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2010 Designermöbel Weltmeisterschaft: Dänemark-Belgien 2:2

Tuesday, July 13th, 2010

Da Verner Panton durch die rote Karte im Spiel gegen Fritz Haller für dieses Match gesperrt war, war Dänemark gezwungen umzudisponieren. So lief Arne Jacobsen gegen Maarten Van Severen auf.

Obwohl abzusehen war, dass diese Begegnung nicht zu den schnellsten des Turniers gehören würde, wurden die Zuschauer beim Anblick dieser zögerlich dahinplätschernden Begegnung in Johannesburg doch etwas ungeduldig.

Beide Designer perfektionierten ihre Züge bis zur Unkenntlichkeit, sodass es erst gegen Mitte der zweiten Halbzeit zum ersten Angriff kam. Ein tadelloser Ant Chair vom alten Meister des dänischen Designs brachte Arne Jacobsen in Führung. Mit neuem Selbstbewusstsein ausgestattet, startete Jacobsen sogleich die nächste Aktion und baute die Führung mit seinem Egg Chair zum 2:0 aus.

Maarten Van Severen gab sich jedoch noch nicht geschlagen und konnte in den letzten Minuten mit einem schön herausgespielten .07 und dem Kast für Vitra glänzen.
Hier geht es zur Tabelle und zu den Ergebnissen der Gruppe A



Vitra Design Museum: Die Essenz der Dinge. Design und die Kunst der Reduktion

Tuesday, June 29th, 2010
Vitra Design Museum: The Essence of Things. Design and the Art of Reduction

Vitra Design Museum: Die Essenz der Dinge. Design und die Kunst der Reduktion

Das (smow)blog team hat nach dem Pappkarton Möbel Workshop sich den anschließenden Besuch der aktuellen Ausstellung “Die Essenz der Dinge. Design und die Kunst der Reduktion.” im Vitra Design Museum natürlich nicht entgehen lassen.

Da schwingt schon ein wenig Ironie mit, dass die Ausstellung “Die Essenz der Dinge. Design und die Kunst der Reduktion” in einem Gebäude von Frank Gehry stattfindet, besonders wenn Tadao Andos Conference Pavilion nur 10 Meter entfernt liegt.

Und nach einer langen Reise nach Weil am Rhein amüsierte uns dieser Gedanke doch die ganze Zeit.

Die Ausstellung ist in zwölf thematische Bereiche gegliedert, welche sich jeweils einem anderen Aspekt der “Reduktion” widmen. Manchmal direkt sichtbar, manchmal versteckt in der Reduktion der Logistik.

Stephan Schulz: Betonschale

Stephan Schulz: Betonschale

Rund 160 Objekte zeigen die ganze Bandbreite von Michael Thonets Chair No. 14 oder dem Ant Chair von Arne Jacobsen für Fritz Hansen bis hin zu weniger bekannten Objekten – trotzdem genauso interessant – wie z.B. Stephan Schulzs Betonschale oder Marcel Wanders Knotted Chair für Capellini.

Gutes Design muss nicht kompliziert sein, weniger ist mehr, die Form folgt der Funktion – es gibt unzählige legendäre Designtheorien welche die “Reduktion” anpreisen. Trotzdem stellen wir immer wieder fest, dass uns die komplexen und extravaganten Designs für sich gewinnen.

Welches Designblog wird sich Jasper Morrisons Ply-Chair widmen wenn Sie ein Foto von einem Bücherregal haben, was wie zwei Paradisvögel auf Carmen Miranda in der Paarungszeit aussieht?

OK. Wir würdens machen. Aber nicht viele andere.

Für uns bedeutet Reduktion, wenn der Designer das Volumen des Produkts auf das Nötigste reduziert. Sei es durch das Benutzen neuer Materialien, innovativer Verbundstücke oder durch die Reduktion der äußeren Maße.

.03 by Maarten Van Seeveren

.03 von Maarten Van Severen

Ein besonderes Beispiel ist Maarten van Severen’s’ .03 mit eingebautem Federblatt, welches dem Stuhl seine Stabilität und seinen Komfort verleiht ohne sinnloses Gewicht oder Ausmaß hinzuzufügen.

Die Ausstellung “Die Essenz der Dinge. Design und die Kunst der Reduktion.” zeigt auf jeden Fall, dass Reduktion auch andere Prozesse mit einbeziehen kann.

Joe Colombos No 281 Lampe, Wilhelm Wagenfelds Teeservice oder Donald Judds Chair 84 sind alles Beispiele für nötiges Talent und die richtige Motivation.

Wir fanden jedoch, dass die Arbeit von Charles and Ray Eames zu sehr im Vordergrund stand.

Trotzdem ist die Ausstellung “Die Essenz der Dinge. Design und die Kunst der Reduktion.” für alle interessant, die sich für den Unterschied zwischen “Designer”-Möbeln und dem günstigen, generischen Produkten interessieren. “Die Essenz der Dinge. Design und die Kunst der Reduktion.” im Vitra Design Museum läuft bis zum 19. September 2010. Weitere Information unter http://www.design-museum.de



(smow)Wintertour 2010: Weil am Rhein

Friday, February 19th, 2010
Weil am Rhein Rathaus

Weil am Rhein Rathaus

Als wir noch jung, fit und gesund waren, existierten Städte.

Sie existierten einfach nur.

Heutzutage muss eine Stadt, um zu existieren, die “Stadt des/der” XY sein. So steht, wenn man die Autobahn in Deutschland entlang fährt, alle zehn Meter ein braunes Schild am Straßenrand, das den nächsten Ballungsraum als “Chemnitz – Die Stadt der Moderne”, “Stadt Hameln – Die Rattenfängerstadt im Weserbergland” oder “Pier am Chiemsee – Die Stadt der kriminell faulen Taxifahrer” anpreist.

Da Weil am Rhein in diesem Zeitalter des Behauptens kein Außenseiter sein will, hat sich die Stadt dazu entschieden “Weil am Rhein – Die Stadt der Stühle” zu sein.

Und was wäre auch passender für eine Stadt, die auf ihrer Homepage ein Bild des Vitra Design Museums zur Illustration der Kategorie “Wirtschaft und Tourismus” benutzt und die pro Jahr 100,000 Touristen auf dem Vitra Campus in der Charles-Eames-Straße verzeichnet.

Außerdem ist der aktuelle Titel um einiges eingängiger als “Weil am Rhein – Die Stadt des großen Güterbahnhofs”.

Es gibt nur zwei Dinge, die uns stören.

Unbedeutende, kleine Dinge, aber Sie kennen uns…

Apple Honey by Shiro Kuramata in Weil am Rhein

Apple Honey von Shiro Kuramata in Weil am Rhein

Vor dem modernistisch inspirierten “Rheincenter” steht die große Statue eines Stuhls.

Ein Stuhl, der weder jetzt noch irgendwann einmal von Vitra produziert wurde oder wird. Eher vom holländischen Hersteller USM Pastoe. (Den man offensichtlich nicht mit dem Schweizer Hersteller USM Haller verwechseln sollte)

Apple Honey von Shiro Kuramata ist ein wundervoller Stuhl.

Shiro Kuramata partizipierte an den ersten Vitra Editionen, neben Designern wie Frank Gehry und Ron Arad.

Vitra stellte sogar Shiro Kuramatas ebenso wundervollen “How High The Moon” Stuhl her.

Aber nicht Apple Honey.

Noch verwirrender ist das Bild, das auf die Seite eines der vier Hochhäuser gemalt ist, die über dem Vitra Campus und dem VitraHaus aufragen. Direkt neben dem “Die Stadt der Stühle” prangt ein Bild von einem Stuhl.

Ein seltsamer, dreibeiniger Stuhl.

Weil am Rhein City of chairs ... but which chairs

Weil am Rhein- die Stadt der Stühle ... aber welcher Stühle?

Unsere erste Vermutung war, dass es sich um den DCM von Charles und Ray Eames handelt. Das schien gut zu passen, wenn man die engen Beziehungen zwischen den Eames, Vitra und Weil am Rhein bedenkt.

Allerdings ist der DCM ein vierbeiniger Stuhl.

Und so sehr wir uns auch bemühen, fällt uns kein einziger dreibeiniger Stuhl ein, der von Vitra produziert wird.

Unsere nächste Vermutung war, dass es sich um einen “Ant Chair” von Arne Jacobsen handelt… auch ein exzellenter Repräsentant des Stuhl Designs des 20ten Jahrhunderts. Aber bei einem Ant Chair sind der Sitz und die Lehne aus einem einzigen Stück Holz geformt. Und das einzelne Bein ist vorne.

Dann dachten wir wirklich, wir hätten es: SE 69 von Egon Eiermann. Aber nein, der SE 69 hat ebenfalls ein einzelnes Bein vorne.

Egon Eiermanns SE 42 hat ein einzelnes Bein hinten, ist aber aus Holz.

Je länger wir mitten auf der Römerstraße standen, den Verkehr aufhielten und die guten Bürger von Weil am Rhein verwirrten, desto mehr mussten wir darum ringen, uns einen dreibeinigen Stuhl mit einem hinteren Stahlrohr-Lehnen-Stuhlbein überhaupt vorzustellen.

Prinzipiell, wegen der Instabilität eines solchen Gebildes.

Erst als wir zurück in Leipzig waren, konnten wir den Stuhl dank des MoMA New York Archivs finden.

Charles Eames Three legged side chair from 1944 (photo via http://www.moma.org/)

Charles Eames Three legged side chair, 1944 (Foto via http://www.moma.org/)

Dreibeiniger Side Chair von Charles Eames für Evans Products Co, 1944.

Ein Stuhl, der eventuell von Herman Miller übernommen wurde, als sie 1946 die Eames-Rechte von Evans kauften. Somit ist der Stuhl eventuell ein Teil jener Charles und Ray Eames Produkte, deren Produktionsrechte Vitra in Europa besitzt.

Womit wir im Endeffekt lang und breit erklärt haben, dass Weil am Rhein den “Stadt der Stühle”-Status offensichtlich mit zwei Stühlen zelebriert, die nichts mit dem Status der Stadt als einem der wichtigsten Zentren für zeitgenössische europäische Designermöbel-Produktion zu tun haben.

Besucher des neuen VitraHauses können dieses Paradoxon vom Fenster des vierten Stocks aus betrachten.

Oder einfach den wundervollen Blick auf das Vitra Design Museum und die Orchideenwiese genießen.