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Die Poesie des Funktionalen: Internationaler Marianne Brandt Wettbewerb 2013

Wednesday, October 24th, 2012

Treue Leser werden wissen, wie sehr wir die Bauhaus Designerin Marianne Brandt schätzen. Und sie werden auch wissen, dass wir jedes mal, wenn wir über sie schreiben, am Ende halb Sachsen beleidigen. Also: Tief einatmen, Daumen drücken und los geht’s!

2013 wird der Chemnitzer Kunstverein Villa Arte den 5. Internationalen Marianne Brandt Wettbewerb ausrichten.

Die fünfte Ausgabe der alle drei Jahre stattfindenden Huldigung internationalen zeitgenössischen Designs setzt nicht nur die Suche nach Objekten und Fotografien fort, die “Die Poesie des Funktionalen” darstellen, sondern verspricht auch ein eintägiges Marianne Brandt Symposium, was wir für eine ausgezeichnete Idee halten.

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Marianne Brandt Wettbewerb 2010: Marlen Pelny performt ein Marianne Brandt Gedicht unter den wachsamen Augen der Künstler.

Eines unserer Highlights des Jahres 2012 war die Ausstellung ”Bauhaus. Art as Life” im Barbican in London. Und das nicht nur, weil der Flug auf die Insel den Genuss einiger guter Biere bedeutete, sondern auch wegen der neuen Perspektive, die man dort auf viele der bekannten Bauhaus Protagonisten gewonnen hat. Einschließlich Marianne Brandt, natürlich.

In unserem Interview mit Kuratorin Lydia Yee merkte sie an, dass Brandts Collagen zu den Objekten gehören, die ihr wirklich geholfen haben, das Bauhaus und sein Erbe besser zu verstehen. Da können wir ihr nur beipflichten. Das gilt aber nicht nur in Bezug auf die Collagen. Die Ausstellung war voll mit seltenen Betrachtungen von Brandts Arbeit.

Es wäre zu einfach einen Designer nur auf einige wenige markenzeichenartige Arbeiten zu reduzieren, während der Rest des Lebens und des Werkes einfach ignoriert werden.

Ja, das Teeservice von Marianne Brandt ist fantastisch. Aber es ist eines von vielen Projekten. Erkundet man einmal den Rest ihres Werkes, entdeckt man Aspekte ihres Charakters und ihrer Philosophie, auf die man einfach nicht nur von einem Teeservice schließen kann.

“Bauhaus. Art as Life” bot die Gelegenheit dafür. Der Internationale Marianne Brandt Wettbewerb hingegen ist zwar fraglos eine einzigartige Plattform für das Leben und das Werk der Marianne Brandt, ein wenig mehr Erklärung dazu, wer sie war und was sie getan hat, wäre aber nicht verkehrt gewesen und würde dafür sorgen, dass sie für junge Designer relevant bleibt. Wir hoffen, das Symposium schafft das.

Barbican Art Gallery Bauhaus Art as Life Marianne Brandt

Eine Auswahl an Lampendesigns von Marianne Brandt bei "Bauhaus. Art as Life"

Neben den regulären Produktdesign- und Fotografie-Kategorien beinhaltet der Internationale Marianne Brandt Wettbewerb 2013 die Sonderkategorie ”Cradle to Cradle” für nachhaltiges Design. Auch wenn Nachhaltigkeit eine tolle Sache ist, sind wir ehrlich gesagt etwas enttäuscht, dass der Wettbewerb so eine Kategorie einführt.

Für uns sind “Nachhaltiges Design”-Wettbewerbe ein wenig wie 3D-Filme – ein vorbeifahrender Zug, auf den plötzlich jeder aufspringen will; unabhängig davon, ob man das Reiseziel kennt oder nicht.

2010 erfüllten viele der eingereichten Arbeiten Ansprüche an Nachhaltigkeit. Die waren sogar ganz schön nachhaltig. Und es ist anzunehmen, dass das viele der Beiträge von 2013 ebenfalls sein werden. Intelligente zeitgenössische Designer beziehen nämlich immer Aspekte wie Rohstoffe, Lebenszyklen, Energieversorgung und Recycling bzw. Entsorgung in ihre Arbeit ein.

“Nachhaltiges Design” also als extra Kategorie einzuführen, trägt nicht dazu bei einen Dialog über Nachhaltigkeit im Design anzuregen, sondern stilisiert es innerhalb der öffentlichen Wahrnehmung viel mehr als eine Art “Feature”, das Design enthalten kann. Wenn Design aber wirklich nachhaltig sein soll, müssen wir alle – Designer, Konsumenten, “Lifestyle Blogger”, Hersteller, Politiker – verstehen, dass Beständigkeit zu den Aufgaben eines Designers gehört.

Aber unabhängig davon sind wir einfach froh, dass der Internationale Marianne Brandt Wettbewerb wieder da ist. Wir haben ihn vermisst. Ehrlich.

Der Wettbewerb von 2010 hat uns zwei Projekte nahegebracht, die uns immer noch faszinieren - Mechthild von Christoph Schmidt und Damensattel von Caspar Huckfeldt - und vom Wettbewerb 2013 erwarten wir, dass er mindestens genauso anregend, erfrischend, innovativ und anspruchsvoll sein wird.

Beiträge für den Internationalen Marianne Brandt Wettbewerb 2013 können bis Mai 2013 eingereicht werden, ihr habt also noch Zeit euer Killer Projekt zu entwickeln.

Der Wettbewerb ist für alle Designer offen, unabhängig davon wie professionell. Die einzige Bedingung ist, dass man unter 40 sein muss, womit leider schon die meisten der Einwohner von Chemnitz ausscheiden.

Mehr Informationen über den Internationalen Marianne Brandt Wettbewerb 2013 gibt es unter http://marianne-brandt-wettbewerb.de

International Marianne Brandt Contest 2013

Internationaler Marianne Brandt Wettbewerb 2013



Internationaler Marianne Brandt Wettbewerb 2010 – Preisverleihung

Wednesday, September 29th, 2010

Auch wenn der Marianne Brandt Wettbewerb sich nach außen um Marianne Brandt dreht, so stand die Preisverleihung am Freitag in Chemnitz unter einem anderen Stern

“Chemnitz – Stadt der Moderne”

Jede einzelne Ansprache drehte sich um “Chemnitz – Stadt der Moderne” und wurde so oft wiederholt, ad nauseum ad infinitum, wahrscheinlich in der Hoffnung, dass wenn man es nur oft genug wiederholt, dass es auch wahr wird.

“Ich will ein Pony!” “Ich will ein Pony!” “Ich will ein Pony!” “Ich will ein Pony!” “Ich will ein Pony!”

Nicht dass wir etwas gegen das Stadtmarketing hätten, die Basis auf der der Claim von Chemnitz aufbaut ist nur sehr dünn. Und das mit der Bestätigung von Chemnitz selbst, wo Modernismus mit modern verwechselt wird.

Wenn Chemnitz so modern und auf der Höhe der Zeit ist .... ?

Wenn Chemnitz so modern und auf der Höhe der Zeit ist .... ?

Die Ironie der ganzen Sache ist, dass man aus der Rede von Bürgermeisterin Barbara Ludwig hören konnte, dass Marianne Brandt eigentlich ein starker Character allein für sich selbst ist.

Man muss eine solche Veranstaltung nicht auf Biegen und Brechen mit “Chemnitz – Stadt der Moderne” verbinden, wenn das Publikum schlau genug ist, zu wissen, dass es sich hierbei hauptsächlich um Stadtmarketing handelt.

Das Vermächtnis von Marianne Brandt scheint so viel heller.

Glücklicherweise folgten die Gewinner dem Geist der Marianne Brandt.

Marianne Brandt Wettbewerb 2010: Gewinnerin der Kategorie Fotografie Alexandra Grein im Gespräch mit Thomas Bille

Marianne Brandt Wettbewerb 2010: Gewinnerin der Kategorie Fotografie Alexandra Grein im Gespräch mit Thomas Bille

Der Fotografiepreis zum Beispiel ging an die Düsseldorferin Alexandra Grein für ihre wundervolle Collagenserie “Terra”. Erdacht als eine Homage an Caspar David Friedrich wurden die einzelnen Bilder aus “Terra” aus Satellitenbildern von den Orten der Inspiration aus seinem Leben.

Die Collage als Disziplin der Fotografie wurde von Marianne Brandt oft eingesetzt. Alexandra Grein hat diese Disziplin “verbauhaust” in dem Sie moderne Computertechnologie und Satellitenbilder einbrachte.

Auch der Hauptpreis der Kategorie Produktdesign hätte von Brandt oder einer ihrer Zeitgenossen stammen können.

Der Kolibri Mechthild von Christoph Schmidt ist, wenn wir ehrlich sind, nichts weiter als ein bisschen Origami mit einer Büroklammer im Rücken.

The Eames DSR ist auch nur ein Stuhl.

“Mechthild” entstand aus der Idee heraus, dass Christoph Schmidt die kleinen Löcher in seiner Wand nicht mit Gips oder darübergehängten Fotos kaschieren wollte.

Marianne Brandt Wettbewerb 2010: Produktdesign Gewinner Mechthild von Christoph Schmidt

Marianne Brandt Wettbewerb 2010: Produktdesign Gewinner Mechthild von Christoph Schmidt

“Mechthild” füllt nicht nur das Loch; “Mechthild” nutzt das Loch um etwas neues zu schaffen. Damit macht er nicht nur aus einem Problem eine Chance, sondern zeigt auf wundervolle Weise was man erreichen kann, wenn man mit Gegenheiben arbeitet, die konventionellen Designtheorien aber verlässt.

Das ist genau das, was uns das Bauhaus gelehrt hat.

Was uns besonders an “Mechthild” gefällt, ist das es mit dem Licht von Algue von Ronan und Erwan Bouroullec “Mechthild” Schatten an die Wand wirft, die sich mit veränderten Lichtverhältnissen im Raum über den Tag auch verändern und so eine aktive Rolle im Interior Design einnehmen.

Der Höhepunkt der Zeremonie war definitv die Präsentation des (smow)-USM Haller Spezialpreis an die Berliner Designerin Tonia Welter und ihre USB-Schmuckkollektion und der(smow)-Vitra Spezialpreis an Caspar Huckfield für seinen Fahrradsattel.

Aber mehr zu Tonia Welter, Caspar Huckfeld und Christoph Schmidt zu einem späteren Zeitpunkt.

Als wir in der Eröffnungveranstaltung saßen haben wir schon befürchtet, dass Chemnitz das Image einer seiner größten Stars durch übertriebenes Stadtmarketing verspielt.

Aber als wir die Oper verließen war unsere Laune viel besser.

Nicht nur, dass die Preisgewinner Marianne Brandts Erbe verstanden, auch die musikalische Einlage eines Gedichts von Marianne Brandt verdeutlichte auf schöne Weise, dass auch die Veranstalter ihr Handwerk verstehen.

Wir können nur hoffen, dass es in der Zukunft so schön weiter geht – und Chemnitz sich einen neuen passenderen Slogan überlegt.

Marianne Brandt Wettbewerb 2010: Marlen Pelny trägt ein Gedicht unter den Augen von Marianne Brandt vor

Marianne Brandt Wettbewerb 2010: Marlen Pelny trägt ein Gedicht unter den Augen von Marianne Brandt vor