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Internationaler Marianne Brandt Wettbewerb 2013: Interview mit Linda Pense und Stefan Hannig

Friday, May 24th, 2013

Trotz unserer persönlichen und sehr tiefen Abneigung gegen alles, was mit Chemnitz zu tun hat – was wir wirklich langsam überwinden sollten – ist der Marianne Brandt Wettbewerb einer unserer liebsten internationalen Designwettbewerbe. Wir kennen keinen anderen Designwettbewerb, bei dem ein Origami-Kolibri mit einer Büroklammer als Schnabel gewinnen könnte… Und kein neues Produktkonzept der letzten Zeit hat uns auf Anhieb so begeistert wie Mechthild. Oder Damensattel von Caspar Huckfeldt, der 2010 einen Sonderpreis gewann und natürlich Stephan Schulz’ Comfy Cargo Chair von 2010.

Noch bis zum 26. Mai können Arbeiten für den Marianne Brandt Wettbewerb 2013 eingereicht werden. Der Wettbewerb 2013 bedeutet nicht nur eine neue Gewinnchance, sondern auch ein neues Organisationskomitee. Unter den ersten Änderungen, die das neue Team machte, ist die Einführung der neuen Kategorie ”Cradle to Cradle”, die wir in unserem letzten Post vollkommen missverstanden haben. Um herauszufinden, was genau die Kategorie ”Cradle to Cradle” ist und welche anderen Änderungen wir vom Marianne Brandt Wettbewerb 2013 erwarten können, haben wir Linda Pense und Stefan Hannig aus dem neuen Organisationskomitee getroffen und sie zu allererst nach den anstehenden Veränderungen gefragt.

Linda Pense: Es begann alles mit einem Filmprojekt über Industriedesign und im Speziellen Industriedesign im Zusammenhang mit dem Marianne Brandt Wettbewerb, an dem Fran, Stefan und Alexander arbeiteten. Die Recherchen für den Film brachten uns dem Wettbewerb ziemlich nah und schließlich fragte Ilona Rosenkranz, die den Wettbewerb ins Leben gerufen und ihn seit 2000 geleitet hat, ob wir nicht Interesse hätten, die Organisation des Wettbewerbes zu übernehmen und ihn weiterzuführen.

Stefan Hannig: Wir haben ziemlich lange überlegt und die Entscheidung Ja zu sagen, war schließlich eine sehr intuitive, fast eine Bauchentscheidung: für uns gibt es keine kommerzielle Logik bei der Entscheidung, es war viel mehr so, dass wir die Mühe, die über die Jahre in das Projekt gesteckt wurde, sehr schätzen und wir das Ganze für einen ausgezeichneten Wettbewerb halten, der es verdient hat gepflegt zu werden.

(smow)blog: ….was uns zur nächsten Frage führt: Erwartet uns ein frischer Wind in der ganzen Sache oder soll alles so bleiben wie es war?

Linda Pense: Ich war sehr vertraut mit dem Wettbewerb und fand ihn immer wunderbar, weil er so eine offene Atmosphäre hatte, irgendwie sehr persönlich war und auch das Motto “Die Poesie des Funktionalen” ist eine exzellente Basis für so einen Wettbewerb. Und wir wollten all das beibehalten… aber dann haben wir nach und nach gemerkt, dass wir ihn doch mehr verändert haben, als wir eigentlich wollten. Das heißt die zentralen Elemente und das Motto “Die Poesie des Funktionalen” sind die gleichen geblieben. Was wir geändert haben, betrifft vor allem Dinge wie die Kommunikation – wir nutzen nun viel mehr digitale Plattformen -, aber auch der Auswahlprozess ist neu – die Longlist wird mithilfe von eingesendeten PDFs und nicht mehr den “echten” Objekten erstellt. Und wir haben den Wettbewerb von einem europäischen in einen wirklich internationalen verwandelt.

Stefan Hannig: Daneben haben wir uns gegen eine formelle Preisverleihung und für mehr informelle Veranstaltungen entschieden, angelehnt an die berühmten Bauhaus Feste mit Musik, Kunst, gutem Essen und noch besseren Gesprächen. Wir wollten ein bisschen weg von dem klassischen Designpreis und hin zu einem Austausch und Diskurs über Design.

(smow)blog: Die Kategorien Fotografie und Design sind geblieben, in diesem Jahr neu ist die Kategorie “Cradle to Cradle” Eine Kategorie, die wir völlig missverstanden haben. Um es richtigzustellen, was ist der Hintergrund der Kategorie?

Linda Pense: “Cradle to Cradle” als Konzept wurde von Michael Braungart, einem unserer neuen Juroren, entwickelt und es geht letztlich darum Projekte zu entwickeln, deren Fokus auf Ökoeffektivität, und nicht Ökoeffizienz, liegt. Das heißt, z.B. nicht nur etwas zu produzieren, das recycelt werden  kann, sondern etwas zu produzieren, das recycelt werden kann ohne jemals  Müll zu produzieren – weder beim Produktionsprozess noch am Ende eines  Nutzungszeitraumes

Als wir an dem Filmprojekt arbeiteten, hatten wir einige fundamentale Fragen zu klären, wie darüber, was Design ist, was Design kann, was Design machen sollte und gleichzeitig, was das Bauhaus erreichen wollte und was es erreichen wollen würde, wenn es heute immer noch existieren würde. Fragen, die auf die eine oder andere Weise viel mit Materialien und Produktionsprozessen zu tun haben.

Ganz ähnlich beschäftigt sich “Cradle to Cradle” mit Materialien und Prozessen und vor allem dem Produkt als integrierten Teil eines Produktkreislaufs statt etwas Parallelem dazu.

Und für unseren Teil mögen wir wirklich den positiven, initiativen Aspekt der “Cradle to Cradle”-Philosophie. Es ist ein Ansatz, der versucht Wandel zu erreichen, indem er sagt “Tu das” oder “Tu das”; ganz im Gegensatz zu den Beschränkungen und Don’ts, die normalerweise mit Diskussionen über “Nachhaltigkeit” assoziiert werden also.

Stefan Hannig: Und wenn man damit beginnt, über solche Sachen nachzudenken, kommt man automatisch zu der Frage danach, wer dafür verantwortlich ist, Änderungen in Gang zu bringen. Ist es der Konsument, die Politiker, die Hersteller? Die Antwort ist, dass es am Ende der Designer ist. Und da kommen wir wieder zum Bauhaus. Das Bauhaus regte viele der zeitgenössischen Fragen an, besonders nach der Entwicklung vom Handwerk zur Massenproduktion. Und es waren die Designer, die solche Fragen aufwarfen, nicht Industrielle, nicht die Politiker. Und im Wesentlichen ist das die Funktion des Designers: Probleme lösen und Konventionen hinterfragen. Es geht nicht darum einen Löffel noch attraktiver zu machen oder designter wirken zu lassen, auch keine Vase. Die grundsätzliche Funktion des Designers liegt darin, innovative Lösungen für gesellschaftliche Probleme zu finden. Und daher hoffen wir in der “Cradle to Cradle”-Kategorie einige aufregende neue Konzepte und Projekte in diese Richtung zu finden.

(smow)blog: Das ist euer erster Wettbewerb als Veranstalter und ihr habt uns nun erzählt, was wir erwarten können. Gibt es auch Dinge, dir ihr erwartet oder Ziele, die ihr euch gesteckt habt?

Stefan Hannig: Eigentlich haben wir keine Ahnung, was uns erwartet. Auf der einen Seite, weil wir es zu einem internationalen Wettbewerb gemacht haben und auf der anderen Seite, weil wir das Event anders als Ilona Rosenkranz öffentlich gemacht haben. Es kann sein, dass nur 100 Designer ihre Arbeiten einreichen, was auf jeden Fall enttäuschend wäre, aber wir haben uns auch keine wirklichen Ziele gesetzt. Für uns ist vielleicht das Feedback am Ende des Wettbewerbs und die Reaktionen auf die Preisverleihung und die Ausstellungen wichtiger. Aber jetzt sind wir an dem Punkt, wo die Arbeit wirklich beginnt und wir freuen uns alle darauf zu sehen, wie sich die nächsten Wochen entwickeln werden.

Internationale Marianne Brandt Wettbewerb 2013

Internationaler Marianne Brandt Wettbewerb 2013



Mailand 2013: Droog 20+, Up to a beautiful future

Monday, April 29th, 2013

Vor einigen Wochen in unserem Post zur Eröffnung der Droog Lab Ausstellung “The New Original” in Guangzhou, China schrieben wir, ”wie wir Droog kennen, sind wir aber ziemlich sicher, dass “The New Original” in nicht allzu langer Zeit auch in Europa gezeigt werden wird.”

Droog hat uns nicht enttäuscht und die Objekte wurden in Mailand als Teil der Ausstellung ”Droog 20+, Up to a beautiful future” gezeigt, die 20 Jahre Droog mit einem Blick in die Zukunft feiert – statt des konventionellen Rückblicks.

Milan Design Week 2013 Droog 20+ Up to a beautiful future

Möbelmesse Mailand 2013: Droog 20+ Up to a beautiful future

Die Idee hinter “The New Original” ist relativ simpel: Kopieren ist laut Droog nicht immer direkt eine Replikation, sondern häufig beinhaltet das Kopieren eine Stufe der Abwandlung, z.B. um lokale Bedürfnisse oder soziale und/oder kulturelle Unterschiede einzubeziehen. Da in der öffentlichen Auffassung die Chinesen Weltmeister im Kopieren sind, besuchte Droog China und kopierte chinesische Alltagsobjekte, wenn auch mit einer Anpassung an den europäischen, westlichen Markt.

Das Ergebnis ist eine wirklich bezaubernde Sammlung von Objekten.

Während Teapot with Handle von Richard Hutten als Aushängeschild der Ausstellung verwendet wurde, haben uns die Glass Lantern und die LED Bulbs – beide auch von Richard Hutten - viel mehr begeistert. In beiden Objekten ist die Idee ausgezeichnet umgesetzt und es sind darüber hinaus auch einfach wirklich schöne Kreationen. Wunderschöne Kreationen, die ohne “The Original” nie realisiert worden wären.

Ganz ähnlich sind die Family Vases und das Five Function Cabinet von Studio Droog wunderbare Arbeiten, die nur innerhalb des Kontextes eines solchen Projektes entstehen konnten.

Wir wissen nicht, wie die langfristige Planung von Droog aussieht, aber wir gehen davon aus, dass man bald das ein oder andere Objekt bei einem Droog Händler finden wird.

Milan Design Week 2013 Droog 20+ Up to a beautiful future Family Vases Five Function Cabinet Glass Lantern

Five Function Cabinet, Family Vases und Glass Lantern aus dem Droog Lab Projekt "The New Original"

Ein weiteres Highlight der viel zu kompakten Ausstellung ”Droog 20+, Up to a beautiful future” war das Ergebnis aus dem Rijksstudio Projekt, einer Zusammenarbeit vom Studio Droog mit dem Amsterdamer Designstudio deJongeKalff.

Rijksstudio ist eine digitalisierte Datenbank von 125.000 Arbeiten aus der Sammlung des Rijksmuseums Amsterdam und als offene online Quelle öffentlich zugänglich. Nachdem sie die Arbeiten digitalisiert haben, gingen Droog und deJongeKalff einen Schritt weiter und nahmen sich Bilder aus der Datenbank und verwandelten sie in echte Objekte.

Kopieren mit Abwandlung, wenn man so will.

Das Highlight der Kollektion ist für uns Napkin Collar, ein Serviettenring, der von einer Halskrause aus dem 17. Jahrhundert inspiriert ist, wobei aber auch Tasting Glasses und Rubber Tablecloth nicht unerwähnt bleiben sollen.

Eine Sache, die uns an Droog besonders gefällt, ist die Tatsache, dass sie im Wesentlichen eine Forschungsagentur für Design, eine konzeptionelle Truppe sind, die Produkte verkaufen, um den Rest ihrer Arbeit zu finanzieren.

Treue Leser werden sich an das Warum Gestalten? Symposium an der HFBK Hamburg von 2011 erinnern, wo Andreas Brandolini mehr oder weniger das Gleiche über die Anfangstage der “Neues deutsches Design”-Bewegung in Berlin sagte: sie verkauften Produkte, um Kapital zu bilden, die Produkte selbst haben dabei aber wenig bis gar keine Bedeutung für die Kuratoren gehabt.

Letztlich gibt es keine Show ohne Business. Will man also Design machen, wird man sich nie ganz frei von der Industrie machen können.

Die Frage ist, was, wie, in welcher Anzahl und mit welcher Motivation hergestellt wird.

Man muss nicht alles mögen, was Droog macht. Tun wir auch nicht. Die Art, wie sie es tun, muss man aber respektieren und eigentlich auch bewundern.

Und hoffen, dass sie das noch weitere 20 Jahre machen werden.

Milan Design Week 2013 Droog 20+ Up to a beautiful future Johannes Vermeer

Rijksstudio mit einer Hommage an Johannes Vermeer bei Droog 20+ Up to a beautiful future, Mailand

Milan Design Week 2013 Droog 20+ Up to a beautiful future Napkin Collar

Napkin Collar, Tasting Glasses und Rubber Tablecloth bei Droog 20+ Up to a beautiful future, Mailand

Milan Design Week 2013 Droog 20+ Up to a beautiful future LED Bulb

LED Bulb von Richard Hutten bei Droog 20+ Up to a beautiful future, Mailand

Milan Design Week 2013 Droog 20+ Up to a beautiful future Teapot with Handle

Teapot with Handle von Richard Hutten bei Droog 20+ Up to a beautiful future, Mailand



Mailand 2013: Tools for Life von OMA für Knoll

Wednesday, April 24th, 2013

Zur Mailänder Möbelmesse 2013 präsentierte Knoll offiziell die “Tools for Life” Kollektion der niederländischen Architekten OMA, die vom OMA Mitbegründer Rem Koolhaas betreut wird.

Die Kollektion war bereits Teil der Bühnendekoration der Prada Men Fashionshow im Januar und wurde in der gleichen Location, bei Prada Mailand, erstmals öffentlich vorgestellt. Ein Ort also, den unseresgleichen theoretisch niemals betreten sollten. Aber Möbelmesse ist Möbelmesse.

Milan Design Week 2013 Tools for Life by OMA for Knoll

Möbelmesse Mailand 2013: Tools for Life von OMA für Knoll bei Prada Mailand

Zunächst einmal muss man sagen, dass die Kollektion aussieht wie von einem Architekten entworfen. Nicht auf so einfache Weise, wie wir es alle von Jacobsen, Eiermann, Haller & Co. kennen. Und bestimmt nicht in der Tradition der Architekten, mit denen sich Knoll einen Ruf gemacht hat, also Mies van der Rohe, Bertoia, Saarinen… Es ist alles viel mehr das Ergebnis eines konzeptionellen Denkers, eine reine Autorenkollektion von einem Designer, der auf Grundlage einer Theorie arbeitet, statt nach einem bestimmten funktionalen oder ästhetischen Prinzip. Haute Couture, um sich mal der Prada-Sprache zu bemächtigen.

Für Knoll ist das Aushängeschild der Kollektion der 04 Counter. Drei ineinandersteckende Balken, die zwei oberen können im 360 Grad Winkel gedreht werden und so für eine Reihe verschiedener ineinander übergehender Funktionen verwendet werden. Sitzen, Präsentieren, Diskutieren. So innovativ und interessant die Funktionalität fraglos auch ist, so unsicher sind wir, wer sowas eigentlich braucht oder will.

Der 03 Coffee Table funktioniert nach einem sehr ähnlichen Prinzip, mit einem ähnlichen Mechanismus. Doch wegen seiner kleineren Abmessungen macht die Bewegung hier mehr Sinn.

Für uns ist das Highlight der Kollektion der 11 Floor Seating, ein beinloser Stuhl, der auf den ersten Blick aussieht, als wäre er nur zum Entspannen da; doch im Kontext vom modernen Wohnen mit Tablet Computern usw., wird das niedrige, leicht gekrümmte Sitzen mit hochgezogenen Knien durchaus zur immer häufigeren Option. Und qualitativ hochwertige, gut überlegte Stühle, die einem erlauben, auf dem Boden zu sitzen, sind ungefähr so rar wie Prada Jacken in unserem Kleiderschrank. Für uns braucht “11″ nur einen etwas höheren Rücken, um wirklich funktional zu sein.

Milan Design Week 2013 Tools for Life by OMA for Knoll

Das 11 Floor Seating aus der Tools for Life Kollektion von OMA für Knoll (Die Kissen werden noch bezogen.)

Unter den weiteren Objekten, hat der 01 Arm Chair keine unansprechende Formensprache, obwohl man ein bisschen braucht, um sich daran zu gewöhnen. Als wir ihn das erste mal gesehen haben, hat er uns überhaupt nicht gefallen. Es war, als wolle da jemand ein unangenehmes Star Trek meets 80s Miami Beach Nightclub Bild erzeugen – und zwar ein Designer, der ein bisschen zu sehr wollte. Doch nachdem es etwas auf uns gewirkt hatte, haben wir angefangen es zu verstehen und zu schätzen. Es ist ein bisschen wie mit David Bowie. Jahrzehnte konnten wir nichts mit ihm anfangen und haben doch vor ein paar Jahren plötzlich einen neuen Zugang zu seiner Musik gefunden. Und seither gefällt sie uns immer mehr.

Der 05 Round Table und der 06 Table sind technisch sehr, sehr interessant. Doch je weniger man darüber sagt, desto besser. Und nein, wir glauben nicht, dass wir uns jemals daran gewöhnen werden. Aber in Moskau würden sie sicher sehr gut ankommen.

Der wahre Star der Präsentation war für uns aber Rem Koolhaas, der rund um die Prada Kathedrale von einer Masse umzingelt war, die hungrig nach Informationsfetzen im Wesentlichen nach dem Grund für seine Materialwahl suchte. Eine Frage, die er geduldigerweise mindestens 1000 Mal beantwortete.

Wir waren natürlich kein Teil des Mobs. Zu dem Zeitpunkt waren wir gerade dabei Croissants zu essen – mit einer Hingabe die Eisbär Knut alle Ehre gemacht hätte. Das waren Prada Croissants. Wann bekommt man schon mal wieder die Chance Prada Croissants zu essen? Nie, ist die Antwort. Und ja, sie waren wunderbar.

Milan Design Week 2013 Tools for Life by OMA for Knoll

Der 01 Arm Chair aus der Tools for Life Kollektion von OMA für Knoll. Hier mit dem Prototyp-Bezug.

Tools for Life ist für Rem Koolhaas das erste Mal, dass er an einem Möbelprojekt teilnimmt. Knoll zufolge wurde der erste Kontakt schon vor 15 Jahren hergestellt, aber Koolhaas hatte  zu der Zeit kein wirkliches Interesse, oder besser gesagt, nicht die notwendige Motivation für Möbel. Dann, vor einigen Jahren haben sie noch einmal über die Möglichkeit diskutiert und Koolhaas hat Ja gesagt, “…weil Knoll uns bat eine Kollektion, statt eines einzelnen Objekts, zu machen und das machte es zu einem interessanten Auftrag.”

Und unabhängig davon, was man von den einzelnen Stücken oder der Formensprache hält, als Kollektion funktioniert Tools for Life sehr gut. Sie verfügt über eine innere Einheit, eine Solidarität, die die einzelnen Stücke aneinander bindet.

In unserem Post über die Ausstellung im Museum für Angewandte Kunst Köln “Von Aalto bis Zumthor. Architektenmöbel” stellten wir die Hypothese auf, dass die von Architekten wie Eiermann, Jacobsen oder Le Corbusier designten Möbel deshalb so ansprechend sind, ist, weil sie überwiegend für spezielle Projekte entworfen wurden, in einem speziellen Kontext zu verorten sind und von diesem Kontext beeinflusst und geformt wurden.

Architektenmöbel zeigte auch, was passiert, wenn Architekten Möbel außerhalb eines festen Kontext entwickeln. Oder es wurde zumindest gezeigt, was passieren kann. Tools for Life von OMA für Knoll ist ein weiteres gutes Beispiel dafür. Als interessante und nicht unansprechende Kollektion, war sie für uns ein wenig zu sehr davon getrieben, eine OMA Möbekollektion zu sein und als solche fehlt es ihr an einer bestimmten Nonchalance, die notwendig ist, wenn man Möbel machen will, die Menschen besitzen und benutzen wollen.

Insofern befürchten wir, dass Tools for Life geweiht ist, eine historische Fußnote in der Geschichte von Knoll und OMA zu werden – gut für Hochglanzfotos, aber darüberhinaus kulturell und ökonomisch irrelevant.

Trotzdem gibt es genug technische Innovation und interessante neue Denkweisen in der Kollektion, dass man fast sicher sein kann, dass wenn wenn man OMA und Rem Koolhaas genauere Anweisungen gibt, etwas wirklich wundervolles dabei herauskommen könnte.

Oder anders gesagt, nach der Haute Couture können wir die Prêt-à-Porter kaum erwarten.



Mailand 2013: Workbay Office von Ronan und Erwan Bouroullec für Vitra

Tuesday, April 23rd, 2013

Auf der Orgatec 2012 präsentierte Vitra im Oktober Workbay, das neue Konzept von Ronan und Erwan Bouroullec.

Workbay ist die neueste Entwicklung der Brüder in ihrer fortwährenden Suche nach einem “Raum im Raum”: ein flexibles System, das – basierend auf Fleecewänden und Aluminiumträgern – einer Kreuzung aus Alcove Sofa und den Bouroullecschen Communal Cells von der Orgatec 2010 ähnelt.

Als wir Workbay in Köln gesehen haben, dachten wir, nette Idee, nette Erweiterung des Bouroullecschen Programms… und sind weiter gegangen um uns auf den Cork Desk zu konzentrieren.

In Mailand präsentierten Vitra und die Bouroullecs Workbay nun in seiner vollen Größe.

In einer Installation, die extra für die Salone Ufficio Abteilung der Möbelmesse in Mailand entworfen wurde, zeigten Ronan und Erwan Bouroullec das Workbay Office: Man sieht, wie Workbay in ein Büro integriert werden kann und so separate Flächen schafft, die mit einigen ziemlich simplen Extras erweitert werden können.

Sofas. Regale. Schreibtische. Aufbewahrungseinheiten. Waschbecken.

Und weil das Workbaysystem praktisch in jeder Länge, Umfang,  Durchmesser oder Form konstruiert werden kann, kann es in ein Büro jeder Größe integriert werden. Und es kann, wie es die Situation eben gerade erfordert, an die Umgebung angepasst werden.

Als solches bietet Workbay für uns nicht nur einen völlig neuen Zugang zum Büromöbel, sondern als System bietet es Architekten und Innenausstattern auch eine ganz neue Freiheit beim Einrichten von Büroräumen.

Und wir dachten, Workbay wäre nur eine flexible Fleece und Aluminium Wand…



Mailand 2013: Belgier!!!

Friday, April 19th, 2013

Vor der Möbelmesse in Mailand erhielten wir eine E-Mail von einem befreundeten Designer aus Belgien, in der er uns wissen ließ, wo wir ihre Arbeiten ansehen könnten. Die E-Mail endete mit einem euphorischen “Das ist endlich das Jahr der Belgier!”. Der Gedanke hat uns wirklich gefallen, weil – wie wir bereits erwähnt haben – Belgien das Potential hat, so erfolgreich wie die Niederlande zu sein. Und es auch sein sollte. Frohen Mutes machten wir uns also auf zur Triennale di Milano, um die Ausstellung “Belgium is Design” anzusehen…

… Und erlebten die Enttäuschung von Mailand 2013. Auf der Möbelmesse 2012 gehörte “Belgium is Design” zu unseren persönlichen Highlights, die 2013er Show hatte aber mehr etwas von einem durcheinandergewüfelten, inkohärenten Haufen.

Mit dem Titel “The Toolbox – Belgian Design & the Art of Making: A Tribute to Henry van de Velde” versprach die Ausstellung ein Portrait des Großmeisters belgischen Designs. Vielleicht war es das auch. Das wissen aber nur die, die es auch gefunden haben… Genau wie wenn man irgendetwas Brauchbares in der Werkzeugkiste finden will, zwingt “Belgium is Design” den Besucher auf der Suche nach, wenn auch nicht dem Heiligen Gral, so doch nach dem richtigen Schraubenzieher, durch ein endloses Chaos zu stöbern. Wir haben es nicht geschafft. Das Leben ist zu kurz, um es mit den Folgen eines überambitionierten Ausstellungsdesigns zu verschwenden. Was wirklich enttäuschend ist, ist natürlich, dass nach “Henry van de Velde. Leidenschaft, Funktion und Schönheit” in Weimar ”Belgium is Design” die zweite Ausstellung in einem Monat ist, die mit dem Namen Henry van der Velde in Verbindung steht und der es an einem vernünftig durchgeführten Ausstellungskonzept fehlt. Henry hat wirklich etwas besseres verdient.

Glücklicherweise war das unsere erste und letzte Erfahrung mit schlecht organisierten Belgiern in Mailand.

Wie 2012 war der zweite Teil von ”Belgium is Design” auf der Salone Satellite. Und wie 2012 war das Highlight für uns das Designstudio Two Designers. Besonders ihre “Insel” Curiosity. Es fehlt uns an einem Begriff, um Curiosity prägnant zu beschreiben und so müssen wir es wohl mit dem weniger knackigen “ein Teil Tablett, ein Teil Regal, ein Teil Tisch, ein Teil Aufbewahrung-Mischding aus verschiedenen Materialien” sagen. Grundsätzlich ist es ein Objekt, das im Raum steht und verschiedene Funktionen erfüllt, während es über eine optisch ansprechende Struktur verfügt, eine Hilfestellung für die wohnliche Organisation ist und den Eindruck einer größeren Ordnung vermittelt. Einfach entzückend. Wir geben zu, nur sehr wenig über Two Designers zu wissen, aber, dass sie zwei Jahre hintereinander unsere Aufmerksamkeit auf sich gezogen haben, mag die Sache zukünftig ändern.

Milan Design Week 2013 Belgians Two Designers Curiosity

Möbelmesse Mailand 2013: Curiosity von Two Designers bei Belgium is Design, Salone Satellite

Im Gegensatz zu “Belgium is Design” war es bei der Ausstellung der Designplattform “De Invasie” auf der Ventura Lambrate eine wahre Freude, alles zu durchstöbern. Einen schönen Mix der belgischen Designstudios präsentierend, war das Highlight für uns ganz klar Collectionnaire von Moupila. Wie bei Curiosity ist es schwer einen Begriff zu finden, der Collectionnaire beschreibt. Die modulare Schrankwand hat eine ganz eigene Formensprache, eine ganz eigene Funktionalität und eine ganz eigene Größenordnung. D.h. Collectionnaire wird jeden Raum ziemlich einzigartig machen. Als Konzept fanden wir die Idee faszinierend und die Umsetzung mit dem Holz funktioniert perfekt. Mit Metall zum Beispiel würden wir den Verlust dieses bestimmten Charakters befürchten. Collectionnaire ist kein Objekt, das für jeden – oder jeden Raum – was ist. Aber, wo Platz und Mut zusammenkommen, sollte sich die nicht unbedeutende Investition ziemlich sicher auszahlen.

Erwähnt werden muss auch das Atelier Belge, ein Unternehmen, dessen Entwicklungen wir seit einigen Jahren verfolgen. Der Animal Desk von Fermetti von der De Invasie Ausstellung mag nicht das neueste Objekt sein, aber es ist ein hübsches Beispiel dafür, wozu sie in der Lage sind.

Außerdem waren wir sehr von dem fantasievollen Coat Rack von Bram Vanderbeke begeistert – ein verstellbares Garderobensystem, das in seinem eigenen Fuß verstaut werden kann, und es war schön Objekte von Tim “Interror” Baute in so einem Kontext zu sehen.

Tim Baute höchstpersönlich präsentierte seine letzten Zusammenarbeiten mit dem Grafikkünstler Stefaan de Croock um die Ecke von ”Ventura at Work”.  Aber mehr zu Tim später.

Milan Design Week 2013 Belgians Collectionnaire  Moupila

Möbelmesse Mailand 2013: Collectionnaire von Moupila

Unser letztes Treffen mit Belgien in Mailand war mit ”Landscapes for living in” von Muller van Severen bei LAP Lambretto Art Project. Auf der Interieur Kortrijk 2012 erstmalig gezeigt, ist ”Landscapes for living in” die erste Zusammenarbeit mit dem Fotografen Fien Muller und dem Künstler Hannes van Severen, Maartens Sohn. Wir hatten es in Kortrijk verpasst und uns so umso mehr darauf gefreut, es in Mailand zu sehen. Und es war genauso erfreulich, wie wir gehofft hatten. “Landscapes for living in” ist eine Sammlung von Objekten, die verschiedene Funktionen auf einmal erfüllen: zum Beispiel Bücherregal und Stuhl oder Tisch und Lampe. In mancherlei Hinsicht also ähnlich wie einige von Verner Pantons späteren Arbeiten. Nein, ehrlich. ”Landscapes for living in” wurde mit einer charmanten Klarheit und Ehrlichkeit umgesetzt, die mit einer echten Vertrautheit zusammenkommt. Eine echte Freude…

Entgegen den großen Ankündigungen unseres Informanten, war 2013 nicht Belgiens Jahr in Mailand. Es war aber ein weiteres Jahr, das die Stärke und Vielfältigkeit gezeigt hat, die zwischen den Niederlanden und Frankreich liegt – und die den Geist Henry van de Veldes wieder zum Leben erweckt hat.

 

 



Mailand 2013: Roll & Hill bei der Euroluce

Thursday, April 18th, 2013

Wir haben vielleicht schonmal erwähnt, dass es immer eine besondere Freude ist, wenn ein Designer, den man als zerzausten, idealistischen Studenten kennengelernt hat, seinen ersten ernsthaften Vertrag mit einem der großen Hersteller unterschreibt und in eine hoffentlich lange und erfolgreiche Karriere startet.

Ähnlich schön zu beobachten ist es, wenn ein neues Unternehmen wächst und sich entwickelt; besonders, wenn es eines ist, das sich mit dem Ziel gegründet hat, zeitgenössisches Design zu fördern, anstatt einfach an einer fetten Rendite für die Aktionäre zu arbeiten.

Im Januar 2010 vom Brooklyner Designer Jason Miller gegründet, wurde Roll & Hill aus dem Wunsch geboren, sowohl hochwertige Leuchten mit nordamerikanischem Akzent zu produzieren als auch den Status, die Position und vor allem die Möglichkeiten von jungen US-amerikanischen Designern zu verbessern.

Vor zwei Jahren unternahm Roll & Hill den ersten, zaghaften Schritt in Richtung Europa mit einer kleinen Show in Mailands Zona Tortona, dieses Jahr stellten sie auf der zweijährig stattfindenden Euroluce, der Lichtabteilung der Saloni Milano, aus. Der größten und wichtigsten Plattform für Lichtdesign während der Mailänder Design Week also. Und ein Zeichen dafür, dass Roll & Hill angekommen sind.

Milan Design Week 2013 Roll and Hill at Euroluce

Möbelmesse Mailand 2013: Roll & Hill bei der Euroluce

Unsere, zugegebenermaßen etwas krankhafte, Obsession für Roll & Hill begann, bevor das Unternehmen überhaupt existierte: und zwar als wir Jason Millers Modo Chandelier bei der ICFF 2009 gesehen haben. Die Lampe ist uns gleich ins Auge gesprungen und uns seither nicht mehr losgelassen.

Modo war dann auch eine der fünf Säulen der ursprünglichen Roll & Hill Kollektion, nebst Himmeli von Paul Loebach, Excel von Rich Brilliant Willing, Agnes von Lindsey Adelman und Jason Millers für diese Welt fast zu kitschiger Superordinate Antler.

In den dazwischenliegenden drei Jahren wuchs die Roll & Hill Kollektion beständig und umfasst mittlerweile ungefähr 15 Produktfamilien von 9 Designern. Zu denen gehört auch der erste nicht-US-amerikanische Mitarbeiter Lukas Peet, der aus Kanada stammt und in Eindhoven studiert hat.

In Mailand präsentierte Roll & Hill einen netten Querschnitt ihres derzeitigen Programms, einschließlich Stella Triangle von Rosie Li, Endless von Jason Miller und Counterweight von Fort Standard.

Und den Modo Chandelier gibt es in einer überwältigenden 6-seitigen Kombination aus 21 Kugeln.

Milan Design Week 2013 Roll and Hill at Euroluce

Roll & Hill bei der Euroluce. Superordinate Antler von Jason Miller

Einer der Aspekte der Roll & Hill Kollektion, der uns immer schon ansprach, ist das unausweichliche Gefühl einer Rückkehr in die frühen Tage des Art Deco, das durch die Mehrheit der Objekte hervorgerufen wird. Messing, Glas, Keramik, Stahl, Marmor und Holz werden kombiniert, um Objekte zu kreieren, deren Opulenz eine Einfachheit und Nüchternheit vortäuscht, die jedem Kalvinisten die Schamesröte ins Gesicht treiben würde. 2009 haben wir bei Jason Millers Möbeln an die (stereo)typische amerikanische Stadt der späten 1970er Jahre gedacht. Die Roll & Hill Kollektion wiederum wäre in einem Apartment Block im Manhattan der 1920er nicht fehl am Platze. Natürlich pauschalisieren wir hier ein bisschen, denn vor allem die Arbeiten von Jonah Takagi und Rich Brilliant Willing stehen im Gegensatz zu den oben genannten und verleihen der Roll & Hill Kollektion einen vielfältigeren, ausgewogeneren Charakter.

Man muss sagen, Roll & Hill Lampen gehören nicht zu der Art von Objekten, die man mit dem Kleingeld kaufen kann, das man hinterm Sofa gefunden hat. Doch bei den hoch individuellen Stücken aus hochqualitativen Materialien, hergestellt in kleinen Werkstätten in Brooklyn und Long Island, bekommt man auch wirklich was für sein Geld.

In Amerika ist das Handelsnetzwerk der Roll & Hill Produkte gut ausgebaut, in Europa liegt da noch “ein bisschen” Arbeit vor den Verantwortlichen. Es bleibt zu hoffen, dass die Roll & Hill Leuchten nach der Euroluce auch hierzulande etwas besser erhältlich sein werden und dass mehr von euch unsere Obsession mit diesen Lampen verstehen und hoffentlich auch teilen werden.

 



Mailand 2013: Werkstadt Vienna

Wednesday, April 17th, 2013

Obwohl wir grundsätzlich die Regel befolgen, dass wir während der Mailänder Möbelmesse nicht an die Vienna Design Week denken – weil das so ist, als würde man an den Sommer denken, bevor man überhaupt einen wärmenden Sonnenstrahl auf der Haut gespürt hat -, machen wir für die Wanderausstellung Werkstadt Vienna auf der Ventura Lambrate eine Ausnahme.

Und zwar weil die so viele Erinnerungen in uns wach gerufen hat und wir wieder wussten, warum wir all das tun.

Milan Design Week 2013 Werkstadt Vienna

Möbelmesse Mailand 2013: Werkstadt Vienna

Kuratiert von Sophie Lovell und mit einem Ausstellungsdesign vom Studio Makkink & Bey, präsentiert Werkstadt Vienna eine Auswahl der Vienna Design Week Passionswege Projekte aus den letzten paar Jahren.

Für alle neuen Leser, zuerst einmal etwas zu Passionswege. Passionswege ist eine Veranstaltung innerhalb der Vienna Design Week, die junge Designer mit traditionsreichen Wiener Herstellern und Werkstätten zusammenbringt, um ein gemeinsames Projekt zu entwickeln. Die Designer erhalten so die Möglichkeit zu experimentieren und mit neuen Materialien zu arbeiten, die Unternehmen bekommen neue Ideen und neue Wege, auf ihre Tradition und Prozesse zu schauen, aufgezeigt. Und wenn alle Arbeiten wie geplant, ist das eine Win-Win-Situation.

Idealerweise würden wir die Werkstadt Vienna gerne als die Greatest Hits bezeichnen, aber dafür fehlen uns zu viele wirklich ausgezeichnete Projekte. Doch als Kurzfassung der Greatest Hits bietet Werkstadt Vienna einen guten Einblick in die Passionswege und zeigt, warum sie zu den besten Designfestival-Veranstaltungen überhaupt gehören.

Und wie wir bereits sagten, war es es für uns einfach eine Erinnerung nach der anderen. Wenn auch nicht alle besonders gut oder stolzerfüllend. Z.B. erinnerte uns Charlotte Talbots Landsape Serie für und mit der Wiener Silber Manufactur an unseren furchtbar stümperhaften (und schließlich erfolglosen) Versuch einen “Making Off”-Bericht mit Charlotte zu machen. Aber dann gibt es auch solche Erinnerungen, die all das wirklich lohnenswert machen. Die Stunde, in der wir zusammen mit dem offiziellen Vienna Design Week Fotografen darum wettstritten, wer als erstes ein brauchbares Bild davon hat, wie jemand in J & L Lobmeyrs verspiegelten Vitrinen Mark Brauns Fortune Wasserkaraffen ansieht. Wir haben es nicht geschafft. Wenn wir uns recht erinnern, er aber auch nicht. Oder wie wir halb betrunken durch Hernals rannten, um Julia Landsiedl bei Erwin Perzys Original Schneekugeln zu ewischen. Bevor wir euphorisch zurück zu Herrn Gruber und seiner Bar sind.

Wie Ken Dodd ohne Zweifel sagen würde, “I’ve got no silver and I’ve got no gold. But I’ve got happiness in my soul”.

Milan Design Week 2013 Werkstadt Vienna Erwin Perzy's Original Schneekugeln

Werkstadt Vienna. Im Vordergrund Julia Landsiedl bei Erwin Perzys Original Schneekugeln

Für alle, die nicht das Projekt “in situ” in Wien gesehen haben, und zum Beispiel nicht das Fett in der Petz Hornmanufaktur gerochen haben, wird es schwer sein, das Projekt wirklich in einen Kontext zu setzen und die wahre Magie der Passionswege zu verstehen. Doch die Infotafeln geben eine gute Einführung und schließlich sind alle Objekte so stark, dass sie auch für sich bestehen und außerhalb des Passionswege-Kontextes genossen werden können. Eine Tatsache, die besonders für Daphna Laurens Möbel für Wittmann zutrifft. Objekte, die immer noch so frisch aussehen wie bei unserer ersten Begegnung.

Allen, die sich von der Ausstellung inspiriert fühlen, können wir die Vienna Design Week nur wärmstens empfehlen. Spätsommer an der Donau ist außerdem wirklich wundervoll.

Und allen, die es nicht dort hin schaffen, bringen wir die Highlights der Passionswege im Oktober 2013 nach Hause.

Um ehrlich zu sein, können wir es gar nicht erwarten.

Die Vienna Design Week findet vom 27. September bis 6. Oktober 2013 statt.

 



Mailand 2013: Mattiazzi

Tuesday, April 16th, 2013

Eines der Highlights der Saloni Milano 2013 war der italienische Hersteller Mattiazzi. Und zwar nicht nur, weil sie aus Jasper Morrison den Stuhl Fionda herausgekitzelt haben, der – unserer Meinung nach – einer seiner besseren und auf jeden Fall interessantesten der letzten Jahre ist.

Milan Design Week 2013 Mattiazzi

Möbelmesse Mailand 2013: Mattiazzi

1978 gegründet, ist Mattiazzi, wenn wir das richtig verstanden haben, im Wesentlichen ein Netzwerk für holzverarbeitende Dienstleistungen in Udine. 30 Jahre lang war das Unternehmen als Lieferant von Holz für andere Möbelhersteller tätig, bis es sich 2008 entschied, in seine eigene Marke zu investieren. Die Investition war offensichtlich sehr groß, oder besser gesagt, sehr sehr groß. Aber es hat sich gelohnt.

Mattiazzi erreichte 2011 mit der Osso Kollektion von Ronan und Erwan Bouroullec erstmals ein internationales Publikum. Das positive Echo auf Osso ist nicht nur der Verbindung mit der Marke Bouroullec zu verdanken, sondern ist ganz einfach auch Ergebnis eines ziemlich guten Stücks Arbeit. Als Projekt erlaubte Osso Ronan und Erwan Bouroullec eine neue Dimension ihrer Arbeit zu entwickeln – eine Herausforderung, die sie angingen und die im Ergebnis ein beeindruckendes Maß an technischer Raffinesse und ästhetischer Klarheit demonstriert.

Seit der Lancierung von Osso 2011 wuchs das Portfolio von Mattiazzi stetig und in Mailand präsentierte das Unternehmen die jüngsten Ergebnisse von Zusammenarbeiten mit Sam Hecht, Konstantin Grcic und Jasper Morrison mit dem bereits erwähnten Fionda.

Letztlich ein Holzrahmen mit einer austauschbaren Schlinge aus Stoff, ist es ziemlich schwer Fionda als Stuhl zu bezeichnen, zumindest als Stuhl im klassischen Sinne. Augenscheinlich von einem Camping-Klappstuhl beeinflusst, den Morrison in Japan kaufte, macht Fionda nichts großartig anderes als “richtige” Campingstühle oder Designklassiker wie der tausendfach kopierte Butterfly/Hardoy Chair. Fionda präsentiert das Konzept jedoch mit einer selten gesehenen Leichtigkeit und gefestigter Ruhe. Und, wie wir finden, mit einer Lebendigkeit, die wir in vielen von Morrisons letzten Arbeiten vermisst haben. Daneben können die Rahmen, wenn man die Segeltuch-Schlinge abnimmt, gestapelt werden, was Fionda zum unkomplizierten Outdoor-Sitz für Cafés, Eisdielen usw. macht.

Milan Design Week 2013 Mattiazzi Fionda Jasper Morrison

Möbelmesse Mailand 2013: Fionda von Jasper Morrison für Mattiazzi

Gleichermaßen beeindruckend finden wir Medici von Konstantin Grcic. Ursprünglich 2012 in Mailand präsentiert, ist Medici ein Lounge Chair, der alles von Konstantin Grcics Vorstellungen von einer reduzierten, unaufdringlichen Formensprache aufnimmt, beim Schopfe packt und aus dem Fenster wirft.

Ja, Medici ist eine sehr simple Holzkonstruktion, eine sehr simple Holzkonstruktion, die in vielerlei Hinsicht an den Rot-Blau-Stuhl von Gerrit Rietveld erinnert. Aber es ist kein Objekt, dem man Samstagnacht in einer dunklen Gasse begegnen möchte.

Genau wie Waver für Vitra, ist Medici nichts, was wir von Grcic kennen. Und während die Motivation beim Waver größtenteils darin bestand, die Vitra Outdoor Kollektion mit einer Formensprache weit weg von den Eames dominierten Interiordesigns zu definieren, fand Grcic bei Mattiazzi ein unbeschriebenes Blatt vor. Was bedeutet, dass das Design tiefer herrührt. Und tatsächlich spürt man, wenn man seine Kommentare zu Medici liest, eine tiefe persönliche Freude, die er bei der Entwicklung des Projekts hatte.

Milan Design Week 2013 Mattiazzi Medici Konstantin Grcic

Möbelmesse Mailand 2013 Medici von Konstantin Grcic für Mattiazzi

Was uns schließlich an Mattiazzi so gut gefällt, ist die unangestrengte Einfachheit ihrer Möbel.

Man kann sich zurzeit nicht durch den europäischen Möbelmarkt bewegen, ohne auf einen Hersteller mit einem neuen Holzstuhl zu stoßen. Viele davon sehr ähnlich. Sehr typisch. Sehr langweilig. Und sehr “skandinavisch”. Diese Entwicklungen in der Möbelindustrie spiegeln die der Fernsehkrimis sehr schön wieder, wo es auch nur noch selten ohne mürrischen skandinavischen Ermittler in einem skurrilen Wollpulli geht. Und tatsächlich hat ein junger Designer, mit dem wir in Mailand gesprochen haben, sogar ziemlich offen zugegeben, dass seine aktuellen Arbeiten größtenteils auf eben diesen Markt ausgerichtet sind. Und man kann es ihnen nicht mal vorwerfen.

Was für uns jedoch Mattiazzi davon abhebt, ist, dass sie sich offensichtlich nicht nur um die optische Erscheinung, sondern auch um die Funktion, den Ursprung, das Handwerk und die Ausstrahlung der Stücke kümmern. Ältere Leser werden so etwas mit dem Konzept des “Charakters” assoziieren, einem anarchischen Begriff, der so überholt ist, dass der Duden überlegt, ihn aus der nächsten Auflage rauszunehmen. Mattiazzi haben offenbar noch eine alte Auflage zuhause.

Es wird interessant zu beobachten sein, wie sich Mattiazzi in den nächsten Jahren entwickelt. Ob sich die Investitionen gelohnt haben. So toll und interessant die aktuelle Kollektion auch ist, garantiert sie nicht unbedingt eine langfristige finanzielle Absicherung. Dass sie sich Herman Miller als ihren nordamerikanischen Vertriebspartner gesichert haben, ist schonmal nicht schlecht. Ähnlich wie Aram in Großbritannien. Aber auch das ist keine Garantie für nachhaltigen Erfolg. Der kommt von einem Produktportfolio, das über verschiedene Märkte hinweg erfolgreich ist und neue Käufer erreichen kann. Und das braucht vor allem Zeit.

Wir halten auf jeden Fall ein Auge darauf und werden euch auf dem Laufenden halten.

Milan Design Week 2013 Mattiazzi Collection

Möbelmesse Mailand 2013: Die Mattiazzi Kollektion

Milan Design Week 2013 The Mattiazzi Collection

Möbelmesse Mailand 2013: Die Mattiazzi Kollektion



Mailand 2013: Moormann tuttavia presente!!

Friday, April 12th, 2013

Auf der Saloni Milano 2010 erzählte uns Ronan Bouroullec von seinem Gefühl, dass das Internet und neue Technologien irgendwann die Ressourcen ersetzen können und sollten, die  in so ein Event wie die Mailänder Möbelmesse investiert, ja verschwendet, werden.

2013 nun hat der allseits beliebte deutsche Möbelhersteller Moormann den Anfang damit gemacht. Und damit bewiesen, dass man selbst von der idyllischen Ruhe des Örtchens Aschau im Chiemgau aus noch Teil des Wahnsinns in Mailand sein kann. In unseren Gesprächen mit Nils Holger Moormann im Voraus zu Mailand, bekamen wir einen Ausblick darauf, was sie anstelle ihres Saloni Milano Standes planen. Anstatt in die schwankende Wirtschaft Italiens zu investieren, hat Moormann in ein Meisterwerk aus Zelluloid investiert.

Um es etwas einfacher zu machen, haben wir den Film hier eingebunden. Das Original gibt es unter: www.youtube.com/watch?v=Z8GwMxAsHnc



Mailand 2013: Pencil Light von Caroline Olsson bei Salone Satellite

Friday, April 12th, 2013

Auf den Designers’ Open 2011 erregte die norwegische Designerin Caroline Olsson unsere Aufmerksamkeit mit “Curious”, einer von einer Federmappe inspirierten Holzlampe.

Auf der Salone Satellite 2013 ist Caroline einen Schritt weitergegangen und hat eine Tischlampe aus Holz präsentiert, die gleichzeitig eine Federmappe ist.

Klingt nach einer organischen Entwicklung.

Nichts mehr als eine rechteckige Birkenkiste, ist das Schöne an Pencil Light der Metallmechanismus, der es erlaubt, den Deckel zu heben, zu senken und schließlich in jeder Position festzustellen.

Der Leuchtstoff liegt in dem Deckel, etwas eingerückt, sodass der untere Quader unabhängig davon, ob die Lampe geöffnet oder geschlossen ist, als Aufbewahrungsbehälter für Stifte und andere Schreibutensilien verwendet werden kann.

Als funktionales und ästhetisch minimalistisches Objekt ist Pencil Light perfekt für all jene, die alle Spuren von Arbeit verschwinden lassen wollen, sobald sie sich in den Abend zurückziehen, oder für die, die ihren Home Office Schreibtisch nicht mit Schreibgeräten vollmüllen wollen.

Oder einfach für die, die noch auf der Suche nach einer sehr gefälligen, ja reizenden Lampe sind.

Alles in allem also ziemlich beeindruckend.

milan design week 2013 caroline olsson pencil light

Möbelmesse Mailand 2013: Pencil Light von Caroline Olsson bei Salone Satellite

milan design week 2013 caroline olsson pencil light

Möbelmesse Mailand 2013: Pencil Light von Caroline Olsson bei Salone Satellite

milan design week 2013 caroline olsson pencil light

Möbelmesse Mailand 2013: Pencil Light von Caroline Olsson bei Salone Satellite