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IMM Cologne 2013: Wilde+Spieth. Interview mit CEO Thomas Gerber

Thursday, February 14th, 2013

Treue Leser unseres Blogs wissen bereits, dass wir die Abwesenheit einiger der wichtigsten deutschen Designermöbelhersteller immer als ein Zeichen der Schwäche der IMM Cologne gesehen haben. Diese Leser werden daher unsere Verwirrung verstehen, als wir gehört haben, dass Wilde+Spieth – endlich – bei der IMM Cologne dabei sind.

Wir haben uns gefreut, dass sie teilnehmen. Aber jetzt haben wir leider einen Beweis für die Schwäche der IMM weniger.

Wilde+Spieth hat seinen Sitz in Esslingen, einem Ort in der Nähe von Stuttgart, und stellte ursprünglich Fensterrollläden her, bis 1948 Egon Eiermann mit einer einfachen Anfrage auf das Unternehmen zukam. Er brauchte extra weite Fensterläden für die Ciba Ag Fabrik, die er gerade in Wehr, Baden baute. Daran knüpfte Eiermann noch eine weiter Anfrage an, die er kurz mit “Kinderchen könnt ihr auch Stühle bauen?” formulierte.

Und sie konnten.

Egon Eiermanns hoffnungsvolle Frage sollte sich zu einer der produktivsten, erfolgreichsten, aber vor allem innovativsten Zusammenarbeiten in der Geschichte des deutschen Möbeldesigns entwickeln.

Zusammen brachten Wilde+Spieth und Egon Eiermann über 30 Produktpaletten auf den Markt und sogar heute, ungefähr 43 Jahre nach Eiermanns Tod, bleiben die beiden unzertrennbar, indem Stühle wie der SE 18, der SE 42 oder der SE 68 ihren verdienten Platz im Olymp des europäischen Designs eingenommen haben.

Viele von Eiermanns frühen Kooperationen mit Wilde+Spieth wurden auf der Internationalen Möbel Messe Köln, dem zweijährig stattfindenden Vorgänger der jetzigen IMM, lanciert und so war es irgendwie mehr als passend, dass bei dem Debut des Herstellers auf der modernen IMM vier Eiermann-Klassiker in neuen Farben aus der Le Corbusier “Les Couleurs” Kollektion präsentiert wurden.

Daneben, und in vielerlei Weise bedeutungsvoller, nutze Wilde+Spieth die IMM Cologne 2013 außerdem, um neue Produkte zu lancieren: CU! von Avinash Shende, TG1 von Thore Garbers und Typus von Edelhoff & Nettesheim.

Es schien daher naheliegend, die Möglichkeit zu ergreifen und mit dem Wilde+Spieth CEO Thomas Gerber über die neuen Produkte und das Leben mit Egon Eiermanns Erbe zu sprechen. Aber zunächst  haben wir ihn gefragt, warum sie sich nach all den Jahren doch dafür entschieden haben, auf der IMM Cologne auszustellen…

Thomas Gerber: Wir haben zwar z.B. oft auf der Orgatec ausgestellt, mit unseren Eiermann Stühlen hatten wir aber nie das Gefühl ausreichend Objekte zu haben, die man als “Wohnmöbel” bezeichnen könnte. Dieses Jahr bringen wir aber drei neue Produkte raus, Produkte, die sehr gut in den Wohnmöbelsektor passen und wir dachten, die IMM sei ein passender Ort, um sie zu lancieren. Auf der einen Seite wegen des internationalen Profils der Messe und auf der anderen Seite wegen des heterogenen Publikums – Architekten, große Ketten, aber auch kleine Läden repräsentieren sehr gut unsere Zielgruppe.

(smow)blog: Bevor wir zu den neuen Produkten kommen, erst einmal zu Ihrem bisherigen Produkt-Portfolio: Bis jetzt hat sich Wilde+Spieth mehr oder weniger nur auf die klassischen Egon Eiermann Stuhldesigns konzentriert. Auch wenn das wahrscheinlich ein Vorteil ist, inwiefern kann so eine enge Verbindung zu so einem berühmten Möbelarchitekten auch ein Fluch sein?

Thomas Gerber: Nun, der Geschmack der Kunden ändert sich zum Glück nur sehr langsam. Die Popularität von Designklassikern verläuft zyklisch und so kommt es, dass es Phasen gibt, in denen die Eiermann Stühle in sind, aber auch solche, in denen Eiermann Möbel out sind. Solche Phasen sind natürlich sehr schwer für uns. Einen großen Teil unseres Geschäftes machen die Aufträge aus dem Projektgeschäft aus und wenn ein Projektmanager keine Designklassiker für sein Projekt will, dann haben wir ein Problem. Was schließlich auch ein Grund für die Einführung neuer Produkte ist.

Und da fängt dann der Fluch erst richtig an. Denn, wenn wir bekannt geben, wir bringen etwas Neues auf den Markt, dann sind die Erwartungen sehr hoch. Es wird erwartet, dass wir etwas herausbringen, das genauso gut ist wie das, was wir zurzeit haben, das aber gleichzeitig billiger ist und das zum nächsten Klassiker wird. Das macht es sehr schwierig. Über die Jahre hatten wir mit zahlreichen Designern und Architekten zusammengearbeitet, aber bis jetzt nichts als wirklich passend empfunden …

(smow)blog: Bis jetzt! Dieses Jahr stellen Sie drei neue Produkte vor. Was haben die, was die anderen nicht hatten?

Thomas Gerber: Wahrscheinlich liegt es daran, dass wir die Suche von einer anderen Perspektive angegangen sind. Dieses Mal haben wir die Designer eher uns suchen lassen als jemanden zu beauftragen, der etwas für uns entwirft. Den CU! Stuhl von Avinash Shende z.B. haben wir auf der Salone Satellite in Mailand entdeckt, waren sofort begeistert und haben überlegt, ihn – insofern es wirklich passt - in unser Sortiment aufzunehmen. Als die Entscheidung einmal getroffen war, mussten wir das Design nur noch etwas optimieren, sodass der Stuhl seriell hergestellt werden konnte.

(smow)blog: Wir vermuten, das bedeutet, Sie sind zuversichtlich die Erwartungen zu erfüllen?

Thomas Gerber: Wir würden ihn nicht vorstellen, wenn wir es nicht wären! Bevor wir uns endgültig für das Projekt entschieden haben, haben wir den Stuhl z.B. mehreren Architekten gezeigt und bekamen 100% positives Feedback, was für uns dann einer der Gründe war, Ja zu sagen.

(smow)blog: Eine Sache, die uns bei CU! sofort aufgefallen ist, sind die Farben. War die Entscheidung für so eine helle Farbpalette auch ein Resultat aus den Reaktionen der Architekten?

Thomas Gerber: Zum Teil. Aber noch mehr ist CU! ein freches, frisches Produkt, das geradezu danach schreit bunt zu sein. Es kann auch für den Outdoorbereich genutzt werden, und wer sagt, dass Caféstühle immer schwarz oder weiß sein müssen?

(smow)blog: Unsere letzte Frage – bleiben wir bei den Farben: Sie lancieren außerdem vier Eiermann Klassiker in Tönen der Le Corbusier “Les Couleurs”-Kollektion. Warum die Le Corbusier Farben?

Thomas Gerber: Weil es alles gut zusammenpasst. Wenn man sich Le Corbusier und Egon Eiermann ansieht, findet man einige Parallelen. Beide lebten ungefähr zur gleichen Zeit, hatten ähnliche Leidenschaften und schließlich passen die Farben einfach sehr gut zu den Möbeln und man kann sagen, es kommt zusammen, was zusammengehört. Und natürlich ist ein Stuhl nur ein Teil eines Raumdesigns, zu dem unweigerlich auch andere Möbel, Tapeten, Teppiche usw. gehören – und die sind über andere Hersteller auch in den Le Corbusier Farben erhältlich. Weil die Farbtöne alle auf natürlichen Tönen basieren und aufeinander abgestimmt sind, kann man entweder eine einzige Farbe für ein Projekt nehmen oder die Farben mühelos miteinander kombinieren. Wir halten die polychrome Farbharmonie bei Les Couleurs für ein faszinierendes Konzept.

IMM Cologne 2013  Wilde+Spieth Egon Eiermann Le Corbusier Les Couleurs

IMM Cologne 2013: Wilde+Spieth Egon Eiermann Stühle in neuen Farbtönen aus der Le Corbusier "Les Couleurs" Kollektion

IMM Cologne 2013  Wilde+Spieth Egon Eiermann SE 68 SE 42 Le Corbusier Les Couleurs

SE 68 und SE 42 in Le Corbusier "Les Couleurs"

IMM Cologne 2013  Wilde+Spieth CU! by Avinash Shende

IMM Cologne 2013: CU! von Avinash Shende für Wilde+Spieth

IMM Cologne 2013  Wilde+Spieth Typus by Edelhoff & Nettesheim

Der Tisch Typus von Edelhoff & Nettesheim für Wilde+Spieth. Hier mit zwei SE 68ern. (Foto Wilde+Spieth)



Egon Eiermann – Neue Stühle für neue Kirchen. Der SE 119 und SE 121

Tuesday, December 20th, 2011

Am 17. Dezember 1961 wurde die neue Kaiser Wilhelm Gedächtniskirche in Berlin offiziell eingeweiht. Entworfen von Egon Eiermann war und ist der neue Kirchenbau ein selbstbewusster und moderner Ersatz für die alte Kaiser Wilhelm Gedächtniskirche; ein Gebäude, das zum Bedauern vieler Berliner Urgesteine der Bombadierung von 1943 zum Opfer fiel.

Wie auch in anderen Projekten dieser Zeit, entwarf Eiermann nicht nur das Gebäude, sondern gestaltete auch gleich das passende Mobiliar für das Kircheninnere.

Die neue Kaiser Wilhelm Gedächtniskirche war Eiermanns zweites Kirchenprojekt – und genau wie er von der Matthäuskirche Pforzheim architektonische Elemente wiederverwendete und neu verarbeitete,  transportierte er bekannte Elemente auch in Form des Mobiliars in das Innere der neuen Kaiser Wilhelm Gedächtniskirche.

egon eiermann wilde + spieth se 119

Stuhl für die Matthäuskirche Pforzheim. Entworfen von Egon Eiermann

Für die Matthäuskirche entwarf Eiermann einen einfachen, fast schon rustikalen Holz- und Weidenstuhl; für Berlin verwendete Eiermann die gleiche Grundform, wenngleich die Form unter neuem Materialeinsatz eine neue Ausstrahlung erhielt. In vielerlei Hinsicht wirkt diese Interpretation urbaner und mondäner.

Die Rahmenform bewahrend, ersetzt Eiermann den Weidensitz aus Pforzheim durch eine gurtgestützte Struktur. Das bemerkenswerteste am “Berliner Stuhl” ist die offene Konstruktion,  die plakativ zur Schau stellt, wie die Gurte um den Rahmen geschlungen sind.

neue kaiser wilhelm gedächtniskirche Berlin 2011

Stühle in der neuen Kaiser Wilhelm Gedächtniskirche, Berlin. Entworfen von Egon Eiermann

Auf der Rückseite hat Eiermann die zwei absolut unerlässlichen Elemente eines Kirchenstuhls eingearbeitet: Stauraum für das Gesangsbuch und einen Huthalter.

Wie wir alle wissen, hatte Egon Eiermann immer ein Problem damit, wenn Menschen versucht haben, seine Arbeiten mit den (gezwungenermaßen) früheren Arbeiten von Charles Eames zu vergleichen. Aber so sehr wir den kleinen schwarzen, ballförmigen Huthalter mögen und schätzen, kann sich ein Teil von uns nicht gegen den Wunsch wehren, Eiermann hätte eine Möglichkeit gefunden, die ein kleines bisschen weniger an einen Hang it All Haken erinnert…

neue kaiser wilhelm gedächtniskirche Berlin 2011

Der Gesangsbuchhalter und der Huthaken

Was Eiermann leider nicht von Pforzheim in Berlin übernommen hat, war sein berühmtes Tischgestell als Altar. Diese Entscheidung ist jedoch eher den vielen Meinungsverschiedenheiten zwischen Eiermann und dem Berliner Bistum geschuldet, als einer bewussten Entscheidung seitens Eiermann.

1985 stellt Wilde+Spieth den “Pforzheimer Stuhl” als SE 119 der Öffentlichkeit vor – laut Arthur Mehlstäubler1, der erste Stuhl, den Eiermann für ein Architekturprojekt entworfen hat und der daraufhin in die Serienproduktion ging. Das markiert in unseren Augen den Punkt, an dem Eiermann zu einem vollwertigen “Möbelarchitekten” im dänischen Sinne wurde. Obgleich der SE 119 schon 1958 als Esszimmerstuhl im deutschen Pavillion auf der Weltausstellung in Brüssel zum Einsatz kam.

1962 brachte Wilde+Spieth den “Berliner Stuhl” als SE 121 heraus, der ab 1964 in der Kanzlei der deutschen Botschaft in Washington verwendet wurde. Ohne Huthaken und Gesangsbuchhalter, allerdings.

Leider werden beide Stühle nicht mehr hergestellt, aber die Kirchen stehen noch und in beiden kann man einen wunderbaren Einblick in einen sehr speziellen Teil von Egon Eiermanns Oeuvre erhalten.

1. Aus Kielmeyer, Barbara, Hg. “Egon Eiermann – die Möbel”, INFO-Verlag, Karlsruhe 1999

neue kaiser wilhelm gedächtniskirche Berlin 2011

Die neue Kaiser Wilhelm Gedächtniskirche Berlin. Mit Eiermanns Stühlen, komplett mit Huthaken und Gesangsbuchhaltern



(smow)intern: Designmöbelkatalog 2011

Wednesday, July 6th, 2011

Technikverweigerer! Das wird (smow) ja normalerweise nicht nachgesagt. Soweit uns bekannt ist, hat noch kein (smow)Mitarbeiter einen iPad zertrümmert oder einen W-LAN Zugang gekappt um gegen die schleichende und zwanghafte Ausbreitung von Technologien in alle Lebensbereiche zu protestieren. Aber: In den ersten Wochen des Sommers waren alle im (smow)Hauptquartier mit der Vorbereitung und Herstellung des allerersten (smow)Katalogs beschäftigt. Ein realer gedruckter Katalog! Auf Papier! Mit Tinte!

Technikverweigerer? Au contraire, nos amis! Die Herstellung eines solchen analogen Katalogs ist technisch eine größere Herausforderung als dieses idiotensichere HTML zu programmieren. Und trotzdem ist es uns am Ende gelungen ein tolles Heft fertigzustellen. Gut gemacht, Katalogteam!

Neben einer Auswahl von (smow)Produkten enthält der Designmöbelkatalog 2011 auch biografische Informationen zu wichtigen Designern und natürlich wunderbare extra für den Katalog in Auftrag gegebene Fotos von Produkten von USM Haller, Vitra, Moormann, Richard Lampert et al.

So ein gedruckter Katalog ist im Prinzip nichts anderes als damals die Mechanisierung in den Textilfabriken, die den unterdrückten Massen erstmals den goldenen Geschmack von Freizeit kosten ließ. Mit dem Katalog bekommen wir ein Stück Technikfreiheit zurück. Computer ausschalten, Katalog in Ruhe durchblättern, Computer wieder anmachen, bestellen.

Ein Exemplar des Kataloges kann man über das Kontaktformular auf smow.de oder unter service@smow.de anfordern.

Auf facebook.com/smowcom haben wir außerdem die Fotogalerie zum Katlaogentstehungsprozess veröffentlicht.

smow Designer Furniture Catalogue 2011

(smow) Designmöbelkatalog 2011



2010 Designermöbel Weltmeisterschaft, Finale: Schweiz – Deutschland 2:1

Tuesday, July 27th, 2010

Egon Eiermann gegen Fritz Haller.

Im Vorfeld des Finalspiels der (smow) Designermöbelweltmeisterschaft 2010 wurden sowohl Deutschland als auch die Schweiz scharf für Ihre Mannschaftsaufstellungen kritisiert. Beide – so schien es – wollten mit ihren eher technischen Formationen auf Nummer Sicher gehen.

Aber das Spiel hätte spannender und interessanter nicht werden können. Sicher hätten ein Nils Holger Moormann für Deutschland oder Susi und Ueli Berger für die Schweiz etwas mehr Fantasie und Farbe ins Spiel gebracht, aber die beiden Altmeister glänzten wie kein anderes Team mit technischer Brillanz und sicherer Ausführung.

Egon Eiermann kam vorsichtig mit seinem klassischen Tischgestell ins Spiel, nutzte dann aber Hallers Zurückhaltung gleich noch um ein ausgetüfteltes Regal im gegnerischen Strafraum zu platzieren. Fritz Haller spürte die Büromöbel-Richtung, in die das Spiel nun glitt und griff tief in die Trickkiste für ein “komplex integriertes Tisch-Organisations-System”.

Sein KITOS Tisch war so weit entfernt von seinem normalen USM Haller System, dass Eiermann kurz ins Straucheln kam. Der Brandenburger fing sich aber schnell wieder und erzielte mit einem sehr schön herausgespielten SE 18 für Wilde + Spieth die 1:0 Führung.

Haller konterte mit einer wunderbaren Kombination aus Rollcontainer und Haller Tisch und ein perfekt platzierter Flachbildschirm-Schwenkarm brachte den Ausgleich. In der zweiten Halbzeit schien Fritz Hallers stabiles USM Haller System das Spiel zu kontrollieren, aber Egon Eiermann mobilisierte noch einmal alle Kräfte.

Zwei gute Aktionen mit dem SE 68 und dem E 14 Rattan Hocker scheiterten jedoch wieder am vielseitigen USM Haller System.

Die Zuschauer hatten sich schon auf eine Verlängerung eingestellt, als Fritz Haller in letzter Minute ein perfekt ausgeführtes Metallausziehtablar zum Siegtreffer verwandelte.

Die Schweiz gewinnt zum ersten Mal den (smow) Designermöbel-WM-Pokal.

(smow)2010 Übersicht

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Die Schweizer Fans feiern Fritz Hallers Sieg über Egon Eiermann.