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Mailand 2013: Mattiazzi

Tuesday, April 16th, 2013

Eines der Highlights der Saloni Milano 2013 war der italienische Hersteller Mattiazzi. Und zwar nicht nur, weil sie aus Jasper Morrison den Stuhl Fionda herausgekitzelt haben, der – unserer Meinung nach – einer seiner besseren und auf jeden Fall interessantesten der letzten Jahre ist.

Milan Design Week 2013 Mattiazzi

Möbelmesse Mailand 2013: Mattiazzi

1978 gegründet, ist Mattiazzi, wenn wir das richtig verstanden haben, im Wesentlichen ein Netzwerk für holzverarbeitende Dienstleistungen in Udine. 30 Jahre lang war das Unternehmen als Lieferant von Holz für andere Möbelhersteller tätig, bis es sich 2008 entschied, in seine eigene Marke zu investieren. Die Investition war offensichtlich sehr groß, oder besser gesagt, sehr sehr groß. Aber es hat sich gelohnt.

Mattiazzi erreichte 2011 mit der Osso Kollektion von Ronan und Erwan Bouroullec erstmals ein internationales Publikum. Das positive Echo auf Osso ist nicht nur der Verbindung mit der Marke Bouroullec zu verdanken, sondern ist ganz einfach auch Ergebnis eines ziemlich guten Stücks Arbeit. Als Projekt erlaubte Osso Ronan und Erwan Bouroullec eine neue Dimension ihrer Arbeit zu entwickeln – eine Herausforderung, die sie angingen und die im Ergebnis ein beeindruckendes Maß an technischer Raffinesse und ästhetischer Klarheit demonstriert.

Seit der Lancierung von Osso 2011 wuchs das Portfolio von Mattiazzi stetig und in Mailand präsentierte das Unternehmen die jüngsten Ergebnisse von Zusammenarbeiten mit Sam Hecht, Konstantin Grcic und Jasper Morrison mit dem bereits erwähnten Fionda.

Letztlich ein Holzrahmen mit einer austauschbaren Schlinge aus Stoff, ist es ziemlich schwer Fionda als Stuhl zu bezeichnen, zumindest als Stuhl im klassischen Sinne. Augenscheinlich von einem Camping-Klappstuhl beeinflusst, den Morrison in Japan kaufte, macht Fionda nichts großartig anderes als “richtige” Campingstühle oder Designklassiker wie der tausendfach kopierte Butterfly/Hardoy Chair. Fionda präsentiert das Konzept jedoch mit einer selten gesehenen Leichtigkeit und gefestigter Ruhe. Und, wie wir finden, mit einer Lebendigkeit, die wir in vielen von Morrisons letzten Arbeiten vermisst haben. Daneben können die Rahmen, wenn man die Segeltuch-Schlinge abnimmt, gestapelt werden, was Fionda zum unkomplizierten Outdoor-Sitz für Cafés, Eisdielen usw. macht.

Milan Design Week 2013 Mattiazzi Fionda Jasper Morrison

Möbelmesse Mailand 2013: Fionda von Jasper Morrison für Mattiazzi

Gleichermaßen beeindruckend finden wir Medici von Konstantin Grcic. Ursprünglich 2012 in Mailand präsentiert, ist Medici ein Lounge Chair, der alles von Konstantin Grcics Vorstellungen von einer reduzierten, unaufdringlichen Formensprache aufnimmt, beim Schopfe packt und aus dem Fenster wirft.

Ja, Medici ist eine sehr simple Holzkonstruktion, eine sehr simple Holzkonstruktion, die in vielerlei Hinsicht an den Rot-Blau-Stuhl von Gerrit Rietveld erinnert. Aber es ist kein Objekt, dem man Samstagnacht in einer dunklen Gasse begegnen möchte.

Genau wie Waver für Vitra, ist Medici nichts, was wir von Grcic kennen. Und während die Motivation beim Waver größtenteils darin bestand, die Vitra Outdoor Kollektion mit einer Formensprache weit weg von den Eames dominierten Interiordesigns zu definieren, fand Grcic bei Mattiazzi ein unbeschriebenes Blatt vor. Was bedeutet, dass das Design tiefer herrührt. Und tatsächlich spürt man, wenn man seine Kommentare zu Medici liest, eine tiefe persönliche Freude, die er bei der Entwicklung des Projekts hatte.

Milan Design Week 2013 Mattiazzi Medici Konstantin Grcic

Möbelmesse Mailand 2013 Medici von Konstantin Grcic für Mattiazzi

Was uns schließlich an Mattiazzi so gut gefällt, ist die unangestrengte Einfachheit ihrer Möbel.

Man kann sich zurzeit nicht durch den europäischen Möbelmarkt bewegen, ohne auf einen Hersteller mit einem neuen Holzstuhl zu stoßen. Viele davon sehr ähnlich. Sehr typisch. Sehr langweilig. Und sehr “skandinavisch”. Diese Entwicklungen in der Möbelindustrie spiegeln die der Fernsehkrimis sehr schön wieder, wo es auch nur noch selten ohne mürrischen skandinavischen Ermittler in einem skurrilen Wollpulli geht. Und tatsächlich hat ein junger Designer, mit dem wir in Mailand gesprochen haben, sogar ziemlich offen zugegeben, dass seine aktuellen Arbeiten größtenteils auf eben diesen Markt ausgerichtet sind. Und man kann es ihnen nicht mal vorwerfen.

Was für uns jedoch Mattiazzi davon abhebt, ist, dass sie sich offensichtlich nicht nur um die optische Erscheinung, sondern auch um die Funktion, den Ursprung, das Handwerk und die Ausstrahlung der Stücke kümmern. Ältere Leser werden so etwas mit dem Konzept des “Charakters” assoziieren, einem anarchischen Begriff, der so überholt ist, dass der Duden überlegt, ihn aus der nächsten Auflage rauszunehmen. Mattiazzi haben offenbar noch eine alte Auflage zuhause.

Es wird interessant zu beobachten sein, wie sich Mattiazzi in den nächsten Jahren entwickelt. Ob sich die Investitionen gelohnt haben. So toll und interessant die aktuelle Kollektion auch ist, garantiert sie nicht unbedingt eine langfristige finanzielle Absicherung. Dass sie sich Herman Miller als ihren nordamerikanischen Vertriebspartner gesichert haben, ist schonmal nicht schlecht. Ähnlich wie Aram in Großbritannien. Aber auch das ist keine Garantie für nachhaltigen Erfolg. Der kommt von einem Produktportfolio, das über verschiedene Märkte hinweg erfolgreich ist und neue Käufer erreichen kann. Und das braucht vor allem Zeit.

Wir halten auf jeden Fall ein Auge darauf und werden euch auf dem Laufenden halten.

Milan Design Week 2013 Mattiazzi Collection

Möbelmesse Mailand 2013: Die Mattiazzi Kollektion

Milan Design Week 2013 The Mattiazzi Collection

Möbelmesse Mailand 2013: Die Mattiazzi Kollektion



V&A Museum London: British Design 1948-2012. Innovation in the Modern Age

Monday, May 7th, 2012

Ende März hat das V&A Museum London die Ausstellung “British Design 1948-2012. Innovation in the Modern Age” und damit die Hauptsommerausstellung sowie den tragenden Pfeiler ihrer Huldigung aller britischen Dinge im Jahre 2012 eröffnet.

Die Geschichte des Designs in Großbritannien seit der letzten Londoner Olympiade dokumentierend, beginnt “British Design 1948-2012″ in einer Zeit, in der sich die Briten vom Trauma des Zweiten Weltkrieges erholt und begriffen haben, dass in den Trümmern des Krieges die Chance liegt, die Gesellschaft und Wirtschaft neu zu ordnen und den Grundstein für eine schöne neue Zukunft zu legen. Und geht man durch die Ausstellungsräume von “British Design 1948-2012″ kann man kaum mehr leugnen, dass es tatsächlich dieser Prozess der Erneuerung war, der die Basis für die Geschichte modernen britischen Designs bildete.

Durch soziale Umstrukturierung, Massenimmigration, Jugendarbeitslosigkeit usw. bildeten sich die ersten Subkulturen unter Jugendlichen heraus und, wie die Ausstellung deutlich macht, ist insbesondere diese vielfältige Jugendkultur es, die die Geschichte vom britischen Design seit dem Krieg maßgeblich mitbestimmt hat.

Wir sagen nicht, dass alle britischen Designepochen ihren Ursprung in der Jugendkultur haben. Wir sagen auch nicht, dass Großbritanniens besten Designer überhaupt von der Jugend auf der Insel beeinflusst worden waren. Jasper Morrison, zum Beispiel, wurde zu dem Designer, der er heute ist, weil er die Memphis Gruppenausstellung in Mailand besucht hat und Zeit in Berlin mit Andreas Brandolini, Axel Kufus und anderen Mitgliedern der “Neues deutsches Design”-Bewegung verbrachte. Was jedoch nicht abzustreiten ist, ist dass es einen Einfluss der Jugendkultur auf die Geschichte des britischen Designs gab und dass dieser sich bis zum heutigen Tag auswirkt.
Nun…, so ganz richtig ist das nicht. Irgendwo in den späten 1990ern verliert sich der Faden, aber darauf kommen wir noch….

 

V&A Museum London British Design 1948-2012 Innovation in the Modern Age london john piper the englishmans home

Ein Teil von "The Englishman's Home" von John Piper bei "British Design 1948-2012. Innovation in the Modern Age" @ the V&A Museum London

Nimmt man eine sehr weite Definition von “Design” und zieht so viel wie möglich aus den Unterkategorien heraus, erinnert “British Design 1948 -2012″ an die Charakteristik einer Flunder: viel breiter als tief. Was nicht heißen soll, dass diese Tatsache die Ausstellung oder das Erlebnis für die Besucher schmälern würde…

In einem Interview, das wir hoffentlich bald posten können, erzählt uns der Direktor eines führenden europäischen Designmuseums, dass die Rolle eines Museums tatsächlich die ist, die Sammlung zu nutzen, um Geschichten zu erzählen und man müsse sich nur entscheiden, welche. Das V&A hat sich entschieden, sich in die Tiefen ihrer britischen Sammlung zu stürzen, um britisches Nachkriegsdesign in seinen sozialen, kulturellen und historischen Kontext zu setzen. Eine ziemlich gelungene Geschichte, wie wir finden.

Vom Brutalismus der 1950er über die Swinging Sixties bis hin zum Punk der 70er, Rave der 80er und Cool Britannia der 90er sowie allem dazwischen zeigt die Ausstellung über 350 Exponate, die die Entwicklung des Designs im Vereinigten Königreich ausgezeichnet erklären.

Und schließlich stellt die Ausstellung die Frage der Fragen: Der Olympiade 1948 folgte das Fesitival of Britain, was den Anstoß für den britischen Nachkriegsaufschwung gab… Was werden also die Spiele von 2012 bewirken? – Es ist eben eine große Sache mit den Erwartungen auf den britischen Inseln und den Spekulationen, ob die Olympischen Spiele 2012 auch ein schönes neues Zeitalter einläuten werden. Auch wenn natürlich kaum jemand wirklich daran glaubt…

Alle in der Ausstellung gezeigten Exponate früherer Jahrzehnte wurden in Großbritannien produziert. Wir vermuten, das ist hauptächlich der Alternativlosigkeit geschuldet. Heutzutage kann im Ausland produziert werden. Und die Designs führender zeitgenössischer Designer werden das auch. Barber Osgerby arbeitet derzeit mit Vitra, Magis, ClassiCon und flos zusammen; Benjamin Hubert mit De Vorm, De La Espada und &Tradition; Doshi Levien mit Moroso, Cappellini und Richard Lampert.

Wir wollen das überhaupt nicht verurteilen. Das ist ja nichts schlechtes. Vor allem ist es aber eine Situation, die sich – wenn wir mal ehrlich sind – nicht ändern lassen wird. Nur bedeutet es eben auch, dass – egal, wie erfolgreich britische Designer sein werden – ihr Beitrag zu Großbritanniens Bruttoinlandsprodukt unerheblich sein wird.

Auffallend bei der Ausstellung ist außerdem, wie das Wesen des britischen Designs gezeichnet wird. Die Exponate können vorwiegend als ikonische, stylische und attraktive Objekte charakterisiert werden. Großbritanniens “zeitgenössische Designtradition” besitzt also anscheinend keinerlei Werke, die man als wirklich innvovativ bezeichnen könnte oder die so etwas wie eine globale Bewegung losgetreten haben.

“Aber was ist mit der Concorde?”, hören wir es da gleich aus der ersten Reihe rufen. “Die entstand  in Zusammenarbeit mit Franzosen und ist zwar ohne Frage ein Symbol für luxuriöse Flugreisen, aber was hat die Concorde zur modernen Luftfahrt beigetragen?”, antworten wir da.

Und ja, Jonathan Ive wurde für seine Leistungen im Design sogar zum Ritter geschlagen. So ein MacBook sieht ja auch wirklich sehr gut aus, aber für die Funktion eines Apple Produkts ist sein Entwurf nicht ausschlaggebend. Er sorgt (nur) dafür, dass die Geräte gut aussehen. Oder anders ausgrdrückt: Ive designt in feinster britischer Designmanier kultige, stylische Objekte.

Wie wir schon oft festgestellt haben, haben in den Jahren nach dem Krieg die ansteigenden verfügbaren Einkommen und die soziale Sicherheit einen Markt für Konsumgüter der Sorte Mary Quant oder Terence Conran geschaffen. Und die britische Jugend mit ihrer unbeugsamen Fähigkeit, die harte soziale Realität in kreative Energie umzuwandeln, lieferte dafür die musikalische Kulisse. British Design avancierte zu einem Teil des British Styles und rief in der ganzen Welt Neid hervor.

Aber wie wir bereits sagten, verlor man irgendwann Mitte der 1990er den Anschluss an die Jugendkultur. Doch während wir das normalerweise gerne Damien Hirst und seinen Kumpels von den Young British Artrists in die Schuhe schieben, müssen wir die Schuld dieses Mal leider an anderer Stelle suchen.

Das Problem ist das Internet – versteht man es als ein Medium, in dem wegen seiner rasanten Prozesse Jugendkulturen schon wieder abgeschrieben sind, bevor sie überhaupt die Möglichkeit hatten, sich zu entwickeln und Fuß zu fassen. Das steigende Tempo unserer digitalen Welt bedeutet, dass eine Massenbewegung wie die Ravekultur – die unserer Meinung nach die letzte wirklich große Jugendkultur war und die es noch vermochte Designer, wie Tom Dixon, ins Rampenlicht zu katapultieren – wahrscheinlich nie wieder möglich sein wird. Und ohne die Jugendsubkultur….

Aber zumindest in der Ausstellung hält man an den bewährten Strategien fest. Das “British Design 1948-2012″-Ausstellungsdesign wurde nämlich von Ben Kelly entworfen, der auch  Malcolm McLaren & Vivienne Westwoods Kings Road Boutique sowie das Interieur von Hacienda entwarf. Wir können uns kein besseres Beispiel für die Bedeutung von Jugendsubkulturen als führende Kräfte im British Design vorstellen.

V&A Museum London British Design 1948-2012 Innovation in the Modern Age FAC 51 Hacienda Ben Kelly

Teil vom Hacienda Interieur, entworfen von Ben Kelly. Gezeigt bei British Design 1948-2012. Innovation in the Modern Age. Ausstellungsdesign von .... Ben Kelly.

Wir sagen nicht, die Situation ist hoffnungslos. Britische Designer werden zweifelsfrei weiter nachgefragt werden, aber ihre Karrieren werden zunehmend von ausländischen Herstellern abhängig sein und die Entscheidungen über die Aufträge dieser Hersteller wiederum werden von globalen Marketing- und Verkaufsstrategien abhängen – anders als etwa die Graswurzelbewegung, die das Ansehen des British Designs einst begründet hat. So wie das “British” wird demzufolge auch das “British Design” immer schwieriger zu definieren sein. Aber das ist eine Frage des Nationalstolzes – und nicht einer Designtheorie.

Schließlich kann “British Design 1948-2012. Innovation in the Modern Age” entweder als Dokumentation der vergangenen 60 Jahre britischer Designgeschichte kombiniert mit einem Versuch, British Design in einem globalen Kontext zu verorten, gesehen werden – wie es sich die Kuratoren gewünscht haben – oder man betrachtet die Ausstellung als erste große Retrospektive des goldenen Zeitalters im British Design.

So oder so ist es eine wichtige Ausstellung und definitiv sehenswert.

“British Design 1948-2012. Innovation in the Modern Age” ist bis zum 12. August 2012 im V&A Museum London zu sehen.

V&A Museum London British Design 1948-2012 Innovation in the Modern Age concorde

Bereit, um dem Sonnenuntergang entgegen zu fliegen? Ein maßstabsgetreues Modell der Concorde bei British Design 1948-2012. Innovation in the Modern Age

 



Mailänder Möbelmesse 2011: Interview mit Eckart Maise, Vitra Chief Design Officer

Wednesday, April 13th, 2011

Vitra präsentiert auf der diesjährigen Möbelmesse in Mailand eine Reihe neuer Produkte von Designern wie Konstantin Grcic, Antonio Citterio und Barber & Osgerby. Vor der offiziellen Eröffnung haben wir Vitras Chief Design Officer Eckart Maise getroffen um mit ihm über die neuen Produkte und die Vitra Home Collection im Allgemeinen zu sprechen.

Jill by Alfredo Häberli for Vitra

Jill von Alfredo Häberli für Vitra

(smow): Herr Maise, bevor wir über die neuen Produkte reden und vielleicht als hilfreiche Einführung: Wie entwickelt eine Firma wie Vitra eine Kollektion? Gehen Sie zu den Designern und sagen “Es gibt da eine Lücke in unserer Kollektion, können Sie die füllen?” Oder wie entstehen neue Projekte bei Vitra?
Eckart Maise: Im Grunde entsteht alles über die langjährige Zusammenarbeit mit den Designern. Mit Antonio Citterio arbeiten wir beispielsweise schon seit 25 Jahren zusammen, mit den Bouroullecs mittlerweile auch schon 12 oder 13 Jahre. Es gibt natürlich Phasen in denen mehr passiert und Phasen in denen weniger passiert, aber im Prinzip ist es eine dauerhafte Kooperation und wir stehen in ständigem Kontakt. Viele Projekte entstehen aus einem relativ klaren Briefing z.B. von Rolf Fehlbaum und mir, dass diese oder jene Sache sinnvoll wäre. Es gibt natürlich eine Portfolio-Strategie und ein Produktmanagement. Dann wird überlegt in welcher Priorität welches Thema gelöst werden soll – also z.B. eine neue Sofa-Familie oder ein Lounge Chair – und wer der passende Designer sein könnte bzw. welcher Designer auch Zeit hat. Manchmal wird auch mit verschiedenen Designern über das gleiche Projekt gesprochen und dann schauen wir wer wie reagiert und wo sich was entwickelt. Die Designer, die wir auch Autoren nennen, haben ja ihre eigene Agenda, ihre eigene Mission. Also müssen wir Projekte finden, in denen es eine Überschneidung der Interessen gibt, denn das ist die beste Voraussetzung für eine erfolgreiche Zuammenarbeit. Es passiert so gut wie nie dass ein Designer zu uns kommt und sagt “Hier habe ich ein fertiges Produkt. Wollt Ihr das?”. Es ist eigentlich immer eine gemeinsame Entwicklung, eine Kooperation.

(smow): In diesem Jahr werden in Mailand ja viele Produkte von “neuen” Vitra-Designern präsentiert. Sind die auch das Ergebnis solcher langfristigen Kontakte?
Eckart Maise: Genau. Mit Barber & Osgerby sind wir bereits seit sechs Jahren im Gespräch und haben immer mal wieder Dinge diskutiert, die es aber nie über die Anfangsphase hinaus geschafft haben. Das liegt nicht daran, dass sie heute bessere Designer sind als vor sechs Jahren, sondern es kam einfach nicht zu dieser Überlappung von Interessen. Mit dem Tip Ton Chair war das anders. Auch mit Alfredo Häberli stehen wir seit Jahren in Kontakt. Wir haben bereits gemeinsam an einem Projekt gearbeitet das schon relativ weit entwickelt war aber nie wirklich Klick gemacht hat und demzufolge eingestellt wurde. Sowohl Vitra als auch die Designer sind immer bereit – auch in der späten Phase eines Projekts – das Projekt abzubrechen, wenn sich etwas nicht richtig anfühlt oder die Ziele nicht erreicht wurden. Solche Produkte erblicken dann natürlich nie das Licht der Öffentlichkeit, aber das passiert eben. Mit Konstantin Grcic haben wir vor vier Jahren ein Versuchsprojekt gemacht mit der Vitra Edition und sind seitdem mit ihm im Gespräch. Es sind auch noch weitere Kooperationen mit Konstantin Grcic in Arbeit.

Tip Ton by Barber Osergby for Vitra

Tip Ton von Barber & Osergby für Vitra

(smow): Was uns gleich zur nächsten Frage bringt… Nach allem was wir von VItra wissen, können wir uns nicht vorstellen, dass Sie in neue Projekte gehen würden ohne eine langfristige Kooperation im Hinterkopf zu haben.

Eckart Maise: Ja, da stecken überall auch andere Projekte dahinter. Es entwickelt sich aber unterschiedlich, manchmal bleibt es auch bei nur einem Projekt. Aber unser Ziel ist immer die langfristige Zusammenarbeit, wenn wir in ein Gemeinschaftsprojekt starten.

(smow): Ein guter Punkt um auf Hella Jongerius und die Bouroullecs zu sprechen zu kommen. Unser Eindruck ist, dass sie bisher die zentrale Rolle in der Entwicklung der Vitra Home Collection gespielt haben. Ist dem so? Und wenn ja, warum?

Eckart Maise: Jeder Designer steht natürlich auch für ein bestimmtes Thema, hat eine Haltung und eine Stimme. Die Boroullecs waren gut für die Vitra Home Collection weil sie in Systemen denken, in Kollektionen, und weil sie einen sehr poetischen Ausdruck haben. Sie schaffen es, technische Lösungen mit einem poetischen Ausdruck zu verbinden, was sehr wichtig ist im Wohnen. Man will im Wohnen ja kein Produkt das nur funktional ist, da es nie eine rein rationale Entscheidung ist. Emotionen spielen hier eine große Rolle.
Und was Hella Jongerius angeht: Sie verkörpert das Dekorative und Haptische der Materialien und Farben. Außerdem steht sie für die Rückkehr zur Handarbeit, was auch eine wichtige Rolle im Wohnen  spielt.
Aber natürlich beschränkt sich das nicht auf die Bouroullcs und Jongerius. Auch Jasper Morrison und Antonio Citterio spielen eine große Rolle. Und wir haben die Design Classics. Es ergibt sich am Ende immer eine Collage.

Grand Repos and Panchina by Antonio Citterio for Vitra

Grand Repos und Panchina von Antonio Citterio für Vitra

(smow): Sie haben vorhin über Soft Seating gesprochen. In dem Bereich ist Vitra momentan gut vertreten. Können Sie sagen, wohin sich die Vitra Home Collection in nächster Zeit entwickeln wird?
Eckart Maise: Wir werden in den gleichen Bereichen wie bisher weiter machen, aber auch kleinere Objekte und Accessoires wie L’oiseau von den Bouroullecs aufnehmen oder im Essbereich erweitern. Aber unser Ziel ist es nicht, in die – wie wir auf deutsch so schön sagen – “Kastenmöbel” zu gehen, also Schränke und Sideboards zu produzieren. In dem Bereich gibt es andere Hersteller, die besser ausgestattet sind. Wir haben unsere Erfahrung und Kompetenz in den Sitzmöbeln. In Mailand haben wir zum Beispiel einen Liegelounger von Antonio Citterio bei dem er seine Erfahrungen aus dem Bürostühlsegment in die Entwicklung eines Lounge Chairs mit Synchrontechnologie einfließen lassen konnte. Durch die Neigung des Rückens und die Bewegung des Sitzes kann man in jeder Position gleich bequem sitzen. Der Stil ist sehr dezent und der Mechanismus nicht sichtbar, es ist alles in den Beinen und unter dem Sitz versteckt. In diesen Bereichen liegt einfach unsere Stärke.

(smow): Als letzte Frage: Ist Vitras Mailand Kollektion 2011 ein guter Jahrgang? Sind Sie als Chief Design Officer von Vitra zuversichtlich dass sie gut angenommen wird?
Eckart Maise: Es ist ein gutes Jahr für uns, nicht zuletzt weil es immer aufregend ist, wenn man neue Kooperationen präsentiert. Das ist immer ein großer Schritt für einen Hersteller. Die Kooperationen bereichern uns, es ist wie ein Familienzuwachs. Oder wie wenn ein Chor größer wird und wir jetzt neue Lieder singen können. Wir sind zuversichtlich, weil wir sehr vielseitige Produkte von sehr unterschiedlichen Designern haben. Im letzten Jahr stand das Suita von Antonio Citterio im Mittelpunkt der Präsentation. Dieses Jahr haben wir Vitras erste Sperrholzsitzschale von Alfredo Häberli; wir haben die HAL-Linie mit Jasper Morrison weiter entwickelt; wir haben den neuen Lounger von Antonio Citterio – unserer Meinung nach endlich eine wirkliche Alternative zum Eames Lounge Chair und mit vergleichbarem Komfort! Der Tip Ton Chair von Barber & Osgerby ist in Bezug auf die Sitzerfahrung eine wirkliche Innovation. Mit dem Waver von Konstantin Grcic haben wir einen Stuhl der wirklich neu und frisch für Vitra ist – eine unkomplizierte, junge Form des Sitzens. Wir sind also gespannt auf die Reaktionen.

Jill by Alfredo Häberli for Vitra

Jill von Alfredo Häberli für Vitra

Tip Ton by Barber Osergby for Vitra

Tip Ton von Barber Osergby für Vitra

Grand Repos and Panchina by Antonio Citterio for Vitra

Grand Repos und Panchina von Antonio Citterio für Vitra

Waver by Konstantin Grcic for Vitra

Waver von Konstantin Grcic für Vitra



Orgatec 2010: Vitra

Thursday, March 3rd, 2011
Vitra @ Orgatec 2010

Vitra @ Orgatec 2010

Vitras Aushängeschild ist natürlich die “Home Collection”. Aber die Büromöbelsparte trägt seit Jahrzehnten ebenso zum Erfolg des Herstellers bei.

Demzufolge befasst sich Vitra tagtäglich mit der Entwicklung von neuen Ansätzen im Bürodesign und versucht vorherzusagen, was die Arbeit im Büro in der Zukunft ausmachen wird.

1991 beauftragte Vitra die Designer Michele de Lucchi, Ettore Sottsass und Andrea Branzi mit der Planung des Office Designs der Zukunft. Wichtiger Bestandteil sollte dabei der Entwurf eines sowohl sozialen als auch produktiven Büroumfelds sein.

Seitdem wurden zahlreiche Variationen des Themas entwickelt. Auf der Orgatec 2008 stellte Vitra beispielsweise das Net’n'Nest Office Design vor. Das Konzept teilte im Grunde ein Großraumbüro in Bereiche für kommunikative Arbeit in Teams (Net’) und Bereiche für konzentriertes, individuelles Arbeiten (‘Nest) und lieferte die Möbel für beide Bereiche.

Auf der Orgatec 2010 war Vitras Schlagwort “Citizen Office 2011″ .

20 Jahre nachdem Branzi, de Lucchi und Sottsass ihre Forschungsergebnisse präsentierten, ist Vitras “Citizen Office 2011″ eine aktuelle Version dieser Arbeit im Kontext moderner Arbeitsmethoden und in vielerlei Hinsicht eine Weiterentwicklung des Net’n'Nest Office.

Leider musste Vitra die ganze Übung mit diesem unsinnigen Marketingvokabular durchziehen, das unser Blut zum Kochen bringt.

Die Marketingchefs haben ihre eigene Sprache. Das ist allgemein bekannt und hinlänglich in Satiren behandelt worden. Unser erstes “Marketing Jargon Bingo” haben wir 1993 gespielt und denken, dass jeder durchschnittliche Vitra-Käufer selbst mindestens eine sinnlose Marketingphrase in den Raum werfen kann.

Aber einer Schreibtischkollektion einen Marketingnamen zu geben und sie dann mit einem Vorort zu vergleichen, hat noch keinen Tisch verkauft.

Wird es auch nie.

Solche Versuche sind reine Zeit- und Geldverschwendung.

Immer.

Alcove Work by Ronan and Erwan Bouroullec @ Orgatec 2010

Alcove Work von Ronan und Erwan Bouroullec @ Orgatec 2010

Zum Glück hat Vitra auf der Orgatec auch das eine oder andere Produkt präsentiert, das von solcher Qualität war, dass es unseren Bluthochdruck wieder etwas senken konnte.

Das ist jetzt vielleicht offensichtlich, aber uns hat das Alcove Work von Ronan und Erwan Bouroullec wirklich beeindruckt. Das Alcove gehört zu unseren Lieblingssofadesigns, aber war für uns nie eine Option fürs Büro. Mit etwas Stauraum und einer Schreiboberfläche haben es die Bouroullecs aber in ein Möbelstück verwandelt, das sich auch für Arbeitsplätze empfiehlt.

Die Communal Cells von den Bouroullecs dagegen ließen uns erst mal zusammenzucken. Wieso sollten Vitra oder die Bouroullecs eine moderne Version der 70er-Jahre-Flughafen-Telefonzellen produzieren wollen?

Wir haben dann aber schnell gemerkt, dass es sich bei den Communal Cells in Wahrheit um ein modulares Konzept handelt, mit dem man seine eigene Innenarchitektur kreieren … und diese auch nach Bedarf umbauen kann.

Mit den Communal Cells können z.B. Besprechungsräume, Areale für Drucker/Kopierer oder Entspannungsecken geschaffen werden – je nachdem was im Büro gerade benötigt wird.

Als wir das Konzept verstanden hatten, waren wir dann auch wirklich beeindruckt.

ID Chair Concept by Antonio Citterio for Vitra - unvieled at Orgatec 2010

ID Chair Konzept von Antonio Citterio für Vitra - vorgestellt auf der Orgatec 2010

Der andere Designer der den Vitra-Stand auf der Orgatec 2010 dominierte war Antonio Citterio. Neben dem Suita Club Sofa/Sessel und dem Unix Chair war Citterios wichtigster Beitrag natürlich das neue ID Chair Konzept.

Der ID Chair wartet mit einem patentierten FlowMotion-System auf und wird wahrscheinlich Vitras Bürmöbelkonzepte der nächsten Jahre dominieren.

Mehr zum ID Chair aber in einem separaten Beitrag.

Außerdem stellte Vitra noch neue Produkte von Naoto Fukasawa und Arik Levy sowie den bereits erwähnten HAL von Jasper Morrison vor.

Die Marketingbeauftragten haben zwar alles versucht, die Sache zu verkomplizieren, aber Vitra baut immernoch einen großen Teil der Officedesign-Konzepte auf einer lockeren Interpretation der Idee der “Collage” von Charles Eames in der häuslichen Inneneinrichtung auf. Das ist kein schlechter Ansatz und nichts wofür man sich schämen muss.

Abwechslung ist nicht nur die Würze des Lebens sondern auch notendig für einen effektiven Arbeitsplatz.

Das “Citizens Office 2011″ wird vielleicht nicht unbedingt unsere Vorstellungen von Büroeinrichtungen ändern, aber viele der individuellen Produkte, die auf der Orgatec 2010 vorgestellt wurden, werden das sicher. Und die Bürodesigns die dann daraus entstehen werden, werden letzten Endes dem nahe kommen, was Vitra im “Citizen Office 2011″ Manifest beschreibt.

(Nur ohne überflüssige Office Forums und Workstation Areas.)

Orgatec 2010: Vitra - Comunal Cells as wardrobe, Alcove Work , ID Chair Concept

Orgatec 2010: Vitra - Comunal Cells als Kleiderschrank, Alcove Work , ID Chair Concept



Orgatec 2010 Interview: Jasper Morrison

Sunday, February 20th, 2011
HAL by Jasper Morrison for Vitra, here with oak legs

HAL von Jasper Morrison für Vitra, hier mit Beinen in Eiche

Eines der vielen von Vitra auf der Orgatec 2010 in Köln vorgestellten Produkte war HAL, der neue Schalenstuhl des britischen Designers Jasper Morrison.

Wir haben mit Jasper Morrison bei einer Tasse Tee über den HAL und Vitra gesprochen – und er hat uns erzählt, wie sein eigenes Büro aussieht.

(smow)blog: Sie präsentieren hier auf der Orgatec Ihre neue Schalenstuhl-Serie HAL. Wie lange hat die Entwicklung gedauert?

Jasper Morrison: Ungefähr drei Jahre. Viel Aufwand wurde in die Form der Schale und ihre Eigenschaften gesteckt. Sie besteht aus einem Stück und ist sehr bequem. Aber bis wir dahin gekommen sind, mussten wir den Stuhl ungefähr 15 mal zeichnen und hatten mindestens 10 Prototypen.

(smow)blog: Was für ein Kunststoff ist das?

Jasper Morrison: Es ist Polypropylen, vollständig recyclefähig – ein großer Schritt vorwärts. Kunststoffschalen haben normalerweise Metalleinsätze, sodass sie nicht geschreddert werden können. Aber der HAL hat Nylon-Einsätze in der Polypropylenschale. Er kann also geschreddert und recycled werden.

(smow)blog: Kam Vitra mit dem Projekt auf Sie zu oder war das Ihre Idee?

Jasper Morrison: Ich glaube ich hatte es vorgeschlagen, aber ich weiß es nicht mehr genau.

(smow)blog: Sie arbeiten jetzt schon ziemlich lange mit Vitra zusammen…

Jasper Morrison: Ja, sehr lange, bestimmt 20 Jahre…

(smow)blog: … Rückblickend betrachtet, würden Sie eines Ihrer Vitra-Projekte gern anders gestalten?

Jasper Morrison: Wahrscheinlich. Ich würde wahrscheinlich im Nachhinein die meisten ändern. Aber ein paar sind auch ok… [grinst]

(smow)blog: Gerade sind wir auf der Orgatec – eine Büromöbelmesse. Wie ist das Büro von Jasper Morrison eingerichtet?

Jasper Morrison: Ich habe eine sehr schöne maßgeschneiderte Version eines Systems, das ich mal für Vitra entworfen habe: ATM. Die Stühle sind ziemlich zusammengewürfelt. Ich mag Bürostühle nicht besonders…

(smow)blog: Sie haben auch nie einen Bürostuhl designt, oder?

Jasper Morrison: Nein, aber vielleicht machen wir eine Office Version des HAL, also einen Atelierstuhl.

The HAL family by Jasper Morrison for Vitra

Die HAL Familie von Jasper Morrison für Vitra



2010 Designermöbel Weltmeisterschaft, Halbfinale: Schweiz-England 1:0

Monday, July 19th, 2010

Im ersten Halbfinale der (smow) Designermöbel-Weltmeisterschaft 2010 trafen nicht nur zwei Generationen sondern auch zwei unterschiedliche Designansätze aufeinander: Fritz Haller, der klassisch ausgebildete Schweizer Linealist und Tom Dixon, der „Lagerhallen-Party-Schweißer turned Doyen englischen Designs“.

Wie gehabt eröffnete Fritz Haller die Begegnung mit seinem allgemein anerkannten USM Haller System. Der internationale Erfolg seines USM Haller Systems beruht größtenteils auf seiner versteckten Flexibilität. Es sieht steif und stabil aus, kann aber in Wirklichkeit schnell verändert werden um verschiedenste Ansprüche zu erfüllen.

Tom Dixon ist allerdings schon etwas zu lange im Geschäft, als dass er sich von Fritz Hallers ersten Vorstößen so leicht beeindrucken lassen würde. Und so kam die erste gefährliche Aktion in der Tat vom früheren Habitat Chefdesigner mit einem großartig ausgeführten Spin Candelabra.

Fritz Haller zeigte sich zwar beeindruckt von der ungewöhnlichen Kombination aus Gewicht und Mobiltät, aber als alter Meister des Metalls konterte er sogleich mit einer wunderbaren Parade aus Hängeregistratureinsatz und Ausziehtüren.

Dixon änderte daraufhin seine Taktik und entwickelte mit Offcut einen raffinierten Holzhocker. Wieder schien Haller in die Knie gezwungen, aber der Altmeister mobilisierte zum Ende der ersten Halbzeit noch einmal alle Kräfte und erzielte den Ausgleich mit einer Glastischplatte.

In der zweiten Halbzeit wechselte England Tom Dixon gegen Jasper Morrison.

Aber alle Hoffnungen, Haller mit diesem Stilwechsel zu überfordern, wurden begraben, als Fritz Haller wieder einmal die Genilaität seines USM Haller Systems demonstrierte und mühelos ein Lowboard L in ein Sideboard M verwandelte.

Ein hart erkämpfter Sieg.

(smow)2010 Übersicht



2010 Designermöbel Weltmeisterschaft: England-Schottland 4:1

Monday, July 12th, 2010

Für Charles Rennie Mackintosh war die (smow) Designermöbel-Weltmeisterschaft 2010 zwar schon vorbei, aber Spiele gegen England haben natürlich immer einen besonderen Reiz.

Tom Dixon kam als Ersatz für Jasper Morrison und erzielte mit der Bronze Copper Shade gleich zu Beginn den Führungstreffer für England. Ein sehr schön heraus gespielter Off Cut Stool folgte unmittelbar danach.

In der zweiten Halbzeit konnte Charles Rennie Mackintosh mit dem Hill House Chair auf 2:1 verkürzen, aber Tom Dixon konterte sofort mit einem schnell ausgeführten Wingback Chair und einer ausgeklügelten Spin Candelabra Kombination.

Am Ende ein verdienter 4:1 Sieg.

Hier geht es zur Tabelle und zu den Ergebnissen der Gruppe C



2010 Designermöbel Weltmeisterschaft: England-Israel 1:1

Thursday, July 1st, 2010

Entgegen aller Gerüchte im Vorfeld des Spiels, stellte England doch Jasper Morrison und nicht Tom Dixon gegen Ron Arad auf.

Viele wären sicher gern Zeuge eines Duells der beiden Meister des “wahren” Industriedesigns geworden, aber die Begegnung Morrison/Arad versprach genauso spannend zu werden.

Unbeeindruckt von Ron Arads Bookworm konzentrierte sich Jasper Morrison auf seine Stühle und ging mit seinem Basel Chair für Vitra in Führung: ein einfacher Zug, der das gewünschte Resultat brachte.

Ron Arad antwortete mit einem Vitra Tom Vac, aber die Aktion kam etwas zu spät. Mit einem schnellen Trattoria Chair für Magis und dem Monopod Chair für Vitra konnte Jasper Morrison den Sack erneut zumachen.

Hier geht es zur Tabelle und zu den Ergebnissen der Gruppe C



Vitra Design Museum: Die Essenz der Dinge. Design und die Kunst der Reduktion

Tuesday, June 29th, 2010
Vitra Design Museum: The Essence of Things. Design and the Art of Reduction

Vitra Design Museum: Die Essenz der Dinge. Design und die Kunst der Reduktion

Das (smow)blog-Team hat sich nach dem Pappkarton-Möbel-Workshop den Besuch der aktuellen Ausstellung Die Essenz der Dinge. Design und die Kunst der Reduktion im Vitra Design Museum natürlich nicht entgehen lassen.

Es scheint mehr als nur ein wenig ironisch, dass eine Ausstellung zum Design und der Kunst der Reduktion in einem Gebäude von Frank Gehry stattfindet, wenn Tadao Andos Konferenzpavillon nur 10 Meter entfernt liegt. Und nach der langen Reise nach Weil am Rhein amüsierte uns dieser Gedanke immerhin noch ganze 4 Stunden…

Die Ausstellung ist in zwölf Themenbereiche gegliedert, die sich jeweils einem anderen Aspekt der “Reduktion” widmen. Das können entweder Dinge sein, die der Endnutzer wahrnimmt, wie beispielsweise die Geometrie oder Leichtigkeit, oder solche, die dem Nutzer verborgen bleiben wie zum Beispiel eine reduzierte Logistik.

Stephan Schulz: Betonschale

Stephan Schulz: Betonschale

Rund 160 Objekte zeigen die verschiedenen Themen anhand von Designklassikern wie Michael Thonets Stuhl Nr. 14 oder der Ameise von Arne Jacobsen für Fritz Hansen bis hin zu Stücken, die zwar weniger bekannt, aber genauso interessant sind, wie Stephan Schulz‘ Betonschale oder Marcel Wanders Knotted Chair für Capellini.

Gutes Design muss nicht kompliziert sein, weniger ist mehr, Form folgt Funktion – die Designtheorien, die die “Reduktion” anpreisen, sind so zahlreich wie legendär. Dennoch werden wir auf Designausstellungen immer wieder mit Produkten konfrontiert, die versuchen, uns mit Komplexität und Extravaganz für sich zu gewinnen. Wir sind uns nicht ganz sicher, wieso das so ist, vermuten aber, dass es was mit dem gesättigten Markt und der damit verbundenen wachsenden Rolle zu tun hat, die das Internet dabei spielt, dafür zu sorgen, dass deine – vielleicht völlig überflüssige – Arbeit gesehen wird.

Welcher Designblog würde sich Jasper Morrisons Ply-Chair widmen, wenn sie ein Foto von einem Bücherregal haben, das wie zwei Paradisvögel beim Paarungsritual auf Carmen Miranda aussieht? Ok, wir würden es machen. Aber nicht viele andere.

Für uns bedeutet die Kunst der Reduktion, wenn der Designer das Volumen des Produktes auf das absolute Minimum reduziert – sei es durch die Verwendung neuer Materialien, innovative Verbindung der einzelnen Elemente oder durch die Reduktion der äußeren Abmessungen.

.03 by Maarten Van Seeveren

.03 von Maarten Van Severen

Ein besonderes Beispiel ist Maarten van Severens .03 mit eingebautem Federblatt, das dem Stuhl seine Stabilität und seinen Komfort verleiht, ohne überflüssiges Gewicht oder Größe hinzuzufügen.

Die Ausstellung Die Essenz der Dinge. Design und die Kunst der Reduktion zeigt auf jeden Fall, dass Reduktion auch andere Prozesse mit einbeziehen kann.

Joe Colombos No 281 Lampe, Wilhelm Wagenfelds Teeservice oder Donald Judds Chair 84 sind alles Beispiele dafür, was mit Talent und Motivation alles erreicht werden kann.

Wir fanden jedoch, dass die Arbeit von Charles und Ray Eames zu sehr im Vordergrund stand.

Trotzdem ist die Ausstellung Die Essenz der Dinge. Design und die Kunst der Reduktion für alle interessant, die sich für den Unterschied zwischen “Designer”-Möbeln und den günstigen, generischen Produkten interessieren.

Die Essenz der Dinge. Design und die Kunst der Reduktion im Vitra Design Museum läuft bis zum 19. September 2010. Mehr Infos gibt’s unter http://www.design-museum.de



2010 Designermöbel Weltmeisterschaft:England-Japan 4:0

Thursday, June 17th, 2010

Jasper Morrison und Isamu Noguchi trafen zum ersten Mal aufeinander.Die Partie wurde eine sehr einseitige Angelegenheit. Das Ergebnis war zwar verdient, schien aber etwas unfair dem alten Meister des japanischen Designs gegenüber.

Trotz einiger mutiger Vorstöße mit seinem Coffee Table oder den Rocking Stools, gelang es Isamu Noguchi nicht, sich von seinem stereotypen Akari-Lampen-Stil zu befreien. Jasper Morrison hingegen profitiere von Noguchis vermeintlicher Monotypologie und führte nach einigen raffinierten Stuhl- und Geschirr-Kombinationen bereits mit 4:0.

Gegen Ende der Begegnung erhielt Jasper Morrison zu Recht die gelbe Karte für ein paar unschöne Arbeiten für Established & Sons, sein Sieg war allerdings zu keinem Zeitpunkt in Gefahr.

Hier geht es zur Tabelle und zu den Ergebnissen der Gruppe C