Archive for the ‘Wettbewerbe’ Category

Internationaler Marianne Brandt Wettbewerb 2013: Interview mit Linda Pense und Stefan Hannig

Friday, May 24th, 2013

Trotz unserer persönlichen und sehr tiefen Abneigung gegen alles, was mit Chemnitz zu tun hat – was wir wirklich langsam überwinden sollten – ist der Marianne Brandt Wettbewerb einer unserer liebsten internationalen Designwettbewerbe. Wir kennen keinen anderen Designwettbewerb, bei dem ein Origami-Kolibri mit einer Büroklammer als Schnabel gewinnen könnte… Und kein neues Produktkonzept der letzten Zeit hat uns auf Anhieb so begeistert wie Mechthild. Oder Damensattel von Caspar Huckfeldt, der 2010 einen Sonderpreis gewann und natürlich Stephan Schulz’ Comfy Cargo Chair von 2010.

Noch bis zum 26. Mai können Arbeiten für den Marianne Brandt Wettbewerb 2013 eingereicht werden. Der Wettbewerb 2013 bedeutet nicht nur eine neue Gewinnchance, sondern auch ein neues Organisationskomitee. Unter den ersten Änderungen, die das neue Team machte, ist die Einführung der neuen Kategorie ”Cradle to Cradle”, die wir in unserem letzten Post vollkommen missverstanden haben. Um herauszufinden, was genau die Kategorie ”Cradle to Cradle” ist und welche anderen Änderungen wir vom Marianne Brandt Wettbewerb 2013 erwarten können, haben wir Linda Pense und Stefan Hannig aus dem neuen Organisationskomitee getroffen und sie zu allererst nach den anstehenden Veränderungen gefragt.

Linda Pense: Es begann alles mit einem Filmprojekt über Industriedesign und im Speziellen Industriedesign im Zusammenhang mit dem Marianne Brandt Wettbewerb, an dem Fran, Stefan und Alexander arbeiteten. Die Recherchen für den Film brachten uns dem Wettbewerb ziemlich nah und schließlich fragte Ilona Rosenkranz, die den Wettbewerb ins Leben gerufen und ihn seit 2000 geleitet hat, ob wir nicht Interesse hätten, die Organisation des Wettbewerbes zu übernehmen und ihn weiterzuführen.

Stefan Hannig: Wir haben ziemlich lange überlegt und die Entscheidung Ja zu sagen, war schließlich eine sehr intuitive, fast eine Bauchentscheidung: für uns gibt es keine kommerzielle Logik bei der Entscheidung, es war viel mehr so, dass wir die Mühe, die über die Jahre in das Projekt gesteckt wurde, sehr schätzen und wir das Ganze für einen ausgezeichneten Wettbewerb halten, der es verdient hat gepflegt zu werden.

(smow)blog: ….was uns zur nächsten Frage führt: Erwartet uns ein frischer Wind in der ganzen Sache oder soll alles so bleiben wie es war?

Linda Pense: Ich war sehr vertraut mit dem Wettbewerb und fand ihn immer wunderbar, weil er so eine offene Atmosphäre hatte, irgendwie sehr persönlich war und auch das Motto “Die Poesie des Funktionalen” ist eine exzellente Basis für so einen Wettbewerb. Und wir wollten all das beibehalten… aber dann haben wir nach und nach gemerkt, dass wir ihn doch mehr verändert haben, als wir eigentlich wollten. Das heißt die zentralen Elemente und das Motto “Die Poesie des Funktionalen” sind die gleichen geblieben. Was wir geändert haben, betrifft vor allem Dinge wie die Kommunikation – wir nutzen nun viel mehr digitale Plattformen -, aber auch der Auswahlprozess ist neu – die Longlist wird mithilfe von eingesendeten PDFs und nicht mehr den “echten” Objekten erstellt. Und wir haben den Wettbewerb von einem europäischen in einen wirklich internationalen verwandelt.

Stefan Hannig: Daneben haben wir uns gegen eine formelle Preisverleihung und für mehr informelle Veranstaltungen entschieden, angelehnt an die berühmten Bauhaus Feste mit Musik, Kunst, gutem Essen und noch besseren Gesprächen. Wir wollten ein bisschen weg von dem klassischen Designpreis und hin zu einem Austausch und Diskurs über Design.

(smow)blog: Die Kategorien Fotografie und Design sind geblieben, in diesem Jahr neu ist die Kategorie “Cradle to Cradle” Eine Kategorie, die wir völlig missverstanden haben. Um es richtigzustellen, was ist der Hintergrund der Kategorie?

Linda Pense: “Cradle to Cradle” als Konzept wurde von Michael Braungart, einem unserer neuen Juroren, entwickelt und es geht letztlich darum Projekte zu entwickeln, deren Fokus auf Ökoeffektivität, und nicht Ökoeffizienz, liegt. Das heißt, z.B. nicht nur etwas zu produzieren, das recycelt werden  kann, sondern etwas zu produzieren, das recycelt werden kann ohne jemals  Müll zu produzieren – weder beim Produktionsprozess noch am Ende eines  Nutzungszeitraumes

Als wir an dem Filmprojekt arbeiteten, hatten wir einige fundamentale Fragen zu klären, wie darüber, was Design ist, was Design kann, was Design machen sollte und gleichzeitig, was das Bauhaus erreichen wollte und was es erreichen wollen würde, wenn es heute immer noch existieren würde. Fragen, die auf die eine oder andere Weise viel mit Materialien und Produktionsprozessen zu tun haben.

Ganz ähnlich beschäftigt sich “Cradle to Cradle” mit Materialien und Prozessen und vor allem dem Produkt als integrierten Teil eines Produktkreislaufs statt etwas Parallelem dazu.

Und für unseren Teil mögen wir wirklich den positiven, initiativen Aspekt der “Cradle to Cradle”-Philosophie. Es ist ein Ansatz, der versucht Wandel zu erreichen, indem er sagt “Tu das” oder “Tu das”; ganz im Gegensatz zu den Beschränkungen und Don’ts, die normalerweise mit Diskussionen über “Nachhaltigkeit” assoziiert werden also.

Stefan Hannig: Und wenn man damit beginnt, über solche Sachen nachzudenken, kommt man automatisch zu der Frage danach, wer dafür verantwortlich ist, Änderungen in Gang zu bringen. Ist es der Konsument, die Politiker, die Hersteller? Die Antwort ist, dass es am Ende der Designer ist. Und da kommen wir wieder zum Bauhaus. Das Bauhaus regte viele der zeitgenössischen Fragen an, besonders nach der Entwicklung vom Handwerk zur Massenproduktion. Und es waren die Designer, die solche Fragen aufwarfen, nicht Industrielle, nicht die Politiker. Und im Wesentlichen ist das die Funktion des Designers: Probleme lösen und Konventionen hinterfragen. Es geht nicht darum einen Löffel noch attraktiver zu machen oder designter wirken zu lassen, auch keine Vase. Die grundsätzliche Funktion des Designers liegt darin, innovative Lösungen für gesellschaftliche Probleme zu finden. Und daher hoffen wir in der “Cradle to Cradle”-Kategorie einige aufregende neue Konzepte und Projekte in diese Richtung zu finden.

(smow)blog: Das ist euer erster Wettbewerb als Veranstalter und ihr habt uns nun erzählt, was wir erwarten können. Gibt es auch Dinge, dir ihr erwartet oder Ziele, die ihr euch gesteckt habt?

Stefan Hannig: Eigentlich haben wir keine Ahnung, was uns erwartet. Auf der einen Seite, weil wir es zu einem internationalen Wettbewerb gemacht haben und auf der anderen Seite, weil wir das Event anders als Ilona Rosenkranz öffentlich gemacht haben. Es kann sein, dass nur 100 Designer ihre Arbeiten einreichen, was auf jeden Fall enttäuschend wäre, aber wir haben uns auch keine wirklichen Ziele gesetzt. Für uns ist vielleicht das Feedback am Ende des Wettbewerbs und die Reaktionen auf die Preisverleihung und die Ausstellungen wichtiger. Aber jetzt sind wir an dem Punkt, wo die Arbeit wirklich beginnt und wir freuen uns alle darauf zu sehen, wie sich die nächsten Wochen entwickeln werden.

Internationale Marianne Brandt Wettbewerb 2013

Internationaler Marianne Brandt Wettbewerb 2013



A&W Designer des Jahres 2013: Ronan + Erwan Bouroullec

Thursday, January 17th, 2013

Mal wieder bot die IMM Cologne die Kulisse für die Verleihung des A&W Designer des Jahres Preises. Nach Tokujin Yoshioka 2011 und Patrica Urquiola 2012 ging die Auszeichnung 2013 an unser aller Lieblinge Ronan und Erwan Bouroullec.

Außerdem wird den Brüdern Bouroullec sozusagen als Krönung ihres Gewinns eine Ausstellung im Kölnischen Kunstverein gewidmet.

Da die Ausstellung ausschließlich einen Überblick über ihre neueren Arbeiten bietet, kann man hier nicht direkt von einer Retrospektive sprechen, aber man hat einmal Gelegenheit, die Arbeiten der beiden für die verschiedenen Hersteller, wie VitraMagis, Kvadrat oder Lignet Roset, zu vergleichen und so die Methoden und Motive ihrer Arbeiten zu erkunden.

Wir für unseren Teil haben die meiste Zeit damit verbracht, das Designkonzept der Ausstellung, das jede gerade Linie im Raum durch eine Art Vorhang bzw. Raumtrenner unterbricht, zu verfluchen. Das machte es uns nämlich unmöglich ein anständig weites Bild zu machen, das die gesamte Ausstellung in einem Schuss einfängt.

Erst im Gespräch mit Erwan Bouroullec erschloss sich uns, dass es sich bei den ärgerlichen Textilien um ihr letztes Produkt für Kvadrat handelt – das Ready Made Courtain System, ein Vorhangsystem zum selber kombinieren.

Sie waren zwar immer noch im Weg, aber immerhin wussten wir nun, warum.

Wir haben uns entschieden den Brüdern das Trauma eines weiteren Interviews mit uns zu ersparen, sie haben in den letzten Jahren schon genug gelitten, aber hier sind ein paar visuelle Eindrücke von ihrer Ausstellung.

Und solltet ihr demnächst in Köln sein, die Ausstellung ist noch bis zum 20. Januar im Kölnischen Kunstverein in der Hahnenstr. 6, 50667 Köln zu sehen.

 



Die Poesie des Funktionalen: Internationaler Marianne Brandt Wettbewerb 2013

Wednesday, October 24th, 2012

Treue Leser werden wissen, wie sehr wir die Bauhaus Designerin Marianne Brandt schätzen. Und sie werden auch wissen, dass wir jedes mal, wenn wir über sie schreiben, am Ende halb Sachsen beleidigen. Also: Tief einatmen, Daumen drücken und los geht’s!

2013 wird der Chemnitzer Kunstverein Villa Arte den 5. Internationalen Marianne Brandt Wettbewerb ausrichten.

Die fünfte Ausgabe der alle drei Jahre stattfindenden Huldigung internationalen zeitgenössischen Designs setzt nicht nur die Suche nach Objekten und Fotografien fort, die “Die Poesie des Funktionalen” darstellen, sondern verspricht auch ein eintägiges Marianne Brandt Symposium, was wir für eine ausgezeichnete Idee halten.

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Marianne Brandt Wettbewerb 2010: Marlen Pelny performt ein Marianne Brandt Gedicht unter den wachsamen Augen der Künstler.

Eines unserer Highlights des Jahres 2012 war die Ausstellung ”Bauhaus. Art as Life” im Barbican in London. Und das nicht nur, weil der Flug auf die Insel den Genuss einiger guter Biere bedeutete, sondern auch wegen der neuen Perspektive, die man dort auf viele der bekannten Bauhaus Protagonisten gewonnen hat. Einschließlich Marianne Brandt, natürlich.

In unserem Interview mit Kuratorin Lydia Yee merkte sie an, dass Brandts Collagen zu den Objekten gehören, die ihr wirklich geholfen haben, das Bauhaus und sein Erbe besser zu verstehen. Da können wir ihr nur beipflichten. Das gilt aber nicht nur in Bezug auf die Collagen. Die Ausstellung war voll mit seltenen Betrachtungen von Brandts Arbeit.

Es wäre zu einfach einen Designer nur auf einige wenige markenzeichenartige Arbeiten zu reduzieren, während der Rest des Lebens und des Werkes einfach ignoriert werden.

Ja, das Teeservice von Marianne Brandt ist fantastisch. Aber es ist eines von vielen Projekten. Erkundet man einmal den Rest ihres Werkes, entdeckt man Aspekte ihres Charakters und ihrer Philosophie, auf die man einfach nicht nur von einem Teeservice schließen kann.

“Bauhaus. Art as Life” bot die Gelegenheit dafür. Der Internationale Marianne Brandt Wettbewerb hingegen ist zwar fraglos eine einzigartige Plattform für das Leben und das Werk der Marianne Brandt, ein wenig mehr Erklärung dazu, wer sie war und was sie getan hat, wäre aber nicht verkehrt gewesen und würde dafür sorgen, dass sie für junge Designer relevant bleibt. Wir hoffen, das Symposium schafft das.

Barbican Art Gallery Bauhaus Art as Life Marianne Brandt

Eine Auswahl an Lampendesigns von Marianne Brandt bei "Bauhaus. Art as Life"

Neben den regulären Produktdesign- und Fotografie-Kategorien beinhaltet der Internationale Marianne Brandt Wettbewerb 2013 die Sonderkategorie ”Cradle to Cradle” für nachhaltiges Design. Auch wenn Nachhaltigkeit eine tolle Sache ist, sind wir ehrlich gesagt etwas enttäuscht, dass der Wettbewerb so eine Kategorie einführt.

Für uns sind “Nachhaltiges Design”-Wettbewerbe ein wenig wie 3D-Filme – ein vorbeifahrender Zug, auf den plötzlich jeder aufspringen will; unabhängig davon, ob man das Reiseziel kennt oder nicht.

2010 erfüllten viele der eingereichten Arbeiten Ansprüche an Nachhaltigkeit. Die waren sogar ganz schön nachhaltig. Und es ist anzunehmen, dass das viele der Beiträge von 2013 ebenfalls sein werden. Intelligente zeitgenössische Designer beziehen nämlich immer Aspekte wie Rohstoffe, Lebenszyklen, Energieversorgung und Recycling bzw. Entsorgung in ihre Arbeit ein.

“Nachhaltiges Design” also als extra Kategorie einzuführen, trägt nicht dazu bei einen Dialog über Nachhaltigkeit im Design anzuregen, sondern stilisiert es innerhalb der öffentlichen Wahrnehmung viel mehr als eine Art “Feature”, das Design enthalten kann. Wenn Design aber wirklich nachhaltig sein soll, müssen wir alle – Designer, Konsumenten, “Lifestyle Blogger”, Hersteller, Politiker – verstehen, dass Beständigkeit zu den Aufgaben eines Designers gehört.

Aber unabhängig davon sind wir einfach froh, dass der Internationale Marianne Brandt Wettbewerb wieder da ist. Wir haben ihn vermisst. Ehrlich.

Der Wettbewerb von 2010 hat uns zwei Projekte nahegebracht, die uns immer noch faszinieren - Mechthild von Christoph Schmidt und Damensattel von Caspar Huckfeldt - und vom Wettbewerb 2013 erwarten wir, dass er mindestens genauso anregend, erfrischend, innovativ und anspruchsvoll sein wird.

Beiträge für den Internationalen Marianne Brandt Wettbewerb 2013 können bis Mai 2013 eingereicht werden, ihr habt also noch Zeit euer Killer Projekt zu entwickeln.

Der Wettbewerb ist für alle Designer offen, unabhängig davon wie professionell. Die einzige Bedingung ist, dass man unter 40 sein muss, womit leider schon die meisten der Einwohner von Chemnitz ausscheiden.

Mehr Informationen über den Internationalen Marianne Brandt Wettbewerb 2013 gibt es unter http://marianne-brandt-wettbewerb.de

International Marianne Brandt Contest 2013

Internationaler Marianne Brandt Wettbewerb 2013



Bauhaus-Archiv Berlin: DMY Awards & Jury Selection 2012

Thursday, September 13th, 2012

Seit das DMY Berlin 2009 den “Drei aus Zehn” Award ins Leben gerufen hat, hat das Bauhaus Archiv Berlin die Nominierten und Gewinner jeden Herbst mit einer Ausstellung gewürdigt. 2012 ist das nicht anders und die Ausstellung DMY Awards & Jury Selection 2012 kann bis Mitte Oktober in Berlin besucht werden.

Es ist natürlich nur logisch, dass das Bauhaus-Archiv an großen experimentellen und konzeptionellen Designprojekten Anteil nehmen sollte. Denn obwohl es heute ziemlich klischeebehaftet und von der Zeit gezeichnet ist, war das Bauhaus größtenteils eine experimentelle und konzeptionelle Institution, die ihre Studenten dazu ermutigt hat auf neuen Wegen zu gehen und neue Antworten zu entdecken.

Indem das Bauhaus-Archiv nun die DMY Awards Ausstellung veranstaltet, erhält es genau die Tradition, die es eigentlich immer durch “normale” historisch-museale Ausstellungen aufrecht zu erhalten versucht.

Bauhaus Archiv Berlin DMY Berlin Awards and Jury Selection 2012

Bauhaus-Archiv Berlin: DMY Awards und Jury Selection 2012

Als Ausstellung ist die DMY Awards & Jury Selection 2012 ziemlich selbsterklärend. Sie erzählt keine Geschichte, sie erforscht nichts und sie fordert nichts heraus. Stattdessen zeigt die Ausstellung 10 Projekte, die das übernehmen.

Im Juni hat uns Andrea Brena ein neues “Knitted Army”-Stück für die Bauhaus-Archiv Ausstellung versprochen. Und er hat uns nicht enttäuscht. Indem er eine kleine Armstrickerei genommen und mit einem Metallrahmen kombiniert hat, hat er ein eigentlich abstraktes Objekt in einen Stuhl verwandelt und sein Projekt damit auf die nächste Ebene bewegt.

Die anderen Projekte präsentieren sich überwiegend so wie wir sie kennengelernt haben. Das ist aber absolut ok, da die meisten von ihnen sowieso schon “vollständig” waren. Das ist aber auch insofern nicht schlecht, als man sich in der entspannten und gemütlichen Umgebung des Bauhaus-Archivs in Ruhe mit den Projekten beschäftigen kann, sie gründlicher reflektieren und tiefergehender hinterfragen kann als es im Tempelhof möglich war.

Wir erkennen z.B. immer noch nicht wirklich das Langzeitziel von Jólan van der Wiel’s Gravity Stool-Projekt. In der Bauhaus-Archiv Ausstellung hat man den Raum, um dem auf den Grund zu gehen. Und am 11. Oktober wird es sogar die Möglichkeit geben, mit Jólan bei seinem Workshop darüber zu sprechen.

DMY Berlin Awards and Jury Selection 2012 Bauhaus Archiv Berlin Gravity Stool Jólan van der Wiel

Gravity Stool von Jólan van der Wiel.

Darüberhinaus fordern uns Mobile Gastfreundschaft von chmara.rosinke und Future Travels von Hanemaai auf, unsere eher sesshafte Natur noch einmal zu überdenken, Agri-Expo Yunlin werben immer noch für Bambus und die Rockwell Group animiert Kinder nach wie vor dazu ihre eigenen Spielplätze zu planen.

Auf jeden Fall haben alle 10 Projekte etwas zu sagen und bieten einen Grund sie näher zu erforschen.

“DMY Awards und Jury Selection 2012″ kann bis zum 15. Oktober im Bauhaus Archiv Berlin besucht werden.

Allen, die sich während dieser Zeit in der Hauptstadt aufhalten, können wir das nur empfehlen.

Vollständige Informationen, einschließlich solchen zum Begleitprogramm, findet man unter www.bauhaus.de.

DMY Berlin Awards and Jury Selection 2012 Bauhaus Archiv Berlin Knitted Army Andrea Brena

Andrea Brenas neuer "Knitted Army Chair"

DMY Berlin Awards and Jury Selection 2012 Bauhaus Archiv Berlin Return by Sa’ Bella Design Sally Lin farmers creativity

Return von Sa’ Bella Design/Sally Lin. Teil von Farmer's Creativity

 

DMY Berlin Awards and Jury Selection 2012 Bauhaus Archiv Berlin

Bauhaus Archiv Berlin: DMY Awards & Jury Selection 2012



A&W Audi Mentorpreis 2012: Benjamin Hubert

Monday, August 20th, 2012

Benjamin Hubert wurde im Januar mit dem A&W Audi Mentorpreis 2012 ausgezeichnet. Zusammen mit dem A&W Designer of the Year Award präsentiert, kann der Mentorpreis in vielerlei Hinsicht als die Kategorie für “Junge Designer” angesehen werden. Das Interessante am A&W Audi Mentorpreis ist, dass der Gewinner vom A&W Designer of the Year nominiert wird – 2012 war das Patricia Urquiola.

Nach der Preisverleihung trafen wir uns mit Benjamin auf einen kurzen Plausch. Allerdings haben wir es clevererweise irgendwie geschafft, das Interview zu verbummeln und es erst jetzt wieder gefunden. Daher auch der verspätete Post…

Als Absolvent des Industrial and Technology Programms an der Loughborough University fiel uns Benjamin Hubert als erstes durch seine Spinning-Leuchten für &tradition bei CODE10 in Kopenhagen auf; ein Produkt, das unsere Aufmerksamkeit wegen seiner schlichten, unkomplizierten Eleganz auf sich gezogen hat. Als Objekt tun sie zwar nicht sonderlich viel, aber dank ihrer Form und Präsenz sorgen sie dafür, dass man mit sich selbst und der Welt, die einen umgibt, einfach zufrieden ist.

Neben &tradition arbeitet Benjamin Hubert aktuell mit einer beeindruckenden Reihe internationaler Hersteller zusammen, darunter De La Espada, Cappellini und De Vorm, die auch seine geniale Pebble-Serie und seine Pod-Stühle produziert haben. Im April gewann Juliet den Poltrona Frau Centenary Armchair Contest in Mailand und wurde seither von Poltrona Frau übernommen.

Im Januar sprachen wir mit Benjamin Hubert über den A&W Audi Mentorpreis 2012 und seine bisherige Karriere.

(smow)blog: Zunächst erstmal herzlichen Glückwunsch zum Preis! Wie kam es denn dazu?

Benjamin Hubert: Ich bekam eine Mail, in der stand, dass ich den Preis gewonnen hätte…

(smow)blog: …also wusstest du noch nicht mal, dass du überhaupt im Rennen warst?

Benjamin Hubert: Nein. Was eigentlich ganz schön ist. Bei den meisten Preisen weiß man ja vorher schon Bescheid, weil die Leute sichergehen wollen, dass man auch wirklich zur Preisverleihung erscheint, also weiß man im Prinzip schon vorher, was passieren wird. Aber hier bekam ich einfach eine E-Mail aus dem Nichts, die besagte, dass Patricia mich nominiert und gemeinsam mit Audi zum Sieger gewählt hat und ob ich den Preis annehmen möchte. Die Antwort war natürlich ja! Es ist wirklich schön zu wissen, dass Patricia unsere Arbeit zu schätzen weiß. Also ist das alles in allem super!

(smow)blog: Wenn wir das Ganze richtig verstanden haben, hast du dich zuerst mehr auf “industrielle” Projekte konzentriert und erst später damit begonnen, stärker in Richtung Möbel zu gehen…

Benjamin Hubert: Das Studio wurde 2007 eröffnet und in den ersten drei Jahren oder so haben wir hauptsächlich für andere Studios gearbeitet. An den Wochenenden und am Abend beschäftigte ich mich dann mit meinen eigenen Projekten bis ich 2009/2010 einfach in den sauren Apfel biss und meinen “Tagesjob” kündigte, um mich ganz auf meine eigenen Projekte zu konzentrieren. Zuerst ging es dabei hauptsächlich um Leuchten, aber dann kamen immer mehr Möbel dazu. Heute arbeiten wir mit ganz verschiedenen Produkten von Modeaccessoires über Leuchten und Möbel bis hin zu kleinen Installationen, die schon eher in eine künstlerische Richtung gehen. Das ist für mich auch das Tolle am Design: Man kann einfach ganz verschiedene Disziplinen mit einbringen.

(smow)blog: Hattest du eigentlich schon immer den Plan, ein eigenes Studio zu eröffnen, oder…?

Benjamin Hubert: Nein, überhaupt nicht! Ich wollte die Karriereleiter im Corporate Design hinaufklettern, wenn es so was überhaupt gibt, Chef einer Firma werden und alles was dazu gehört. Aber ich glaube, dass ich nach meinem Studienabschluss und als ich meine Abschlussarbeit auf einigen Ausstellungen präsentiert und Salone Milano besucht habe, meine Augen erst für eine Industrie geöffnet habe, der ich mir gar nicht so bewusst war. Ich wusste natürlich, dass es da eine Industrie gab, aber ich war mir überhaupt nicht bewusst, wie groß sie ist, wie viele Möglichkeiten sie bietet und genau das war es, worin ich mich einfach verliebt habe.

(smow)blog: In Anbetracht der Firmen, mit denen du arbeitest, lernst du gerade wahrscheinlich ständig dazu, oder?

Benjamin Hubert: Ja, ständig. Wenn ich in die Fabriken und Werkstätten gehe und sehe wie die Leute tatsächlich Dinge herstellen ist das für mich das Befriedigenste an der ganzen Sache. Die Firmen, mit denen man am besten arbeiten kann, sind die, die offen für neue Ideen und Denkweisen sind und die uns zum Beispiel auch mal ein neues Material vorstellen oder Ideen annehmen, wenn wir ihnen etwas Neues zeigen. So entstehen auch die besten Projekte: In Zusammenarbeit mit den Herstellern und den Werkstätten.

(smow)blog: Kommen wir zurück auf den A&W Audi Mentorpreis. Oscar Zieta, quasi dein Vorgänger, ist ja in der aktuellen Audi-Werbung zu sehen. Wenn sie auf dich zukommen würden, wärst du dann verfügbar?

Benjamin Hubert: Klar, solange ich nichts total Lächerliches machen muss. Wieso nicht?!

benjamin hubert de vorm zurich

Die Pebble-Serie und der Pod-Stuhl von Benjamin Hubert für de vorm. Hier bei Neue Raüme Zurich 2011

benjamin hubert spinning &tradition copenhagen

Unser erster Eindruck von Benjamin Huberts Arbeit. Spinning für &tradition bei CODE10 Kopenhagen



Designers’ Open Leipzig 2012: Neuer Veranstaltungsort

Friday, July 6th, 2012

Das Schöne an Designfestivals ist für uns immer, dass man die Chance hat, verschiedene Teile der Gastgeberstadt kennenzulernen. Normalerweise reisen die Besucher. In Leipzig reist Designers’ Open.

Regelrecht der fahrende Sänger unter den europäischen Designfestivals, packt Designers’ Open jährlich seine Siebensachen und macht sich auf den Weg. Das geht bereits so, seit es 2006 aus seinem symbolischen Elternhaus – dem GRASSI Museum – ausgezogen ist.

Designers’ Open 2012 findet vom 25. bis 28. Oktober in der Ernst-Grube-Halle auf dem Campus der Sportwissenschaftlichen Fakultät der Universität Leipzig statt. Aber kein Grund zur Beunruhigung: die Halle ist größer als sie klingt.

designers open 2012

Der etwas kommerziellere Teil des Festivals ist der DO/Market mit drei neuen Schwerpunkten für 2012: Off/Spring mit Designprodukten für Kinder, Open/Air mit Produkten für Garten/Balkon/Outdoor und Spin/Off, bei dem aktuelle Diplom- und Masterprojekte vorgestellt werden. Außerdem gibt es hoffentlich jede Menge neue Projekte von internationalen Designern. Der etwas technischere Teil ist DO/Industry, der neben innovativen Designlösungen auch eine Konferenz mit dem Titel smart technology – new design umfasst.

Designers’ Open 2012 präsentiert außerdem die Ausstellung und die Verleihungszeremonie für den Sachsen Design Preis 2012. Hoffentlich macht die Jury in diesem Jahr ihren Job besser als die von 2009, die sich unerklärlicherweise dazu entschlossen hat, 2 zweite Preise zu verleihen und keinen Gewinner zu küren statt das einzig Vernünftige zu tun und einen Beitrag einfach als den besten von allen zu bewerten. Wir halten euch auf jeden Fall auf dem Laufenden. Und selbstverständlich liefern wir euch alle Highlights vom Designers’ Open 2012.

Natürlich bleibt wie immer die Frage offen, wo die Designers’ Open das nächste Mal – also 2013 – stattfinden wird. Wenn man die Reise von Designers’ Open in den letzten Jahren verfolgt – vom Merkurhaus 2009 über das Hôtel de Pologne zur Spinnerei im letzten Jahr und nun zurück zum Stadtzentrum -, kommt für uns geografisch nur eine Location für 2013 in Frage: der Leipziger Zoo. Und 2014 geht’s dann hoffenlich endlich mal nach Halle – für uns die bessere, weil natürlichere Location für die Show…

Designers’ Open Leipzig 2012 findet vom 25. bis 28. Oktober in der Ernst-Grube-Halle auf dem Campus der Sportwissenschaftlichen Fakultät der Universität Leipzig statt.

 

Designers Open Leipzig Look to Norway W1 Nicolai Gulliksen

W1 von Nicolai Gulliksen @ Designers' Open Leipzig 2011. Mal sehen, was 2012 so bringt...



DMY Berlin 2012: Designpreis der Bundesrepublik Deutschland 2012 – Nominierungen

Saturday, June 9th, 2012

Das DMY präsentiert – wie bereits erwähnt – nicht nur die Ausstellung zum Designpreis der Bundesrepublik Deutschland 2012, sondern auch das Jury-Meeting, bei dem entschieden wird, welche Beiträge nominiert werden. Aus dieser kurzen Liste werden anschließend die Sieger gewählt. Die Jury hat ihre Arbeit erledigt und bis zum 10. Juni können wir alle eingereichten Beiträge bestaunen und die Entscheidungen der Jury in Frage stellen. Dafür sind Jury-Entscheidungen schließlich da!

Die Ausstellung ähnelt zunächst einem Parkplatz: Die Rollfeldseite des Hangars wird von einer durchgehenden Reihe von Autos und Motorrädern eingenommen – deutsche Ingenieurskunst in seiner reinsten Form. Nach dem zu urteilen, was sonst noch zu sehen ist, ist Deutschland aber auch nicht träge, wenn es darum geht, Wasserhähne und Duschköpfe zu produzieren. Doch nicht alles ist Highend-Industriedesign; es gibt auch einige wunderbare Beispeile für Grafikdesign: kleine, verspielte Gegenstände, die unseren Alltag ein klein wenig einfacher machen. Und ein Filz-Nashorn und -Elefant namens Ronny und Peggy…

Doch es ist ein wenig problematisch, Duschköpfe, Notebooks und Stofftiere an einem Ort wie Tempelhof auszustellen, da sie relativ klein sind. Der Ausstellungshanger ist so wie er ist also nicht besonders gut gefüllt und durch die vielen kleineren Gegenstände läuft man Gefahr, vor lauter Platz zu ertrinken. So kühn die Organisatoren auch sind, den ganzen Hangar in Beschlag zu nehmen, sie wären vielleicht besser beraten gewesen, nur ungefähr 75% des Raums zu nutzen. Aber vielleicht erwarten sie auch einfach fürchterlich viele Besucher…

Der Abschnitt, der uns am meisten interessiert hat, waren natürlich die Möbel – aber ehrlich gesagt gab es da für uns nicht sonderlich viel zu holen. Allerdings begeistert uns Bao von EOOS für Walter Knoll noch immer und wurde unserer Ansicht nach zu Recht nominiert. Ansonsten wirkte der Möbelbereich eher langweilig und uninspiriert. Uns fehlte irgendwie die Innovation.

Außerdem haben wir auf der Ausstellung die Beiträge jüngerer Designstudios und Hersteller vermisst. Zum Konzept des DMY und des Designpreises gehört ja eigentlich, dass die reduzierte Teilnahmegebühr mehr junge Studios und Hersteller für die Teilnahme motivieren sollte. Wir haben jedenfalls keine gesehen… Oder zumindest lange nicht so viele, wie man eigentlich erwartet hätte. Es war zwar zugegebenermaßen ziemlich dunkel im Hangar als wir da waren, doch wir konnten trotzdem alle Produkte der industriellen Elite Deutschlands sehen. Aber keine von der nächsten Generation.

Das liegt aber wahrscheinlich nicht nur am DMY: Die Bedingung, dass alle Beiträge schon einen regionalen Designpreis gewonnen haben müssen, bedeutet natürlich, dass junge Designstudios, solange sie noch an keinem Designwettbewerb in Bayern, Sachsen oder dem Saaland teilgenommen bzw. dabei gewonnen haben, selbst dann nicht teilnehmen könnten, wenn die Zulassung zum Bundespreis kostenlos wäre. Die Zeit ist also vielleicht reif, einen genaueren Blick auf regionale Wettbewerbe zu werfen und objektiv zu urteilen, wie fair und demokratisch sie sind. Design und Innovation sind in Deutschland schließlich große Wirtschaftsfaktoren…

Wie gesagt wirkte die Halle fast leer. Obwohl das wahrscheinlich an der Größe des Hangars lag, glauben wir schon, dass das auch mit etwas zu größzügigen Organisatoren zu tun hatte. Wir haben zwar noch keine offiziellen Zahlen darüber gesehen, wie viele Beiträge eingereicht wurden, aber laut inoffiziellen Ziffern, die sich durch einen kurzen Blick auf die Ausstellung scheinbar bestätigen lassen, liegt die Zahl der Beiträge weit unter den Erwartungen. Aber wie gesagt, wir haben noch keine offiziellen Zahlen gesehen, aber sobald wir die haben, können wir abschätzen und analysieren, ob die Erwartungen erfüllt wurden. Und wenn nicht, wieso nicht.

Der Erfolg oder Misserfolg eines Designpreises wird aber nicht allein durch die Zahl der Beiträge bestimmt, sondern auch durch die Qualität der Gewinner. Wenn die Sieger die wahre Qualität des Designoutputs eines Landes widerspiegeln, dann ist seine Mission erfüllt. Wir können das natürlich besser beurteilen, wenn die Sieger im Oktober bekannt gegeben werden. Und bis Sonntag, den 10. Juni, haben wir alle die Chance, uns einen ersten Eindruck zu verschaffen.



DMY Berlin 2012

Friday, June 1st, 2012

Manchmal könnte fast der Eindruck entstehen, es gibt einen genauen Plan hinter diesem Blog. In unserem Mailand-Post Belgium is Design haben wir geschrieben:

“Tim Baute von interrror gehörte lange zu den größten Highlights auf der Kölner Möbelmesse.”

Und ein paar Wochen später bekamen wir die Info, dass er sein Debüt beim DMY Berlin gibt. Ob seine neue Stealth-Produktreihe ebenfalls ein Highlight wird, bleibt jedoch abzuwarten. Die Konkurrenz ist nicht ohne.

Der neuseeländische Designer David Trubridge, dessen Kete-Lampen uns 2009 in Mailand regelrecht umgehauen haben, wird seine Seed System Kiteset Lights präsentieren und das ökay?!-Projekt des Berliners Philipp Käfer sieht ebenso interessant aus wie Perspective_s from Poznan, das einen Überblick über zeitgenössisches Design in der Region Wielkopolska in Polen gibt – um nur drei Beispiele aus der sehr interessanten Ausstellerliste zu nennen, die übrigens auch jede Menge niederländische Aussteller umfasst. Uns liegen allerdings keine Informationen darüber vor, dass der Fokus beim DMY Berlin 2012 auf Holland liegt oder ob es eine Art Gastland ist. Doch der Flughafen Tempelhof schimmert verdächtig orange…

Neben den “etablierten” Ausstellungen und Events werden beim DMY Berlin 2012 auch alle Beiträge für den Designpreis der Bundesrepublik Deutschland 2012 ausgestellt. Wir sind schon ganz gespannt, wie sie das organisieren werden.

Wie immer werden wir für das Festival in Berlin sein und euch sowohl hier im (smow)blog als auch auf der (smow)facebook-Seite und smow.posterous.com regelmäßig mit News, Fotos und Interviews versorgen. Bitte lasst uns eure Meinung wissen…

dmy berlin 2012

DMY Berlin 2012



Designpreis der Bundesrepublik Deutschland 2012: DMY Berlin ersetzt den Rat für Formgebung als Veranstalter

Monday, February 6th, 2012

Vor einigen Jahren saßen wir eines Freitagabends in der Küche der Berge von Moormann in Aschau im Chiemgau als Nils Holger Moormann freudestrahlend hereinkam.

Er kam gerade mit einem “Deutschen Designpreis” in Gold fürs Berge in der Tasche von der Designpreisverleihung zurück und schwärmte nun davon, dass der Gewinn des Designpreises der Bundesrepublik Deutschland im Vergleich zu anderen Designpreisen so ist, als würde man olympisches Gold gewinnen.

Vielleicht hat er ihn auch nicht wirklich mit den Olympischen Spielen verglichen – unsere Erinnerung daran kann auch etwas verschwommen sein -, doch es bedeutete auf jeden Fall ein großes Lob. Und er strahlte bis über beide Ohren.Designpreis der Bundesrepublik Deutschland 20121969 ins Leben gerufen, ist der Designpreis der Bundesrepublik Deutschland der offizielle nationale Designpreis des Landes und wurde bisher im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie vom Rat für Formgebung verwaltet und organisiert. Ab 2012 soll DMY Berlin diese Aufgaben übernehmen – offenbar eine recht umstrittene Entscheidung.

Bei der ersten Pressekonferenz hat Hans-Joachim Otto, der Parlamentarische Staatssekretär beim Bundesminister für Wirtschaft und Technologie, mehrfach betont, dass die Entscheidung DMY mit dem Wettbewerb zu betrauen, keinesfalls eine Beleidigung gegenüber dem Rat für Formgebung darstellen solle. Das tat er mit einer Bestimmtheit und unmissverständlichen “hör ganz genau zu”-Deutlichkeit, die darauf schließen ließ, dass sich jemand gewaltig vor den Kopf gestoßen gefühlt hat.

Ob sich der Rat für Formgebung tatsächlich beleidigt fühlt, kann man vielleicht am besten daran sehen, dass sie ihren eigenen Wettbewerb ins Leben gerufen haben: den German Design Award. Oder wie wir solche Entscheidungen verstehen: “Wenn wir kein Stürmer sein können, nehmen wir unseren Ball eben mit nach Hause und spielen alleine”.

Soweit wir das beurteilen können, ist es nicht gerechtfertigt, dass der Rat für Formgebung seinen eigenen Wettbewerb startet. Das liegt nicht zuletzt daran, dass das zu Missmut führt und eine klar definierte Einordnung der derzeitigen Designqualität in Deutschland im Rest der Welt verhindert, woran der Rat für Formgebung rein theoretisch ebenfalls interessiert sein sollte.

german design award 2012

German Design Award 2012: Nicht zu verwechseln mit dem Designpreis der Bundesrepublik Deutschland 2012

Und nicht nur der Rat für Formgebung scheint durch die Entscheidung verstimmt zu sein. Ein Kollege wirkte auf der Pressekonferenz sehr sehr verärgert darüber, dass der Rat für Formgebung nicht länger die Organisation innehat. Sofern wir das richtig verstanden haben, lag das wohl daran, dass er Angst hatte, der Wettbewerb könnte zu kommerziell werden und irgendwie seine bisherige Reinheit verlieren.

Ohne die Kompetenz unseres Kollegen in Sachen deutsches Design offen anzweifeln zu wollen – denn wir fürchten, das könnte damit enden, dass wir winselnd und mit eingezogenen Schwänzen in den Wald flüchten -, so sollte er vielleicht mal einen Blick auf die Teilnahmebedingungen des Wettbewerbs werfen, als er noch vom Rat für Formgebung organisiert wurde und sich dann fragen, wieso der Rat für Formgebung sich dazu gezwungen fühlte, seinen eigenen Wettbewerb ins Leben zu rufen? Mal abgesehen von Neid und verletztem Stolz… Außerdem sollte er etwas kritischer beäugen, wie der Designpreis der Bundesrepublik Deutschland in letzter Zeit unter der Leitung des Rates für Formgebung vergeben wurde. Das hat das Wirtschaftsministerium auf jeden Fall getan…

Beim Versuch das Konzept des Rates neu auszurichten, ließ der Parlamentarische Staatssekretär auch verlauten, dass das Ministerium der Ansicht war, dass das Abhalten der Preisverleihungszeremonie während der Ambiente nicht die erforderliche Resonanz gebracht hat.

So sieht’s aus.

Nichts gegen die Frankfurter Messe, aber die Ambiente ist einfach keine Designmesse, sondern eine Messe für Wohnaccessoires und Geschenke. Am meisten mit Design zu tun, haben dort wahrscheinlich die Tapeten – mit Grafikdesign…

Der in Frankfurt ansässige Rat für Formgebung scheint oft nicht in der Lage über die Ufer des Mains hinauszudenken. Beispielsweise besteht der Stiftungsrat für das neue Deutsche Design Museum, das eigentlich für Berlin geplant ist, ausschließlich aus Frankfurtern. Das liegt vermutlich daran, dass der Rat für Formgebung keine kompetenten Leute kennt, die in Berlin wohnen.

Hätten sie von einem Designfestival in Berlin gewusst, hätten sie die Kooperation vermutlich früher begonnen und ihre Preisverleihung und -ausstellung zumindest parallel zum oder direkt beim DMY Festival veranstaltet. Das hätte auf jeden Fall ein größeres Medienecho hervorgerufen als die Teller, Handtuchhalter und Maniküreprodukte der Ambiente.

Was die Medienwirksamkeit betrifft, braucht man nur einmal den Umfang unserer Berichterstattung hier betrachten und dann googeln, wer noch darüber berichtet…

messe frankfurt messeturm

Der Messeturm auf der Frankfurt Messe beherbert seit Januar 2012 das Hauptquartier von... man kann es sich wahrscheinlich denken (Foto: Messe Frankfurt Exhibition GmbH / Helmut Stettin )

Wir vermuten mal, dass die Verehrung alles Hessischen durch den Rat für Formgebung mit ein Grund dafür war, wieso der Vertrag DMY zugesprochen wurde. Wenn das tatsächlich der Fall ist, können sie sich nur selbst die Schuld in die Schuhe schieben. Wir jedenfalls begrüßen die Entscheidung, DMY Berlin mit der Organisation des Wettbewerbs betraut zu haben.

Bei der Pressekonferenz hörten wir die Bezeichnung “Generationswechsel”, die wir überaus passend finden. Viele Menschen haben Angst vor Generationswechseln, doch sie sind wichtig, wenn eine Organisation, ein Event oder eine Beziehung sich entwickeln und zukünftige Herausforderungen meistern muss.

Wenn man so oft mit jungen und alten, etablierten und weniger etablierten deutschen Designern spricht wie wir, hört man oft die Kritik, dass die bestehenden Designinstitutionen Deutschlands sich zu sehr auf die “gute Form” konzentrieren und noch immer in einer Welt agieren, in der Dieter Rams bestimmt, was deutsches Design überhaupt ist. Außerdem verbringen sie viel Zeit damit, Designern zu sagen, was sie tun sollten, anstatt ihnen dabei zu helfen, das zu fördern, was sie eigentlich tun. Das liegt im Wesentlichen daran, dass die Organisation von einer Generation dominiert wird, die aus einer Zeit stammt, in der die Dinge noch so liefen. Das ist gut so. Doch heute ist das eben nicht mehr so. Und auch das ist gut so.

Mit DMY als Organisator des Designpreises der Bundesrepublik Deutschland wird der Wettbewerb wahrscheinlich nicht nur moderner, sondern auch demokratischer und offener gestaltet werden – vor allem durch den All-Inclusive-Preis von 350 Euro. Durch diese relativ geringe Gebühr wird es viel mehr kleineren Firmen und Designstudios möglich sein sich zu bewerben als bei den vielen anderen Designpreisen, bei denen Designer oft tausende Euro für den Gewinn zahlen müssen.

(Eine kurze Anmerkung für alle, die das nicht wissen: Einen Designwettbewerb zu gewinnen ist sehr teuer. Es gibt beispielsweise einen Wettbewerb, bei dem die Sieger eine “Gewinngebühr” in Höhe von 2800 Euro zusätzlich zu obligatorischen Kosten für Katalogeinträge bezahlen müssen – und natürlich die Teilnahmegebühr. Das stellt natürlich für jeden, der nur über ein eingeschränktes Budget verfügt, eine große Hürde dar.)

Es ist natürlich auch möglich, dass DMY Berlin den Wettbewerb verbockt und das Ganze in einem Disaster endet. Dieses Risiko besteht immer, wenn man den Partner wechselt. Das werden wir aber erst Mitte Mai wissen, wenn Details darüber bekannt gegeben werden, wie viele Anmeldungen eingegangen sind, von wem und aus welchen Disziplinen.

Doch wenn man sich das vom DMY entwickelte Konzept mal ansieht und es sowohl mit dem, was vorher war, vergleicht als auch mit all den anderen Designpreisen in Deutschland, so sehen wir eine reale Chance den Designpreis der Bundesrepublik Deutschland wiederzubeleben und dem deutschen Design sowie den deutschen Designern dabei zu helfen, sich besser auf dem Weltmarkt zu präsentieren.

Wir schlagen vor, der Rat für Formgebung lässt den Ball einfach da liegen, wo er ist, und akzeptiert seine Postion am Flügel…



Bookinist Cup 2011: Die Hölle von Aschau

Thursday, November 10th, 2011

Vierundzwanzig Stunden bevor Sebastian Vettel in Japan seinen zweiten Formel 1-Titel besiegelte, sicherten sich Markus Jehs und Jürgen Laub den Sieg bei einem Motorsportevent, dessen Niveau um einiges höher anzusiedeln ist als das der Formel 1 und auf das Vettel selbst hofft eines Tages aufzusteigen, wenn er etwas besser fahren kann: dem Bookinist Cup.

Für viele ist der Bookinist nur ein Sessel, in dem man von seiner Lieblingsliteratur umgeben sitzen und lesen kann. Hierbei handelt es sich jedoch nur um eine fiese Marketing-Verschleierungstaktik.

Allein der Stil, in dem Nils Holger Moorman seinen Streitwagen 2008 erstmals in Mailand präsentierte verriet seine wahren Absichten.

Aber die Redakteure der Hochglanzmagazine und die Praktikanten hinter den oberflächlichen Designblogs waren – wie bei so vielen Werken Moormanns – einfach nicht in der Lage, die wahre Größe dieser Kreation zu verstehen. Und so war das Unternehmen gezwungen, das Marketing etwas zu mäßigen und den Bookinist als ein familienfreundliches Produkt zu vertreiben; also als etwas, das auch die Oma benutzen könnte.

Insider und Adrenalinjunkies wissen es aber besser. Die Hartgesotteneren unter ihnen nahmen Nils Holger Moormanns Herausforderung zum Kampf an.

Die Hölle von Aschau Nils Holger Moormann

Der Herausforderer: Nils Holger Moormann

Beim Bookinist Cup 2011 versammelten sich zwanzig internationale Teams in Aschau unter dem Uhrenturm gegenüber der Festhalle zum Kampf – miteinander und mit dem wahrscheinlich abwegigsten und gnadenlosesten Transportvehikel seit Erfindung des Esels.

Obwohl uns der erste Schnees des Winters von den Gipfeln der Chiemgauer Alpen verhöhnte und dunkle Wolken noch Schlimmeres erahnen ließen, meinte Petrus es gut mit den Wettkämpfern und es blieb fast während des ganzen Rennens freundlich.

Die trockene Fahrbahn nützte dem ersten Team aber leider nichts. Das “Tuktuk-Racing” Team zerstörte in einem dramatischen Auftakt den Bookinist – mangelhafte Fahrkünste, die zu einer unliebsamen Begegnung mit den Strohballen und zur Abtrennung des Vorderrads vom Fahrgestell führten.

Glücklicherweise hatte das Moormann-Designteam nicht nur zwei Bookinisten für das Rennen präpariert, sie können sogar auch schweißen. Sogar schnell. Und so konnte der Wettbewerb nach einer kurzen Safety-Car-Phase ungehindert fortgesetzt werden.

Nach Robert Widmann & David Fencher, Bibs Hosak-Robb & David Robb und Gabriele & Matthias von Schweinitz, betrat Nils Holger Moormann höchstselbst die Arena. Falls Euphorie jemals Grenzen gekannt hat, so hat sie an jenem kalten Nachmittag in Südbayern neue Sphären erreicht.

Moormann fuhr seinen persönlichen Bookinist, ein Vehikel, das er tatsächlich dazu benutzt, jeden Tag zur Arbeit zu fahren. Moormanns Leistung war leider weniger triumphierend als sein Empfang an der Startlinie:  Seine Maschine lief nicht optimal, was womöglich daran lag, dass der falsche Kraftstoff getankt wurde. Das war vom Streckenrand aus schwer zu sagen.

Nachdem der Herausforderer geschlagen war, oblag es den übrigen Teilnehmern um die Krone zu kämpfen. Erika und André Küchler machten der Schweiz alle Ehre, wärend Saskia Kaptein & Just Haasnoot viele der Vorurteile niederländischen Fahrern gegenüber  erfolgreich widerlegten. Doch letztlich konnte niemand sich mit der Geschicklichkeit, der Anmut und den stählernen Nerven des Stuttgarter Designstudios Jehs und Laub messen.

Der Bookinist war niemals eine Bestie, die gezähmt werden musste. Es gibt kein Buch über den “Bookinist-Flüsterer” und wir können uns auch nicht vorstellen, das es so was jemals geben wird. Und doch gebührt all jenen Respekt, die der Hölle von Aschau entronnen sind, um ihre Geschichte zu erzählen. Wir ziehen den Hut vor euch!

Und ja, das Team (smow) war auch da… aber das ist eine andere Geschichte für einen anderen Tag.

Der Vollständigkeit halber gibt es eine Liste aller Teams und Zeiten unter: www.die-hoelle-von-aschau.de

Hier die vier Gewinner:

Schnellstes Team: Stuttgarter Höllenhunde (Markus Jehs & Jürgen Laub)

Bester Stunt: Die Molitomähns (Frank Leukers & Jürgen Kupfer)

Eleganteste Performance: Vatikan Racing – Der eilige Stuhl (Klaus Wolter & Mark Bruckmann)

Meiste Kontakte mit den Strohballen: Ratz-Fatz-Team (Alex Seifried & Stephan Scholl)