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Mailand 2011: Stand-Aufbau mit Nils Holger Moormann

Monday, August 29th, 2011

Einmal im Monat fahren wir auf eine Messe. Wir wollen nicht immer – müssen aber. Wir schauen uns Möbel an, denken uns ein paar billige Witze aus, schießen ein paar seltsame Fotos und fahren wieder nach Hause.

Aber was heißt es eigentlich, einen Messestand zu organisieren? Wie wichtig ist die Messepräsenz? Sind unser schlechter Humor und die armseligen Fotos respektlos? Diese und andere Fragen wollten wir beantworten und Moormann beim Aufbau ihres diesjährigen Standes auf der Möbelmesse Mailand helfen. Wobei “helfen” vielleicht zu viel gesagt ist.

The secret plan....

Der geheime Plan...

Die Moormänner hatten vier Tage für den Aufbau geplant. Wir stießen an Tag drei hinzu. Das Außengerüst war, wie man es von Moormann erwartet, eine unkomplizierte Holzkonstruktion, die Wände aus schwarzem Vorhangsstoff und alles war zum Glück bereits an seinem Platz als wir am Sonntag morgen ankamen. Unser Beitrag bestand darin, beim Aufbau des 3,5 x 5 Meter FNP-Regals, das die Rückwand des Standes bildete, zu assistieren.

Das größte Problem für Moormann war aber sowieso nicht der Aufbau des Standes sondern die späte Bestätigung aus Mailand, wie groß der Messestand tatsächlich sein würde. “Wie jedes Jahr waren wir uns im Vorfeld absolut sicher, dass wir einen größeren Stand bekommen würden”, erklärt Nils Holger Moormann. “Und dann kam die Information, dass es doch wieder nur der kleine Stand ist. Das war schon ein Schock.” Zuvor hatte Moormann bereits drei Monate Planung in das Standdesign investiert. Die Bestätigung der Standgröße kam erst zehn Tage vor Veranstaltungsbeginn.

Also zimmerte Nils Holger Moormann höchstpersönlich schnell ein neues Konzept zusammen. “Ich war inspiriert davon, dass alle nur noch Neuigkeiten zeigen. Das ist zwar spannend, aber auch idiotisch, denn Möbel brauchen Zeit. Sie müssen ausdefiniert werden und man muss ganz viel darüber nachdenken. Dieses schnell schnell neu neu machen birgt die Gefahr so zu enden wie die Modebranche mit zwei oder drei oder vier Kollektionen pro Jahr. Das kann es doch nicht sein.”

Typisch Moormann sah die Antwort in Mailand so aus: Auf dem Stand wurden zwölf neue Produkte präsentiert, von denen die meisten allerdings verhüllt waren und erst 2028 fertiggestellt werden. Angeblich. “Ich schaffe unheimlich gern einen Ort mit Humor, an dem man staunen kann und überlegt ‘Meint der das Ernst?’… Das finde ich fast genauso wichtig wie gute Produkte.”

Konrad Lohöfener und Christian Neumeier, die zwei Moormänner, die Nils Holgers Konzept umsetzen durften, arbeiten im wahren Leben als Designer in der Produktentwicklung bei Moormann. Sie beschäftigen sich sozusagen damit, gute Designs in “massenproduzierbare” Möbel umzuwandeln – ein unsichtbarer und wenig glamouröser (aber kritischer) Aspekt der Designmöbelbranche.

In Mailand kreisten Konrads and Christians Gedanken weniger um die nächste Generation von Moormann-Produkten als darum, Moormanns Verkaufsschlager FNP gerade ins rechte Licht zu rücken. An ihrem Blick für Details konnte man sehr schön sehen, was den Homo sapiens ssp. Designer vom Rest der Tierwelt unterscheidet. Ein paar Mal hätten wir gesagt, ok passt. Hat es aber nicht. Und Konrad und Christian haben weiter ausgeglichen bis es wirklich gepasst hat.

Als die Hitze in Messehalle 20 immer unerträglicher wurde – wir dürfen nicht vergessen, dass die Außentemperatur an diesem Tag Anfang April 31 Grad betrug – bestanden die letzten Aufgaben des Tages darin, die Rosie Lamps am FNP zu befestigen und das Firmenlogo an der Vorderseite des Standes anzubringen… Keine leichte Aufgabe in fünf Metern Höhe und nachdem wir bereits viele Stunden Leitern hoch und runter gestiegen waren, Gerüste verschoben und ein 17 m² großes Regal zusammengebaut hatten.

FNP by Axel Kufus from Nils Holger Moormann

Ist es den Aufwand wert?

Nils Holger Moormanns Antwort ist ein lautes Ja. “Für uns ist Mailand wichtig, weil wir hier den Export haben und die Kunden, die wir sonst wahrscheinlich das ganze Jahr über nicht sehen würden, hier treffen.”

Hat Moormann nie in Betracht gezogen, den begrenzten Raum und die Unflexibilität der Messe zurück zu lassen für einen eigenen Platz in der Stadt, bei dem sie mehr Planungssicherheit haben?

Das Nein ist genauso laut. “Jedes Detail des Standkonzeptes ist genau überlegt – auch wenn es sehr einfach aussieht. Alles muss bei uns stimmen. Von daher wäre es tragisch, wenn zu wenig Besucher kommen würden. Hier auf der Messe hat man die Garantie dass viele Besucher und vor allem auch die internationale Presse kommen.”

Nachdem wir nun unseren eigenen Schweiß in das Projekt investiert haben, können wir dem nur zustimmen: Wir wären auch ziemlich enttäuscht wenn der Stand nicht von so vielen Menschen wie möglich gesehen und bewundert werden würde. Und das obwohl wir in keinerlei Hinsicht finanziell am (Miss-)Erfolg des Standes beteiligt sind.

So haben wir uns nach achteinhalb Stunden getaner Arbeit als ehrenamtliche Moormänner vom Stand verabschiedet und auf den Weg in die Stadt gemacht. Ein kaltes Bier hatten wir uns verdient. Oder vier. Im Zug haben wir den Tag noch einmal Revue passieren lassen. Obwohl wir nicht garantieren können, dass unsere Fotos in Zukunft besser oder unsere Witze lustig werden, versprechen wir, dem Aufwand und der Zeit, die in einem solchen Stand stecken, in Zukunft mehr Respekt zu zollen.



(smow) Sommertour 2011: Burg Giebichenstein Halle

Friday, August 19th, 2011

Nachdem wir bereits der Bauhaus Universität Weimar, Fachhochschule Potsdam, Kunsthochschule Berlin-Weißensee und der Universität der Künste Berlin einen Besuch abgestattet hatten, führte uns die letzte Etappe unserer Sommertour 2011 zur Burg Giebichenstein Halle.

Vielleicht ist das unsere Meinung, aber wir glauben wirklich, dass die Studenten der Burg Giebichenstein mehr und auch vielfältigere Seminare absolvieren als die Studenten aller anderen Unis die wir besichtigt haben – zumindest im Hinblick auf ihre Jahresendpräsentationen.

Ob es nun Plattenhüllendesigns sind oder Stücke die sich an Obst und Gemüse orientieren oder eine Lampe, die Isamu Noguchi entworfen hätte, wenn er noch leben würde – jeder Raum jedes Gebäudes scheint mindestens eine Ausstellung zu beherbergen. Oder zwei.

Unsere Aufmerksamkeit haben vor allem “Eine Bank für zwei” und “Bodenreform” auf sich gezogen.

Bei “Eine Bank für zwei” waren die Studenten aufgefordert, eine Bank für zwei prominente “Kreative”, also Designer, Architekten, Musiker, Schauspieler o.ä. zu entwerfen. Die Banken sollten sowohl den Charakter ihrer Nutzer als auch ihre Beziehung zueinander in der Formensprache und im Material widerspiegeln.

Ein schönes kleines Projekt also, bei dem die Studenten entdecken konnten, wie sie die Arbeit und das Wesen der Menschen verstehen, die sie als Referenz genommen haben, und dadurch auch ihre eigenen Techniken verbessern können.

Und wir durften die Ergebnisse bewundern!

Neben tollen Bänken für Gerrit Rietveld und Charles Eames oder Konstantin Grcic und Dieter Rams war unser Highlight Elias Betkas Bank für Charles und Ray Eames: ein Zweisitzer-RAR. Die Idee hat uns von den Socken gehauen und uns ins Grübeln gebracht: Inwieweit könnte – oder würde – Vitra jemals die Arbeiten von Ray und Charles Eames weiterentwickeln?

Elias Betka's bench for Charles and Ray Eames, Burg Giebichenstein Halle 2011

Elias Betkas Bank für Charles und Ray Eames, Burg Giebichenstein Halle 2011

Bei “Bodenreform” ging es offiziell um Böden, Bodenbeläge und ihre Rolle in Architektur und Design, aber das Projekt, das uns am besten gefallen hat, hat nicht wirklich in die Aufgabenstellung gepasst. (Soweit wir das beurteilen können.) Das konnte aber der Genialität von Hobo von Julian Heckel keinen Abbruch tun.

Hobo erinnert an eine viktorianische Staffeleiadaption für wandernde Dichter. Der kleine Tisch kann – flach zusammen gefaltet – auf den Rücken geschnallt und – auseinander geklappt – gegen einen Baum o.ä. gelehnt werden. Dazu gehört auch ein kleiner Sitz, der gefällt uns nicht so. Aber der Tisch ist fantastisch.

Außerdem hat uns Ausgewachsen von Annika Marie Buchberger gefallen – mit einer kleinen Einschränkung. Die Masterarbeit umfasst eine Serie von Kindermöbeln, bei denen verschiedene Elemente mit einem universellen Gestell kombiniert werden können. Gute Idee, schön ausgeführt. Allerdings gibt es das Gestell in drei Größen, wobei die Beine nicht ausgetauscht werden können. D.h. die Höhe der Objekte kann nicht variiert werden, es sei denn man hat alle drei Gestelle/Größen. Austauschbare Beine wären vielleicht sinnvoller gewesen. Ist nur unsere Meinung und wir hatten trotzdem große Freude an dem Projekt.

Igi by Constanze Hosp, Burg Giebichenstein Halle 2011

Igi von Constanze Hosp, Burg Giebichenstein Halle 2011

Ein anderes Kinderprojekt – und davon gab es viele (Ist Halle eine besonders kinderreiche Stadt oder sind die Studenten der Burg Giebischenstein nur besonders fruchtbar?) – war Igi von Constanze Hosp.

Eltern die mit einem kleinen Baby Fahrrad fahren wollen, müssen normalerweise auf einen Anhänger oder (riskant!) den normalen Babycarrier zurückgreifen.

Igi ist ein Babycarrier mit Hartschale, sodass das Kind beim Radfahren sicher am Körper liegt. Und nicht nur beim Radfahren, auch in überfüllten öffentlichen Verkehrsmitteln kann Igi jungen Eltern etwas mehr Sicherheit und Vertrauen geben.

Es gab also viele Highlights auf der Burg Giebichenstein, aber eine Sache hat uns irritiert: Wo war die Ausstellung der Produktdesignabsolventen? Gut, wir hatten sie schon auf dem DMY gesehen, aber wir hatten uns doch darauf gefreut, ein paar der Produkte in Halle etwas näher unter die Lupe nehmen zu können. Aber weit und breit war nichts von den Absolventen zu sehen und keiner konnte uns sagen, wo sie sind. Schade!

Trotzdem war die Giebichenstein-Jahresausstellung 2011 ein mehr als würdiger Abschluss unserer Sommertour und hat uns gut auf unseren Herbstmarathon vorbereitet.

Wie immer gibt es eine kleine Bildergalerie auf Facebook: facebook.com/smowcom

Und kann jemand diesen Stuhl identifizieren ⇓ ?

An unidentified chair - a regukar sight on the Burg Giebichenstein Halle campus

Ein unidentifizierter Stuhl - sieht man öfter auf dem Campus der Burg Giebichenstein Halle



Scolyt von Marco Merkel, Universität der Künste Berlin

Thursday, August 11th, 2011

Wie wir bereits erwähnten, ist eines der Projekte, die uns beim Universität der Künste Berlin Rundgang 2011 besonders auffielen, Scolyt von Marco Merkel.

Die moderne Welt ist wie sie ist – Marcos iPad Präsentation gibt es auf vimeo.

Weil die alles viel besser erklärt als wir es je könnten, posten wir sie hier.
Und empfehlen sie wirklich wärmstens.

(Ab ungefähr 1 min 30 kann man die Technik(en) sehen, die Marco anwendet.)



(smow) Sommertour 2011:Rundgang 2011 Universität der Künste Berlin

Tuesday, August 9th, 2011

Eine kurze Fahrt mit Tram und S-Bahn vom Rundgang an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee brachte uns zum Rundgang an der Universität der Künste Berlin.

Ähnliche Konzepte. Verschiedene Welten.

Industrial design at teh UdK Berlin - esign neednt be complivated

Wir haben es schon immer gesagt und werden es auch immer wieder sagen: Gutes Design muss nicht kompliziert sein....

Wo Weißensee eine fast schon provinzielle Unschuld ausstrahlt, fühlt es sich an der UdK wie an der New York School of the Performing Arts in den frühen 1980ern an.

Jederzeit könnte ein quirliger Student mit Aerobicanzug und Stulpen die Treppe runter gehüpft kommen und sich darüber beschweren, dass Mr. Shorofsky die moderne Welt nicht versteht, bevor er Pirouetten drehend über den Flur verschwindet.

So kommt es zumindst uns vor.

Und dennoch, trotz des Retrogefühls beeindrucken die Studierenden der Industriedesign Fakultät immer wieder mit ihren zeitgenössischen und vorwärtsgewandten Arbeiten.

Eines der interessanteren und innovativeren Projekte beim diesjährigen Rundgang war ohne Frage Scolyt von Marco Merkel, das er im Rahmen des Seminars TransRitus von Prof. Axel Kufus & Jörg Höltje entwickelte. Inspiriert von modifizierten Glasformen, die infolge der Bombardierung 1944 in Berlin entstanden, wollte Marco ähnlich willkürliche Glasobjekte “entwerfen”. Dazu verwendete er natürlich gewachsene Holzstücke als Vorlagen, wobei er das Glas entweder auf die Oberfläche der gesammelten Holzteile oder – noch spannender – in das Holz hinein bläst. Die Ergebnisse sind eindringlich.

Zwar nicht ganz so faszinierend, aber genauso gut fanden wir den Hocker Nimmdirzeit von Christian Leisse und Josua Putzke. Wir sind nicht ganz sicher, woher die Idee stammte – es ist jedenfalls ein Hocker in der Form (und Funktion) einer klassischen Sanduhr, die – während man auf ihr sitzt – eine Zeitspanne von 15 Minuten abmisst.

Sicher kein Objekt fürs heimische Wohnzimmer, aber im Büro, oder besser noch im öffentlichen Raum, macht sich das Konzept und die Idee hinter Nimmdirzeit sicher gut. Die Bedeutung hinter dem Objekt manifestiert sich ganz wundebar im Namen – der Sitz misst, wie lange man schon auf ihm sitzt und man kann entspannt die Pause genießen ohne ständig nach der Uhr sehen zu müssen. Das könnten wir uns auch ziemlich gut für unser Büro vorstellen…

Nimm

Nimmdirzeit von Christian Leisse und Josua Putzke gesehen @ Rundgang 2011 Universität der Künste Berlin

Wir haben bloß Angst, dass irgendein Management-Freak Nimmdirzeit auszuntzen und eine müßige Übung daraus ableiten wird, bei dem ein Mitarbeiter auf dem Nimmdirzeit innerhalb  von 15 Minuten all seine Ideen für eine nächste Kampagne vorstellen muss, während alle anderen drumherum sitzen und klatschen.

Er ist definitiv besser geeingnet, um im Park entspannt die Mittagspause zu verbringen.

Ein weiteres Highlight war Erika von Storno für Nils Holger Moormann. Das Projekt hatte absolut nichts mit dem Rundgang zu tun, aber als Moormann die Produktion eingestellt hat, entstand ein kleines Loch in unserem Herzen. Manch einer könnte sagen, dass solch eine modulare Küche sowieso niemals ein kommerzieller Erfolg hätte werden können. Und wir würden zustimmen.
Aber das ist genau der Punkt. Das Konzept war und ist ein erfolgreicher Versuch häusliche Ordnung in unserer modernen Welt zu definieren.

Erika war eine Lösung.

Wegen unseres vorherigen Besuchs an der KHB haben wir nicht mehr die Mühe auf uns genommen, beim UdK Rundgang die Arbeiten der nicht-Industriedesign Fakultäten anzuschauen. Auf der einen Seite weil das bedeutet hätte, noch in ein anderes Gebäude zu gehen. Und auf der anderes Seite weil im Hops and Barely in Berlin Friedrichshain ein paar Gläser Brown Ale mit unseren Namen drauf warteten.

Nach zwei Studentenausstellungen an einem Tag haben wir uns das auch verdient, finden wir.

Nun liegt nur noch eine Ausstellung auf unserer Tour vor uns; ein Sonntagnachmittag auf der Burg Giebichenstein Halle.

Wir haben eine kleine Facebook-Gallerie vom Rundgang 2011 Universität der Künste Berlin auf facebook.com/smowcom zusammengestellt.

sdfsdfsdf

Ein Objekt vom Projekt Scolyt von Marco Merkel gesehen @ Rundgang 2011 Universität der Künste Berlin



(smow) Sommertour 2011: Rundgang 2011 Kunsthochschule Berlin-Weißensee

Saturday, August 6th, 2011

Nach unserer Rückkehr vom Einblick an der Fachhochschule Potsdam war die nächste Etappe auf unserer 2011er Sommertour der Rundgang an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee.
Die Produktdesignausstellung in diesem Jahr fand unter dem Titel “Kaufhalle wird Kunsthalle” in einem ehemaligen Supermarkt statt. Den Titel fanden wir ziemlich passend, weil wir, obwohl einige Stücke unsere Aufmerksamkeit wecken konnten, keines so interessant finden, dass wir es kaufen würden.

Ein gutes Beispiel dafür ist der seat/lounger von Eva Burkhardt. In unseren Augen eine interessante Arbeit; aber keine, die – unserer Meinung nach – Konventionen sprengen oder etwas neues schaffen würde.

Seat/lounger from Eva Burkhardt Graduate Project @ kunsthochschule-berlin-weisensee

Seat/lounger von Eva Burkhardt Abschlussprojekt @ der Kunsthochschule Berlin-Weißensee

Auf dem Hauptcampus haben uns – neben der beliebeten und daher gut nachgefragten Möglichkeit etwas Entspannung in dem geräumigen College Garden zu finden – zwei Seminare besonders gut gefallen: “3D Paper” und “Lichtes Porzellan”.

Die Idee hinter “3D Paper” war es, high-end Lösungen für Papier zu finden, die letztlich das Ziel verfolgen, Plastik als Produktionsmaterial abzulösen. Neben dem einfallsreichen Ausstellungslayout konnten vor allem zwei Produkte unsere Aufmerksamkeit für sich gewinnen: Cottonphones – ein Paar Papier-Kopfhörer von Mahoma Niemayer – und ein Fahrradsattel von Wilhelm Martin.
Beide sehen gut aus und können ein nettes, durchdachtes und intelligentes Design vorweisen. Ja, der praktische Nutzen dahinter erschließt sich dem Betrachter nicht sofort… Aber es ist ein studentisches Semesterprojekt und in diesem Fall geht es nur zweitrangig um die Praktikabilität. An erster Stelle steht immer die Umsetzung des Ansatzes, der durch das Projekt vorgegeben wird.

“Lichtes Porzellan”  hat gehalten was es versprochen hat und präsentierte eine Serie von Lichtobjekten aus Porzellan – und hat es so geschafft, Porzellan in neuem Lichte erscheinen zu lassen. (Kleiner Wortwitz)

Neben Pendulum von Lisa Dannebaum hat es uns c one2 von Eva Isabelle Hotz angetan, eine Lampe mit zwei Glühbirnen – eine oben, eine unten – dazwischen ein Porzellanschlauch. Das ganze hat einen ähnlichen Effekt, wie eine schottische Landhaus-Lampe aus dem frühen 20. Jahrhundert.
Das klingt jetzt vielleicht nicht so positiv – ist es aber. Ehrlich.

Einer der Vorteile von der KHB im Gegensatz zu anderen Schulen liegt für uns darin, dass sie relativ klein ist. Für den Rundgang bedeutet das nämlich, dass man die Möglichkeit hat die Ausstellungen wirklich aller Fakultäten zu sehen.

Zugegebenermaßen haben wir das trotzdem nicht getan – zumindest nicht in dem Umfang, dass wir guten Gewissens davon schreiben könnten.

Der Grund dafür ist, dass wir nachdem wir einen äußerst vergnüglichen und interessanten Vormittag in Pankow verbracht haben, zurück durch die ganze Stadt mussten, um zum  Rundgang der Universität der Künste Berlin zu kommen.

WIr haben eine Auswahl von Fotos vom Kunsthochschule Berlin-Weißensee Rundgang 2011auf Facebook hochgeladen @ facebook.com/smowcom

College Green

Kunsthochschule Berlin-Weißensee College Green während des Rundgangs 2011



(smow) Sommertour 2011: Einblick. Fachhochschule Potsdam

Thursday, August 4th, 2011

Nach der Summaery an der Bauhaus Universität Weimarverschlug es uns auf unserer Sommertour 2011 zum Einblick an der Fachhochschule Potsdam - oder FHP:-), um sie bei ihrem offiziellen Namen zu nennen.Eine von Deutschlands neuesten Designschulen (der erste Kommunikationsdesignkurs an der FHP:-) startete1992, das Produktdesign kam 1993 dazu) hat sich schnell einen guten Ruf, was die Qualität der Lehre und Forschung anbelangt, aufgebaut.Das trifft nicht auf das Logo FHP:-) - oder FHP;-), wie der argwöhnische Kritiker auch schreiben könnte - zu.Was uns immer wieder an der FHP:-) überrascht ist, dass man trotz der Assoziationen, die das Logo zwangsläufig hervorruft, auf eine wirklich gute Kommunikationsdesign Fakultät trifft, die mit großer Regelmäßigkeit durchaus beachtliche Arbeiten hervorbringt.Da war die Ausstellung 2011 mit einigen äußerst innovativen Projekten keineswegs die Ausnahme. Sowohl der Typologiekurs als auch ein Seminar, in dem ein Muster basierend auf traditionellem orientalischen Design entworfen werden sollte, spielten da ganz oben mit. In einem Großteil der Arbeiten konnte man sehen, dass an sie mit genauso viel Professionalität wie Spaß herangegangen wurde.Innerhalb des Produktdesigns haben uns vor allem die Arbeiten aus dem Seminar "Design dein Sofa" gefallen - allerdings mit dem Vorbehalt, dass die Designs unpraktisch waren. Und besonders fiel uns der Grill Abacus von Romme Stascchik auf - mit dem Vorbehalt, dass wir selbst kein Recycling-Design produzieren oder vertreiben.In "Design dein Sofa" sollten die Studierenden ein "realisierbares" Sofa entwerfen. Das trifft sicher nicht überall zu. Zumindest dann nicht, wenn man unter "realissierbar" brauchbar, baubar, verkaufbar versteht.Aber wir werden nicht müde es zu wiederholen: Bei Studienprojekten geht es nicht zwangsläufig um den Nutzen eines Produkts. Und zumindest die vorgegebenen Ansätze aus dem Seminar konnten von vielen - wenn auch nicht allen - ganz gut umgesetzt werden.Abacus von Romme Stascchik beim Einblick Fachhochschule Potsdam

Zu den gelungeneren Arbeiten darf Abacus von Romme Stascchik gezählt werden. Entstanden in dem Seminar “Low Budget Design”, ist Abacus ein Grill, der aus nichts mehr als einer alten Waschmaschinentrommel, einem Heizungsrohr und einem Lampenschirm besteht.

Nun wisst ihr, dass wir Design nicht recyceln…

Aber…

Da ist etwas am Abacus, das uns auf einer tieferen Ebene anspricht… Wir träumen von einer weiteren Produktentwicklung, die ein sehr praktikables Konzept mit einer ganzen Bandbreite an Anwendungsgebieten zum Ergebnis haben wird.

Und trotzdem: Wir recyceln Design nicht. Und werden es auch nie.

Ein weiteres Highlight beim Einblick war die Ausstellung zu dem Seminar “Persönliche Dinge”  von Prof. Wiebke Loeper und Prof. Dr. Rainer Funke.

Einige unserer Lieblingsthemen wurden darin sehr schön aufgegriffen: Wo besteht der Unterschied zwischen Lieblingssachen und Dingen, die wir mögen? Wie identifizieren wir uns mit solchen Dingen? Und welche Beziehung haben wir eigentlich zu den Dingen, die uns sonst so umgeben? “Persönliche Dinge” ist eine Fotoserie, die einzufangen versucht, warum solche Dinge so wichtig für uns sind.

In unserem (smow)Introducing Interview nennt FHP:-) Absolvent Christoffer Martens genau diesen Workshop – neben der ruhigen Lage und der gleichzeitigen Nähe zu Berlin – als einen der Gründe für ihn in Potsdam studiert zu haben.

Wir für unseren Teil können nicht anders als jedes Mal, wenn wir die FHP:-) besuchen, die entspannte, persönliche Atmosphäre und die Stickercollage im Flur auf unsere Liste zu schreiben.

Nach einem sehr netten Nachmittag in Potsdam machten wir uns dann wieder auf, zu unserer nächsten Station der (smow) Sommertour 2011: Es ging zurück nach Berlin, zum Rundgang der Kunsthochschule Berlin-Weißensee, KHB.

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"Persönliche Dinge" Ausstellung @ der Fachhochschule Potsdam



(smow) Sommertour 2011: Summaery @ Bauhaus Universität Weimar

Wednesday, August 3rd, 2011

Ackerbauern leben – ach, was – atmen bekanntlicherweise ja Wetterdatenbanken. Das wird z.B. daran deutlich, dass man einen dieser besagten Bauern nur fragen braucht, wie das Wetter im Juli vor vier Jahren war und er ohne mit der Wimper zu zucken sofort die (richtige!) Antwort sagen kann. Ganz nebenbei wird er natürlich auch noch erklären, warum das schlecht für die Ernte war.

Mit Designjournalisten ist das ähnlich.

Summaery 2010 konnte sein Versprechen halten und war sehr “summery”.
Summaery 2011 konnte das nicht. 2011 war eher “autumnery”.

Nicht dass das irgendeine Relevanz für das Vergnügen bzw. Nicht-Vergnügen bei der Ausstellung gehabt hätte. Wir mussten einfach nur diesen Wortwitz unterbringen.

Ein Hauptbestandteil der Summaery 2011 war eine Serie bestehend aus 9 Pavillions, die einer interdisziplinären Zusammenarbeiten entsprang und von der Architekturfakultät geleitet wurde.

The Opaque.Pavillion @ Summaery 2011 Bauhaus University Weimar

Der Opaque.Pavillion @ Summaery 2011 Bauhaus Universität Weimar

Unser Highlight war darunter ohne Frage der Opaque.Pavillion.

Der Pavillion ist besser gesagt eine Kuppel, gebaut nach dem IKO8 Mero System. Wobei die Studierenden der Bauhaus Uni Weimar die Struktur adaptiert haben, indem sie schuppenartige, dreieckige Platten aneinandergesteckt haben. Die Konstruktionsweise hat den Effekt, dass man – steht man im Pavillion – vor Sonne und Regen geschützt ist, während ein freies-luftiges Gefühl suggeriert wird. Die optische Illusion, die durch die “Offenheit” erzeugt wird, bedeuted gleichzeitig, dass sich das Pavillion ganz wunderbar in den Garten der Nauhausstraße 15 integriert ohne seine Umgebung zu dominieren – was sich vermutlich auch auf die meisten anderen Kontexte übertragen ließe.
Das Totschlagargument jedoch war für uns, dass die Platten des Pavillions so angeordnet sind, dass Regenwasser von einer auf die nächste Platte läuft und so ganz automatisch nach unten abläuft, ohne dabei aber nach innen dringen zu können. Als wir dort waren, war es glücklicherweise trocken – aber laut der Studierenden regnete es am Vorabend und die Konstruktion soll ganz ausgezeichnet funktioniert haben.

In der Produktdesignausstellung gab es nichts, was der fast schon biblischen Erfahrung vom R2B2 von Christoph Thetard auf der Summaery 2010 nahekam.

Andererseits war das auch nicht möglich. Und wird es wohl auch nie mehr.

Wir haben zurzeit übrigens zwei Interviews mit Christoph in Vorbereitung. Und es sei nur eins dazu gesagt: Die werden genauso gut wie seine Arbeit…

Was uns insgesamt in der Diplomausstellung aufgefallen ist, ist, dass zahlreiche Arbeiten eine Rückkehr zur Handarbeit und einen gelungenen Mix “traditioneller” Materialien zeigten.
Wir fanden auch nichts in der Ausstellung, das im computergesteuerten Sinne modern aussah. Oder ein App benötigte.
Das hat uns wirklich gefallen.

Klara by Stephan Bohn - part of the Diploma show at Bauhaus Uni Weimar. Klara ia a glass vessle suitable for induction cooking.

Klara von Stephan Bohn - Teil der Diplomausstellung an der Bauhaus Uni Weimar. Klara ist eine Reihe von Glasgefäßen, die zum Induktionsjkochen geeignet sind.

Sonst waren uns die Designstudenten in Weimar oft ein wenig zu künstlerisch. Das 2011er Diplom ging jedoch viel mehr in Richtung angwandte Kunst und entsprach so auch unserem Geschmack.

Unter den Ausstellungen hat uns vor allem Plastic Fantastic gefallen – ein Seminar, dessen Aufgabe darin bestand, ein Haushaltsgerät, das normalerweise aus Plastik hergestellt wird, aus Keramik zu fertigen. Außerdem gefiel uns das Seminar Workabilly, bei dem es um kreativen Arbeitsraum ging.

Plastic Fantastic hat einige sehr schöne Entwürfe, wie die Espressomaschine Seppl, eine Computertastatur aus Porzellan und einen wunderbaren skelettartigen Fußwärmer, hervorgebracht. Auch wenn uns keines der Produkte vollends vom Hocker gerissen hat, hat das Ganze doch gezeigt, dass man mit ein wenig Fantasie gut die Menge an Plastik aus vielen Produkten verbannen kann. Bliebe mal wieder nur die Frage, wie man so etwas in der Massenherstellung umsetzen könnte.

Das herausragendste Stück aus Workabilly war definitiv “Über Eiermann” von Ludwig Fehn und Weiwei Wang. Auf der einen Seite wegen des großartigen Wortspiels, aber vordergründig weil es eine tolle Lösung bietet, die Organisation des Eiermann Schreibtischs zu erweitern.

Wilbur von Daniel Wahl stellte bereits einen idealen Weg da, Kabel unterm Eiermann zu organisieren und Über Eiermann schafft nun das gleiche für all jene Dinge, die sich auf den Schreibtischen rumtreiben. Über Eiermann erweitert gewissermaßen die Stahlrohre des Eiermann Tischrahmens und verlängert sie bis über die Tischplatte hinaus, wodurch ein neuer Rahmen entsteht, der verschiedene Funktionen erfüllen kann. Ludwigs und Weiweis Prototyp verfügt zwar bereits über einige Ablagemöglichkeiten, man könnte das System aber auch noch weiter entwickeln, so z.B. durch akustische Elemente, Magnetteile und Kabelhalter. Der Eiermann Tisch wäre dann endlich das modulare System, als das er insgeheim schon lange gehandelt wird.

Aber es war nicht alles Sonnenschein.
Ist es für uns ja eigentlich nie…

Es gibt da einen Raum im Hinterhof der Designfakultät in Weimar, der so etwas wie ein Fluch für uns zu werden scheint. Letztes Jahr fand dort die Austellung zu Gefängnismöbeln statt und dieses Jahr die zum Thema “Wasser”. Keins von beiden Themen hat für uns funktioniert, sie konnten sozusagen beide ihre selbst gesteckten Ziele nicht erreichen.
Nächstes Jahr werden wir auf diesem Raum lieber gleich verzichten.

Eines der Dinge, die wir am meisten an der Bauhaus Universität schätzen, ist die – soweit wir das beurteilen können – unkomplizierte Vermischung der Fakultäten und der logischerweise daraus folgenden interdisziplinären Lernstruktur.
Wir wissen natürlich, dass das nicht nur auf Weimar zutrifft, aber Weimar tut es mit ein bisschen mehr Geschick und Stil als andere Institute.
Summaery 2011 hat einmal mehr diesen Eindruck bestätigt und macht Hoffnung, dass sich das auch in der Zukunft fortsetzen wird.

Auf Facebook haben wir noch einige weitere Bilder von der Summaery @ Bauhaus University Weimar hochgeladen: facebook.com/smowcom

“Über Eiermann” by Ludwig Fehn and Weiwei Wang @ Summaery 2011

Über Eiermann von Ludwig Fehn und Weiwei Wang @ Summaery 2011



Sommerlesetipp: Open Design Now: Why Design Cannot Remain Exclusive

Friday, July 29th, 2011

Ein kostenloses Mittagessen gibt es im Internet zwar nicht, dafür aber kostenlose Software, Musik, Fotos und Videos.

Viel wichtiger aber ist, dass im Internet nicht nur die Voraussetzungen liegen, das zu teilen, was wir tun, sondern dass wir dank Internet ändern können, was andere tun – und zwar so, dass es unseren Erwartungen entspricht.

Die Autoren und Herausgeber von “Open Design Now: Why Design Cannot Remain Exclusive” glauben, dass das, was heutzutage die Norm in den digitalen Medien ist, bald auch normal im Produktdesign sein wird.

Auch wenn Open Design schon seit zwei Jahrzehnten Thema ist, beginnt es doch erst jetzt langsam einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu werden, sodass nun auch von einer kritischen Masse die Rede sein kann. Und von Relevanz.
Mit “Open Design Now: Why Design Cannot Remain Exclusive” liegt uns erstmals ein Ansatz vor, der versucht Ideen, Konzepte und Visionen zum Thema in eine kohärente Diskussion einzubinden.

Im Wesentlichen grenzt sich der “Designer” im Sinne des Open Designs insofern von seinem konventionellen Pendant ab, als er sein “Design” online zugänglich macht. – Kostenlos und für jedermann. Die “User” können das besagte Design dann downloaden und selber in die Produktion bringen. Wer will, kann das Design sogar an eigene ästhetische Kriterien anpassen.

Open Design Now: Why Design Cannot Remain Exclusive

Open Design Now: Why Design Cannot Remain Exclusive

Ein Freund, der durch das Buch blätterte, stellte die naheliegende Frage, wo dabei eigentlich der Unterschied zum Do-it-yourself-Konzept liege.

Unsere Antwort: Es ist Do it yourself. Oder eben Do it yourself 2.0.

Einige Autoren in “Open Design Now” argumentieren so, dass früher alle Produkte auf ähnlichen, analogen Wegen geschaffen worden seien. Dann kam es – zumindest im Norden – zur Industrialisierung und in diesem Zusammenhang zum allgemeinen Wohlstand. Daraus resultierte nicht nur der Verlust jener Mittel, die einst Grundlage der individuellen Produktionszugänge waren, sondern vorallem der Tatsache, dass wir es uns neuerdings leisten konnten all die Dinge zu kaufen.

Heute kann jeder mithilfe von Laser Cuttern, 3D Druckern und CNC Cuttern quasi alles wieder selber machen. Wir sind im DIY2.0. Open Design Zeitalter angekommen.

DIY1.0 existiert zwar auch noch, DIY2.0 führt es allerdings fort – und erobert die Grundlagen zurück, die mit der Industrialisierung verloren gegangen ist.

Der aufmerksame Leser wird bemerkt haben, dass CNC Cutter, 3D Drucker und Laser Cutter trotz allem nicht das Problem lösen können, “… dass wir es uns neuerdings leisten konnten all die Dinge zu kaufen.” Aber dazu später mehr.

“Open Design Now: Why Design Cannot Remain Exclusive” geht das Thema auf verschiedenen Ebenen an. So ist das Buch zum einen eine gute Einführung in das Thema für Laien, die die auf der Hand liegenden Fragen “Warum?” und “Wie?” beantwortet, ohne dabei jedoch dogmatisch zu sein. Man hat jederzeit die Möglichkeit nicht einverstanden zu sein und das Geschriebene sogar absurd zu finden. Andererseits wird eine Basis für tiefergehende Diskussionen zu speziellen Fragen geschaffen, was für all jene interessant sein dürfte, die bereits auf Erfahrungen in dem Bereich zurückgreifen können.

Was das Buch allerdings nicht angeht, ist die “Klingt ja alles schön und gut, aber was ist da für mich drin?”-Frage. Klar, es erklärt, dass man in ein FabLab gehen kann und sich einen Beistelltisch laser-cutten kann. Aber wer macht das schon?
Nicht einmal droog Oberboss Renny Ramakers, wie man auf Seite 132 nachlesen kann.

Es ist das gleiche wie mit einem Curry – die meisten von uns können, wenn es hart auf hart kommt, eine anständige Version zaubern. In den meisten Fällen werden wir aber zur Fertigsauce greifen oder den Lieferservice verständigen. Nur von Zeit zu Zeit machen wir uns tatsächlich die Mühe unser eigenes Curry zu kochen.

Unserer Meinung nach ist Open Design nichts anderes: Es wird eine Domäne für Enthusiasten und jene, die eine Alternative zu IKEA und Co. suchen, bleiben.

Das soll nicht heißen, dass wir nichts von der Idee halten. Wir sind große Fans und überzeugt, dass Open Design eine immer größere und wichtigere Rolle spielen wird; aber es wird nicht die Designermöbelindustrie per se revolutionieren. Zumindest nicht so stark, wie es manche der Autoren in “Open Design Now” hoffen.

Italic Shelf by Ronen Kadushin. Yours for free @

Italic Shelf by Ronen Kadushin. Dein kostenloses Exemplar @ www.ronen-kadushin.com (Nur die Materialkosten etc. müssen bezahlt werden.)

Das soll genauso wenig heißen, dass die Industrie das Phänomen ignorieren soll. Keineswegs. Es zu ignorieren wäre vermessen.

Open Design schafft interessante neue Vertriebswege für Hersteller, zeigt Möglichkeiten Geld und Materialien zu sparen genauso wie Strategien “beta”-Designs fernab der Serienproduktion öffentlich zu machen.

Um nicht das alte Problem “… dass wir es uns neuerdings leisten konnten all die Dinge zu kaufen” zu vergessen. Nur weil die Pläne für den neuen Ron Arad Tisch kostenlos runtergeladen werden können, heißt das nicht, dass das auch jemand tun wird. Die Mehrheit wird es weiterhin bevorzugen eine fertige Kopie nach Hause geliefert zu bekommen – und für dieses Privileg bereitwillig bezahlen.

Was aber der vielleicht wichtigste Aspekte des Open Designs ist: Für die Designer bedeutet es, dass sie sich ein Stück weit aus der bisherigen Abhängigkeit von den Herstellern lösen können. Dank Open Design haben sie die Möglichkeit zukünftig viel freier zu agieren – und immer mehr werden sich dafür entscheiden.

Und kein Hersteller wird es sich nehmen lassen den nächsten Bouroullec, Grcic oder Diez zu vertreiben, nur weil er starr an überholten Zahlungsmodellen hängt. Die Hersteller müssen die Potentiale des Open Designs für sich erkennen und sicherstellen, dass es ihnen gelingt sie für sich zu nutzen.
“Open Design Now: Why Design Cannot Remain Exclusive” bietet einige Einsteigertipps dafür.

Und für Produktdesign-Interessierte ist das Buch eine wunderbare, zum Nachdenken anregende Exkursion in eine Welt, in der ein Designer unser Freund und Helfer, und nicht diese allwissende Gottheit, ist.

Wir für unseren Teil können es kaum erwarten, bald auch unser Mitagessen in 3D auszudrucken.

“Open Design Now: Why Design Cannot Remain Exclusive” wird über BIS Publishers verlegt und ist auch erhältlich als Open Source Online Buch @ opendesignnow.org



(smow)intern: Designmöbelkatalog 2011

Wednesday, July 6th, 2011

Technikverweigerer! Das wird (smow) ja normalerweise nicht nachgesagt. Soweit uns bekannt ist, hat noch kein (smow)Mitarbeiter einen iPad zertrümmert oder einen W-LAN Zugang gekappt um gegen die schleichende und zwanghafte Ausbreitung von Technologien in alle Lebensbereiche zu protestieren. Aber: In den ersten Wochen des Sommers waren alle im (smow)Hauptquartier mit der Vorbereitung und Herstellung des allerersten (smow)Katalogs beschäftigt. Ein realer gedruckter Katalog! Auf Papier! Mit Tinte!

Technikverweigerer? Au contraire, nos amis! Die Herstellung eines solchen analogen Katalogs ist technisch eine größere Herausforderung als dieses idiotensichere HTML zu programmieren. Und trotzdem ist es uns am Ende gelungen ein tolles Heft fertigzustellen. Gut gemacht, Katalogteam!

Neben einer Auswahl von (smow)Produkten enthält der Designmöbelkatalog 2011 auch biografische Informationen zu wichtigen Designern und natürlich wunderbare extra für den Katalog in Auftrag gegebene Fotos von Produkten von USM Haller, Vitra, Moormann, Richard Lampert et al.

So ein gedruckter Katalog ist im Prinzip nichts anderes als damals die Mechanisierung in den Textilfabriken, die den unterdrückten Massen erstmals den goldenen Geschmack von Freizeit kosten ließ. Mit dem Katalog bekommen wir ein Stück Technikfreiheit zurück. Computer ausschalten, Katalog in Ruhe durchblättern, Computer wieder anmachen, bestellen.

Ein Exemplar des Kataloges kann man über das Kontaktformular auf smow.de oder unter service@smow.de anfordern.

Auf facebook.com/smowcom haben wir außerdem die Fotogalerie zum Katlaogentstehungsprozess veröffentlicht.

smow Designer Furniture Catalogue 2011

(smow) Designmöbelkatalog 2011



(smow)Sommertour 2011

Tuesday, July 5th, 2011

Viele von Euch erinnern sich sicher an unsere Sommertour 2010.

Es ist wieder soweit!

Unsere Sommertour 2011 startet am 7. Juli mit der Semesterausstellung der HTW Dresden – unser erstes Mal dort! Wir wissen nicht genau warum, denken aber wir sollten mal vorbeischauen.

Am 14. Juli fahren wir nach Thüringen zur Eröffnung der Summaery 2011 in der Bauhausuniversität Weimar, am 15. Juli zeigt die Fachhochschule Potsdam die Abschlussshow.

Dann wird es wieder kompliziert.

Am Wochenende des 16./17. Juli gibt es die alljährlichen Ausstellungen der Universität der Künste Berlin, der KH Weissensee Berlin und der Burg Giebichenstein Halle.

Der interessante Aspekt solcher Veranstaltungen sind für uns weniger die Abschlussprojekte – denn die haben wir in der Regel schon auf anderen Designshows gesehen – sondern die Projekte der Studenten, die gerade erst am Anfang ihrer Reise in die Welt des Designs stehen …

Das Beste aus allen Shows zeigen wir Euch natürlich hier im Blog.