in allem entwickelte Saarinen über ein Dutzend Produkte für Knoll International. Viele von ihnen wurden seit ihrer Markteinführung kontinuierlich produziert.

Trotz der Bedeutung seiner Arbeiten war Möbeldesign für Eero Saarinen immer ein Seitenprojekt neben seiner Karriere als Architekt. Als “Hauptbeschäftigung” entwarf er unter anderem das Jefferson National Expansion Memorial in St Louis, den TWA Terminal auf dem JFK Flughafen New York und den Dulles International Airport, Washington. Dennoch sah Saarinen die Arbeit als Designer nie  als wertloser an, im Gegenteil: Ihn faszinierte die Idee, dass jeder Teil einer Arbeit die anderen Teile widerspiegeln und ergänzen könne und dass das Äußere und das Innere als ein Ganzes vereint sein könnten. In diesem Sinne können Saarinens Möbelentwürfe als direkte Ergänzung seiner Architektur gesehen werden – und seine Architektur ebenso als Ergänzung seiner Möbeldesigns.

Am 1. September 1961 starb Eero Saarinen an den Folgen einer Hirntumor-Operation.

Obwohl er in jungen Jahren gestorben ist, hat Eero Saarinen im Laufe seiner 25jährigen Karriere die moderne Architektur und modernes Möbeldesign geprägt. Seine Arbeiten haben dazu beigetragen die Architekturtheorie neu zu definieren und die Zukunft auszumalen. Seine Entwürfe legten die Grundlage für die moderne Designmöbelindustrie.

Designe immer in Anbetracht des nächstgrößeren Kontexts -  ein Stuhl in einem Raum, ein Raum in einem Haus, ein Haus in einer Umgebung, eine Umgebung in einer Stadt.

Eero Saarinen, 1910 – 1961



(smow)offline: “gute aussichten – junge deutsche fotografie” Georg Brückmann

Monday, August 2nd, 2010
Eames Lounge Chair by George Bruckmann. A delightful combination of paiting, photography and mind games.

Eames Lounge Chair von Georg Brückmann. Eine wunderbare Kombination aus Malerei, Fotografie und Gedankenspielchen.

Illegale Kopien von Designklassikern sind ein Thema, das uns nicht nur hier im (smow)Blog sondern generell im globalen (smow)Netzwerk immer wieder beschäftigt.

Oder besser gesagt, wann ist ein Designklassiker ein Designklassiker?

Beim HGB Rundgang in Leipzig im Februar wurden wir mit einer unerwarteteten und ungewöhnlichen Interpretation dieser Frage in Form des “Eames Lounge Chair” von Georg Brückmann konfrontiert.

Wir waren begeistert.

Und nicht nur wir waren beeindruckt von Brückmanns Arbeit. Im Oktober 2009 wurde seine Serie “in situ” für eine der wichtigsten und angesehensten deutschen Fotografie-Ausstellungen: “gute aussichten – junge deutsche fotografie” 2009/2010 ausgewählt.

Nach 10 Monaten und 6 Stationen in 3 Ländern, öffnet die letzte “gute aussichten” Ausstellung der 2009/2010 Tour am Donnerstag, dem 29. Juli im Art Foyer DZ Bank in Frankfurt am Main.

Bis zum 11. September können Besucher die Arbeiten von Georg Brückmann und den sieben anderen Künstlern, die aus 91 Bewerbungen von 33 deutschen Hochschulen ausgewählt wurden, anschauen.

Im Vorfeld der Ausstellungseröffnung haben wir Georg Brückmann in seinem Atelier in Leipzig-Lindenau getroffen. Und sind auch gleich zu Beginn in einen dicken Fettnapf getreten.

Wie alle Formen von “Design” bauen auch die bildenden Künste auf Innovation und neuen Ideen wenn sie überleben wollen.

Wir dachten, Brückmann malt auf Fotos.

Tut er nicht.

Still life with beer by George Brückmann. The objects are real, have been painted and then photographed

Stillleben mit Bier von Georg Brückmann. Die Objekte sind real, wurden angemalt und dann fotografiert.

Ursprünglich bemalte er die Objekte, überzog sie mit der gleichen Farbe und fotografierte sie anschließend. So hat er wunderbare, undurchsichtige, voluminöse Szenen irgendwo zwischen Realität, Malerei und Fotografie geschaffen.

Dann ging er dazu über, Objekte anzumalen, die im Bewusstsein des Betrachters dann in andere Objekte weitergesponnen werden, bevor er sich mit dem Thema Designklassiker bzw. der Beziehung zwischen Designklassikern und Nicht-Designklassikern auseinandersetzte.

Wir wollen den Reiz der Arbeiten nicht zerstören, indem wir den Entstehungsprozess verraten. Aber Georg Brückmann malt Designmöbelklassiker so, dass durch die Komposition des endgültigen Fotos “normale” Objekte in Kultmöbel verwandelt erscheinen.

Die Bilder der Stühle an sich sind nicht sonderlich akkurat, die Proportionen und Formen weichen oft von den Originalen ab. Aber das spielt keine Rolle. Man erkennt sie dennoch, findet sie attraktiv, gibt ihnen einen Wert – einen Wert, der auch die rauen und rudimentären Kulissen scheinbar veredelt.

Brückmanns Arbeit befasst sich mit der “imaginären Erweiterung” von einem Objekt in ein anderes. Das erreichen die Werke durch das Zusammenspiel von Perspektive, Kontext, Kunst und der Wahrnehmung des Betrachters. Sei es ein Pappkarton der zu einem Liegestuhl wird oder eine schlichte Gartenliege die Le Corbusiers LC 4 Chaiselongue wird.

Charles und Ray Eames’ Lounge Chair, der F 51 von Walter Gropius und Mies van der Rohes Barcelona Chair sind nur drei der Designklassiker, die Brückmann reinterpretiert hat… Oder besser gesagt, die er erweitert oder aufgewertet hat von weniger wertvollen Alltagsgegenständen zu Designklassikern die wir alle kennen.

In Brückmanns Worten: “Hier wird der Gegenstand zu dem, was er hätte werden können, was er sein könnte, sein wollte oder gar sollte.”

Unser Interview mit Georg Brückmann über seine Arbeit, gute ausichten und seine Zukunft gibt es auf den (smow)Kulturseiten.

Die Ausstellung “gute aussichten – junge deutsche fotografie 2009/2010” ist bis zum 11. September im Art Foyer DZ Bank in Frankfurt am Main zu sehen.

Le Corbusier LC 4 by George Brückmann

Le Corbusier LC 4 von Georg Brückmann



2010 Designermöbel Weltmeisterschaft: Finnland-Frankreich 2:0

Tuesday, July 6th, 2010

Nach dem anstrengenden Spiel gegen Alexander Girard, entschied sich Frankreich, Ronan und Erwan Bouroullec für das Match gegen Eero Saarinen zu schonen und stattdessen das “enfant terrible” des zeitgenössischen französischen Designs, Philippe Starck, gegen Finnland einzusetzen.

Das erwies sich im Nachhinein als keine gute Entscheidung. Starck konnte nicht mit dem alten finnischen Meister mithalten und startete nur relativ vorhersehbare und undurchdachte Angriffe.

Eero Saarinen nutzte die Lücken geschickt aus und traf mit seinem Tulip Chair und einem Säulenfuß-Tisch zum wohlverdienten 2:0 Sieg.

Hier geht es zur Tabelle und zu den Ergebnissen der Gruppe D

Philippe Starck failed to get teh better of Saarinens Tulip Chair through Knoll International

Philippe Starck gegen Saarinen's Tulip Chai



(smow)offline: Herbert Hirche, Strahlend Grau

Tuesday, May 25th, 2010
Strahlend Grau Herbert Hirche Exhibition, Museum der Dinge Berlin

Strahlend Grau Herbert Hirche Ausstellung, Museum der Dinge Berlin

Weil sich unser Artikel über den neuen London Bus aufgrund einer gebrochenen Wasserleitung verspätet, haben wir uns entschieden, stattdessen den Eindruck eines typischen Nutzers der London Busse wieder zu geben.

“Typisch. Man wartet stundenlang, und dann kommen zwei auf einmal. Schuld an alledem ist Ken Livingstone!”

Noch vor der Eröffnung der Retrospektive von Dieter Rams mit dem Titel “Less and More: Das design ethos von Dieter Rams“, besuchten wir die Eröffnung einer zweiten Ausstellung, die sich dem Leben und dem Werk eines früheren Designers aus dem Hause Braun widmet.

Die Ausstellung “Strahlend Grau” über Herbert Hirche im Werkbundarchiv Berlin ist eine wunderbar kompakte Übersicht über einen Designer, der neben seiner relativen Unbekanntheit doch ebenso wichtig wie Dieter Rams, Egon Eiermann oder Ludwig Mies van der Rohe ist – um nur drei der großen Altmeister des Deutschen Designs zu nennen, mit denen Herbert Hirche zusammen arbeitete.

Und es ist ein passender Anlass um Herbert Hirches 100. Geburtstag zu feiern.

Geboren in Görlitz am 20. Mai 1910, studierte Herbert Hirche an der Bauhaus Universität in Dessau und Berlin. Nach der Schließung der Institution im Jahre 1933 schloss er sich dem Team seines früheren Professors Ludwig Mies van der Rohe an und blieb dort bis Mies van der Rohe 1938 in die USA floh. Nach einem Jahr als Freelancer arbeitete er schließlich in Egon Eiermanns Büro bis Eiermann Berlin 1945 wegen der nahenden Roten Armee verließ.

Strahlend Grau: Herbert Hirche on the roof of Bauhaus Dessau, 1932

Strahlend Grau: Herbert Hirche auf dem Dach des Bauhaus Dessau, 1932

Einen Arbeitgeber an ein totalitäres Regime zu verlieren ist Unglück – zwei zu verlieren erscheint wie ein Fluch.

In den Nachkriegsjahren war Herbert Hirche stark am Wiederaufbau Berlins beteiligt. Daneben lehrte er erst an der Hochschule für angewandte Kunst in Berlin-Weißensee und anschließend an der staatlichen Akademie für bildende Künste in Stuttgart, wo er auch als Rektor von 1969 bis 1971 tätig war.

Kuratiert von Nicola von Albrecht, präsentiert “Strahlend Grau” eine chronologische Reise durch Herbert Hirches Leben, wunderbar illustriert mit Original Briefen, Dokumenten und Fotografien. Eines der Highlights war für uns ein Brief von Egon Eiermann, der bescheinigte, dass Hirche in seinem Büro anheuern dürfe – kleine Dinge, die das sonst so abstrakte Bild über das Leben eines anderen zum … Leben erwecken.

Strahlend Grau Herbert Hirche's contribution for the exhibition Interbau Berlin, 1957

Strahlend Grau Herbert Hirches Beitrag für die Ausstellung Interbau Berlin, 1957

Und “Strahlend Grau” ist voll mit solchen Momenten.

Überhaupt nicht voll ist die Ausstellung an Möbeln.

Das liegt vor allem daran, dass viele von Herbert Hirches Arbeiten nie den Prototyp-Status überschritten haben und weil sein Erbe meist nur in Papierform vorliegt.

Trotz alledem beinhaltet die Ausstellung vier Werke von Herbert Hirche aus der aktuellen Richard Lampert Kollektion: den Hirche Barwagen, 1953 Lounge Chair, H57 Armchair und den Rattansessel “Santa Lucia”.

Soweit wir wissen, sind dies die einzigen Stücke von Hirche, die derzeit produziert werden. Und dass, obwohl Herbert Hirche für Hersteller wie Knoll, Wilkhahn oder Wilde + Spieth gearbeitet hat.

Richard Lampert war selbst auch vor Ort und erzählte uns, wie er auf Herbert Hirche aufmerksam wurde – glücklicherweise nicht durch lange Recherchen in staubigen Archiven auf der Suche nach kommerziellen Möglichkeiten von vergessenen Designs.

Nein, Richard Lamperts Einführung in die Arbeiten von Herbert Hirche fand während eines langen Abends in einer geselligen und gar nicht staubigen Umgebung in Stuttgarts legendärem Restaurant “Santa Lucia” statt.  Ein Restaurant, für das Hirche nicht nur einmal, sondern zwei mal das Interior Design konzipierte und für welches er den Rattan Stuhl entwarf.

Anfangs skeptisch, war Richard Lampert doch so beeindruckt von dem Stuhl, dass er am folgenden Tag noch einmal zum Restaurant zurückkehrte um nachzufragen, wo der Stuhl herkäme.

Rattan chair Santa Lucia by Herbert Hirche

Rattan Chair Santa Lucia von Herbert Hirche für Richard Lampert

Und so begann eine wunderbare Beziehung, die schließlich in der Auszeichnung mit dem “Classic Innovation” Award auf der IMM 2010 in Köln für den Relaunch des H57 Armchair mündete.

Solche Anekdoten bringen uns immer zum Schmunzeln, weil sie zeigen, dass gutes und ehrliches Design immer dem aktuellen Hype, Starnamen und großen Marketing-Budgets überlegen sind. Und das gibt uns Hoffnung für die Zukunft.

Herbert Hirche Strahlend Grau: In every drawer a gem

Herbert Hirche: Strahlend Grau

“Strahlend Grau” ist weder eine umfangreiche Ausstellung, noch ist es eine Ausstellung, die passiv betrachtet werden kann. Ein Besuch von “Strahlend Grau” bedeutet aktives Suchen und Bedenken der präsentierten Informationen. Aber der Aufwand ist es wert und es gibt einige wahre Kostbarkeiten zu entdecken.

Und noch wichtiger: es ist eine wunderbare Einführung zu einem Designer, der mehr Ansehen verdient als er momentan bekommt und zu einer Ära des Deutschen Designs, das weit mehr zu bieten hat als viele Leute meinen.

“Strahlend Grau” läuft im Werkbundarchiv – Museum der Dinge, bis 13. September.

Werkbundarchiv – Museum der Dinge
Oranienstraße 25
10999 Berlin

Öffnungszeiten: Fr, Sa, So, Mo 12 – 19 Uhr

www.museumderdinge.de

Strahlend Grau: Herbert Hirche's 1953 lounge chair from Richard Lampert

Strahlend Grau: Herbert Hirches 1953 Lounge Chair von Richard Lampert



(smow)offline: Die Kunst des Fälschens. Adelta hilft Kunden, Kopien zu entlarven

Thursday, February 25th, 2010
Ball chair by Eero Aarnio for Adelta - original

Ball Chair von Eero Aarnio für Adelta - Original

Man sagt, Nachahmung sei die schönste Form der Schmeichelei.

Wer das sagt,  hat anscheinend noch nie Stunden, Wochen oder gar Jahre an einem Projekt gearbeitet, bis es perfekt war.

Und deshalb kopieren sie einfach alles, seien es Möbeldesigns, Webseitenkonzepte oder Literatur.

Im Januar wurden die Gewinner des Plagiarius Wettbewerbs 2010 für ihr exzellentes Kopieren von Arbeiten anderer gekürt. Unter den Gewinnern dieses Jahr: eine chinesische Imitation von deutschen Eiswürfelbehältern und ein polnisches Plagiat eines deutschen Spielzeug-Mähdreschers.

Wir werden niemals, also wirklich niemals, aufhören, die Gefahren und Probleme zu betonen, die mit einem Kauf von billigen Designer-Möbel Kopien zusammenhängen.

Aber viele Leute fragen uns, woran wir denn die Kopien identifizieren können.

Der eindeutigste Anhaltspunkt ist der Preis. Ein seriöser Händler wird niemals einen echten Design-Klassiker zu einem lächerlich kleinen Preis anbieten.

Doch wenn der Preis angemessen erscheint: wie können Sie dann sicher sein?

Um den Kunden eine Hilfestellung zu geben, veröffentlichen viele Hersteller mittlerweile detaillierte Informationen auf ihren Webseiten.

Der finnische Designer Eero Aarnio ist nicht nur ein wahrer Pionier in Sachen Möbel Design, sondern auch ein Designer, dessen Werke regelmäßig kopiert werden.

Sicherlich denken sich die Betrüger: “He, es ist doch bloß Plastik. Wie schwierig kann das denn sein?”

Ball chair by Eero Aarnio - fake

Ball Chair von Eero Aarnio -Plagiat

Viel schwieriger als man denkt!

Eero Aarnios Arbeiten sind exklusiv bei Adelta verfügbar. Auf der Webseite von Adelta gibt es einen witzigen Leitfaden, der erklärt, worauf man bei der Inspektion eines Möbelstückes achten sollte, das angeblich von Eero Aarnio stammt.

Die angesprochenen Punkte auf den Adelta Fotos geben aber auch einen hervorragenden Leitfaden um auch Plagiate anderer Designer-Arbeiten zu entlarven.

Die Polsterung. Gerade bei Fakes von Stühlen wie die von Mies van der Rohes Barcelona Chair (von Knoll) sind die Qualität der Polster und der Nähte ein wichtiger Indikator.

Ebenso wichtig ist der Fuß oder Sockel des Stuhls. So haben Kopien des Eames Chair von Vitra oft nur vier statt fünf Füße. Der einfache Grund: die Kosten für eine Gießform für fünf Füße sind den Nachahmern einfach zu hoch.

Der beste Rat ist: sprechen Sie einfach mit dem Händler. Ein seriöser Händler, der original lizensierte Produkte verkauft, wird immer eine ehrliche Antwort auf eine ehrliche Frage haben.