Archive for the ‘Veranstaltungen und Messen’ Category

2010 Designermöbel Weltmeisterschaft, Finale: Schweiz - Deutschland 2:1

Tuesday, July 27th, 2010

Egon Eiermann gegen Fritz Haller.

Im Vorfeld des Finalspiels der (smow) Designermöbelweltmeisterschaft 2010 wurden sowohl Deutschland als auch die Schweiz scharf für Ihre Mannschaftsaufstellungen kritisiert. Beide – so schien es – wollten mit ihren eher technischen Formationen auf Nummer Sicher gehen.

Aber das Spiel hätte spannender und interessanter nicht werden können. Sicher hätten ein Nils Holger Moormann für Deutschland oder Susi und Ueli Berger für die Schweiz etwas mehr Fantasie und Farbe ins Spiel gebracht, aber die beiden Altmeister glänzten wie kein anderes Team mit technischer Brillanz und sicherer Ausführung.

Egon Eiermann kam vorsichtig mit seinem klassischen Tischgestell ins Spiel, nutzte dann aber Hallers Zurückhaltung gleich noch um ein ausgetüfteltes Regal im gegnerischen Strafraum zu platzieren. Fritz Haller spürte die Büromöbel-Richtung, in die das Spiel nun glitt und griff tief in die Trickkiste für ein “komplex integriertes Tisch-Organisations-System”.

Sein KITOS Tisch war so weit entfernt von seinem normalen USM Haller System, dass Eiermann kurz ins Straucheln kam. Der Brandenburger fing sich aber schnell wieder und erzielte mit einem sehr schön herausgespielten SE 18 für Wilde + Spieth die 1:0 Führung.

Haller konterte mit einer wunderbaren Kombination aus Rollcontainer und Haller Tisch und ein perfekt platzierter Flachbildschirm-Schwenkarm brachte den Ausgleich. In der zweiten Halbzeit schien Fritz Hallers stabiles USM Haller System das Spiel zu kontrollieren, aber Egon Eiermann mobilisierte noch einmal alle Kräfte.

Zwei gute Aktionen mit dem SE 68 und dem E 14 Rattan Hocker scheiterten jedoch wieder am vielseitigen USM Haller System.

Die Zuschauer hatten sich schon auf eine Verlängerung eingestellt, als Fritz Haller in letzter Minute ein perfekt ausgeführtes Metallausziehtablar zum Siegtreffer verwandelte.

Die Schweiz gewinnt zum ersten Mal den (smow) Designermöbel-WM-Pokal.

(smow)2010 Übersicht

sdfsdfsdf

Die Schweizer Fans feiern Fritz Hallers Sieg über Egon Eiermann.

Vitra Design Museum Workshop: Teil 1 - Die Idee

Tuesday, July 6th, 2010
Vitra Design Museum:

Vitra Design Museum: Die Essenz der Dinge. Design und die Kunst der Reduktion.

Parallel zu den Ausstellungen im Vitra Design Museum werden Workshops angeboten. Sie begleiten die Ausstellung und bieten den Teilnehmern neue Einblicke in das Thema der Ausstellung, bzw. in kleinere Teilbereiche.

Für die aktuelle Ausstellung “Die Essenz der Dinge. Design und die Kunst der Reduktion.” heißt das: Workshops unter anderem über Pappkartonmöbel.

Pappkarton ist ohne Frage eines der schwierigeren Materialien für das Möbeldesign.

Als ein günstiges, überall verfügbares und umweltverträgliches Produkt scheint es perfekt für das moderne Möbeldesign zu sein.

Perfekt bis zu der Frage nach Stabilität und Zerbrechlichkeit.

Da wir Herausforderungen lieben, haben wir uns für den Workshop angemeldet.

Unsere erste Aufgabe war es, herauszufinden, was für ein Produkt wir erstellen wollen.

Drei Inspirationsquellen haben uns den Weg gewiesen.

Zuerst das Thema der Ausstellung: Die Essenz der Dinge. Design und die Kunst der Reduktion. Reduktion. Egal was wir uns vorgenommen haben, es sollte während des Designprozesses das Produkt “reduzieren”.

Chairless by for Vitra

Chairlessby von Alejandro Aravena für Vitra

Unter den aktuellen Produkten auf dem Markt, welche sich dem Konzept der Reduktion verschrieben haben, ist Chairless von Alejandro Aravena für Vitra.

Als Produkt gibt Chairless an, den Stuhl vom Stuhl zu befreien und wurde so zu unserer zweiten Inspirationsquelle.

Auch wenn wir das Konzept mögen, für uns ist es eine Umsetzung des statischen Stuhls in die Nutzung der eigenen Muskelkraft.

So kommt es, dass der Nutzer des Chairless in seiner Bewegung stark eingeschränkt ist, denn wenn er sich bewegt, bricht das System aus Stabilität zusammen.

Und so kam uns die Idee der Entwicklung eines wahren Chairless Chairs der die Bewegung des Sitzenden aber nicht einschränkt.

MVS Chaise by Maarten van Severen from Vitra

MVS Chaise von Maarten van Severen für Vitra

Wir sind dann ziemlich schnell bei faltbaren Konzepten angelangt und ließen uns von Maarten van Severen leiten, einem Experten auf dem Gebiet des reduzierten Designs. Wir haben die unsere Geometrie an seinen MVS Chaise angelehnt.

Das Grundproblem blieb - Wie garantieren wir die Stabilität?

Mit anderen Materialien wie Kunststoff, Holz oder Zement ist eine gewisse Stabilität einfach immer gegeben.

Beim Pappkarton muss die Stabilität als eines der Elemente im Design berücksichtigt werden.

Frank Gehry zum Beispiel hat mit seiner “Easy Edges” Serie Stabilität durch Schichtung gewonnen: Stühle wie der Wiggle Side Chair werden unter hohem Druck durch das Kleben mehrerer Schichten hergestellt.

Die andere klassische Lösung ist das Falten und Stecken.

Die Frage, die uns beschäftigte war, wie wir unser Produkt am besten designen könnten, ohne das Ziel der Reduktion aus dem Auge zu verlieren.

Und das war die Frage, die den Entwicklungsprozess beherrscht hat.

Vitra Design Museum: Die Essenz der Dinge. Design und die Kunst der Reduktion

Tuesday, June 29th, 2010
Vitra Design Museum: The Essence of Things. Design and the Art of Reduction

Vitra Design Museum: Die Essenz der Dinge. Design und die Kunst der Reduktion

Das (smow)blog team hat nach dem Pappkarton Möbel Workshop sich den anschließenden Besuch der aktuellen Ausstellung “Die Essenz der Dinge. Design und die Kunst der Reduktion.” im Vitra Design Museum natürlich nicht entgehen lassen.

Da schwingt schon ein wenig Ironie mit, dass die Ausstellung “Die Essenz der Dinge. Design und die Kunst der Reduktion” in einem Gebäude von Frank Gehry stattfindet, besonders wenn Tadao Andos Conference Pavilion nur 10 Meter entfernt liegt.

Und nach einer langen Reise nach Weil am Rhein amüsierte uns dieser Gedanke doch die ganze Zeit.

Die Ausstellung ist in zwölf thematische Bereiche gegliedert, welche sich jeweils einem anderen Aspekt der “Reduktion” widmen. Manchmal direkt sichtbar, manchmal versteckt in der Reduktion der Logistik.

Stephan Schulz: Betonschale

Stephan Schulz: Betonschale

Rund 160 Objekte zeigen die ganze Bandbreite von Michael Thonets Chair No. 14 oder dem Ant Chair von Arne Jacobsen für Fritz Hansen bis hin zu weniger bekannten Objekten - trotzdem genauso interessant - wie z.B. Stephan Schulzs Betonschale oder Marcel Wanders Knotted Chair für Capellini.

Gutes Design muss nicht kompliziert sein, weniger ist mehr, die Form folgt der Funktion - es gibt unzählige legendäre Designtheorien welche die “Reduktion” anpreisen. Trotzdem stellen wir immer wieder fest, dass uns die komplexen und extravaganten Designs für sich gewinnen.

Welches Designblog wird sich Jasper Morrisons Ply-Chair widmen wenn Sie ein Foto von einem Bücherregal haben, was wie zwei Paradisvögel auf Carmen Miranda in der Paarungszeit aussieht?

OK. Wir würdens machen. Aber nicht viele andere.

Für uns bedeutet Reduktion, wenn der Designer das Volumen des Produkts auf das Nötigste reduziert. Sei es durch das Benutzen neuer Materialien, innovativer Verbundstücke oder durch die Reduktion der äußeren Maße.

.03 by Maarten Van Seeveren

.03 von Maarten Van Severen

Ein besonderes Beispiel ist Maarten van Severen’s’ .03 mit eingebautem Federblatt, welches dem Stuhl seine Stabilität und seinen Komfort verleiht ohne sinnloses Gewicht oder Ausmaß hinzuzufügen.

Die Ausstellung “Die Essenz der Dinge. Design und die Kunst der Reduktion.” zeigt auf jeden Fall, dass Reduktion auch andere Prozesse mit einbeziehen kann.

Joe Colombos No 281 Lampe, Wilhelm Wagenfelds Teeservice oder Donald Judds Chair 84 sind alles Beispiele für nötiges Talent und die richtige Motivation.

Wir fanden jedoch, dass die Arbeit von Charles and Ray Eames zu sehr im Vordergrund stand.

Trotzdem ist die Ausstellung “Die Essenz der Dinge. Design und die Kunst der Reduktion.” für alle interessant, die sich für den Unterschied zwischen “Designer”-Möbeln und dem günstigen, generischen Produkten interessieren. “Die Essenz der Dinge. Design und die Kunst der Reduktion.” im Vitra Design Museum läuft bis zum 19. September 2010. Weitere Information unter http://www.design-museum.de

(smow) Interview: “The thing that would be amazing to try to do is to work with recycled material” James Irvine, Mailand 2010

Friday, June 18th, 2010

Seit 26 Jahren beeinflusst James Irvine leise und bescheiden das Industriedesign Europas.

Nach seinem Studium am Londoner Royal College of Art ging Irvine 1984 nach Mailand um für das Designstudio von Olivetti zu arbeiten.

Und hat die norditalienische Metropole seitdem (so gut wie) nicht wieder verlassen.

1992 verließ James Irvine Olivetti und arbeitete seitdem für verschiedene Hersteller wie Artemide, B&B Italia, Whirlpool, Magis und WMF. Eines seiner bekanntesten Projekte ist sicherlich die Gestaltung der “City Bus Flotte” für Hannover im Rahmen der Expo 2000 in Deutschland.

Thonet brachte 2004 den A 660 auf den Markt. Diese erste Zusammenarbeit von Irvine mit Thonet endete damit, dass er zum Artdirektor des Herstellers berufen wurde.

“The thing that would be amazing to try to do is to work with recycled material”

In Mailand hatte (smow) Gelegenheit, mit James Irvine über die Herausforderungen und den Druck zu sprechen, der entsteht, wenn man eine der führenden Designermöbelmarken Europas pflegt und verwaltet… und über die Zukunft des Unternehmens.

DMY Berlin: Die Nominierungen für die DMY Awards 2010

Tuesday, June 1st, 2010

Die Nominierungen für die DMY Awards 2010 wurden bekanntgegeben.

Neben alten (smow)-Lieblingen wie Rui Alves aus Portugal und der ETH Zürich sind bei den diesjährigen DMY Awards einige interessante Nominierte dabei, welche uns noch nicht über den Weg gelaufen sind. Unsere Aufmerksamkeit haben besonders die faszinierenden Daphna Isaacs & Laurens Manders aus Eindhoven in Holland geweckt.

Die Gewinner werden auf der Preisverleihung am Freitag, den 11. Juni bekannt gegeben.

2010 DMY Berlin Awards Nominierungen:

ETH Zürich für FIDU Technology
La Bolleur für Mini Golf Club
For Use / Numen für Tape installation
EPFL+ECAL Lab für Give me more
FH Potsdam für Metal Spinning
Daphna Isaacs & Laurens Manders für Tafelstukken
Ecole Supérieure des Arts décoratifs de Strasbourg für Rendez-Vous
Rui Alves für Welcome to the Jungle & AVÔ
Temporary Collective Arnhem für Collection 2010
Pepe Heykoop für Pepe Heykoop 2010

Das DMY International Design Festival Berlin findet vom 9.-13. im Flughafen Tempelhof in Berlin statt.

Tafelstukkentotal von Daphna Isaacs & Laurens Manders

2010 DMY Berlin Awards Nominierung: Tafelstukkentotal von Daphna Isaacs & Laurens Manders

(smow)offline: Panton by Vitra im Wasserschloss Klaffenbach

Monday, May 31st, 2010
Verner Panton

Verner Panton

Verner Panton hat in seiner Karriere mit vielen Designermöbelherstellern zusammengearbeitet. Sein Name wird allerdings zumeist mit Vitra verbunden.

Nicht zuletzt wegen seines wegweisenden Panton Chairs.

Die Ausstellung “Panton by Vitra” im Wasserschloss Klaffenbach in Chemnitz bietet Besuchern einen Einblick in das Leben und Arbeiten eines der wichtigsten und einflussreichsten Nachkriegsdesigner aus Europa.

Panton by Vitra im Wasserschloss Klaffenbach, Chemnitz

Panton by Vitra im Wasserschloss Klaffenbach, Chemnitz (Foto: Heiko Hillig)

Als Verner Panton noch Student war, arbeitete er in Arne Jacobsens Büro und war an der frühen Entwicklung des Ant Chairs beteiligt. Nach dem Abschluss seines Studium ging Verner Panton seinen eigenen Weg mit Zwischenstopps in Norwegen, Tenerifa und Frankreich. 1963 zog Verner Panton nach Basel und hat dort nicht nur ein neues Zuhause, sondern mit Vitra auch einen Hersteller für seinen Panton Chair gefunden.

Eine fruchtbare Kooperation für beide Seiten.

Verner Panton hatte bereits Mitte der 50er Jahre mit der Entwicklung des Panton Chairs begonnen, konnte aber niemanden davon überzeugen den Stuhl zu produzieren. Für Vitra war der Panton Chair das erste Projekt bei dem Sie zusammen mit dem Designer an der Entwicklung des Produkts gearbeitet haben. Diese neue Herangehensweise definierte den Start des Unternehmens.

Panton by Vitra im Wasserschloss Klaffenbach -Eröffnungsveranstaltung (photo: Heiko Hillig)

Panton by Vitra im Wasserschloss Klaffenbach - Panton Chair und Living Tower (Foto: Heiko Hillig)

Das Verhältnis von Verner Panton zu Vitra entwickelte sich mit der Zeit vom rein geschäftlichen hin zum privaten. Verner Panton gestaltete in den späten 60er Jahren das Interieur der Baseler Wohnung des Vitra Vorsitzenden Rolf Fehlbaum - jeder Raum wurde mit einer anderen Farbe gestaltet und möbliert.

Mit verschiedenen Werken und Fotografien erklärt “Panton by Vitra” den Hintergrund zu den wichtigsten Kollaborationen zwischen Verner Panton und Vitra und erweckt den Designer und die Zusammenarbeit zum Leben.

Ein sprichwörtlicher Höhepunkt - besonders für Kinder - von “Panton by Vitra” ist das erkletterbare Wohnzimmer.

“Panton by Vitra” im Wasserschloss Klaffenbach ist bis zum 20. Juni geöffnet.

Wasserschloß Klaffenbach
Wasserschloßweg 6
09123 Chemnitz
+49 (0)371 26635-0

(smow)offline: Herbert Hirche, Strahlend Grau

Tuesday, May 25th, 2010
Strahlend Grau Herbert Hirche Exhibition, Museum der Dinge Berlin

Strahlend Grau Herbert Hirche Ausstellung, Museum der Dinge Berlin

Weil sich unser Artikel über den neuen London Bus aufgrund einer gebrochenen Wasserleitung verspätet, haben wir uns entschieden, stattdessen den Eindruck eines typischen Nutzers der London Busse wieder zu geben.

“Typisch. Man wartet stundenlang, und dann kommen zwei auf einmal. Schuld an alledem ist Ken Livingstone!”

Noch vor der Eröffnung der Retrospektive von Dieter Rams mit dem Titel “Less and More: Das design ethos von Dieter Rams“, besuchten wir die Eröffnung einer zweiten Ausstellung, die sich dem Leben und dem Werk eines früheren Designers aus dem Hause Braun widmet.

Die Ausstellung “Strahlend Grau” über Herbert Hirche im Werkbundarchiv Berlin ist eine wunderbar kompakte Übersicht über einen Designer, der neben seiner relativen Unbekanntheit doch ebenso wichtig wie Dieter Rams, Egon Eiermann oder Ludwig Mies van der Rohe ist - um nur drei der großen Altmeister des Deutschen Designs zu nennen, mit denen Herbert Hirche zusammen arbeitete.

Und es ist ein passender Anlass um Herbert Hirches 100. Geburtstag zu feiern.

Geboren in Görlitz am 20. Mai 1910, studierte Herbert Hirche an der Bauhaus Universität in Dessau und Berlin. Nach der Schließung der Institution im Jahre 1933 schloss er sich dem Team seines früheren Professors Ludwig Mies van der Rohe an und blieb dort bis Mies van der Rohe 1938 in die USA floh. Nach einem Jahr als Freelancer arbeitete er schließlich in Egon Eiermanns Büro bis Eiermann Berlin 1945 wegen der nahenden Roten Armee verließ.

Strahlend Grau: Herbert Hirche on the roof of Bauhaus Dessau, 1932

Strahlend Grau: Herbert Hirche auf dem Dach des Bauhaus Dessau, 1932

Einen Arbeitgeber an ein totalitäres Regime zu verlieren ist Unglück - zwei zu verlieren erscheint wie ein Fluch.

In den Nachkriegsjahren war Herbert Hirche stark am Wiederaufbau Berlins beteiligt. Daneben lehrte er erst an der Hochschule für angewandte Kunst in Berlin-Weißensee und anschließend an der staatlichen Akademie für bildende Künste in Stuttgart, wo er auch als Rektor von 1969 bis 1971 tätig war.

Kuratiert von Nicola von Albrecht, präsentiert “Strahlend Grau” eine chronologische Reise durch Herbert Hirches Leben, wunderbar illustriert mit Original Briefen, Dokumenten und Fotografien. Eines der Highlights war für uns ein Brief von Egon Eiermann, der bescheinigte, dass Hirche in seinem Büro anheuern dürfe - kleine Dinge, die das sonst so abstrakte Bild über das Leben eines anderen zum … Leben erwecken.

Strahlend Grau Herbert Hirche's contribution for the exhibition Interbau Berlin, 1957

Strahlend Grau Herbert Hirches Beitrag für die Ausstellung Interbau Berlin, 1957

Und “Strahlend Grau” ist voll mit solchen Momenten.

Überhaupt nicht voll ist die Ausstellung an Möbeln.

Das liegt vor allem daran, dass viele von Herbert Hirches Arbeiten nie den Prototyp-Status überschritten haben und weil sein Erbe meist nur in Papierform vorliegt.

Trotz alledem beinhaltet die Ausstellung vier Werke von Herbert Hirche aus der aktuellen Richard Lampert Kollektion: den Hirche Barwagen, 1953 Lounge Chair, H57 Armchair und den Rattansessel “Santa Lucia”.

Soweit wir wissen, sind dies die einzigen Stücke von Hirche, die derzeit produziert werden. Und dass, obwohl Herbert Hirche für Hersteller wie Knoll, Wilkhahn oder Wilde + Spieth gearbeitet hat.

Richard Lampert war selbst auch vor Ort und erzählte uns, wie er auf Herbert Hirche aufmerksam wurde - glücklicherweise nicht durch lange Recherchen in staubigen Archiven auf der Suche nach kommerziellen Möglichkeiten von vergessenen Designs.

Nein, Richard Lamperts Einführung in die Arbeiten von Herbert Hirche fand während eines langen Abends in einer geselligen und gar nicht staubigen Umgebung in Stuttgarts legendärem Restaurant “Santa Lucia” statt.  Ein Restaurant, für das Hirche nicht nur einmal, sondern zwei mal das Interior Design konzipierte und für welches er den Rattan Stuhl entwarf.

Anfangs skeptisch, war Richard Lampert doch so beeindruckt von dem Stuhl, dass er am folgenden Tag noch einmal zum Restaurant zurückkehrte um nachzufragen, wo der Stuhl herkäme.

Rattan chair Santa Lucia by Herbert Hirche

Rattan Chair Santa Lucia von Herbert Hirche für Richard Lampert

Und so begann eine wunderbare Beziehung, die schließlich in der Auszeichnung mit dem “Classic Innovation” Award auf der IMM 2010 in Köln für den Relaunch des H57 Armchair mündete.

Solche Anekdoten bringen uns immer zum Schmunzeln, weil sie zeigen, dass gutes und ehrliches Design immer dem aktuellen Hype, Starnamen und großen Marketing-Budgets überlegen sind. Und das gibt uns Hoffnung für die Zukunft.

Herbert Hirche Strahlend Grau: In every drawer a gem

Herbert Hirche: Strahlend Grau

“Strahlend Grau” ist weder eine umfangreiche Ausstellung, noch ist es eine Ausstellung, die passiv betrachtet werden kann. Ein Besuch von “Strahlend Grau” bedeutet aktives Suchen und Bedenken der präsentierten Informationen. Aber der Aufwand ist es wert und es gibt einige wahre Kostbarkeiten zu entdecken.

Und noch wichtiger: es ist eine wunderbare Einführung zu einem Designer, der mehr Ansehen verdient als er momentan bekommt und zu einer Ära des Deutschen Designs, das weit mehr zu bieten hat als viele Leute meinen.

“Strahlend Grau” läuft im Werkbundarchiv – Museum der Dinge, bis 13. September.

Werkbundarchiv – Museum der Dinge
Oranienstraße 25
10999 Berlin

Öffnungszeiten: Fr, Sa, So, Mo 12 - 19 Uhr

www.museumderdinge.de

Strahlend Grau: Herbert Hirche's 1953 lounge chair from Richard Lampert

Strahlend Grau: Herbert Hirches 1953 Lounge Chair von Richard Lampert

(smow)offline: Dieter Rams - Less and More

Thursday, May 20th, 2010
Dieter Rams

Dieter Rams

Vor ein paar Tagen wurden wir vom (smow)Boss gefragt, warum es so scheint, als ob wir wenig arbeiten. Dieter Rams zitierend, antworteten wir mit einem unserer  Lieblingswitze hinsichtlich Design:

“Weniger, aber besser”

“Gutes Design ist ehrlich” antwortete darauf der (smow)Boss mit einer irritierenden Genauigkeit.

“Gutes Design ist unauffällig” murmelten wir vor uns hin, bevor wir aus dem Lager schlichen.

Am kommenden Wochenende wird Dieter Rams´ Retrospektive “Less and More: Das design ethos von Dieter Rams” im Museum für Angewandte Kunst in Frankfurt eröffnet.

Die Retrospektive zeigt 500 Werke aus 5 Jahrzehnten von Dieter Rams und ist somit eine angemessene Hommage an einen Mann, der nicht nur eine der wahren Legenden des Deutschen Designs ist, sondern in vielerlei Hinsicht zu einen der ersten Industriedesigner gezählt werden kann.

Ausgebildet zum Architekten, wurde Dieter Rams als solcher vom deutschen Elektronik-Produzenten Braun angestellt. Relativ schnell wurde Dieter Rams der Design Abteilung zugeordnet: eine Abteilung, die im Wesentlichen nur aus Dieter Rams bestand.

Braun SK 61by Dieter Rams and Hans Gugelot

Braun SK 61von Dieter Rams und Hans Gugelot

Industrie- und Produktdesigner gab es 1955 noch nicht.

In den folgenden vier Jahrzenten half Dieter Rams nicht nur dabei, die Marke Braun zu einem Synonym für exzellentes Design zu machen. Darüber hinaus legte er die Grundsteine für viele der heute vermeintlich innovativen Designs.

Ohne Dieter Rams hätten die Produkte von Apple niemals den Kultstatus erreicht, den sie heute haben.

Braun Ssixtant SM2 by Dieter Rams

Braun Sixtant SM2 von Dieter Rams

Neben der Arbeit für Braun schuf Dieter Rams auch das 606 Universal Regal System für die in London sitzende Firma Vitsoe und lehrte als Professor für Industrie-Design an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg.

Obwohl gelegentlich Stimmen laut werden, die fragen, inwieweit Dieter Rams’ Werke den Veränderungen der Zeit standgehalten haben, gibt es doch eine allgemeine Zustimmung über die Bedeutung seiner Arbeit und seiner Design Philosophie.

Oder, wie Jasper Morrison sagte: “Ich habe lange über die Aussage (Less, but more) nachgedacht und kam zu der Schlussfolgerung, dass dieser Satz wahrer ist, als jede langatmige Diskussion über Design”.

“Less and More: Das design ethos von Dieter Rams” im Museum für Angewandte Kunst in Frankfurt läuft bis 5. September.

Ausführliche Infos befinden sich auf: www.angewandtekunst-frankfurt.de

606 Universal Shelving System by Dieter Rams for Vitsoe

606 Universal Regal System von Dieter Rams für Vitsoe

(smow)offline: Ronan und Erwan Bouroullec - Lianes, Galerie Kreo, Paris

Thursday, April 29th, 2010

Nein, wir kümmern uns nicht um die PR für Ronan und Erwan Bouroullec.

Wir würden gern. Aber wir tun es nicht.

Es ist nur so, dass diese Brüder nicht nur zu den fleißigsten Designern der Gegenwart gehören, sie produzieren Werke, die einfach präsentiert werden müssen.

Aus irgendeinem Grund ist das so.

So wie beispielsweise “Lianes”, eine Lampe, die Teil der neuen Ausstellung in der Pariser Galerie Kreo ist.

Lit clos by Ronan an Erwan Bouroullec, Galerie Kreo

Lit Clos von Ronan und Erwan Bouroullec, Galerie Kreo

Die Galerie Kreo ist mittlerweile zu einer Art “Haute coutoure” Rummelplatz für Ronan und Erwan Bouroullec geworden.

Ronan und Erwan Bouroullecs erste Ausstellung in der Galerie Kreo im Jahr 2001 enthielt Meisterwerke wie “Parasol lumineux” und den Raumteiler “Cabane”. Seitdem präsentierten die Brüder Bouroullec vier weitere Ausstellungen in der Galerie Kreo und zeigten Werke wie z.B. “Lit Clos”, “Paravent” oder “Sofa”.

Das alles waren Werke, die einen wichtigen Schritt in der kreativen und professionellen Entwicklung von Ronan und Erwan Bouroullec darstellten.

Bei solch einer Ausstellung gibt es keinen kommerziellen Druck, sondern nur einen persönlichen Druck, das Objekt so herzustellen, dass es deine Intensionen widerspiegelt.

Die sechste Show in der Galerie Kreo enthält zwei Werke, die uns nicht besonders erregen und eines, das uns erregt.

“Roches” und “Conques” sind für uns dezente Projekte, die aber nicht wirklich neu sind.

“Lianes” dagegen erweckt unsere Aufmerksamkeit.

Lampen, die am Ende eines langen Kabels angebracht werden, sind anscheinend gerade sehr in Mode. Oder sind es, um ehrlich zu sein, schon immer seit Flos die “Mayday” Lampe von Konstantin Grcic herausbrachte.

Unser derzeitiger Favorit in diesem Genre ist “Ray” vom Berliner Design Kollektiv llot llov.

“Lianes” ist im Grunde eine ausgereiftere Variante von Ray, mit dem Vorteil, dass man die Lampe an der Stelle des Kabels positionieren kann, wo man möchte.

Dagegen sitzt Ray entweder auf dem Boden oder wird irgendwo durch Knoten hingehängt. Lianes kann einfach hoch- und runtergezogen werden, bis die gewünschte Höhe erreicht ist.

Hoch hängend für die Ausleuchtung eines ganzen Raumes, genau positioniert zum Lesen oder niedrig hängend für sanfte Hintergrundbeleuchtung.

Und falls man mal seinen Hamster nicht findet, ist Lianes flexibel genug, um auch hinter dem USM Haller Sideboard nachschauen zu können.

Und irgendwie haben wir das Gefühl, wir werden Lianes in Zukunft häufiger sehen.

Für diejenigen, die sich in der Nähe von Paris aufhalten: die Ausstellung von Ronan und Erwan Bouroullec in der Galerie Kreo läuft noch bis 22. Juli.

Galerie kreo

31, rue Dauphine 75006 Paris, Frankreich
Tel. +33 (0)1 53 10 23 00 E.
info@galeriekreo.com

Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 11-19 Uhr

Lianes by Ronan and Erwan Bouroullec in Galerie Kreo

Lianes von Ronan und Erwan Bouroullec in der Galerie Kreo

Lianes by Ronan an Erwan Bouroullec - details

Lianes von Ronan und Erwan Bouroullec - Detail

Lianes by Ronan and Erwan Bouroullec

Lianes von Ronan und Erwan Bouroullec

Lianes by Ronan and Erwan Bouroullec, Galerie Kreo Paris

Lianes von Ronan und Erwan Bouroullec, Galerie Kreo Paris

(smow)offline: “gute aussichten - junge deutsche fotografie 2009/2010″

Thursday, April 29th, 2010
gute aussichten 2009/2010

gute aussichten 2009/2010

Am Donnerstag, dem 29. April eröffnet die Ausstellung “gute aussichten - junge deutsche fotografie 2009/2010” im Haus der Photographie in Hamburg.

gute aussichten wurde 2004 als Platform zur Unterstützung junger, talentierter Fotografen gegründet und hat sich seitdem zu einem der wichtigsten und anerkanntesten zeitgenössischen Fotografiepreise Deutschlands entwickelt.

In diesem Jahr werden die Arbeiten von acht Künstlern ausgestellt: Georg Brückmann (HGB Leipzig); Philipp Dorl (FH Bielefeld); Sonja Kälberer (HGB Leipzig); Ute Klein (Folkwang Hochschule Essen); Ingo Mittelstaedt (HBK Braunschweig); Mona Mönnig (Folkwang Hochschule Essen); Shigeru Takato (KHM Köln) und Anna Simone Wallinger (Lette-Verein Berlin) - und somit ein breites Spektrum der Möglichkeiten moderner Fotografie präsentiert.

Eine besondere Rolle in der gute aussichten 2009/2010 spielen fotografische Illusionen.

Philipp Dorl zum Beispiel, bewegt sich mit seiner Arbeit “…nach Maß, Zahl und Gewicht” zwischen Malerei und Fotografie, zwischen Wahrnehmung und optischer Täuschung und zeigt uns so eine Welt, die uns nur durch ihre Unbekanntheit bekannt vorkommt.

Auf ähnliche Weise nutzt Georg Brückmann in seiner Diplomarbeit “in-situ” eine Art künstlerischer Lizenz um die imaginäre Ergänzung des Sichtbaren zu erforschen. Was im Grunde heißt, Design Klassiker wie den Eames Lounge Chair oder den Barcelona Chair in Fotos ansonsten unspektakulärer Räume zu malen. Das Ergebnis ist eine interessante, provokante “Realität”.

Insgesamt zeigt gute aussichten 2009/2010 104 Bilder, 2 Diaprojektionen, 2 DVDs, 2 Bücher, einen Container und verschiedene Displays.

“gute aussichten - junge deutsche fotografie 2009/2010″ läuft vom 20. April bis 30. Mai im Haus der Photographie, Hamburg.

Detaillierte Informationen gibt es unter http://www.guteaussichten.org

Gropius Sessel by Georg Brückmann (Foto Georg Brückmann, in situ, www.guteaussichten.org)

Gropius Sessel von Georg Brückmann (Foto Georg Brückmann, in situ, www.guteaussichten.org)




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