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Museum für Angewandte Kunst Köln: Von Aalto bis Zumthor. Architektenmöbel

Tuesday, January 17th, 2012

Wie es die Tradition so will, richtet das Museum für Angewandte Kunst Köln (MAKK) auch in diesem Jahr wieder, wenn in Köln die Möbelmesse IMM stattfindet, eine Sonderausstellung zum Thema Möbel aus.

Unter dem Titel “Von Aalto bis Zumthor. Architektenmöbel” stellt das MAKK über 120 verschiedene Möbel aus, denen eins gemein ist: sie wurden alle von Architekten designt.

Museum für Angewandte Kunst Köln Von Aalto bis Zumthor Architektenmöbel

Museum für Angewandte Kunst Köln: Von Aalto bis Zumthor. Architektenmöbel

Wie treue Leser längst wissen werden, ist der “Möbel-Architekt” eines unserer Lieblingstehmen. Und das nicht nur, weil solche Architekten einige wirklich fantastische Arbeiten hervorgebracht haben – und das oft nur aus purer Leidenschaft und mit wenig oder gar keinen finanziellen Ambitionen -, sondern weil wir glauben, dass das Verstehen des “Möbel-Architekten” eine wichtige Basis für das Verstehen der Möbelindustrie und letztendlich guten Möbeldesigns ist.

In der Pressemitteilung erklärt das MAKK, dass viele der Architekten zum Möbeldesign gekommen seien, weil sie auf dem Markt kein passendes Mobiliar für ihre Projekte gefunden hätten.

Es ist naturgemäß nicht unsere Art alteingesessenen und anerkannten Designmuseen zu widersprechen.

Aber.

Wir glauben zwar auch, dass der Notwendigkeitsaspekt in manchen Fällen bestimmt ein entscheidender Faktor gewesen ist, der Wunsch ein Projekt vollständig zu kontrollieren und so eine formale Einheit zu schaffen in vielen Fällen aber als bedeutender einzuordnen  ist.
Wir haben einige hübsche Zitate gefunden; z.B. wie Egon Eiermann nur zustimmen wollte, ein Haus in Berlin zu entwerfen, wenn er auch die Möbel gestalten durfte; oder wie Arne Jacobsen ähnliche Forderungen stellte, bevor er die Aufträge für das SAS Royal in Kopenhagen und das St. Cahthrines College in Oxford akzeptierte. Und Le Corbusier hat seine sozialen Wohnungsbauten der 1950er nur nicht selber eingerichtet, weil IKEA noch erfunden werden musste.

Für uns ist diese Unterscheidung so wichtig, weil sich aus ihr etwas entscheidendes herauslesen lässt: Die Motivation definiert den Hintergrund der entworfenen Möbel und unterstreicht als solches die Art und Weise, wie die Architekten dachten und arbeiteten.

Was unstrittig ist, ist der Wert der Arbeiten.

Museum für Angewandte Kunst Köln Von Aalto bis Zumthor Architektenmöbel

10 Unit System von Shigeru Ban über Artek (2009)

Neben Stücken aus der museumseigenen Sammlung wird “Von Aalto bis Zumthor. Architektenmöbel” durch Leihgaben vervollständigt und erzählt die Geschichte eines ganzen Jahrhunderts “Möbel-Architekten”. So beginnt die Ausstellung bei Werken von Hoffmann, Wagner oder Emil Beutinger. Letzterer ist mit seiner wunderbaren Kücheneinrichtung aus dem Jahr 1903 vertreten. Das Ensemble enthält einen “Sitzschrank”, der auch aus einer Haute Couture Kollektion des Ateliers Moormann stammen könnte.

Im Vergleich zu der dezenten Eleganz vieler früher Stücke, konnten wir uns nicht dem Eindruck entziehen, dass viele modernere Stücke förmlich schreien “Sieh mich an!”.

Natürlich wissen wir, dass der Wunsch nach Aufmerksamkeit noch ganz andere Ausmaße annehmen kann. Man denke nur an Menschen, die ihrer Berühmtheit wegen in den australischen Dschungel ziehen und vor laufender Kamera Kangaroohoden essen, nur um mit dem, “was sie der Gesellschaft hinterlassen haben”, in Erinnerung zu bleiben. – So um Aufmerksamkeit bemüht waren wirklich nur die allerwenigstens Stücke in der Ausstellung.

Nun könnte man argumentieren, dass der Grund dafür ist, warum viele der Vorkriegsmöbeldesigns im Gegensatz zu den modernen “Hinguckern” so konservativ und, ja, normal erscheinen, dass die Gesellschaft auch so war. Es gab keine größeren oder kleineren Angriffe auf akzeptierte Normen.

Nach der Postmoderne, dem Dadaismus und dem Punk haben wir jedoch andere Erfahrungen gemacht und mittlerweile ist es sogar zulässig Konventionen anzufechten. Dies gilt insbesondere für Möbel, die für ein Gebäude entworfen wurden, das Ansprüchen an modernes Wohnen gerecht werden muss.

Was uns zu den Ursachen zurückbringt, warum ein Architekt Möbel designt….

So oder so glauben wir, dass jene Architekten, die in die Kategorie “Hauptsache Aufmerksamkeit” fallen, gar nicht erst als “Möbel-Architekten”, sondern als “Künstler” bezeichnet werden müssen. Und ihre Arbeiten nennt man auch nicht “Möbel”, sondern “Kreationen” – oder schlimmer noch “Statements”.

Das führt uns zu der Frage, ob solche Künstler überhaupt in eine Möbelausstellung wie diese gehören. Nun, Kunst, Design und Architektur sind zwar verschiedene Disziplinen, sie können jedoch ineinander greifen und verschmelzen. Die Frage, die aber bleibt, ist, welche Disziplin die dominante ist. Bei der Auswahl der Objekte für so eine Ausstellung würden wir sagen, ist es Design. Idealerweise Design, das mit der Übung, dem Auge und dem Verständnis eines Architekten gestateltet worden ist.

Was zwangsläufig zu der nächsten Frage führt: Wo war eigentlich das USM Haller Möbelsystem – ein Möbel, das direkt aus einem architektonischen Konzept entstanden ist?

Museum für Angewandte Kunst Köln Von Aalto bis Zumthor Architektenmöbel

Jean Prouvé und Alvar Aalto bei Von Aalto bis Zumthor. Architektenmöbel

“Von Aalto bis Zumthor. Architektenmöbel” ist eine gute Ausstellung. Unser Problem ist aber, dass nicht genug erklärt wird; es wird nur gezeigt. Für eine Sonderausstellung in einem Museum wie dem MAKK ist das einfach zu wenig. Man sollte die Ausstellung doch mit dem Gefühl verlassen, wirklich etwas über das Thema erfahren zu haben.

Wir kennen uns auf dem Gebiet einigermaßen gut aus und haben es genossen, die Stücke einfach alle einmal beisammen zu sehen und vergleichen zu können. Den meisten Besuchern geht es vermutlich anders – sie kennen nicht schon die meisten der Exponate, weil sie diese und andere Möbelklassiker in einem Onlineshop verkaufen.

Für einige Ausstellungsstücke gab es sogar gut konzipierte und hübsch illustrierte Schautafeln, für die Mehrzahl gab es jedoch nur etwas, das aussah wie Archivkarten mit einem Namen und wenigen anderen Informationen darauf.

Und dann war da natürlich noch die Entscheidung einige Stühle 5 Meter hoch über dem Boden zu platzieren – halb versteckt in Kisten, sodass sie keiner sehen kann. Das finden einfach nur blöd.

Trotz des für uns etwas lustlosen Ausstellungskonzepts bleibt der Wert der Arbeiten unangetastet und “Von Aalto bis Zumthor. Architektenmöbel” einen Besuch wert – besonders während der IMM Cologne, wenn der Eintritt frei ist.

“Von Aalto bis Zumthor. Architektenmöbel” ist im Museum für Angewandte Kunst Köln bis 22. April 2012 zu sehen.

 



IMM Cologne 2012. Und 1962.

Friday, January 13th, 2012

Am Montag, den 16. Januar, öffnet die IMM Cologne, Deutschlands größte Möbelmesse, ihre Tore.

In den kommenden Tagen werden wir aus diesem Anlass einige Interviews, Berichte und Rückblicke vom Rhein bloggen. Außerdem dachten wir, dass es auch ganz nett wäre, einmal zu sehen, wie es vor 50 Jahren um die IMM stand. Denn zum einen finden wir es ziemlich interessant zu sehen, was die Möbelindustrie generell um 1962 so getrieben hat, und zum anderen hoffen wir, so die Rolle der IMM etwas besser in der Möbelgeschichte verorten zu können.

imm cologne

IMM Cologne

Die “Internationale Möbel Messe Köln” startet 1949 und war zunächst ein zweimal jährlich stattfindendes Event. Dieses Konzept gefällt uns nicht nur wirklich gut, sondern erinnert uns auch an die guten alten Zeiten, als Möbelhersteller nicht alle paar Minuten ein neues Produkt auf den Markt warfen.
In diesem Sinne hat die Industriezeitung “Möbel Kultur” in ihrer Vorschau auf die Kölner Messe von 1962 auch von einer “…schöpferischen Pause…” seit 1960 gesprochen.1 Und das bedeutet eine ganz und gar positive “Möglichkeit die Produkte zu reflektieren und verbessern”.

Ist das nicht genau das, was Nils Holger Moormann meinte, als er sagte “Möbel brauchen Zeit. Sie müssen präszisiert und perfektioniert werden.“?

Ausgehend von der Ausstellerliste wurde die Möbelindustrie 1962 noch von Holzprodukten aus Schreinereien kleinerer und mittlerer Größe dominiert. Doch die Lage begann sich langsam zu verändern. So gab es damals zum Beispiel eine kontroverse Debatte über die Verwendung neuartiger Kunststoffe für Oberflächen, wie den von Küchen.

In den Jahren unmittelbar nach dem Krieg bestanden die grundlegenden Anforderungen in Europa an Möbel in erster Linie darin einfach und billig zu sein, sodass zumindest eine Grundausstattung aller Wohnungen gewährleistet war.

Zur Situation der Möbelindustrie dieser Zeit gibt es mehr in unserem Post “Design for Use, USA“.

In den Besprechungen zur Kölner Möbelmesse bis 1962 behauptete die Möbel Kultur noch, dass die Deutschen – besonders jene, die aus Preußen geflohen waren – trotz der vorwärtsgewandten Bestrebungen der Veranstalter nach massiven, altmodischen Möbeln suchten, die sie an das Leben vor dem Krieg erinnerten.2 Und so kam es, dass sich der sogenannte “Gelsenkirchener Barock” mit seinen opulenten, schweren Möbeln aus Tropenholz im Deutschland der 1950er größter Beliebtheit erfreute.

Aber nachdem diese Generation älter wurde und nicht länger eine so wichtige Käufergruppe war, verschwand auch ihr Einfluss auf das Angebot am Möbelmarkt. Köln 62 zeigt, dass dieser Generationswechsel bereits voll im Gange gewesen ist; die Berichterstattungen verweisen regelmäßig auf die moderne “gute Form”, bei der wir heute wahrscheinlich von Designermöbeln sprechen würden.

Gleichzeitig gibt es aber auch Anzeichen, dass die Möbelindustrie und die Kölner Messe auf dem besten Weg waren dieses Schiff in die Zukunft segeln zu lassen, ohne selbst an Bord zu gehen.

Karlheinz Krug unterteilt in einem Artikel in der “Form” die Möbelhersteller von Köln 62 in drei Gruppen: Da gibt es jene, die mit kompetenten Designern arbeiten, um individuelle und innovative Produkte zu schaffen, dann gibt es jene, die Grundlagen von Designermöbeln kopieren und daraus billige Möbel produzieren und jene, die Altbekanntes neu auflegen.

Daneben moniert Herr Krug die Abwesenheit einiger wichtiger Hersteller. Insbesondere die, welche durch ihren designorientierten Ansatz zu den schimmernden Sternen der modernen Möbelindustrie zu zählen waren, fehlen ihm. Er nennt Knoll International und Wilkhahn, die fünfzig Jahre später noch immer nicht auf der Ausstellerliste stehen – genau wie die großen Hersteller Moormann, Magis, Freedom of Creation und Vitra.
Letzter präsentierte sich 1962 ironischerweise als kleines Unternehmen, das seine ersten, zögernden Schritte auf dem globalen Geschäftsparkett unternimmt. Heute ist die Marke Vitra so etabliert, dass sie sicher auf keine Messe, wie die IMM, mehr angewiesen ist.

Das führt uns zu einem großen Problem der IMM: Der Fokus bei den Ausstellern liegt zu sehr auf Karlheinz Krugs Gruppe 2 und nicht auf denen der Gruppe 1.

Schließlich wurden hauptsächlich Möbel für Kunden angeboten, die bei ihrer Wohnzimmereinrichtung die Vertrautheit des Gelsenkirchener Barocks suchten. Kunden also, die durchaus bereit sind viel zu viel für etwas zu zahlen, das sie mit einem bestimmten Status assoziieren, weil es einem bestimmten Stil-, Trend- oder Luxus-Gedanken nahekommt… viel mehr bereit als vom Markt wirkliche Qualität zu einem angemessenen Preis zu fordern. Und das obwohl Herr Ordnung4 1962 bereits postulierte, der Gelsenkirchener Barock liege in seinen letzten Atemzügen.

Wir werden nicht müde zu versuchen die Organisatoren zu überzeugen, ihr Format zu ändern und mehr innovative high-end Designs aufzunehmen. Aber wir müssen auch akzeptieren, dass die IMM eine kommerzielle Messe ist und in erster Linie nach ökonomischen Gesichtspunkten beurteilt werden muss.

Die Kölner Möbelmesse zählte 1962 ungefähr 65.400 Besucher – fast 90% davon aus Deutschland; Produkte von 868 Herstellern wurden ausgestellt, die zu zwei Dritteln deutscher und einem Drittel internationaler Herkunft waren.5 Diese Zahlen zeigen nicht nur, dass es sich dabei um ein gelungenes Event handelte, sondern dass sich die IMM erfolgreich von einer einfachen regionalen Sache in eine wichtige überregionale Messe verwandelt hat.

Solche Statistiken sagen selbstverständlich nichts über die Qualität der Waren aus, die damals oder heute angeboten wurden oder werden. Damit wollen wir also auch gar nicht anfangen. Das ist ein Thema für einen anderen Post…

Man könnte aber mal – wenn wir schon bei den Zahlen sind -  die Zahlen von Mailand ansehen: 12.000 Besucher und 328 Hersteller bei der ersten Messe 1961; 320.000 Besucher und 1283 Hersteller bei der Messe 2011.7 Doch auch das ist ein Thema für einen anderen Post…

Geht man die Berichte und Besprechungen der IMM 1962 durch – und das können wir durchaus empfehlen – fällt eine bestimmte Kontinuität der Begrifflichkeiten, Themen und Meinungen auf.  Wir haben viele Besucher von damals gefunden, die Dinge kritisieren oder bejubeln, die unsere Erfahrungen und Meinungen von heute spiegeln. Da sieht man, dass bei so einer Messe nicht nur die Möbel in regelmäßigen Intervallen wiederkehren.
In dieser Hinsicht gab es eine Sache, die uns besonders ins Auge stach: der deutliche Trend von 1962 zu hellen, natürlichen Holzfarben…

1. “Was bringt Köln 1962?” Möbel Kultur, Februar 1962

2. “1949-1962. Die Möbelformen seit der ersten Kölner Messe” Möbel Kultur, Februar 1962

3. Krug, Karlheinz “International Möbelmesse Köln 1962″, Form, 17, 1962

4. Herr Alfred Ordnung, Vorsitzender des Möbelfachverbandes in der Hauptgemeinschaft des Deutschen Einzelhandels

5. “Die Möbelmesse statistisch gesehen” Möbel Kultur, Januar 1962

6. “Facts and Figures” IMM Website http://www.imm-cologne.com/en/imm/diemesse/daten_fakten/index.php. Accessed 09.01.2012

7. “Facts and Figures” Salone Internazionale del Mobile http://cosmit.it/tool/download.php?id=82945&idst=12535 Accessed 09.01.2012



Egon Eiermann – Neue Stühle für neue Kirchen. Der SE 119 und SE 121

Tuesday, December 20th, 2011

Am 17. Dezember 1961 wurde die neue Kaiser Wilhelm Gedächtniskirche in Berlin offiziell eingeweiht. Entworfen von Egon Eiermann war und ist der neue Kirchenbau ein selbstbewusster und moderner Ersatz für die alte Kaiser Wilhelm Gedächtniskirche; ein Gebäude, das zum Bedauern vieler Berliner Urgesteine der Bombadierung von 1943 zum Opfer fiel.

Wie auch in anderen Projekten dieser Zeit, entwarf Eiermann nicht nur das Gebäude, sondern gestaltete auch gleich das passende Mobiliar für das Kircheninnere.

Die neue Kaiser Wilhelm Gedächtniskirche war Eiermanns zweites Kirchenprojekt – und genau wie er von der Matthäuskirche Pforzheim architektonische Elemente wiederverwendete und neu verarbeitete,  transportierte er bekannte Elemente auch in Form des Mobiliars in das Innere der neuen Kaiser Wilhelm Gedächtniskirche.

egon eiermann wilde + spieth se 119

Stuhl für die Matthäuskirche Pforzheim. Entworfen von Egon Eiermann

Für die Matthäuskirche entwarf Eiermann einen einfachen, fast schon rustikalen Holz- und Weidenstuhl; für Berlin verwendete Eiermann die gleiche Grundform, wenngleich die Form unter neuem Materialeinsatz eine neue Ausstrahlung erhielt. In vielerlei Hinsicht wirkt diese Interpretation urbaner und mondäner.

Die Rahmenform bewahrend, ersetzt Eiermann den Weidensitz aus Pforzheim durch eine gurtgestützte Struktur. Das bemerkenswerteste am “Berliner Stuhl” ist die offene Konstruktion,  die plakativ zur Schau stellt, wie die Gurte um den Rahmen geschlungen sind.

neue kaiser wilhelm gedächtniskirche Berlin 2011

Stühle in der neuen Kaiser Wilhelm Gedächtniskirche, Berlin. Entworfen von Egon Eiermann

Auf der Rückseite hat Eiermann die zwei absolut unerlässlichen Elemente eines Kirchenstuhls eingearbeitet: Stauraum für das Gesangsbuch und einen Huthalter.

Wie wir alle wissen, hatte Egon Eiermann immer ein Problem damit, wenn Menschen versucht haben, seine Arbeiten mit den (gezwungenermaßen) früheren Arbeiten von Charles Eames zu vergleichen. Aber so sehr wir den kleinen schwarzen, ballförmigen Huthalter mögen und schätzen, kann sich ein Teil von uns nicht gegen den Wunsch wehren, Eiermann hätte eine Möglichkeit gefunden, die ein kleines bisschen weniger an einen Hang it All Haken erinnert…

neue kaiser wilhelm gedächtniskirche Berlin 2011

Der Gesangsbuchhalter und der Huthaken

Was Eiermann leider nicht von Pforzheim in Berlin übernommen hat, war sein berühmtes Tischgestell als Altar. Diese Entscheidung ist jedoch eher den vielen Meinungsverschiedenheiten zwischen Eiermann und dem Berliner Bistum geschuldet, als einer bewussten Entscheidung seitens Eiermann.

1985 stellt Wilde+Spieth den “Pforzheimer Stuhl” als SE 119 der Öffentlichkeit vor – laut Arthur Mehlstäubler1, der erste Stuhl, den Eiermann für ein Architekturprojekt entworfen hat und der daraufhin in die Serienproduktion ging. Das markiert in unseren Augen den Punkt, an dem Eiermann zu einem vollwertigen “Möbelarchitekten” im dänischen Sinne wurde. Obgleich der SE 119 schon 1958 als Esszimmerstuhl im deutschen Pavillion auf der Weltausstellung in Brüssel zum Einsatz kam.

1962 brachte Wilde+Spieth den “Berliner Stuhl” als SE 121 heraus, der ab 1964 in der Kanzlei der deutschen Botschaft in Washington verwendet wurde. Ohne Huthaken und Gesangsbuchhalter, allerdings.

Leider werden beide Stühle nicht mehr hergestellt, aber die Kirchen stehen noch und in beiden kann man einen wunderbaren Einblick in einen sehr speziellen Teil von Egon Eiermanns Oeuvre erhalten.

1. Aus Kielmeyer, Barbara, Hg. “Egon Eiermann – die Möbel”, INFO-Verlag, Karlsruhe 1999

neue kaiser wilhelm gedächtniskirche Berlin 2011

Die neue Kaiser Wilhelm Gedächtniskirche Berlin. Mit Eiermanns Stühlen, komplett mit Huthaken und Gesangsbuchhaltern



Neue Räume Zürich 2011

Monday, November 21st, 2011

Die letzte Station unserer Herbsttour 2011 führte uns zu Neue Räume in Zürich, der größten und vermutlich auch verwirrendsten Möbeldesignmesse der Schweiz.

Wir wissen es wirklich zu schätzen, dass die Organisatoren versuchen, es mit Neue Räume allen recht zu machen, indem sie eine breite Palette an Produkten, Herstellern und Designformen ausstellen. Theoretisch hätte uns das auch gefallen, doch derart viel auf so kleinem Raum zusammenzubringen, oder besser zu quetschen, funktioniert in unseren Augen einfach nicht.

Entweder muss der Raum größer werden – um so Ausstellern und Besuchern sowohl ausreichend Platz für die Präsentation als auch die Aufnahme des Gezeigten zu bieten – oder es müssen verstärkt Schwerpunkte gesetzt werden.

Fest steht, die Schweiz braucht eine vernünftige Möbeldesignmesse. Die Schweiz verfügt über eine lange Designtradition und einige wirklich exzellente Hersteller. Und was läge da näher als das auch ganz groß auszustellen? Uns pesönlich liegt außerdem so viel daran, weil wir Europa gerne von der Mailänder Zentralgewalt und den damit einhergehenden verstaubten Zwängen befreit sehen wollen. Aber wir brauchen mehr lokale und auf Qualität ausgerichtete Designmessen, um die Designszene von Mailand abzunabeln. Zurzeit schafft das Neue Räume noch nicht.

Ein schönes Beispiel dafür, inwiefern Neue Räume nicht so richtig funktioniert hat, ist das “Design in the City”-Programm. Die Idee dahinter war, Ausstellungsobjekte der Messe in die Läden der Stadt zu bringen. Eine schöne Idee. Eigentlich… Wenn aber beispielsweise Shell aus der Röthlisberger Kollektion in irgendwelchen Kleidergeschäften in der Stadt zum Einsatz kommt, sollte man das auch bekannt machen. Andernfalls haben alle nur Augen für die Pullover. Vielleicht bemerkt der eine oder andere noch, dass sich die Pullover in einem schönen Stück zeitgenössichem Design befinden. Aber mehr…? Das ist eine schlechte Informationspolitik.

Das Programm war einfach nicht interaktiv genug und bezog sein Publikum zu wenig ein. Außerdem bleibt für uns unklar, wem mit dem “Design in the City”-Programm eigentlich geholfen werden sollte: Den Herstellern? Den Händlern? Der Züricher Bevölkerung? Uns?

Wie gesagt, Neue Räume ist eine schöne Messe, aber es hapert an einem klaren und konsequenten Konzept.

Abgesehen davon hat sich unser Trip nach Zürich aber definitiv gelohnt. Wir konnten nicht nur einige interessante neue Stücke und Hersteller entdecken, wir kamen außerdem in den Genuss einiger sehr interessanter und unterhaltsamer Gespräche mit so manch einem Teilnehmer. Dazu bald mehr.

Unser Highlight der Züricher Messe war auf jeden Fall das aus der Installation “Tape” des Studios numen/for use entwickelte Sitzsystem “TUFT”. Aus der Weiterentwicklung der Klebebandstruktur von Sven Sonke, Christoph Katzler und Nikola Radelikoric seit der Vienna Design Week 2009 ging ein wirklich wunderbares labyrinthartiges öffentliches Sitzsystem hervor. Hier würden wir eigentlich gerne eine Schmetterling-Metamorphose-Analogie benutzen, aber das wäre zu einfach.

Wir werden in den kommenden Tagen noch mehr über Neue Räume Zurich posten. Für den Moment gibt es aber schon ein paar Fotos…



Norm=Form, über Standardisierung und Design: Timo de Rijk

Sunday, October 30th, 2011
Norm Form Standardisation and Design Timo de Rijk

Timo de Rijk @ Norm=Form Standardisierung und Design in Leipzig

Der niederländische Designhistoriker Timo de Rijk war der Hauptredner beim Norm=Form Symposium, das Anfang September in Leipzig stattfand. Er kuratierte außerdem die Ausstellung Norm=Form und ist Mitherausgeber des begleitenden Buches.

Im Laufe seiner sehr unterhaltsamen obgleich provokanten Rede verfolgte de Rijk die Geschichte der Standardisierung über die Jahrhunderte hinweg und verdeutlichte seine Meinung darüber, wieso wir Standards haben. Dazu gehörte auch ein großartiger Vergleich der Kommunistischen Partei Chinas mit Industriedesignern.

Nach seiner Rede trafen wir Timo de Rijk, um mit ihm etwas detailierter über einige der von ihm angesprochenen Themen zu sprechen.

(smow)blog: Sofern wir Sie richtig verstanden haben, waren für Sie, historisch gesehen, soziale und kulturelle Veränderungen die treibenden Faktoren für die Standardisierung. Ist das heute noch immer der Fall? Oder spielen wirtschaftliche Faktoren jetzt eine größere Rolle?

Timo de Rijk: Die Standardisierung wird in Fabriken offenbar als wirtschaftliches und technisches Hilfsmittel benutzt: Wenn man Produkte standardisiert kann man mehr und billiger produzieren. Aber ich denke, man kann ein Produkt nur dann etablieren, wenn eine gewisse Dringlichkeit besteht; das Produkt muss einen Sinn haben. Und in diesem Moment entsteht ein Standard.

(smow)blog: Heißt das, dass Produkte oder Lösungen, die sich selbst am besten etablieren, zum Standard werden? Wir denken da an Videos oder JPGs…

Timo de Rijk: JPG ist ein gutes Beispiel. Im technischen Sinne ist es miserabel und sämtliche Ingenieure fragen sich, wie ein solches Format derart beliebt werden konnte. Aber Ingenieure denken nun mal auf eine bestimmte Art und Weise, und zwar auf eine technische. Aber andere Menschen denken anders und bevorzugen Dinge, die vielleicht attraktiver oder praktischer sind. Deshalb benutzen wir JPGs. Aber nicht nur JPGs. Für mich ist es purer Zufall, dass die Levi’s 501 derart populär wurde. Das hätte mit jedem Modell passieren können, aber Levi’s waren zur richtigen Zeit mit dem richtigen Material am richtigen Ort.

(smow)blog: Welche Rolle spielen Normen und Standards im modernen Produktdesign? Wie haben sie das Produktdesign verändert?

Timo de Rijk: Ich glaube, dass sich die Designer heute der immensen Bedeutung des sozialen und kulturellen Sinns eines Produktes viel bewusster sind als noch vor vierzig oder fünfzig Jahren. Designer von heute sind sich der Stellung der Produkte in der Gesellschaft sehr bewusst. Das müssen sie auch, denn das ist ihr Job.

(smow)blog: Ist das die soziale Akzeptanz, die Sie in Ihrem Vortrag angesprochen haben? Muss ein Bürodrehstuhl also ergonomisch sein, weil er sonst keinen Erfolg haben kann?

Timo de Rijk: Ja, aber ich glaube, es ist sogar mehr als das. Arbeiten Sie in einem Büro?

(smow)blog: Ja.

Timo de Rijk: Und was erwarten Sie von ihm?

(smow)blog: Ein bisschen Ruhe und Frieden, so dass man in Ruhe arbeiten kann…

Timo de Rijk: Ok, aber Sie sind nicht nur Angestellter, sondern auch ein Mensch. Ein Büro muss nicht wie ein Zuhause aussehen, sollte aber ein Ort mit sozialer Sicherheit und Komfort sein. Wenn also Ihr Bürostuhl ok ist und die übrigen Büromöbel hässlich, oder wenn sich der Stuhl gut sitzt, aber furchtbar aussieht und den Raum eines mittelgroßen Elefanten einnimmt, fühlen Sie sich nicht wohl, Sie sind nicht sonderlich glücklich und können folglich nicht so gut arbeiten.

(smow)blog: Sie haben heute auch davon gesprochen, dass für Sie viele moderne Produkte auf historischen Standards basieren. Heißt das demzufolge, dass Standards die Kreativität behindern?

Timo de Rijk: Es ist sehr schwer, mit Konventionen zu brechen; nicht nur, weil das Publikum diese Konventionen erwartet. Deshalb ist man als Designer immer eingeschränkt. Man muss sich seiner Grenzen aber bewusst sein, um mit ihnen spielen zu können. Wenn man sich als Designer seiner Grenzen nicht bewusst ist, scheitert man. Wenn man sich ihrer jedoch bewusst ist und versucht, sie auf subtile und intelligente Weise zu ändern, kann man nur Erfolg haben.

(smow)blog: Zu Beginn Ihrer Rede erwähnten Sie Einwegrasierer und am Ende kamen Sie auf Apple und iTunes. Kann man sagen, dass der iTunes Store der Einwegrasierer des 21. Jahrhunderts ist?

Timo de Rijk: Ich will einen Song nicht unbedingt als Einwegprodukt bezeichnen; ich sehe da allerdings eine enge Verbindung zwischen Herstellern, die sich dessen bewusst sind, dass ihr Produkt an Wert gewinnt, wenn etwas mit ihm verbunden ist. Zum Beispiel beim Kauf eines neuen Autos: Ein Auto ist so designt, dass man immer wieder zum Kaufort zurückkehren muss, wenn etwas repariert werden muss. In modernen Autos gibt es jede Menge Elektronik, die man nicht mehr selbst reparieren kann. Ein Auto ist also dazu designt, nach seinem Verkauf Dienstleistungen zu verkaufen.

(smow)blog: Das bringt uns zu Ihrer Arbeit in Delft, “Beyond Design”: Sie beschäftigen sich eher mit solchen Situationen als den reinen Produkten per se.

Timo de Rijk: Genau. Stellen Sie sich ein Auto vor, das nicht auseinander fällt, aber regelmäßig gewartet werden muss. Ein solches Produkt schafft Arbeitsplätze und Einkommen, muss aber nicht ersetzt werden, so dass wir weniger Stahl benutzen. Solche Dinge, die in Bezug auf Nachhaltigkeit und soziale Stabilität für die Gesellschaft wichtig sein könnten, diskutieren wir in Delft.

Norm Form Standardisation and Design Timo de Rijk
Norm Form Standardisation and Design Timo de Rijk

Norm=Form, über Standardisierung und Design in Leipzig



Designers’ Open Leipzig 2011

Saturday, October 29th, 2011

Wir fühlen uns momentan schon fast wie in Mailand angesichts der unglaublich vielen parallelen Ausstellungen, Messen und Veranstaltungen.

Nach der Dutch Design Week und der Qubique hat nun auch die Designers’ Open Leipzig 2011 ihre Tore geöffnet.

Und das schönste an den Designers’ Open ist, dass wir zwischendurch ins Büro zum Bloggen gehen können.

Der Umzug in die Baumwollspinnerei ist zumindest aus Besuchersicht ein voller Erfolg. Das Ambiente der Halle 14 setzt die Messe großartig in Szene. Wir sind gespannt ob die DO nach den Jahren als Nomadenfestival mit wechselnden Locations jetzt in Plagwitz sesshaft wird.

Wie schon im letzten Jahr finden die Designers’ Open 2011 als drei Events in einem statt: DO/Market und DO/Industry in der Baumwollspinnerei und DO/Spots in der Stadt verteilt.

DO/Market umfasst die größte Fläche mit Produkt- und Modesignern oder Kunsthandwerkern, die ihre Arbeiten entweder direkt verkaufen wollen oder auf der Suche nach Herstellern und Händlern sind.

DO/Industry ist der B2B-Bereich. Dieser in seinen Ausstellungsobjekten und -projekten konzeptionellere und theoretischere  Teil widmet sich 2011 dem Thema “smart materials – new design”.

Die DO/Spots sind Nebenveranstaltungen, die hauptsächlich in den Ateliers von Leipziger Designern stattfinden.

Die Designers’ Open Leipzig 2011 laufen bis Sonntag, den 30. Oktober. Details zum Programm und zu den Ausstellern gibt es unter http://designersopen.de

Berichte und Interviews von den Designers’ Open 2011 gibt es hier in den nächsten Tagen.

Designers Open

Designers' Open 2011 in der Baumwollspinnerei Leipzig - ein Lichtblick in Plagwitz

Designers Open

Designers' Open 2011 DO/Market

Designers Open

Designers' Open 2011 DO/Market

Designers Open

Designers' Open 2011 DO/Industry



Design Miami/Basel 2011: Asif Khan

Wednesday, July 20th, 2011

Mit am besten gefallen hat uns auf der Design Miami/Basel 2011 die Installation “Cloud” des Londoner Architekten Asif Khan, der auch einer der Gewinner des W-Hotel Future Awards 2011 ist.

Cloud kann ganz primitiv als schwebender Schaum beschrieben werden. Aber wie bei jedem guten Design versteckt Cloud sein wahres Genie hinter eine Fassade aus primitiver Einfachheit.

Cloud funktioniert mit einer Mischung aus Helium, Wasser und Schaum um unregelmäßige Formen entstehen zu lassen, die nach oben aufsteigen und in einem Netz aufgefangen werden. Die Ansammlung der künstlichen Wolken bildet eine große Wolke, die einen Raum voller Schattierungen bildet. Fast so wie eine Wolke.

Wir haben eigentlich auch ein nettes animiertes .gif dazu – konnten es allerdings nicht in den Post einbinden :( Schaut Euch diese Lücke an!

Um mehr über das Projekt und den W Hostels Designer of the Future Award zu erfahren, haben wir kurz mit Asif Khan gesprochen.

(smow)blog: Beginnen wir am Anfang, was ist der Hintergrund zu Cloud?

Asif Khan: Das Projekt ist meine Antwort auf die Aufgabenstellung “Conversation Pieces” der W Hotels. Ich wollte ein Experiment schaffen, das die Grenzen von Architektur erforscht, ich wollte einen sehr einfachen, schattigen Raum – wie einen Baldachin unter einem Baum – kreiieren, der aber die Geschichte, Textur und Lichtverhältnisse von Wolken hat. So haben wir Wolken aus Helium, Seife und Wasser geschaffen. Das sind ganz einfache Materialien, die aber einen Raum und eine Art architektoniches Ökosystem schaffen, das Menschen einlädt einzutauchen.

(smow)blog: Hast Du lange an dem Projekt gearbeitet? Wie lange hat die Entwicklung gedauert?

Asif Khan: Es hat angefangen, als ich mit meinem Sohn im Bad gespielt habe. Da habe ich gemerkt, dass Schaum ein wunderbar formbares und skulpturbildendes Material ist und so habe ich angefangen, diese Materialsprache zu erfoschen. Das Ganze in eine Wolke übersetzt haben wir es aber erst speziell für dieses Projekt. Die Planung dafür hat im Januar begonnen, die richtige Arbeit dann im April, Mai.

(smow)blog: Willst Du die Idee weiterentwickeln?

Asif Khan: Ja, auf der einen Seite ist es ein eigenständiges Designobjekt, andererseits aber auch ein Prototyp für eine neue Art von Architektur, die wir vielleicht in irgendeiner Weise in der Zukunft sehen werden.

(smow)blog: Du bist hier in Basel als einer der Gewinner des 2011 W Hotels Designers of the Future Awards. Was bedeutet das für Dich?

Asif Khan: Das ist ein echtes Privileg. Es ist wirklich toll in diese Umgebung katapultiert zu werden unter all die anderen fantastischen Designer und empfohlen worden zu sein von Design Miami. Für mich ist es eine Plattform, aber auch ein Platz, von dem aus wir das nächste Level anstreben. Man wird gepusht und das ist toll.

(smow)blog: Und in diesem Sinne, was können wir in der nächsten Zukunft erwarten?

Asif Khan: Ich gestalte ein Restaurant namens Elliot´s im Borough Market London, das in ein paar Wochen eröffnet. Des Weiteren gestalte ich im Auftrag des British Council und der Royal Academy of Arts einen Pavillion für das Architekturfestival ArchiFest im Herbst in Singapur. In Bezug auf Produkte arbeite ich an Klassenraummöbeln mit Magis zusammen und gerade habe ich eine Lampe mit Danese veröffentlicht. Man sieht also, dass ich in allen Bereichen arbeite und es sind auch einige große, verrückte Sachen für nächstes Jahr in Arbeit. Mehr dazu aber später.

(smow)blog: Und die letzte Frage: Wird es möglich sein Cloud auch anderswo zu sehen? Oder ist es ein One-Off Stück für Design Miami/Basel?

Asif Khan: Wir wollen versuchen es in London zu zeigen. Bislang hatten wir auch eine Menge Angebote von Besuchern, die es rund um den Globus zeigen wollen. Deshalb, denke ich, wird es viele andere Gelegenheiten geben es zu sehen.

Cloud by Asif Khan @ Design Miami Basel 2011

Cloud von Asif Khan @ Design Miami/Basel 2011

Lift off.....

Aufsteigen.....

... there she goes ....

... da fliegt sie ....

... and so grows the cloud!

... und so wächst die Wolke!



Belgrade Design Week: Martin Žampach designeast.eu

Thursday, June 16th, 2011

Leider mussten wir wegen anderer Verpflichtungen die Belgrade Design Week wieder aus unserem Terminkalender streichen – und sind richtig traurig.

Es sollte unser erster Besuch in Belgrad sein und wir hatten so viel Gutes über die Stadt gehört, dass wir uns richtig darauf gefreut haben.

Neben einer Reihe interessanter Vorträge und Gesprächen mit Arik Levy, Stefan Diez oder Dieter “YELLO” Meier als Teil des offziellen Programmes der Design Week, hatten wir uns auch vom parallel veranstalteten Mikser Festival einige interessante neue Entdeckungen und Eindrücke von Ländern, deren Designer wir normalerweise nicht zu sehen bekommen, versprochen.

Wie gesagt: Wir sind traurig!

Um uns wieder ein bisschen aufzumuntern, haben wir mit Martin Žampach gesprochen, dem Gründer und Herausgeber von designeast.eu. Der Designblog behandelt junges, zeitgenössisches Design in Ost- und Zentraleuropa und ist wahrscheinlich die beste Informationsquelle für Design aus dieser Region.

Martin war natürlich auf der Design Week.

(smow)blog: Was hat designeast für einen Hintergrund? Woher kam die Idee?

Martin Žampach: Die Idee kam mir, als ich im Internet erfolglos nach verständlichen Informationen zur Designszene in Osteuropa gesucht habe – also verständlich im Sinne von englisch, denn ich spreche kein bulgarisch oder polnisch. Also habe ich angefangen Informationen zu sammeln und sie in englisch zu veröffentlichen, sodass auch andere Interessierte erfahren können, was in Osteuropa läuft.

(smow)blog: In welcher Rolle sehen Sie designeast?

Martin Žampach: Der Blog soll zeigen, dass hier sehr gute, talentierte Designer in verschiedenen Spezialgebieten arbeiten. Design Blogs sind oft einseitig auf westliches Design ausgerichtet, obwohl es auch in Osteuropa eine Menge zu entdecken gibt. Das wollen wir beweisen.

(smow)blog: Sie sind selbst Designer. Gibt es einen Markt für Designer in den Ländern Osteuropas?

Martin Žampach: Der Markt in Tschechien z.B. ist sehr klein. Deshalb schaue ich auch nach Projekten außerhalb des Landes. Kürzlich habe ich mit einem Unternehmen in Indien an einer Glaskollektion gearbeitet. Außerdem entwerfe ich Produkte für meine eigene Kollektion, die meisten meiner Glasartikel werden von unserem kleinen Familienbetrieb Atelier Žampach in der Tschechischen Republik hergestellt. Vermarkten möchte ich sie aber auch im Ausland.

(smow)blog: Kommen Kunden oder Käufer auf der Suche nach Designern und Objekten tatsächlich hierher oder muss man selber hinausgehen und sie finden?

Martin Žampach: Gelegentlich besuchen Leute die lokalen Veranstaltungen um neue Ideen zu sehen, aber generell geht man besser nach Mailand oder London um die Arbeiten zu zeigen und Kunden zu werben.

(smow)blog: Wollen Sie sich in Zukunft mehr auf designeast oder Ihre eigenen Arbeiten konzentrieren?

Martin Žampach: Ich will weiter an designeast arbeiten. Ich glaube an das Projekt und die Designer in Mittel- und Osteuropa verdienen mehr Öffentlichkeit. Aber ich muss mich auch mehr auf meine eigene Designkarriere konzentrieren. Ich weiß nicht, wo es sich hin entwickeln wird, aber idealerweise können wir mit designeast mehr einnehmen und ein paar Leute einstellen, sodass ich wieder mehr entwerfen kann.



Auch Kinder haben Geschmack

Monday, February 28th, 2011

Wir brauchen Ihnen ja nicht mehr erzählen, welchen Anklang unsere Kinder-Designermöbel in den Zimmern unserer Blagen Kinder finden. Der Panton Junior, der Eiermann-Kinderschreibtisch, der Max in the Box – all das wurde bereits erfolgreich vom Nachwuchs des (smow)Blog-Teams getestet und für gut befunden. Der

Panton Chair Junior

Panton Junior ist schnell zum Lieblingsmöbel avanciert – da soll doch nochmal einer sagen, Kinder haben keinen Geschmack! Im Gegenteil. Und was die Kleidung angeht, sind unsere Kinder auch recht wählerisch. Zu Recht!

Panton Chair Junior

Was Ikea für Möbel, ist H&M für Kleidung. Sicher findet man dort Basics und kann sich auch ganz gut einrichten bzw. kleiden, aber wer das besondere sucht, landet früher oder später in Designerläden oder kleinen Boutiquen. Das gilt für Möbel wie für (Kinder-) Kleidung. Wer schon mal die eine Saison getragenen H&M Klamotten an ein befreundetes Kind weitergeben wollte, weiß, wovon wir reden: Die Sachen sehen aus, als wären sie fünf Jahre alt und von ebensovielen Kindern bereits getragen. Zum Glück finden sich auch in Online-Boutiquen schöne Alternativen – auch wunderbar nach Farben sortiert, sodass bei Kinderkleidung ganz passend zum Panton Junior kombiniert werden kann ;)



Stockholm Design Week: 20 designers at BIOLOGISKA

Thursday, February 24th, 2011

Auch wenn wir uns wiederholen: Einer der besten Gründe eine Design Week zu besuchen, ist für uns nach wie vor die Tatsache, dass man so an Orte kommt, die man sonst wahrscheinlich nie sehen würde.

Wir hatten so schon ein paar tolle Erlebnisse, aber nur wenige toppen die 20 designers at BIOLOGISKA Ausstellung.

Offiziell ist das Biologiska ein Naturkundemuseum.

Offiziell.

Angelehnt an den Stil einer traditionellen, norwegischen Stabkirche lässt das idyllische, aber unaufdringliche Außengelände den Besucher wirklich nicht einmal erahnen, was ihn im Inneren erwartet.

Doch dann, wenn man auf einer wundersamen Holztreppe nach oben steigt, gelangt man langsam in ein Königreich der Tiere…

… in einem 360 Grad Diorama eröffnet sich dem Besucher eine Welt, die Tiere – sie sind ausgestopft – in ihrer natürlichen Umgebung zeigt. Und darin verstreut sind Einrichtungsgegenstände aus Holz und Messing.

Einfach fantastisch.

Wir sind keine großen Freunde der Taxidermie – wirklich nicht – aber darum geht es im Biologiska auch überhaupt nicht.

Es geht um die Installation.

Für die Stockholm Design Week haben die Designer Fredrik Färg und Emma Marga Blanche diese Installation um die Arbeiten von 20 jungen Designern erweitert.

Die Arbeiten wurden dem bestehenden Raum des Biologiskas dabei nicht einfach aufgesetzt, sondern auf spielerische Weise in das Diorama integriert.

Für manch einen mag das die Objekte zu sehr in einem Kunst-Kontext und weniger in ihrer eigentlichen Eigenschaft als Produkt stehen lassen. Aber wir sind nicht so hochnäsig und grunsätzlich aufgeschlossen gegenüber allem, was die Auseinandersetzung mit Design zu einem leichten und unterhaltsamen Vergnügen macht.

Und das haben Fredrik Färg und Emma Marga Blanche mit 20 designers at BIOLOGISKA definitiv geschafft.

In den nächsten ein bis zwei Wochen werden wir uns noch näher mit dem ein oder anderen Objekt beschäftigen – und für den Moment gibt es einige Fotos.

20 designers at BIOLOGISKA lief leider nur bis zum 12. Februar – aber ein Besuch im Biologiska ist auch so noch eine lohnenswerte Sache.

BIOLOGISKA Stockholm

BIOLOGISKA Stockholm

Inside BIOLOGISKA

Im BIOLOGISKA - die beste Location der Stockholm Design Week

MWC by Florian Hauswirth at 20 designers at Biologiska

MWC von Florian Hauswirth bei der 20 designers at Biologiska

One for the birds: Lift by Mark Braun, 20 Designers at Biologiska

Einer für die Vögel: Lift von Mark Braun, 20 designers at Biologiska

Succession by 20 Designers at Biologiska co-curator Fredrik Farg

20 designers at Biologiska Co-Kurator Fredrik Farg