Archive for the ‘(smow)offline’ Category

(smow)offline: “gute aussichten - junge deutsche fotografie” Georg Brückmann

Monday, August 2nd, 2010
Eames Lounge Chair by George Bruckmann. A delightful combination of paiting, photography and mind games.

Eames Lounge Chair von Georg Brückmann. Eine wunderbare Kombination aus Malerei, Fotografie und Gedankenspielchen.

Illegale Kopien von Designklassikern sind ein Thema, das uns nicht nur hier im (smow)Blog sondern generell im globalen (smow)Netzwerk immer wieder beschäftigt.

Oder besser gesagt, wann ist ein Designklassiker ein Designklassiker?

Beim HGB Rundgang in Leipzig im Februar wurden wir mit einer unerwarteteten und ungewöhnlichen Interpretation dieser Frage in Form des “Eames Lounge Chair” von Georg Brückmann konfrontiert.

Wir waren begeistert.

Und nicht nur wir waren beeindruckt von Brückmanns Arbeit. Im Oktober 2009 wurde seine Serie “in situ” für eine der wichtigsten und angesehensten deutschen Fotografie-Ausstellungen: “gute aussichten - junge deutsche fotografie” 2009/2010 ausgewählt.

Nach 10 Monaten und 6 Stationen in 3 Ländern, öffnet die letzte “gute aussichten” Ausstellung der 2009/2010 Tour am Donnerstag, dem 29. Juli im Art Foyer DZ Bank in Frankfurt am Main.

Bis zum 11. September können Besucher die Arbeiten von Georg Brückmann und den sieben anderen Künstlern, die aus 91 Bewerbungen von 33 deutschen Hochschulen ausgewählt wurden, anschauen.

Im Vorfeld der Ausstellungseröffnung haben wir Georg Brückmann in seinem Atelier in Leipzig-Lindenau getroffen. Und sind auch gleich zu Beginn in einen dicken Fettnapf getreten.

Wie alle Formen von “Design” bauen auch die bildenden Künste auf Innovation und neuen Ideen wenn sie überleben wollen.

Wir dachten, Brückmann malt auf Fotos.

Tut er nicht.

Still life with beer by George Brückmann. The objects are real, have been painted and then photographed

Stillleben mit Bier von Georg Brückmann. Die Objekte sind real, wurden angemalt und dann fotografiert.

Ursprünglich bemalte er die Objekte, überzog sie mit der gleichen Farbe und fotografierte sie anschließend. So hat er wunderbare, undurchsichtige, voluminöse Szenen irgendwo zwischen Realität, Malerei und Fotografie geschaffen.

Dann ging er dazu über, Objekte anzumalen, die im Bewusstsein des Betrachters dann in andere Objekte weitergesponnen werden, bevor er sich mit dem Thema Designklassiker bzw. der Beziehung zwischen Designklassikern und Nicht-Designklassikern auseinandersetzte.

Wir wollen den Reiz der Arbeiten nicht zerstören, indem wir den Entstehungsprozess verraten. Aber Georg Brückmann malt Designmöbelklassiker so, dass durch die Komposition des endgültigen Fotos “normale” Objekte in Kultmöbel verwandelt erscheinen.

Die Bilder der Stühle an sich sind nicht sonderlich akkurat, die Proportionen und Formen weichen oft von den Originalen ab. Aber das spielt keine Rolle. Man erkennt sie dennoch, findet sie attraktiv, gibt ihnen einen Wert - einen Wert, der auch die rauen und rudimentären Kulissen scheinbar veredelt.

Brückmanns Arbeit befasst sich mit der “imaginären Erweiterung” von einem Objekt in ein anderes. Das erreichen die Werke durch das Zusammenspiel von Perspektive, Kontext, Kunst und der Wahrnehmung des Betrachters. Sei es ein Pappkarton der zu einem Liegestuhl wird oder eine schlichte Gartenliege die Le Corbusiers LC 4 Chaiselongue wird.

Charles und Ray Eames’ Lounge Chair, der F 51 von Walter Gropius und Mies van der Rohes Barcelona Chair sind nur drei der Designklassiker, die Brückmann reinterpretiert hat… Oder besser gesagt, die er erweitert oder aufgewertet hat von weniger wertvollen Alltagsgegenständen zu Designklassikern die wir alle kennen.

In Brückmanns Worten: “Hier wird der Gegenstand zu dem, was er hätte werden können, was er sein könnte, sein wollte oder gar sollte.”

Unser Interview mit Georg Brückmann über seine Arbeit, gute ausichten und seine Zukunft gibt es auf den (smow)Kulturseiten.

Die Ausstellung “gute aussichten - junge deutsche fotografie 2009/2010” ist bis zum 11. September im Art Foyer DZ Bank in Frankfurt am Main zu sehen.

Le Corbusier LC 4 by George Brückmann

Le Corbusier LC 4 von Georg Brückmann

(smow)offline: Design? Kunst?

Tuesday, July 13th, 2010

Jeder, der schon mal mit einem älteren Verwandten in einer Kunstgalerie war, kennt diesen Satz: “Das könnte ich auch!!”

Ein Satz, dem normalerweise die Frage folgt: “Ist das wirklich Kunst?”

Unter den Möbeldesign Philosophen, einer elitären Gruppe, zu der wir denken, dass wir dazu gehören, kommt die parallele Frage auf: “Ist das wirklich Design?”

Frank Schreiner: Consumers Rest.

Consumers Rest von Frank Schreiner: Design? Kunst?

Wir treffen regelmäßig auf “Konzeptstücke” welche ehrlicherweise Kunst sind.

Sie werden vielleicht als Designermöbel vermarktet.

Sind aber trotzdem Kunst.

Auch wenn wir als Expertern den Unterschied sofort erkennen, kann es für den Laien schwer werden.

Das Grundproblem ist eigentlich die verwaschene Grenze zwischen Kunst und Design.

Gewiss hat die aktuelle Vitra Design Museum Ausstellung “Die Essenz der Dinge. Design und Kunst der Reduktion.” auch ein paar Kunststücke, welche sich zwischen die Designermöbeln mogeln.

Dankbarerweise haben wir trotzdem in der Vergangenheit Design in Designstudios und Kunst in Kunstgalerien gefunden, bei denen klar ist, was es ist.

Throwzini aus dem Berliner / Münchener Design Studio Adam und Harborth für Konstantin Slawinski ist Design.

Untitled vom Leipziger Marco Voss ist Kunst.

Behalte die beiden im Gedächtnis und die Verwirrung wird für immer vergessen sein.

Aber: Erwarte nicht von deiner Großmutter es jemals zu verstehen.

Throwzini von Adam und Haborth

Throwzini by Adam and Harborth

Design

Design

Untitled by Marco Voss

Untitled von Marco Voss

Art

Kunst

(smow)offline: Charlotte Perriand in der Schweiz

Thursday, July 1st, 2010
Charlotte Perriand with Le Corbusier und Pierre Jeanneret

Charlotte Perriand mit Le Corbusier und Pierre Jeanneret

Wahrscheinlich ist die Pariser Architektin und Designerin am besten für ihre Kooperationen mit Le Corbusier bekannt, mit dem sie zusammen die moderne Bewegung in Europa voran getrieben hat. Nicht zuletzt ist Charlotte Perriand für die Umsetzung der modernen Möbelideen von Le Corbusier verantwortlich und hat somit die Tradition von minimalem gebogenem verchromten Stahl und Ledermöbeln mitbegründet.

Die bekanntesten Werke ihrer Zusammenarbeit sind die von Cassina produzierten LC4 Chaiselongue, LC2 Sessel und der LC7 Drehstuhl welche Le Corbusier, Pierre Jeanneret und Charlotte Perriand ehemals für ihr “Maison la Roche” in Paris kreiert haben.

Die Kollaboration zwischen Charlotte Perriand und Le Corbusier war jedoch nur eine Station im Leben und der Karriere. Es folgten Zusammenarbeiten mit Fernand Leger und Jean Prouvé sowie Stationen in Moskau, Japan, Vietnam und Brasilien.

LC4 by Charlotte Perriand Le Corbusier and Pierre Jeanneret through Cassina

LC4 von Charlotte Perriand, Le Corbusier und Pierre Jeanneret hergestellt von Cassina

Ihre Zeit in Brasilien wird in einer Ausstellung im Gewerbemuseum in Winterthur zum Thema gemacht. Eröffnung ist am 4. Juli.

“Charlotte Perriand und ihre Spuren in Brasilien” wurde einer Wohnung gewidmet, welche Sie Anfang der 60er Jahre in Rio de Janeiro designt und gebaut hat. Die Kuratoren der Ausstellung haben die Wohnung im Maßstab 1:2 nachgebaut um so Charlotte Perriands Herangehensweise an Arbeit und Design zu ergründen.

Am 16. Juli eröffnet das Museum für Gestaltung, Zürich die Ausstellung “Charlotte Perriand: Designer, Photographer, Activist”. Die Ausstellung fokussiert sich mehr auf das Möbeldesign, die Fotografie und das soziale Engagement von Charlotte Perriand.

Zusammen bieten die Ausstellungen eine seltene Chance mehr über die wenigen Frauen zu erfahren, die sich in dieser hierarchischen Männerdomäne etabliert haben. Das Frauenwahlrecht wurde erst 1944 in Frankreich eingeführt - zu dieser Zeit hatte Charlotte Perriand, sowie die Pariserin Eileen Gray sich bereits einen Namen gemacht und einen entscheidenden Teil zur Moderne beigetragen.

“Charlotte Perriand und ihre Spuren in Brasilien” ist im Gewerbemuseum Winterthur vom 4. Juli bis zum 22. August zu sehen.

Charlotte Perriand Designer, Photographer, Activist ist im Museum für Gestaltung in Zürich vom 16. Juli bis zum 24. Oktober zu besichtigen.

Und die beiden Museen sind nur 25 KM von einander entfernt - also ein schöner Tagesausflug an einem Feiertag.

(smow) offline: Gewinnen Sie einen Vitra Organic Chair

Tuesday, June 22nd, 2010

Organic Chair von Charles Eames und Eero Saarinen für Vitra

Es ist vielleicht nicht das bekannteste Werk, weder von Charles Eames‘ noch von Eero Saarinen, nichtsdestotrotz ist der “Conversation Chair” von 1940 ohne Zweifel ein wichtiges Stück des Möbeldesigns aus dem 20ten Jahrhundert.

Der Stuhl wurde für den “Organic Design in Home Furnishing” Wettbewerb des New York Museum of Modern Art designt. Er war eine Studie und einer der ersten Versuche mit formbarem Kunststoff von Eames und Saarinen.

Zu dieser Zeit war die Technologie aber einfach noch nicht ausgereift und die Ideen von Charles Eames und Eero Saarinen konnten erst zehn Jahre später umgesetzt werden: Charles Eames mit den Glasfaser/Kunststoff-Sesseln für Herman Miller und Eero Saarinen mit demTulpen Stuhl für Knoll.

Tulip chair by Eero Saarinen for Knoll

Tulpen Stuhl von Eero Saarinen für Knoll

Der Vollständigkeit halber sollten wir auch noch George Nelson’s Swag Leg Chair erwähnen. Das Design und die Technologie basiert stark auf der des Conversation Chair.

Zurzeit wird der Stuhl von Vitra als “Organic Chair” verkauft. Der Stuhl von Eames und Saarinen bleibt ein selbstbewusster Klassiker, der in alle privaten und geschäftlichen Räume passt.

Und Sie können einen gewinnen.

Das Designer Möbel Verkäufer Netzwerk “Creative Inneneinrichter” - zu welchem (smow) gehört - stellt einen “Organic Chair” als Hauptpreis ihres “Mein Weg ins VitraHaus” Wettbewerbs zur Verfügung.

Der zweite Preis ist ein Vegetal von Ronan and Erwan Bouroullec und der dritte Preis ist ein Panton Chair.

Die Regeln sind denkbar einfach: Dokumentieren Sie ihre Reise zum VitraHaus; der einfallsreichste, originellste und kreativste Beitrag gewinnt.

Also egal ob Sie mit einem Fallschirm auf dem VitraHaus landen wollen, oder die Alpen im Hannibalstyle auf Elefanten überqueren wollen, registrieren Sie sich einfach auf der Creative Inneneinrichter Website und laden Sie ihre Fotos/Videos/Zertifikate hoch.

Details finden Sie unter “Mein Weg ins VitraHaus

Although Jasper Morrison built a bus stop next to teh VitraHaus - travelling by bus probabyl wont win you the Organic Chair

Auch wenn Jasper Morrison eine Bushaltestelle neben dem VitraHaus gebaut hat, eine Busreise wird wohl nicht für den ersten Platz reichen.

(smow)offline: Panton by Vitra im Wasserschloss Klaffenbach

Monday, May 31st, 2010
Verner Panton

Verner Panton

Verner Panton hat in seiner Karriere mit vielen Designermöbelherstellern zusammengearbeitet. Sein Name wird allerdings zumeist mit Vitra verbunden.

Nicht zuletzt wegen seines wegweisenden Panton Chairs.

Die Ausstellung “Panton by Vitra” im Wasserschloss Klaffenbach in Chemnitz bietet Besuchern einen Einblick in das Leben und Arbeiten eines der wichtigsten und einflussreichsten Nachkriegsdesigner aus Europa.

Panton by Vitra im Wasserschloss Klaffenbach, Chemnitz

Panton by Vitra im Wasserschloss Klaffenbach, Chemnitz (Foto: Heiko Hillig)

Als Verner Panton noch Student war, arbeitete er in Arne Jacobsens Büro und war an der frühen Entwicklung des Ant Chairs beteiligt. Nach dem Abschluss seines Studium ging Verner Panton seinen eigenen Weg mit Zwischenstopps in Norwegen, Tenerifa und Frankreich. 1963 zog Verner Panton nach Basel und hat dort nicht nur ein neues Zuhause, sondern mit Vitra auch einen Hersteller für seinen Panton Chair gefunden.

Eine fruchtbare Kooperation für beide Seiten.

Verner Panton hatte bereits Mitte der 50er Jahre mit der Entwicklung des Panton Chairs begonnen, konnte aber niemanden davon überzeugen den Stuhl zu produzieren. Für Vitra war der Panton Chair das erste Projekt bei dem Sie zusammen mit dem Designer an der Entwicklung des Produkts gearbeitet haben. Diese neue Herangehensweise definierte den Start des Unternehmens.

Panton by Vitra im Wasserschloss Klaffenbach -Eröffnungsveranstaltung (photo: Heiko Hillig)

Panton by Vitra im Wasserschloss Klaffenbach - Panton Chair und Living Tower (Foto: Heiko Hillig)

Das Verhältnis von Verner Panton zu Vitra entwickelte sich mit der Zeit vom rein geschäftlichen hin zum privaten. Verner Panton gestaltete in den späten 60er Jahren das Interieur der Baseler Wohnung des Vitra Vorsitzenden Rolf Fehlbaum - jeder Raum wurde mit einer anderen Farbe gestaltet und möbliert.

Mit verschiedenen Werken und Fotografien erklärt “Panton by Vitra” den Hintergrund zu den wichtigsten Kollaborationen zwischen Verner Panton und Vitra und erweckt den Designer und die Zusammenarbeit zum Leben.

Ein sprichwörtlicher Höhepunkt - besonders für Kinder - von “Panton by Vitra” ist das erkletterbare Wohnzimmer.

“Panton by Vitra” im Wasserschloss Klaffenbach ist bis zum 20. Juni geöffnet.

Wasserschloß Klaffenbach
Wasserschloßweg 6
09123 Chemnitz
+49 (0)371 26635-0

(smow)offline: Herbert Hirche, Strahlend Grau

Tuesday, May 25th, 2010
Strahlend Grau Herbert Hirche Exhibition, Museum der Dinge Berlin

Strahlend Grau Herbert Hirche Ausstellung, Museum der Dinge Berlin

Weil sich unser Artikel über den neuen London Bus aufgrund einer gebrochenen Wasserleitung verspätet, haben wir uns entschieden, stattdessen den Eindruck eines typischen Nutzers der London Busse wieder zu geben.

“Typisch. Man wartet stundenlang, und dann kommen zwei auf einmal. Schuld an alledem ist Ken Livingstone!”

Noch vor der Eröffnung der Retrospektive von Dieter Rams mit dem Titel “Less and More: Das design ethos von Dieter Rams“, besuchten wir die Eröffnung einer zweiten Ausstellung, die sich dem Leben und dem Werk eines früheren Designers aus dem Hause Braun widmet.

Die Ausstellung “Strahlend Grau” über Herbert Hirche im Werkbundarchiv Berlin ist eine wunderbar kompakte Übersicht über einen Designer, der neben seiner relativen Unbekanntheit doch ebenso wichtig wie Dieter Rams, Egon Eiermann oder Ludwig Mies van der Rohe ist - um nur drei der großen Altmeister des Deutschen Designs zu nennen, mit denen Herbert Hirche zusammen arbeitete.

Und es ist ein passender Anlass um Herbert Hirches 100. Geburtstag zu feiern.

Geboren in Görlitz am 20. Mai 1910, studierte Herbert Hirche an der Bauhaus Universität in Dessau und Berlin. Nach der Schließung der Institution im Jahre 1933 schloss er sich dem Team seines früheren Professors Ludwig Mies van der Rohe an und blieb dort bis Mies van der Rohe 1938 in die USA floh. Nach einem Jahr als Freelancer arbeitete er schließlich in Egon Eiermanns Büro bis Eiermann Berlin 1945 wegen der nahenden Roten Armee verließ.

Strahlend Grau: Herbert Hirche on the roof of Bauhaus Dessau, 1932

Strahlend Grau: Herbert Hirche auf dem Dach des Bauhaus Dessau, 1932

Einen Arbeitgeber an ein totalitäres Regime zu verlieren ist Unglück - zwei zu verlieren erscheint wie ein Fluch.

In den Nachkriegsjahren war Herbert Hirche stark am Wiederaufbau Berlins beteiligt. Daneben lehrte er erst an der Hochschule für angewandte Kunst in Berlin-Weißensee und anschließend an der staatlichen Akademie für bildende Künste in Stuttgart, wo er auch als Rektor von 1969 bis 1971 tätig war.

Kuratiert von Nicola von Albrecht, präsentiert “Strahlend Grau” eine chronologische Reise durch Herbert Hirches Leben, wunderbar illustriert mit Original Briefen, Dokumenten und Fotografien. Eines der Highlights war für uns ein Brief von Egon Eiermann, der bescheinigte, dass Hirche in seinem Büro anheuern dürfe - kleine Dinge, die das sonst so abstrakte Bild über das Leben eines anderen zum … Leben erwecken.

Strahlend Grau Herbert Hirche's contribution for the exhibition Interbau Berlin, 1957

Strahlend Grau Herbert Hirches Beitrag für die Ausstellung Interbau Berlin, 1957

Und “Strahlend Grau” ist voll mit solchen Momenten.

Überhaupt nicht voll ist die Ausstellung an Möbeln.

Das liegt vor allem daran, dass viele von Herbert Hirches Arbeiten nie den Prototyp-Status überschritten haben und weil sein Erbe meist nur in Papierform vorliegt.

Trotz alledem beinhaltet die Ausstellung vier Werke von Herbert Hirche aus der aktuellen Richard Lampert Kollektion: den Hirche Barwagen, 1953 Lounge Chair, H57 Armchair und den Rattansessel “Santa Lucia”.

Soweit wir wissen, sind dies die einzigen Stücke von Hirche, die derzeit produziert werden. Und dass, obwohl Herbert Hirche für Hersteller wie Knoll, Wilkhahn oder Wilde + Spieth gearbeitet hat.

Richard Lampert war selbst auch vor Ort und erzählte uns, wie er auf Herbert Hirche aufmerksam wurde - glücklicherweise nicht durch lange Recherchen in staubigen Archiven auf der Suche nach kommerziellen Möglichkeiten von vergessenen Designs.

Nein, Richard Lamperts Einführung in die Arbeiten von Herbert Hirche fand während eines langen Abends in einer geselligen und gar nicht staubigen Umgebung in Stuttgarts legendärem Restaurant “Santa Lucia” statt.  Ein Restaurant, für das Hirche nicht nur einmal, sondern zwei mal das Interior Design konzipierte und für welches er den Rattan Stuhl entwarf.

Anfangs skeptisch, war Richard Lampert doch so beeindruckt von dem Stuhl, dass er am folgenden Tag noch einmal zum Restaurant zurückkehrte um nachzufragen, wo der Stuhl herkäme.

Rattan chair Santa Lucia by Herbert Hirche

Rattan Chair Santa Lucia von Herbert Hirche für Richard Lampert

Und so begann eine wunderbare Beziehung, die schließlich in der Auszeichnung mit dem “Classic Innovation” Award auf der IMM 2010 in Köln für den Relaunch des H57 Armchair mündete.

Solche Anekdoten bringen uns immer zum Schmunzeln, weil sie zeigen, dass gutes und ehrliches Design immer dem aktuellen Hype, Starnamen und großen Marketing-Budgets überlegen sind. Und das gibt uns Hoffnung für die Zukunft.

Herbert Hirche Strahlend Grau: In every drawer a gem

Herbert Hirche: Strahlend Grau

“Strahlend Grau” ist weder eine umfangreiche Ausstellung, noch ist es eine Ausstellung, die passiv betrachtet werden kann. Ein Besuch von “Strahlend Grau” bedeutet aktives Suchen und Bedenken der präsentierten Informationen. Aber der Aufwand ist es wert und es gibt einige wahre Kostbarkeiten zu entdecken.

Und noch wichtiger: es ist eine wunderbare Einführung zu einem Designer, der mehr Ansehen verdient als er momentan bekommt und zu einer Ära des Deutschen Designs, das weit mehr zu bieten hat als viele Leute meinen.

“Strahlend Grau” läuft im Werkbundarchiv – Museum der Dinge, bis 13. September.

Werkbundarchiv – Museum der Dinge
Oranienstraße 25
10999 Berlin

Öffnungszeiten: Fr, Sa, So, Mo 12 - 19 Uhr

www.museumderdinge.de

Strahlend Grau: Herbert Hirche's 1953 lounge chair from Richard Lampert

Strahlend Grau: Herbert Hirches 1953 Lounge Chair von Richard Lampert

(smow)offline: Dieter Rams - Less and More

Thursday, May 20th, 2010
Dieter Rams

Dieter Rams

Vor ein paar Tagen wurden wir vom (smow)Boss gefragt, warum es so scheint, als ob wir wenig arbeiten. Dieter Rams zitierend, antworteten wir mit einem unserer  Lieblingswitze hinsichtlich Design:

“Weniger, aber besser”

“Gutes Design ist ehrlich” antwortete darauf der (smow)Boss mit einer irritierenden Genauigkeit.

“Gutes Design ist unauffällig” murmelten wir vor uns hin, bevor wir aus dem Lager schlichen.

Am kommenden Wochenende wird Dieter Rams´ Retrospektive “Less and More: Das design ethos von Dieter Rams” im Museum für Angewandte Kunst in Frankfurt eröffnet.

Die Retrospektive zeigt 500 Werke aus 5 Jahrzehnten von Dieter Rams und ist somit eine angemessene Hommage an einen Mann, der nicht nur eine der wahren Legenden des Deutschen Designs ist, sondern in vielerlei Hinsicht zu einen der ersten Industriedesigner gezählt werden kann.

Ausgebildet zum Architekten, wurde Dieter Rams als solcher vom deutschen Elektronik-Produzenten Braun angestellt. Relativ schnell wurde Dieter Rams der Design Abteilung zugeordnet: eine Abteilung, die im Wesentlichen nur aus Dieter Rams bestand.

Braun SK 61by Dieter Rams and Hans Gugelot

Braun SK 61von Dieter Rams und Hans Gugelot

Industrie- und Produktdesigner gab es 1955 noch nicht.

In den folgenden vier Jahrzenten half Dieter Rams nicht nur dabei, die Marke Braun zu einem Synonym für exzellentes Design zu machen. Darüber hinaus legte er die Grundsteine für viele der heute vermeintlich innovativen Designs.

Ohne Dieter Rams hätten die Produkte von Apple niemals den Kultstatus erreicht, den sie heute haben.

Braun Ssixtant SM2 by Dieter Rams

Braun Sixtant SM2 von Dieter Rams

Neben der Arbeit für Braun schuf Dieter Rams auch das 606 Universal Regal System für die in London sitzende Firma Vitsoe und lehrte als Professor für Industrie-Design an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg.

Obwohl gelegentlich Stimmen laut werden, die fragen, inwieweit Dieter Rams’ Werke den Veränderungen der Zeit standgehalten haben, gibt es doch eine allgemeine Zustimmung über die Bedeutung seiner Arbeit und seiner Design Philosophie.

Oder, wie Jasper Morrison sagte: “Ich habe lange über die Aussage (Less, but more) nachgedacht und kam zu der Schlussfolgerung, dass dieser Satz wahrer ist, als jede langatmige Diskussion über Design”.

“Less and More: Das design ethos von Dieter Rams” im Museum für Angewandte Kunst in Frankfurt läuft bis 5. September.

Ausführliche Infos befinden sich auf: www.angewandtekunst-frankfurt.de

606 Universal Shelving System by Dieter Rams for Vitsoe

606 Universal Regal System von Dieter Rams für Vitsoe

(smow)offline: Ronan und Erwan Bouroullec - Lianes, Galerie Kreo, Paris

Thursday, April 29th, 2010

Nein, wir kümmern uns nicht um die PR für Ronan und Erwan Bouroullec.

Wir würden gern. Aber wir tun es nicht.

Es ist nur so, dass diese Brüder nicht nur zu den fleißigsten Designern der Gegenwart gehören, sie produzieren Werke, die einfach präsentiert werden müssen.

Aus irgendeinem Grund ist das so.

So wie beispielsweise “Lianes”, eine Lampe, die Teil der neuen Ausstellung in der Pariser Galerie Kreo ist.

Lit clos by Ronan an Erwan Bouroullec, Galerie Kreo

Lit Clos von Ronan und Erwan Bouroullec, Galerie Kreo

Die Galerie Kreo ist mittlerweile zu einer Art “Haute coutoure” Rummelplatz für Ronan und Erwan Bouroullec geworden.

Ronan und Erwan Bouroullecs erste Ausstellung in der Galerie Kreo im Jahr 2001 enthielt Meisterwerke wie “Parasol lumineux” und den Raumteiler “Cabane”. Seitdem präsentierten die Brüder Bouroullec vier weitere Ausstellungen in der Galerie Kreo und zeigten Werke wie z.B. “Lit Clos”, “Paravent” oder “Sofa”.

Das alles waren Werke, die einen wichtigen Schritt in der kreativen und professionellen Entwicklung von Ronan und Erwan Bouroullec darstellten.

Bei solch einer Ausstellung gibt es keinen kommerziellen Druck, sondern nur einen persönlichen Druck, das Objekt so herzustellen, dass es deine Intensionen widerspiegelt.

Die sechste Show in der Galerie Kreo enthält zwei Werke, die uns nicht besonders erregen und eines, das uns erregt.

“Roches” und “Conques” sind für uns dezente Projekte, die aber nicht wirklich neu sind.

“Lianes” dagegen erweckt unsere Aufmerksamkeit.

Lampen, die am Ende eines langen Kabels angebracht werden, sind anscheinend gerade sehr in Mode. Oder sind es, um ehrlich zu sein, schon immer seit Flos die “Mayday” Lampe von Konstantin Grcic herausbrachte.

Unser derzeitiger Favorit in diesem Genre ist “Ray” vom Berliner Design Kollektiv llot llov.

“Lianes” ist im Grunde eine ausgereiftere Variante von Ray, mit dem Vorteil, dass man die Lampe an der Stelle des Kabels positionieren kann, wo man möchte.

Dagegen sitzt Ray entweder auf dem Boden oder wird irgendwo durch Knoten hingehängt. Lianes kann einfach hoch- und runtergezogen werden, bis die gewünschte Höhe erreicht ist.

Hoch hängend für die Ausleuchtung eines ganzen Raumes, genau positioniert zum Lesen oder niedrig hängend für sanfte Hintergrundbeleuchtung.

Und falls man mal seinen Hamster nicht findet, ist Lianes flexibel genug, um auch hinter dem USM Haller Sideboard nachschauen zu können.

Und irgendwie haben wir das Gefühl, wir werden Lianes in Zukunft häufiger sehen.

Für diejenigen, die sich in der Nähe von Paris aufhalten: die Ausstellung von Ronan und Erwan Bouroullec in der Galerie Kreo läuft noch bis 22. Juli.

Galerie kreo

31, rue Dauphine 75006 Paris, Frankreich
Tel. +33 (0)1 53 10 23 00 E.
info@galeriekreo.com

Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 11-19 Uhr

Lianes by Ronan and Erwan Bouroullec in Galerie Kreo

Lianes von Ronan und Erwan Bouroullec in der Galerie Kreo

Lianes by Ronan an Erwan Bouroullec - details

Lianes von Ronan und Erwan Bouroullec - Detail

Lianes by Ronan and Erwan Bouroullec

Lianes von Ronan und Erwan Bouroullec

Lianes by Ronan and Erwan Bouroullec, Galerie Kreo Paris

Lianes von Ronan und Erwan Bouroullec, Galerie Kreo Paris

(smow)offline: “gute aussichten - junge deutsche fotografie 2009/2010″

Thursday, April 29th, 2010
gute aussichten 2009/2010

gute aussichten 2009/2010

Am Donnerstag, dem 29. April eröffnet die Ausstellung “gute aussichten - junge deutsche fotografie 2009/2010” im Haus der Photographie in Hamburg.

gute aussichten wurde 2004 als Platform zur Unterstützung junger, talentierter Fotografen gegründet und hat sich seitdem zu einem der wichtigsten und anerkanntesten zeitgenössischen Fotografiepreise Deutschlands entwickelt.

In diesem Jahr werden die Arbeiten von acht Künstlern ausgestellt: Georg Brückmann (HGB Leipzig); Philipp Dorl (FH Bielefeld); Sonja Kälberer (HGB Leipzig); Ute Klein (Folkwang Hochschule Essen); Ingo Mittelstaedt (HBK Braunschweig); Mona Mönnig (Folkwang Hochschule Essen); Shigeru Takato (KHM Köln) und Anna Simone Wallinger (Lette-Verein Berlin) - und somit ein breites Spektrum der Möglichkeiten moderner Fotografie präsentiert.

Eine besondere Rolle in der gute aussichten 2009/2010 spielen fotografische Illusionen.

Philipp Dorl zum Beispiel, bewegt sich mit seiner Arbeit “…nach Maß, Zahl und Gewicht” zwischen Malerei und Fotografie, zwischen Wahrnehmung und optischer Täuschung und zeigt uns so eine Welt, die uns nur durch ihre Unbekanntheit bekannt vorkommt.

Auf ähnliche Weise nutzt Georg Brückmann in seiner Diplomarbeit “in-situ” eine Art künstlerischer Lizenz um die imaginäre Ergänzung des Sichtbaren zu erforschen. Was im Grunde heißt, Design Klassiker wie den Eames Lounge Chair oder den Barcelona Chair in Fotos ansonsten unspektakulärer Räume zu malen. Das Ergebnis ist eine interessante, provokante “Realität”.

Insgesamt zeigt gute aussichten 2009/2010 104 Bilder, 2 Diaprojektionen, 2 DVDs, 2 Bücher, einen Container und verschiedene Displays.

“gute aussichten - junge deutsche fotografie 2009/2010″ läuft vom 20. April bis 30. Mai im Haus der Photographie, Hamburg.

Detaillierte Informationen gibt es unter http://www.guteaussichten.org

Gropius Sessel by Georg Brückmann (Foto Georg Brückmann, in situ, www.guteaussichten.org)

Gropius Sessel von Georg Brückmann (Foto Georg Brückmann, in situ, www.guteaussichten.org)

(smow)offline: VitraHaus im Frühling

Monday, April 26th, 2010

Wegen der horrenden Hotelpreise, die während der Mailänder Möbelwoche verlangt wurden, hat das (smow)blog Team in Mailand gezeltet.
Und das trotzdem wir letztes Jahr fast ertrunken wären.

Und in diesem Jahr war die Entscheidung ein wahrer Segen.

Während andere durch Eyjafjallajokull am Mailänder Flughafen gefangen waren, machten wir unsere Rückfahrt über Weil am Rhein, Vitra und das VitraHaus.

Was für einen Unterschied das Wetter macht!

Als wir zur Eröffnung des VitraHaus im Februar WEILten, verkündete der Architekt Jacques Herzog hoch und heilig, dass der Schnee und die grauen Wolken die wahre Größe der Konstruktion verdecken.

Nachdem wir das VitraHaus jetzt vor dem strahlend blauen Frühlingshimmel und mit den wunderbaren Kirschblüten gesehen haben, verstehen wir erst richtig, was er meinte.

Aber es ist nicht nur das Äußere. Da wir das Innere des VitraHaus jetzt lebendig mit “echten” Besuchern und nicht nur Journalisten sehen konnten, haben wir das Gebäude noch einmal in einem völlig anderen Kontext erlebt.

Eine Erfahrung die wir nur empfehlen können.

Hier ein paar neue VitraHaus Fotos.

VitraHaus Weil am Rhein; A place to explore designer furniture

VitraHaus Weil am Rhein; Ein Ort zum Designermöbel-Entdecken

by Ronan Bouroullec

VitraHaus, Weil am Rhein


Relaxing at teh foot of teh Tüllinger hill, VitraHaus

Entspannen am Fuße des Tüllinger Hügels, im VitraHaus

VitraHaus Weil am Rhein ...  a home from home

VitraHaus Weil am Rhein ... wie ein zweites Zuhause




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