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DMY Berlin 2012: Designpreis der Bundesrepublik Deutschland 2012 – Nominierungen

Saturday, June 9th, 2012

Das DMY präsentiert – wie bereits erwähnt – nicht nur die Ausstellung zum Designpreis der Bundesrepublik Deutschland 2012, sondern auch das Jury-Meeting, bei dem entschieden wird, welche Beiträge nominiert werden. Aus dieser kurzen Liste werden anschließend die Sieger gewählt. Die Jury hat ihre Arbeit erledigt und bis zum 10. Juni können wir alle eingereichten Beiträge bestaunen und die Entscheidungen der Jury in Frage stellen. Dafür sind Jury-Entscheidungen schließlich da!

Die Ausstellung ähnelt zunächst einem Parkplatz: Die Rollfeldseite des Hangars wird von einer durchgehenden Reihe von Autos und Motorrädern eingenommen – deutsche Ingenieurskunst in seiner reinsten Form. Nach dem zu urteilen, was sonst noch zu sehen ist, ist Deutschland aber auch nicht träge, wenn es darum geht, Wasserhähne und Duschköpfe zu produzieren. Doch nicht alles ist Highend-Industriedesign; es gibt auch einige wunderbare Beispeile für Grafikdesign: kleine, verspielte Gegenstände, die unseren Alltag ein klein wenig einfacher machen. Und ein Filz-Nashorn und -Elefant namens Ronny und Peggy…

Doch es ist ein wenig problematisch, Duschköpfe, Notebooks und Stofftiere an einem Ort wie Tempelhof auszustellen, da sie relativ klein sind. Der Ausstellungshanger ist so wie er ist also nicht besonders gut gefüllt und durch die vielen kleineren Gegenstände läuft man Gefahr, vor lauter Platz zu ertrinken. So kühn die Organisatoren auch sind, den ganzen Hangar in Beschlag zu nehmen, sie wären vielleicht besser beraten gewesen, nur ungefähr 75% des Raums zu nutzen. Aber vielleicht erwarten sie auch einfach fürchterlich viele Besucher…

Der Abschnitt, der uns am meisten interessiert hat, waren natürlich die Möbel – aber ehrlich gesagt gab es da für uns nicht sonderlich viel zu holen. Allerdings begeistert uns Bao von EOOS für Walter Knoll noch immer und wurde unserer Ansicht nach zu Recht nominiert. Ansonsten wirkte der Möbelbereich eher langweilig und uninspiriert. Uns fehlte irgendwie die Innovation.

Außerdem haben wir auf der Ausstellung die Beiträge jüngerer Designstudios und Hersteller vermisst. Zum Konzept des DMY und des Designpreises gehört ja eigentlich, dass die reduzierte Teilnahmegebühr mehr junge Studios und Hersteller für die Teilnahme motivieren sollte. Wir haben jedenfalls keine gesehen… Oder zumindest lange nicht so viele, wie man eigentlich erwartet hätte. Es war zwar zugegebenermaßen ziemlich dunkel im Hangar als wir da waren, doch wir konnten trotzdem alle Produkte der industriellen Elite Deutschlands sehen. Aber keine von der nächsten Generation.

Das liegt aber wahrscheinlich nicht nur am DMY: Die Bedingung, dass alle Beiträge schon einen regionalen Designpreis gewonnen haben müssen, bedeutet natürlich, dass junge Designstudios, solange sie noch an keinem Designwettbewerb in Bayern, Sachsen oder dem Saaland teilgenommen bzw. dabei gewonnen haben, selbst dann nicht teilnehmen könnten, wenn die Zulassung zum Bundespreis kostenlos wäre. Die Zeit ist also vielleicht reif, einen genaueren Blick auf regionale Wettbewerbe zu werfen und objektiv zu urteilen, wie fair und demokratisch sie sind. Design und Innovation sind in Deutschland schließlich große Wirtschaftsfaktoren…

Wie gesagt wirkte die Halle fast leer. Obwohl das wahrscheinlich an der Größe des Hangars lag, glauben wir schon, dass das auch mit etwas zu größzügigen Organisatoren zu tun hatte. Wir haben zwar noch keine offiziellen Zahlen darüber gesehen, wie viele Beiträge eingereicht wurden, aber laut inoffiziellen Ziffern, die sich durch einen kurzen Blick auf die Ausstellung scheinbar bestätigen lassen, liegt die Zahl der Beiträge weit unter den Erwartungen. Aber wie gesagt, wir haben noch keine offiziellen Zahlen gesehen, aber sobald wir die haben, können wir abschätzen und analysieren, ob die Erwartungen erfüllt wurden. Und wenn nicht, wieso nicht.

Der Erfolg oder Misserfolg eines Designpreises wird aber nicht allein durch die Zahl der Beiträge bestimmt, sondern auch durch die Qualität der Gewinner. Wenn die Sieger die wahre Qualität des Designoutputs eines Landes widerspiegeln, dann ist seine Mission erfüllt. Wir können das natürlich besser beurteilen, wenn die Sieger im Oktober bekannt gegeben werden. Und bis Sonntag, den 10. Juni, haben wir alle die Chance, uns einen ersten Eindruck zu verschaffen.



DMY Berlin 2012

Friday, June 1st, 2012

Manchmal könnte fast der Eindruck entstehen, es gibt einen genauen Plan hinter diesem Blog. In unserem Mailand-Post Belgium is Design haben wir geschrieben:

“Tim Baute von interrror gehörte lange zu den größten Highlights auf der Kölner Möbelmesse.”

Und ein paar Wochen später bekamen wir die Info, dass er sein Debüt beim DMY Berlin gibt. Ob seine neue Stealth-Produktreihe ebenfalls ein Highlight wird, bleibt jedoch abzuwarten. Die Konkurrenz ist nicht ohne.

Der neuseeländische Designer David Trubridge, dessen Kete-Lampen uns 2009 in Mailand regelrecht umgehauen haben, wird seine Seed System Kiteset Lights präsentieren und das ökay?!-Projekt des Berliners Philipp Käfer sieht ebenso interessant aus wie Perspective_s from Poznan, das einen Überblick über zeitgenössisches Design in der Region Wielkopolska in Polen gibt – um nur drei Beispiele aus der sehr interessanten Ausstellerliste zu nennen, die übrigens auch jede Menge niederländische Aussteller umfasst. Uns liegen allerdings keine Informationen darüber vor, dass der Fokus beim DMY Berlin 2012 auf Holland liegt oder ob es eine Art Gastland ist. Doch der Flughafen Tempelhof schimmert verdächtig orange…

Neben den “etablierten” Ausstellungen und Events werden beim DMY Berlin 2012 auch alle Beiträge für den Designpreis der Bundesrepublik Deutschland 2012 ausgestellt. Wir sind schon ganz gespannt, wie sie das organisieren werden.

Wie immer werden wir für das Festival in Berlin sein und euch sowohl hier im (smow)blog als auch auf der (smow)facebook-Seite und smow.posterous.com regelmäßig mit News, Fotos und Interviews versorgen. Bitte lasst uns eure Meinung wissen…

dmy berlin 2012

DMY Berlin 2012



Designpreis der Bundesrepublik Deutschland 2012: DMY Berlin ersetzt den Rat für Formgebung als Veranstalter

Monday, February 6th, 2012

Vor einigen Jahren saßen wir eines Freitagabends in der Küche der Berge von Moormann in Aschau im Chiemgau als Nils Holger Moormann freudestrahlend hereinkam.

Er kam gerade mit einem “Deutschen Designpreis” in Gold fürs Berge in der Tasche von der Designpreisverleihung zurück und schwärmte nun davon, dass der Gewinn des Designpreises der Bundesrepublik Deutschland im Vergleich zu anderen Designpreisen so ist, als würde man olympisches Gold gewinnen.

Vielleicht hat er ihn auch nicht wirklich mit den Olympischen Spielen verglichen – unsere Erinnerung daran kann auch etwas verschwommen sein -, doch es bedeutete auf jeden Fall ein großes Lob. Und er strahlte bis über beide Ohren.Designpreis der Bundesrepublik Deutschland 20121969 ins Leben gerufen, ist der Designpreis der Bundesrepublik Deutschland der offizielle nationale Designpreis des Landes und wurde bisher im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie vom Rat für Formgebung verwaltet und organisiert. Ab 2012 soll DMY Berlin diese Aufgaben übernehmen – offenbar eine recht umstrittene Entscheidung.

Bei der ersten Pressekonferenz hat Hans-Joachim Otto, der Parlamentarische Staatssekretär beim Bundesminister für Wirtschaft und Technologie, mehrfach betont, dass die Entscheidung DMY mit dem Wettbewerb zu betrauen, keinesfalls eine Beleidigung gegenüber dem Rat für Formgebung darstellen solle. Das tat er mit einer Bestimmtheit und unmissverständlichen “hör ganz genau zu”-Deutlichkeit, die darauf schließen ließ, dass sich jemand gewaltig vor den Kopf gestoßen gefühlt hat.

Ob sich der Rat für Formgebung tatsächlich beleidigt fühlt, kann man vielleicht am besten daran sehen, dass sie ihren eigenen Wettbewerb ins Leben gerufen haben: den German Design Award. Oder wie wir solche Entscheidungen verstehen: “Wenn wir kein Stürmer sein können, nehmen wir unseren Ball eben mit nach Hause und spielen alleine”.

Soweit wir das beurteilen können, ist es nicht gerechtfertigt, dass der Rat für Formgebung seinen eigenen Wettbewerb startet. Das liegt nicht zuletzt daran, dass das zu Missmut führt und eine klar definierte Einordnung der derzeitigen Designqualität in Deutschland im Rest der Welt verhindert, woran der Rat für Formgebung rein theoretisch ebenfalls interessiert sein sollte.

german design award 2012

German Design Award 2012: Nicht zu verwechseln mit dem Designpreis der Bundesrepublik Deutschland 2012

Und nicht nur der Rat für Formgebung scheint durch die Entscheidung verstimmt zu sein. Ein Kollege wirkte auf der Pressekonferenz sehr sehr verärgert darüber, dass der Rat für Formgebung nicht länger die Organisation innehat. Sofern wir das richtig verstanden haben, lag das wohl daran, dass er Angst hatte, der Wettbewerb könnte zu kommerziell werden und irgendwie seine bisherige Reinheit verlieren.

Ohne die Kompetenz unseres Kollegen in Sachen deutsches Design offen anzweifeln zu wollen – denn wir fürchten, das könnte damit enden, dass wir winselnd und mit eingezogenen Schwänzen in den Wald flüchten -, so sollte er vielleicht mal einen Blick auf die Teilnahmebedingungen des Wettbewerbs werfen, als er noch vom Rat für Formgebung organisiert wurde und sich dann fragen, wieso der Rat für Formgebung sich dazu gezwungen fühlte, seinen eigenen Wettbewerb ins Leben zu rufen? Mal abgesehen von Neid und verletztem Stolz… Außerdem sollte er etwas kritischer beäugen, wie der Designpreis der Bundesrepublik Deutschland in letzter Zeit unter der Leitung des Rates für Formgebung vergeben wurde. Das hat das Wirtschaftsministerium auf jeden Fall getan…

Beim Versuch das Konzept des Rates neu auszurichten, ließ der Parlamentarische Staatssekretär auch verlauten, dass das Ministerium der Ansicht war, dass das Abhalten der Preisverleihungszeremonie während der Ambiente nicht die erforderliche Resonanz gebracht hat.

So sieht’s aus.

Nichts gegen die Frankfurter Messe, aber die Ambiente ist einfach keine Designmesse, sondern eine Messe für Wohnaccessoires und Geschenke. Am meisten mit Design zu tun, haben dort wahrscheinlich die Tapeten – mit Grafikdesign…

Der in Frankfurt ansässige Rat für Formgebung scheint oft nicht in der Lage über die Ufer des Mains hinauszudenken. Beispielsweise besteht der Stiftungsrat für das neue Deutsche Design Museum, das eigentlich für Berlin geplant ist, ausschließlich aus Frankfurtern. Das liegt vermutlich daran, dass der Rat für Formgebung keine kompetenten Leute kennt, die in Berlin wohnen.

Hätten sie von einem Designfestival in Berlin gewusst, hätten sie die Kooperation vermutlich früher begonnen und ihre Preisverleihung und -ausstellung zumindest parallel zum oder direkt beim DMY Festival veranstaltet. Das hätte auf jeden Fall ein größeres Medienecho hervorgerufen als die Teller, Handtuchhalter und Maniküreprodukte der Ambiente.

Was die Medienwirksamkeit betrifft, braucht man nur einmal den Umfang unserer Berichterstattung hier betrachten und dann googeln, wer noch darüber berichtet…

messe frankfurt messeturm

Der Messeturm auf der Frankfurt Messe beherbert seit Januar 2012 das Hauptquartier von... man kann es sich wahrscheinlich denken (Foto: Messe Frankfurt Exhibition GmbH / Helmut Stettin )

Wir vermuten mal, dass die Verehrung alles Hessischen durch den Rat für Formgebung mit ein Grund dafür war, wieso der Vertrag DMY zugesprochen wurde. Wenn das tatsächlich der Fall ist, können sie sich nur selbst die Schuld in die Schuhe schieben. Wir jedenfalls begrüßen die Entscheidung, DMY Berlin mit der Organisation des Wettbewerbs betraut zu haben.

Bei der Pressekonferenz hörten wir die Bezeichnung “Generationswechsel”, die wir überaus passend finden. Viele Menschen haben Angst vor Generationswechseln, doch sie sind wichtig, wenn eine Organisation, ein Event oder eine Beziehung sich entwickeln und zukünftige Herausforderungen meistern muss.

Wenn man so oft mit jungen und alten, etablierten und weniger etablierten deutschen Designern spricht wie wir, hört man oft die Kritik, dass die bestehenden Designinstitutionen Deutschlands sich zu sehr auf die “gute Form” konzentrieren und noch immer in einer Welt agieren, in der Dieter Rams bestimmt, was deutsches Design überhaupt ist. Außerdem verbringen sie viel Zeit damit, Designern zu sagen, was sie tun sollten, anstatt ihnen dabei zu helfen, das zu fördern, was sie eigentlich tun. Das liegt im Wesentlichen daran, dass die Organisation von einer Generation dominiert wird, die aus einer Zeit stammt, in der die Dinge noch so liefen. Das ist gut so. Doch heute ist das eben nicht mehr so. Und auch das ist gut so.

Mit DMY als Organisator des Designpreises der Bundesrepublik Deutschland wird der Wettbewerb wahrscheinlich nicht nur moderner, sondern auch demokratischer und offener gestaltet werden – vor allem durch den All-Inclusive-Preis von 350 Euro. Durch diese relativ geringe Gebühr wird es viel mehr kleineren Firmen und Designstudios möglich sein sich zu bewerben als bei den vielen anderen Designpreisen, bei denen Designer oft tausende Euro für den Gewinn zahlen müssen.

(Eine kurze Anmerkung für alle, die das nicht wissen: Einen Designwettbewerb zu gewinnen ist sehr teuer. Es gibt beispielsweise einen Wettbewerb, bei dem die Sieger eine “Gewinngebühr” in Höhe von 2800 Euro zusätzlich zu obligatorischen Kosten für Katalogeinträge bezahlen müssen – und natürlich die Teilnahmegebühr. Das stellt natürlich für jeden, der nur über ein eingeschränktes Budget verfügt, eine große Hürde dar.)

Es ist natürlich auch möglich, dass DMY Berlin den Wettbewerb verbockt und das Ganze in einem Disaster endet. Dieses Risiko besteht immer, wenn man den Partner wechselt. Das werden wir aber erst Mitte Mai wissen, wenn Details darüber bekannt gegeben werden, wie viele Anmeldungen eingegangen sind, von wem und aus welchen Disziplinen.

Doch wenn man sich das vom DMY entwickelte Konzept mal ansieht und es sowohl mit dem, was vorher war, vergleicht als auch mit all den anderen Designpreisen in Deutschland, so sehen wir eine reale Chance den Designpreis der Bundesrepublik Deutschland wiederzubeleben und dem deutschen Design sowie den deutschen Designern dabei zu helfen, sich besser auf dem Weltmarkt zu präsentieren.

Wir schlagen vor, der Rat für Formgebung lässt den Ball einfach da liegen, wo er ist, und akzeptiert seine Postion am Flügel…