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DMY Berlin 2012: Green Lamp von Zuzanna Malinowska

Wednesday, July 4th, 2012

Bei der Green Lamp von Zuzanna Malinowska handelt es sich im Wesentlichen um einen Blumentopf mit integriertem Rankgitter. Eindeutig für Kletterpflanzen gedacht, ist das Schöne daran, dass das Rankgitter hier gleichzeitig den Lampenschirm bildet. In welchem sich natürlich auch eine Glühlampe befindet. Wenn die Pflanze dann wächst, nimmt sie die Form das Rankgitters an und bevor man sich versieht hat man eine Lampe, die sozusagen aus einer Pflanze besteht.

Wir gehen einfach mal davon aus, dass Zuzanna geprüft hat, ob die Pflanze von der Glühlampe angesengt werden kann oder gar Feuer fangen könnte. Wenn sie das gemacht hat, ist die Green Lamp für uns auf jeden Fall eines der aufregendsten neuen Objekte, die wir seit langem gesehen haben. Und das nicht nur, weil sie eine raffinierte neue Möglichkeit bietet, Pflanzen in Räume zu integrieren oder durch die Blätter eine stets wechselnde, faszinierende Beleuchtung zu schaffen, sondern auch, weil das Objekt, das man kauft, nur ein Vorgeschmack auf das letztlich entstehende Objekt ist, das man so umgestalten kann, wie man möchte.

Lasst uns die Idee mal ein wenig weiter spinnen. Wir wissen, dass es ganz schön frech ist, das zu tun ohne Zuzanna zu fragen, aber… Zurzeit ist die Green Lamp ja nur eine Tischleuchte. Aber wie wäre es denn zum Beispiel mit einer Stehleuchte mit Tomatenplanzen? Ok, das macht das Ganze zwar zu einem sehr saisonalen Objekt, aber für eine moderne Küche oder einen Balkon können wir uns das gut vorstellen.

Doch was noch wichtiger ist: Ähnlich wie die Green Lamp gab es auf dem DYM Berlin noch Werner Aisslingers Chair Farm – ein Projekt, bei dem Pflanzen mithilfe eines Stahlkorsetts zu Stühlen wachsen sollen. Die Green Lamp ist im Prinzip die Leuchte dazu.

Mit ihrem einfachen Metallrahmen ist Green Lamp eigentlich perfekt fürs Open Design geeignet. Wir können uns gut vorstellen, dass man, wenn man in Zukunft eine neue Lampe für Zuhause, das Büro usw. braucht, einfach ein Rankgitter besorgt, es für den eigenen Bedarf zurecht schneidet, sich seine bevorzugte Pflanze aussucht und fertig ist die Laube. Dieser Gedanke hat uns auf jeden Fall sehr begeistert…

Green Lamp von Zuzanna Malinowska ist nicht der erste Versuch, Beleuchtung und Pflanzen zu vereinen, doch für uns steht sie dank der Kunstfertigkeit, mit der Zuzanna diese Kombination erreicht hat, über allen vorangegangenen Projekten.

Green Lamp by Zuzanna Malinowska

Green Lamp von Zuzanna Malinowska

 

 



DMY Berlin 2012: Andrea Brena, Knitted Army

Tuesday, June 26th, 2012

Zu den einprägsamsten Bildern auf dem DMY Berlin 2012 gehörte fraglos Andrea Brena wie er im Schneidersitz bis zu den Ellenbogen in kunterbunte Wolle gehüllt dasitzt und strickt, aber nicht etwa mit Stricknadeln – mit seinen Armen. Man kann sich vorstellen, dass ein solcher Anblick natürlich jede Menge Schaulustige anzieht.

Auch wenn es nach außen hin erstmal so scheint als ging es hier “nur” um das Stricken mit den Armen, ist der zentrale Punkt doch ein anderer. Mit Knitted Army will Andrea Brena vor allem die persönliche Beziehung zwischen Objekt und Nutzer neu definieren.

Möbel sollen aus der kalten, dunklen Höhle des gedankenlosen Konsums befreit und durch die Selfmade-Assoziation die Herzen ihrer Nutzer erwärmen. Das Thema ist natürlich nicht sonderlich revolutionär, aber Andrea geht es aus einer überaus interessanten Perspektive an.

DMY Berlin 2012 Andrea Brena Knitted Army

DMY Berlin 2012: Andrea Brena. Knitted Army. Beispiele für fertige und noch nicht ganz fertige Produkte.

Armstricken ist ein völlig werkzeugfreies Verfahren, das laut Andrea jeder innerhalb von fünf Minuten lernen kann. Wir haben es nicht versucht, also können wir das weder bestätigen noch widerlegen, aber wir glauben eigentlich fast alles, was uns Andrea sagt…

Da man hier die eigenen Arme anstelle von Stricknadeln benutzt, kann Armstricken als Open-Design-Verfahren eingeordnet werden. Jeder hat theoretisch die Möglichkeit die Technik umzusetzen und den eigenen Bedürfnissen anzupassen – so wie Andrea es vorgemacht hat. Außerdem kann man so ziemlich alles herstellen; man kann also einfach experimentieren und sehen, was alles möglich ist.

Andreas erste Objekte waren formlose sitzsackartige “Sofas”, doch seither hat er sich weiterentwickelt und Objekte mit einer klaren ausgeprägten Form sowie handelsübliche Wohnaccessoires, wie zum Beispiel Teppiche, entwickelt.

Doch bei Knitted Army geht es um mehr als nur ein demokratisches und weltweit verfügbares Produktionsverfahren. Es geht auch darum, dass das Endprodukt ein Objekt ist, das von den anatomischen Eigenschaften des Produzenten mitbestimmt wird. Die enge Beziehung zwischen Produkt und Produzent manifestiert sich beispielsweise in der Größe der Maschen, die von der Größe der Arme abhängt. Die gestrickten Objekte sind somit höchst individualisiert.

Le Corbusier hätte das wahrscheinlich nicht so ganz gefallen, aber wir sind von der Idee sehr angetan.

Außerdem verwendet Andrea Schnittreste von Stoffproduzenten. Somit stellt das Verfahren eine nützliche und sinnvolle Art der Müllreduzierung dar und lässt uns den Wert von Material in unserer modernen Wegwerf-Gesellschaft wiederentdecken. Dadurch, dass man Stücke des selben Materials dazu nutzen kann, um die geschaffenen Objekte zu stopfen und zu befüllen, können die Stücke später sogar noch erweitert, reduziert oder anderweitig verändert werden – sei es durch den Urheber selbst oder einen neuen Besitzer.

DMY Berlin 2012 Andrea Brena Knitted Army

Andrea Brena und sein Publikum beim DMY Berlin 2012.

Auch wenn es paradox klingt: Die zunehmende Digitalisierung unserer Welt wird dazu führen, dass die Zukunft immer analoger wird. Nicht als Reaktion auf die schöne neue Welt, sondern weil uns die neuen Technologien zum einen dazu zwingen, zu hinterfragen, was wirklich wichtig ist und uns zum anderen das Selbstvertrauen verleihen, den bestehenden politischen, sozialen und wirtschaftlichen Systemen zu entfliehen.

Wir glauben wirklich daran, dass Europa in 100 Jahren wieder eine auf Landwirtschaft basierende Gesellschaft sein wird, deren Wirtschaftssystem mit Kooperation und Austausch funktioniert. Und was könnte für ein solches System passender sein als regionale Gruppen, die den lieben langen Tag armstrickend auf dem Dorfanger sitzen und alles produzieren, was die Gemeinde so braucht.

In diesem Sinne hat Knitted Army auch mit anderen Projekten auf dem DMY Berlin 2012 so einiges gemein, insbesondere mit Werner Aisslingers Chair Farm oder dem Upholstered Chair von Jooyeon Lee.

Wie man hört war Knitted Army sehr nah dran einen DMY Award zu gewinnen. Nun ist in Anbetracht der Tatsache, dass es das Projekt – sofern wir richtig informiert sind – noch nicht mal ein Jahr gibt, schon die Nominierung eine beachtliche Leistung und das Ausbleiben des Gewinnes sollte einigermaßen gut zu verkraften sein.

Und es gibt gute Nachrichten für alle, die Andrea leider nicht armstrickend in Berlin sehen konnten: So wie wir europäische Designfestivals kennen, wird das bestimmende Bild des DMY Berlin 2012 auch bald das bestimmende Bild eines Designfestivals in eurer Nähe sein.

Mehr Infos zu Andrea Brena und Armstricken gibt’s unter http://andreabrena.com.

DMY Berlin 2012 Andrea Brena Knitted Army

DMY Berlin 2012: Andrea Brena

 

DMY Berlin 2012 Andrea Brena Knitted Army

DMY Berlin 2012: Andrea Brena. Knitted Army



DMY Berlin 2012: Stealth-Collection von Interror.be

Wednesday, June 20th, 2012

Wir sind zum ersten Mal auf die Arbeit des belgischen Designers Tim Baute alias Interror.be aufmerksam geworden, als wir seine Lampe auf der Designers Fair Cologne 2010 gesehen haben. Sein SevenUp – ein düsterer, reduzierter Kronleuchter – bleibt auch bis heute eines unserer Lieblingsprodukte.

Tim ist gelernter Metallarbeiter, weshalb wir es besonders schön fanden, dass er bei seinem Debut auf dem DMY Berlin eine neue Serie von Stahlprodukten vorstellte. Und auch wenn die Kollektion nach einem B-2-Bomber benannt ist, hat sie ihre Ursprünge keineswegs in der geheimnisvollen Welt des Militärflugwesens, sondern in etwas weitaus Alltäglicherem: im Dunkeln vor einem Computer sitzen.

Tim störte es schon lange, dass Tischleuchten entweder im Monitor reflektieren oder, wenn sie ungünstig positioniert sind, blenden. Die einzige Möglichkeit das Lichtproblem zu umgehen, war bisher die Zimmerbeleuchtung einzuschalten.

Tims Lösung ist eine flache Leuchte, die so designt ist, dass sie sich ganz elegant zwischen Monitor und Tastatur fügt – und weder reflektiert noch blendet.

Die Stealth-Tischleuchte besteht aus pulverbeschichtetem Stahl mit LED-Lichtern, ist so lang wie eine gewöhnliche Tastatur und beleuchtet nur die Tastatur und deren unmittelbare Umgebung – erweist sich also auch beim Notizenmachen als hilfreich. Man kann sie aber auch wie zu analogen Zeiten als klassische Leselampe benutzen.

Primär für all jene designt, die oft bis spät in die Nacht hinein vorm Computer sitzen, hat die Stealth-Tischleuchte eine sehr industrielle Formensprache, die wesentlich dazu beiträgt, sie so unauffällig wie möglich wirken zu lassen. Durch ihre abgeknickte, gebrochene Geometrie integriert sich die Leuchte außerdem perfekt in ihre Umgebung und man nimmt sie weniger als Objekt denn als Lichtquelle war. Das finden wir bei einer Tischleuchte sehr wichtig.

Die Wandleuchte ist im Prinzip nach der gleichen Struktur konstruiert; allerdings mit einem Bein weniger ausgestattet und kann so an der Wand befestigt werden, dass sie nach oben, unten, links oder rechts scheint.

Laut Tim stellte die Regalversion eine besondere Herausforderung dar. Es musste nämlich gewährleistet werden, dass sie nach all dem Falten, Drehen und Schweißen noch ihre Form behält. “Normaler” Stahl hätte dem Schweißen standgehalten und sich etwas “gewölbt”. Doch nach ein wenig Herumexperimentieren fand Tim eine Stahlsorte, die ein wenig umgänglicher ist und brav seine Form behält. Wie auch immer genau die Gestalt ist, durch das Drehen hat die Leuchte eine Form, die man wahrscheinlich nur als Chemiker richtig definieren kann…

Die Tischleuchte ist zurzeit als limitierte Edition über Rozier Furniture Design Editions erhältlich. Die Wand- und die Regalleuchte sind Einzelstücke.

Wir finden die Kollektion äußerst schön, gut durchdacht und exzellent ausgeführt und hoffen, dass Tim sie noch weiterentwickeln wird.

DMY Berlin 2012: Stealth Desk Lamp by Interror.be

DMY Berlin 2012: Stealth Tischleuchte von Interror.be

DMY Berlin 2012: Stealth Desk Lamp by Interror.be

...die LEDs...

DMY Berlin 2012: Stealth Desk Lamp by Interror.be

...in Aktion

 

DMY Berlin 2012: Stealth Wall Lamp and Stealth Shelf by Interror.be

DMY Berlin 2012: Stealth Wand- und Regalleuchte von Interror.be



DMY Berlin 2012: “Upholstered Chair” von Jooyeon Lee

Tuesday, June 19th, 2012

Letzten Endes ist Marcel Breuers Wassily Chair von 1927 auch nicht mehr als auf einen Metallrahmen gespannte Stoff- bzw. Lederschlingen und Giandomenico Belottis Spaghetti Chair von 1960 ist nicht mehr als PVC-Kordeln auf einem Metallrahmen. Deshalb war unser erster Eindruck vom Upholstered Chair von Jooyeon Lee auch, dass es an ihm absolut nichts neues gibt. Aber wie das eben immer mit diesen ersten Eindrücken ist…

Als Diplomprojekt an der Aalto University Helsinki entworfen, handelt es sich beim Upholstered Chair um einen Lounge Sessel, aus Leinenkordeln, die auf einen Holzrahmen gespannt sind. Wie gesagt ist das im Prinzip nichts neues, aber der Gedanke hinter dem Projekt und die Logik der Materialwahl sind wirklich interessant: Leinenkordeln können praktisch überall hergestellt werden und als Naturprodukt können sie regional angebaut werden – ebenso wie Holz. Das heißt nicht nur, dass der Stuhl dezentral produziert und vertrieben werden kann, sondern es werden zudem sowohl in der Landwirtschaft als auch im traditionellen Handwerk Arbeitsplätze vor Ort geschaffen.

Das ist alles sehr im Sinne vom bereits erwähnten Neue Fertigung-Manifest von Franz Dietrich: Lokale Bauern produzieren die Rohstoffe, ein lokaler Handwerker stellt die Holzteile her, ein anderer macht die Kordeln und ein lokaler Hersteller kombiniert das Ganze zum fertigen Stuhl, der in der jeweiligen Region verkauft wird.

Die Umweltverschmutzung beim Transport wird reduziert, die lokale Wirtschaft unterstützt und es ist sogar ein bisschen weniger CO2 in der Atmosphäre. Es gibt nur Gewinner, keine Verlierer! Die sehr schöne, wenn auch denkbar einfache, Formensprache des Stückes tut ihr übriges.

Wie gesagt sehen wir die Zukunft der globalen Möbelindustrie in einer dezentralisierten Produktion und Objekte wie der Upholstered Chair von Jooyeon Lee bieten ein sehr interessantes Beispiel dafür, wo uns die Reise einmal hinführen könnte.

 

DMY Berlin 2012 Upholstered Chair by Jooyeon Lee

DMY Berlin 2012: Upholstered Chair von Jooyeon Lee

DMY Berlin 2012 Upholstered Chair by Jooyeon Lee

DMY Berlin 2012: Upholstered Chair von Jooyeon Lee

DMY Berlin 2012 Upholstered Chair by Jooyeon Lee

DMY Berlin 2012: Upholstered Chair von Jooyeon Lee



DMY Berlin 2012: Scolyt von Marco Merkel

Monday, June 18th, 2012

Treue Leser werden sich bestimmt an unsere Bewunderung für Scolyt von Marco Merkel erinnern. Wir waren fasziniert von seinem Auftritt beim UdK Berlin Rundgang 2011. Marco hat das Ganze ein wenig weiterentwickelt, den Maßstab reduziert und präsentiert sein Projekt nun beim DMY Berlin 2012.

Auf jeden Fall sind wir immer noch begeistert. Und das nicht nur wegen der schönen Ergebnisse, sondern auch wegen des Gedankens und des Prozesses hinter dem Projekt.

Wir sind uns zwar ziemlich sicher, dass es neben der Schaffung schöner Glasobjekte absolut keine andere nützliche Anwendungsmöglichkeit für das Verfahren gibt, aber allein die Tatsache, dass Marco damit so weit gekommen ist, zeigt sein besonderes Talent. Respekt!

DMY Berlin 2012 Scolyt by Marco Merkel

DMY Berlin 2012: Scolyt von Marco Merkel

DMY Berlin 2012 Scolyt by Marco Merkel

DMY Berlin 2012: Scolyt von Marco Merkel



DMY Berlin 2012: Hochschule Rosenheim, UNIMIXed

Sunday, June 17th, 2012

Offen gesagt kannten wir bis zum DMY Berlin 2012 nur ein Designobjekt der Hochschule Rosenheim, und zwar Nils Holger Moormanns Volvo. Doch am Flughafen Tempelhof haben die Studenten der Fakultät Innenarchitektur der Hochschule Rosenheim gezeigt, dass die süddeutsche Stadt auch zeitgenössischere Arbeiten hervorbringen kann.

An ihrem interessanten und abwechslungsreichen DMY-Stand waren der Tisch T#9 von Rebecca Schmidhuber und das Küchensystem Stangenware von Nina Mader und Jonas Gorke zu den Highlights. Von Rebecca Schmidhuber als “gemeinschaftliches Zentrum im Küchenbereich” vorgestellt, ist der T#9 im Grunde genommen ein Tisch mit einer Plattform, die man entweder unter der Tischplatte verstauen oder hochfahren kann. Die Höhe kann auf verschiedenen Stufen justiert werden.

Ehrlich gesagt können wir ihrer Logik, dass dieses Element als zusätzliche Arbeitsfläche bei der Vorbereitung von Essen verwendet werden kann, nicht ganz folgen. Wenn das der Zweck sein soll, muss das Ganze ja nicht höhenverstellbar sein. Ein Auszug würde diesen Zweck genauso gut erfüllen. Für uns ist der T#9 aber vor allem wegen der Idee so toll. Und wegen des Mechanismus.

Einerseits könnte man den T#9 wie von Rebecca vorgeschlagen als zusätzlich Ebene verwenden, um dem Raum ein wenig mehr Dimension zu verleihen, indem man Blumen oder eine Obstschale darauf abstellt. Und andererseits kann man das System ja nicht nur als Küchentisch verwenden; wir können es uns mit ein paar kleinen Veränderungen auch wunderbar als Schreibtisch, im Multi-Media-Bereich oder als Werkbank vorstellen. Und natürlich sieht der T#9 auch noch super aus!

DMY Berlin 2012 Hochschule Rosenheim, UNIMIXed T#9 by Rebecca Schmidhuber

DMY Berlin 2012: Hochschule Rosenheim, UNIMIXed. T#9 von Rebecca Schmidhuber

Stangenware ist ein zweiteiliges Küchensystem. Der erste Teil besteht aus einem Rahmen mit Metallstangen; der zweite ist ein überdimensionaler Küchenwagen, der als mobile Insel für die Zubereitung von Speisen, zum Essen etc. fungiert.

Metallstangen zum Aufhängen von Küchenutensilien sind an sich natürlich nichts Neues. Das Tolle an Stangenware sind aber die eigens konstruierten Ablagen/Boxen, die man darauf platzieren kann. Die sind einerseits überaus praktisch und fraglos auch etwas, dass man vermissen würde, wenn man selbst einfach irgendwelche Stangen an die Wand hängen würde. Außerdem enthalten einige der Boxen sogar Steckdosen und Leuchten – und das wäre definitv etwas, das man vermissen würde.

Neben ihrer Praktikabilität verleihen diese Elemente Stangenware auch eine gewisse Ausgewogenheit. Ohne sie würde das System optisch einfach nicht funktionieren. Wir fanden es außerdem sehr schön, dass das Ganze in einem Rahmen eingeschlossen ist, was dem ganzen System eine hübsche geometrische Note verleiht.

Die mobile Insel erschien uns dagegen ein wenig überflüssig – wir würden sie wahrscheinlich eher durch den T#9 ersetzen.

Wir wollen gar nicht behaupten, dass irgendeine der Arbeiten, die beim DMY Berlin 2012 zu sehen waren, Designklassiker wie der Moormann-Volvo werden, aber es ist auf jeden Fall ermutigend zu sehen, dass fernab von den deutschen Metropolen intelligentes und sinnvolles Design entwickelt wird.

DMY Berlin 2012  Hochschule Rosenheim UNIMIXed Stangenware by Nina Mader and Jonas Gorke

DMY Berlin 2012: Hochschule Rosenheim, UNIMIXed. Stangenware von Nina Mader und Jonas Gorke

DMY Berlin 2012 Hochschule Rosenheim UNIMIXed

DMY Berlin 2012: Hochschule Rosenheim, UNIMIXed

 



DMY Berlin 2012: Franz Dietrich & Jonas Hagenbusch

Friday, June 15th, 2012

Einer der Gründe, wieso wir noch nie mit Trends klar gekommen sind, ist der, dass letztlich immer der den Trend bestimmt, der am lautesten schreit. Aber das DMY Berlin zeigt, dass es auch anders geht: Während der Hauptsponsor in Hangar 4 sein Marketingbudget lauthals verkündet, präsentieren gerade mal 40 Meter weiter zwei Absolventen der FH Potsdam ganz still und leise ihre Objekte, die auch noch wesentlich interessanter und sozial bedeutsamer sind.

So gerne wir auch erklären würden, dass dieses minimalistische, unaufdringliche Standdesign eine bewusste Kritik an der Kommerzialisierung von Designfestivals darstellt, müssen wir leider zugeben, dass es anders ist. Aber das behalten wir lieber für uns…

Jonas Hagenbusch präsentiert das erste Stück aus seiner neuen Frame-Kollektion. Sein Frame Hanger ist ein wunderbar minimalistisches, sagen wir mal, Kleidungsorganisationssystem. Es ist hoch genug, um ein Shirt oder eine Bluse aufzuhängen oder etwa einen Schal oder Pulli einfach darüber zu werfen und verfügt zusätzlich auch noch über einen kleinen Stauraum bzw. eine Ablage für Kleinteiliges.

Der verblüffend kompakte Frame Hanger passt natürlich perfekt ins Schlafzimmer, wäre aber auch im Büro nicht fehl am Platz. Man kann zwar aufgrund der begrenzten Höhe keinen Mantel aufhängen, aber das muss man auch gar nicht. Wie gesagt soll Frame Hanger zu einer Reihe von Objekten gehören und damit sollte auch das mit dem Mantel gelöst werden können… Wir waren auf jeden Fall schon von den Anfängen sehr beeindruckt.

Derweil präsentiert Franz Dietrich seine Tischleuchte und seinen Buchtisch. Obwohl beide Stücke für sich schon sehr sinnvoll sind, ist vor allem Franz’ Neue Fertigung interessant. In diesem, nennen wir es mal Manifest, sollen Designer und lokale Handwerker dazu angehalten werden, enger zusammenzuarbeiten, um eine Alternative zur zentralisierten Massenmarktproduktion und der eher im Do-it-yourself-Stil angelegten Open Design Methode zu bieten. Doch das ist ein Thema für einen anderen Post…

Praktisch gesehen ist die Tischleuchte eine Leuchte mit einem integrierten Tisch. Das ist nicht besonders revolutionär, aber als Objekt im Flur oder Wohnzimmer absolut genial – und auch noch ästhetisch ansprechend.

Der Buchtisch sieht zugegebenermaßen so aus als hätte man Nils Holger Moormanns Liesmichl genommen und einfach gefaltet – Dietrichs Tisch hat aber den Vorteil, dass er nicht so groß ist und somit auch weniger aufdringlich ist. Und dank der Überdachung setzt sich auch bei denjenigen von uns, die Bücher nicht gerade im Akkord lesen, weniger Staub an den geliebten Unterhaltungsmedien an.

Alles in Allem haben wir hier drei wunderbare Objekte von jungen Designern gefunden, die beweisen, dass es sich durchaus lohnen kann, diese ordinären Marktschreier links liegen zu lassen.

DMY Berlin 2012 Franz Dietrich & Jonas Hagenbusch

DMY Berlin 2012: Franz Dietrich & Jonas Hagenbusch

DMY Berlin 2012 Franz Dietrich & Jonas Hagenbusch

Ein Blick in die Staubox des Frame Hangers von Jonas Hagenbusch

DMY Berlin 2012 Franz Dietrich & Jonas Hagenbusch

Buchtisch von Franz Dietrich



DMY Berlin 2012: Studio Sailing to Mars – The Half

Thursday, June 14th, 2012

Ehrlich gesagt können wir uns nicht daran erinnern, ob es in der Ausstellung “Die Essenz der Dinge: Design und die Kunst der Reduktion” des Vitra Design Museums auch einen Bereich gibt, der der Ergonomie gewidmet ist. Falls ja, müssen die Kuratoren ihn auf jeden Fall um The Half des finnisch-koreanischen Designkollektivs Studio Sailing to Mars erweitern.

Beim Entwerfen von The Half haben die Designer Musiker im Sinn gehabt. Ergebnis ist… nun, ein halber Stuhl. Proportional, nicht tatsächlich versteht sich.

Die Intention dahinter ist, dass der Sitzende durch die reduzierte Form mehr oder weniger dazu gezwungen wird, eine bessere Haltung einzunehmen – man hat einfach nicht genug Platz zum Krummsitzen. Was natürlich gut ist… Obwohl der Stuhl wie gesagt ursprünglich für Musiker konzipiert wurde, hat The Half auch das Potential zum Ess- oder Konferenzstuhl. Und er eignet sich sehr gut für Wohnungen, in denen Platz Mangelware ist.

Außerdem, was an The Half besonders schön ist: Er sieht auch noch gut aus!

DMY Berlin 2012 Studio Sailing to Mars The Half

DMY Berlin 2012: Studio Sailing to Mars - The Half

DMY Berlin 2012 Studio Sailing to Mars The Half testing

...Testen erlaubt. Feedback erwünscht.



DMY Berlin 2012: Return von Sa’ Bella Design / Sally Lin

Sunday, June 10th, 2012

Egon Eiermann hat angeblich mal an einer Reihe von Särgen für ein Berliner Bestattungsunternehmen gearbeitet. Sie wurden zwar leider nie fertiggestellt, aber wir können uns gut vorstellen, in welche Richtung Eiermann gegangen wäre…

Am Farmer’s Creativity-Stand von Agri-expo Yunlin beim DMY Berlin 2012 gibt es ein Objekt, dass das Thema ein wenig lebendiger angeht. Return von Sa’ Bella Design / Sally Lin ist eine Urne; eine Urne aus recycletem Papier, deren Wände Samen enthalten. Wenn sich das Papier zersetzt und sich die Asche mit der Erde mischt keimen die Samen und es wachsen Blumen.

Der Kreis des Lebens beginnt in all seiner wunderschönen Brutalität von neuem… Einfach genial.

DMY Berlin 2012 Return by Sa Bella Design Sally Lin

DMY Berlin 2012: Return von Sa’ Bella Design / Sally Lin

DMY Berlin 2012 Return by Sa Bella Design Sally Lin

DMY Berlin 2012: Return von Sa’ Bella Design / Sally Lin

DMY Berlin 2012 Return by Sa Bella Design Sally Lin

DMY Berlin 2012: Return von Sa’ Bella Design / Sally Lin



DMY Berlin 2012: Designpreis der Bundesrepublik Deutschland 2012 – Nominierungen

Saturday, June 9th, 2012

Das DMY präsentiert – wie bereits erwähnt – nicht nur die Ausstellung zum Designpreis der Bundesrepublik Deutschland 2012, sondern auch das Jury-Meeting, bei dem entschieden wird, welche Beiträge nominiert werden. Aus dieser kurzen Liste werden anschließend die Sieger gewählt. Die Jury hat ihre Arbeit erledigt und bis zum 10. Juni können wir alle eingereichten Beiträge bestaunen und die Entscheidungen der Jury in Frage stellen. Dafür sind Jury-Entscheidungen schließlich da!

Die Ausstellung ähnelt zunächst einem Parkplatz: Die Rollfeldseite des Hangars wird von einer durchgehenden Reihe von Autos und Motorrädern eingenommen – deutsche Ingenieurskunst in seiner reinsten Form. Nach dem zu urteilen, was sonst noch zu sehen ist, ist Deutschland aber auch nicht träge, wenn es darum geht, Wasserhähne und Duschköpfe zu produzieren. Doch nicht alles ist Highend-Industriedesign; es gibt auch einige wunderbare Beispeile für Grafikdesign: kleine, verspielte Gegenstände, die unseren Alltag ein klein wenig einfacher machen. Und ein Filz-Nashorn und -Elefant namens Ronny und Peggy…

Doch es ist ein wenig problematisch, Duschköpfe, Notebooks und Stofftiere an einem Ort wie Tempelhof auszustellen, da sie relativ klein sind. Der Ausstellungshanger ist so wie er ist also nicht besonders gut gefüllt und durch die vielen kleineren Gegenstände läuft man Gefahr, vor lauter Platz zu ertrinken. So kühn die Organisatoren auch sind, den ganzen Hangar in Beschlag zu nehmen, sie wären vielleicht besser beraten gewesen, nur ungefähr 75% des Raums zu nutzen. Aber vielleicht erwarten sie auch einfach fürchterlich viele Besucher…

Der Abschnitt, der uns am meisten interessiert hat, waren natürlich die Möbel – aber ehrlich gesagt gab es da für uns nicht sonderlich viel zu holen. Allerdings begeistert uns Bao von EOOS für Walter Knoll noch immer und wurde unserer Ansicht nach zu Recht nominiert. Ansonsten wirkte der Möbelbereich eher langweilig und uninspiriert. Uns fehlte irgendwie die Innovation.

Außerdem haben wir auf der Ausstellung die Beiträge jüngerer Designstudios und Hersteller vermisst. Zum Konzept des DMY und des Designpreises gehört ja eigentlich, dass die reduzierte Teilnahmegebühr mehr junge Studios und Hersteller für die Teilnahme motivieren sollte. Wir haben jedenfalls keine gesehen… Oder zumindest lange nicht so viele, wie man eigentlich erwartet hätte. Es war zwar zugegebenermaßen ziemlich dunkel im Hangar als wir da waren, doch wir konnten trotzdem alle Produkte der industriellen Elite Deutschlands sehen. Aber keine von der nächsten Generation.

Das liegt aber wahrscheinlich nicht nur am DMY: Die Bedingung, dass alle Beiträge schon einen regionalen Designpreis gewonnen haben müssen, bedeutet natürlich, dass junge Designstudios, solange sie noch an keinem Designwettbewerb in Bayern, Sachsen oder dem Saaland teilgenommen bzw. dabei gewonnen haben, selbst dann nicht teilnehmen könnten, wenn die Zulassung zum Bundespreis kostenlos wäre. Die Zeit ist also vielleicht reif, einen genaueren Blick auf regionale Wettbewerbe zu werfen und objektiv zu urteilen, wie fair und demokratisch sie sind. Design und Innovation sind in Deutschland schließlich große Wirtschaftsfaktoren…

Wie gesagt wirkte die Halle fast leer. Obwohl das wahrscheinlich an der Größe des Hangars lag, glauben wir schon, dass das auch mit etwas zu größzügigen Organisatoren zu tun hatte. Wir haben zwar noch keine offiziellen Zahlen darüber gesehen, wie viele Beiträge eingereicht wurden, aber laut inoffiziellen Ziffern, die sich durch einen kurzen Blick auf die Ausstellung scheinbar bestätigen lassen, liegt die Zahl der Beiträge weit unter den Erwartungen. Aber wie gesagt, wir haben noch keine offiziellen Zahlen gesehen, aber sobald wir die haben, können wir abschätzen und analysieren, ob die Erwartungen erfüllt wurden. Und wenn nicht, wieso nicht.

Der Erfolg oder Misserfolg eines Designpreises wird aber nicht allein durch die Zahl der Beiträge bestimmt, sondern auch durch die Qualität der Gewinner. Wenn die Sieger die wahre Qualität des Designoutputs eines Landes widerspiegeln, dann ist seine Mission erfüllt. Wir können das natürlich besser beurteilen, wenn die Sieger im Oktober bekannt gegeben werden. Und bis Sonntag, den 10. Juni, haben wir alle die Chance, uns einen ersten Eindruck zu verschaffen.