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Designpreis der Bundesrepublik Deutschland 2012: DMY Berlin ersetzt den Rat für Formgebung als Veranstalter

Monday, February 6th, 2012

Vor einigen Jahren saßen wir eines Freitagabends in der Küche des Berges von Moormann in Aschau im Chiemgau als Nils Holger Moormann freudestrahlend hereinkam.

Er kam gerade mit einem “Deutschen Designpreis” in Gold fürs Berge in der Tasche zurück und schwärmte nun davon, dass der Gewinn des Designpreises der Bundesrepublik Deutschland im Vergleich zu anderen Designpreisen so ist, als würde man olympisches Gold gewinnen.

Vielleicht hat er ihn auch nicht wirklich mit den Olympischen Spielen verglichen – unsere Erinnerung daran kann auch etwas verschwommen sein -, doch es bedeutete auf jeden Fall ein großes Lob. Und er strahlte bis über beide Ohren.Designpreis der Bundesrepublik Deutschland 20121969 ins Leben gerufen, ist der Designpreis der Bundesrepublik Deutschland der offizielle nationale Designpreis des Landes und wurde bisher im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie vom Rat für Formgebung verwaltet und organisiert. Ab 2012 soll DMY Berlin diese Aufgaben übernehmen – offenbar eine recht umstrittene Entscheidung.

Bei der ersten Pressekonferenz hat Hans-Joachim Otto, der Parlamentarische Staatssekretär beim Bundesminister für Wirtschaft und Technologie, mehrfach betont, dass die Entscheidung DMY mit dem Wettbewerb zu betrauen, keinesfalls eine Beleidigung gegenüber dem Rat für Formgebung darstellen solle. Das tat er mit einer Bestimmtheit und unmissverständlichen “hör ganz genau zu”-Deutlichkeit, die darauf schließen ließ, dass sich jemand gewaltig vor den Kopf gestoßen gefühlt hat.

Ob sich der Rat für Formgebung tatsächlich beleidigt fühlt, kann man vielleicht am besten daran sehen, dass sie ihren eigenen Wettbewerb ins Leben gerufen haben: den German Design Award. Oder wie wir solche Entscheidungen verstehen: “Wenn wir kein Stürmer sein können, nehmen wir unseren Ball eben mit nach Hause und spielen alleine”.

Soweit wir das beurteilen können, ist es nicht gerechtfertigt, dass der Rat für Formgebung seinen eigenen Wettbewerb startet. Das liegt nicht zuletzt daran, dass das zu Missmut führt und eine klar definierte Einordnung der derzeitigen Designqualität in Deutschland im Rest der Welt verhindert, woran der Rat für Formgebung rein theoretisch ebenfalls interessiert sein sollte.

german design award 2012

German Design Award 2012: Nicht zu verwechseln mit dem Designpreis der Bundesrepublik Deutschland 2012

Und nicht nur der Rat für Formgebung scheint durch die Entscheidung verstimmt zu sein. Ein Kollege wirkte auf der Pressekonferenz sehr sehr verärgert darüber, dass der Rat für Formgebung nicht länger die Organisation innehat. Sofern wir das richtig verstanden haben, lag das wohl daran, dass er Angst hatte, der Wettbewerb könnte zu kommerziell werden und irgendwie seine bisherige Reinheit verlieren.

Ohne die Kompetenz unseres Kollegen in Sachen deutsches Design offen anzweifeln zu wollen – denn wir fürchten, das könnte damit enden, dass wir winselnd und mit eingezogenen Schwänzen in den Wald flüchten -, so sollte er vielleicht mal einen Blick auf die Teilnahmebedingungen des Wettbewerbs werfen, als er noch vom Rat für Formgebung organisiert wurde und sich dann fragen, wieso der Rat für Formgebung sich dazu gezwungen fühlte, seinen eigenen Wettbewerb ins Leben zu rufen? Mal abgesehen von Neid und verletztem Stolz… Außerdem sollte er etwas kritischer beäugen, wie der Designpreis der Bundesrepublik Deutschland in letzter Zeit unter der Leitung des Rates für Formgebung vergeben wurde. Das hat das Wirtschaftsministerium auf jeden Fall getan…

Beim Versuch das Konzept des Rates neu auszurichten, ließ der Parlamentarische Staatssekretär auch verlauten, dass das Ministerum der Ansicht war, dass das Abhalten der Preisverleihungszeremonie während der Ambiente nicht die erforderliche Resonanz gebracht hat.

So sieht’s aus.

Nichts gegen die Frankfurter Messe, aber die Ambiente ist einfach keine Designmesse, sondern eine Messe für Wohnaccessoires und Geschenke. Am meisten mit Design zu tun, haben dort wahrscheinlich die Tapeten – mit Grafikdesign…

Der in Frankfurt ansässige Rat für Formgebung scheint oft nicht in der Lage über die Ufer des Mains hinauszudenken. Beispielsweise besteht der Stiftungsrat für das neue Deutsche Design Museum, das eigentlich für Berlin geplant ist, ausschließlich aus Frankfurtern. Das liegt vermutlich daran, dass der Rat für Formgebung keine kompetenten Leute kennt, die in Berlin wohnen.

Hätten sie von einem Designfestival in Berlin gewusst, hätten sie die Kooperation vermutlich früher begonnen und ihre Preisverleihung und -ausstellung zumindest parallel zum oder direkt beim DMY Festival veranstaltet. Das hätte auf jeden Fall ein größeres Medienecho hervorgerufen als die Teller, Handtuchhalter und Maniküreprodukte der Ambiente.

Was die Medienwirksamkeit betrifft, braucht man nur einmal den Umfang unserer Berichterstattung hier betrachten und dann googeln, wer noch darüber berichtet…

messe frankfurt messeturm

Der Messeturm auf der Frankfurt Messe beherbert seit Januar 2012 das Hauptquartier von... man kann es sich wahrscheinlich denken (Foto: Messe Frankfurt Exhibition GmbH / Helmut Stettin )

Wir vermuten mal, dass die Verehrung alles Hessischen durch den Rat für Formgebung mit ein Grund dafür war, wieso der Vertrag DMY zugesprochen wurde. Wenn das tatsächlich der Fall ist, können sie sich nur selbst die Schuld in die Schuhe schieben. Wir jedenfalls begrüßen die Entscheidung, DMY Berlin mit der Organisation des Wettbewerbs betraut zu haben.

Bei der Pressekonferenz hörten wir die Bezeichnung “Generationswechsel”, die wir überaus passend finden. Viele Menschen haben Angst vor Generationswechseln, doch sie sind wichtig, wenn eine Organisation, ein Event oder eine Beziehung sich entwickeln und zukünftige Herausforderungen meistern muss.

Wenn man so oft mit jungen und alten, etablierten und weniger etablierten deutschen Designern spricht wie wir, hört man oft die Kritik, dass die bestehenden Designinstitutionen Deutschlands sich zu sehr auf die “gute Form” konzentrieren und noch immer in einer Welt agieren, in der Dieter Rams bestimmt, was deutsches Design überhaupt ist. Außerdem verbringen sie viel Zeit damit, Designern zu sagen, was sie tun sollten, anstatt ihnen dabei zu helfen, das zu fördern, was sie eigentlich tun. Das liegt im Wesentlichen daran, dass die Organisation von einer Generation dominiert wird, die aus einer Zeit stammt, in der die Dinge noch so liefen. Das ist gut so. Doch heute ist das eben nicht mehr so. Und auch das ist gut so.

Mit DMY als Organisator des Designpreises der Bundesrepublik Deutschland wird der Wettbewerb wahrscheinlich nicht nur moderner, sondern auch demokratischer und offener gestaltet werden – vor allem durch den All-Inclusive-Preis von 350 Euro. Durch diese relativ geringe Gebühr wird es viel mehr kleineren Firmen und Designstudios möglich sein sich zu bewerben als bei den vielen anderen Designpreisen, bei denen Designer oft tausende Euro für den Gewinn zahlen müssen.

(Eine kurze Anmerkung für alle, die das nicht wissen: Einen Designwettbewerb zu gewinnen ist sehr teuer. Es gibt beispielsweise einen Wettbewerb, bei dem die Sieger eine “Gewinngebühr” in Höhe von 2800 Euro zusätzlich zu obligatorischen Kosten für Katalogeinträge bezahlen müssen – und natürlich die Teilnahmegebühr. Das stellt natürlich für jeden, der nur über ein eingeschränktes Budget verfügt, eine große Hürde dar.)

Es ist natürlich auch möglich, dass DMY Berlin den Wettbewerb verbockt und das Ganze in einem Disaster endet. Dieses Risiko besteht immer, wenn man den Partner wechselt. Das werden wir aber erst Mitte Mai wissen, wenn Details darüber bekannt gegeben werden, wie viele Anmeldungen eingegangen sind, von wem und aus welchen Disziplinen.

Doch wenn man sich das vom DMY entwickelte Konzept mal ansieht und es sowohl mit dem, was vorher war, vergleicht als auch mit all den anderen Designpreisen in Deutschland, so sehen wir eine reale Chance den Designpreis der Bundesrepublik Deutschland wiederzubeleben und dem deutschen Design sowie den deutschen Designern dabei zu helfen, sich besser auf dem Weltmarkt zu präsentieren.

Wir schlagen vor, der Rat für Formgebung lässt den Ball einfach da liegen, wo er ist, und akzeptiert seine Postion am Flügel…



Bookinist Cup 2011: Die Hölle von Aschau

Thursday, November 10th, 2011

Vierundzwanzig Stunden bevor Sebastian Vettel in Japan seinen zweiten Formel 1-Titel besiegelte, sicherten sich Markus Jehs und Jürgen Laub den Sieg bei einem Motorsportevent, dessen Niveau um einiges höher anzusiedeln ist als das der Formel 1 und auf das Vettel selbst hofft eines Tages aufzusteigen, wenn er etwas besser fahren kann: dem Bookinist Cup.

Für viele ist der Bookinist nur ein Sessel, in dem man von seiner Lieblingsliteratur umgeben sitzen und lesen kann. Hierbei handelt es sich jedoch nur um eine fiese Marketing-Verschleierungstaktik.

Allein der Stil, in dem Nils Holger Moorman seinen Streitwagen 2008 erstmals in Mailand präsentierte verriet seine wahren Absichten.

Aber die Redakteure der Hochglanzmagazine und die Praktikanten hinter den oberflächlichen Designblogs waren – wie bei so vielen Werken Moormanns – einfach nicht in der Lage, die wahre Größe dieser Kreation zu verstehen. Und so war das Unternehmen gezwungen, das Marketing etwas zu mäßigen und den Bookinist als ein familienfreundliches Produkt zu vertreiben; also als etwas, das auch die Oma benutzen könnte.

Insider und Adrenalinjunkies wissen es aber besser. Die Hartgesotteneren unter ihnen nahmen Nils Holger Moormanns Herausforderung zum Kampf an.

Die Hölle von Aschau Nils Holger Moormann

Der Herausforderer: Nils Holger Moormann

Beim Bookinist Cup 2011 versammelten sich zwanzig internationale Teams in Aschau unter dem Uhrenturm gegenüber der Festhalle zum Kampf – miteinander und mit dem wahrscheinlich abwegigsten und gnadenlosesten Transportvehikel seit Erfindung des Esels.

Obwohl uns der erste Schnees des Winters von den Gipfeln der Chiemgauer Alpen verhöhnte und dunkle Wolken noch Schlimmeres erahnen ließen, meinte Petrus es gut mit den Wettkämpfern und es blieb fast während des ganzen Rennens freundlich.

Die trockene Fahrbahn nützte dem ersten Team aber leider nichts. Das “Tuktuk-Racing” Team zerstörte in einem dramatischen Auftakt den Bookinist – mangelhafte Fahrkünste, die zu einer unliebsamen Begegnung mit den Strohballen und zur Abtrennung des Vorderrads vom Fahrgestell führten.

Glücklicherweise hatte das Moormann-Designteam nicht nur zwei Bookinisten für das Rennen präpariert, sie können sogar auch schweißen. Sogar schnell. Und so konnte der Wettbewerb nach einer kurzen Safety-Car-Phase ungehindert fortgesetzt werden.

Nach Robert Widmann & David Fencher, Bibs Hosak-Robb & David Robb und Gabriele & Matthias von Schweinitz, betrat Nils Holger Moormann höchstselbst die Arena. Falls Euphorie jemals Grenzen gekannt hat, so hat sie an jenem kalten Nachmittag in Südbayern neue Sphären erreicht.

Moormann fuhr seinen persönlichen Bookinist, ein Vehikel, das er tatsächlich dazu benutzt, jeden Tag zur Arbeit zu fahren. Moormanns Leistung war leider weniger triumphierend als sein Empfang an der Startlinie:  Seine Maschine lief nicht optimal, was womöglich daran lag, dass der falsche Kraftstoff getankt wurde. Das war vom Streckenrand aus schwer zu sagen.

Nachdem der Herausforderer geschlagen war, oblag es den übrigen Teilnehmern um die Krone zu kämpfen. Erika und André Küchler machten der Schweiz alle Ehre, wärend Saskia Kaptein & Just Haasnoot viele der Vorurteile niederländischen Fahrern gegenüber  erfolgreich widerlegten. Doch letztlich konnte niemand sich mit der Geschicklichkeit, der Anmut und den stählernen Nerven des Stuttgarter Designstudios Jehs und Laub messen.

Der Bookinist war niemals eine Bestie, die gezähmt werden musste. Es gibt kein Buch über den “Bookinist-Flüsterer” und wir können uns auch nicht vorstellen, das es so was jemals geben wird. Und doch gebührt all jenen Respekt, die der Hölle von Aschau entronnen sind, um ihre Geschichte zu erzählen. Wir ziehen den Hut vor euch!

Und ja, das Team (smow) war auch da… aber das ist eine andere Geschichte für einen anderen Tag.

Der Vollständigkeit halber gibt es eine Liste aller Teams und Zeiten unter: www.die-hoelle-von-aschau.de

Hier die vier Gewinner:

Schnellstes Team: Stuttgarter Höllenhunde (Markus Jehs & Jürgen Laub)

Bester Stunt: Die Molitomähns (Frank Leukers & Jürgen Kupfer)

Eleganteste Performance: Vatikan Racing – Der eilige Stuhl (Klaus Wolter & Mark Bruckmann)

Meiste Kontakte mit den Strohballen: Ratz-Fatz-Team (Alex Seifried & Stephan Scholl)

 

 



Eiermann Schreibtisch: Warum hat ihn sich Benjamin verdient?

Friday, January 14th, 2011

Bereits im Oktober 2010 veranstaltete der Designer Blog pixelganster.de einen Wettbewerb mit einem Richard Lampert Egon Eiermann Schreibtisch als Hauptgewinn – natürlich gesponsort von (smow).

Die Teilnehmer wurden gebeten darzustellen, warum sie den Schreibtisch verdient hätten.

In seinem Gewinner-Video fragte Benjamin seine Freunde, warum er den Schreibtisch verdient hätte – wären deine Freunde so großzügig?

Unsere wahrscheinlich nicht.

Aber wir haben ja bereits einen Eiermann Schreibtisch!

Benjamin’s Gewinner-Video (deutsch mit englischen Untertiteln)



Dutch Design Awards 2010: Die Gewinner

Monday, October 25th, 2010
Dutch Design Awards 2010  Lifetime Achievment Award Willem Diepraam

Dutch Design Awards 2010 Lebenswerk Award Willem Diepraam

Die Dutch Design Awards 2010 wurden auf einer Gala am Samstag abend in der Muziekgebouw Frits Philips in Eindhoven präsentiert.

700 Beiträge wurden eingereicht und die internationale Jury wählte 17 16 Gewinner in den drei Hauptkategorien – es gab einen kleinen Skandal, als die Jury sich entschied keinen Gewinner für die “Fashion, Schmuck, Accessories” zu küren.

Zudem wurde der amsterdammer Photograph Willem Diepraam für sein Lebenswerk ausgezeichnet und als “Teil einer Generation von europäischen Photographen die es schafften ihre Bindung und ihre intrinsische Stärke zu visualisieren” gewürdigt.

Die Ausstellung mit allen Gewinnern der Dutch Design Awards 2010 kann man im Brainport Greenhouse, Stadhuisplein 5611, EM Eindhoven bis zum 31. Oktober besichtigen.

Der ganze Report wird folgen, jetzt die Gewinner der Dutch Design Awards 2010:

The Golden Eye: John Körmeling “Happy Street”

BNO – Piet Zwart Prize – Lebenswerk DDA: Willem Diepraam

RADO Young Designer Award: Iris van Herpen

Kategorie Produkt

  • Consumer Product: Van Moof “Vanmoof No 5 city bike”
  • Industrial Product: Lely “Balen Lely Welger RP245″
  • Autonomous Design:Scholten & Baijings “Paper table”
  • Fashion, Jewelry, Accessories: Not awarded
  • Living: Jeroen Vinken “Mazzo curtaining”
  • Packaging: FHV BBDO “Mars Messages”

Kategorie Spatial Design

  • Private Interior: Studio Roelof Mulder & bereau Ira Koers “Library, University of Amsterdam”
  • Commercial Interior: Architectenbureau Koenvan Velsen “Rehabilitation centre Groot Klimmendaal”
  • Cultural Interior: Merkx + Girod “Hermitage Amsterdam”
  • Public Exterior: John Körmerling “Happy Street”
  • Public Space: NIO Architecten “Prayer of Shadow Protection, bridge Vrouwenakker”
  • Autonomus Spatial Design:Muurbloem design studio “Sand carpets”

Kategorie Kommunikation

  • Graphic Design: Job Wouters a.k.a Letman in cooperation with Yvo Sprey and others “Series of posters for the Undercover festival”
  • Digital Media: Jonathan Puckey, Roel Wouters “C-mon & Kypski – More Is Less”
  • Visual Identity: 75B “Ro Theater”
  • Illustration: Piet Parra “Nike Illustrations”
  • Motion Design: Paul Postma, Christian Borstlap, Jasper Boeke “Childrens poststamp animation”

Public Award: Possibly wasn’t presented……

City of Eindhoven design and sustainability award: DWARS ontwerp “Pipe bottles”

Best Client Award: RoyalVKB

Toon van Tuijl Design Prize: Studio Smeets “Hampi leaf plate”

Dutch Design Awards 2010 : The happy winners

Dutch Design Awards 2010 : Die glücklichen Gewinner



Danish Design Prize 2010/11

Tuesday, October 19th, 2010
Danish Design Prize Winner: VELUX lystunnel by Ross Lovegrove

Gewinner des Danish Design Prize: VELUX lystunnel von Ross Lovegrove

Pünktlich zum Ende unserer Tirade über die aktuelle Situation des dänischen Designs – das Danish Design Centre in Kopenhagen hat gerade den Danish Design Prize 2010/11 veranstaltet.

CEO des Danish Design Center Christian Scherfig fragte zum Beginn der Veranstaltung “… was ist im 21. Jahrhundert gutes Design?”

Die Antwort des DDCs sind die 11 Gewinner in 4 Kategorien.

Wenn auch die meisten schon im 20. oder 19. Jahrhundert gutes Design gewesen wären, alle der ausgestellten Design zeigten Innovation, Kreativität und Verstand für was Design ist. Viel besser als das, was wir auf der CODE gesehen haben.

Aber noch viel wichter ist: der Danish Design Prize verstärkt eine unmissverständliche Wahrheit.

Eine Wahrheit, die die meisten Aussteller der CODE 10 zu lernen haben.

Traditionelles Möbeldesign ist ein Zweig des Produktdesign, welches widerum ein Zweig des Industriedesigns ist.

Möbeldesign ist nicht mehr was es mal war. Mit der Unterteilung in die Kategorien “Industrial Design” und “Lifestyle” zeigt der Danish Design Prize, dass er das verstanden hat.

Denn mit “Lifestyle” meinen sie Möbel.

Möbeldesign hat per se nicht mehr viel anzubieten. Tische, Stühle und Betten können nicht neu erfunden werden. Sie können nur verbessert werden.

Damals war das Möbeldesign ein aktiver Zweig des Produkt- und Industriedesigns weil ständig neue Materialien entwickelt wurden und man die neuen Materialien verarbeiten musste um diese im Möbeldesign verwenden zu können. Die heutigen “neuen” Materialien sind hauptsächlich Variationen aus bereits existierenden Materialien. Die größte Herausforderung liegt jetzt darin, die Möbel mit diesen neuen Materialien zu verbssern. Sei es wirtschaftlich, ergonomisch oder ökologisch.

Die Tage des Möbeldesigns als reine Designdisziplin sind gezählt.

NAP von Kasper Salto für Fritz Hansen ist ein wundervolles Beispiel. Das Konzept des geformten synthetischem Stuhl began mit Eero Saarinen und Charles Eames in den 40ern.

Das war die Produkt/Industriedesignphase.

NAP entwickelt das Konzept noch weiter und nimmt den Fakt, dass Sitzen eine aktive Tätigkeit in verschiedenen Positionen ist mit auf.

Kasper Salto hat mit dem Design des NAP einen wundervollen und ergonomischen geschaffen, der zeigt, das er die modernen Möbeldesignprozesse verstanden hat.

Danish Design Prize Clouds by Ronan and Erwan Bouroullec for Kvadrat

Danish Design Prize Clouds von Ronan und Erwan Bouroullec für Kvadrat

Clouds von Ronan und Erwan Bouroullec für Kvadrat, ein weiterer Preisgewinner in der Kategorie “lifestyle”, geht eher mit Grafikdesign als mit Produktdesign. Mit Algue für Vitra haben die Bouroellecs eine neue Form des Raumtrenners kreiert. Mit “clouds” spielen sie mit unserer Wahrnehmung von Textilien und ihrer Verwendung.

Clouds ist ein interessantes Stück Konzeptdesign, aber es ist weder Produkt noch Industriedesign.

Das ist die Realität die viele dänische Möbelhersteller noch erfassen müssen.

Der Danish Design Prize 2010/11 hat zudem gezeigt, dass “wirkliches” Industriedesign aus Dänemark so lebendig ist wie das Grafik-, Interactive- oder Multimediadesign.

Die Ausstellung der Gewinner kann man im Danish Design Centre, HC Andersens Boulevard 27, Copenhagen bis zum 25. April besichtigen.

Danish Design Prize NAP by Kasper Salto for Fritz Hansen

Danish Design Prize NAP von Kasper Salto für Fritz Hansen



Internationaler Marianne Brandt Wettbewerb 2010 – Die Ausstellung

Tuesday, October 5th, 2010

Preisverleihungen sind schön und gut – aber viel wichtiger sind die dazugehörigen Ausstellungen.

Und bis zum 10. Oktober kann man die Ausstellung des Internationalen Marianne Brandt Wettbewerb im Industrial Museum Chemnitz besichtigen.

Eigentlich wollten wir einen langen Text schreiben, aber wir haben uns entschieden einfach ein paar Impressionen zu veröffentlichen.

Wie auch immer. Die Ausstellung können wir jedenfalls uneingeschränkt empfehlen – nicht nur für Kunst- und Designitneressierte, sondern für alle, die an neuen Ideen und Kreativität interessiert sind.

Für alle die es nicht nach Chemnitz schaffen, werden die Gewinner bei der Designers Open (29. bis 31. Oktober in Leipzig) und im November in der Sächsischen Akademie der Künste in Dresden gezeigt.

Mehr Informationen gibt es auf www.marianne-brandt-wettbewerb.de.

MOA by Eva Marguerre and Marcel Besau - finally the succesor to NIDO

MOA von Eva Marguerre und Marcel Besau

Mechthild by Christoph Schmidt - Prize winner product design at the International Marianne Brandt Contest 2010

Mechthild von Christoph Schmidt

Öffnungszeiten by Sylvia Stadtmüller

Öffnungszeiten von Sylvia Stadtmüller

Sonja Jobs - Infinite Calender (detail)

Sonja Jobs - Infinite Calender

Stephan Schulz - Comfy Cargo Chair. Still lovin' it!

Stephan Schulz - Comfy Cargo Chair. Still lovin' it



Internationaler Marianne Brandt Wettbewerb 2010 – Preisverleihung

Wednesday, September 29th, 2010

Auch wenn der Marianne Brandt Wettbewerb sich nach außen um Marianne Brandt dreht, so stand die Preisverleihung am Freitag in Chemnitz unter einem anderen Stern

“Chemnitz – Stadt der Moderne”

Jede einzelne Ansprache drehte sich um “Chemnitz – Stadt der Moderne” und wurde so oft wiederholt, ad nauseum ad infinitum, wahrscheinlich in der Hoffnung, dass wenn man es nur oft genug wiederholt, dass es auch wahr wird.

“Ich will ein Pony!” “Ich will ein Pony!” “Ich will ein Pony!” “Ich will ein Pony!” “Ich will ein Pony!”

Nicht dass wir etwas gegen das Stadtmarketing hätten, die Basis auf der der Claim von Chemnitz aufbaut ist nur sehr dünn. Und das mit der Bestätigung von Chemnitz selbst, wo Modernismus mit modern verwechselt wird.

Wenn Chemnitz so modern und auf der Höhe der Zeit ist .... ?

Wenn Chemnitz so modern und auf der Höhe der Zeit ist .... ?

Die Ironie der ganzen Sache ist, dass man aus der Rede von Bürgermeisterin Barbara Ludwig hören konnte, dass Marianne Brandt eigentlich ein starker Character allein für sich selbst ist.

Man muss eine solche Veranstaltung nicht auf Biegen und Brechen mit “Chemnitz – Stadt der Moderne” verbinden, wenn das Publikum schlau genug ist, zu wissen, dass es sich hierbei hauptsächlich um Stadtmarketing handelt.

Das Vermächtnis von Marianne Brandt scheint so viel heller.

Glücklicherweise folgten die Gewinner dem Geist der Marianne Brandt.

Marianne Brandt Wettbewerb 2010: Gewinnerin der Kategorie Fotografie Alexandra Grein im Gespräch mit Thomas Bille

Marianne Brandt Wettbewerb 2010: Gewinnerin der Kategorie Fotografie Alexandra Grein im Gespräch mit Thomas Bille

Der Fotografiepreis zum Beispiel ging an die Düsseldorferin Alexandra Grein für ihre wundervolle Collagenserie “Terra”. Erdacht als eine Homage an Caspar David Friedrich wurden die einzelnen Bilder aus “Terra” aus Satellitenbildern von den Orten der Inspiration aus seinem Leben.

Die Collage als Disziplin der Fotografie wurde von Marianne Brandt oft eingesetzt. Alexandra Grein hat diese Disziplin “verbauhaust” in dem Sie moderne Computertechnologie und Satellitenbilder einbrachte.

Auch der Hauptpreis der Kategorie Produktdesign hätte von Brandt oder einer ihrer Zeitgenossen stammen können.

Der Kolibri Mechthild von Christoph Schmidt ist, wenn wir ehrlich sind, nichts weiter als ein bisschen Origami mit einer Büroklammer im Rücken.

The Eames DSR ist auch nur ein Stuhl.

“Mechthild” entstand aus der Idee heraus, dass Christoph Schmidt die kleinen Löcher in seiner Wand nicht mit Gips oder darübergehängten Fotos kaschieren wollte.

Marianne Brandt Wettbewerb 2010: Produktdesign Gewinner Mechthild von Christoph Schmidt

Marianne Brandt Wettbewerb 2010: Produktdesign Gewinner Mechthild von Christoph Schmidt

“Mechthild” füllt nicht nur das Loch; “Mechthild” nutzt das Loch um etwas neues zu schaffen. Damit macht er nicht nur aus einem Problem eine Chance, sondern zeigt auf wundervolle Weise was man erreichen kann, wenn man mit Gegenheiben arbeitet, die konventionellen Designtheorien aber verlässt.

Das ist genau das, was uns das Bauhaus gelehrt hat.

Was uns besonders an “Mechthild” gefällt, ist das es mit dem Licht von Algue von Ronan und Erwan Bouroullec “Mechthild” Schatten an die Wand wirft, die sich mit veränderten Lichtverhältnissen im Raum über den Tag auch verändern und so eine aktive Rolle im Interior Design einnehmen.

Der Höhepunkt der Zeremonie war definitv die Präsentation des (smow)-USM Haller Spezialpreis an die Berliner Designerin Tonia Welter und ihre USB-Schmuckkollektion und der(smow)-Vitra Spezialpreis an Caspar Huckfield für seinen Fahrradsattel.

Aber mehr zu Tonia Welter, Caspar Huckfeld und Christoph Schmidt zu einem späteren Zeitpunkt.

Als wir in der Eröffnungveranstaltung saßen haben wir schon befürchtet, dass Chemnitz das Image einer seiner größten Stars durch übertriebenes Stadtmarketing verspielt.

Aber als wir die Oper verließen war unsere Laune viel besser.

Nicht nur, dass die Preisgewinner Marianne Brandts Erbe verstanden, auch die musikalische Einlage eines Gedichts von Marianne Brandt verdeutlichte auf schöne Weise, dass auch die Veranstalter ihr Handwerk verstehen.

Wir können nur hoffen, dass es in der Zukunft so schön weiter geht – und Chemnitz sich einen neuen passenderen Slogan überlegt.

Marianne Brandt Wettbewerb 2010: Marlen Pelny trägt ein Gedicht unter den Augen von Marianne Brandt vor

Marianne Brandt Wettbewerb 2010: Marlen Pelny trägt ein Gedicht unter den Augen von Marianne Brandt vor



Internationaler Marianne Brandt Wettbewerb 2010

Tuesday, September 28th, 2010
Industriemuseum Chemnitz

Industriemuseum Chemitz

Als wir das erste mal hörten, dass der Internationale Marianne Brandt Wettbewerb im Indutriemuseum Chemnitz stattfinden wird, dachten wir uns, dass das ein bisschen harsch ist.

Wir wissen, dass die Aussichten der Stadt nicht die besten seit der Wiedervereinigung sind – aber die ganze Stadt als Touristenattraktion zu bezeichnen, die künstlich versucht die Erinnerung an bessere Zeiten aufrecht zu erhalten …

ist auch nicht fair.

Wie sich herausstellt ist das Museum in Chemnitz der Industriellen Geschichte gewidmet.

Unser Fehler.

Unter dem Motto “Poesie des Funktionalen” wurden Arbeiten in den Bereichen Produkt Design und Photographie eingereicht. Zusätzlich gab es noch die Gastsparte “Licht im öffentlichen Raum”

Die Organisatoren wurden nicht enttäuscht. Mit 412 Anmeldungen aus 12 Ländern konnte man einen enormen Anstieg im Vergleich zu 2007 verzeichnen.

Die Ausstellung im Sächsischen Industriemuseum Chemnitz präsentiert die Preisträger und eine Auswahl an empfohlenen Werken. Das gibt einen Einblick in die Vielfalt der Einreichungen und in die Wahl der Jury im Vergleich zu den anderen Arbeiten.

Zusätzlich zu den Objekten die man auf so einer Ausstellung erwartet gab es beim Internationalen Marianne Brandt Wettbewerb auch einige wahre Perlen der Kreativität zu betrachten.
Und ein paar alte (smow)blog Favoriten können auch bewundert werden.

In den nächsten Tagen präsentieren wir die Zusammenfassung der Veranstaltung sowie der Preisverleihung.

Dafür müssen wir zwar zweimal nach Chemnitz fahren, aber OK.

Marianne Brandt Ausstellung

Internationaler Marianne Brandt Wettbewerb 2010 Ausstellung -wir werden den Schleier am Montag lüften



Love Design – Hate Plagarism

Monday, September 20th, 2010

Die Grenze zwischen Inspiration und Nachahmung kann so dünn sein wie die zwischen Genie und Wahnsinn oder englischen Fussballerfreundinnen und … nein, diesen Vergleich lassen wir lieber.

Da gibt es die, die so offensichtlich sind, dass man sie feiern muss.

Und jedes Jahr präsentiert die deutsche “Action Plagiarius” Gesellschaft den Plagiarius Preis um genau das zu tun.

Nominierungen können bis zum zweiten November eingereicht werden.

Mehr Informationen und eine Gewinnerliste der letzten Jahre finden sich unter www.plagiarius.com.

Der begehrte Plagiarius Award

Der begehrte Plagiarius Award



Designpreis Halle 2010

Wednesday, June 23rd, 2010

Das Thema des Designpreis Halle 2010 ist und war Reisen.

Für uns hat die Reise nach Halle eine spezielle Bedeutung. In einem früheren Leben sind wir regelmäßig nach Halle gefahren und haben immer wieder perverse unmenschliche Horrorszenarien erlebt. Nach der Rückreise in Leipzig angekommen, waren wir froh den Ufern der Saale mit unserem Leben entkommen zu sein.

Das war damals.

Seither hat sich einiges getan. Nicht nur unser Leben hat sich verändert. Wir sehen und verstehen Halle mitlerweile aus einem ganzen anderen Blickwinkel.

Hauptsächlich wegen einer anderen Tour; eine Tour auf einem Touristenboot entlang der Saale.

Aber auch wegen unseres neuen Lebens, welches uns auf die Reise von vernichtendem Genie zu kreativen Talent geführt hat.

“Halle an der Saale soll langerfristig die Designstadt Deutschlands und Impulsgeber für Design weltweit werden”

Vor ein paar Jahren hätten wir noch laut gelacht, wenn Prof. Dr. Peter Heimann mit solchen Aussagen aufgetreten wäre.

Heute nicht mehr.
Die Burg Giebichenstein hat sich zu einer der besten Design Hochschulen in Deutschland entwickelt. Das Design Haus Halle gibt alles um die jungen Talente zu fördern und sie in der Region zu halten.

2010 Designpreis Halle Theres that Hallenser design spirit again

Designpreis Halle 2010: Da ist wieder dieser Hallenser Designgeist

Mit dem Designpreis Halle hat sich ein internationaler Preis entwickelt, welcher Teilnehmer aus verschiedensten Disziplinen anzieht. Nicht alle Finalisten sprechen jeden an, aber es ist auf jeden Falll für jeden etwas dabei.

166 Projekte aus 13 Ländern wurden für den Designpreis Halle 2010 eingereicht. Die Jury um Nils Holger Moormann und Axel Kufus hat 19 davon für die Ausstellung ausgewählt, und natürlich vier Preisträger.

15 Studenten der Fachhochschule Dortmund wurden mit einem Sonderpreis für die Pappkartonkoffer ausgezeichnet. Zwei von ihnen, Daniel Behn und Clemens Müller bekamen den Preis der besonderen Anerkennung für RESI “Der Koffer der eine sichere Reise für Deutsche im Ausland garantiert”.

Suited case by Erik De Nijs Second place at Designpreis Halle 2010

Suited case von Erik De Nijs Zweiter Platz beim Designpreis Halle 2010

Der zweite Platz ging an den Designer Erik De Nijs aus Utrecht für den “Suited Case”. Es spiegelt das Polder Sofa von Hella Jongerius für Vitra wieder und ist eine Zusammenstellung von Koffern, die gleichzeitig als Sitzgelegenheit genutzt werden können. Wir sind uns zwar sicher, dass keine Fluggesellschaft der Welt die Koffer von A nach B bringen könnte ohne sie zu zerstören. Hier war nicht das Produkt ausschlaggebend, sondern das Konzept. Die Preisrichter waren von dem Versuch begeistert ein bisschen heimische Atmosphäre in das stressige Leben des Reisenden zu bringen.

Der erste Preis ging an Guy Königstein aus Eindhoven für den Animationsfilm “Die Rückreise”. Durch die Erzählungen seiner Verwandten knüpft er ein Netz zusammen, welches die Geschichte seiner Familie erzählt.

Nomads wardrobe by Matthias Baumecker - for us worthy of a mention

Nomads wardrobe von Matthias Baumecker

Ein weiterer Beitrag ist unserer Meinung nach mehr als eine Erwähnung wert. Die Nomad`s wardrobe von Matthias Baumecker ist eine Reisegarderobe, welche wir uns sehr gut mit dem chairless chair Konzept von Vitra vorstellen können.

Als Location wurde das alte Tramdepot gewählt und mit UV-Licht beleuchtet. Es ist eine der kreativeren und einfallsreicheren Ausstellungen der letzten Zeit und ein überzeugendes Argument für das Talent in Halle.

Der nächste logische Schritt wäre, dass die Designers Open von Leipzig nach Halle zieht.

Wir sind weiterhin unsicher ob Halle es aus eigener Kraft schaffen kann sich als kreatives Zentrum zu etablieren. Für uns scheint es nur möglich, wenn Sie sich mit Dessau, Roßlau, Bitterfeld und Wolfen zusammentun. Das Bauhaus zu ignorieren erscheint einfach irgendwie falsch.

Alle Details über die Finalisten und die Ausstellung können unter Designpreis Halle 2010 gefunden werden.

Desinpreis Halle 2010 winners - front left first prize winner

Desinpreis Halle 2010 Gewinner - vorne links der Gewinner Guy Königstein

Designpreis Halle: All roads lead to Giebichenstein

Designpreis Halle: Alle Wege führen nach Giebichenstein

Designpreis Halle 2010

Designpreis Halle 2010