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Internationaler Marianne Brandt Wettbewerb 2013: Interview mit Linda Pense und Stefan Hannig

Friday, May 24th, 2013

Trotz unserer persönlichen und sehr tiefen Abneigung gegen alles, was mit Chemnitz zu tun hat – was wir wirklich langsam überwinden sollten – ist der Marianne Brandt Wettbewerb einer unserer liebsten internationalen Designwettbewerbe. Wir kennen keinen anderen Designwettbewerb, bei dem ein Origami-Kolibri mit einer Büroklammer als Schnabel gewinnen könnte… Und kein neues Produktkonzept der letzten Zeit hat uns auf Anhieb so begeistert wie Mechthild. Oder Damensattel von Caspar Huckfeldt, der 2010 einen Sonderpreis gewann und natürlich Stephan Schulz’ Comfy Cargo Chair von 2010.

Noch bis zum 26. Mai können Arbeiten für den Marianne Brandt Wettbewerb 2013 eingereicht werden. Der Wettbewerb 2013 bedeutet nicht nur eine neue Gewinnchance, sondern auch ein neues Organisationskomitee. Unter den ersten Änderungen, die das neue Team machte, ist die Einführung der neuen Kategorie ”Cradle to Cradle”, die wir in unserem letzten Post vollkommen missverstanden haben. Um herauszufinden, was genau die Kategorie ”Cradle to Cradle” ist und welche anderen Änderungen wir vom Marianne Brandt Wettbewerb 2013 erwarten können, haben wir Linda Pense und Stefan Hannig aus dem neuen Organisationskomitee getroffen und sie zu allererst nach den anstehenden Veränderungen gefragt.

Linda Pense: Es begann alles mit einem Filmprojekt über Industriedesign und im Speziellen Industriedesign im Zusammenhang mit dem Marianne Brandt Wettbewerb, an dem Fran, Stefan und Alexander arbeiteten. Die Recherchen für den Film brachten uns dem Wettbewerb ziemlich nah und schließlich fragte Ilona Rosenkranz, die den Wettbewerb ins Leben gerufen und ihn seit 2000 geleitet hat, ob wir nicht Interesse hätten, die Organisation des Wettbewerbes zu übernehmen und ihn weiterzuführen.

Stefan Hannig: Wir haben ziemlich lange überlegt und die Entscheidung Ja zu sagen, war schließlich eine sehr intuitive, fast eine Bauchentscheidung: für uns gibt es keine kommerzielle Logik bei der Entscheidung, es war viel mehr so, dass wir die Mühe, die über die Jahre in das Projekt gesteckt wurde, sehr schätzen und wir das Ganze für einen ausgezeichneten Wettbewerb halten, der es verdient hat gepflegt zu werden.

(smow)blog: ….was uns zur nächsten Frage führt: Erwartet uns ein frischer Wind in der ganzen Sache oder soll alles so bleiben wie es war?

Linda Pense: Ich war sehr vertraut mit dem Wettbewerb und fand ihn immer wunderbar, weil er so eine offene Atmosphäre hatte, irgendwie sehr persönlich war und auch das Motto “Die Poesie des Funktionalen” ist eine exzellente Basis für so einen Wettbewerb. Und wir wollten all das beibehalten… aber dann haben wir nach und nach gemerkt, dass wir ihn doch mehr verändert haben, als wir eigentlich wollten. Das heißt die zentralen Elemente und das Motto “Die Poesie des Funktionalen” sind die gleichen geblieben. Was wir geändert haben, betrifft vor allem Dinge wie die Kommunikation – wir nutzen nun viel mehr digitale Plattformen -, aber auch der Auswahlprozess ist neu – die Longlist wird mithilfe von eingesendeten PDFs und nicht mehr den “echten” Objekten erstellt. Und wir haben den Wettbewerb von einem europäischen in einen wirklich internationalen verwandelt.

Stefan Hannig: Daneben haben wir uns gegen eine formelle Preisverleihung und für mehr informelle Veranstaltungen entschieden, angelehnt an die berühmten Bauhaus Feste mit Musik, Kunst, gutem Essen und noch besseren Gesprächen. Wir wollten ein bisschen weg von dem klassischen Designpreis und hin zu einem Austausch und Diskurs über Design.

(smow)blog: Die Kategorien Fotografie und Design sind geblieben, in diesem Jahr neu ist die Kategorie “Cradle to Cradle” Eine Kategorie, die wir völlig missverstanden haben. Um es richtigzustellen, was ist der Hintergrund der Kategorie?

Linda Pense: “Cradle to Cradle” als Konzept wurde von Michael Braungart, einem unserer neuen Juroren, entwickelt und es geht letztlich darum Projekte zu entwickeln, deren Fokus auf Ökoeffektivität, und nicht Ökoeffizienz, liegt. Das heißt, z.B. nicht nur etwas zu produzieren, das recycelt werden  kann, sondern etwas zu produzieren, das recycelt werden kann ohne jemals  Müll zu produzieren – weder beim Produktionsprozess noch am Ende eines  Nutzungszeitraumes

Als wir an dem Filmprojekt arbeiteten, hatten wir einige fundamentale Fragen zu klären, wie darüber, was Design ist, was Design kann, was Design machen sollte und gleichzeitig, was das Bauhaus erreichen wollte und was es erreichen wollen würde, wenn es heute immer noch existieren würde. Fragen, die auf die eine oder andere Weise viel mit Materialien und Produktionsprozessen zu tun haben.

Ganz ähnlich beschäftigt sich “Cradle to Cradle” mit Materialien und Prozessen und vor allem dem Produkt als integrierten Teil eines Produktkreislaufs statt etwas Parallelem dazu.

Und für unseren Teil mögen wir wirklich den positiven, initiativen Aspekt der “Cradle to Cradle”-Philosophie. Es ist ein Ansatz, der versucht Wandel zu erreichen, indem er sagt “Tu das” oder “Tu das”; ganz im Gegensatz zu den Beschränkungen und Don’ts, die normalerweise mit Diskussionen über “Nachhaltigkeit” assoziiert werden also.

Stefan Hannig: Und wenn man damit beginnt, über solche Sachen nachzudenken, kommt man automatisch zu der Frage danach, wer dafür verantwortlich ist, Änderungen in Gang zu bringen. Ist es der Konsument, die Politiker, die Hersteller? Die Antwort ist, dass es am Ende der Designer ist. Und da kommen wir wieder zum Bauhaus. Das Bauhaus regte viele der zeitgenössischen Fragen an, besonders nach der Entwicklung vom Handwerk zur Massenproduktion. Und es waren die Designer, die solche Fragen aufwarfen, nicht Industrielle, nicht die Politiker. Und im Wesentlichen ist das die Funktion des Designers: Probleme lösen und Konventionen hinterfragen. Es geht nicht darum einen Löffel noch attraktiver zu machen oder designter wirken zu lassen, auch keine Vase. Die grundsätzliche Funktion des Designers liegt darin, innovative Lösungen für gesellschaftliche Probleme zu finden. Und daher hoffen wir in der “Cradle to Cradle”-Kategorie einige aufregende neue Konzepte und Projekte in diese Richtung zu finden.

(smow)blog: Das ist euer erster Wettbewerb als Veranstalter und ihr habt uns nun erzählt, was wir erwarten können. Gibt es auch Dinge, dir ihr erwartet oder Ziele, die ihr euch gesteckt habt?

Stefan Hannig: Eigentlich haben wir keine Ahnung, was uns erwartet. Auf der einen Seite, weil wir es zu einem internationalen Wettbewerb gemacht haben und auf der anderen Seite, weil wir das Event anders als Ilona Rosenkranz öffentlich gemacht haben. Es kann sein, dass nur 100 Designer ihre Arbeiten einreichen, was auf jeden Fall enttäuschend wäre, aber wir haben uns auch keine wirklichen Ziele gesetzt. Für uns ist vielleicht das Feedback am Ende des Wettbewerbs und die Reaktionen auf die Preisverleihung und die Ausstellungen wichtiger. Aber jetzt sind wir an dem Punkt, wo die Arbeit wirklich beginnt und wir freuen uns alle darauf zu sehen, wie sich die nächsten Wochen entwickeln werden.

Internationale Marianne Brandt Wettbewerb 2013

Internationaler Marianne Brandt Wettbewerb 2013



Die Poesie des Funktionalen: Internationaler Marianne Brandt Wettbewerb 2013

Wednesday, October 24th, 2012

Treue Leser werden wissen, wie sehr wir die Bauhaus Designerin Marianne Brandt schätzen. Und sie werden auch wissen, dass wir jedes mal, wenn wir über sie schreiben, am Ende halb Sachsen beleidigen. Also: Tief einatmen, Daumen drücken und los geht’s!

2013 wird der Chemnitzer Kunstverein Villa Arte den 5. Internationalen Marianne Brandt Wettbewerb ausrichten.

Die fünfte Ausgabe der alle drei Jahre stattfindenden Huldigung internationalen zeitgenössischen Designs setzt nicht nur die Suche nach Objekten und Fotografien fort, die “Die Poesie des Funktionalen” darstellen, sondern verspricht auch ein eintägiges Marianne Brandt Symposium, was wir für eine ausgezeichnete Idee halten.

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Marianne Brandt Wettbewerb 2010: Marlen Pelny performt ein Marianne Brandt Gedicht unter den wachsamen Augen der Künstler.

Eines unserer Highlights des Jahres 2012 war die Ausstellung ”Bauhaus. Art as Life” im Barbican in London. Und das nicht nur, weil der Flug auf die Insel den Genuss einiger guter Biere bedeutete, sondern auch wegen der neuen Perspektive, die man dort auf viele der bekannten Bauhaus Protagonisten gewonnen hat. Einschließlich Marianne Brandt, natürlich.

In unserem Interview mit Kuratorin Lydia Yee merkte sie an, dass Brandts Collagen zu den Objekten gehören, die ihr wirklich geholfen haben, das Bauhaus und sein Erbe besser zu verstehen. Da können wir ihr nur beipflichten. Das gilt aber nicht nur in Bezug auf die Collagen. Die Ausstellung war voll mit seltenen Betrachtungen von Brandts Arbeit.

Es wäre zu einfach einen Designer nur auf einige wenige markenzeichenartige Arbeiten zu reduzieren, während der Rest des Lebens und des Werkes einfach ignoriert werden.

Ja, das Teeservice von Marianne Brandt ist fantastisch. Aber es ist eines von vielen Projekten. Erkundet man einmal den Rest ihres Werkes, entdeckt man Aspekte ihres Charakters und ihrer Philosophie, auf die man einfach nicht nur von einem Teeservice schließen kann.

“Bauhaus. Art as Life” bot die Gelegenheit dafür. Der Internationale Marianne Brandt Wettbewerb hingegen ist zwar fraglos eine einzigartige Plattform für das Leben und das Werk der Marianne Brandt, ein wenig mehr Erklärung dazu, wer sie war und was sie getan hat, wäre aber nicht verkehrt gewesen und würde dafür sorgen, dass sie für junge Designer relevant bleibt. Wir hoffen, das Symposium schafft das.

Barbican Art Gallery Bauhaus Art as Life Marianne Brandt

Eine Auswahl an Lampendesigns von Marianne Brandt bei "Bauhaus. Art as Life"

Neben den regulären Produktdesign- und Fotografie-Kategorien beinhaltet der Internationale Marianne Brandt Wettbewerb 2013 die Sonderkategorie ”Cradle to Cradle” für nachhaltiges Design. Auch wenn Nachhaltigkeit eine tolle Sache ist, sind wir ehrlich gesagt etwas enttäuscht, dass der Wettbewerb so eine Kategorie einführt.

Für uns sind “Nachhaltiges Design”-Wettbewerbe ein wenig wie 3D-Filme – ein vorbeifahrender Zug, auf den plötzlich jeder aufspringen will; unabhängig davon, ob man das Reiseziel kennt oder nicht.

2010 erfüllten viele der eingereichten Arbeiten Ansprüche an Nachhaltigkeit. Die waren sogar ganz schön nachhaltig. Und es ist anzunehmen, dass das viele der Beiträge von 2013 ebenfalls sein werden. Intelligente zeitgenössische Designer beziehen nämlich immer Aspekte wie Rohstoffe, Lebenszyklen, Energieversorgung und Recycling bzw. Entsorgung in ihre Arbeit ein.

“Nachhaltiges Design” also als extra Kategorie einzuführen, trägt nicht dazu bei einen Dialog über Nachhaltigkeit im Design anzuregen, sondern stilisiert es innerhalb der öffentlichen Wahrnehmung viel mehr als eine Art “Feature”, das Design enthalten kann. Wenn Design aber wirklich nachhaltig sein soll, müssen wir alle – Designer, Konsumenten, “Lifestyle Blogger”, Hersteller, Politiker – verstehen, dass Beständigkeit zu den Aufgaben eines Designers gehört.

Aber unabhängig davon sind wir einfach froh, dass der Internationale Marianne Brandt Wettbewerb wieder da ist. Wir haben ihn vermisst. Ehrlich.

Der Wettbewerb von 2010 hat uns zwei Projekte nahegebracht, die uns immer noch faszinieren - Mechthild von Christoph Schmidt und Damensattel von Caspar Huckfeldt - und vom Wettbewerb 2013 erwarten wir, dass er mindestens genauso anregend, erfrischend, innovativ und anspruchsvoll sein wird.

Beiträge für den Internationalen Marianne Brandt Wettbewerb 2013 können bis Mai 2013 eingereicht werden, ihr habt also noch Zeit euer Killer Projekt zu entwickeln.

Der Wettbewerb ist für alle Designer offen, unabhängig davon wie professionell. Die einzige Bedingung ist, dass man unter 40 sein muss, womit leider schon die meisten der Einwohner von Chemnitz ausscheiden.

Mehr Informationen über den Internationalen Marianne Brandt Wettbewerb 2013 gibt es unter http://marianne-brandt-wettbewerb.de

International Marianne Brandt Contest 2013

Internationaler Marianne Brandt Wettbewerb 2013



Designers’ Open: Caspar Huckfeldt, Damensattel

Saturday, October 30th, 2010
Damensattel by Casper Huckfeldt

Damensattel von Caspar Huckfeldt

Beim Marianne Brandt Wettbewerb 2010 gewann der Hallenser Designer Caspar Huckfeldt den (smow)/Vitra Preis für seinen “Damensattel”. Im Wesentlichen handelt es sich dabei um einen abnehmbaren Plastiksattel, der auf der Stange befestigt wird und einem weiteren Mitfahrer, respektive einer Dame, angenehmes Sitzen auf der Stange ermöglicht. Als potentielle Inspirationsquelle sei hier nur die “I’m Singing in the Rain”-Szene von Butch Cassidy und Sundance Kid erwähnt.

Die Vitra-Jury lobte den Damensattel als “echten Charmeur”, der die Leute anzieht und geradezu danach schreit verwendet zu werden. Außerdem sah Vitra in dem Produkt viel Potential für eine Weiterentwicklung.

Damensattel wird als Teil des Marianne Brandt Wettbewerbes beim Designers’ Open in Leipzig ausgestellt. Vor der Eröffnung haben wir mit Caspar Huckfeldt gesprochen.

(smow)blog: Wenn wir ehrlich sind, wissen wir nicht viel über dich, außer dass du 2004 mit dem Studium an der Burg Giebichenstein begonnen hast. Hast du eine Ausbildung oder so etwas abgeschlossen, bevor du in Halle angefangen hast?

Caspar Huckfeldt: Nein, nichts in dieser Art. Als Kind wurde ich immer ermutigt zu malen, was ich auch immer genossen habe und was zu meinen besten Fächern in der Schule zählte. Nach der Schule habe ich zunächst mit Film gearbeitet, weil mir der visuelle Ausdruck dieses Mediums gefiel, aber ich habe immer weiter gezeichnet. Dann habe ich begonnen ein “normales” Sozialwissenschaftenstudium in Hamburg zu beginnen, was ok war, mich aber nie so richtig gepackt hat. Also habe ich mich langsam in die Grafikdesign Richtung entwickelt, und schließlich zum Produktdesign. Die Entwicklung von 2D zu 3D finde ich sehr spannend, also habe ich mich an verschiedenen Kunstunis beworben und mich schließlich für die Burg Giebichenstein entschieden.

An early Damensattel prototype

Ein früher Damensattel Prototyp

(smow)blog: Und warum Burg Giebichenstein?

Caspar Huckfeldt: Auf der einen Seite war die Stadt so rauh und roh, was für mich zu der Zeit ein wunderbarer Kontrast zu Hamburg war. Auf der anderen Seite, und was viel wichtiger ist, waren die Mitarbeiter der Burg Giebichenstein während des Bewerbungsverfahrens so freundlich und kümmerten sich sehr gut um uns – was mir gut gefiel.

(smow)blog: Und wann wirst du mit deinem Studium fertig sein?

Caspar Huckfeldt: Wenn alles gut geht, müsste ich im Januar des nächsten Jahres fertig sein.

(smow)blog: Planst du dann noch weiter in Halle zu bleiben? Kann man als Designer in Halle bleiben?

Caspar Huckfeldt: Eigentlich muss man Halle verlassen, weil die Kulturpolitik in Sachsen-Anhalt und Halle ein Desaster ist. Die Anreize für junge Leute zu bleiben werden immer weniger. Der Widerspruch in alldem ist, dass Studenten der Burg Giebichenstein ermutigt werden zu bleiben und auch ziemlich gut unterstützt werden. Für mich ist Halle jedoch ein Kapitel, das zugeschlagen werden kann. Ich bin bereit für etwas Neues.

(smow)blog: Du hast gerade den (smow)/Vitra Sonderpreis beim Marianne Brandt Wettbewerb gewonnen. Warum hast du dich entschieden deinen “Damensattel” einzureichen?

Caspar Huckfeldt: Ich finde den Titel des Wettbewerbes “Die Poesie des Funktionalen” wundervoll, weil es etwas Besonderes ist, wenn ein Objekt mehr bietet als nur gut zu funktionieren.

(smow)blog: Und was war es, was dich auf die Idee mit dem Damensattel gebracht hat?

Caspar Huckfeldt: Im Moment konzentriere ich mich generell auf Projekte, bei denen ich ein gewisses persönliches Interesse habe. Später, wenn man stärker den Anforderungen und Beschränkungen der Industrie unterliegt, kann man das nicht mehr. Also habe ich mir gedacht, die Freiheit zu tun, was ich will, so lange wie möglich auszukosten. Ich finde die Vorstellung von zwei Menschen auf einem Fahrrad wunderschön, es macht die Fahrt so viel persönlicher. Aber normalerweise sitzt die zweite Person auf dem Gepäckträger, was der Konversation bzw. Interaktion nicht besonders zuträglich ist. Besonders während meiner Zeit in Kopenhagen und Rotterdam habe ich viel Zeit damit verbracht darüber nachzudenken, wie sich am besten zwei Personen auf einem Fahrrad fortbewegen können. Ich mochte die Idee des seitlichen Sitzens sehr und habe nach einem Weg gesucht es zu verbessern. Aus dieser Überlegung heraus entstand “Damensattel”

(smow)blog: Gibt es auch kommerzielle Bestrebungen?

Caspar Huckfeldt: Zurzeit arbeite ich noch an einer Verbesserung und einer Auswahl von Farben. Aber ich habe den Sattel auch ein paar Freunden geschenkt und die ersten Fahrradläden zeigen bereits Interesse. Das Projekt werde ich also auf jeden Fall weiterverfolgen, wenn ich mit dem Studium fertig bin. Nicht zuletzt weil ich das Produkt wirklich mag und es Spaß macht damit zu arbeiten.

Damensattel von Caspar Huckfeldt kann auf dem Designers’ Open Leipzig bis Sonntag, den 31.10. gesehen werden.

 more civil and personal bicycle made for two!

Damensattel von Caspar Huckfeldt

... told you

Damensattel von Caspar Huckfeldt ...in Action.



Internationaler Marianne Brandt Wettbewerb 2010 – Die Ausstellung

Tuesday, October 5th, 2010

Preisverleihungen sind schön und gut – aber viel wichtiger sind die dazugehörigen Ausstellungen.

Und bis zum 10. Oktober kann man die Ausstellung des Internationalen Marianne Brandt Wettbewerb im Industrial Museum Chemnitz besichtigen.

Eigentlich wollten wir einen langen Text schreiben, aber wir haben uns entschieden einfach ein paar Impressionen zu veröffentlichen.

Wie auch immer. Die Ausstellung können wir jedenfalls uneingeschränkt empfehlen – nicht nur für Kunst- und Designitneressierte, sondern für alle, die an neuen Ideen und Kreativität interessiert sind.

Für alle die es nicht nach Chemnitz schaffen, werden die Gewinner bei der Designers Open (29. bis 31. Oktober in Leipzig) und im November in der Sächsischen Akademie der Künste in Dresden gezeigt.

Mehr Informationen gibt es auf www.marianne-brandt-wettbewerb.de.

MOA by Eva Marguerre and Marcel Besau - finally the succesor to NIDO

MOA von Eva Marguerre und Marcel Besau

Mechthild by Christoph Schmidt - Prize winner product design at the International Marianne Brandt Contest 2010

Mechthild von Christoph Schmidt

Öffnungszeiten by Sylvia Stadtmüller

Öffnungszeiten von Sylvia Stadtmüller

Sonja Jobs - Infinite Calender (detail)

Sonja Jobs - Infinite Calender

Stephan Schulz - Comfy Cargo Chair. Still lovin' it!

Stephan Schulz - Comfy Cargo Chair. Still lovin' it



Internationaler Marianne Brandt Wettbewerb 2010 – Preisverleihung

Wednesday, September 29th, 2010

Auch wenn der Marianne Brandt Wettbewerb sich nach außen um Marianne Brandt dreht, so stand die Preisverleihung am Freitag in Chemnitz unter einem anderen Stern

“Chemnitz – Stadt der Moderne”

Jede einzelne Ansprache drehte sich um “Chemnitz – Stadt der Moderne” und wurde so oft wiederholt, ad nauseum ad infinitum, wahrscheinlich in der Hoffnung, dass wenn man es nur oft genug wiederholt, dass es auch wahr wird.

“Ich will ein Pony!” “Ich will ein Pony!” “Ich will ein Pony!” “Ich will ein Pony!” “Ich will ein Pony!”

Nicht dass wir etwas gegen das Stadtmarketing hätten, die Basis auf der der Claim von Chemnitz aufbaut ist nur sehr dünn. Und das mit der Bestätigung von Chemnitz selbst, wo Modernismus mit modern verwechselt wird.

Wenn Chemnitz so modern und auf der Höhe der Zeit ist .... ?

Wenn Chemnitz so modern und auf der Höhe der Zeit ist .... ?

Die Ironie der ganzen Sache ist, dass man aus der Rede von Bürgermeisterin Barbara Ludwig hören konnte, dass Marianne Brandt eigentlich ein starker Character allein für sich selbst ist.

Man muss eine solche Veranstaltung nicht auf Biegen und Brechen mit “Chemnitz – Stadt der Moderne” verbinden, wenn das Publikum schlau genug ist, zu wissen, dass es sich hierbei hauptsächlich um Stadtmarketing handelt.

Das Vermächtnis von Marianne Brandt scheint so viel heller.

Glücklicherweise folgten die Gewinner dem Geist der Marianne Brandt.

Marianne Brandt Wettbewerb 2010: Gewinnerin der Kategorie Fotografie Alexandra Grein im Gespräch mit Thomas Bille

Marianne Brandt Wettbewerb 2010: Gewinnerin der Kategorie Fotografie Alexandra Grein im Gespräch mit Thomas Bille

Der Fotografiepreis zum Beispiel ging an die Düsseldorferin Alexandra Grein für ihre wundervolle Collagenserie “Terra”. Erdacht als eine Homage an Caspar David Friedrich wurden die einzelnen Bilder aus “Terra” aus Satellitenbildern von den Orten der Inspiration aus seinem Leben.

Die Collage als Disziplin der Fotografie wurde von Marianne Brandt oft eingesetzt. Alexandra Grein hat diese Disziplin “verbauhaust” in dem Sie moderne Computertechnologie und Satellitenbilder einbrachte.

Auch der Hauptpreis der Kategorie Produktdesign hätte von Brandt oder einer ihrer Zeitgenossen stammen können.

Der Kolibri Mechthild von Christoph Schmidt ist, wenn wir ehrlich sind, nichts weiter als ein bisschen Origami mit einer Büroklammer im Rücken.

The Eames DSR ist auch nur ein Stuhl.

“Mechthild” entstand aus der Idee heraus, dass Christoph Schmidt die kleinen Löcher in seiner Wand nicht mit Gips oder darübergehängten Fotos kaschieren wollte.

Marianne Brandt Wettbewerb 2010: Produktdesign Gewinner Mechthild von Christoph Schmidt

Marianne Brandt Wettbewerb 2010: Produktdesign Gewinner Mechthild von Christoph Schmidt

“Mechthild” füllt nicht nur das Loch; “Mechthild” nutzt das Loch um etwas neues zu schaffen. Damit macht er nicht nur aus einem Problem eine Chance, sondern zeigt auf wundervolle Weise was man erreichen kann, wenn man mit Gegenheiben arbeitet, die konventionellen Designtheorien aber verlässt.

Das ist genau das, was uns das Bauhaus gelehrt hat.

Was uns besonders an “Mechthild” gefällt, ist das es mit dem Licht von Algue von Ronan und Erwan Bouroullec “Mechthild” Schatten an die Wand wirft, die sich mit veränderten Lichtverhältnissen im Raum über den Tag auch verändern und so eine aktive Rolle im Interior Design einnehmen.

Der Höhepunkt der Zeremonie war definitv die Präsentation des (smow)-USM Haller Spezialpreis an die Berliner Designerin Tonia Welter und ihre USB-Schmuckkollektion und der(smow)-Vitra Spezialpreis an Caspar Huckfield für seinen Fahrradsattel.

Aber mehr zu Tonia Welter, Caspar Huckfeld und Christoph Schmidt zu einem späteren Zeitpunkt.

Als wir in der Eröffnungveranstaltung saßen haben wir schon befürchtet, dass Chemnitz das Image einer seiner größten Stars durch übertriebenes Stadtmarketing verspielt.

Aber als wir die Oper verließen war unsere Laune viel besser.

Nicht nur, dass die Preisgewinner Marianne Brandts Erbe verstanden, auch die musikalische Einlage eines Gedichts von Marianne Brandt verdeutlichte auf schöne Weise, dass auch die Veranstalter ihr Handwerk verstehen.

Wir können nur hoffen, dass es in der Zukunft so schön weiter geht – und Chemnitz sich einen neuen passenderen Slogan überlegt.

Marianne Brandt Wettbewerb 2010: Marlen Pelny trägt ein Gedicht unter den Augen von Marianne Brandt vor

Marianne Brandt Wettbewerb 2010: Marlen Pelny trägt ein Gedicht unter den Augen von Marianne Brandt vor



Internationaler Marianne Brandt Wettbewerb 2010

Tuesday, September 28th, 2010
Industriemuseum Chemnitz

Industriemuseum Chemitz

Als wir das erste mal hörten, dass der Internationale Marianne Brandt Wettbewerb im Indutriemuseum Chemnitz stattfinden wird, dachten wir uns, dass das ein bisschen harsch ist.

Wir wissen, dass die Aussichten der Stadt nicht die besten seit der Wiedervereinigung sind – aber die ganze Stadt als Touristenattraktion zu bezeichnen, die künstlich versucht die Erinnerung an bessere Zeiten aufrecht zu erhalten …

ist auch nicht fair.

Wie sich herausstellt ist das Museum in Chemnitz der Industriellen Geschichte gewidmet.

Unser Fehler.

Unter dem Motto “Poesie des Funktionalen” wurden Arbeiten in den Bereichen Produkt Design und Photographie eingereicht. Zusätzlich gab es noch die Gastsparte “Licht im öffentlichen Raum”

Die Organisatoren wurden nicht enttäuscht. Mit 412 Anmeldungen aus 12 Ländern konnte man einen enormen Anstieg im Vergleich zu 2007 verzeichnen.

Die Ausstellung im Sächsischen Industriemuseum Chemnitz präsentiert die Preisträger und eine Auswahl an empfohlenen Werken. Das gibt einen Einblick in die Vielfalt der Einreichungen und in die Wahl der Jury im Vergleich zu den anderen Arbeiten.

Zusätzlich zu den Objekten die man auf so einer Ausstellung erwartet gab es beim Internationalen Marianne Brandt Wettbewerb auch einige wahre Perlen der Kreativität zu betrachten.
Und ein paar alte (smow)blog Favoriten können auch bewundert werden.

In den nächsten Tagen präsentieren wir die Zusammenfassung der Veranstaltung sowie der Preisverleihung.

Dafür müssen wir zwar zweimal nach Chemnitz fahren, aber OK.

Marianne Brandt Ausstellung

Internationaler Marianne Brandt Wettbewerb 2010 Ausstellung -wir werden den Schleier am Montag lüften