Archive for the ‘Dutch Design Week’ Category

(smow) Blog Best of 2011: Dutch Design Week

Wednesday, January 11th, 2012

Design Weeks gehören zum Alltag unseres Metiers.

Für diejenigen aber, die nichts mit unserer Branche zu tun haben, sieht es schnell so aus, als würden wir von einem exotisch klingenden Ort zum nächsten jetten und ständig mit unglaublich tollen und unterhaltsamen Leuten auf Cocktail-Partys rumhängen.

Mit diesem Vorurteil wollen wir endlich schlussmachen! Für uns bedeutet das Leben in der Designwelt nämlich vor allem Frühaufstehen, schwere Rucksäcke, jede Menge höflichen Small Talk, wenig Essen, viel Laufen, noch mehr höflichen Small Talk vermeiden, lange Nächte usw. Und obendrein müssen wir unser Bier meist selbst kaufen – das trinken wir dann für gewöhnlich, während wir Interviews abtippen und Fotos checken. Eine Ausnahme bildet natürlich unser jährlicher Besuch im Gasthaus Gruber in Wien.

Design Weeks sind auch dazu da, Kontakte zu Designern, Herstellern, Galerien und all den anderen Leuten aus der Branche zu knüpfen und zu pflegen, auf denen unsere Arbeit aufbaut. Keine Kontakte. Keine Geschichten. Es ist stressig, hat zugegebenermaßen aber auch seine amüsanten Seiten.

So oder so gibt es keine Design Week, die wir nicht genießen. Jede hat ihren eigenen Charme – und da gehört auch das Auf und Ab von guten und schlechten Jahren dazu. 2011 war zum Beispiel ein gutes Jahr für Eindhoven.

Eindhoven ist als Stadt selbst ehrlich gesagt nicht besonders interessant, attraktiv oder gar inspirierend. Sie sieht aus wie eine langweilige Industriestadt, die ihre Industrie von einst verloren hat und deren Bewohner nun andernorts Arbeit gefunden haben. Und genauso ist es auch…

Eindhoven war dennoch bemerkenswert erfolgreich darin, die Absolventen der Eindhoven Design Academy festzuhalten. Das liegt wohl vor allem daran, dass die Stadt ihnen bezahlbaren Raum für Ihre Arbeit bietet. Und an dem zuvor erwähnten industriellen Kollaps.

Das Ergebnis ist ein bemerkenswertes Netzwerk aus hochtalentierten, motivierten und innovativen Designern, die alle voneinander lernen und sich gegenseitig beeinflussen. Und in diesem Jahr haben wir das deutlich gespürt.

Doch nicht nur die lokalen Talente zeigten sich in diesem Jahr von ihrer besten Seite. Es gab auch unheimlich viele interessante und zum Nachdenken anregende Projekte internationaler Designer zu sehen.

Wir haben auch in Wien, Berlin, Stockholm, Mailand etc. viele gute und interessante Projekte gesehen, doch unserer Ansicht nach waren die 2011 in Eindhoven einfach höher konzentriert.

Wenn wir eines zu kritisieren hatten, dann war es, dass das Infomaterial oft nur auf niederländisch verfügbar war.

Ja, es heißt Dutch Design Week, es ist aber ein internationales Festival. Und es gibt nichts Sinnloseres als vor einem Ausstellungsstück zu stehen und nicht die leiseste Ahnung zu haben, ob es gut ist oder nicht, weil man das Infomaterial nicht versteht.

Und so wäre 2012 etwas mehr Englisch überaus hilfreich für all jene von uns, die nicht Niederländisch sprechen.

Unser Design Week Jahr 2012 beginnt in einigen Tagen und verspricht einige neue Festivals.

Es wird interessant sein, zu sehen, wer die Messlatte in diesem Jahr setzt.

eindhoven stadhuis meets design

Es geht darum, eine Solidargemeinschaft zu gründen... aber fragt uns bloß nicht wie. Die Stadhuis Ausstellung war einer der schlimmsten Fälle von Monolingualismus in Eindhoven.

 

Dutch Design Week Eindhoven 2011

Dutch Design Week Eindhoven 2011



Caught in the Act II

Monday, November 28th, 2011

Unser lieber Kollege mit der Kamera scheint im Alter etwas langsamer zu werden.

Gerade erst hatte er sich von dem Schock erholt, bei Nils Holger Moormanns Renntag “Die Hölle von Aschau” von Christoffer Martens fotografiert worden zu sein, da wurde er Opfer des nächsten Schnappschnusses. Die Grenzen der Designfotografie sind hier eindeutig überschritten… und die körperlichen Fähigkeiten unseres ertappten Fotografens scheinen das auch.

Während unser Fotograf die Ausstellung “Great Taste for Waste” im Atelier von Kasper Klokgebouw dokumentierte, erwischte ihn der Eindhovener Fotograf Kasper van‘t Hoff mit seinem iPhone.
Das Foto ist übrigens ein Musterbeispiel für die Strapazen, die mit der Erstellung des (smow)Blogs verbunden sind… und dafür, wieso unsere Reinigungskosten so hoch sind.

Danke für dieses Foto!

Kasper van‘t Hoff Great Taste for Waste Eindhoven

Beim Fotografieren von "Great Taste for Waste" auf der Dutch Design Week 2011. (Er wird sich sicher wünschen, die Mütze nicht abgesetzt zu haben...)



Dutch Design Week: Area 51 Skate Park

Friday, November 18th, 2011

Jedes Jahr zur Dutch Design Week gönnen wir uns eine kleine Auszeit vom Messezirkus und fliehen in den Area 51 Skate Park. Denn die Area 51 hat wahrscheinlich mehr mit Design zu tun, als vieles von dem, was wir das ganze Jahr über auf den Designermöbelmessen sehen. (Allerdings fühlen wir uns auf den Messen nicht so alt… :)

2002 wurde das 3000 m² große Gelände der Area 51 eröffnet – ein Jahr nach der Gründung der Dutch Design Week also. Die Area 51 ist eine hügelige Landschaft aus Holz, die sich in einem alten Fabrikgebäude auf dem Philips-Grundstück befindet. Hier können Jugendliche sicher Skaten und Bladen. “Sicher” aber nicht etwa im Sinne von “sich nicht verletzen”, sondern im Sinne von “nicht durch eine Gesellschaft belästigt werden, die meint, sie wisse alles besser”.

Genau wie Graffiti nicht wirklich Graffiti ist, wenn es offiziell auf eine Wand gesprüht wird, und Skifahren abseits der Piste eigentlich keine Freiheitsgefühle auslösen kann, wenn man mit einem Helikopter auf den Berg gebracht wird, gehört Skateboarden eigentlich auf die Straße. Soviel steht fest, auch wenn viele anderer Meinung sind.

Aber in der Area 51 können die Kids in Ruhe an ihrer Technik feilen und brauchen sich keine Gedanken über zeigefingerhebende Erwachsene machen. Ein bisschen also wie Designer in ihrem Atelier, wo sie experimentieren können ohne von irgendwem dafür gerüffelt zu werden.

Dutch Design Week Area 51 Skate Park Eindhoven
Area 51 Skate Park Eindhoven

Man kann ruhig zugeben, dass die meisten Skater in der Area 51 sich sicher nie mit dem großen Skaterhelden Tony Hawkes (oder wer auch immer es mittlerweile sein mag…) messen können, aber darum geht es auch gar nicht. Es geht um den Spaß, den das alles macht, und um das Gemeinschaftsgefühl, das dabei aufkommt.

Ein weit verbreitetes Vorurteil unter etwas konservativeren Gesellschaftsschichten ist ja, dass Skaterkids nichts als Rumhängen und Lärm machen können. Beschäftigt man sich aber einmal etwas mehr mit dem Skaten, kann man vor allem junge Menschen sehen, die versuchen etwas zu erreichen… die daran scheitern… es wieder versuchen… scheitern… versuchen, scheitern usw. Irgendwann packen sie es und alles scheint so einfach – so als könnte es gar nicht anders sein.
Wenn das mal keine Metapher für den Designprozess ist! Also, wie gesagt, die Area 51 und Möbeldesign sind gar nicht so verschieden wie man es auf den ersten Blick meinen könnte.

Dutch Design Week Area 51 Skate Park Eindhoven
Area 51 Skate Park Eindhoven: Australier sind hier auch erlaubt…

Nachdem wir eine halbe Stunde mit den Kids geträumt haben, schallte Iggy Pops Lust for Life aus den Boxen. Während die Jugendlichen zu dem subversiven Vesprechen von Freiheit eines jungen Iggys rockten, hatten wir so eine albtraumartige Vision von einem 60-jährigen Mr. Pop mit freiem Oberkörper, der Autoversicherungen in einem TV-Spot verkauft. Da haben wir gemerkt, dass es Zeit wird, wieder in die Welt zurückzukeheren, in der alles kuratiert und strukturiert ist – und die wir mittlerweile unser Zuhause nennen.

Um die Area 51 Strijp S herum entwickelt sich das Gebiet übrigens, wie man es von alten Industriegebieten am Rand großer Städte erwartet: Es gibt Lofts, Architekturbüros und teure Coffeeshops. Inmitten dieser exklusiven und teuren Entwicklung erinnert uns die Area 51 zum Glück daran, dass verantwortungsvolle Stadtplanung alle Gruppen der Gesellschaft berücksichtigen sollte. Und dazu gehören auch Teenager mit Wollmützen und Holzfällerhemden.



Dutch Design Week: Great Taste for Waste

Tuesday, November 15th, 2011

Inspiration für eine Designausstellung findet man an den unmöglichsten Orten – sogar im Müll, den der Hund zuhause anschleppt.

Kasper van ‘t Hoff’s schwarzer Labrador zum Beispiel sammelt gern Abfall und bringt ihn mit nach Hause. Also dachte sich van ‘t Hoff, warum das gute Zeug wegschmeißen, wenn man es auch behalten und fotografieren kann. Van ‘t Hoff ist Fotograf – das ist also gar nicht so verwunderlich. (Wenn er es nicht wäre, könnte man allerdings schon ins Grübeln darüber kommen…)

Eines Tages sprach van ‘t Hoff dann mit der Keramikkünstlerin Marina Relou von Gus über seine Inspirationsquelle und beide waren sich einig, dass der Hund für seinen Beitrag zu einem saubereren Eindhoven geehrt werden sollte.

So wurde das Projekt “Great Taste for Waste” geboren, bei dem Kasper van ‘t Hoff, Maria Relou und ein paar Kollegen versuchen, Müll zu neuem Glanz zu verhelfen und so eigentlich Wertloses wertvoll zu machen.

Gus sieht offensichtlich einen Wert im Müll. Doch wieso können wir das nicht?

Für uns war das herausragendste Objekt der Ausstellung Maria Relous “Plasikflaschen” aus Keramik – wunderbar filigrane und realistische Stücke, die an zerknüllten Plastikflaschen orientiert sind.

Zudem verarbeitete Relou Porzellanreste zu Geschirr, auf dem Bruno van Vaerenbergh kleine Leckerbissen drapierte. Und auch hier war das Thema des Abends maßgebend und auf den Tellern landeten die Stücke vom Essen, die sonst weggeworfen worden wären.

Es soll auch eine umweltfreundliche Hundehütte ausgestellt worden sein, aber wir konnten sie leider nicht finden.

Im Allgemeinen hat uns “Great Taste for Waste” sehr gut gefallen – auch weil es fraglos eine der leichter zugänglichen und unterhaltsameren Ausstellungen war, die wir in Eindhoven gesehen haben.

Mehr Infos gibt’s unter www.greattasteforwaste.com

 



Dutch Design Week: Made Out Portugal #4

Sunday, November 13th, 2011

Eines unserer Highlights auf der Dutch Design Week 2010 war Made Out Portugal #1, und so waren wir logischerweise ganz wild darauf, zu erfahren, wie es unserem Lieblingsprojekt in den letzten 12 Monaten ergangen ist.

Auf den ersten Blick ist das Projekt im Vergleich zur ersten Show gewachsen und beinhaltet nun auch einige portugiesische Designer, die nicht in Holland ansässig sind. Da es eines der Ziele des Projekts war, ein Netzwerk bestehend aus Exil-Portugiesen aufzubauen, scheint sich das Projekt momentan also genau in die richtige Richtung zu entwickeln.

Außerdem konnte man Made out Portugal in diesem Jahr schon in der Klokgebouw sehen, einem der Hauptausstellungsräume auf der Dutch Design Week, was ein großer Sprung zum letzten Jahr ist, denn damals fand die Show noch im eher informellen Smalle Haven statt.

Obwohl wir es, wenn wir ehrlich sind, besser gefunden hätten, wenn sie so weiter gemacht hätten wie sie es mit ihrem “Exhibition in a Van”-Konzept auf dem DMY Berlin vorgemacht haben, verstehen wir auch, dass man manchmal einfach daran denken muss, wie man am besten sein Ziel erreicht.

Unter den Arbeiten auf der Ausstellung haben uns besonders die aus Kork beeindruckt. Als Land mag Portugal kein Geld haben. Aber es hat Kork. Und wenn die portugiesischen Bauern etwas mehr Sinn fürs Wesentliche zeigen als die portugiesischen Bänker, wird es wohl auch immer Kork geben. Und wenn junge Designer den Korkbauern helfen können, neue Märkte für sich zu erschließen, dann tragen sie sogar ihr Stück dazu bei, die portugiesische Wirtschaft wieder auf den Weg zu bringen.

Was selbstverständlich auch zu den Aufgaben von Produktdesignern gehört.

Das nennt man auch Win-win-Situation.

Unter den gezeigten Arbeiten war für uns besonders Corkmatters Lamp von Tiago Sá da Costa das Stück, welches unserer Meinung nach das größte Potenzial hat, sich auf dem Markt zu etablieren.

Davon abgesehen haben wir uns gefreut, eine Entwicklung der Dock Lamp von Manuel Amaral Netto zu entdecken. Die Desk Dock Lamp basiert zwar auf dem gleichen Prinzip wie die Stehlampen-Version – für uns ergibt die Weiterentwicklung als Tisch-Version aber einfach mehr Sinn.

Mit der Dock Lamp wird das Ritual am Ende eines Tages – das Ausschalten der Lampe – zu einem kleinen befriedigenden Erlebnis. Die Lampe wird nämlich nicht einfach an einem Schalter ausgeschaltet, nein, der An-/Ausschaltmechanismus funktioniert über das Ein- und Ausdrehen der Birne. Das klingt nun sicher sehr rudimentär, ist es aber nicht. Na ja, irgendwie ist es das natürlich schon, aber genau deswegen finden wir das Prinzip ja auch so clever. Jedenfalls ist es genau die Art von Interaktion, die wir gerne mit unseren Möbeln eingehen.

Bruno Carvalho hat seine Konzept-Möbel-Kollektion leider nicht um ein Klokgebouw-Stück erweitert, aber seine Tempelhof Lamp bleibt einfach ein monumentales Werk und seine Magic Carpet Lamp ist nach wie vor, wenn auch schon etwas älter, eine frische Idee, die wir immer wieder gerne sehen.

Es ist unbestritten, dass es in Zukunft immer schwerer für junge Designer werden wird. Gerade deswegen sind wir große Fans von solchen losen Plattformen, die Arbeiten vermarkten und Netzwerke aufbauen können. Das gilt insbesondere für Designer aus Ländern, die naturgemäß nicht so viel Aufmerksamkeit von so vielen Menschen genießen. Das ist auch einer der Gründe, warum wir so froh waren, Look to Norway auf den Designers’ Open zu sehen. Und in diesem Sinne liegt uns auch viel daran, die Entwicklung von Made Out Portugal weiter zu beobachten.

Wir halten euch auf dem Laufenden und bis dahin gibt es mehr Informationen unter www.madeoutportugal.com



Dutch Design Week: Onomatopee – Copy Nature #2: Elementary Sentiments

Thursday, November 3rd, 2011

Zur Dutch Design Week zeigte die Designplattform Onomatopee aus Eindhoven eine Ausstellung, die sich damit beschäftigte, wie kulturelle Werte und Rohstoffe zusammenkommen können.

In einer Zeit, in der die Rohstoffe immer knapper werden und unser ökonomischer Wohlstand immer mehr von den schwankenden Rohstoffpreisen abhängig ist, stellt sich fast automatisch die Frage, wie wir uns aus diesem Teufelskreis befreien können und dem Ökonomischen einen kulturellen Wert geben können. Oder anders gesagt: Wie können wir Rohstoffe auf alternativen Wegen nutzen – nicht innerhalb der Wirtschaftskreislaufs sondern in einem kulturellen Kontext.

Onomatopee hat in Zusammenarbeit mit dem Eindhovener Workshop Beeldenstorm 10 Designstudios gebeten diese Fragestellung zu erörtern. Die Ergebnisse werden unter dem Namen “Copy Nature #2: Elementary Sentiment” präsentiert.

Für all jene, die sich nicht für den theoretischen Hintergund einer solchen Designstudie interessieren  – was völlig in Ordnung ist; schließlich gibt es keinerlei Zwang sich für derartige Dinge zu interessieren – ist “Copy Nature #2: Elementary Sentiments” auch eine Sammlung von wirklich ansehnlichen und innovative Objekten, die in einem von Daphna Laurens designten Ausstellungsraum zu sehen sind.

Unter den Ausstellungsstücken hat uns ganz besonders “Nails” von BCXSY beeindruckt – ein Tisch und ein Kerzenhalter, bei denen ein Stück Messing das verbindende Element zwischen den Holzteilen ist;  außerdem gefiel uns  “Mirrors” von Daphna Laurens ausgesprochen gut – ein Stück Messing, ein Stück Aluminium und ein Stück Bronze, wobei jedes an einer Stelle so stark poliert wurde, dass es einen Spiegel abgibt.

Auch wenn uns die Ausstellung und ihre Exponate wirklich gut gefallen haben…. Nutzt man solche Materialien nun in einem hier gezeigten Kontext, werden sie für ihre derzeitige Verwendung unbrauchbar – zumindest sehr viel teurer. Das wäre wenig produktiv. Das ändert aber nichts daran, dass wir Alternativen brauchen. Oder besser noch alternative Herstellungsprozesse und ein neues Denken, sodass der Gebrauch der üblicherweise verwendeten Metalle irgendwann als überholt gilt. Während “Copy Nature #2: Elementary Sentiments” also unbestritten Wege aufzeigt, kann das doch nur ein Teil der Diskussion sein.



Spring: Excellence, Talent and Inspiration in Design. Premsela @ Designhuis Eindhoven

Wednesday, November 2nd, 2011

Während der Dutch Design Week 2011 hat Premsela, das niederländische Institut für Design und Fashion, eine Ausstellung im  Designhuis Eindhoven eröffnet. Gefeiert werden neben dem zehnjährigen Bestehen der Dutch Design Week 15 niederländische Designer, die ihren Durchbruch in Eindhoven hatten bzw. hier zu ihrem großen Namen kamen.

Anstatt den 15 Designern eine klassische Gruppenausstellung zu widmen, präsentiert sie Kuratorin Miriam van der Lubbe im Kontext  von Designern, die sie begeistert oder inspiriert haben. So wird z.B. Richard Hutton zusammen mit Gerrit Rietveld und Sjoerd Vroonland gezeigt; oder Jürgen Bey und Rianna Makkink mit Nienke Sybrandy und Marijke van der Wijst.

Es ist naheliegend, dass die Ausstellung keine logische Reihenfolge oder Entwicklung in den Designs zeigen kann; auch fürs Ausstellungskonzept aufpolierte Biografien der 15 “Größten” sucht man vergeblich. Vielmehr handelt es sich um eine Sammlung von mehr oder weniger gelungenen Beispielen wie Design liebevoll, aber auch mit einer gewissen Sachlichkeit, präsentiert werden kann – was uns gut gefallen hat.

Bei “Spring: Excellence, Talent and Inspiration” stehen nun mal wieder nicht die Arbeiten im Zentrum, sondern die Designer. Jedoch kann der Ausstellungsrahmen in Eindhoven selbstverständlich kein vollständiges Who is Who des modernen niederländischen Designs liefern. So wird z.B.  Marcel Wanders an keiner Stelle erwähnt – Eindhoven spielte eben keine besondere Rolle für seine Karriere. Das Weglassen von Hella Jongerius stellt sich hingegegen als etwas komplizierter dar. Wir haben aber nicht weiter nachgefragt. Wir finden es unfair einen Kurator jede seiner Entscheidungen rechtfertigen zu lassen, nur weil man sie persönlich als etwas befremdlich empfindet.

Letztendlich können wir “Spring: Excellence, Talent and Inspiration in Design” all jenen, die sich für die Geschichte und Entwicklung des niederländischen Designs in den letzten 20 Jahren interessieren, nur wärmstens ans Herz legen.

Einen kleinen, zwar nicht direkt Beschwerde-, aber Kiritikpunkt, hätten wir jeoch noch: Ach, was. Den heben wir uns für einen anderen Post auf; für einen, der sich mit dem Thema als Ganzes befasst.

Spring: Excellence, Talent and Inspiration in Design im Designhuis Eindhoven läuft noch bis zum 7. Januar 2012.

Mehr Informationn gibt es unter: www.premsela.org

 



Dutch Design Week: Spore Vase von Paulo Sellmayer

Saturday, February 26th, 2011
Paulo Sellmeyer preparing teh growth medium for Spore Vase

Paulo Sellmayer bereitet das Nährmedium für die Spore Vase vor

Zum ersten Mal haben wir die Spore Vase von Paulo Sellmayer bei Made out Portugal auf der Dutch Design Week gesehen. Sie hat uns so begeistert, dass wir uns gleich am nächsten Tag mit Paulo getroffen haben.

Paulo wurde in Oberhausen geboren, hat an der ESAD in Caldas da Rainha, Portugal Industriedesign studiert und macht momentan ein Praktikum bei Julien Carretero in Eindhoven, Holland.

Genau die Art von kosmopolitischer Herkunft die wir mögen.

Die Spore Vase ist – kurz gesagt – eine Vase in der Schimmel wächst.

Durch ein Loch in der Abdeckung der Vase können Mikroben aus der Luft in die Vase gelangen. Der ausgewählte Nährboden hemmt die Bildung von Bakterien und erlaubt nur Pilzen das Wachstum.

Die Spore Vase ist also eine wunderbare, lebende Aufnahme der Pilzwelt, die uns umgibt.

Die Spore Vase fasziniert uns in vielerlei Hinsicht.

Auf der einen Seite sind Schimmelpilze Blumen. Zumindest haben wir das damals noch so gelernt, es ist aber gut möglich, dass sie nicht länger zu den Pflanzen gehören – Biologen mögen nichts lieber als Organismen umzubenennen oder neu zu klassifizieren – aber für uns bleiben sie Pflanzen.

Spore Vase von Paulo Sellmayer @ Made Out Portugal, Eindhoven

Aber so wie einige Tiere als knuddlig, süß oder liebenwert und andere als eklig oder furchteinflößend gelten, basiert auch unsere Wahrnehmung von Blumen auf vorgefassten Meinungen von “gut” und “böse” oder “sauber” und “schmutzig”. Schimmelblumen gelten nicht als gut und sauber.

Dennoch weiß jeder der schon einmal eine Schüssel mit Reis zehn Tage lang hat stehen lassen, dass Schimmelpilze einen schönen Farbklecks in jeden Raum zaubern können.

Die zahlreichen verschiedenen Formen sind genauso interresant und ästhetisch wie die der Angiospermen.

Und gerade da setzt die Spore Vase ihren Fokus: sie kommentiert unsere Besessenheit immer und überall Sterilität bewahren zu wollen.

Das (smow)blog Team gehört noch zu der Generation, die Würmer gegessen hat, Kühe abgelecktund generell ihre Kindheit in Staub, Schlamm und Dreck verbracht hat.

In der heutigen Zeit steht über allen anderen Werten die Sauberkeit. Für jede Form der Unreinheit, egal ob real oder eingebildet, gibt es eine industrielle Lösung.

Dass unsere Welt bei weitem nicht steril ist, demonstriert Spore Vase ganz hervorragend.

Der Grundstein für die Spore Vase wurde in Paulos Auslandssemester in Bolzano, Italien gelegt. Denn dort frischte er seine Kenntnisse in Pilzkunde auf.

Das Projekt Spore Vase befindet sich noch in der Entwicklungsphase, daher sind wir gespannt in welche Richtung es Paulo voran treibt.

Kleine Ergänzung am Rande: Paulo arbeitet momentan an einem weiteren mikrobiologischen Projekt.

Wir konnten eines seiner weiteren Projekte im Atelierdorp Gets Closer Showcase unter die Lupe nehmen. Das Exponat war zwar noch nicht ganz “reif” (wir benutzen das Wort absichtlich), aber wenn das Projekt erst einmal voll entwickelt ist, hat es diefinitiv das Potential so gut wie die Spore Vase zu werden.

Spore Vase by Paulo Sellmeyer @ Made Out Portugal, Eindhoven

Spore Vase von Paulo Sellmayer @ Made Out Portugal, Eindhoven

... detail ... The white funfi on the central pedastal is expecialyl attractive

... Detail ... Uns gefällt besonders das weiße Wachstum auf dem Podest in der Mitte.

In many ways a terrarium for mycophiles....

Ein Terrarium für Pilzliebhaber....



Dutch Design Week: Made Out Portugal #1

Saturday, October 30th, 2010

Die gute Nachricht für Rui Alves ist, dass er unser Lieblingsdesigner aus Portugal bleibt…..

….. aber die Konkurrenz ist auch nicht ohne.

Made Out Portugal ist eine Ausstellung, die die Arbeiten von 6 jungen Portugiesen zeigt, die alle in Holland leben, arbeiten und studieren.

Dock Lamp by Manuel Netto @ Made Out Portugal, Dutch Design Week.

Dock Lamp von Manuel Netto @ Made Out Portugal, Dutch Design Week.

Während unserer Unterhaltung mit einigen der Teilnehmer stellte sich heraus, dass die portugiesische Regierung ihren Designstudenten extrem großzügige Förderungen spendiert, wenn sie im Ausland studieren.

Das machen dann natürlich alle.

Aus diesem Grund hat sich ein Netzwerk portugiesischer Designer gebildet, das ganz Europa umspannen soll – ein bisschen also wie eine Organisation, die auch von James Bond bekämpft werden könnte.

Made Out Portugal ist der erste Versuch einen Nutzen aus der portugiesischen Auswanderungswelle zu ziehen. Auch wenn Made Out Portugal #1 bisher nur in Holland ansässige Designer einbezieht, bestehen bereits Pläne, auf weiteren Shows auch Designer aus anderen Ländern auszustellen.

Und wenn alle Shows so gut werden wie #1, werden wir uns ganz bestimmt nicht beschweren.

Als schöne Mischung aus konzeptioneller Arbeit und Produktdesign war die Dock Lamp von Manuel Netto unser liebstes Stück auf der Ausstellung. Das ist im Wesentlichen so etwas wie ein Lampen-Rahmen aus Holz mit drei “lebenden” und einer “toten” Steckdose. Soll die Lampe an sein, steckt man die Glühbirne in die Dose, die gerade das optimale Licht spenden kann; soll die Lampe aus sein, kommt die Birne einfach in die tote Steckdose. Wir finden das wirklich clever und wundern uns, dass früher noch keiner auf diese Idee gekommen ist.

About Waste by Filipa Ricardo - made from industrial waste. Nice enough idea, just not sure if the wool elements are supported enough....

About Waste von Filipa Ricardo - aus Industriemüll hergestellt. Schöne Idee, aber wir glauben nicht, dass die Wolldeckenelemente ausreichend gestützt sind...

Die Version, die wir von der Dock Lamp gesehen haben, war die Stehlampen-Version. Wir haben aber auch noch von einer Tischlampe gehört. Das klingt für uns fast noch spannender. Die kann man dann als optimale Schreibtisch-, Sofa- und Nachttischlampe nutzen – und das einfach durch Wechseln der Glühbirnenposition.

Der absolute Star bei Made Out Portugal #1 war für uns allerdings die Spore Vase von Paulo Sellmayer.

Aber die war so gut – die verdient ihren eigenen Post.

Made out Portugal #1 kann noch bis zum 31. Oktober im Smalle Haven, Eindhoven gesehen werden.

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Dutch Design Awards 2010: Die Gewinner

Monday, October 25th, 2010
Dutch Design Awards 2010  Lifetime Achievment Award Willem Diepraam

Dutch Design Awards 2010 Lebenswerk Award Willem Diepraam

Die Dutch Design Awards 2010 wurden auf einer Gala am Samstag abend in der Muziekgebouw Frits Philips in Eindhoven präsentiert.

700 Beiträge wurden eingereicht und die internationale Jury wählte 17 16 Gewinner in den drei Hauptkategorien – es gab einen kleinen Skandal, als die Jury sich entschied keinen Gewinner für die “Fashion, Schmuck, Accessories” zu küren.

Zudem wurde der amsterdammer Photograph Willem Diepraam für sein Lebenswerk ausgezeichnet und als “Teil einer Generation von europäischen Photographen die es schafften ihre Bindung und ihre intrinsische Stärke zu visualisieren” gewürdigt.

Die Ausstellung mit allen Gewinnern der Dutch Design Awards 2010 kann man im Brainport Greenhouse, Stadhuisplein 5611, EM Eindhoven bis zum 31. Oktober besichtigen.

Der ganze Report wird folgen, jetzt die Gewinner der Dutch Design Awards 2010:

The Golden Eye: John Körmeling “Happy Street”

BNO – Piet Zwart Prize – Lebenswerk DDA: Willem Diepraam

RADO Young Designer Award: Iris van Herpen

Kategorie Produkt

  • Consumer Product: Van Moof “Vanmoof No 5 city bike”
  • Industrial Product: Lely “Balen Lely Welger RP245″
  • Autonomous Design:Scholten & Baijings “Paper table”
  • Fashion, Jewelry, Accessories: Not awarded
  • Living: Jeroen Vinken “Mazzo curtaining”
  • Packaging: FHV BBDO “Mars Messages”

Kategorie Spatial Design

  • Private Interior: Studio Roelof Mulder & bereau Ira Koers “Library, University of Amsterdam”
  • Commercial Interior: Architectenbureau Koenvan Velsen “Rehabilitation centre Groot Klimmendaal”
  • Cultural Interior: Merkx + Girod “Hermitage Amsterdam”
  • Public Exterior: John Körmerling “Happy Street”
  • Public Space: NIO Architecten “Prayer of Shadow Protection, bridge Vrouwenakker”
  • Autonomus Spatial Design:Muurbloem design studio “Sand carpets”

Kategorie Kommunikation

  • Graphic Design: Job Wouters a.k.a Letman in cooperation with Yvo Sprey and others “Series of posters for the Undercover festival”
  • Digital Media: Jonathan Puckey, Roel Wouters “C-mon & Kypski – More Is Less”
  • Visual Identity: 75B “Ro Theater”
  • Illustration: Piet Parra “Nike Illustrations”
  • Motion Design: Paul Postma, Christian Borstlap, Jasper Boeke “Childrens poststamp animation”

Public Award: Possibly wasn’t presented……

City of Eindhoven design and sustainability award: DWARS ontwerp “Pipe bottles”

Best Client Award: RoyalVKB

Toon van Tuijl Design Prize: Studio Smeets “Hampi leaf plate”

Dutch Design Awards 2010 : The happy winners

Dutch Design Awards 2010 : Die glücklichen Gewinner