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Mailand 2011: Stand-Aufbau mit Nils Holger Moormann

Monday, August 29th, 2011

Einmal im Monat fahren wir auf eine Messe. Wir wollen nicht immer – müssen aber. Wir schauen uns Möbel an, denken uns ein paar billige Witze aus, schießen ein paar seltsame Fotos und fahren wieder nach Hause.

Aber was heißt es eigentlich, einen Messestand zu organisieren? Wie wichtig ist die Messepräsenz? Sind unser schlechter Humor und die armseligen Fotos respektlos? Diese und andere Fragen wollten wir beantworten und Moormann beim Aufbau ihres diesjährigen Standes auf der Möbelmesse Mailand helfen. Wobei “helfen” vielleicht zu viel gesagt ist.

The secret plan....

Der geheime Plan...

Die Moormänner hatten vier Tage für den Aufbau geplant. Wir stießen an Tag drei hinzu. Das Außengerüst war, wie man es von Moormann erwartet, eine unkomplizierte Holzkonstruktion, die Wände aus schwarzem Vorhangsstoff und alles war zum Glück bereits an seinem Platz als wir am Sonntag morgen ankamen. Unser Beitrag bestand darin, beim Aufbau des 3,5 x 5 Meter FNP-Regals, das die Rückwand des Standes bildete, zu assistieren.

Das größte Problem für Moormann war aber sowieso nicht der Aufbau des Standes sondern die späte Bestätigung aus Mailand, wie groß der Messestand tatsächlich sein würde. “Wie jedes Jahr waren wir uns im Vorfeld absolut sicher, dass wir einen größeren Stand bekommen würden”, erklärt Nils Holger Moormann. “Und dann kam die Information, dass es doch wieder nur der kleine Stand ist. Das war schon ein Schock.” Zuvor hatte Moormann bereits drei Monate Planung in das Standdesign investiert. Die Bestätigung der Standgröße kam erst zehn Tage vor Veranstaltungsbeginn.

Also zimmerte Nils Holger Moormann höchstpersönlich schnell ein neues Konzept zusammen. “Ich war inspiriert davon, dass alle nur noch Neuigkeiten zeigen. Das ist zwar spannend, aber auch idiotisch, denn Möbel brauchen Zeit. Sie müssen ausdefiniert werden und man muss ganz viel darüber nachdenken. Dieses schnell schnell neu neu machen birgt die Gefahr so zu enden wie die Modebranche mit zwei oder drei oder vier Kollektionen pro Jahr. Das kann es doch nicht sein.”

Typisch Moormann sah die Antwort in Mailand so aus: Auf dem Stand wurden zwölf neue Produkte präsentiert, von denen die meisten allerdings verhüllt waren und erst 2028 fertiggestellt werden. Angeblich. “Ich schaffe unheimlich gern einen Ort mit Humor, an dem man staunen kann und überlegt ‘Meint der das Ernst?’… Das finde ich fast genauso wichtig wie gute Produkte.”

Konrad Lohöfener und Christian Neumeier, die zwei Moormänner, die Nils Holgers Konzept umsetzen durften, arbeiten im wahren Leben als Designer in der Produktentwicklung bei Moormann. Sie beschäftigen sich sozusagen damit, gute Designs in “massenproduzierbare” Möbel umzuwandeln – ein unsichtbarer und wenig glamouröser (aber kritischer) Aspekt der Designmöbelbranche.

In Mailand kreisten Konrads and Christians Gedanken weniger um die nächste Generation von Moormann-Produkten als darum, Moormanns Verkaufsschlager FNP gerade ins rechte Licht zu rücken. An ihrem Blick für Details konnte man sehr schön sehen, was den Homo sapiens ssp. Designer vom Rest der Tierwelt unterscheidet. Ein paar Mal hätten wir gesagt, ok passt. Hat es aber nicht. Und Konrad und Christian haben weiter ausgeglichen bis es wirklich gepasst hat.

Als die Hitze in Messehalle 20 immer unerträglicher wurde – wir dürfen nicht vergessen, dass die Außentemperatur an diesem Tag Anfang April 31 Grad betrug – bestanden die letzten Aufgaben des Tages darin, die Rosie Lamps am FNP zu befestigen und das Firmenlogo an der Vorderseite des Standes anzubringen… Keine leichte Aufgabe in fünf Metern Höhe und nachdem wir bereits viele Stunden Leitern hoch und runter gestiegen waren, Gerüste verschoben und ein 17 m² großes Regal zusammengebaut hatten.

FNP by Axel Kufus from Nils Holger Moormann

Ist es den Aufwand wert?

Nils Holger Moormanns Antwort ist ein lautes Ja. “Für uns ist Mailand wichtig, weil wir hier den Export haben und die Kunden, die wir sonst wahrscheinlich das ganze Jahr über nicht sehen würden, hier treffen.”

Hat Moormann nie in Betracht gezogen, den begrenzten Raum und die Unflexibilität der Messe zurück zu lassen für einen eigenen Platz in der Stadt, bei dem sie mehr Planungssicherheit haben?

Das Nein ist genauso laut. “Jedes Detail des Standkonzeptes ist genau überlegt – auch wenn es sehr einfach aussieht. Alles muss bei uns stimmen. Von daher wäre es tragisch, wenn zu wenig Besucher kommen würden. Hier auf der Messe hat man die Garantie dass viele Besucher und vor allem auch die internationale Presse kommen.”

Nachdem wir nun unseren eigenen Schweiß in das Projekt investiert haben, können wir dem nur zustimmen: Wir wären auch ziemlich enttäuscht wenn der Stand nicht von so vielen Menschen wie möglich gesehen und bewundert werden würde. Und das obwohl wir in keinerlei Hinsicht finanziell am (Miss-)Erfolg des Standes beteiligt sind.

So haben wir uns nach achteinhalb Stunden getaner Arbeit als ehrenamtliche Moormänner vom Stand verabschiedet und auf den Weg in die Stadt gemacht. Ein kaltes Bier hatten wir uns verdient. Oder vier. Im Zug haben wir den Tag noch einmal Revue passieren lassen. Obwohl wir nicht garantieren können, dass unsere Fotos in Zukunft besser oder unsere Witze lustig werden, versprechen wir, dem Aufwand und der Zeit, die in einem solchen Stand stecken, in Zukunft mehr Respekt zu zollen.



Möbelmesse Mailand 2011: Konstantin Grcic @ Vitra

Friday, June 17th, 2011

Zu den auffälligsten neuen Vitra-Produkten in Mailand gehörte der Waver von Konstantin Grcic.

Es gab schon einmal eine Kooperation des Designers mit Vitra im Rahmen des Vitra Edition Projektes, aber Waver ist Konstantin Grcics erstes kommerzielles Produkt für Vitra. Der für den Outdoor-Bereich entworfene Stuhl erinnert stark an die Ästhetik von “Lifestyle” Sportarten, seine Formensprache schlägt zweifelsohne neue Wege ein, aber er ist auch unglaublich bequem.

Im zweiten Teil unseres Interviews mit Konstantin Grcic haben wir über Waver, die Kooperation mit Vitra und die Bedeutung der Möbelmesse in Mailand gesprochen.

(smow)blog: Fangen wir von vorne an: Was ist der Hintergrund zum Waver?

Konstantin Grcic: Waver ist Teil eines viel größeren Vitra-Projekts: Outdoormöbel. Vitra hat zwar Produkte die auch draußen eingesetzt werden können, aber keine speziellen Outdoor-Möbel. Ich hatte die Idee, als wir angefangen haben, mit Vitra zu sprechen. Wir wollten zusammen arbeiten – aber woran? Ich fand die Outdoor-Idee gut, weil es da auch eine gewisse Freiheit in der Typologie gibt. Die Vitra Home Collection ist von den Klassikern dominiert, die so stark sind, dass man sich nur sehr schwer gegen sie behaupten kann, also dachte ich ich gehe nach draußen…

(smow)blog: … die Eames im Wohnzimmer lassen und in den Garten gehen …

Konstantin Grcic: Genau. Ich gehe nach draußen und mache mein Ding. Waver ist ein individuelles Stück. Der Rest der Kollektion, an der wir noch arbeiten, wird mehr eine Familie sein. Als individuelles Produkt hat der Waver mehr Freiheit, denn man muss nicht dieselbe Geometrie oder Grammatik auf verwandte Produkte anwenden.

(smow)blog: Wir können uns gut vorstellen, dass ein Projekt wie der Waver verschiedene Herausforderungen mit sich gebracht hat…

Konstantin Grcic: Klar! Das größte Problem ist das UV-Licht, das sehr aggressiv ist. Aber wir wollten natürlich, dass Waver ein Produkt ist das draußen benutzt werden kann, ohne dass die Farben mit der Zeit verblassen. Es war entsprechend kompliziert ein Material zu finden dass sowohl UV-resistent als auch robust genug ist. Bei dem Waver muss das Material ein großes Gewicht tragen, so etwas muss man erstmal finden. Letzen Endes konnten wir ein passendes Material in Italien auftreiben.

(smow)blog: Kann man sagen, dass Konstantin Grcic endlich bei Vitra angekommen ist? Oder war das nie ein erklärtes Ziel von Ihnen?

Konstantin Grcic: Ja, ein bisschen. Ich habe Vitra als Firma immer bewundert und ja, ich hatte auch immer den Wunsch oder Traum, mit Vitra zu arbeiten. Und dann passiert es. Es ist nicht länger ein Traum sondern Realität – mit all den alltäglichen Problemen die Design mit sich bringt.

(smow)blog: Unsere letzte Frage stellen wir allen in Mailand: Ist die Mailänder Möbelmesse noch wichtig?

Konstantin Grcic: Doch, ja. Aber ich muss zugeben, dass ich nicht viel mitbekomme, weil ich einfach keine Zeit habe. Ich denke aber, dass die Messe nach wie vor sehr wichtig ist, weil einmal im Jahr alle hierher kommen. Auch wenn alles ein großer Hype ist, der alles größer macht als es eigentlich ist, definiert die Messe doch den Rhythmus der gesamten Branche. Wir Designer fangen im Mai mit den Vorbereitungen für das nächste Jahr an. Wenn es Mailänd nicht gäbe, würden einige Sachen sicher auf der Strecke bleiben.

Waver by Konstantin Grcic for Vitra

Waver von Konstantin Grcic für Vitra



#milanuncut: Ein paar Gedanken

Thursday, May 5th, 2011
#milanuncut

#milanuncut

#milanuncut wurde als ein “experimentelles, kollaboratives Journalismus-Projekt” angekündigt, das pünktlich zur Möbelmesse Mailand “die Designwelt aufzudecken” sucht. Im Prinzip läuft das Projekt jetzt auf einen Artikel von Justin McGuirk im Guardian und eine Nebendiskussion zu unbezahlten Praktikanten hinaus.

Leider.

Denn eine offenere Diskussion der Designbranche ist ohne Frage längst überfällig.

Aber #milanuncut beweist sehr schön, dass bevor die Diskussion stattfinden kann, die Teilnehmer bereit sein müssen die Designbranche insgesamt in Frage zu stellen.

Brauchen wir so viele Designstudenten? Brauchen wir so viele Designer? Brauchen wir so viele Produkte? So viele Praktikanten – bezahlt oder nicht?

Natürlich nicht.

Aber der Großteil derer, die sich an der #milanuncut Twitter Diskussion beteiligt haben, scheint hauptsächlich an einer Neuorganisation der Profite innerhalb der bestehenden Branchenstruktur interessiert zu sein als daran, die Branche fundamental umzugestalten in eine nützliche und proaktive Industrie.

Ja ja. Wir wissen schon. Hinter uns steht eine Firma die Designermöbel verkauft. Mit Gewinn.

Aber das heißt nicht automatisch, dass wir neue Stühle, neue Tische und Lampen bis zum Erbrechen wollen.

Wir wollen gute, vernünftige Produkte, die uns etwas Neues bieten und eine Funktion erfüllen – neben der rein ökonomischen.

In seinem Artikel im Guardian erwähnt Justin McGuirk den Tip Ton Chair von Barber Osgerby für Vitra. Ein gutes, vernünftiges Produkt – neu, interessant und nützlich.

Er erwähnt nicht L’Oiseau von den Bouroullecs für Vitra, denn der ist weder gut noch vernünftig.

Letztes Jahr in Mailand hat uns Ronan Bouroullec erzählt, dass sie Weniger aber dafür Besseres machen wollen. Die Enttäuschung im (smow)blog Büro war entsprechend groß als wir die ersten Fotos vom L’Oiseau gesehen haben.

Die größte Schwäche von #milanuncut liegt aber im Fehlen jeglicher Vorschläge wie man vernünftige Einkommen für Designer sicherstellen könnte in einer ökonomisch nachhaltigen Branche.

Weniger Designer die weniger produzieren und dafür aber professioneller?

Ja ja. Wir wissen schon. Als ob verrückte Idealisten wie wir noch einen Platz in unserer oberflächlichen Nabelschau namens Welt hätten.

#milanuncut hat eine App! Wir haben nicht mal ein Gerät, mit dem wir das nutzen könnten!

Also nehmen wir mal an, jeder der sich selbst Designer nennen darf, kann so viele neue Produkte veröffentlichen wie er will, wie können wir dann gute Einkommen für alle garantieren?

Etablierte Designer müssen aufhören, sich mit ihren Waren zu prostituieren.

Nach unserer Erfahrung gibt es zwei Arten von Herstellern: Die, die echtes Interesse daran haben, langfristige Beziehungen mit Designern aufzubauen; und die, die die Namen von etablierten “Stardesignern”  für ihr Marketing benutzen. Bekannte Designer müssen lernen zu unterscheiden. Sie müssen aufhören alles zu akzeptieren, was ihren Weg kreuzt, und eben auch dazu beitragen die Flut sinnloser Produkte die jedes Jahr den Markt überschwemmen zu stoppen. Jobs für verschiedene Hersteller unter allen Umständen? Bitte nur aus den richtigen Gründen!

Wenn wir weniger Marketing-Produkte von den gleichen wenigen großen Namen haben, werden auch jüngere Designer eine Chance haben “… ihre Arbeiten professionell herstellen zu können” wie es Jason Miller von Roll and Hill formuliert hat.

Produzenten müssen mehr in Neues und weniger in Altes investieren.

In seinem Artikel erklärt Justin McGuirk dass Giulio Cappellini im derzeitigen Klima der Branche keine Karrieren mehr fördern kann wie er es bei den Bouroullecs, Jasper Morrison oder Marc Newson gemacht hat.

Aber das ist Quatsch. Natürlich kann er das.

Die Cappellini Show in Mailand war übersät mit Arbeiten interessanter, talentierter junger Designstudios, die Cappellinin unter seine Fittiche nehmen und promoten könnte.
(Und ein paar sehr lahme Stücke von Jasper Morrison gab es auch.)

Sogar eine Firma wie Cappellini muss sich fragen, ob es sinnvoll ist mit Jasper Morrison eine Lücke im Programm zu füllen.

Akzeptiert die Lücke und investiert das Geld in die Unterstützung eines jungen Designers bei der Entwicklung interessanter Projekte.

Das würde auch Jasper Morrison davon befreien, immer neue Ideen und Konzepte entwickeln zu müssen.

Übernehmt ein paar Methoden der Musik- und Verlagsbranche.

Das Vorschuss-Modell ist vielleicht nicht bei allen gleich beliebt, aber es funktioniert.

80.000 Euro für einen 3-Stühle-Deal? 10.000 Euro für eine Lampe?

Die Idee ist natürlich nicht neu, aber mit solch einem Modell, bei dem der Hersteller im Voraus bezahlt und es dann wieder reinbekommt, würde sich durch das finanzielle Risiko automatisch die Anzahl neuer Produkte reduzieren auf ein überschaubares Level.

Wir hören schon die Gegner rufen: “Ja, aber dann werden wir nur noch sterile und sichere Produkte haben.”

Als ob Mailand 2011 ein Ausbund an grenzwertigen, risikoreichen Stuhlinnovationen und neuer Ästhetik gewesen wäre!

L’Oiseau!

Talentierte Designer werden genau wie talentierte Autoren oder Musiker immer an die Obefläche kommen, da sie etwas zu sagen haben und wissen, wie sie es sagen wollen.

Justin McGuirk schreibt für den Guardian. Wir nicht.

Sicherlich gibt es Produzenten (und die wird es auch immer geben), die nur Produkte herstellen, von denen sie denken, dass sie am Markt funktionieren – oft basierend auf irgendeiner lächerlichen “Trendanalyse”. Sie helfen niemandem außer ihnen selbst. Aber es gibt durchaus auch Hersteller, die etwas tiefer gehen und die langfristigen Vorteile von Innovationen sehen, die bereit sind Risiken einzugehen. Gut durchkalkulierte Risiken zwar, aber immer noch Risiken.

Letzten Endes ist es doch so: Wenn wir die Anzahl der Produkte und Designer begrenzen können, können die verbleibenden Designer auch entsprechend bezahlt werden.
Der Rest kann in anderen Bereichen arbeiten, und in der Freizeit Dinge entwerfen.

Tschuldigung. Niemand hat gesagt, das Leben wäre fair.

Wir finden die Idee hinter #milanuncut interessant und wichtig.

Aber nächstes Jahr sollten im Vorfeld mehr gute Leute an Bord geholt werden und die Diskussion besser moderiert werden.

Von Marcus Fairs kamen ein paar mutige Vorstöße, die Diskussion in eine andere Richtung zu lenken. Das Thema Business-Seminare an Designhochschulen ist auch regelmäßig Gegenstand unserer Reihe (smow)Introducing Interviews und unserer Meinung nach ein schwerwiegender Mangel in der Designausbildung. Aber die meisten wollten nur unbezahlte Praktika diskutieren.

Unbezahlte Praktika sind wirklich übel – egal ob in Design, Journalismus, IT oder wo auch immer Arbeitgeber denken, sie kommen damit durch. Aber diese Diskussion ist ohne Bezug zu dem eigentlichen Thema.

Schade.

Vielleicht nächstes Jahr.



Möbelmesse Mailand 2011: Time to say goodbye?

Monday, May 2nd, 2011
Nils Holger Moormann's critique on the vagaries of the designer furniture industry.

Nils Holger Moormanns Kritik an den Launen der Designmöbelbranche

Wie alle wissen sind wir keine großen Fans von Mailand.

Die Stadt lieben wir, die Größe und die Kosten ihrer Möbelmesse und der Design Week allerdings nicht.

Vor ein paar Monaten haben wir mit Giulio Cappellini gesprochen, einem der “Mailänder Designlegenden”. Er meinte, Mailand müsse darauf achten, nicht zu groß zu werden.

Ein Design Festival bei dem es körperlich unmöglich ist alles zu sehen, ist für uns schon sehr nah an der Definition von “zu groß”.

Ehrlich gesagt, möchten wir auch gar nicht alles sehen. Es wäre nur schön wenn man die Chance dazu hätte.

Und so bestand unsere größte Herausforderung auf der diesjährigen Möbelmesse darin “50 reasons not to leave Fuorisalone Milan Design Week” zu finden.

Es ist uns nicht gelungen.

Momentan gibt es einfach zu wenig gute Gründe, die die Existenz der Mailänder Möbelmesse in der jetzigen Form rechfertigen würden.

Dafür aber drei für uns sehr gute Gründe den ganzen Wahnsinn zu beenden:

1. Es gibt zu viele alte Produkte auf der Messe.

2. Sie ist ökologisch nicht vertretbar.

3. Es ist ein sich selbst erhaltender Hype geworden.

1. Es gibt zu viele alte Produkte auf der Messe.

Mailand hat bereits ein Design Museum, die jährliche Möbelmesse muss also keins werden. Unserer Meinung nach sollte sich eine Möbelmesse mit neuen Produkten und neuen Entwicklungen befassen und nicht die bereits existierenden Fakten feiern. Ein gutes Beispiel dafür ist Kartell, die ca. 30% ihres Standes in diesem Jahr neuen Produkten widmeten und 70% etablierten Kartell Top-Sellern. Und damit waren sie nicht allein. Wieder einmal gab es zu viele bekannte Gesichter in Mailand. Wir meinen daher, dass es eine striktere (Selbst-)Kontrolle der Organisatoren und der Hersteller geben sollte, um sicherzustellen das ausgestellte Sachen hauptsächlich neu sind. Und bedeutend. Denn letzten Endes haben alle etwas davon, wenn die Fiera kleiner, innovativer und fokussierter ist.

2. Sie ist ökologisch nicht vertretbar.

Zur Fußball-Weltmeisterschaft 2006 haben wir uns ausführlich mit der Ökokampagne “Green Goals” und dem generellen Einfluss von großen Sportveranstaltungen auf die Umwelt befasst. Eine Möbelmesse ist eine vergleichbare Veranstaltung. Zum Einen werden extrem Ressourcen verbraucht um die Aussteller, Besucher, Journalisten und Waren nach Mailand zu transportieren, zum Anderen gibt es die Unmengen an Infomaterial, Presse CDs, Einladungen usw., die größtenteils eh im Müll landen. Exemplarisch sei hier die PVC-Tragetasche von Tom Dixon und Blackberry genannt, die nur ein Poster der Tom Dixon Kollektion enthielt.

Dafür dass die Branche vorgibt, aus unserer Welt einen besseren Ort machen zu wollen, machen sich die wenigsten Designer Gedanken über die ökologischen Auswirkungen ihrer jährlichen Zusammenkunft oder darüber wie man sie reduzieren könnte.

Vielleicht machen sie sich auch Gedanken, mögen aber die offensichtliche Schlussfolgerung nicht…

3. Es ist ein sich selbst erhaltender Hype geworden.

Und daher definitionsgemäß unbedeutend.

Man muss nach Mailand. Weil es Mailand ist. Und was ist das Ergebnis von Mailand? Dass man nach Mailand muss. Weil es Mailand ist.

Konstantin Grcic hat davon gesprochen, dass Mailand einen bestimmten Rhythmus in das Jahr eines Designers bringt. Wir verstehen, worauf er und die vielen anderen, die ähnlich argumentieren, hinaus wollen. Aber wir können dem nicht zustimmen.

Dass ein Möbelhersteller darauf wartet, ein Möbel auf einer speziellen Messe zu veröffentlichen ist ok. Aber muss es Mailand sein?

Eine Tatsache die in Mailand oft angesprochen wurde und die uns tarurig macht, ist dass viele Designer und Hersteller aus dem deutschen Raum die IMM Cologne aufgegeben haben (oder aufgeben werden).

Denn sei es in Köln, Stockholm, London, Eindhoven oder wo auch immer … es gibt es mehr als genug etablierte nationale Designwochen und Messen, auf denen neue Kollektionen und Produkte gezeigt werden können.

Die modernen Medien, die Designer oder Möbelhersteller brauchen, sind heutzutage zumeist online und werden von Design Blogs, Twitter, Facebook etc. dominiert. Deshalb macht es für die Produzenten auch kaum einen Unterschied, wo ein Stuhl veröffentlicht wird – solange sie und die Messeorganisatoren alles richtig machen.

Das ist die Richtung die die Möbelbranche unserer Meinung nach einschlagen sollte: weniger Hersteller in Mailand, mehr auf ihren “lokalen” Shows. Wenn die Verteilung wieder ausgewogen ist, gibt es auch für junge Designer und kleinere Hersteller wieder mehr Raum und mehr Möglichkeiten, sie zu hören, sie zu sehen und sie zu genießen.

Wer aber macht den ersten Schritt und geht nicht mehr nach Mailand?

Und können Messen wie die IMM Cologne eine attraktive Alternative sein? Das war zuletzt leider nicht der Fall.

Nur um das noch einmal klar zu stellen: Wir wollen nicht das Ende von Mailand.

Wir sind keine Monster.

Nur muss es eine ernste Diskussion darüber geben, ob die Messe in die richtige Richtung geht, ob sie nach 50 Jahren überhaupt noch etwas Erstrebenswertes erreicht, was wirkliche Alternativen sind und was passiert, wenn die Branche beschließt das Biest weiter zu füttern.

Denn falls Mailand implodiert, …

fuorisalone-milan-design-week-2011

Möbelmesse Mailand - 50 Jahre alt und immer noch in Fahrt. Aber in die richtige Richtung?



Möbelmesse Mailand 2011: Konstantin Grcic @ Azucena

Thursday, April 28th, 2011
konstantin-grcic-azucena-2

Entre-Deux von Konstantin Grcic für Azucena

Das erste Produkt von Konstantin Grcic für Azucena zählt definitiv zu den besseren Arbeiten und Kooperationen, die wir in Mailand gesehen haben.

Entre-Deux ist ein einfacher, zurückhaltender Schirm/Raumteiler, aber das Interessante daran ist tatsächlich die Kooperation.

Also haben wir mit Konstantin Grcic gesprochen um herauszufinden wie es zu der Zusammenarbeit kam und wie sich das Ganze in Zukunft entwickeln könnte.

(smow)blog: Wie kam es zu der Kooperation zwischen Ihnen und Azucena?

Konstantin Grcic: Angefangen hat es mit einem Meeting mit der aktuellen Geschäftsführerin Marta Sala, die auch die Nichte von Caccia Dominioni ist, einem der Gründer von Azucena. Als Firma hat Azucena immer relativ zurückhaltend als kleines Familienunternehmen agiert. Alle Produkte wurden von den gleichen drei Designern bzw. Gründungsmitgliedern entworfen, die nun langsam in die Jahre kommen. Da stellt sich automatisch die Frage, wie man weitermachen möchte. Konserviert man das und schließt damit ab? Oder soll man versuchen, den Geist weiterzuführen? So bin ich ins Gespräch gekommen als jemand aus einer anderen Generation, einem anderen Land, einer anderen Tradition, der aber dennoch Berührungspunkte und ähnliche Ideen zu den Dingen und ihrem Herstellungsprozess oder Verwendungszweck hat. So haben wir uns letzten Sommer kennengelernt und viel miteinander gesprochen. Ich habe viel über den Hintergrund des Unternehmens und über die Produkte erfahren. Und aus diesen Gesprächen hat sich dann auch ganz natürlich der Wunsch entwickelt zusammen arbeiten zu wollen.

(smow)blog: Kann man sagen, dass Sie die Firma in gewisser Weise retten wollten?

Konstantin Grcic: Nein, überhaupt nicht, denn da muss nichts gerettet werden. Es funktioniert so wie es ist. Man könnte es auch so belassen und es würde immernoch funktionieren. Ich kenne Azucena schon eine Weile und habe es immer als etwas betrachtet, was tatsächlich abgeschlossen ist. Aber dann habe ich Marta kennengelernt. Azucena ist ihr Leben – so wie es auch das Leben ihres Onkels oder ihrer Mutter war. Für Marta ist klar, dass es weitergehen muss und einen neuen “Spirit” braucht, wenn es ihr Leben ist.  So haben wir über den Dialog und die Zeit, die wir miteinander verbracht haben, beschlossen, etwas zusammen zu machen.

(smow)blog: Kann die Geschichte, die hinter der Firma steht, teilweise einschüchternd wirken? Denken Sie manchmal, man hätte sich lieber nicht einmischen sollen?

Konstantin Grcic: Nein, ich glaube es hat mich deshalb nicht abgeschreckt, weil es mir durch Marta so vermittelt wurde, dass man es nachvollziehen kann. Es ist keine unumstößliche Geschichte auf einem Marmorsockel. Ich verstehe jetzt aus welchen Gründen und in welchen Situationen diese Dinge entstanden sind. Die Designer heute sehen sich im Prinzip mit ähnlichen Umständen konfrontiert.

(smow)blog: Wir nehmen an, es gibt Pläne für eine weitere Zusammenarbeit?

Konstantin Grcic: Genau, Entre-Deux ist nur ein ganz kleiner Anfang und die Idee ist, dass ich mindestens so lange hier weiter arbeite, bis ich 94 Jahre alt bin – wie Caccia Dominioni jetzt…

(smow)blog: … Sie halten Sie gefangen…

Konstantin Grcic: … Es gibt kein Entkommen…

(smow)blog: Kurz zum Entre-Deux. Wie kam es zu dieser Form?

Konstantin Grcic: Einfach weil es kein so konkretes Produkt ist. Als erstes Statement, als ersten Versuch wollte ich es sehr abstrakt halten. Es ist kein primäres Möbelstück wie ein Stuhl oder ein Tisch, sondern eher eine Peripherie. Es funktioniert eigentlich nur im Zusammenhang mit anderen Dingen und schafft einen Raum. Das war mir wichtig. Es tritt aber auch in Dialog mit dem, was da ist. Es schafft eine Bühne und reflektiert die Dinge. Das waren meine Gedanken. Das kommerzielle Produkt stand bei diesen Überlegungen eigentlich eher im Hintergrund. Es ist eine sehr spezielle, sehr persönliche Reaktion auf das, was es hier gibt. Es ist das erste Stück, und von hier an geht es weiter.

(smow)blog: Unsere erste Reaktion auf Entre-Deux war, dass es den anderen Stücken in der Azucena-Kollektion Respekt zollt. Es sagt nicht “Ich bin Konstantin Grcic und habe ab sofort hier das Kommando.”

Konstantin Grcic: Genau, es ist ein bescheidener Eintritt, wenn man das so sagen kann. Ich bin hier, stehe aber nicht im Mittelpunkt. Das war mir von Anfang an wichtig. Für die kommenden Stücke wird es aber auch wichtig sein, selbstsicherer zu werden, so wie es die Firmengründer damals auch hielten: “Hier sind wir und das ist was wir tun.” Was genau als Nächstes kommt ist noch offen, aber es wird auf jeden Fall weitere Stücke geben.

(smow)blog: Wenn wir Entre-Deux mit Ihren früheren Arbeiten vergleichen, wirkt es viel reifer, nicht so verspielt…

Konstantin Grcic: … Ich werde älter. Das ist die traurige Wahrheit. Aber ich sehe das sehr positiv, ich bin froh dass ich keine 25 oder 30 mehr bin. Ich bin auf jeden Fall erwachsener geworden, nicht unbedingt konservativer, aber erfahrener. Die Interessen verschieben sich, man möchte neue Dinge ausprobieren, die man noch nie gemacht hat. Das finde ich positiv.

(smow)blog: Ganz unsere Meinung! Wir wünschen viel Erfolg mit den zukünftigen Projekten.

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Der Designer und sein Werk in der Azucena Villa in Mailand



Möbelmesse Mailand 2011: Richard Lampert

Wednesday, April 27th, 2011
Stack by Patrick Frey under

Experten begutachten Stak von Patrick Frey

Neben der Kids Only Kollektion hat Richard Lampert in Mailand zwei neue Produkte vorgestellt: Stijl von Alexander Seifried und Stak von Patrick Frey.

So wie die Entwicklung einer Kinderkollektion ein lang gehegter Wunsch von Richard Lampert war, wollte er auch die Rehabilitierung der viel verschmähten Küchen-Eck-Bank, die früher in jeder Berghütte zu finden war, vorantreiben.

Wir kennen Leute, die meinen, eine Rehabilitierung der genialen Küchenecke sei unnötig. Aber warum sollte man sich Küchenstühle in den Weg stellen, wenn sie doch schön Teil des Tischarrangements sein könnten? Warum?

Stijl ist bewusst zurückhaltend gestaltet und technisch gesehen gar kein Eckbankensemble. Es ist eher eine Tisch-Bank-Kombination, die entweder als “normale/r” Bank/Tisch in Standardmaßen geliefert werden kann oder aber in den Wunschmaßen des Kunden.

Die Konstruktion aus massiver Fichte gehört rein optisch einfach in eine Küche. Und darum geht es ja auch.

Ebenso bewusst unkompliziert ist Stak von Patrick Frey.

Das modulare Aufbewahrungssystem aus Stahl und Holz ist unendlich erweiterbar. Stak gibt es in einer Tiefe, zwei Höhen und zwei Breiten. Die individuellen Einheiten greifen einfach ineinander sodass zum Aufbau kein Werkzeug benötigt wird.

Viel mehr gibt es nicht zu sagen. Unserer Meinung nach sind die Produkte eine logische Ergänzung der Richard Lampert Kollektion, der es bisher – abgesehen von den Egon Eiermann Regalen – immer an Aufbewahrungs- und Regalsystemen fehlte.

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Stijl von Alexander Seifried für Richard Lampert, hier zusammen mit dem Prater Chair von Marco Dessi

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Stak von Patrick Frey für Richard Lampert



Möbelmesse Mailand 2011: Roll and Hill

Monday, April 25th, 2011

Wie Ihr wisst, sind wir große Fans des Brooklyner Designers Jason Miller.

Und von seiner Lichtbude Roll and Hill.

Roll and Hill wurde 2010 als Hersteller moderner High End Beleuchtung gegründet – mit dem Ziel eine “amerikanische Perspektive” in den globalen Beleuchtungsmarkt zu bringen. Zur Zeit sind Arbeiten von sechs Designstudios im Programm.

In Mailand haben Roll and Hill ihre zweite Kollektion präsentiert. Oder zumindest den ersten Teil der zweiten Kollektion. Zwei weitere Stücke werden auf der ICFF im Mai in New York vorgestellt. Außerdem stellen Roll and Hill die Beleuchtung für die ICFF Bar. Vitra stellt die Möbel.

In Mailand vorgestellt wurden Endless von Jason Miller (ein modulares Beleuchtungssystem das sowohl eine Wand als auch eine Hängeleuchte sein kann), Knotty Bubbles von Lindsey Adelman und Odds & Ends von Jason Miller. In New York werden sie durch Arbeiten von Paul Loebach und Jonas Damon ergänzt.

Unser Highlight ist auf jeden Fall Endless. Das Stück ist so schön selbstbewusst und funktioniert wahrscheinlich in kommerzieller wie auch in heimischer Umgebung sehr gut.

Natürlich nur wenn der entsprechende Platz vorhanden ist, sodass sich das Licht voll entfalten kann.

In Mailand haben wir kurz mit Jason Miller über die neue Kollektion, seinen Messeauftritt und das erste Jahr von Roll and Hill gesprochen.

roll and hill

Fuorisalone Mailänder Designwoche 2011: Roll and Hill

(smow)blog: Warum haben Sie Roll and Hill gegründet?

Jason Miller: Im Prinzip habe ich Roll and Hill aufgebaut, weil es zwar eine Menge richtig guter Arbeiten in New York gab, aber leider in den USA nur begrenzte Möglichkeiten für Designer. Roll and Hill sollte Designern die Möglichkeit geben ihre Arbeiten professionell herstellen zu können.

(smow)blog: Im Moment vertreten Sie sechs oder sieben Designstudios. Werden Sie regelmäßig von Designern angesprochen, die in das Portfolio aufgenommen werden möchten?

Jason Miller: (lacht) Ja, ja! Von Anfang an, seit wir unsere Gründung publik gemacht haben.

(smow)blog: Das ist ja auch eine Bestätigung Ihrer Idee. Die Firma gibt es jetzt seit gut einem Jahr: Gab es positives Feedback? Sind Sie zufrieden mit den Reaktionen?

Jason Miller: Absolut. Die erste Kollektion wurde sehr gut angenommen, die zweite wird gerade hier in Mailand vorgestellt.

(smow)blog: Warum wollten Sie in Mailand ausstellen?

Jason Miller: Weil Europa ein Riesenmarkt ist.

(smow)Blog: Kommen die Käufer nicht nach Amerika?

Jason Miller: Nein, es gibt kein wirkliches Äquivalent in den Staaten. Wir haben zwar Möbelmessen, aber die sind viel kleiner und haben meist nur amerikanische Besucher. Es gibt einfach keine Alternativen für Mailand.

(smow)blog: Arbeiten Sie mit den Jason Miller Studios noch an anderen Projekten – außer Licht? Oder haben Sie komplett auf Beleuchtungsdesign umgeschwenkt?

Jason Miller: Wir machen auch noch andere Sachen. Und es wird ein paar Jahre dauern, bis Roll and Hill so läuft wie es laufen sollte. Bis dahin werde ich sicher sehr wählerisch sein in der Auswahl der Projekte. Aber ja, das Jason Miller Studio gibt es noch und es geht ihm gut.

(smow)blog: Das freut uns. Wir wünschen viel Erfolg mit der neuen Kollektion.

Weitere Information zu Roll and Hill und der neuen Kollektion gibt es unter www.rollandhill.com

Jason Miller from Roll and Hill

Jason Miller (Dritter von links) von Roll and Hill



Möbelmesse Mailand 2011: Arik Levy

Thursday, April 21st, 2011
Arik Levy

Arik Levy

Im verschneiten Stockholm hatten wir uns mit Arik Levy getroffen und unter anderem über seine Aufgaben als Ehrengast der Möbelmesse Stockholm gesprochen.

Im sonnigen Mailand haben wir uns auch wieder kurz mit Arik Levy verabredet und wollten von ihm wissen, wie es in Stockholm für ihn gelaufen ist und welche Bedeutung er der Messe in Mailand beimisst.

(smow)blog: Ist die Mailänder Möbelwoche noch wichtig? Ist sie noch relevant?

Arik Levy: Die Messe an sich ist sehr wichtig, was außenrum passiert ist weniger relevant. Aber die Messe hat ihren Platz und ihren Einfluss. Das sieht man und das ist gut so.

(smow)blog: Also kann man nach wie vor gute neue Produkte auf der Möbelmesse finden?

Arik Levy: Ja, natürlich. Aber noch wichtiger ist die Kontinuität und Dynamik. Es geht nicht darum, Löcher zu füllen, es geht nicht darum hier einen neuen Stuhl und dort einen neuen Tisch zu machen. Es geht darum, eine Philosophie zu schaffen und den Firmen mit denen man zusammen arbeitet beim Wachstum zu helfen und mit ihnen zu wachsen.

(smow)blog: Sind Sie also zufrieden mit den Produkten die Sie hier in Mailand präsentieren?

Arik Levy: (lacht) Natürlich!

(smow)blog: Wir haben uns das letzte Mal in Stockholm gesehen, als Sie Ihre Installation auf der Möbelmesse präsentiert haben. Hat das so funktioniert, wie Sie es sich erhofft hatten?

Arik Levy: Wissen Sie, ich habe der Messe in Stockholm einen Impuls gegeben, den sie so nie hatte. Bei allen anderen Installationen – ohne die Arbeit an sich kritisieren zu wollen – sieht man auf den Bildern, dass niemand da war. Sie waren leer. Es war wie ein Designmuseum. Ich finde das langweilig. Es gibt mir nichts und auf der Welt geht es doch um Menschen. Es geht nicht um Tische und Stühle. Also wollte ich etwas machen, wo Menschen dabei sein können, arbeiten können, schlafen können, was auch immer. Und es war den ganzen Tag voll. Als die Messe zu Ende war, kam der Manager zu mir und sagte “Arik, Du hast unsere Denkweise revolutioniert. Wir wollen Dein Konzept für alle unsere Messen übernehmen.” Die Installation hat eine Gemeinschaft geschaffen. Und was könnte wichtiger als das? Ich habe den Samen gesät, daraus wurde ein Baum und bald wird ein Wald daraus. Das macht mich glücklich, denn es ist nun etwas für die Zukunft.

(smow)blog: Im Prinzip entspricht das dem, was Sie sich vor der Messe erhofft hatten.

Arik Levy: Genau!

(smow)blog: Danke für Ihre Zeit. Viel Spaß in Mailand!

Arik Levy Guest of honour lounge at Stockholm Furniture Fair

Arik Levys "Guest of Honour Installation" auf der Stockholm Furniture Fair



Möbelmesse Mailand 2011: (smow) empfiehlt

Tuesday, April 19th, 2011

Manchmal vergisst man glatt, dass es in Mailand nicht nur darum geht zu zeigen wie clever man ist.

Sondern auch um Möbel.

Ein interessantes Barometer für uns sind auch immer die Dinge, die dem (smow)Team ins Auge (und ins Herz) fallen.

Was möchten sie in der (smow)Kollektion sehen? Was gefällt ihnen? Was finden sie interessant?

Sie liegen oft falsch. Aber es ist trotzdem gut und interessant zu wissen. Und wir wissen alle: Design ist auch subjektiv.

Auf Facebook haben wir ein paar Fotos des Teams von der Mailänder Möbelmesse 2011 veröffentlicht.

Thonet @ Salone Milano 2011. A (smow)team tip

. (smow) empfiehlt: Thonet @ Salone Milano 2011. Hier klicken für mehr Bilder.



Möbelmesse Mailand 2011: Azucena

Monday, April 18th, 2011
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Battibius von Luigi Caccia Dominioni für Azucena

Die Geschichte von Azucena beginnt im Jahre 1947 als eine Gruppe junger Mailänder Architekten anfing eigene Möbel und Einbauten für ihre Häuser zu bauen.

Azucena arbeitete mit Zulieferern aus Industrie und Handwerk zusammen um eine Kollektion moderner und manchmal auch hochexperimenteller Stücke zusammenzustellen und zählt zu den ersten Designmöbelherstellern Italiens.

Und wohl auch Europas.

Während es aber viele der Firmen die nach ihnen kamen zu weltweitem Ruhm gebracht haben und zum Maßstab für italienische Designkultur wurden, blieb Azucena eigentlich ein Mailänder Geheimtipp; und eine Firma die wohl kaum ein Messebesucher auf dem Radar hat.

Ironie des Schicksals.

Wenn nicht gar Symbolik.

Besonders wenn man die Azucena-Kollektion mit vielen Produkten vergleicht, die auf dem Salone 2011 neu vorgestellt werden.

Luigi Caccia Dominionis Battibius ist zum Beispiel ein wunderbar leichter, gebogener Eisensessel aus dem Jahr 1959.

Oder Catilina ein genauso einfacher aber eleganter Stahl- und Lederstuhl.

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Lampada Poltrona von Luigi Caccia Dominioni für Azucena

Ein weiteres Highlight für uns ist Dominionis Lampada Poltrona aus dem Jahr 1979 – eigentlich ein Lederriemen mit eingebauter regelbarer Messinglampe. Und ein Schalter.

Die Idee ist dass Lampada Poltrona über einen Stuhl, Beistelltisch oder Kissen gelegt werden kann. Eine mobile Leselampe. Genial.

Bis heute wurden alle Azucena Produkte von nur drei Leuten entworfen – alle Azucena Mitgründer: Luigi Caccia Diminioni, Corrado Corradi Dell’Acqua und Ignazio Gardella.

Eine Tatsache die auch langsam zu ihrem größten Problem wurde … auch Designer und Architekten werden einmal älter.

Also ist Azucena eine Kooperation mit einem neuen Designer eingegangen: Konstatin Grcic.

Aus unserer Sicht eine potentiell sehr gute Entscheidung wenn man die bestehende Kollektion mit Konstantin Grcics Interpretation von reduziertem minimalistischen Design vergleicht.

Die erste Frucht dieser Zusammenarbeit wurde in Mailand auf der Fuorisalone 2011 vorgestellt.

Der Raumteiler Entre-Deux aus eloxiertem Aluminium ist elegant und schlicht zugleich. Das Design spiegelt die Tradition von Azucena und die bereits bestehende Kollektion wider.

Er soll reserviert erscheinen und Respekt erweisen. Wir finden, er ist ein großartiges erstes Produkt. Weitere Stücke sind in Entwicklung.

Wenn sie so gut sind, wie sie theoretisch sein sollten, werden sie dem Namen Azucena alle Ehre machen.

Und sie sollten dafür sorgen, dass in Zukunft ein paar mehr Messebesucher den Weg zur Via della Passione finden.

(Was natürlich auch ironisch und symbolträchtig wäre …)

Weitere Informationen zu Azucena gibt es unter www.azucena.it

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Entre-Deux von Konstantin Grcic für Azucena

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Entre-Deux in Kombination mit Catilina Bassa von Luigi Caccia Diminioni