Posts Tagged ‘Hella Jongerius’

Morgen Kinder wird’s was geben… Warum sind wir da nicht selbst drauf gekommen? Geschenkideen zum Selbermachen von Jongerius, Häberli, Moormann u.a.

Thursday, November 15th, 2012

Diejenigen unter euch, die auch lesen, was wir schreiben und nicht nur unsere das Genre neu definierenden Fotografien* angucken, kennen unsere Beschwerden darüber, dass keine Artikel über Design in den seriösen Printmedien gibt.

All zu oft scheint es, als wäre “Design” etwas, was den Blogs vorbehalten ist, die bei der Bebilderung ihrer zuckersüßen Hymnen auf eine kuschelige Wohlfühl-Wohnwelt vor allem auf den Gaußschen Weichzeichner setzen – oder sie schlimmer noch, gleich mit Instagram fotografieren.

Und so ziehen wir den Hut vor dem Süddeutsche Zeitung Magazin für ihren “Der frühe Vogel”-Beitrag. Das Motto dabei ist, der frühe Vogel muss nicht notwendigerweise den Wurm fangen, kann aber durchaus schon Mitte November alle Weihnachtsgeschenke beisammen haben. Aus diesem Grund hat die Redaktion in München acht Designstudios gebeten, ein Objekt vorzustellen, dass die Leser nachbauen bzw. -basteln können.

Das Ergebnis ist weder ein Aufruf zu den Waffen noch der Beginn einer Open-Design-Revolution, aber eine Kollektion eigensinniger Objekte, die nicht nur als Weihnachtsgeschenk taugen, sondern das gesamte Jahr über als stylische Erinnerungen dafür dienen können, dass Design eine Art zu denken ist – und nicht nur ein Job.

Süddeutsche Zeitung Magazine Der frühe Vogel Dave Hakkens

Dave Hakkens - Notice Block

Von den gesichtslosen Wohnaccessoires auf Möbelmessen inspiriert, entwickelte Hella Jongerius eine Familie von Papierkreaturen, die im Gegensatz zu der Wohnlichkeit heuchelnden Messedeko mit Poesie und Leben gefüllt sind. In der Süddeutschen zeigt uns Hella Jongerius, wie man einen “Penguin Prop” baut. Das ist ein putziger kleiner Gefährte, der ganz den Vorlieben entsprechend bemalt und personalisiert werden kann.

Ebenso wie der “Penguin Prop” aus persönlichen Überlegungen heraus entstanden, ist auch der Astleuchter von Nils Holger Moormann. Nils brauchte eine Lampe für den Besprechungsraum in Aschau, als ihm eines Tages die Inspiration im Wald erschien. Wortwörtlich. Wie man es von einem Nils Holger Moormann Produkt erwartet, ist der Astleuchter eine feinsinnige, daktylische Melange von Simplizität und Genialität. Oder anders ausgedrückt: Der Astleuchter ist ein Kronleuchter aus…. einem Ast.

Daneben wird in der Kollektion eine Fahrradtasche von Werner Aisslinger für die Mittelstange gezeigt, die aus dem praktisch unkaputtbaren Material hergestellt ist, das sich schon tausendfach für die sogenannten – Achtung, nicht PC! – “Türkenkoffer” bewehrt hat; Sam Hecht präsentiert uns einen Blumentopf, der seine technische Komplexität hinter einer Fassade künstlicher Banalität versteckt; Dave Hakkens stellt uns seine umweltbewusste Antwort auf die Post-it Zettel vor; Sebastian Herkner zeigt uns ein Regalsystem, basierend auf Besenstielen; das Stockholmer Note Design Studio hat eine Zeitschreiftenablage entworfen, die genauso viel von der Klarheit des Bauhauses wie von der Wärme eines skandinavischen Waldes hat; und last but not least ist da noch Alfredo Häberlis traumhafter Kerzenständer für lange Winterabende.

Süddeutsche Zeitung Magazine Der frühe Vogel Werner Aisslinger

Werner Aisslingers Zeichnung für seine Fahrradtasche

Neben den Stücken selbst, ist das wirklich schöne an der Kollektion zum einen, dass es sich bei der Mehrheit der Objekte um solche handelt, die die Designer zuvor für ihren eigenen Gebrauch designt hatten und nun mit uns teilen, und zum anderen, dass die Baupläne für alle acht Geschenkideen von den Designern selbst gezeichnet oder anderweitig aufbereitet wurden.

Die Pläne gewähren damit einen kleinen Einblick in die Persönlichkeit, die Arbeits- und Denkweise der Designer sowie ihre Art Ideen zu entwickeln. Und so ist der Artikel nicht nur ein praktisch ausgerichteter Designartikel, sondern auch ein wirklich interessantes und unterhaltsames Stück Designjournalismus.

Ein großes Lob dafür an alle, die daran beteiligt waren.

Alle Designs und Baupläne findet man unter sz-magazin.sueddeutsche.de.

Die meisten Baupläne sind auf Englisch, einige auf Deutsch. Aber alle sind ausgezeichnet illustriert und sollten selbsterklärend sein. Und vielleicht das beste daran, alle Objekte könnten auch von Kindern gebaut werden…..

* Die Harry Portman PR Bibel. Kapitel 5, Regel 2. “Wenn man etwas nicht gut kann, nennt man es einfach “die Neudefinition des Genres”. Die meisten Menschen werden das glauben. Besonders Spiegel-Leser…

 



Spring: Excellence, Talent and Inspiration in Design. Premsela @ Designhuis Eindhoven

Wednesday, November 2nd, 2011

Während der Dutch Design Week 2011 hat Premsela, das niederländische Institut für Design und Fashion, eine Ausstellung im  Designhuis Eindhoven eröffnet. Gefeiert werden neben dem zehnjährigen Bestehen der Dutch Design Week 15 niederländische Designer, die ihren Durchbruch in Eindhoven hatten bzw. hier zu ihrem großen Namen kamen.

Anstatt den 15 Designern eine klassische Gruppenausstellung zu widmen, präsentiert sie Kuratorin Miriam van der Lubbe im Kontext  von Designern, die sie begeistert oder inspiriert haben. So wird z.B. Richard Hutton zusammen mit Gerrit Rietveld und Sjoerd Vroonland gezeigt; oder Jürgen Bey und Rianna Makkink mit Nienke Sybrandy und Marijke van der Wijst.

Es ist naheliegend, dass die Ausstellung keine logische Reihenfolge oder Entwicklung in den Designs zeigen kann; auch fürs Ausstellungskonzept aufpolierte Biografien der 15 “Größten” sucht man vergeblich. Vielmehr handelt es sich um eine Sammlung von mehr oder weniger gelungenen Beispielen wie Design liebevoll, aber auch mit einer gewissen Sachlichkeit, präsentiert werden kann – was uns gut gefallen hat.

Bei “Spring: Excellence, Talent and Inspiration” stehen nun mal wieder nicht die Arbeiten im Zentrum, sondern die Designer. Jedoch kann der Ausstellungsrahmen in Eindhoven selbstverständlich kein vollständiges Who is Who des modernen niederländischen Designs liefern. So wird z.B.  Marcel Wanders an keiner Stelle erwähnt – Eindhoven spielte eben keine besondere Rolle für seine Karriere. Das Weglassen von Hella Jongerius stellt sich hingegegen als etwas komplizierter dar. Wir haben aber nicht weiter nachgefragt. Wir finden es unfair einen Kurator jede seiner Entscheidungen rechtfertigen zu lassen, nur weil man sie persönlich als etwas befremdlich empfindet.

Letztendlich können wir “Spring: Excellence, Talent and Inspiration in Design” all jenen, die sich für die Geschichte und Entwicklung des niederländischen Designs in den letzten 20 Jahren interessieren, nur wärmstens ans Herz legen.

Einen kleinen, zwar nicht direkt Beschwerde-, aber Kiritikpunkt, hätten wir jeoch noch: Ach, was. Den heben wir uns für einen anderen Post auf; für einen, der sich mit dem Thema als Ganzes befasst.

Spring: Excellence, Talent and Inspiration in Design im Designhuis Eindhoven läuft noch bis zum 7. Januar 2012.

Mehr Informationn gibt es unter: www.premsela.org

 



Mailänder Möbelmesse 2011: Interview mit Eckart Maise, Vitra Chief Design Officer

Wednesday, April 13th, 2011

Vitra präsentiert auf der diesjährigen Möbelmesse in Mailand eine Reihe neuer Produkte von Designern wie Konstantin Grcic, Antonio Citterio und Barber & Osgerby. Vor der offiziellen Eröffnung haben wir Vitras Chief Design Officer Eckart Maise getroffen um mit ihm über die neuen Produkte und die Vitra Home Collection im Allgemeinen zu sprechen.

Jill by Alfredo Häberli for Vitra

Jill von Alfredo Häberli für Vitra

(smow): Herr Maise, bevor wir über die neuen Produkte reden und vielleicht als hilfreiche Einführung: Wie entwickelt eine Firma wie Vitra eine Kollektion? Gehen Sie zu den Designern und sagen “Es gibt da eine Lücke in unserer Kollektion, können Sie die füllen?” Oder wie entstehen neue Projekte bei Vitra?
Eckart Maise: Im Grunde entsteht alles über die langjährige Zusammenarbeit mit den Designern. Mit Antonio Citterio arbeiten wir beispielsweise schon seit 25 Jahren zusammen, mit den Bouroullecs mittlerweile auch schon 12 oder 13 Jahre. Es gibt natürlich Phasen in denen mehr passiert und Phasen in denen weniger passiert, aber im Prinzip ist es eine dauerhafte Kooperation und wir stehen in ständigem Kontakt. Viele Projekte entstehen aus einem relativ klaren Briefing z.B. von Rolf Fehlbaum und mir, dass diese oder jene Sache sinnvoll wäre. Es gibt natürlich eine Portfolio-Strategie und ein Produktmanagement. Dann wird überlegt in welcher Priorität welches Thema gelöst werden soll – also z.B. eine neue Sofa-Familie oder ein Lounge Chair – und wer der passende Designer sein könnte bzw. welcher Designer auch Zeit hat. Manchmal wird auch mit verschiedenen Designern über das gleiche Projekt gesprochen und dann schauen wir wer wie reagiert und wo sich was entwickelt. Die Designer, die wir auch Autoren nennen, haben ja ihre eigene Agenda, ihre eigene Mission. Also müssen wir Projekte finden, in denen es eine Überschneidung der Interessen gibt, denn das ist die beste Voraussetzung für eine erfolgreiche Zuammenarbeit. Es passiert so gut wie nie dass ein Designer zu uns kommt und sagt “Hier habe ich ein fertiges Produkt. Wollt Ihr das?”. Es ist eigentlich immer eine gemeinsame Entwicklung, eine Kooperation.

(smow): In diesem Jahr werden in Mailand ja viele Produkte von “neuen” Vitra-Designern präsentiert. Sind die auch das Ergebnis solcher langfristigen Kontakte?
Eckart Maise: Genau. Mit Barber & Osgerby sind wir bereits seit sechs Jahren im Gespräch und haben immer mal wieder Dinge diskutiert, die es aber nie über die Anfangsphase hinaus geschafft haben. Das liegt nicht daran, dass sie heute bessere Designer sind als vor sechs Jahren, sondern es kam einfach nicht zu dieser Überlappung von Interessen. Mit dem Tip Ton Chair war das anders. Auch mit Alfredo Häberli stehen wir seit Jahren in Kontakt. Wir haben bereits gemeinsam an einem Projekt gearbeitet das schon relativ weit entwickelt war aber nie wirklich Klick gemacht hat und demzufolge eingestellt wurde. Sowohl Vitra als auch die Designer sind immer bereit – auch in der späten Phase eines Projekts – das Projekt abzubrechen, wenn sich etwas nicht richtig anfühlt oder die Ziele nicht erreicht wurden. Solche Produkte erblicken dann natürlich nie das Licht der Öffentlichkeit, aber das passiert eben. Mit Konstantin Grcic haben wir vor vier Jahren ein Versuchsprojekt gemacht mit der Vitra Edition und sind seitdem mit ihm im Gespräch. Es sind auch noch weitere Kooperationen mit Konstantin Grcic in Arbeit.

Tip Ton by Barber Osergby for Vitra

Tip Ton von Barber & Osergby für Vitra

(smow): Was uns gleich zur nächsten Frage bringt… Nach allem was wir von VItra wissen, können wir uns nicht vorstellen, dass Sie in neue Projekte gehen würden ohne eine langfristige Kooperation im Hinterkopf zu haben.

Eckart Maise: Ja, da stecken überall auch andere Projekte dahinter. Es entwickelt sich aber unterschiedlich, manchmal bleibt es auch bei nur einem Projekt. Aber unser Ziel ist immer die langfristige Zusammenarbeit, wenn wir in ein Gemeinschaftsprojekt starten.

(smow): Ein guter Punkt um auf Hella Jongerius und die Bouroullecs zu sprechen zu kommen. Unser Eindruck ist, dass sie bisher die zentrale Rolle in der Entwicklung der Vitra Home Collection gespielt haben. Ist dem so? Und wenn ja, warum?

Eckart Maise: Jeder Designer steht natürlich auch für ein bestimmtes Thema, hat eine Haltung und eine Stimme. Die Boroullecs waren gut für die Vitra Home Collection weil sie in Systemen denken, in Kollektionen, und weil sie einen sehr poetischen Ausdruck haben. Sie schaffen es, technische Lösungen mit einem poetischen Ausdruck zu verbinden, was sehr wichtig ist im Wohnen. Man will im Wohnen ja kein Produkt das nur funktional ist, da es nie eine rein rationale Entscheidung ist. Emotionen spielen hier eine große Rolle.
Und was Hella Jongerius angeht: Sie verkörpert das Dekorative und Haptische der Materialien und Farben. Außerdem steht sie für die Rückkehr zur Handarbeit, was auch eine wichtige Rolle im Wohnen  spielt.
Aber natürlich beschränkt sich das nicht auf die Bouroullcs und Jongerius. Auch Jasper Morrison und Antonio Citterio spielen eine große Rolle. Und wir haben die Design Classics. Es ergibt sich am Ende immer eine Collage.

Grand Repos and Panchina by Antonio Citterio for Vitra

Grand Repos und Panchina von Antonio Citterio für Vitra

(smow): Sie haben vorhin über Soft Seating gesprochen. In dem Bereich ist Vitra momentan gut vertreten. Können Sie sagen, wohin sich die Vitra Home Collection in nächster Zeit entwickeln wird?
Eckart Maise: Wir werden in den gleichen Bereichen wie bisher weiter machen, aber auch kleinere Objekte und Accessoires wie L’oiseau von den Bouroullecs aufnehmen oder im Essbereich erweitern. Aber unser Ziel ist es nicht, in die – wie wir auf deutsch so schön sagen – “Kastenmöbel” zu gehen, also Schränke und Sideboards zu produzieren. In dem Bereich gibt es andere Hersteller, die besser ausgestattet sind. Wir haben unsere Erfahrung und Kompetenz in den Sitzmöbeln. In Mailand haben wir zum Beispiel einen Liegelounger von Antonio Citterio bei dem er seine Erfahrungen aus dem Bürostühlsegment in die Entwicklung eines Lounge Chairs mit Synchrontechnologie einfließen lassen konnte. Durch die Neigung des Rückens und die Bewegung des Sitzes kann man in jeder Position gleich bequem sitzen. Der Stil ist sehr dezent und der Mechanismus nicht sichtbar, es ist alles in den Beinen und unter dem Sitz versteckt. In diesen Bereichen liegt einfach unsere Stärke.

(smow): Als letzte Frage: Ist Vitras Mailand Kollektion 2011 ein guter Jahrgang? Sind Sie als Chief Design Officer von Vitra zuversichtlich dass sie gut angenommen wird?
Eckart Maise: Es ist ein gutes Jahr für uns, nicht zuletzt weil es immer aufregend ist, wenn man neue Kooperationen präsentiert. Das ist immer ein großer Schritt für einen Hersteller. Die Kooperationen bereichern uns, es ist wie ein Familienzuwachs. Oder wie wenn ein Chor größer wird und wir jetzt neue Lieder singen können. Wir sind zuversichtlich, weil wir sehr vielseitige Produkte von sehr unterschiedlichen Designern haben. Im letzten Jahr stand das Suita von Antonio Citterio im Mittelpunkt der Präsentation. Dieses Jahr haben wir Vitras erste Sperrholzsitzschale von Alfredo Häberli; wir haben die HAL-Linie mit Jasper Morrison weiter entwickelt; wir haben den neuen Lounger von Antonio Citterio – unserer Meinung nach endlich eine wirkliche Alternative zum Eames Lounge Chair und mit vergleichbarem Komfort! Der Tip Ton Chair von Barber & Osgerby ist in Bezug auf die Sitzerfahrung eine wirkliche Innovation. Mit dem Waver von Konstantin Grcic haben wir einen Stuhl der wirklich neu und frisch für Vitra ist – eine unkomplizierte, junge Form des Sitzens. Wir sind also gespannt auf die Reaktionen.

Jill by Alfredo Häberli for Vitra

Jill von Alfredo Häberli für Vitra

Tip Ton by Barber Osergby for Vitra

Tip Ton von Barber Osergby für Vitra

Grand Repos and Panchina by Antonio Citterio for Vitra

Grand Repos und Panchina von Antonio Citterio für Vitra

Waver by Konstantin Grcic for Vitra

Waver von Konstantin Grcic für Vitra



Hella Jongerius – Misfit

Friday, February 25th, 2011
Hell Jongerius

Hella Jongerius

Im November (für die Internet-Archäologen, die den Post in 120 Jahren finden werden: am Samstag, den 13.11.2010) hat im Museum Boijmans in Rotterdam die erste Hella Jongerius Retrospektive in ihren Heimatland eröffnet.

Und wir waren nicht da. Das war bedauerlich, aber leider nicht zu ändern.

Zum Glück ist unser globales Netzwerk fast so groß wie der amerikanische Sicherheitsdienst, sodass wir in der Lage waren ein paar Freunde in unserem Auftrag dorthin zu schicken.

Die interaktive Ausstellung Misfit zeigt zahlreiche Arbeiten Hella Jongerius’ und erforscht zudem ihre Arbeitsmethoden und ihren Einfluss als Designerin.

Die Eröffnungsrede wurde passenderweise vom Vitra Präsidenten Rolf Fehlbaum gehalten. Passend insofern, da Vitra der Hersteller ist, mit dem Hella Jongerius am meisten verbunden wird und auch weil die Firma selbst durch Ihre Zusammenarbeit mit Frau Jongerius beeinflusst wurde.

Rolf Fehlbaum kam zu Hella Jongerius durch Persönlichkeiten wie Paola Antonelli, Alice Rawthorn und Michael Mahram und war sofort von ihrer “außergewöhnlichen Sensibilität” gegenüber Oberflächen und Farben begeistert; ein nicht unwichtiger Punkt an dieser Stelle ist, dass Vitra zu dieser Zeit gerade aktiv begann seine “Home Collection” auszubauen.

Seitdem spielt Hella Jongerius eine zentrale Rolle in der Entwicklung der Vitra Home Collection – nicht nur in Produktfragen, auch als Vitra-interne Farbberaterin.

Polder Sofa by Hella Jongerius for Vitra

Polder Sofa von Hella Jongerius für Vitra

Mit seinem magischen Farbspiel verdeutlicht das “Polder Sofa” wahrscheinlich am deutlichsten was Rolf Fehlbaum an der Arbeit von Hella Jongerius auf Anhieb  begeisterte. In seiner Rede im Boijmans beschrieb Rolf Fehlbaum das Polder Sofa “… als einen Neuanfang in einer sich wiederholenden alten Welt …”; ein wundervoller Ausspruch, der nicht nur Hella Jongerius’ “Repeat” Kollektion für den New Yorker Textilienhersteller Mahram beschreibt, sondern auch generell für die Arbeiten Hella Jongerius’ gilt.

Hella Jongerius’ “Farbberatung” für Vitra begann effektiv im Jahr 2006, als sie den Eames Lounge Chair erneuerte. Ein Auftrag der sich prinzipiell mit der Veränderung des Holzschalentons und den dazu harmonierenden Lederfarbtönen beschäftigte, die leichter als das traditionelle Schwarz sein sollten.  Der weiße Leder Eames Lounge Chair ist ein wunderschönes Resultat dieser Arbeit.

“Colour Cooking” nennt Hella Jongerius die Beziehung, die sie zwischen den Farben und zwischen einzelnen Farben und Materialien herstellt. Ihr neuestes “Kochbuch” ist momentan das so genannte Colour Lab im VitraHaus in Wheil am Rhein – ein interaktiver Bereich, in dem Besucher mit Materialien, Farben und deren Kombinationen spielen können.

Coloured Vases by Hella Jongerius @ Misfit

Coloured Vases von Hella Jongerius @ Misfit, Museum Boijmans Rotterdam

Neben den mit Vitra entstandenen Arbeiten zeigt Misfit auch Arbeiten aus der oben genannten “Repeat” Textilkollektion für Mahram, sowie einige der Porzellan-Entwürfe für Nymphenburg und als echtes Highlight 300 bemalte Vasen aus der Kooperation mit Royal Tichelaar Makkum.

Hella Jongerius – Misfit war leider nur bis zum 13. Februar 2011 im Boijmans Museum in Rotterdam zu sehen. Eine Schande, dass wir keinen Trip nach Rotterdam in unseren straffen Terminplan unterbringen konnten.

Wir danken daher besonders unseren Spionen. Wenn Ihr weiterhin so gute Arbeit leistet, werden wir Euch in Zukunft gern wieder beauftragen ;)



2010 Designermöbel Weltmeisterschaft: Holland-Deutschland 2:3

Wednesday, July 7th, 2010

Der Klassiker: Holland gegen Deutschland.

Diese Begegnungen waren immer schon hart umkämpft, aber dieses Spiel hatte noch eine besondere Brisanz. Der Gewinner des Matches würde ins Halbfinale der (smow) Designermöbel-Weltmeisterschaft 2010 einziehen.

Die Niederländer hatten sich im Vorfeld entschieden, Hella Jongerius gegen Marcel Wanders zu wechseln. Man hoffte, mit dem kreativen Kopf hinter Moooi und Droog besser gegen Konstantin Grcics klare lineare Formen angehen zu können. Und die Taktik zahlte sich aus. Mit dem Knotted Chair und seiner New Antiques Kombination für Capellini ging Marcel Wanders verdient mit 2:0 in Führung.

Grcic gelang es nicht, nach vorn zu kommen, was ihn zunehmend frustrierte. Für seinen unnötigen 360 Grad Stuhl erhielt er zu Recht die gelbe Karte wegen zweifelhafter “Anlehnung” an George Nelsons Nelson Perch aus dem Jahr 1964.

Zur Halbzeit wurde Grcic gegen Nils Holger Moorman ausgewechselt. Dem gerissenen alten Mann des modernen deutschen Designs gelang schnell der Anschlusstreffer zum 2:1 mit seinem unglaublich frechen Rechenbeispiel. Im weiteren Verlauf der zweiten Halbzeit erwies sich Nils Holger Moormanns authentische und gefühlvolle Anarchie als stärker als Marcel Wanders’ wohlüberlegte und berechnende Vorstellung.

Es war also nur eine Frage der Zeit, bis Moorman mit seinem Bookinist ausglich und mit dem Liesmichl schließlich in Führung ging.

Ein packendes und dramatisches Match, das 3:2 für Deutschland endete.

Hier geht es zur Tabelle und zu den Ergebnissen der Gruppe B

Konstantin Grcic is booked.

Konstantin Grcic sieht Gelb



2010 Designermöbel Weltmeisterschaft: Holland-Kanada 1:0

Wednesday, June 30th, 2010

Wenn je ein Designermöbelwettbewerb mit einer Partie Schnick-Schnack-Schnuck verglichen werden konnte, dann Hella Jongerius gegen Frank O. Gehry.
Die Meisterin der Materialien gegen den König der massiven Konstruktionen.
Und so entwickelte sich auch das Match. Frank Gehry wendete all seine radikale Geometrie an um sich einen Weg durch die holländische Abwehr zu bahnen, musste aber immer wieder feststellen, dass natürliche Formen nachhaltiger sind als seine künstlich erzeugten.
Anders gesagt: Hella Jongerius’ echte organische Formen stellten Frank Gehrys erfundene organische Formen auf eine echte Probe.
Und mit dem wunderbaren Bovist für Vitra gelang Hella Jongerius schließlich der Treffer in der Nachspielzeit.

Hier geht es zur Tabelle und zu den Ergebnissen der Gruppe B



Designpreis Halle 2010

Wednesday, June 23rd, 2010

Das Thema des Designpreis Halle 2010 ist und war Reisen.

Für uns hat die Reise nach Halle eine spezielle Bedeutung. In einem früheren Leben sind wir regelmäßig nach Halle gefahren und haben immer wieder perverse unmenschliche Horrorszenarien erlebt. Nach der Rückreise in Leipzig angekommen, waren wir froh den Ufern der Saale mit unserem Leben entkommen zu sein.

Das war damals.

Seither hat sich einiges getan. Nicht nur unser Leben hat sich verändert. Wir sehen und verstehen Halle mitlerweile aus einem ganzen anderen Blickwinkel.

Hauptsächlich wegen einer anderen Tour; eine Tour auf einem Touristenboot entlang der Saale.

Aber auch wegen unseres neuen Lebens, welches uns auf die Reise von vernichtendem Genie zu kreativen Talent geführt hat.

“Halle an der Saale soll langerfristig die Designstadt Deutschlands und Impulsgeber für Design weltweit werden”

Vor ein paar Jahren hätten wir noch laut gelacht, wenn Prof. Dr. Peter Heimann mit solchen Aussagen aufgetreten wäre.

Heute nicht mehr.
Die Burg Giebichenstein hat sich zu einer der besten Design Hochschulen in Deutschland entwickelt. Das Design Haus Halle gibt alles um die jungen Talente zu fördern und sie in der Region zu halten.

2010 Designpreis Halle Theres that Hallenser design spirit again

Designpreis Halle 2010: Da ist wieder dieser Hallenser Designgeist

Mit dem Designpreis Halle hat sich ein internationaler Preis entwickelt, welcher Teilnehmer aus verschiedensten Disziplinen anzieht. Nicht alle Finalisten sprechen jeden an, aber es ist auf jeden Falll für jeden etwas dabei.

166 Projekte aus 13 Ländern wurden für den Designpreis Halle 2010 eingereicht. Die Jury um Nils Holger Moormann und Axel Kufus hat 19 davon für die Ausstellung ausgewählt, und natürlich vier Preisträger.

15 Studenten der Fachhochschule Dortmund wurden mit einem Sonderpreis für die Pappkartonkoffer ausgezeichnet. Zwei von ihnen, Daniel Behn und Clemens Müller bekamen den Preis der besonderen Anerkennung für RESI “Der Koffer der eine sichere Reise für Deutsche im Ausland garantiert”.

Suited case by Erik De Nijs Second place at Designpreis Halle 2010

Suited case von Erik De Nijs Zweiter Platz beim Designpreis Halle 2010

Der zweite Platz ging an den Designer Erik De Nijs aus Utrecht für den “Suited Case”. Es spiegelt das Polder Sofa von Hella Jongerius für Vitra wieder und ist eine Zusammenstellung von Koffern, die gleichzeitig als Sitzgelegenheit genutzt werden können. Wir sind uns zwar sicher, dass keine Fluggesellschaft der Welt die Koffer von A nach B bringen könnte ohne sie zu zerstören. Hier war nicht das Produkt ausschlaggebend, sondern das Konzept. Die Preisrichter waren von dem Versuch begeistert ein bisschen heimische Atmosphäre in das stressige Leben des Reisenden zu bringen.

Der erste Preis ging an Guy Königstein aus Eindhoven für den Animationsfilm “Die Rückreise”. Durch die Erzählungen seiner Verwandten knüpft er ein Netz zusammen, welches die Geschichte seiner Familie erzählt.

Nomads wardrobe by Matthias Baumecker - for us worthy of a mention

Nomads wardrobe von Matthias Baumecker

Ein weiterer Beitrag ist unserer Meinung nach mehr als eine Erwähnung wert. Die Nomad`s wardrobe von Matthias Baumecker ist eine Reisegarderobe, welche wir uns sehr gut mit dem chairless chair Konzept von Vitra vorstellen können.

Als Location wurde das alte Tramdepot gewählt und mit UV-Licht beleuchtet. Es ist eine der kreativeren und einfallsreicheren Ausstellungen der letzten Zeit und ein überzeugendes Argument für das Talent in Halle.

Der nächste logische Schritt wäre, dass die Designers Open von Leipzig nach Halle zieht.

Wir sind weiterhin unsicher ob Halle es aus eigener Kraft schaffen kann sich als kreatives Zentrum zu etablieren. Für uns scheint es nur möglich, wenn Sie sich mit Dessau, Roßlau, Bitterfeld und Wolfen zusammentun. Das Bauhaus zu ignorieren erscheint einfach irgendwie falsch.

Alle Details über die Finalisten und die Ausstellung können unter Designpreis Halle 2010 gefunden werden.

Desinpreis Halle 2010 winners - front left first prize winner

Desinpreis Halle 2010 Gewinner - vorne links der Gewinner Guy Königstein

Designpreis Halle: All roads lead to Giebichenstein

Designpreis Halle: Alle Wege führen nach Giebichenstein

Designpreis Halle 2010

Designpreis Halle 2010



2010 Designermöbel Weltmeisterschaft:Holland-Spanien 1:0

Wednesday, June 16th, 2010

Tag zwei der (smow) Designermöbel-Weltmeisterschaft 2010 brachte die erste Begegnung der Frauen: Patricia Urquiola gegen Hella Jongerius.

Wie erwartet begann Patricia Urquiola in ihrer typisch robusten und voluminösen Art – wie man sie durch ihre Arbeiten für B&B Italia, Cassina oder Molteni & C kennt. Gegen die schlaue und formal abenteuerlustigere Jongerius kam Urquiola mit ihrer klassischen “Lounge”-Taktik aber nur schwer voran.

Sie schwenkte um auf den etwas synthetischeren “Kartell-Stil” und konnte so einige Chancen herausarbeiten. Jongerius konterte aber mit dem völlig unerwarteten Polder Sofa für Vitra und entschied das Spiel 1:0 für Holland.

Hella Jongerius Fans

Hella Jongerius Fans



DMY Berlin 2010: Ake Rudolf

Thursday, June 10th, 2010
The DMY Berlin 2010 Press Conference. After we had all found Hanger 5

Die DMY Berlin 2010 Pressekonferenz... nachdem wir alle Hangar 5 gefunden hatten

Dafür, dass es Berlins Designshow Nummer Eins ist, ist das DMY ganz schön schüchtern. Aber es ist ja auch erst 5.

Und anders können wir uns auch nicht erklären, warum die Eingänge so gut versteckt sind.

Aber mit Hilfe eines Mannes mit einer Strickmaschine unterm Arm fanden wir schließlich den Weg zu Hangar 5 – und unsere schlechte Laune wegen der fehlenden Wegweiser war verflogen.

Wir waren ja schon auf vielen Designshows, aber noch nie in einer Location, die so gut passt wie Tempelhof.

Obwohl der Flughafen bis 2008 in Betrieb war, ist Tempelhof seit den 1930er Jahren mehr oder weniger nicht verändert worden.

Vor ein paar Jahren hatten wir das Vergnügen, vom Flughafen Tempelhof fliegen zu können – eine wunderbare Erfahrung. Entsprechend traurig waren wir, als bekannt wurde, dass der Flughafen geschlossen wird. Aber, da die Schließung bedeutet, dass Veranstaltungen wie das DMY Berlin hier stattfinden können – umso besser.

Vor der Eröffnung konnten wir mit dem DMY Programmdirektor Ake Rudolf über das DMY Designfestival 2010 und den Umzug nach Tempelhof sprechen.

DMY Berlin Programme Director Ake Rudof

DMY Berlin Programmdirektor Ake Rudof

(smow)blog: Was sind für Sie die Höhepunkte des DMY 2010?

Ake Rudolf: In diesem Jahr liegt der Fokus auf der Schweiz. Wir bieten einen Überblick über das gesamte “Designsystem” der Schweiz von der Nachwuchsförderung bis hin zur Präsentation und Prämierung von Serienprodukten. Ein anderer Schwerpunkt sind die neuen Medien und Technologien. Wir zeigen die Entwicklungen im Design in Richtung Digitalisierung und Virtualisierung, aber auch den Einsatz neuer Technologien im Ingenieurwesen und Design. Mit dem Maker Lab haben wir zum ersten Mal einen Bereich, in dem es wirklich um das “Machen” geht und das Publikum zusammen mit den Designern kreativ sein kann – sowohl mit allgemein zugänglichen technischen Mitteln bis hin zu sehr ausgefeilten Gerätschaften wie Lasercuttern oder 3D Printern. Darüber hinaus zeigen wir auf 11000 m² neue Ideen, neue Lösungen; experimentelles Design bis hin zu marktreifen Produkten.

(smow)blog: Geht es dem Design in Berlin gut?

Ake Rudolf: Ja. Ich denke es ist immer noch eine relativ kleine Designszene. Sie ist international bis auf wenige Ausnahmen noch relativ unbekannt, das macht sie aber um so spannender: Ich denke es ist eine Designszene, in der es sehr um das Machen geht, darum, selbst zu schaffen, selbt zu produzieren und selbst Lösungen zu finden. Insofern eine sehr vitale Szene und eine Szene die seit einigen Jahren einen unglaublich regen Zulauf hat – von Designern, die am Anfang ihrer Karriere stehen bis hin zu Weltstars wie Hella Jongerius. Im Produktdesign erleben wir eine ähnliche Entwicklung wie in der Berliner Kunstszene Mitte der 90er Jahre.

(smow)blog: Und wollen sie ab jetzt in Tempelhof bleiben oder ist das eine Notlösung für 2010?

Ake Rudolf: Es war in gewisser Weise eine Notlösung, aber eigentlich nur ein vorgezogener Wechsel der Location. Der Plan war, in ein bis zwei Jahren nach Tempelhof umzuziehen. Da wir aber nun schonmal hier sind, nutzen wir die Möglichkeit um uns schneller als ursprünglich geplant zu entwickeln und auch im nächsten Jahr weitere Hangars zu erschließen. Das ist das Ziel.

Das DMY International Design Festival 2010 läuft bis Sonntag, den 13. Juni am Flughafen Tempelhof, Berlin.



(smow)offline: Moleskine “Hand of the Designer”

Tuesday, March 16th, 2010

Eine der wahren Freuden dieses Frühlings besteht darin, dass zwei unserer Lieblingswelten beinahe, aber nur beinahe, kollidieren – Bücher (Leipziger Buchmesse) und Design Möbel (Saloni Milano).

Am 10. April wird es eine Kollision in Mailand geben – bei der Ausstellungseröffnung für die neue Moleskine Edition “Hand of the Designer”.

Insgesamt beinhaltet dieses Moleskine 462 handgezeichnete Skizzen von 150 Designern, darunter Ronan und Erwan Bouroullec, Hella Jongerius, Antonio Citterio oder Alberto Meda. Ziel von “Hand of the Designer” ist es, einen intimen Einblick in den kreativen Arbeitsprozess von Designern zu geben und sogar, trotz der unvergänglichen Kraft des Freihandzeichnens, in die AutoCAD® Technik.

Und falls Sie sich nach all der Inspiration selbst betätigen möchten, stehen noch 120 leere Seiten zur Verfügung um eigene Skizzen zu hinterlassen.

Zeitgleich mit dem Erscheinen des “Hand of the Designer” auf der Messe in Mailand 2010,  wird es eine Ausstellung in der Villa Necchi Campiglio und Triennale Bovisa in Mailand geben. Diese Ausstellung öffnet am 10. April. Sie wird alle 462 Original Zeichnungen zeigen, die anschließend durch Sotheby´s Mailand am 13. Mai 2010 versteigert werden. Der Erlös aus dem Verkauf geht an “Fondo Ambiente Italiano” (Italienischer National-Fonds).

“Hand of the Designer” von Moleskine kostet 59 Euro und ist ab Juni 2010 erhältlich.

Weitere Informationen gibt es unter moleskine.com

Moleskine Hand of the Designer

Moleskine Hand of the Designer

Ronan and Erwan Bouroullec

Ronan und Erwan Bouroullec

Hella Jongerius

Hella Jongerius