Archive for the ‘orgatec’ Category

Orgatec 2010: Vitra

Thursday, March 3rd, 2011
Vitra @ Orgatec 2010

Vitra @ Orgatec 2010

Vitras Aushängeschild ist natürlich die “Home Collection”. Aber die Büromöbelsparte trägt seit Jahrzehnten ebenso zum Erfolg des Herstellers bei.

Demzufolge befasst sich Vitra tagtäglich mit der Entwicklung von neuen Ansätzen im Bürodesign und versucht vorherzusagen, was die Arbeit im Büro in der Zukunft ausmachen wird.

1991 beauftragte Vitra die Designer Michele de Lucchi, Ettore Sottsass und Andrea Branzi mit der Planung des Office Designs der Zukunft. Wichtiger Bestandteil sollte dabei der Entwurf eines sowohl sozialen als auch produktiven Büroumfelds sein.

Seitdem wurden zahlreiche Variationen des Themas entwickelt. Auf der Orgatec 2008 stellte Vitra beispielsweise das Net’n'Nest Office Design vor. Das Konzept teilte im Grunde ein Großraumbüro in Bereiche für kommunikative Arbeit in Teams (Net’) und Bereiche für konzentriertes, individuelles Arbeiten (‘Nest) und lieferte die Möbel für beide Bereiche.

Auf der Orgatec 2010 war Vitras Schlagwort “Citizen Office 2011″ .

20 Jahre nachdem Branzi, de Lucchi und Sottsass ihre Forschungsergebnisse präsentierten, ist Vitras “Citizen Office 2011″ eine aktuelle Version dieser Arbeit im Kontext moderner Arbeitsmethoden und in vielerlei Hinsicht eine Weiterentwicklung des Net’n'Nest Office.

Leider musste Vitra die ganze Übung mit diesem unsinnigen Marketingvokabular durchziehen, das unser Blut zum Kochen bringt.

Die Marketingchefs haben ihre eigene Sprache. Das ist allgemein bekannt und hinlänglich in Satiren behandelt worden. Unser erstes “Marketing Jargon Bingo” haben wir 1993 gespielt und denken, dass jeder durchschnittliche Vitra-Käufer selbst mindestens eine sinnlose Marketingphrase in den Raum werfen kann.

Aber einer Schreibtischkollektion einen Marketingnamen zu geben und sie dann mit einem Vorort zu vergleichen, hat noch keinen Tisch verkauft.

Wird es auch nie.

Solche Versuche sind reine Zeit- und Geldverschwendung.

Immer.

Alcove Work by Ronan and Erwan Bouroullec @ Orgatec 2010

Alcove Work von Ronan und Erwan Bouroullec @ Orgatec 2010

Zum Glück hat Vitra auf der Orgatec auch das eine oder andere Produkt präsentiert, das von solcher Qualität war, dass es unseren Bluthochdruck wieder etwas senken konnte.

Das ist jetzt vielleicht offensichtlich, aber uns hat das Alcove Work von Ronan und Erwan Bouroullec wirklich beeindruckt. Das Alcove gehört zu unseren Lieblingssofadesigns, aber war für uns nie eine Option fürs Büro. Mit etwas Stauraum und einer Schreiboberfläche haben es die Bouroullecs aber in ein Möbelstück verwandelt, das sich auch für Arbeitsplätze empfiehlt.

Die Communal Cells von den Bouroullecs dagegen ließen uns erst mal zusammenzucken. Wieso sollten Vitra oder die Bouroullecs eine moderne Version der 70er-Jahre-Flughafen-Telefonzellen produzieren wollen?

Wir haben dann aber schnell gemerkt, dass es sich bei den Communal Cells in Wahrheit um ein modulares Konzept handelt, mit dem man seine eigene Innenarchitektur kreieren … und diese auch nach Bedarf umbauen kann.

Mit den Communal Cells können z.B. Besprechungsräume, Areale für Drucker/Kopierer oder Entspannungsecken geschaffen werden – je nachdem was im Büro gerade benötigt wird.

Als wir das Konzept verstanden hatten, waren wir dann auch wirklich beeindruckt.

ID Chair Concept by Antonio Citterio for Vitra - unvieled at Orgatec 2010

ID Chair Konzept von Antonio Citterio für Vitra - vorgestellt auf der Orgatec 2010

Der andere Designer der den Vitra-Stand auf der Orgatec 2010 dominierte war Antonio Citterio. Neben dem Suita Club Sofa/Sessel und dem Unix Chair war Citterios wichtigster Beitrag natürlich das neue ID Chair Konzept.

Der ID Chair wartet mit einem patentierten FlowMotion-System auf und wird wahrscheinlich Vitras Bürmöbelkonzepte der nächsten Jahre dominieren.

Mehr zum ID Chair aber in einem separaten Beitrag.

Außerdem stellte Vitra noch neue Produkte von Naoto Fukasawa und Arik Levy sowie den bereits erwähnten HAL von Jasper Morrison vor.

Die Marketingbeauftragten haben zwar alles versucht, die Sache zu verkomplizieren, aber Vitra baut immernoch einen großen Teil der Officedesign-Konzepte auf einer lockeren Interpretation der Idee der “Collage” von Charles Eames in der häuslichen Inneneinrichtung auf. Das ist kein schlechter Ansatz und nichts wofür man sich schämen muss.

Abwechslung ist nicht nur die Würze des Lebens sondern auch notendig für einen effektiven Arbeitsplatz.

Das “Citizens Office 2011″ wird vielleicht nicht unbedingt unsere Vorstellungen von Büroeinrichtungen ändern, aber viele der individuellen Produkte, die auf der Orgatec 2010 vorgestellt wurden, werden das sicher. Und die Bürodesigns die dann daraus entstehen werden, werden letzten Endes dem nahe kommen, was Vitra im “Citizen Office 2011″ Manifest beschreibt.

(Nur ohne überflüssige Office Forums und Workstation Areas.)

Orgatec 2010: Vitra - Comunal Cells as wardrobe, Alcove Work , ID Chair Concept

Orgatec 2010: Vitra - Comunal Cells als Kleiderschrank, Alcove Work , ID Chair Concept



Orgatec 2010 Interview: Erwan Bouroullec

Tuesday, March 1st, 2011
Erwan Bouroullec @ Orgatec 2010

Erwan Bouroullec @ Orgatec 2010

Der Vitra Stand auf der Orgatec 2010 wurde hauptsächlich von zwei Designstudios dominiert: Antonio Citterio und Ronan and Erwan Bouroullec. Neben den neuen Varianten des Alcove Sofa und der Playns Workstation präsentierte Vitra die neuen modularen Arbeits- (und Freizeit-) Kabinen der Bouroullecs, die Communal Cells sowie ihren High Meeting Table.

Wir haben Erwan Bouroullec zu dem bevorstehenden Yacht Projekt (über das wir bereits berichtet haben) und zu den neuen Vitra-Produkten befragt. Außerdem wollten wir wissen, wie das Büro der Bouroullecs aussieht und was ihnen im Bürodesign wirklich wichtig ist.

(smow)blog: Erzählen Sie uns etwas über Ihre neuen Produkte auf der Orgatec!

Erwan Bouroullec: Ronan und ich arbeiten schon seit langem mit Vitra zusammen und nun zeigen wir hier ein paar Verbesserungen an bereits von uns designten Möbeln. Ebenso stellen wir einige unserer Forschungsergebnisse der letzten Jahre zur Gestaltung von Räumen in Büroräumen vor, aus denen wir das Zellensystem Communal Cells entwickelt haben.

(smow)blog: Kann man denn die Communal Cells als Erweiterung des Alcove Systems verstehen?

Erwan Bouroullec: Ja und nein. Es ist das gleiche Prinzip, aber mehr auf die Frage einer Art kleinen Architektur bezogen, die man in offenen Büros nutzt. Zum Beispiel eine Küche, ein Druckerbereich oder ein kleiner Besprechungsraum – also Räume, die jedem bei der Arbeit und der Freizeit dienen.

(smow)blog: Und wie genau schaut jetzt das Bouroullecsche Büro aus?

Alcove Work by Ronan and Erwan Bouroullec @ Orgatec 2010

Alcove Work von Ronan und Erwan Bouroullec @ Orgatec 2010

Erwan Bouroullec: Was uns wirklich an unserem Büro gefällt, ist, dass wir das Glück haben, viele verschiedene Arbeitsmethoden nutzen zu können. Manchmal zeichne ich, machmal arbeite ich am Computer oder an Modellen. Deshalb sieht das Büro immer ein bisschen unordentlich aus, aber auch nur weil wir so viele verschiedene Dinge auf einmal tun. Wirklich sehr erfrischend. Das, was Leute wirklich während der Arbeit brauchen, ist Abwechslung im Tagesablauf und die Veränderung der Position des Körpers. Ich denke, dass das wirklich wichtig ist ….

(smow)blog: … also, dass man sich im Büro wohlfühlt…

Erwan Bouroullec: … Ja, ich denke der beste Weg sich in einem Büro wohlzufühlen, ist, dass man tagsüber mit verschiedenen Arten von Bequemlichkeit konfrontiert ist: manchmal ist es das Sitzen auf einem Sofa, so wie jetzt, manchmal das Sitzen in einem Bürostuhl oder auf einem Esszimmerstuhl, aber der Wechsel ist wichig.  Die ganze Zeit auf einem Sofa zu sitzen ist nicht gut, einen Tag in einem Bürostuhl zu verbringen, ist vielleicht besser, allerdings auch nicht perfekt. Genauso verhält es sich auch mit der Arbeit in offenen, öffentlichen Räumen oder abgekapselt und für sich allein. Der Wechsel macht’s.

(smow)blog: Gibt es Projekte an denen Sie momentan arbeiten?

Erwan Bouroullec: Wir beginnen gerade die Arbeit an einem sehr spannenden Segelboot-Projekt.

(smow)blog: Sicherlich bietet es ein bisschen Abwechslung von der normalen Arbeit, oder?

Erwan Bouroullec: Ja, aber irgendwie hatten wir solche Arten von Projekten, die etwas außerhalb der gängigen Wege laufen, schon immer dabei. Das bringt natürlich eine interessante Dynamik rein und sorgt für einige frische Gesichtspunkte. Zudem entdecken wir Dinge, die uns bei der Arbeit an Industrie-Projekten helfen.

(smow)blog: Sie übertragen dann alternative Denkansätze auf Ihre anderen Arbeiten…

Erwan Bouroullec: Ja, mit anderen Kontexten konfrontiert zu sein, ist wirklich interessant. Meiner Meinung nach ist die wirkliche Frage beim Design von Dingen, die Balance zwischen vielen verschiedenen Faktoren zu halten. Je mehr man mit verschiedenen Kontexten konfrontiert ist, desto mehr lernt man darüber, wie Dinge im Gleichgewicht zu halten sind.

Communal Cells by Ronan and Erwan Bouroullec for Vitra - here as a kitchen

Communal Cells von Ronan und Erwan Bouroullec für Vitra - hier als Küche



Orgatec 2010: USM Haller

Monday, February 21st, 2011

Als USM Haller das letzte Mal auf der Orgatec ausgestellt hat, waren wir noch im Kindergarten und unser Designhorizont beschränkte sich auf die schönen Verzierungen die man mit Wachsmalstiften an die Wände zaubern konnte.

Nun, zwölf Jahre später, wissen wir dass sich Filzstifte viel besser an der Wand machen. Und USM Haller ist auf die Orgatec nach Köln zurückgekehrt.

Das Tolle am USM Haller System ist, dass es seit Jahrzehnten unverändert geblieben ist.

Elemente, die vor 20 Jahren gekauft wurden, können problemlos mit aktuellen Teilen ergänzt werden. Und auch in 20 Jahren wird man ein neues Element mit dem des Großvaters kombinieren können.

Was sich verändert, sind die Accessoires, die Farben und vor allem die Wahrnehmung des Systems und dessen was damit erreicht werden kann.

Trends gibt es hier nicht.

Aber das geht in Ordnung, denn Trends haben uns noch nie interessiert. Alles was wir wollen ist anspruchsvolles und qualitativ hochwertiges Design.

Auf der Orgatec präsentierte USM Haller neben den drei neu gelaunchten Farben und Buch- und Ordnerstützen auch die neuen Möglichkeiten ihres höhenverstellbaren KITOS Schreibtischsystems sowie das neue iPhone App.

Ja, schon klar… USM Haller iPhone App … Bevor wir uns versehen, werden sie auch noch twittern!

Aber in dem ganzen Marketing-Hype-Chaos, zwischen den sinnlosen Modewörtern die die Luft solcher Veranstaltungen wie der Orgatec verunreinigen, ist USM Haller eine wahre Oase der Ruhe und der Bescheidenheit.

… Und der Beweis dafür, dass man auch ohne große Namen und Designer und eine endlose Anzahl neuer Produkte zeitgemäß bleiben kann.

Toll.

Hier ein paar Impressionen des USM Haller Standes auf der Orgatec 2010:

KITOS desk system by USM Haller at Orgatec 2010

KITOS Schreibtischsystem von USM Haller auf der Orgatec 2010 - modulare höhenverstellbare Tische

No longer under wraps - USM Orange

Nicht mehr geheim - USM Orange

The new USM Haller book supports

Die neuen USM Haller Buchstützen ...

... and the trusty computer holder

... und der zuverlässige USM Haller CPU Halter

USM brown as seen at Orgatec 2010

Und das neue/alte USM Braun auf der Orgatec 2010



Orgatec 2010 Interview: Jasper Morrison

Sunday, February 20th, 2011
HAL by Jasper Morrison for Vitra, here with oak legs

HAL von Jasper Morrison für Vitra, hier mit Beinen in Eiche

Eines der vielen von Vitra auf der Orgatec 2010 in Köln vorgestellten Produkte war HAL, der neue Schalenstuhl des britischen Designers Jasper Morrison.

Wir haben mit Jasper Morrison bei einer Tasse Tee über den HAL und Vitra gesprochen – und er hat uns erzählt, wie sein eigenes Büro aussieht.

(smow)blog: Sie präsentieren hier auf der Orgatec Ihre neue Schalenstuhl-Serie HAL. Wie lange hat die Entwicklung gedauert?

Jasper Morrison: Ungefähr drei Jahre. Viel Aufwand wurde in die Form der Schale und ihre Eigenschaften gesteckt. Sie besteht aus einem Stück und ist sehr bequem. Aber bis wir dahin gekommen sind, mussten wir den Stuhl ungefähr 15 mal zeichnen und hatten mindestens 10 Prototypen.

(smow)blog: Was für ein Kunststoff ist das?

Jasper Morrison: Es ist Polypropylen, vollständig recyclefähig – ein großer Schritt vorwärts. Kunststoffschalen haben normalerweise Metalleinsätze, sodass sie nicht geschreddert werden können. Aber der HAL hat Nylon-Einsätze in der Polypropylenschale. Er kann also geschreddert und recycled werden.

(smow)blog: Kam Vitra mit dem Projekt auf Sie zu oder war das Ihre Idee?

Jasper Morrison: Ich glaube ich hatte es vorgeschlagen, aber ich weiß es nicht mehr genau.

(smow)blog: Sie arbeiten jetzt schon ziemlich lange mit Vitra zusammen…

Jasper Morrison: Ja, sehr lange, bestimmt 20 Jahre…

(smow)blog: … Rückblickend betrachtet, würden Sie eines Ihrer Vitra-Projekte gern anders gestalten?

Jasper Morrison: Wahrscheinlich. Ich würde wahrscheinlich im Nachhinein die meisten ändern. Aber ein paar sind auch ok… [grinst]

(smow)blog: Gerade sind wir auf der Orgatec – eine Büromöbelmesse. Wie ist das Büro von Jasper Morrison eingerichtet?

Jasper Morrison: Ich habe eine sehr schöne maßgeschneiderte Version eines Systems, das ich mal für Vitra entworfen habe: ATM. Die Stühle sind ziemlich zusammengewürfelt. Ich mag Bürostühle nicht besonders…

(smow)blog: Sie haben auch nie einen Bürostuhl designt, oder?

Jasper Morrison: Nein, aber vielleicht machen wir eine Office Version des HAL, also einen Atelierstuhl.

The HAL family by Jasper Morrison for Vitra

Die HAL Familie von Jasper Morrison für Vitra



Orgatec 2010 Interview: Alexander Schärer, USM Haller

Wednesday, December 1st, 2010

Auf der Orgatec 2010 sprachen wir mit Alexander Shärer, dem CEO von USM Haller, über die Rückkehr des Unternehmens zur Orgatec nach 12 Jahren Abstinenz, deren neue “Living Essentials” Kollektion und wie sein eigenes Büro aussieht…