Archive for the ‘Grassimesse’ Category

Grassimesse 2012: Ü60 Design: Design für Morgen

Thursday, November 1st, 2012

Neben den Arbeiten einzelner Designer und Künstler präsentierte die Grassimesse 2012 auch die Ergebnisse des Forschungsprojektes “Ü60 Design: Design von Morgen”.

Niemand wird abstreiten, dass unsere Gesellschaft immer älter wird und dass in den kommenden Jahrzehnten der Bevölkerungsanteil der über 60-Jährigen immer größer sein wird. Was aber oft vergessen wird, ist dass die zukünftigen 60+ Generationen anders als die von heute sein werden, folglich auch andere Bedürfnisse haben werden. Ähnlich zwar, aber nicht identisch.

An dem Projekt “Ü60 Design: Design von Morgen” arbeiteten Studenten von der Burg Giebichenstein Halle, der FH Schneeberg und der Freien Universität Bozen, die ihre Objekte weniger für die heutige Ü60 Generation gestalteten, sondern viel mehr überlegten, was die heute 20-Jährigen wohl einmal wollen werden, wenn sie im Rentenalter angekommen sind. Lasst die zukünftige Generation ihr eigenes Altersequipment entwerfen, sozusagen.

Die Ausstellung in der Pfeilerhalle des Grassi Museum war durch und durch ansprechend. Zudem gingen aus dem Projekt einige perfekt konzipierte und umgesetzte Arbeiten hervor.

Jeder, der innerhalb der letzten 12 Monate bei einem europäischen Designfestival war, wird Mobile Gastfreundschaft von chmara.rosinke gesehen haben. Mobile Pflanzstation von der Schneeberg Studentin Caroline Schulze ist ähnlich, für uns sogar noch einen Tick praktischer. Es sieht aus wie die Sorte Produkt, die Moormann produzieren wird – spätestens wenn Nils darüber nachdenkt etwas kürzer zu treten. Mobile Pflanzstation ist im Prinzip nicht mehr als eine hohe Schubkarre, die es erlaubt, Pflanzen auf angenehmer Arbeitshöhe einzutopfen und zu pflegen. Eine Vereinfachung, die sie umso eleganter macht. Wir können uns das Projekt auch gut für unter 60-Jährige vorstellen…

Ein anderes Projekt, das uns bereits jetzt gut gefällt, ist TransBoard von Tino Kalettka und Hannes Trommer von der Burg Giebichenstein. Im Wesentlichen handelt es sich dabei um einen übergroßen Roller, bei dem der Platz zwischen den Vorderrädern vergrößert wurde, wodurch die entstandene Fläche als Transportfläche für z.B. einen Kasten Bier oder andere Dinge des täglichen Gebrauchs genutzt werden kann. Auch einen Hund können wir uns dort gut vorstellen, vor allem wenn er auch schon in die Jahre gekommen ist.

Aber das wirkliche Highlight von “Ü60 Design: Design von Morgen” war Walk the Line der Burg Giebichenstein Studentin Kirstin Overbeck. Walk the Line ähnelt Mark Brauns “Floor 95″ Flurmöbelsystem, erweitert das Konzept aber durch einige Ausstattungselemente und – noch wichtiger – eine zusätzliche Funktion. Ob Kirsten Overbeck überhaupt jemals Floor 95 gesehen hat, wissen wir allerdings nicht… Eine Geländerstange dient als helfende Stütze für die Schwächeren und ist zugleich Basis für das Möbelsystem “Walk the Line”. Damit ist es nicht nur eine brillante Antwort auf die Thematik/Problematik des Projektes, sondern es ist auch einfach ein geniales System und für uns eines der besten und inspirierendsten in diesem Jahr. Das Geländer um den Tisch finden wir dabei besonders raffiniert. Wir hoffen, Kirstin hat die Möglichkeit das Projekt weiterzuentwickeln, da wir einen wirklichen Nutzen in so einem modularen System z.B. für Betreute Wohnprojekte sehen können.

Grassimesse 2012 Ü60 Design Walk the Line Kirstin Overbeck

Grassimesse 2012: Ü60 Design. Walk the Line von Kirstin Overbeck

Grassimesse 2012 Ü60 Design TransBoard Tino Kalettka and Hannes Trommer

Grassimesse 2012: Ü60 Design. TransBoard von Tino Kalettka und Hannes Trommer

 

Grassimesse 2012 Ü60 Design Mobile Pflanzstation Caroline Schulze

Grassimesse 2012: Ü60 Design. Mobile Pflanzstation von Caroline Schulze



Grassimesse 2010: Ragna Gutschow

Tuesday, November 16th, 2010

Schubladen!

Und wir meinen das nicht als Beleidigung.

Wenn es eine Sache gibt, die wir wirklich vermissen, dann sind das Schreibtische mit Schubladen.

Früher hatten alle Schreibtische Schubladen.

Im Laufe der Zeit begannen Schubladen aufgrund des flexibler werdenden Büro-Designs, wo niemand mehr einen festen Schreibtisch hat, aus den Schreibtischen zu verschwinden.

Bedauerlicherweise.

Und so war es ein kleiner Schrei des Entzückens, als wird Ragna Gutschow’s Schreibtisch auf der Grassimesse 2010 sahen.

Leider konnten wir Ragna nicht persönlich sprechen, wodurch wir leider nicht noch mehr über Sie und Ihr Projekt erfahren konnten.

Und das nicht nur wegen der Schublade – Die allgemeine Form und Konstruktion des Gegenstandes ist ebenso ansprechend wie die vielen Details, wie die “versteckten” Ablagefächer oder die eingebauten Karten- & Zettelhalter.

Und die Tatsache, dass scheinbar kein Filz einbezogen wurde.

Generell scheint Ragna Gutschow in ihren Werken viele Schubladen einzubeziehen. Neben dem Schreibtisch sind ihre Arbeiten “Würfelschrank” und “Sammelschrank” gute Beispiele, warum die Welt mehr Schubladen braucht.

Schubladen!

Ragna Gutschows Schreibtisch auf der Grassimesse 2010

Ein Schreibtisch mit Schublade. Ragna Gutschow auf der Grassimesse 2010

und der Würfelschrank von Ragna Gutschow

Würfelschrank by Ragna Gutschow. Schubladen!

... Schreibtisch-Details.

... Schreibtisch-Details.



Grassimesse 2010: Abito by Giovanna Zanghellini

Wednesday, November 3rd, 2010
Abito von Giovanna Zanghellini. Nachtschrank und Lampe

Abito von Giovanna Zanghellini. Nachtschrank und Lampe

Die dritte Station des (smow) Design-Marathons 2010 war die Grassimesse im Leipziger Grassi Museum.

Erstmals 1920 ausgetragen, hat sich die Grassimesse seitdem als eine der wichtigsten europäischen Vertriebsmessen für zeitgenössische Kunst und Handwerk etabliert.

Und Filz.

Außerdem brachte Sie die Designers Open hervor, wozu regelmäßig eine breite Masse an Kunst- und Design-Schulen eingeladen wird, die eine Auswahl der Arbeiten ihrer Schüler präsentieren.
Deshalb ist die Grassimesse immer eine angenehme Ablenkung vom Alltag, weshalb man sich schon aus Prinzip nicht über Schmuck, Keramik oder Filz aufregen kann.

Und wir sahen sogar ein paar Objekte, für die wir uns begeistern konnten.

Und eine Menge Filz.

Und einige schöne Strickereien von Giovanna Zanghellini, Absolventin der Universität von Bozen.

Die Personalisierung oder zumindest De-Anonymisierung von Objekten durch den Einsatz gestrickter Gegenstände ist kein neues Konzept. Überzüge für Stuhl- und Tisch-Beine tauchen z.B. in regelmäßigen Abständen auf und das städtische Stricken hat sich als eine Form der Street Art etabliert.

Im Rahmen ihrer Abschlussarbeit griff Giovanna Zanghellini das Konzept in einer anderen Form, als wir es bisher kannten, auf und gestaltete gestrickte Überzüge für Stühle, Tische, Betten, Spiegel, Lampen usw.

Als Antwort auf unsere immer mobiler werdende Welt und die Tatsache, dass eine zunehmende Menge von uns regelmäßig nur für kurze Zeit an unterschiedlichen Orten verweilt, ist Abito ein wunderbarer Versuch, fremde Räume wie unsere Eigenen aussehen zu lassen.

Man nimmt einfach die gestrickten Überzüge von den Gegenständen aus der alten Unterkunft und überzieht das Mobiliar in der neuen Unterkunft damit – schon hat man die alte, vertraute Umgebung wieder.

Das Konzept ist wunderbar, aber das Produkt an sich ist unpraktisch und dass es sich durchsetzt ist unwahrscheinlich – aber das ist nicht der Punkt.

Abito ist ein Abschlussarbeits-Projekt bei dem es darum geht, wie der Student an das Problem herangeht und es löst.

Für uns hat das Giovanna Zanghellini mit Bravur getan.

Und das ganz ohne Filz.

Giovanna Zanghellini arbeitet mittlerweile als freiberufliche Designerin in Südtirol. Und wenn sie an all ihre Projekte mit der gleichen Kompetenz wie bei Arbito herangeht, werden wir in Zukunft noch mehr von ihr hören, da sind wir sicher.

Abito von Giovanna Zanghellini @ Grassimesse 2010

Abito von Giovanna Zanghellini @ Grassimesse 2010