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Mailänder Möbelmesse 2011: Interview mit Eckart Maise, Vitra Chief Design Officer

Wednesday, April 13th, 2011

Vitra präsentiert auf der diesjährigen Möbelmesse in Mailand eine Reihe neuer Produkte von Designern wie Konstantin Grcic, Antonio Citterio und Barber & Osgerby. Vor der offiziellen Eröffnung haben wir Vitras Chief Design Officer Eckart Maise getroffen um mit ihm über die neuen Produkte und die Vitra Home Collection im Allgemeinen zu sprechen.

Jill by Alfredo Häberli for Vitra

Jill von Alfredo Häberli für Vitra

(smow): Herr Maise, bevor wir über die neuen Produkte reden und vielleicht als hilfreiche Einführung: Wie entwickelt eine Firma wie Vitra eine Kollektion? Gehen Sie zu den Designern und sagen “Es gibt da eine Lücke in unserer Kollektion, können Sie die füllen?” Oder wie entstehen neue Projekte bei Vitra?
Eckart Maise: Im Grunde entsteht alles über die langjährige Zusammenarbeit mit den Designern. Mit Antonio Citterio arbeiten wir beispielsweise schon seit 25 Jahren zusammen, mit den Bouroullecs mittlerweile auch schon 12 oder 13 Jahre. Es gibt natürlich Phasen in denen mehr passiert und Phasen in denen weniger passiert, aber im Prinzip ist es eine dauerhafte Kooperation und wir stehen in ständigem Kontakt. Viele Projekte entstehen aus einem relativ klaren Briefing z.B. von Rolf Fehlbaum und mir, dass diese oder jene Sache sinnvoll wäre. Es gibt natürlich eine Portfolio-Strategie und ein Produktmanagement. Dann wird überlegt in welcher Priorität welches Thema gelöst werden soll – also z.B. eine neue Sofa-Familie oder ein Lounge Chair – und wer der passende Designer sein könnte bzw. welcher Designer auch Zeit hat. Manchmal wird auch mit verschiedenen Designern über das gleiche Projekt gesprochen und dann schauen wir wer wie reagiert und wo sich was entwickelt. Die Designer, die wir auch Autoren nennen, haben ja ihre eigene Agenda, ihre eigene Mission. Also müssen wir Projekte finden, in denen es eine Überschneidung der Interessen gibt, denn das ist die beste Voraussetzung für eine erfolgreiche Zuammenarbeit. Es passiert so gut wie nie dass ein Designer zu uns kommt und sagt “Hier habe ich ein fertiges Produkt. Wollt Ihr das?”. Es ist eigentlich immer eine gemeinsame Entwicklung, eine Kooperation.

(smow): In diesem Jahr werden in Mailand ja viele Produkte von “neuen” Vitra-Designern präsentiert. Sind die auch das Ergebnis solcher langfristigen Kontakte?
Eckart Maise: Genau. Mit Barber & Osgerby sind wir bereits seit sechs Jahren im Gespräch und haben immer mal wieder Dinge diskutiert, die es aber nie über die Anfangsphase hinaus geschafft haben. Das liegt nicht daran, dass sie heute bessere Designer sind als vor sechs Jahren, sondern es kam einfach nicht zu dieser Überlappung von Interessen. Mit dem Tip Ton Chair war das anders. Auch mit Alfredo Häberli stehen wir seit Jahren in Kontakt. Wir haben bereits gemeinsam an einem Projekt gearbeitet das schon relativ weit entwickelt war aber nie wirklich Klick gemacht hat und demzufolge eingestellt wurde. Sowohl Vitra als auch die Designer sind immer bereit – auch in der späten Phase eines Projekts – das Projekt abzubrechen, wenn sich etwas nicht richtig anfühlt oder die Ziele nicht erreicht wurden. Solche Produkte erblicken dann natürlich nie das Licht der Öffentlichkeit, aber das passiert eben. Mit Konstantin Grcic haben wir vor vier Jahren ein Versuchsprojekt gemacht mit der Vitra Edition und sind seitdem mit ihm im Gespräch. Es sind auch noch weitere Kooperationen mit Konstantin Grcic in Arbeit.

Tip Ton by Barber Osergby for Vitra

Tip Ton von Barber & Osergby für Vitra

(smow): Was uns gleich zur nächsten Frage bringt… Nach allem was wir von VItra wissen, können wir uns nicht vorstellen, dass Sie in neue Projekte gehen würden ohne eine langfristige Kooperation im Hinterkopf zu haben.

Eckart Maise: Ja, da stecken überall auch andere Projekte dahinter. Es entwickelt sich aber unterschiedlich, manchmal bleibt es auch bei nur einem Projekt. Aber unser Ziel ist immer die langfristige Zusammenarbeit, wenn wir in ein Gemeinschaftsprojekt starten.

(smow): Ein guter Punkt um auf Hella Jongerius und die Bouroullecs zu sprechen zu kommen. Unser Eindruck ist, dass sie bisher die zentrale Rolle in der Entwicklung der Vitra Home Collection gespielt haben. Ist dem so? Und wenn ja, warum?

Eckart Maise: Jeder Designer steht natürlich auch für ein bestimmtes Thema, hat eine Haltung und eine Stimme. Die Boroullecs waren gut für die Vitra Home Collection weil sie in Systemen denken, in Kollektionen, und weil sie einen sehr poetischen Ausdruck haben. Sie schaffen es, technische Lösungen mit einem poetischen Ausdruck zu verbinden, was sehr wichtig ist im Wohnen. Man will im Wohnen ja kein Produkt das nur funktional ist, da es nie eine rein rationale Entscheidung ist. Emotionen spielen hier eine große Rolle.
Und was Hella Jongerius angeht: Sie verkörpert das Dekorative und Haptische der Materialien und Farben. Außerdem steht sie für die Rückkehr zur Handarbeit, was auch eine wichtige Rolle im Wohnen  spielt.
Aber natürlich beschränkt sich das nicht auf die Bouroullcs und Jongerius. Auch Jasper Morrison und Antonio Citterio spielen eine große Rolle. Und wir haben die Design Classics. Es ergibt sich am Ende immer eine Collage.

Grand Repos and Panchina by Antonio Citterio for Vitra

Grand Repos und Panchina von Antonio Citterio für Vitra

(smow): Sie haben vorhin über Soft Seating gesprochen. In dem Bereich ist Vitra momentan gut vertreten. Können Sie sagen, wohin sich die Vitra Home Collection in nächster Zeit entwickeln wird?
Eckart Maise: Wir werden in den gleichen Bereichen wie bisher weiter machen, aber auch kleinere Objekte und Accessoires wie L’oiseau von den Bouroullecs aufnehmen oder im Essbereich erweitern. Aber unser Ziel ist es nicht, in die – wie wir auf deutsch so schön sagen – “Kastenmöbel” zu gehen, also Schränke und Sideboards zu produzieren. In dem Bereich gibt es andere Hersteller, die besser ausgestattet sind. Wir haben unsere Erfahrung und Kompetenz in den Sitzmöbeln. In Mailand haben wir zum Beispiel einen Liegelounger von Antonio Citterio bei dem er seine Erfahrungen aus dem Bürostühlsegment in die Entwicklung eines Lounge Chairs mit Synchrontechnologie einfließen lassen konnte. Durch die Neigung des Rückens und die Bewegung des Sitzes kann man in jeder Position gleich bequem sitzen. Der Stil ist sehr dezent und der Mechanismus nicht sichtbar, es ist alles in den Beinen und unter dem Sitz versteckt. In diesen Bereichen liegt einfach unsere Stärke.

(smow): Als letzte Frage: Ist Vitras Mailand Kollektion 2011 ein guter Jahrgang? Sind Sie als Chief Design Officer von Vitra zuversichtlich dass sie gut angenommen wird?
Eckart Maise: Es ist ein gutes Jahr für uns, nicht zuletzt weil es immer aufregend ist, wenn man neue Kooperationen präsentiert. Das ist immer ein großer Schritt für einen Hersteller. Die Kooperationen bereichern uns, es ist wie ein Familienzuwachs. Oder wie wenn ein Chor größer wird und wir jetzt neue Lieder singen können. Wir sind zuversichtlich, weil wir sehr vielseitige Produkte von sehr unterschiedlichen Designern haben. Im letzten Jahr stand das Suita von Antonio Citterio im Mittelpunkt der Präsentation. Dieses Jahr haben wir Vitras erste Sperrholzsitzschale von Alfredo Häberli; wir haben die HAL-Linie mit Jasper Morrison weiter entwickelt; wir haben den neuen Lounger von Antonio Citterio – unserer Meinung nach endlich eine wirkliche Alternative zum Eames Lounge Chair und mit vergleichbarem Komfort! Der Tip Ton Chair von Barber & Osgerby ist in Bezug auf die Sitzerfahrung eine wirkliche Innovation. Mit dem Waver von Konstantin Grcic haben wir einen Stuhl der wirklich neu und frisch für Vitra ist – eine unkomplizierte, junge Form des Sitzens. Wir sind also gespannt auf die Reaktionen.

Jill by Alfredo Häberli for Vitra

Jill von Alfredo Häberli für Vitra

Tip Ton by Barber Osergby for Vitra

Tip Ton von Barber Osergby für Vitra

Grand Repos and Panchina by Antonio Citterio for Vitra

Grand Repos und Panchina von Antonio Citterio für Vitra

Waver by Konstantin Grcic for Vitra

Waver von Konstantin Grcic für Vitra



Orgatec 2010: Vitra

Thursday, March 3rd, 2011
Vitra @ Orgatec 2010

Vitra @ Orgatec 2010

Vitras Aushängeschild ist natürlich die “Home Collection”. Aber die Büromöbelsparte trägt seit Jahrzehnten ebenso zum Erfolg des Herstellers bei.

Demzufolge befasst sich Vitra tagtäglich mit der Entwicklung von neuen Ansätzen im Bürodesign und versucht vorherzusagen, was die Arbeit im Büro in der Zukunft ausmachen wird.

1991 beauftragte Vitra die Designer Michele de Lucchi, Ettore Sottsass und Andrea Branzi mit der Planung des Office Designs der Zukunft. Wichtiger Bestandteil sollte dabei der Entwurf eines sowohl sozialen als auch produktiven Büroumfelds sein.

Seitdem wurden zahlreiche Variationen des Themas entwickelt. Auf der Orgatec 2008 stellte Vitra beispielsweise das Net’n'Nest Office Design vor. Das Konzept teilte im Grunde ein Großraumbüro in Bereiche für kommunikative Arbeit in Teams (Net’) und Bereiche für konzentriertes, individuelles Arbeiten (‘Nest) und lieferte die Möbel für beide Bereiche.

Auf der Orgatec 2010 war Vitras Schlagwort “Citizen Office 2011″ .

20 Jahre nachdem Branzi, de Lucchi und Sottsass ihre Forschungsergebnisse präsentierten, ist Vitras “Citizen Office 2011″ eine aktuelle Version dieser Arbeit im Kontext moderner Arbeitsmethoden und in vielerlei Hinsicht eine Weiterentwicklung des Net’n'Nest Office.

Leider musste Vitra die ganze Übung mit diesem unsinnigen Marketingvokabular durchziehen, das unser Blut zum Kochen bringt.

Die Marketingchefs haben ihre eigene Sprache. Das ist allgemein bekannt und hinlänglich in Satiren behandelt worden. Unser erstes “Marketing Jargon Bingo” haben wir 1993 gespielt und denken, dass jeder durchschnittliche Vitra-Käufer selbst mindestens eine sinnlose Marketingphrase in den Raum werfen kann.

Aber einer Schreibtischkollektion einen Marketingnamen zu geben und sie dann mit einem Vorort zu vergleichen, hat noch keinen Tisch verkauft.

Wird es auch nie.

Solche Versuche sind reine Zeit- und Geldverschwendung.

Immer.

Alcove Work by Ronan and Erwan Bouroullec @ Orgatec 2010

Alcove Work von Ronan und Erwan Bouroullec @ Orgatec 2010

Zum Glück hat Vitra auf der Orgatec auch das eine oder andere Produkt präsentiert, das von solcher Qualität war, dass es unseren Bluthochdruck wieder etwas senken konnte.

Das ist jetzt vielleicht offensichtlich, aber uns hat das Alcove Work von Ronan und Erwan Bouroullec wirklich beeindruckt. Das Alcove gehört zu unseren Lieblingssofadesigns, aber war für uns nie eine Option fürs Büro. Mit etwas Stauraum und einer Schreiboberfläche haben es die Bouroullecs aber in ein Möbelstück verwandelt, das sich auch für Arbeitsplätze empfiehlt.

Die Communal Cells von den Bouroullecs dagegen ließen uns erst mal zusammenzucken. Wieso sollten Vitra oder die Bouroullecs eine moderne Version der 70er-Jahre-Flughafen-Telefonzellen produzieren wollen?

Wir haben dann aber schnell gemerkt, dass es sich bei den Communal Cells in Wahrheit um ein modulares Konzept handelt, mit dem man seine eigene Innenarchitektur kreieren … und diese auch nach Bedarf umbauen kann.

Mit den Communal Cells können z.B. Besprechungsräume, Areale für Drucker/Kopierer oder Entspannungsecken geschaffen werden – je nachdem was im Büro gerade benötigt wird.

Als wir das Konzept verstanden hatten, waren wir dann auch wirklich beeindruckt.

ID Chair Concept by Antonio Citterio for Vitra - unvieled at Orgatec 2010

ID Chair Konzept von Antonio Citterio für Vitra - vorgestellt auf der Orgatec 2010

Der andere Designer der den Vitra-Stand auf der Orgatec 2010 dominierte war Antonio Citterio. Neben dem Suita Club Sofa/Sessel und dem Unix Chair war Citterios wichtigster Beitrag natürlich das neue ID Chair Konzept.

Der ID Chair wartet mit einem patentierten FlowMotion-System auf und wird wahrscheinlich Vitras Bürmöbelkonzepte der nächsten Jahre dominieren.

Mehr zum ID Chair aber in einem separaten Beitrag.

Außerdem stellte Vitra noch neue Produkte von Naoto Fukasawa und Arik Levy sowie den bereits erwähnten HAL von Jasper Morrison vor.

Die Marketingbeauftragten haben zwar alles versucht, die Sache zu verkomplizieren, aber Vitra baut immernoch einen großen Teil der Officedesign-Konzepte auf einer lockeren Interpretation der Idee der “Collage” von Charles Eames in der häuslichen Inneneinrichtung auf. Das ist kein schlechter Ansatz und nichts wofür man sich schämen muss.

Abwechslung ist nicht nur die Würze des Lebens sondern auch notendig für einen effektiven Arbeitsplatz.

Das “Citizens Office 2011″ wird vielleicht nicht unbedingt unsere Vorstellungen von Büroeinrichtungen ändern, aber viele der individuellen Produkte, die auf der Orgatec 2010 vorgestellt wurden, werden das sicher. Und die Bürodesigns die dann daraus entstehen werden, werden letzten Endes dem nahe kommen, was Vitra im “Citizen Office 2011″ Manifest beschreibt.

(Nur ohne überflüssige Office Forums und Workstation Areas.)

Orgatec 2010: Vitra - Comunal Cells as wardrobe, Alcove Work , ID Chair Concept

Orgatec 2010: Vitra - Comunal Cells als Kleiderschrank, Alcove Work , ID Chair Concept



Orgatec 2010 Interview: Jasper Morrison

Sunday, February 20th, 2011
HAL by Jasper Morrison for Vitra, here with oak legs

HAL von Jasper Morrison für Vitra, hier mit Beinen in Eiche

Eines der vielen von Vitra auf der Orgatec 2010 in Köln vorgestellten Produkte war HAL, der neue Schalenstuhl des britischen Designers Jasper Morrison.

Wir haben mit Jasper Morrison bei einer Tasse Tee über den HAL und Vitra gesprochen – und er hat uns erzählt, wie sein eigenes Büro aussieht.

(smow)blog: Sie präsentieren hier auf der Orgatec Ihre neue Schalenstuhl-Serie HAL. Wie lange hat die Entwicklung gedauert?

Jasper Morrison: Ungefähr drei Jahre. Viel Aufwand wurde in die Form der Schale und ihre Eigenschaften gesteckt. Sie besteht aus einem Stück und ist sehr bequem. Aber bis wir dahin gekommen sind, mussten wir den Stuhl ungefähr 15 mal zeichnen und hatten mindestens 10 Prototypen.

(smow)blog: Was für ein Kunststoff ist das?

Jasper Morrison: Es ist Polypropylen, vollständig recyclefähig – ein großer Schritt vorwärts. Kunststoffschalen haben normalerweise Metalleinsätze, sodass sie nicht geschreddert werden können. Aber der HAL hat Nylon-Einsätze in der Polypropylenschale. Er kann also geschreddert und recycled werden.

(smow)blog: Kam Vitra mit dem Projekt auf Sie zu oder war das Ihre Idee?

Jasper Morrison: Ich glaube ich hatte es vorgeschlagen, aber ich weiß es nicht mehr genau.

(smow)blog: Sie arbeiten jetzt schon ziemlich lange mit Vitra zusammen…

Jasper Morrison: Ja, sehr lange, bestimmt 20 Jahre…

(smow)blog: … Rückblickend betrachtet, würden Sie eines Ihrer Vitra-Projekte gern anders gestalten?

Jasper Morrison: Wahrscheinlich. Ich würde wahrscheinlich im Nachhinein die meisten ändern. Aber ein paar sind auch ok… [grinst]

(smow)blog: Gerade sind wir auf der Orgatec – eine Büromöbelmesse. Wie ist das Büro von Jasper Morrison eingerichtet?

Jasper Morrison: Ich habe eine sehr schöne maßgeschneiderte Version eines Systems, das ich mal für Vitra entworfen habe: ATM. Die Stühle sind ziemlich zusammengewürfelt. Ich mag Bürostühle nicht besonders…

(smow)blog: Sie haben auch nie einen Bürostuhl designt, oder?

Jasper Morrison: Nein, aber vielleicht machen wir eine Office Version des HAL, also einen Atelierstuhl.

The HAL family by Jasper Morrison for Vitra

Die HAL Familie von Jasper Morrison für Vitra



2010 Designermöbel Weltmeisterschaft, Halbfinale: Schweiz-England 1:0

Monday, July 19th, 2010

Im ersten Halbfinale der (smow) Designermöbel-Weltmeisterschaft 2010 trafen nicht nur zwei Generationen sondern auch zwei unterschiedliche Designansätze aufeinander: Fritz Haller, der klassisch ausgebildete Schweizer Linealist und Tom Dixon, der „Lagerhallen-Party-Schweißer turned Doyen englischen Designs“.

Wie gehabt eröffnete Fritz Haller die Begegnung mit seinem allgemein anerkannten USM Haller System. Der internationale Erfolg seines USM Haller Systems beruht größtenteils auf seiner versteckten Flexibilität. Es sieht steif und stabil aus, kann aber in Wirklichkeit schnell verändert werden um verschiedenste Ansprüche zu erfüllen.

Tom Dixon ist allerdings schon etwas zu lange im Geschäft, als dass er sich von Fritz Hallers ersten Vorstößen so leicht beeindrucken lassen würde. Und so kam die erste gefährliche Aktion in der Tat vom früheren Habitat Chefdesigner mit einem großartig ausgeführten Spin Candelabra.

Fritz Haller zeigte sich zwar beeindruckt von der ungewöhnlichen Kombination aus Gewicht und Mobiltät, aber als alter Meister des Metalls konterte er sogleich mit einer wunderbaren Parade aus Hängeregistratureinsatz und Ausziehtüren.

Dixon änderte daraufhin seine Taktik und entwickelte mit Offcut einen raffinierten Holzhocker. Wieder schien Haller in die Knie gezwungen, aber der Altmeister mobilisierte zum Ende der ersten Halbzeit noch einmal alle Kräfte und erzielte den Ausgleich mit einer Glastischplatte.

In der zweiten Halbzeit wechselte England Tom Dixon gegen Jasper Morrison.

Aber alle Hoffnungen, Haller mit diesem Stilwechsel zu überfordern, wurden begraben, als Fritz Haller wieder einmal die Genilaität seines USM Haller Systems demonstrierte und mühelos ein Lowboard L in ein Sideboard M verwandelte.

Ein hart erkämpfter Sieg.

(smow)2010 Übersicht



2010 Designermöbel Weltmeisterschaft: England-Schottland 4:1

Monday, July 12th, 2010

Für Charles Rennie Mackintosh war die (smow) Designermöbel-Weltmeisterschaft 2010 zwar schon vorbei, aber Spiele gegen England haben natürlich immer einen besonderen Reiz.

Tom Dixon kam als Ersatz für Jasper Morrison und erzielte mit der Bronze Copper Shade gleich zu Beginn den Führungstreffer für England. Ein sehr schön heraus gespielter Off Cut Stool folgte unmittelbar danach.

In der zweiten Halbzeit konnte Charles Rennie Mackintosh mit dem Hill House Chair auf 2:1 verkürzen, aber Tom Dixon konterte sofort mit einem schnell ausgeführten Wingback Chair und einer ausgeklügelten Spin Candelabra Kombination.

Am Ende ein verdienter 4:1 Sieg.

Hier geht es zur Tabelle und zu den Ergebnissen der Gruppe C



2010 Designermöbel Weltmeisterschaft: England-Israel 1:1

Thursday, July 1st, 2010

Entgegen aller Gerüchte im Vorfeld des Spiels, stellte England doch Jasper Morrison und nicht Tom Dixon gegen Ron Arad auf.

Viele wären sicher gern Zeuge eines Duells der beiden Meister des “wahren” Industriedesigns geworden, aber die Begegnung Morrison/Arad versprach genauso spannend zu werden.

Unbeeindruckt von Ron Arads Bookworm konzentrierte sich Jasper Morrison auf seine Stühle und ging mit seinem Basel Chair für Vitra in Führung: ein einfacher Zug, der das gewünschte Resultat brachte.

Ron Arad antwortete mit einem Vitra Tom Vac, aber die Aktion kam etwas zu spät. Mit einem schnellen Trattoria Chair für Magis und dem Monopod Chair für Vitra konnte Jasper Morrison den Sack erneut zumachen.

Hier geht es zur Tabelle und zu den Ergebnissen der Gruppe C



Vitra Design Museum: Die Essenz der Dinge. Design und die Kunst der Reduktion

Tuesday, June 29th, 2010
Vitra Design Museum: The Essence of Things. Design and the Art of Reduction

Vitra Design Museum: Die Essenz der Dinge. Design und die Kunst der Reduktion

Das (smow)blog team hat nach dem Pappkarton Möbel Workshop sich den anschließenden Besuch der aktuellen Ausstellung “Die Essenz der Dinge. Design und die Kunst der Reduktion.” im Vitra Design Museum natürlich nicht entgehen lassen.

Da schwingt schon ein wenig Ironie mit, dass die Ausstellung “Die Essenz der Dinge. Design und die Kunst der Reduktion” in einem Gebäude von Frank Gehry stattfindet, besonders wenn Tadao Andos Conference Pavilion nur 10 Meter entfernt liegt.

Und nach einer langen Reise nach Weil am Rhein amüsierte uns dieser Gedanke doch die ganze Zeit.

Die Ausstellung ist in zwölf thematische Bereiche gegliedert, welche sich jeweils einem anderen Aspekt der “Reduktion” widmen. Manchmal direkt sichtbar, manchmal versteckt in der Reduktion der Logistik.

Stephan Schulz: Betonschale

Stephan Schulz: Betonschale

Rund 160 Objekte zeigen die ganze Bandbreite von Michael Thonets Chair No. 14 oder dem Ant Chair von Arne Jacobsen für Fritz Hansen bis hin zu weniger bekannten Objekten – trotzdem genauso interessant – wie z.B. Stephan Schulzs Betonschale oder Marcel Wanders Knotted Chair für Capellini.

Gutes Design muss nicht kompliziert sein, weniger ist mehr, die Form folgt der Funktion – es gibt unzählige legendäre Designtheorien welche die “Reduktion” anpreisen. Trotzdem stellen wir immer wieder fest, dass uns die komplexen und extravaganten Designs für sich gewinnen.

Welches Designblog wird sich Jasper Morrisons Ply-Chair widmen wenn Sie ein Foto von einem Bücherregal haben, was wie zwei Paradisvögel auf Carmen Miranda in der Paarungszeit aussieht?

OK. Wir würdens machen. Aber nicht viele andere.

Für uns bedeutet Reduktion, wenn der Designer das Volumen des Produkts auf das Nötigste reduziert. Sei es durch das Benutzen neuer Materialien, innovativer Verbundstücke oder durch die Reduktion der äußeren Maße.

.03 by Maarten Van Seeveren

.03 von Maarten Van Severen

Ein besonderes Beispiel ist Maarten van Severen’s’ .03 mit eingebautem Federblatt, welches dem Stuhl seine Stabilität und seinen Komfort verleiht ohne sinnloses Gewicht oder Ausmaß hinzuzufügen.

Die Ausstellung “Die Essenz der Dinge. Design und die Kunst der Reduktion.” zeigt auf jeden Fall, dass Reduktion auch andere Prozesse mit einbeziehen kann.

Joe Colombos No 281 Lampe, Wilhelm Wagenfelds Teeservice oder Donald Judds Chair 84 sind alles Beispiele für nötiges Talent und die richtige Motivation.

Wir fanden jedoch, dass die Arbeit von Charles and Ray Eames zu sehr im Vordergrund stand.

Trotzdem ist die Ausstellung “Die Essenz der Dinge. Design und die Kunst der Reduktion.” für alle interessant, die sich für den Unterschied zwischen “Designer”-Möbeln und dem günstigen, generischen Produkten interessieren. “Die Essenz der Dinge. Design und die Kunst der Reduktion.” im Vitra Design Museum läuft bis zum 19. September 2010. Weitere Information unter http://www.design-museum.de



2010 Designermöbel Weltmeisterschaft:England-Japan 4:0

Thursday, June 17th, 2010

Jasper Morrison und Isamu Noguchi trafen zum ersten Mal aufeinander.Die Partie wurde eine sehr einseitige Angelegenheit. Das Ergebnis war zwar verdient, schien aber etwas unfair dem alten Meister des japanischen Designs gegenüber.

Trotz einiger mutiger Vorstöße mit seinem Coffee Table oder den Rocking Stools, gelang es Isamu Noguchi nicht, sich von seinem stereotypen Akari-Lampen-Stil zu befreien. Jasper Morrison hingegen profitiere von Noguchis vermeintlicher Monotypologie und führte nach einigen raffinierten Stuhl- und Geschirr-Kombinationen bereits mit 4:0.

Gegen Ende der Begegnung erhielt Jasper Morrison zu Recht die gelbe Karte für ein paar unschöne Arbeiten für Established & Sons, sein Sieg war allerdings zu keinem Zeitpunkt in Gefahr.

Hier geht es zur Tabelle und zu den Ergebnissen der Gruppe C



(smow)offline: Dieter Rams – Less and More

Thursday, May 20th, 2010
Dieter Rams

Dieter Rams

Vor ein paar Tagen wurden wir vom (smow)Boss gefragt, warum es so scheint, als ob wir wenig arbeiten. Dieter Rams zitierend, antworteten wir mit einem unserer  Lieblingswitze hinsichtlich Design:

“Weniger, aber besser”

“Gutes Design ist ehrlich” antwortete darauf der (smow)Boss mit einer irritierenden Genauigkeit.

“Gutes Design ist unauffällig” murmelten wir vor uns hin, bevor wir aus dem Lager schlichen.

Am kommenden Wochenende wird Dieter Rams´ Retrospektive “Less and More: Das design ethos von Dieter Rams” im Museum für Angewandte Kunst in Frankfurt eröffnet.

Die Retrospektive zeigt 500 Werke aus 5 Jahrzehnten von Dieter Rams und ist somit eine angemessene Hommage an einen Mann, der nicht nur eine der wahren Legenden des Deutschen Designs ist, sondern in vielerlei Hinsicht zu einen der ersten Industriedesigner gezählt werden kann.

Ausgebildet zum Architekten, wurde Dieter Rams als solcher vom deutschen Elektronik-Produzenten Braun angestellt. Relativ schnell wurde Dieter Rams der Design Abteilung zugeordnet: eine Abteilung, die im Wesentlichen nur aus Dieter Rams bestand.

Braun SK 61by Dieter Rams and Hans Gugelot

Braun SK 61von Dieter Rams und Hans Gugelot

Industrie- und Produktdesigner gab es 1955 noch nicht.

In den folgenden vier Jahrzenten half Dieter Rams nicht nur dabei, die Marke Braun zu einem Synonym für exzellentes Design zu machen. Darüber hinaus legte er die Grundsteine für viele der heute vermeintlich innovativen Designs.

Ohne Dieter Rams hätten die Produkte von Apple niemals den Kultstatus erreicht, den sie heute haben.

Braun Ssixtant SM2 by Dieter Rams

Braun Sixtant SM2 von Dieter Rams

Neben der Arbeit für Braun schuf Dieter Rams auch das 606 Universal Regal System für die in London sitzende Firma Vitsoe und lehrte als Professor für Industrie-Design an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg.

Obwohl gelegentlich Stimmen laut werden, die fragen, inwieweit Dieter Rams’ Werke den Veränderungen der Zeit standgehalten haben, gibt es doch eine allgemeine Zustimmung über die Bedeutung seiner Arbeit und seiner Design Philosophie.

Oder, wie Jasper Morrison sagte: “Ich habe lange über die Aussage (Less, but more) nachgedacht und kam zu der Schlussfolgerung, dass dieser Satz wahrer ist, als jede langatmige Diskussion über Design”.

“Less and More: Das design ethos von Dieter Rams” im Museum für Angewandte Kunst in Frankfurt läuft bis 5. September.

Ausführliche Infos befinden sich auf: www.angewandtekunst-frankfurt.de

606 Universal Shelving System by Dieter Rams for Vitsoe

606 Universal Regal System von Dieter Rams für Vitsoe



Jasper Morrison “Jugs, Jars and Pitcher” Ausstellung in Stockholm

Thursday, January 21st, 2010

Wir müssen David Report danken, dass er unsere Aufmerksamkeit auf die kommende Jasper Morrison Ausstellung in Stockholm gelenkt hat.

Organisiert vom Hallwyl Museum in Zusammenarbeit mit Forum, (dem Magazin für skandinavische Architektur, Interior und Design), zeigt die Ausstellung Krüge und Kannen von Morrison.

Das klingt vielleicht nicht nach der allerspannendsten Ausstellung, aber wie die “Take a seat!” Ausstellung im Museum Les Arts dédoratifs in Paris bietet diese Ausstellung Besuchern die Möglichkeit ein wenig mehr über Morrisons Empfinden für Design, Ästhetik und das Zusammenspiel von Form und Funktion. Und ganz nebenbei lernt man die ein oder andere Design-Arbeit von Morrison zu schätzen.

Morrison selbst sagt: “Jugs, Jars & Pitchers ist eine Ausstellung über das alte Thema Behälter und Kannen, die vielerlei Beispiele von Glaswaren, Keramik, Plastik und Edelstahl zeigt. Die Intension ist es, wahre und altehrwürdige Aspekte aus unserem täglichen Leben zu erkunden.”

Für diejenigen, die sich in oder nahe Stockholm aufhalten: die Ausstellung ist vom 11. bis 28. Februar geöffnet.

Wir schaffen es hoffentlich, ein paar Bilder und Eindrücke von der Ausstellung zu übermitteln.

Ja, wir waren noch nicht einmal in Köln und planen schon für die Möbel-Messe in Stockholm – wir sind furchtbar!

Jasper Morrison Jusg Jars and Pitchers Stockholm

Jasper Morrison "Jugs, Jars and Pitcher" Ausstellung in Stockholm