Archive for the ‘Vienna Design Week’ Category

Vienna Design Week 2012: Croatian Holiday 2012

Thursday, October 18th, 2012

Als “Croatian Holiday 2012″ erstmals in Mailand gezeigt wurde, haben wir es leider verpasst. Dementsprechend erfreut waren wir, als wir es im Programm der Vienna Design Week wiedergefunden haben.

Mit 15 Projekten, die vom Tourismus inspiriert sind, versteht Croation Holiday 2012 sein Hauptziel darin, eine Debatte über die Rolle, Funktion und Wichtigkeit von Design im Tourismus anzuregen. Bezogen auf Kroatioen, wie man sich denken kann.

Die präsentierten Objekte können weitestgehend in zwei Gruppen unterteilt werden: Es gibt solche Projekte, die auf Aspekten der kroatischen Kulturgeschichte basieren und jene, die auf (sehr billigen) Witzen basieren.

Beide Gruppen beinhalten das ein oder andere nennenswerte Projekt. Die, die uns am interessantesten erschienen, waren das Stuhl- und Tischsystem Katriga von Neven Kovačić, die “Heizdecke” RRR von Manufakturist und die Jutebeutel-Serie “Croatia – As It Is” von Superstudio.

Aber haben die Initiatoren des Projektes nicht Recht, wenn sie sagen, dass Design eine wichtige Rolle bei der Etablierung einer kulturellen Identität spielt und dass es helfen kann, die nationale Identität auch im Ausland bekannt zu machen, wenn zeitgenössisches Design in die Tourismusindustrie eingebunden wird? Unserer Meinung nach, nein.

Touristen interessieren sich nicht für moderne Interpretationen nationaler Identitäten. Der touristische Blick ist nicht so entwicklet, so ausgereift… und wird es nie sein.

Touristen wollen das Traditionelle, das Erwartete, also hauptsächlich das, was auch andere Menschen schon erlebt und gesehen haben. Im Gegensatz dazu teilen Menschen, die in ein Land reisen, um es fernab touristischer, generalisierter Klischees zu entdecken, meist Eric Cantonas Sicht auf nationale Identität.

Was Designer jedoch tun können, ist die Geschichte und moderne Realität eines Landes sichtbar und verständlich zu machen. Wenn sie Aspekte der nationalen Identität in ihre Arbeit einbinden wollen, ist das toll. Jemand muss nur noch “nationale Identität” definieren….

Damit wollen wir Croatian Holiday 2012 nicht als sinnlose Übung vorführen. Die Projekte, die daraus hervorgegangen sind, sind wirklich gut, und hätten ohne Croatian Holiday 2012 nie das Licht der Welt erblickt. Und wer weiß, was die Designer mit der Erfahrung und der Forschung anstellen… Oder wie viele der entstandenen kommerziellen Objekte schließlich von Touristen gekauft werden – nicht wegen der kulturellen Identifikation, sondern weil es qualitativ hochwertige, originelle Objekte sind.

Vienna Design Week 2012 Croatian Holiday 2012

Vienna Design Week 2012: Croatian Holiday 2012

 

Vienna Design Week 2012 Croatian Holiday 2012 Katriga Neven Kovačić

Vienna Design Week 2012: Croatian Holiday 2012. Katriga von Neven Kovačić

 

Vienna Design Week 2012 Croatian Holiday 2012 Bukaleta Sabina Barbiš Mario Depicolzuane

Vienna Design Week 2012: Croatian Holiday 2012. Bukaleta von Sabina Barbiš und Mario Depicolzuane

Vienna Design Week 2012 Croatian Holiday 2012 BRRR  Manufakturist Croatia - As It Is Superstudio

Vienna Design Week 2012: Croatian Holiday 2012. BRRR von Manufakturist sowie Croatia - As It Is von Superstudio



Vienna Design Week 2012: Van Bo Le-Mentzel Hartz IV Möbel-Workshop @ Wien Museum

Thursday, October 18th, 2012

Bevor wir unsere Zelte bei der Vienna Design Week 2012 endgültig abbrechen und zu neuen Design-Ufern aufbrechen, wollen wir noch den Hartz IV Möbel-Workshop des Berliner Designers Van Bo Le-Mentzel im Wien Museum erwähnen.

Die Hartz IV Möbel-Kollektion von Van Bo Le-Mentzel entstand 2010, aber was es damit genau auf sich hat, haben wir bis heute nicht wirklich verstanden.

Im Wesentlichen ist es ein sehr gutes Open Design Projekt, das eine gute Auswahl verschiedener Objekte beinhaltet, die relativ leicht nachgebaut werden können – auch von denen, die eigentlich Schwierigkeiten haben, etwas technischeres zu tun als Butter auf’s Brot zu schmieren. Es ist ein Projekt, das überdurchschnittlich viel positive Resonanz in den Medien erfahren hat. Aber es ist auch ein Projekt, das sich uns nicht richtig erschließt. Was ist der Hintergrund, die Motivation, das Ziel? Worauf soll das alles hinauslaufen?

Mit dem Workshop haben wir es etwas besser verstehen können.

Van Bo Le-Mentzel hat Architektur in Berlin studiert und arbeitet zurzeit für eine “Strategische Kreativagentur” in der Hauptstadt. 2009/10 hatte er Schwierigkeiten zuhause ein Regal aufzubauen und, um seine damalige Verlobte (mittlerweile sind sie verheiratet) zu überzeugen, dass er kein kompletter Vollidiot ist, hat er einen Tischlerworkshop an der Volkshochschule besucht und seinen ersten Stuhl gebaut, den sogenannten 24 Euro Chair. Der heißt so, weil er so viel kostet…

Aber dann können wir der Geschichte nicht mehr so ganz folgen.

Angespornt von den positiven Reaktionen von Freunden und Familie, hat Van Bo die Pläne für den Stuhl online gestellt, und Menschen in ganz Europa haben die Pläne runtergeladen und den Stuhl nachgebaut. Trotzdem verstehen wir nicht, warum Van Bo die Pläne ins Internet gestellt hat und wie die Leute sie gefunden haben… Aber er hat es getan, er wurde gefunden und dann hat Van Bo den Rest der Kollektion entworfen und veröffentlicht. Und das mit großem Erfolg.

Getrübt wird das Projekt für uns nur durch den Namen. Hartz IV… Das hat fast schon etwas Abstoßendes. Irgendwie könnte man es gleich “Möbel für obdachlose, stinkende, alte Männer” nennen… Aber wie sich herausstellte, sollte der Name genau solche wie uns irritieren. Hartz IV ist schlecht, Möbel sind gut. Also hat sich Van Bo entschlossen, beides miteinander zu verbinden. Und das nicht nur im Hinblick auf einen provokanten Projektnamen, sondern vielmehr als neuen Ansatz, aus unserer konsumorientierten Gesellschaft auszubrechen.

“Build More. Buy Less” ist der Untertitel des Projektes und Van Bo hofft durch die Möbel zu inspirieren. Van Bo glaubt, vor allem aufgrund von Erfahrungen, die er selbst gemacht hat, dass der Prozess ein Möbelstück zu bauen und der Erfolg es dann geschafft zu haben motivieren kann und auch auf andere Lebensbereiche aktivierend wirken kann.

Dinge kaufen als Form der Abhängigkeit und des sozialen Stumpfsinns; eigene Dinge schaffen als Form von Selbstbestimmtheit, Kreativität und guter Gesundheit. Der Name soll also als Metapher dafür verstanden werden, dass man sich von der Hartz IV-Situation, obwohl eines der schlimmsten Dinge, die einem passieren können, mit Hilfe der Möbel lösen kann. Zumindest im spirituellen Sinne.

Wie schon gesagt, haben wir noch ein paar offene Fragen über die Hartz IV Möbel-Kollektion, aber nachdem wir Van Bo zugehört und den Workshop besucht haben, verstehen wir das Projekt um einiges besser.

Und nein, wir haben nichts bei dem Workshop gebaut… Wir arbeiten noch an der Kombination von Butter und Honig auf dem Brot.

 

Vienna Design Week 2012 Van Bo Le-Mentzel Hartz IV Furniture Workshop Wien Museum

Vienna Design Week 2012: Van Bo Le-Mentzel Hartz IV Möbel Workshop im Wien Museum

Vienna Design Week 2012 Van Bo Le-Mentzel Hartz IV Furniture Workshop Wien Museum

Hartz IV Möbel Workshop im Wien Museum. Bau dir deinen eigenen Berliner Hocker!

Vienna Design Week 2012 Van Bo Le-Mentzel Hartz IV Furniture Workshop Wien Museum

Van Bo Le-Mentzel spricht vor dem Workshop zu den Teilnehmern.



Vienna Design Week Passionswege 2012: Mathias Hahn @ Staud’s Wien

Wednesday, October 17th, 2012

Vor ein paar Jahren kam auf einmal der Begriff “Food Design” auf. Das ist etwas, was in uns Unbehagen auslöst. Es klingt nach einem dieser oberflächlichen, übertriebenen Dinge, das Guardian-Leser direkt in Aufregung versetzt und sie dazu bringt, Workshops zum Erlernen dieser neuen Sache in der Toskana zu buchen.

Wir vertrauen Dingen wie “Food Design” nicht.

Zum Glück hat sich der in London lebende Designer Mathias Hahn bei seinem Passionswege 2012 Projekt mit dem Wiener Hersteller für Marmeladen und Eingelegtes Staud’s entschieden, das Essen zu ignorieren und sich auf die Gefäße, die es umgeben, zu konzentrieren.

Das ist gut, weil wir schon so lange Fans der Arbeit von Mathias sind und es sehr schade gefunden hätten, das wegen so etwas bourgeoisen und ohnehin irrelevanten wie Food Design aufgeben zu müssen.

Für die Vienna Design Week hat Mathias fünf Gefäße zur Aufbewahrung von Lebensmitteln aus verschiedenen Materialen entworfen; man könnte auch Glasgefäße sagen, aber damit würde man ihnen wirklich unrecht tun.

Für uns waren die Highlights der Kollektion das Objekt mit dem Holzboden und Keramikdeckel, das Marmelade beinhaltet, und das dunkel getönte Glasgefäß, das Eingemachtes in einem im Inneren eingehangenen Gefäß beinhaltet. Beide Stücke haben eine unkomplizierte Leichtigkeit, fast schon Respektlosigkeit, was sie extrem sympathisch macht.

Alle fünf Objekte waren gut durchdacht, ordentlich umgesetzt und stellen zusammen betrachtet ein vollständiges, homogenes Set dar. Was will man mehr?

Allerdings befürchten wir, dass die Objekte, wenn sie kommerziell produziert würden, unweigerlich in die Hände der “Foodies” und anderer fallen würden, die sie nur für ihre eigenen, narzisstischen Zwecke missbrauchen würden. Und das ist etwas, was weder die noch Mathias verdient haben.

Vienna Design Week Passionswege 2012 Mathias Hahn  Staud’s Wien

Vienna Design Week Passionswege 2012: Mathias Hahn @ Staud’s Wien

Vienna Design Week Passionswege 2012 Mathias Hahn  Staud’s Wien

Vienna Design Week Passionswege 2012: Mathias Hahn @ Staud’s Wien

Vienna Design Week Passionswege 2012 Mathias Hahn  Staud’s Wien

Vienna Design Week Passionswege 2012: Mathias Hahn @ Staud’s Wien



Vienna Design Week Passionswege 2012: Daphna Laurens bei Wittmann Möbelwerkstätten

Tuesday, October 16th, 2012

Schon als wir zum ersten Mal Tafelstukken von Daphna Laurens auf dem DMY Berlin 2010 gesehen haben, hatten sie uns für sich gewonnen. Und das ist eine Tatsache, für die wir uns absolut nicht entschuldigen müssen.

Da ist etwas wundervoll eloquentes, würdevolles und zeitloses in ihren Arbeiten. Etwas, das einen regelrecht anzieht. Ihre Arbeiten werden dabei immer durch einen Materialmix definiert, die Verbindung verschiedener Materialien ist also zentral für die Objekte, zeigt sich jedoch nur dezent im Design – fast als würde es keine Aufmerksamkeit auf sich ziehen wollen.

Für die Vienna Design Week Passionswege 2012 haben sich Daphna Laurens mit Wittmann Möbelwerkstätten, einem österreichischen Polsterer, der auf über 100 Jahre Geschichte zurückblicken kann, zusammengetan.

Wir behaupten nicht zu verstehen, was Daphna und Laurens wirklich gemacht haben, als sie in ihrer Forschungs- und Planungsphase “… Farb- und Stimmungsbilder in der inneren Welt des Produktionsortes gesammelt haben…”. Aber uns gefallen die Ergebnisse. Also vermuten wir mal, dass sie es, was auch immer ihr Plan war, gut gemacht haben.

Chair 1 ist vielleicht das zugänglichere der beiden Produkte. Im Wesentlichen nicht mehr als ein Stahldraht-Stuhl mit Stoff-bzw. Lederkissen, umgibt den Chair 1 fast ein kindlich-fantasievoller Charakter. Damit meinen wir, dass er aussieht, als würde er in einen verwunschenen Wald gehören. Wir denken, das liegt daran, dass der Stuhl wegen der reduzierten Größe seiner Kissen zusammen mit dem offenen Metallrahmen viel kleiner und kompakter wirkt, als er eigentlich ist. Wie eine Elfe irgendwie.

Stool 1 – wir lieben die Namen  - ist im Gegensatz dazu etwas komplizierter. Eine Kombination aus Hocker und Beistelltisch, ist der Stool 1 aus Stahlrohr, Holz und Leder konstruiert, und ähnelt entfernt einem Schaukelpferd. Wenn wir ehrlich sind, sind wir nicht hundertprozentig überzeugt, dass der Platz neben dem Sitz seiner intendierten Funktion gerecht werden kann. Wir mögen die Idee. Wir mögen die Umsetzung. Wir sind nur nicht von der Praktikabilität überzeugt. Außer natürlich wir haben es völlig missverstanden und die freie Fläche soll nur als Ablagefläche zum Einsatz kommen, wenn der Hocker nicht gebraucht wird.

Aber unabhängig von der Funktionalität, haben Daphna Laurens genau wie mit Chair 1 beim Stool 1 ein Objekt geschaffen, das so einzigartig wir charmant und vertraut ist. Außerdem sind es zwei Objekte, die sich nicht nur perfekt ergänzen, sondern sich auch wunderbar in so ziemlich jedem Raum machen würden.

Und so haben wir wieder einmal ein Projekt von Daphna Laurens gesehen, das uns beeindruckt, und das wieder einmal unterstreicht, wie gut, dynamisch, frisch und genial die Arbeiten des Paares sind.

Vienna Design Week Passionswege 2012 Daphna Laurens at Wittmann Möbelwerkstätten

Vienna Design Week Passionswege 2012: Daphna Laurens bei Wittmann Möbelwerkstätten. Die Forschung....

Vienna Design Week Passionswege 2012 Daphna Laurens at Wittmann Möbelwerkstätten

... Chair 1...

Vienna Design Week Passionswege 2012 Daphna Laurens at Wittmann Möbelwerkstätten

...Stool 1.

Vienna Design Week Passionswege 2012 Daphna Laurens at Wittmann Möbelwerkstätten

Vienna Design Week Passionswege 2012: Daphna Laurens bei Wittmann Möbelwerkstätten



Vienna Design Week 2012: Misfits Revisited – Create your own Thonet

Monday, October 15th, 2012

Waren es nicht Pulp, die prophezeiten, dass die Welt bald durch “mis-shapes, mistakes and misfits”, einer großen, stillen Mehrheit, die sich von ihrer angeblichen Unzulänglichkeit und Abweichung von der gesellschaftlichen Norm eingeschüchtert fühlen, beherrscht und kontrolliert würde? Wenn sie nur so viele werden könnten, dass sie etwas zu bieten hätten und wenn die von der Gesellschaft auferlegten Vorstellungen von Perfektion unser modernes goldenes Kalb würden, ihre Zukunft wäre so vielversprechend…

Unter dem Titel ”Misfits Revisited” hat sich das Wiener Designstudio breadedEscalope mit dem aus Wien stammenden Hersteller Thonet zusammengetan, um zu erforschen, inwiefern uns unförmige, fehlerhafte und sonderbare Möbelstücke helfen können, Materialien, Formen, Prozesse und Traditionen besser zu verstehen, zu entwickeln und zu verwenden.

“Misfits Revisited” startete auf der Vienna Design Week 2012 mit einer Reihe von “Pimp my Thonet Waste”-Workshops.

Die Idee war recht simpel, Thonet brachte eine Ladung Produktionsabfälle aus Frankenberg nach Wien und die Design-Week-Besucher schufen daraus neue Möbelstücke – und das mit ein paar wirklich tollen Ergebnissen.

Aber in dem Workshop ging es natürlich um mehr als nur fehlerhafte Thonet-Teile zusammenzukleben. Es ging ums Experimentieren mit Formen und Funktionen; um die Entscheidung, wie man eine bestimmte Funktion verwirklicht; wie man einer Herausforderung gegenübersteht und eine Lösung findet; wie man eine Ikone entmystifiziert; wie man Spaß am kreativen Prozess hat.

Und wenn wir richtig zwischen den Zeilen gelesen haben, wird der Workshop bald irgendwo anders wiederholt werden…

Die Workshops in Wien waren jedenfalls nur der Anfang von einer als langen und facettenreichen Zusammenarbeit zwischen breadedEscalope und Thonet geplanten Idee. Wir halten euch über die Entwicklungen auf dem Laufenden.

 



Vienna Design Week 2012: Mathak + Mahlknecht. Mindestens haltbar bis… zur geplanten Obsoleszenz

Friday, October 12th, 2012

Die äußeren Ränder der (smow)blog-Galaxie haben kürzlich Schlimmes mit ansehen müssen. Ein neuer Windows 7 Laptop wurde erworben. Der Drucker des unglücklichen Einkäufers jedoch war nicht kompatibel mit Windows 7. Und der Hersteller hatte keinen notwendigen Treiber. Ein funktionierender, zuverlässiger Drucker musste also her. Was bedeutete: noch ein Gerät muss gekauft werden.

Hersteller: 1 – Kunde: 0

Jammern und Zähneknirschen folgten.

Aber es ist nicht nur inkompatible Software, die für die Tatsache verantwortlich ist, dass in unserer modernen Welt immer mehr Dinge immer schneller veraltet sind.

Viele moderne Geräte werden so gebaut, dass sie nicht repariert werden können. Die elektrische Zahnbürste ist ein großartiges Beispiel dafür. Die Batterie ist zwar wiederaufladbar, wenn ihre Lebensdauer aber einmal beendet ist, kann man sie nicht austauschen, da sie so fest eingebaut ist – man muss stattdessen ein neues Gerät kaufen.

Die meisten von uns akzeptieren diese Situation als Preis, der für all die Annehmlichkeiten unserer modernen Welt gezahlt werden muss; obwohl wir alle wissen, dass eine andere Realität möglich wäre.

Das österreichische Duo Mathak + Mahlknecht hat seine Besucher mithilfe einer sehr simplen Installation auf der Vienna Design Week 2012 dazu gebracht einmal intensiv über diese Thematik nachzudenken.

Die Installation besteht aus einer Reihe Aquarien, die sich langsam mit Wasser füllen und mit der Zeit, wenn sie ihr maximales Volumen erreicht haben, instabil werden und vom Tisch fallen. Ihr Lebenszyklus ist damit beendet. Jedes Aquarium hat einen anderen Lebenszyklus, der vom Grund ihrer Obsoleszenz bestimmt ist, wie z.B. eine neue Kollektion, neue Standards oder ein neues System – wie es bei unserem Drucker war.

Wir müssen nicht ständig neue Produkte kaufen, aber die Industrie will es. Also machen wir es.

Die Situation ist natürlich verrückt, aber wie sollen wir sie ändern?

Letztendlich wird es eine Schlüsselkomponente sein, eine Balance zwischen den beiden Standpunkten zu finden, wenn wir wirklich soziale und ökologische Verantwortung für unsere Zukunft übernehmen wollen.

“Mindestens haltbar bis… zur geplanten Obsoleszenz” von Mathak + Mahlknecht gibt keine Antworten vor. Was die Ausstellung aber will und auch wunderbar erreicht, ist das Problem deutlich zu machen und hoffentlich etwas Selbstreflexion zu provozieren. Schließlich liegt die Verantwortung bei uns und nicht denen, die uns zwingen Drucker zu kaufen.

Von den Ladegeräten für Mobiltelefone wollen wir gar nicht erst anfangen…

Bleibt abschließend noch unsere Frage aus “Einhundert: Der Designer und die Dinge – ein Selbstversuch” von Moritz Grund: “Wie bewertest du deinen Beitrag zu einer Situation, die du für unverantwortlich hältst?”.

Vienna Design Week 2012 Mathak Mahlknecht Best by about built-in obsolescence

Vienna Design Week 2012: Mathak + Mahlknecht. Mindestens haltbar bis… zur geplanten Obsoleszenz

Vienna Design Week 2012 Mathak Mahlknecht Best by about built-in obsolescence

Drei Opfer des Fortschritts....

Vienna Design Week 2012 Mathak Mahlknecht Best by about built-in obsolescence

Vienna Design Week 2012: Mathak + Mahlknecht. Mindestens haltbar bis… zur geplanten Obsoleszenz



Vienna Design Week Passionswege 2012: Matylda Krzykowski @ Bürsten- und Pinselerzeuger Norbert Meier und Petz Hornmanufaktur

Monday, October 8th, 2012

Müssen wir eigentlich noch wiederholen, wieso wir solche Fans der jährlichen Vienna Design Week Passionswege sind? Wir hoffen nicht. Aber falls doch, bietet Matylda Krzykowski @ Bürsten- und Pinselerzeuger Norbert Meier und Petz Hornmanufaktur die perfekte Antwort.

Norbert Meier fertigt schon seit 1973 Bürsten jeder Form und Funktion, was man seiner Werkstatt auch ansieht. Aber das soll natürlich keine Kritik sein! Im Gegenteil! Wir haben uns gefreut, so etwas mal zu sehen.

Für die Passionswege 2012 arbeitete die niederländisch-deutsche Designerin/Kuratorin/Journalistin Matylda Krzykowski mit Norbert Meier zusammen, um in Kooperation mit dem Hornhersteller Thomas Petz eine Reihe neuer Produkte zu entwickeln; eine Kooperation, in der es um mehr als nur das Geschäft geht.

Norbert Meier ist der letzte Bürsten- und Pinselhersteller in Wien. Wenn er sich in einigen Jahren zur Ruhe setzen wird, wird es demzufolge keinen Bürstenhersteller in Wien mehr geben. “Ist das eigentlich wichtig, etwas, worüber wir besorgt sein sollten?”, haben wir uns gefragt. Und wir glauben, “Ja, es ist ein Problem!”, denn wenn traditionelles Handwerk ausstirbt,  gehen auch das Wissen und die Informationen über Materialien und Prozesse verloren. Sogar in unserem modernen Internetzeitalter…

Dass es aber auch anders kommen kann, zeigt Thomas Petz. Der junge Mann, der das edle Handwerk der Hornverarbeitung von seinem Großvater, der einst Wiens letzter Hornhandwerker war, gelernt hat, hat nun das Gewerbe wiederbelebt, das sozusagen schon tot war.

Über Matylda entstand die Kooperation mit dem Bürstenhersteller Meier, mit dem schon sein Großvater zusammengearbeitet hat. Damals, als Hornbürsten noch die Spitze vornehmen Lebensstils waren.

Die von Matylda entworfenen Podukte können das Feuer dieses Ruhmes wahrscheinlich nicht wieder entfachen, aber sie sind freche, frische Produkte, die mehr Leben und Persönlichkeit in die Hornbürste bringen, als man es je für möglich gehalten hätte. Und sie illustrieren wunderbar eine der Hauptfunktionen der Passionswege: junge Talente mit erfahrenen Profis zusammenbringen.

Das Highlight der Kollektion ist für uns die Make-up-Bürste, die Dank einer Mischung aus Eichhörnchen und Ponyhaaren in einer Hornspitze ein ebenso schönes Stück gothischer Poesie ist wie ein von Robert Browning verfasstes Werk. Außerdem waren wir sehr vom Kehrblech mit Tischbürste angetan: Ein wundervolles Hornset für das moderne Heim.

Wer eines der Stücke haben möchte, muss schnell sein, denn Norbert Maier verabschiedet sich 2014 aus dem Geschäft.

Vienna Design Week Passionswege 2012 Matylda Krzykowski Norbert Meier Norbert Meier Brushmaker and Petz Horn Manufacturer 35

Vienna Design Week Passionswege 2012: Matylda Krzykowski @ Bürsten- und Pinselerzeuger Norbert Meier und Petz Hornmanufaktur

Vienna Design Week Passionswege 2012 Matylda Krzykowski Norbert Meier Norbert Meier Brushmaker and Petz Horn ManufacturerDie Make-up-Bürste
Vienna Design Week Passionswege 2012 Matylda Krzykowski Norbert Meier Norbert Meier Brushmaker and Petz Horn Manufacturer

Die Kehrschaufel nebst Bürste und die Kleiderbürsten

Vienna Design Week Passionswege 2012 Matylda Krzykowski Norbert Meier Norbert Meier Brushmaker and Petz Horn Manufacturer

Norbert Meier - Wiens letzter professioneller Bürstenhersteller



Vienna Design Week: Global Village @ WAGNER:WERK Museum

Thursday, November 17th, 2011

In den 1980ern gab es nichts, was Hannibal Smith glücklicher machte, als wenn ein Plan funktionierte. (Für unsere jüngeren Leser: Hannibal Smith – der Fadenzieher im A-Team – zündete sich dann immer eine Zigarre an und grinste gaunerhaft in die Kamera.)

Dieses Gefühl kennen wir natürlich nicht. Na ja, so gut wie nicht. Kommt es doch zu einem dieser raren Momente, in denen Fortuna all die Fäden unseres Blogs zu packen scheint und auf faszinierende Weise zusammenführt, sodass bei unseren Lesern der Eindruck eines durchdachten Plans entstehen muss, dann wünschen auch wir uns nichts sehnlicher als nach einer handgerollten Havanna zu greifen und unser gehässigstes Grinsen aufzusetzen.

So geht das vielleicht auch den Designern, deren Arbeiten offenbar einem größeren Plan untergeordnet sind, als wir immer glaubten. Zumindest, wenn man den folgenden Stimmen Glauben schenken will.

Bei Norm=Form behauptete Timo de Rijk, dass modernes Design nichts als die Neugestaltung bekannter Standards sei und auch nichts anderes sein könne, da die Öffentlichkeit von einem Produkt diese bestimmte, bekannte Form erwarte. Designer geben der Öffentlichkeit also nur was sie wollen – das, was sie kennen. Auch wenn das immer mit einer eigenen Interpretation und Handschrift erfolgt. Ettore Sottsass und seine Memphis Group haben zwar versucht, das etwa mit ihrem Carlton Cabinet zu widerlegen, doch am Ende ist und bleibt es die bittere Wahrheit.

Die Ausstellung Global Village im WAGNER:WERK Museum in Wien greift dieses Thema auf, indem sie modernes Design im Kontext “traditioneller” Objekte nichteuropäischer Zivilisationen betrachtet. Einige Vergleiche sind in der Tat verblüffend. So mussten wir beispielsweise feststellen, dass die Eames Stools nur eine Abwandlung handgearbeiteter Stühle aus Burkina Faso sind oder dass das Design von Karim Rashids Lounge Chair Surf eigentlich aus Ost-Java zu stammen scheint.

Natürlich soll hier niemand des Kopierens bezichtigt werden. Global Village unterstreicht lediglich auf eindringliche Weise, wie abhängig Designer von etablierten und altbewährten Formen sind. Die Schaufel existiert seit ewigen Zeiten. Wir können nur das Material und die Ergonomie verändern.

Wir finden zwar, dass die Ausstellung beim Vergleich von Nils Holger Moormanns Easy Reader mit einer indonesischen Kinderschubkarre etwas weit gegangen ist, doch optisch machen die beiden nebeneinander schon was her.

Fast ebenso beeindruckend wie die Ausstellung selbst ist übrigens der Ausstellungsort: Otto Wagners Postsparkasse. Nur so viel: Wenn unsere Bank so aussehen würde, würden wir uns definitiv intensiver um unsere Anlagegeschäfte kümmern.

Global Village im WAGNER:WERK Museum läuft noch bis zum 26. November. Mehr Infos gibt’s unter www.ottowagner.com



Vienna Design Week: kidsroomZOOM

Wednesday, November 16th, 2011

Eine der originellsten und unterhaltsamsten Ausstellungen auf der Vienna Design Week 2011 war definitiv der kidsroomZOOM.

Kuratiert von Paola Noè von der Galerie Unduetrestella Mailand und Thomas Maitz vom österreichischen Kindermöbelhersteller Perludi, gestaltete sich der kidsroomZOOM als entzückende, speziell für Kinder eingerichtete Jahrhundertwende-Wohnung in der Wiener Innenstadt.

Erwachsene durften in die Wohnung, wurden im Ausstellungskonzept jedoch nicht sonderlich berücksichtigt.

kidsroomZOOM bot mit Arbeiten von Herstellern und Designern, wie Thorsten van Elten, Rijada oder Nonah einen gelungenen Überblick über das gegenwärtige Kindermöbeldesign in Europa – und beweist dabei, dass es durchaus gute Alternativen zum billigen Ramsch aus dem Möbelhaus gibt.

Die Idee mit der “Kinder-Wohnung” entstand, um die internationalen Marken einmal nicht als Konkurrenten, sondern als Teil einer gemeinsamen Lösung für einen kreativen wie sicheren Ort für Kinder, zu zeigen. Das ist ein Konzept, das uns so erfrischend schien wie die in diesem Rahmen gezeigten Produkte.

Neben altbewährten Lieblingen, wie MAXintheBOX von Perludi oder Duck von Rijada, haben uns besonders die zwei intelligenten Schaumstoffmöbel Tukluk und Kubix begeistert.

Und dann war da natürlich noch der so herzzerreißend traurig dreinblickende Punch’n'Cuddle – eine langohrige, kaum identifizierbare Figur in Form eines Boxsacks – die also durchaus zum Draufhauen einlädt – eigentlich aber aussieht als müsste sie mal kräftig umarmt werden.

In Ergänzung zur eigentlichen Ausstellung, bot kidsroomZOOM am Samstag außerdem einen Papierspielzeug-Workshop an.

Aus dem Pressematerial geht hervor, dass das bereits der zweite kidsroomZoom war; der erste fand während der Fuori Salone 2011 statt, wo wir es wie so oft aufgrund der Menge anderer Veranstaltungen leider verpasst haben etwas davon mitzubekommen.

Und so bleibt nur zu hoffen, dass es den Veranstaltern gelingt, die Übung auf anderen Design Festivals zu wiederholen; wir jedenfalls halten das Konzept für sehr erfolgreich und wert die Aufmerksamkeit eines größeren Publikums zu erhalten.

Wir halten euch auf dem Laufenden.

Mehr Informationen gibt es unter kidsroomZOOM.com



Vienna Design Week Passionswege: Philippe Malouin @ J. & L. Lobmeyr

Friday, October 28th, 2011

Wir starten unsere Vienna-Design-Week-Passionswege-Tour traditionellerweise mit J. & L. Lobmeyr.

Und traditionellerweise ist das ein Termin, der uns zittern lässt.

Nicht etwa weil wir Angst vor J. oder gar L. Lobmeyr hätten.

Drücken wir es so aus:

Ein Laden.
Ein Laden voll mit exquisitem, feinstem Porzellan.
Ein Laden voll mit exquisitem Kristall.
Und:
Wir.

Was könnte da wohl alles schief gehen?

Und so dachte Philippe Malouin vielleicht an uns als er sein Projekt für die Vienna Design Week 2011 entwickelte. Er hat dem Glas nämlich etwas Wind aus den Segeln genommen und Holz in seine Sanduhren eingearbeitet.

Vienna Design Week Passionswege Philippe Malouin at J  L Lobmeyr
Philippe Malouin @ J. &  L. Lobmeyr im Rahmen der Passionswege der Vienna Design Week 2011

“Zeit ist eine Qualität, die Lobmeyr so besonders macht.” So beginnt Philippe Malouin seine Erklärung zum Hintergrund des Projekts.

Nicht nur die Zeitlosigkeit solcher Objekte, auch die Zeit, die in ihrer Entwicklung steckt, sind rar heutzutage. Und so hat Philippe Malouin eine Reihe von Sanduhren entworfen, mit denen er die Rolle der “Zeit” mit der Geschichte von J. & L. Lobmeyr verknüpft.

Mit der Kombination von Holz und Stücken aus der Lobmeyr “Alpha” Serie – einige Becher von Designer Harald Rath aus dem Jahr 1952, die deutlich an mittelalterliche Trinkgefäße erinnern – hat Philippe Malouin drei Sanduhren geschaffen, die ganz offensichtlich verdeutlichen, wie sich durch das Rieseln des Sandes die Zeit, die in den Werken steckt, manifestiert.

Natürlich erinnert uns das auch an Mark Braun und Fortune im letzten Jahr.

Unser einziges Problem aber ist, dass Philippe Malouin sagt, je länger der Sand fließe, desto komplexer werde die eingravierte Markierung auf den Gläsern. Das konnten wir nicht sehen, aber das ist wahrscheinlich unsere Schuld. Ist es ja meistens…

Vienna Design Week Passionswege Philippe Malouin at J  L Lobmeyr
Philippe Malouin @ J. & L. Lobmeyr. Detail.

Aber ungeachtet dieser Tatsache finden wir, dass die drei Sanduhren in der Ausstellung ganz wunderbar für sich selbst als Objekte bestehen können. Nicht notwendigerweise wegen der Glas-Holz-Kombination, sondern vielmehr wegen ihrer Größe imponieren sie uns.

Sanduhren sind normalerweise klein und zierlich. Die von Philippe Malouin strahlen hingegen eine Selbstsicherheit aus, die man normalerweise nur von Teenager-Fußballstars, die gerade ihren ersten Werbevertrag unterschrieben haben, kennt.

Und sowas macht Eindruck auf uns.

… das und die Verbindung von Sand mit einem J. & L. Lobmeyr Produkt.

In Ergänzung zur Sanduhr beinhaltet die Installation außerdem eine große rotierende Sandmühle.

Das haben wir auch nicht so ganz verstanden…

Aber die Sanduhren waren wirklich toll.

Mehr Informationen zu Philippe Malouin @ J. & L. Lobmeyr gibt es unter www.lobmeyr.at

Vienna Design Week Passionswege Philippe Malouin at J  L Lobmeyr
Philippe Malouin @ J. & L. Lobmeyr. Sandmühle….
Vienna Design Week Passionswege Philippe Malouin at J  L Lobmeyr
…Detail

 

Vienna Design Week Passionswege J L Lobmeyr Wien
Vienna Design Week Passionswege: J. &  L. Lobmeyr, Wien