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Verlorene Klassiker des Möbeldesigns: Büromöbel von Arne Jacobsen für die American Scandinavian Society

Monday, September 24th, 2012

Zur gleichen Zeit als er Die Ameise entwickelte, entwarf Arne Jacobsen eine einmalige Reihe von Büromöbeln, die wohl den ersten konkreten Hinweis auf seine Abkehr von den natürlichen Materialien und dem traditionellem Handwerk seiner Vorkriegsmöbel hin zu den industriellen Produkten aus verschiedensten Materialien seiner späteren Entwürfe darstellen. Sie können deshalb in der Tat als große, verlorene Klassiker des Möbeldesigns bezeichnet werden. Und das nicht nur, weil sie wirklich verloren sind!

1951/52 – die Aufzeichnungen sind hier ein wenig unklar – wurde Arne Jacobsen vom Kopenhagener Schiffsbauunternehmen Burmeister & Wain damit beauftragt, ein Geschenk für die American Scandinavian Society zu entwerfen, woraufhin er einen Schreibtisch, einen Couchtisch und eine Stuhlgruppe designte.

Das Highlight der kleinen Kollektion ist ohne Frage der Schreibtisch. Neben seiner aufs Wesentliche reduzierten Schlichtheit hat er zwei Merkmale, durch die er sich für uns von den Massen an Schreibtischen abhebt, die bis dahin und seither auf dem Markt waren. Zunächst wäre da der Schreibmaschinenhalter. Die Vorrichtung kann um 90 Grad geschwenkt werden, sodass sie sich entweder in einer Linie mit der Tischplatte befindet und aus dem Weg ist oder man zieht sie zu sich heran, um daran zu arbeiten. Das ist absolut toll! Und obwohl der Halter eigentlich für eine Schreibmaschine entworfen wurde, kann er auch perfekt für Laptops oder Tablet-PCs benutzt werden, wodurch der Schreibtisch auch heute noch so funktional ist wie damals. Dann sind da noch die Schubfächer. Nicht nur aufgrund der Tatsache, dass sie da sind, sondern auch wegen der genialen Entscheidung sie mit verchromten Rohren am Rahmen zu befestigen, was der ganzen Struktur eine Leichtigkeit verleiht, die durch eine konventionellere Lösung nie erreicht werden könnte. Das ganze Stück ist eine wahre Augenweide!

Lost Furniture Design Classics Office Furniture by Arne Jacobsen for the American Scandinavian Society desk

Der von Arne Jacobsen für die American Scandinavian Society entworfene Schreibtisch (Foto: unbekannte Quelle)

Ein weiterer faszinierender Aspekt bei diesem Projekt ist die Rolle des jungen Verner Pantons. 1950-1952 arbeitete er in Jacobsens Studio. Zu seinen Aufgaben gehörte auch die Entwicklung früher Prototypen für Die Ameise. In ihrer monumentalen Jacobsen-Biografie schreiben Carsten Thau und Kjeld Vindum: “Panton, der über PH’s [Poul Henningsen] Bekanntschaft mit dem Chef ins Architekturbüro aufgenommen worden war, fing damit an, eine Reihe von Entwürfen aus Stahldraht zu wickeln, die bald in munterer Parade auf einer Kiste neben seinem Tisch standen”.1

Könnte einer dieser Protoypen vielleicht zum Stuhl für die American Scandinavian Society mutiert sein? Wir wissen mit Bestimmtheit, dass Jacobsen wollte, dass Die Ameise ein dreibeiniger Stuhl wird, folglich muss Panton die Anweisung erhalten haben, Prototypen mit drei Beinen zu entwickeln. Die unübersehbaren, unbestreitbaren Parallelen zu Verner Pantons Bachelor Chair von 1955 könnten darauf schließen lassen, dass Panton, auch wenn er nicht selbst hinter dem Stuhl für die American Scandinavian Society steckt, zumindest einen großen Einfluss darauf hatte – oder eben selbst stark von ihm beeinflusst wurde. Das ist die große Unbekannte. Wir jedenfalls glauben, ohne das beweisen zu können, dass Verner Panton zu einem großen Teil für den Stuhl verantwortlich ist.

Im Gegensatz dazu kann man den Schreibtisch und den Couchtisch eindeutig Arne Jacobsen in den frühen 1950er Jahren zuordnen. Die Gruppe entstand nach und nach durch die Kopenhagener Möbeltischlerei Rud. Rasmussen und war Teil einer ganzen Reihe von Geschenken von vielen Unternehmen für die American Scandinavian Society, um ihren Umzug in die neuen Büroräume in New York zu feiern.

Die Aufzeichnungen der American Scandinavian Society zeigen, dass Burmeister & Wain dem Amt für Veröffentlichungen die Möbel spendeten, ohne Näheres über die Stücke zu notieren. Oder, was noch viel wichtiger ist, was aus ihnen wurde.

Im Laufe der nachfolgenden 60 Jahre sind der Schreibtisch, der Stuhl und der Couchtisch spurlos verschwunden…

1. “Arne Jacobsen” von Carsten Thau und Kjeld Vindum. Danish Architectural Press, Kopenhagen 2002

Lost Furniture Design Classics Office Furniture by Arne Jacobsen for American Scandinavian Society

Verlorene Klassiker des Möbeldesigns: Büromöbel von Arne Jacobsen für die American Scandinavian Society (Foto von "Arne Jacobsen" von Carsten Thau und Kjeld Vindum)

Lost Furniture Design Classics Office Furniture by Arne Jacobsen for American Scandinavian Society Chair

Und der Stuhl. Für uns mehr Verner Panton als Arne Jacobsen... (Foto von "Arne Jacobsen" von Carsten Thau und Kjeld Vindum)

 



Happy Birthday: Die Ameise von Arne Jacobsen wird 60!

Tuesday, July 31st, 2012

Wir bleiben noch ein wenig in Feierlaune: 25 Jahre nachdem sich die Jungspunde der europäischen Moderne in Stuttgart zusammengeschlossen hatten, um die Weißenhof Siedlung zu eröffnen, war ein etwas betagter dänischer Architekt, der als Student stark von den Werken der europäischen Modernisten beeinflusst worden war, kurz davor, seinen weltweiten Durchbruch zu erlangen – und zwar mit einem Stuhldesign, das den Bruch mit der Moderne und den furchtlosen Vormarsch in eine neue, unsichere Welt nach dem Krieg repräsentiert.

60 Jahre ist das nun her. Also, Happy Birthday liebe Ameise von Arne Jacobsen!

ant chair arne jacobsen fritz hansen

Die Ameise von Arne Jacobsen für Fritz Hansen

Wie viele andere Klassiker des Möbeldesigns hat auch die Ameise relativ unspektakuläre Ursprünge: Sie war zunächst als Stuhl für eine neue Kantine gedacht, die Jacobsen für den dänischen Pharmakonzern Novo entwerfen sollte. Jedoch kam er in der frühen Entwicklungsphase des Projekts in Kontakt mit Fritz Hansen, ein Unternehmen, mit dem er schon vorher zusammen gearbeitet hatte und das – was noch viel wichtiger ist – die Technik und das Know-How hatte, das Jacobsen für das Formen des Sperrholzsitzes benötigte. Und wie der Zufall es wollte war Fritz Hansen just zu dieser Zeit auf der Suche nach einem Allzweckstuhl, der mit den neuen Produkten von Charles und Ray Eames für Hermann Miller mithalten konnte. Der Rest ist Geschichte…

Trotz des unbestrittenen Erfolgs der Stühle wurde die Ameise – wie auch viele von Egon Eiermanns Stuhldesigns aus jener Zeit – lange aufgrund ihrer scheinbaren Ähnlichkeit mit den Arbeiten von Charles und Ray Eames kritisiert. Finn Juhl soll am 3. Oktober 1952 bei der offiziellen Präsentation des Stuhls diese Ähnlichkeit sogar gegenüber Arne Jacobsen kommentiert haben.1 Während Egon Eiermann aber immer noch behaupten konnte, dass die Ähnlichkeit durch die gemeinsame Inspiration zustande kam, ließ die Tatsache, dass Fritz Hansen einen DCM von Eames erworben hat, um Jacobsen zu verdeutlichen, in welche Richtung sie mit ihrem neuen Stuhl gehen wollen, das Ganze dagegen ein wenig suspekt erscheinen. Das wäre zumindest so, wenn die Ameise nicht so einige sehr wichtige Innovationen beinhalten würde, die weit über die damalige Arbeit der Eames’ hinausgeht.

Zunächst einmal verfügt die Ameise über den ersten dreidimensional geformten Sperrholzsitz in der Möbelgeschichte, bei dem die Sitzfläche und die Rückenlehne aus einem einzigen Stück bestehen. Die Sitzfläche des DCM hingegen wurde zwar auch vertikal und horizontal gebogen, ist aber nicht mit der Rückenlehne verbunden. Für die Umsetzung dieses wichtigen Konstruktionsschrittes war es nicht unerheblich, dass Fritz Hansen schon 1872 damit begann, im Sinne von Michael Thonet Holz zu verbiegen, und so hatte der Hersteller schon 80 Jahre Erfahrung mit der Erhitzung und Verformung von Holz, als er sich an das Formen von Jacobsens Sperrholzsitzschale machte.

Das Sperrholz erfolgreich zu biegen war jedoch nur ein Teil des Problems. Die Sitzschale musste Stabilität gewähren – vor allem an der Stelle, wo die Sitzfläche in die Rückenlehne übergeht. Jacobsen erlangte diese Stabilität durch die Schlitze und die runde, kurvenreiche Taille – eine schlichte, technische Lösung, die dem Stuhl seine charakteristische Form gab. Und schließlich seinen Namen.

ant chair arne jacobsen fritz hansen back

Zwei Frauen? Eine Lampe?... Weder noch. Einfach nur genial!

Ebenso wichtig wie die technische Innovation war die Tatsache, dass Arne Jacobsen und Fritz Hansen mit der Ameise einen stapelbaren Stuhl geschaffen haben. Für Jacobsen hatte die Stapelbarkeit des Stuhls absolute Priorität – und das nicht nur wegen seiner ursprünglich intendierten Funktion als Cafeteria Stuhl, sondern auch wegen der später von Fritz Hansen beauftragten als Allzweckstuhl für den Privatgebrauch. Bis dahin waren stapelbare Stühle jedenfalls eher die Ausnahme als die Regel. Charles und Ray Eames zum Beispiel konnten erst 1955 mit dem DSS erfolgreich einen in großen Mengen produzierbaren Stapelstuhl entwerfen.

In diesem Zusammenhang ist auch ein zweites, überaus umstrittenes Thema zu nennen: Die drei Beine der Original-Ameise. Für Jacobsen waren die drei Beine der Ameise nicht verhandelbar. Die Ameise hatte ein dreibeiniger Stuhl zu sein. Punkt. Dieser Aufbau diente nicht nur der besseren Stapelbarkeit, sondern verhinderte laut ihm auch, dass sich die Beine im hektischen Cafeteria-Alltag ineinander verhakten. Das ist nur ein Beispiel dafür, wie der Stuhl zugunsten seiner Funktionalität reduziert wurde, was natürlich sehr stark an die europäische Moderne erinnert.

Für viele Zeitgenossen Jacobsens war der dreibeinige Stuhl jedoch nur instabil und sinnlos. Der Aufruhr war schließlich so groß, dass Fritz Hansen 1955 Jacobsen mehr oder weniger dazu nötigte, eine vierbeinige Version zu entwerfen. Doch auf Jacobsens Drängen hin wurde die dreibeinige Variante auch weiterhin quasi unter dem Ladentisch verkauft, jedoch bis nach seinem Tode 1971 nicht offiziell von Fritz Hansen vertrieben.

Obwohl es nur fair ist, zu erwähnen, dass Jacobsens späteres Stuhldesign Serie 7 mit der zylinderförmigen Rückenlehne heute wahrscheinlich bekannter ist als die Ameise – und das nicht nur wegen der unanständig hohen Zahl geschmackloser Plagiate auf dem Markt oder diesem geschmackvoll unanständigem Foto von Christine Keeler – so bleibt die Ameise doch einer der wichtigsten Stühle im Möbeldesign des Nachkriegseuropas und vor allem ein Objekt, das jeder, der sich für gutes Design interessiert, studieren und verstehen sollte.

Happy Birthday zum 60.!

1. “Arne Jacobsen” von Carsten Thau und Kjeld Vindum.Danish Architectural Press, Kopenhagen 2002

ant chair arne jacobsen fritz hansen side

Die Ameise von Arne Jacobsen für Fritz Hansen



(smow)intern: Designmöbelkatalog 2011

Wednesday, July 6th, 2011

Technikverweigerer! Das wird (smow) ja normalerweise nicht nachgesagt. Soweit uns bekannt ist, hat noch kein (smow)Mitarbeiter einen iPad zertrümmert oder einen W-LAN Zugang gekappt um gegen die schleichende und zwanghafte Ausbreitung von Technologien in alle Lebensbereiche zu protestieren. Aber: In den ersten Wochen des Sommers waren alle im (smow)Hauptquartier mit der Vorbereitung und Herstellung des allerersten (smow)Katalogs beschäftigt. Ein realer gedruckter Katalog! Auf Papier! Mit Tinte!

Technikverweigerer? Au contraire, nos amis! Die Herstellung eines solchen analogen Katalogs ist technisch eine größere Herausforderung als dieses idiotensichere HTML zu programmieren. Und trotzdem ist es uns am Ende gelungen ein tolles Heft fertigzustellen. Gut gemacht, Katalogteam!

Neben einer Auswahl von (smow)Produkten enthält der Designmöbelkatalog 2011 auch biografische Informationen zu wichtigen Designern und natürlich wunderbare extra für den Katalog in Auftrag gegebene Fotos von Produkten von USM Haller, Vitra, Moormann, Richard Lampert et al.

So ein gedruckter Katalog ist im Prinzip nichts anderes als damals die Mechanisierung in den Textilfabriken, die den unterdrückten Massen erstmals den goldenen Geschmack von Freizeit kosten ließ. Mit dem Katalog bekommen wir ein Stück Technikfreiheit zurück. Computer ausschalten, Katalog in Ruhe durchblättern, Computer wieder anmachen, bestellen.

Ein Exemplar des Kataloges kann man über das Kontaktformular auf smow.de oder unter service@smow.de anfordern.

Auf facebook.com/smowcom haben wir außerdem die Fotogalerie zum Katlaogentstehungsprozess veröffentlicht.

smow Designer Furniture Catalogue 2011

(smow) Designmöbelkatalog 2011



Danish Design Prize 2010/11

Tuesday, October 19th, 2010
Danish Design Prize Winner: VELUX lystunnel by Ross Lovegrove

Gewinner des Danish Design Prize: VELUX lystunnel von Ross Lovegrove

Pünktlich zum Ende unserer Tirade über die aktuelle Situation des dänischen Designs – das Danish Design Centre in Kopenhagen hat gerade den Danish Design Prize 2010/11 veranstaltet.

CEO des Danish Design Center Christian Scherfig fragte zum Beginn der Veranstaltung “… was ist im 21. Jahrhundert gutes Design?”

Die Antwort des DDCs sind die 11 Gewinner in 4 Kategorien.

Wenn auch die meisten schon im 20. oder 19. Jahrhundert gutes Design gewesen wären, alle der ausgestellten Design zeigten Innovation, Kreativität und Verstand für was Design ist. Viel besser als das, was wir auf der CODE gesehen haben.

Aber noch viel wichter ist: der Danish Design Prize verstärkt eine unmissverständliche Wahrheit.

Eine Wahrheit, die die meisten Aussteller der CODE 10 zu lernen haben.

Traditionelles Möbeldesign ist ein Zweig des Produktdesign, welches widerum ein Zweig des Industriedesigns ist.

Möbeldesign ist nicht mehr was es mal war. Mit der Unterteilung in die Kategorien “Industrial Design” und “Lifestyle” zeigt der Danish Design Prize, dass er das verstanden hat.

Denn mit “Lifestyle” meinen sie Möbel.

Möbeldesign hat per se nicht mehr viel anzubieten. Tische, Stühle und Betten können nicht neu erfunden werden. Sie können nur verbessert werden.

Damals war das Möbeldesign ein aktiver Zweig des Produkt- und Industriedesigns weil ständig neue Materialien entwickelt wurden und man die neuen Materialien verarbeiten musste um diese im Möbeldesign verwenden zu können. Die heutigen “neuen” Materialien sind hauptsächlich Variationen aus bereits existierenden Materialien. Die größte Herausforderung liegt jetzt darin, die Möbel mit diesen neuen Materialien zu verbssern. Sei es wirtschaftlich, ergonomisch oder ökologisch.

Die Tage des Möbeldesigns als reine Designdisziplin sind gezählt.

NAP von Kasper Salto für Fritz Hansen ist ein wundervolles Beispiel. Das Konzept des geformten synthetischem Stuhl began mit Eero Saarinen und Charles Eames in den 40ern.

Das war die Produkt/Industriedesignphase.

NAP entwickelt das Konzept noch weiter und nimmt den Fakt, dass Sitzen eine aktive Tätigkeit in verschiedenen Positionen ist mit auf.

Kasper Salto hat mit dem Design des NAP einen wundervollen und ergonomischen geschaffen, der zeigt, das er die modernen Möbeldesignprozesse verstanden hat.

Danish Design Prize Clouds by Ronan and Erwan Bouroullec for Kvadrat

Danish Design Prize Clouds von Ronan und Erwan Bouroullec für Kvadrat

Clouds von Ronan und Erwan Bouroullec für Kvadrat, ein weiterer Preisgewinner in der Kategorie “lifestyle”, geht eher mit Grafikdesign als mit Produktdesign. Mit Algue für Vitra haben die Bouroellecs eine neue Form des Raumtrenners kreiert. Mit “clouds” spielen sie mit unserer Wahrnehmung von Textilien und ihrer Verwendung.

Clouds ist ein interessantes Stück Konzeptdesign, aber es ist weder Produkt noch Industriedesign.

Das ist die Realität die viele dänische Möbelhersteller noch erfassen müssen.

Der Danish Design Prize 2010/11 hat zudem gezeigt, dass “wirkliches” Industriedesign aus Dänemark so lebendig ist wie das Grafik-, Interactive- oder Multimediadesign.

Die Ausstellung der Gewinner kann man im Danish Design Centre, HC Andersens Boulevard 27, Copenhagen bis zum 25. April besichtigen.

Danish Design Prize NAP by Kasper Salto for Fritz Hansen

Danish Design Prize NAP von Kasper Salto für Fritz Hansen



Dänspotting: Ist dänisches Möbeldesign noch relevant?

Friday, September 17th, 2010

Wie bereits berichtet, war unser Besuch in Kopenhagen und bei der CORE 10 ohne Frage einer unserer enttäuschendsten Trips.

Das lag vor allem an der nicht vorhandenden Innovation, Vorstellungskraft und Qualität.

It’s certainly a phenomenon in all walks of life.

What do you mean?

Well, at one point, you’ve got it, then you lose it. And it’s gone forever.

All walks of life.

Georgie Best, for example, had it, lost it.

Or David Bowie or Danish design.

Danish design. Some of their modern stuff’s not bad.

No, it’s not bad, but it’s not great either, is it?

And in your heart you kind of know that although it looks all right…

It’s actually just…..

Sogar in der Ruhmeshalle skandinavischen Designs nimmt das “Dänische Design” einen erhobenen, fast mystischen Platz ein.

Verner Panton, Arne Jacobsen, Finn Juhl, Poul Kjaerholm, Hans J. Wegner und und und…

Es ist wahrscheinlich nicht übertrieben zu behaupten, dass kein anderes Land dem Nachkriegsdesign mehr “Stars” geschenkt hat als Dänemark.

Besonders, wenn man das Verhältnis “Star-Designer zu Einwohnern” berücksichtigt.

Aber…

Zu wenige dänische Möbelhersteller verstehen, warum das so ist.

Es geht nicht um ageometrische Formen und bunte Farben.

Arne Jacobsen's Bellvue Chair from 1934

Arne Jacobsens Bellevue Chair aus dem Jahr 1934

Wie Egon Eiermann war ein Großteil der bekannten dänischen Designer Architekten, die in den Jahren vor dem Zweiten Weltkrieg regelmäßig individuelle Möbelstücke für ihre Projekte entwarfen – die aber keine wirkliche Rolle in der industriellen Möbelproduktion spielten.

Die sozialen und kulturellen Veränderungen der 50er und 60er Jahre haben im Grunde den Massenmarkt für zeitgenössische Möbel geschaffen: und die Möbelhersteller fanden in den führenden Architekten der Zeit eine Quelle von innovativen, erfahrenen Möbeldesign-Talenten.

Die Designer blieben allerdings hauptsächlich Architekten, die gelegentlich auf Basis ihres Architektur-Verständnisses und ihrer eigenen Prozesse Möbel entwarfen.

Arne Jacobsens Ameise, zum Beispiel, begann als Kantinenstuhl für eine Fabrik, an der Jacobsen arbeitete. Durch den Kontakt mit Fritz Hansen entwickelte sich das Projekt, getrieben von dem Interesse, ein Produkt zu entwerfen das mit Charles und Ray Eames Sperrholzmöbelkollektion mithalten konnte.

Was uns zum zweiten Impuls bringt: die Innovation dieser Zeit.

Der Eames DSR ist zum Beispiel kein besondersis umwerfender Stuhl – der in Form gegossene Plastesitz war aber zu seiner Zeit revolutionär.  So wie das gebogene Sperrholz von Eames oder der Plaste-Freischwinger von Verner Panton sehen wir viele der heutigen Designklassiker nicht als ebenjene wegen ihrer Erscheinung, sondern weil sie eine historische Bedeutung haben, Genres neu definierten, als sie auf den Markt kamen und sich so in das kollektive Bewusstsein gebrannt haben.

Hinzu kommt die Verfügbarkeit des Materials als solches. Möbel waren traditionell aus Holz hergestellt, die Bauhaus-Bewegung und Modernismus brachten Metall und Glas ins Spiel, bis Ende der 1940er Jahre eine Materialknappheit dazu führte, dass Europas Möbelhersteller in ihren Möglichkeiten eingeschränkt waren.  In den 1950er und 60er Jahren hatten die Produzenten zum einen wieder Zugang zu mehr Material, zum anderen wurden durch die Industrialisierung immer mehr neue Materialien hergestellt – und die Möbeldesigner fühlten sich mit den neuen Möglichkeiten wie Kinder vor einem Weihnachtsbaum.

Alle Neuigkeiten und Innovationen konnte durch die neuen Massenmedien wie Fernsehen oder Farbdruck schnell verbreitet werden und fanden im Europa in Zeiten von Wohlstand und Sicherheit dankbare Abnehmer.

All diese Faktoren kamen zusammen um das Konzept des dänischen Designs hervorzubringen.

Oder in anderen Worten: In Dänemark taten die richtigen Leute im richtigen Moment das Richtige.

Tivoli Chair by Verner Panton through Montana: Colourful, but thats not why its good.

Tivoli Chair von Verner Panton (Montana): Farbenfroh, aber nicht nur deswegen gut

Heutzutage werden Produkte für Möbelhersteller fast ausschließlich von professionellen Produktdesignern entworfen, deren Aufgabe es ist Artikel auf Anfrage zu fertigen.

Das ist an sich keine schlechte Sache, wenn man davon ausgeht, dass die Motivation darin liegt, etwas Neues zu kreiieren oder ein bestehendes Design zu verbessern.

Zu viel von dem, was wir gesehen haben, war weder neu noch besser.

Zu viel von dem, was wir gesehen haben, war einfach Mittelmäßigkeit – hübsch verpackt in bedeutungslosem Marketinggeschwätz um zu verschleiern, dass das Produkt weder neu noch interessant ist.

Renton würde sicher sagen “Früher oder später musste es so kommen.”

Im (smow)Büro hängt das Poster “A Century of Danish Chairs” an der Wand, es beginnt 1905 und endet 1979 – so ähnlich war auch unsere Erfahrung auf der CODE 10.

So als wären die letzten 30 Jahre nicht passiert.

Dänisches Möbeldesign ist noch nicht komplett ausgestorben, und Sick Boys vereinheitlichende Theorie vom Leben ist nicht generell gültig, aber ein Großteil ist eindeutig vom Weg abgekommen umd man kann sich schwer vorstellen, woher der Impuls kommen soll um dänisches Möbeldesign wieder aufleben zu lassen.

Nicht zuletzt wenn eine müde Veranstaltung wie die CODE 10 damit wirbt, “…new approaches to design form, design thinking and the creative process” zu zeigen.

Zum Glück gab es vereinzelt ein paar wirklich außergewöhnliche Stücke zu sehen, die wir im nächsten Dänspotting Post vorstellen werden.

Is the sun setting on Danish furniture design?

Is the sun setting on Danish furniture design? Der Untergang



Dänspotting: Verner Panton in Kopenhagen

Saturday, September 4th, 2010

Dafür dass er einer der berühmtesten dänischen Designer ist, hat Verner Panton relativ wenig Zeit in Dänemark verbracht. Die meisten seiner bekannten Arbeiten entstanden außerhalb des Landes.

Und trotzdem erinnert in Kopenhagen vieles an Verner Panton, sein Leben, seine Arbeit und seine Leidenschaften.

Also haben wir unseren Kurzbesuch in der Hauptstadt Dänemarks genutzt um uns mit einem Vitra Panton Chair zu einem Standrundgang durch Verner Pantons Kopenhagen zu treffen.

The  verner Pantons almamata

Die Kunstakademiets Arkitektskole, Kopenhagen: Verner Pantons Alma Mater

Genau wie Pantons Verbindung zu Kopenhagen begann unsere Tour mit der “Kunstakademiets Arkitektskole” – der Architekturschule der Königlich Dänischen Kunstakademie.

Nach seinem Abschluss an der Technischen Universität Odense schrieb sich der 21jährige Verner Panton 1947 an der Architekturschule der Königlich Dänischen Kunstakademie ein. In Kopenhagen lernte er Tove Kemp kennen, die Stieftochter des Designers, Kritikers und Architekten Poul Henningsen, die beiden heirateten 1950. Die Ehe mit Tove war zwar nur von kurzer Dauer, Pantons Beziehung zu Henningsen jedoch sollte länger halten.

In Henningsen fand Panton einen Mentor und Lehrer für die Entwicklung seiner Lichtdesign-Konzepte. Im Laufe seiner Karriere entwarf Verner Panton nicht nur über 60 Lampen, Licht und Schatten spielten auch eine wichtige Rolle in seinen Installationen und Raumdesignprojekten.

Strandvjen 413

413 Strandvejen, Kopenhagen, Arne Jacobsens Haus und Studio

Durch Henningsen lernte Panton aber auch Arne Jacobsen kennen und arbeitete ab 1950 in Jacobsens Studio, im Keller seines Hauses in 413 Strandvejen.

Panton beobachtete, wie wohldurchdacht und kompromisslos Jacobsen arbeitete, und sein Interesse an Möbeldesign wuchs. Er entwickelte außerdem eine Vorliebe für Experimente mit Materialien und risikofreudige Designs – Charakteristika die ausschlaggebend für die Entwicklung seiner Designs sein sollten.

Über Arne Jacobsen lernte Verner Panton außerdem Fritz Hansen kennen.

Aber der Reihe nach.

1951 wurde Jacobsen mit der Planung einer Kantine als Teil eines Projektes mit der Firma Novo beauftragt.  Aus diesem Projekt ergab sich die Kooperation mit Fritz Hansen zur Entwicklung eines Multifunktionsstuhls aus gebogenem Sperrholz. Verner Panton hatte die Aufgabe, die Prototypen für mögliche Designs herzustellen. Das Endergebnis war der 3100, Myren, Ant Chair oder Ameise – und obwohl das finale Design hauptsächlich Jacobsen zuzuschreiben ist, hat die Arbeit am Ant Chair die späteren Entwürfe Pantons mitgeprägt.

tivoli

Tivoli, Kopenhagen, Schauplatz einer der ersten Aufträge Verner Pantons

Panton schloss 1951 sein Studium ab, verließ Jacobsen 1952 und öffnete sein eigenes Studio. Er verbrachte seine Zeit zunächst mit ausgedehnten Touren in seinem VW-Bus durch Europa, auf denen er zum Einen Produkte entwarf,  und zum Anderen Kontakte zu Designern, Herstellern und Verkäufern knüpfte.

1955 entwickelte sich die Beziehung zwischen Panton und Fritz Hansen weiter, als sie das allererste kommerzielle Verner-Panton-Produkt auf den Markt brachten: den “Bachelor Chair”, dem bald der “Tivoli Chair” folgte (so genannt, weil er ursprünglich für ein Restaurant im Tivoli, Kopenhagen entworfen wurde).

Ende der 1950er Jahre verließ Panton Dänemark um in Norwegen, auf Teneriffa und in der Schweiz zu leben und zu arbeiten. In Basel entwickelte er zusammen mit Vitra seinen Panton Chair.

cirkus

Cirkusbygningen, Kopenhagen, eines der letzten Projekte Verner Pantons in der Stadt

Nachdem er sich in Basel niedergelassen hatte, beschränkte sich Verner Pantons Verbindung zu Kopenhagen auf gelegentliche Besuche – entweder privater Natur oder um einen seiner vielen Preise und Auszeichnungen entgegenzunehmen. 1984 erhielt Panton allerdings den Auftrag , ein neues Farbsystem für das Cirkusbygningen – ein Theater- und Kabarettgebäude in der Nähe des Tivoli – zu designen und führte das Projekt in seinem eigenen unnachahmlichen Stil aus.

In den 1990er Jahren teilte Verner Panton seine Zeit mehr zwischen seiner Villa in der Nähe von Basel und seiner Wohnung in Kopenhagen auf. Verner Panton starb am 5. September 1998 im Alter von 72 Jahren in Kopenhagen.

Während unseres Stadtrundgangs mit dem Vitra Panton Chair und seinen Anekdoten zu Verner Panton hatten wir doch das Gefühl, dass die Stadt mehr tun könnte um ihre Größen wie Panton oder Jacobsen zu ehren – zumindest könnten die Stätten ihrer Arbeit und Inspiration sichtbarer und zugänglicher gemacht werden.

The Little Mermaid and the Panton Chair - two of Copenhagens most important landmarks

The kleine Meerjungfrau und der Panton Chair - zwei der wichtigsten Sehenswürdigkeiten Kopenhagens



Designermöbel Social Networking: Twitter

Wednesday, August 18th, 2010

Es gab einmal eine Zeit, in der die “Netzwerkpflege” im Geschäftsleben hauptsächlich auf Cocktailpartys, in Tennisclubs oder unter Freimaurern stattfand.

Lang lang ist’s her.

Wir leben aber im Jetzt und in der modernen Geschäftswelt ist Netzwerkpflege (Networking) gleichbedeutend mit Facebook, Twitter, X-ing et al.

Nicht nur als Marketinginstrument sondern auch immer mehr als wichtiges Mittel der Kundenkommunikation, Feedbackinstrument und Forum für Kritik.

Fritz Hansen have recognised the advantages of social networking

Fritz Hansen hat die Vorteile von sozialen Netzwerken erkannt

Eine Studie von Edison Research unter Twitter-Nutzern in den USA hat kürzlich ergeben, dass Twitter eine wichtige Quelle für Produktinformationen ist – und zwar nicht nur im Sinne von Basiswissen sondern auch als Plattform für Meinungsaustausch.

Die Recherchen von smow.de zeigen zwar, dass die Nutzung und Akzeptanz von Twitter unter führenden Möbelhersteller in den letzten Jahren gestiegen ist; aber generell hinkt die Designermöbelindustrie weit hinter anderen Branchen hinterher, was die sozialen Netzwerke angeht.

Für den (smow)Report-Autoren Kelly Felten ist das ein Problem: “Wenn man bedenkt, wieviele Designblogs in den letzten Jahren entstanden sind, ist es umso wichtiger dass die Hersteller in der Lage sind die Diskussionen zu verfolgen und eben zu reagieren, wenn es um ihre Produkte geht. Wenn das auf Twitter geschieht, müssen die Hersteller dort vertreten sein!”

Gezielte Nutzung von Twitter könne sich zum Beispiel auch nützlich erweisen beim Aufbau von Markenloyalität unter Konsumenten oder zur Organisation von effizienteren PR-Kampagnen im Vorfeld der großen Messen, so Felten.

“Stellen Sie sich doch nur mal das folgende Szenario vor: Designer X bringt für den Hersteller Y ein Produkt auf den Markt, ein Twitter Chat mit X wird über Ys Twitter Account organisiert,” so Felten, “und schon haben Sie einen Online Buzz.”

Außerdem könnten bessere und (für die Käufer) interessantere Inhalte das größte Problem der Designmöbelhersteller lösen: die relativ geringe Zahl der Follower.

Einzig und allein Herman Miller kann mit ca. 62.000 Followers von sich behaupten, an führende kommerzielle Marken heranzureichen – was die Twitter-Zahlen angeht.

Dass Designmöbel-Kunden Interesse an (u.a.) Twitter haben, wird am Beispiel Kartell deutlich. Der italienische Hersteller fing im April 2010, kurz vor der Mailänder Möbelmesse, an zu twittern und hat jetzt fast 650 Follower.

@kartellpeople

@kartellpeople haben am 8. April 2010 angefangen zu twittern

Felten relativiert, dass Twitter allein die Möbelbranche nicht verändern wird, aber die gezielte und professionelle Nutzung von Twitter wird eine zunehmend wichtigere Rolle für Designmöbelhersteller spielen.

“Die Vertriebsstrukturen verändern sich, und mit ihnen die Kommunikation zwischen Käufer und Hersteller”, meint Felten. “Die Designmöbelhersteller haben das erkannt, stecken aber noch in den Kinderschuhen.”

Die (smow) Designermöbel Twitter Top 11:

Hersteller Twitter Name Followers Klout
Herman Miller @hermanmiller 62038 24
Vitra @vitra 3588 18
Knoll International @knoll_inc 2918 05
Droog Amsterdam @droogamsterdam 865 05
Ligne Roset @ligneroset 840 06
Fritz Hansen @fritzhansen 694 10
Kartell @kartellpeople 635 16
bludot @bludotnews 531 05
e15 @e15_furniture 221 00
Droog New York @DroogNYC 205 00
Thonet @THONET_GmbH 182 00

(Stand: 18.08.2010)

(Zum Vergleich: http://twitter.com/smowblog hat 220 Followers und ein Klout Rating von 05)



2010 Designermöbel Weltmeisterschaft: Dänemark-Belgien 2:2

Tuesday, July 13th, 2010

Da Verner Panton durch die rote Karte im Spiel gegen Fritz Haller für dieses Match gesperrt war, war Dänemark gezwungen umzudisponieren. So lief Arne Jacobsen gegen Maarten Van Severen auf.

Obwohl abzusehen war, dass diese Begegnung nicht zu den schnellsten des Turniers gehören würde, wurden die Zuschauer beim Anblick dieser zögerlich dahinplätschernden Begegnung in Johannesburg doch etwas ungeduldig.

Beide Designer perfektionierten ihre Züge bis zur Unkenntlichkeit, sodass es erst gegen Mitte der zweiten Halbzeit zum ersten Angriff kam. Ein tadelloser Ant Chair vom alten Meister des dänischen Designs brachte Arne Jacobsen in Führung. Mit neuem Selbstbewusstsein ausgestattet, startete Jacobsen sogleich die nächste Aktion und baute die Führung mit seinem Egg Chair zum 2:0 aus.

Maarten Van Severen gab sich jedoch noch nicht geschlagen und konnte in den letzten Minuten mit einem schön herausgespielten .07 und dem Kast für Vitra glänzen.
Hier geht es zur Tabelle und zu den Ergebnissen der Gruppe A



Vitra Design Museum: Die Essenz der Dinge. Design und die Kunst der Reduktion

Tuesday, June 29th, 2010
Vitra Design Museum: The Essence of Things. Design and the Art of Reduction

Vitra Design Museum: Die Essenz der Dinge. Design und die Kunst der Reduktion

Das (smow)blog-Team hat sich nach dem Pappkarton-Möbel-Workshop den Besuch der aktuellen Ausstellung Die Essenz der Dinge. Design und die Kunst der Reduktion im Vitra Design Museum natürlich nicht entgehen lassen.

Es scheint mehr als nur ein wenig ironisch, dass eine Ausstellung zum Design und der Kunst der Reduktion in einem Gebäude von Frank Gehry stattfindet, wenn Tadao Andos Konferenzpavillon nur 10 Meter entfernt liegt. Und nach der langen Reise nach Weil am Rhein amüsierte uns dieser Gedanke immerhin noch ganze 4 Stunden…

Die Ausstellung ist in zwölf Themenbereiche gegliedert, die sich jeweils einem anderen Aspekt der “Reduktion” widmen. Das können entweder Dinge sein, die der Endnutzer wahrnimmt, wie beispielsweise die Geometrie oder Leichtigkeit, oder solche, die dem Nutzer verborgen bleiben wie zum Beispiel eine reduzierte Logistik.

Stephan Schulz: Betonschale

Stephan Schulz: Betonschale

Rund 160 Objekte zeigen die verschiedenen Themen anhand von Designklassikern wie Michael Thonets Stuhl Nr. 14 oder der Ameise von Arne Jacobsen für Fritz Hansen bis hin zu Stücken, die zwar weniger bekannt, aber genauso interessant sind, wie Stephan Schulz‘ Betonschale oder Marcel Wanders Knotted Chair für Capellini.

Gutes Design muss nicht kompliziert sein, weniger ist mehr, Form folgt Funktion – die Designtheorien, die die “Reduktion” anpreisen, sind so zahlreich wie legendär. Dennoch werden wir auf Designausstellungen immer wieder mit Produkten konfrontiert, die versuchen, uns mit Komplexität und Extravaganz für sich zu gewinnen. Wir sind uns nicht ganz sicher, wieso das so ist, vermuten aber, dass es was mit dem gesättigten Markt und der damit verbundenen wachsenden Rolle zu tun hat, die das Internet dabei spielt, dafür zu sorgen, dass deine – vielleicht völlig überflüssige – Arbeit gesehen wird.

Welcher Designblog würde sich Jasper Morrisons Ply-Chair widmen, wenn sie ein Foto von einem Bücherregal haben, das wie zwei Paradisvögel beim Paarungsritual auf Carmen Miranda aussieht? Ok, wir würden es machen. Aber nicht viele andere.

Für uns bedeutet die Kunst der Reduktion, wenn der Designer das Volumen des Produktes auf das absolute Minimum reduziert – sei es durch die Verwendung neuer Materialien, innovative Verbindung der einzelnen Elemente oder durch die Reduktion der äußeren Abmessungen.

.03 by Maarten Van Seeveren

.03 von Maarten Van Severen

Ein besonderes Beispiel ist Maarten van Severens .03 mit eingebautem Federblatt, das dem Stuhl seine Stabilität und seinen Komfort verleiht, ohne überflüssiges Gewicht oder Größe hinzuzufügen.

Die Ausstellung Die Essenz der Dinge. Design und die Kunst der Reduktion zeigt auf jeden Fall, dass Reduktion auch andere Prozesse mit einbeziehen kann.

Joe Colombos No 281 Lampe, Wilhelm Wagenfelds Teeservice oder Donald Judds Chair 84 sind alles Beispiele dafür, was mit Talent und Motivation alles erreicht werden kann.

Wir fanden jedoch, dass die Arbeit von Charles und Ray Eames zu sehr im Vordergrund stand.

Trotzdem ist die Ausstellung Die Essenz der Dinge. Design und die Kunst der Reduktion für alle interessant, die sich für den Unterschied zwischen “Designer”-Möbeln und den günstigen, generischen Produkten interessieren.

Die Essenz der Dinge. Design und die Kunst der Reduktion im Vitra Design Museum läuft bis zum 19. September 2010. Mehr Infos gibt’s unter http://www.design-museum.de