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A&W Designer des Jahres 2012: Patricia Urquiola

Thursday, February 2nd, 2012
A&W Designer of the Year 2012 Patricia Urquiola

A&W Designer des Jahres 2012: Patricia Urquiola

Seit eineinhalb Jahrzehnten beginnt die Möbelwoche in Köln inoffiziell mit der Ehrung des A&W Designers des Jahres.

Verliehen vom Magazin A&W Architektur und Wohnen wurde der Preis 1997 ins Leben gerufen, um Designer zu ehren, deren Werk den Einrichtungsstil unserer Zeit besonders geprägt hat. Zu früheren Gewinnern gehören Philippe Starck, Antonio Citterio und Tom Dixon – um nur 3 von insgesamt 15 zu nennen.

A&W Designerin des Jahres 2012 ist die Spanierin Patricia Urquiola.

Die durch ihre Arbeit mit Moroso, B&B Italia, Kartell oder Molteni bekannte Patricia Urquiola studierte zunächst in Madrid Architektur bevor sie nach Italien zog, um ihre Studien am Politecnico di Milano abzuschließen. 2001 gründete sie ein eigenes Studio in Mailand und arbeitet sowohl im Möbeldesign als auch an zahlreichen Innendesignprojekten. Seit 2002 ist sie außerdem Gastprofessorin an der Domus Akademie.

Vor der Verleihungszeremonie sprachen wir mit Patricia Urquiola über ihre Karriere und diskutierten – passend zur Auszeichnung und zur Ausstellung “Von Aalto bis Zumthor. Architektenmöbel” im MAKK -, ob Architekten die besseren Möbeldesigner sind.

(smow)blog: Sie haben Architektur studiert und arbeiten nun hauptsächlich als Designerin. War eine Karriere als Architektin ihr Ziel oder nur Mittel zum Zweck?

Patricia Urquiola: Ich wollte schon in meinen frühen Jugendjahren Architektin werden; ich war eine von denen, die schon ganz genau wussten, was sie später tun möchten. Also studierte ich Architektur an der Universidad Politécnica de Madrid und traf dort Marco Zanuso, Achille Castiglioni und viele andere überaus interessante Architekten, die sowohl in der Architektur als auch im Design tätig waren. Das brachte mich dazu, mich stärker auf Design zu konzentrieren. Die Italiener leiteten also in gewisser Weise diesen Wandel ein.

(smow)blog: Und dann zogen Sie nach Mailand, wo Sie später mit einem weiteren Architekten und Designer weiterarbeiteten, Piero Lissoni

Patricia Urquiola: Ja, aber bei meinem Hintergrund und in meiner Altersgruppe war es ganz natürlich über die Grenzen zwischen Architektur und Design hinweg zu arbeiten. Das ist natürlich auch einer der Gründe dafür, wieso Mailand ein wichtiges Zentrum für Architektur und Design wurde.

(smow)blog: Im Augenblick findet hier in Köln eine Ausstellung statt, die die Rolle von “Möbelarchitekten” beleuchtet. Machen Architekten bessere Möbel als Designer mit anderem Hintergrund?

Patricia Urquiola: Nein, das glaube ich nicht. Ich bin zum Beispiel ein großer Fan von Konstantin Grcic und der ist kein Architekt. Man kann sich dem Design auf ganz verschiedene Weisen nähern; für mich wird die Grenze zwischen den beiden Disziplinen auf der einen Seite durch den “Lebensraum” und auf der anderen durch die “Werkzeuge für das Leben” definiert. Das war meine Ausbildung, das bin ich und das ist auch meine Einstellung. Aber man kann verschieden an die Disziplinen herangehen, deshalb sollten wir alle offen sein und auf neue Ansichten hören. Ich finde, dass zurzeit einige wichtige Forschungsbereiche und Schulen entstehen. So ist beispielsweise Eindhoven für mich derzeit sehr interessant. Aber wie gesagt gibt es viele Möglichkeiten in den Disziplinen zu arbeiten und wir alle sollten der Situation offen gegenüber stehen.

(smow)blog: Sie leben nun schon seit 25 Jahren in Mailand. Haben Sie im Laufe der Zeit eine Veränderung bemerkt? Ist Mailand immer noch eine Stadt, in der man die Kreativität förmlich spüren kann?

Patricia Urquiola: Ich bin in einer sehr kreativen Zeit nach Mailand gezogen. Leute wie Castiglioni oder Vico Magistretti waren noch aktiv und die Memphis Group hatten ihre beste Zeit. Aber dann hat sich Mailand wirklich stark verändert; es wurde immer spießiger und heute haben wir diese ganzen Krisen. Doch wie in allen Designzentren Italiens besteht auch in Mailand noch immer der Wunsch, qualitativ hochwertige Arbeiten zu produzieren. Ich hatte das Glück, in Mailand Leute zu treffen, die noch an Design glaubten und die diesen Glauben an Menschen wie mich weitergaben. Dafür bin ich sehr dankbar. Mein Leben dreht sich aber nicht nur um Mailand und meine Arbeit dort ist nur ein Teil meiner Arbeit.

A&W Designer of the Year 2012 Patricia Urquiola Volant Moroso

Das Sofa Volant für Moroso von Patricia Urquiola

A&W Designer of the Year 2012 Patricia Urquiola Silver Lake Moroso Comeback Chair Kartell

Silver Lake von Moroso und im Hintergrund der Comeback Chair für Kartell von Patricia Urquiola

A&W Designer of the Year 2012 Patricia Urquiola KETTAL MAIA Egg swing chasen flos Tropicalia Moroso

Maia Egg Hängesessel für Kettal, die Leuchte Chasen für flos und Tropicalia für Moroso, alle von Patricia Urquiola

 



Neue Räume Zürich: Nikolas Kerl

Friday, December 16th, 2011

Einer der Gründe auf die Neue Räume Zürich zu gehen war es, einen Überblick über die aktuelle Situation der Designermöbelindustrie in der Schweiz zu bekommen.

Wenn auch idyllisch hinterm Alpenvorhang versteckt, wäre es zu einfach anzunehmen, in der Confoederatio Helvetica liefe alles immer rosig. Manchmal malt man sich ja aus, wie Schweizer Designer und Hersteller den ganzen Tag nichts machen als ihr Geld zu zählen und aufzupassen, dass sie sich nicht ihre Füllungen beim Verzehr dieser zähen, dreieckigen Schokolade ausbeißen. Nachdem jedoch der Schweizer Franken im letzten Sommer anstieg wie ein Geier im Steilflug haben wir eine etwas andere Realität vorgefunden.

Ansporn genug für uns da mal etwas genauer nachzuhaken.

Unter den Leuten mit denen wir gesprochen haben war auch der junge Züricher Designer Nikolas Kerl. Nach seinem Studium an der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK) gründete Nikolas 2010 umgehend seine eigene Firma und stellte zusammen mit lokalen Händlern seine eigenen Möbel in kleinen Serien her.

Beim Material konzentriert sich Nikolas hauptsächlich auf natürliche Produkte wie Holz, Lehm und Glas. So hat er auch direkt öffentliches Aufsehen erregt. Nämlich mit seiner Glasschüssel „Flat O“, die für den Schweizer Design Preis 2011 nominiert war, und mit dem Tisch „T1“, der für den gleichermaßen begehrten “Die Besten 2011″-Preis ins Rennen ging.

Wenn das mal kein gutes Zeichen für die Zukunft ist.

Bei der Neue Räume Zürich haben wir Nikolas abgefangen und ihn gefragt, warum er sich für die Karriere im Möbeldesign entschieden hat.

Nikolas Kerl: Ich habe mit einer schulbegleitenden Schreinerlehre begonnen, wo ich zum ersten Mal in Kontakt mit Möbeln gekommen bin. Da habe ich mich schon in das Entwerfen und Herstellen von Möbeln verliebt und es war klar, dass ich das später mal machen will. Der Schreiner war mir aber zu wenig, also habe ich mich für das Industriedesign-Studium an der ZHdK entschieden.

(smow)blog: Kannst du dich noch daran erinnern, was dich als erstes so fasziniert hat?

Nikolas Kerl: Es war einfach der Umgang mit Material und der Geruch, die Lebendigkeit des Holzes. Holz ist so ein warmes Material, das den Wohnbereich sehr bereichern kann.

(smow)blog: An der ZHdK hast du dann aber vermutlich nicht gleich mit Möbeldesign zu tun gehabt?

Nikolas Kerl: Nein. In den Kursen sind wir alle Aspekte vom Industriedesign durchgegangen: Mobilität, Servicedesign, Produktdesign…

(smow)blog: Aber du bist dem Möbeldesign treu geblieben? Haben die anderen Richtungen überhaupt nicht dein Interesse gewinnen können?

Nikolas Kerl: Mein Herz schlägt einfach für das Möbeldesign und Holz, Stein und Glas sind die Materialien mit denen ich am besten arbeiten kann, die mir und meinen Entwürfen am meisten entsprechen.

(smow)blog: Hast du dich bewusst dafür entscheiden nach deinem Studium in Zürich zu bleiben?

Nikolas Kerl: Ja. Für mich war es eine klare Entscheidung in Zürich bzw. der Schweiz zu bleiben. Ich denke in der Schweiz wird gute Handarbeit viel mehr geschätzt und demzufolge auch die entsprechend höheren Preise besser akzeptiert. Die Leute hier sind bereit für gute Qualität mehr auszugeben. Da meine Möbel in kleinen bis mittleren Serien von Hand in der Schweiz hergestellt werden, ergibt es Sinn hier zu bleiben. Meine Möbel passen einfach sehr gut auf den Schweizer Markt.

(smow)blog: Wie einfach – oder schwer – war es, dich als neuer, junger Hersteller auf einem unserer Auffassung nach relativ kleinen Markt zu etablieren?

Nikolas Kerl: Der Markt ist tatsächlich überschaubar. Aber man wird relativ schnell akzeptiert, bloß der nächste Schritt – Verkaufen – ist dann ziemlich schwer und da bin ich gerade noch dran.

(smow)blog: Gab es in diesem Zusammenhang irgendwelche Business-Kurse in deinem Studium?

Nikolas Kerl: Leider nicht! Das ist jetzt alles Learnig by Doing …und der beste Master, den ich machen kann.

(smow)blog: Und zum Schluss: Du wurdest für den Design Preis Schweiz nominiert. Herzlichen Glückwunsch dafür! Was bedeutet das für dich?

Nikolas Kerl: Allein die Nominierung hat mir schon einige Türen geöffnet. Unabhängig davon ob ich also gewinnen werde oder nicht, ist schon so eine Nominierung ein Glücksfall. Außerdem bedeutet es ein ziemlich großes Medienecho, wodurch eine Menge Leute auf mich und meine Arbeit aufmerksam werden. Sowas hilft ungemein. Und natürlich ist es auch eine schöne Bestätigung, dass das, was ich mache, in die richtige Richtung geht.

Mehr Informationen gibt’s unter www.nikolaskerl.com

Nikolas Kerl Neue Räume Zurich
Nikolas Kerl bei Neue Räume Zürich 2011
Neue Räume Zurich Nikolas Kerl T1
Neue Räume Zürich: Nikolas Kerls Stand mit dem Tisch T1
Neue Räume Zurich Nikolas Kerl Stan Harvey
Stan & Harvey von Nikolas Kerl bei Neue Räume Zürich


Designers’ Open Leipzig: Look to Norway

Saturday, November 12th, 2011

Obwohl es in letzter Zeit ziemlich ruhig um Erik Wester war, ist es nur fair zu sagen, dass er nach wie vor unser Lieblingsdesigner aus Norwegen ist. Doch die Konkurrenz schläft nicht.

Auf den Designers’ Open 2011 hat eine Gruppe von 10 norwegischen Designstudenten Beispiele ihrer Arbeiten an einem gemeinsamen Stand mit dem Titel “Look to Norway” präsentiert. Das war ziemlich sicher der erste Stand auf den Designers’ Open, bei dem Design aus Norwegen im Zentrum stand.

Die interessantesten Stücke waren dabei für uns Le Korpusiør von Jørgen Platou Willumsen – eine sehr einfache, dabei jedoch liebreizende Familie aus Holz und Kupferlampen – und Curious von Caroline Olsson – eine Lampe, die sich in einer Box, die zugleich ihr Fuß ist, einklappen lässt.

Insgesamt waren wir sehr von der allgemeinen Qualität der Ausstellungsstücke beeindruckt; zugegebenermaßen können wir jedoch nicht allen Stücken die Aufmerksamkeit schenken, die sie eigentlich verdient hätten.

Um mehr über das Projekt zu erfahren; und warum es genauso schwer ist, einen norwegischen Designer zu nennen wie einen wichtigen belgischen, haben wir mit den “Look to Norway” Mitgliedern Thea Nilsen und Fredrik Wærnes gesprochen.

(smow)blog: Ganz kurz, was ist der Hintergrund zu der Ausstellung?

Fredrik Wærnes: Wir sind alle Studenten der vier norwegischen Designschulen und wollten eine kollaborative Plattform schaffen, die die verschiedenen Institutionen und Fachgebiete zusammenbringt.

(smow)blog: Es ist sicher nicht falsch zu sagen, dass die meisten Menschen wahrscheinlich einen schwedischen oder dänischen Designer nennen können, aber keinen norwegischen. Warum ist das so?

Thea Nilsen: Wir fragen uns das Gleiche! Deswegen machen wir auch die Ausstellung. Die Menschen sollen uns mehr wahrnehmen. Denn Norwegen hat genauso eine Designtradition wie Schweden oder Dänemark, zurzeit blüht die Szene außerdem und es gibt jede Menge interessanter Dinge im norwegischen Design zu entdecken.

(smow)blog: Wie groß ist der norwegische Markt? Gibt es denn Hersteller mit denen junge Designer, wie ihr, arbeiten können?

Fredrik Wærnes: Es gibt ein paar Hersteller in Norwegen, aber der Markt ist eher klein und die Designer müssen oft außerhalb von Norwegen nach einem Partner für ihre Designs suchen.

Thea Nilsen: Das ist auch ein Grund nach Deutschland zu kommen – Deutschland ist ein sehr interessanter Standort, was die Herstellerlandschaft betrifft.

(smow)blog: Was zu der Frage aller Fragen führt: Warum Designers’ Open?

Fredrik Wærnes: Uns gefällt das Konzept des Festivals. Es ist sehr offen, mit Ausrichtung auf ganz verschiedene Designgebiete und so hielten wir unser Projekt für ganz besonders passend.

Thea Nilsen: Auch wegen einiger Empfehlungen haben wir uns für die Ausstellung in Leipzig entschieden. Wir haben von dem Festival gehört und eigentlich erst da mit den Überlegungen zu unserem Projekt begonnen. Ohne Designers’ Open gäbe es uns also vielleicht gar nicht.

Mehr Informationen über Look to Norway und die einzelnen Projekte gibt es unter: http://looknorway.com/



Copenhagen Design Week: Monique Engelund & Jonas Pedersen

Thursday, September 8th, 2011

Letzten August stand unser Ausflug nach Kopenhagen und zur CODE 10 unter keinem guten Stern. Wir sahen uns sogar gezwungen, die Frage zu stellen, ob dänisches Möbeldesign immer noch von Bedeutung ist.

Um diesen Punkt etwas mehr nachzugehen, haben wir jetzt zwei dänische Designer nach ihrer Meinung zum gegenwärtigen dänischen Möbeldesign befragt.

Monique Engelund und Jonas Pedersen haben in Aarhus Architektur studiert und einen Abschluss in Möbeldesign. Und nein, sie haben die Richtung nicht auf halber Wegstrecke geändert. Der Studiengang  ist in Aarhus so strukturiert, dass man in den ersten beiden Jahren “traditionelle” Architektur studiert und sich anschließend auf Architektur oder Möbeldesign spezialisiert. Die korrekte Bezeichnung für Leute wie Monique und Jonas ist – das haben wir gelernt – “Möbelarchitekt”. Das ist nicht nur eine entzückende für sich stehende Bezeichnung, sie beinhaltet vielmehr einen der zentralen Gründe warum die Mitte des 20. Jahrhunderts so viele Designklassiker hervorgebracht hat: Ihre Produzenten waren Architekten, die wie Architekten ausgebildet worden waren, die wie Architekten dachten, die wie Architekten designten.

Jonas Pedersen

Jonas Pedersen

Für Jonas Pedersen liegt der Grund, warum Dänemark damals so sehr von diesem weltweiten Phänomen profitierte, in der Frage der Materialwahl. “In den 1950er und 1960er Jahren, als dänisches Möbeldesign bekannt wurde, gab es eine Menge an wirklich talentierten Architekten in Dänemark, die wiederum prinzipiell mit Holz arbeiteten und einen einzigartigen Stil entwickelten.” Ein Stil der zum Synonym für Qualität und Innovation aus Dänemark wurde und der Namen wie Wagner, Jacobsen und Juhl etablierte.

Inwieweit aber sind diese “alten Meister” eine Last für die jetzige Generation dänischer Designer – eine Generation, die nicht in einer Zeit geboren wurde, in der dänische Möbelgeschichte geschrieben wurde?

Das ist ein großes Problem, meint Jonas. “Viele Leute heutzutage denken immer noch, das dänisches Design von der Vergangenheit bestimmt wird. Es ärgert mich, dass nach wie vor die Meinung vorherrscht, dass gutes Design immer Design von damals ist. Dagegen müssen wir kämpfen.”

Erst kürzlich durfte Monique Engelund ihre eigene Erfahrung mit solchen Haltungen machen. Sie reichte auf eine Anzeige einer chinesischen Firma, die nach einem “neuen”, “jungen”, “wilden”, “frischen”, skandinavischen Designer suchte, einige ihrer Entwürfe ein. “Aber alles was sie wollten waren Holzmöbel, weil sie dachten, das ist, was wir machen!”

Im Raum folgt an der Stelle ein kollektives Achselzucken.

Aber was macht nun die nächste Generation. Was hat sie vor? Was motiviert sie? Sie stehen vor der Herausforderung, das 21. Jahrhundert zu gestalten. In den 1950er und 1960er Jahren rebellierten viele junge Designer gegen Konformität und kämpften für kreative Freiheit. Eine Freiheit, die junge Designer heutzutage haben, allerdings erst lernen müssen sie anzuwenden.

Monique Engelund

Monique Engelund

“An der Uni” sagt Monique, “werden wir tatsächlich dazu angeregt rebellisch zu sein, was das Ganze in sich paradox macht.” Es ist schwer in einem offenen Raum zu rebellieren. Man braucht Grenzen, um dagegen ankämpfen zu können. Solche Probleme sind natürlich nicht nur auf Dänemark begrenzt. Wir sind eine globale Gesellschaft.

Die neue Generation Designer muss lernen die Frage zu formulieren, die sie der Gesellschaft stellen möchte, bevor sie damit beginnt Antworten zu präsentieren. Das gehörte zu den Dingen, die wir auf der  CODE 10 vermisst haben. Innovation. Risiko. Jugendliche Rebellion. Und – wenn wir es ganz Old-School-Punk haben wollen – ein Manifest.

Zeit für uns, eine Panton Chair Miniatur auf den Tisch zu stellen und zu fragen: “Internationales oder dänisches Design?”

Jonas: “Der ist vom Mars …”

Monique: “Das ist sicherlich nicht gerade typisch dänisch.  Ich denke die Entwicklung des Stuhls ist europäisch. Ich glaube nicht, dass wir uns das als Verdienst anrechnen lassen können.”

Für viele Nicht-Dänen ist der Panton Chair aber der Inbegriff zeitgenössischen dänischen Designs. Die Arbeit wurde damals von Pantons dänischen Designmitstreitern kritisiert und verspottet, und Panton hätte in den 1960er Jahren in Dänemark niemals einen Hersteller gefunden. … Und wahrscheinlich auch nicht im China des 21. Jahrhunderts – wenn man an Moniques Erfahrungen denkt. (Obwohl das natürlich Ironie des Schicksals ist angesichts der vielen Kopien die von dort kommen.)

Die Generation vor Verner Panton war erfolgreich mit der Entwicklung einer einheitlichen, abgrenzbaren, konservativen Formensprache basierend auf ein und demselben Material. Verner Panton hingegen fand seinen Erfolg und revitalisierte damit letzten Endes dänisches Design, weil er neue Entwicklungen in der Produktion und der Materialtechnologie benutzte, um gegen diese anerkannten Vorstellungen zu rebellieren. Was zu der Schlussfolgerung führen könnte, dass wenn dänisches Design für die Zukunft relevant bleiben soll, man Designer braucht, die wiederum gegen Panton rebellieren.

Und tun sie es? In welche Richtung wird sich dänisches Möbeldesign bewegen?

Wenn man Jonas, Monique und ihren Zeitgenossen zuhört, bekommt man einen guten Eindruck von jungen Designern, die nicht länger einen Vertrag mit einem großen internationalen Hersteller als ihr ultimatives Ziel ansehen, sondern ihre Arbeiten als Lösungen für Probleme verstehen und nicht “bloß” als Produkte. Oder wie Monique es eloquent formuliert: “Ich denke, dass es da eine Tendenz in Richtung Kombination von Design mit anderen Disziplinen wie Soziologie oder Ökologie gibt und man so nach dem tieferen Sinn des eigenen Produktes sucht.”

Wenn das mal keine Rebellion gegen die Wiederbelebung der Pop Art ist!

Wichtiger ist aber, dass man vielleicht einen Eindruck junger Designer bekommt, für die “dänisches Design” nicht länger ein Designstil ist, sondern vielmehr ein geografischer Indikator.

Und genau so gibt es auch neue, junge dänische Hersteller wie Hay oder Norman Copenhagen, die das verstanden haben und ein internationaleres Portfolio haben, als das im goldenen Zeitalter des dänischen Designs der Fall war, aber dennoch jungen Designern aus Dänemark offen stehen. Und solche Hersteller sind an einen kontinuierlichen Strom an talentierten und intelligenten Möbelarchitekten wie Jonas Pedersen und Monique Engelund gebunden, die uns Hoffnung für dänisches Möbeldesign der Zukunft geben.

Vielleicht kam CODE 10 auch einfach nur zu früh!

Auf der Copenhagen Design Week zeigt Monique Engelund Noah´s Ark, eine Installation, die in Zusammenarbeit mit Sophie Alexandrine enstand und welche die ökologischen Lasten übermäßigem Konsums in den Kontext des Möbeldesigns überträgt.

 

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Arche Noah von Monique Engelund und Sophie Alexandrine @ Copenhagen Design Week



Mailand 2011: Stand-Aufbau mit Nils Holger Moormann

Monday, August 29th, 2011

Einmal im Monat fahren wir auf eine Messe. Wir wollen nicht immer – müssen aber. Wir schauen uns Möbel an, denken uns ein paar billige Witze aus, schießen ein paar seltsame Fotos und fahren wieder nach Hause.

Aber was heißt es eigentlich, einen Messestand zu organisieren? Wie wichtig ist die Messepräsenz? Sind unser schlechter Humor und die armseligen Fotos respektlos? Diese und andere Fragen wollten wir beantworten und Moormann beim Aufbau ihres diesjährigen Standes auf der Möbelmesse Mailand helfen. Wobei “helfen” vielleicht zu viel gesagt ist.

The secret plan....

Der geheime Plan...

Die Moormänner hatten vier Tage für den Aufbau geplant. Wir stießen an Tag drei hinzu. Das Außengerüst war, wie man es von Moormann erwartet, eine unkomplizierte Holzkonstruktion, die Wände aus schwarzem Vorhangsstoff und alles war zum Glück bereits an seinem Platz als wir am Sonntag morgen ankamen. Unser Beitrag bestand darin, beim Aufbau des 3,5 x 5 Meter FNP-Regals, das die Rückwand des Standes bildete, zu assistieren.

Das größte Problem für Moormann war aber sowieso nicht der Aufbau des Standes sondern die späte Bestätigung aus Mailand, wie groß der Messestand tatsächlich sein würde. “Wie jedes Jahr waren wir uns im Vorfeld absolut sicher, dass wir einen größeren Stand bekommen würden”, erklärt Nils Holger Moormann. “Und dann kam die Information, dass es doch wieder nur der kleine Stand ist. Das war schon ein Schock.” Zuvor hatte Moormann bereits drei Monate Planung in das Standdesign investiert. Die Bestätigung der Standgröße kam erst zehn Tage vor Veranstaltungsbeginn.

Also zimmerte Nils Holger Moormann höchstpersönlich schnell ein neues Konzept zusammen. “Ich war inspiriert davon, dass alle nur noch Neuigkeiten zeigen. Das ist zwar spannend, aber auch idiotisch, denn Möbel brauchen Zeit. Sie müssen ausdefiniert werden und man muss ganz viel darüber nachdenken. Dieses schnell schnell neu neu machen birgt die Gefahr so zu enden wie die Modebranche mit zwei oder drei oder vier Kollektionen pro Jahr. Das kann es doch nicht sein.”

Typisch Moormann sah die Antwort in Mailand so aus: Auf dem Stand wurden zwölf neue Produkte präsentiert, von denen die meisten allerdings verhüllt waren und erst 2028 fertiggestellt werden. Angeblich. “Ich schaffe unheimlich gern einen Ort mit Humor, an dem man staunen kann und überlegt ‘Meint der das Ernst?’… Das finde ich fast genauso wichtig wie gute Produkte.”

Konrad Lohöfener und Christian Neumeier, die zwei Moormänner, die Nils Holgers Konzept umsetzen durften, arbeiten im wahren Leben als Designer in der Produktentwicklung bei Moormann. Sie beschäftigen sich sozusagen damit, gute Designs in “massenproduzierbare” Möbel umzuwandeln – ein unsichtbarer und wenig glamouröser (aber kritischer) Aspekt der Designmöbelbranche.

In Mailand kreisten Konrads and Christians Gedanken weniger um die nächste Generation von Moormann-Produkten als darum, Moormanns Verkaufsschlager FNP gerade ins rechte Licht zu rücken. An ihrem Blick für Details konnte man sehr schön sehen, was den Homo sapiens ssp. Designer vom Rest der Tierwelt unterscheidet. Ein paar Mal hätten wir gesagt, ok passt. Hat es aber nicht. Und Konrad und Christian haben weiter ausgeglichen bis es wirklich gepasst hat.

Als die Hitze in Messehalle 20 immer unerträglicher wurde – wir dürfen nicht vergessen, dass die Außentemperatur an diesem Tag Anfang April 31 Grad betrug – bestanden die letzten Aufgaben des Tages darin, die Rosie Lamps am FNP zu befestigen und das Firmenlogo an der Vorderseite des Standes anzubringen… Keine leichte Aufgabe in fünf Metern Höhe und nachdem wir bereits viele Stunden Leitern hoch und runter gestiegen waren, Gerüste verschoben und ein 17 m² großes Regal zusammengebaut hatten.

FNP by Axel Kufus from Nils Holger Moormann

Ist es den Aufwand wert?

Nils Holger Moormanns Antwort ist ein lautes Ja. “Für uns ist Mailand wichtig, weil wir hier den Export haben und die Kunden, die wir sonst wahrscheinlich das ganze Jahr über nicht sehen würden, hier treffen.”

Hat Moormann nie in Betracht gezogen, den begrenzten Raum und die Unflexibilität der Messe zurück zu lassen für einen eigenen Platz in der Stadt, bei dem sie mehr Planungssicherheit haben?

Das Nein ist genauso laut. “Jedes Detail des Standkonzeptes ist genau überlegt – auch wenn es sehr einfach aussieht. Alles muss bei uns stimmen. Von daher wäre es tragisch, wenn zu wenig Besucher kommen würden. Hier auf der Messe hat man die Garantie dass viele Besucher und vor allem auch die internationale Presse kommen.”

Nachdem wir nun unseren eigenen Schweiß in das Projekt investiert haben, können wir dem nur zustimmen: Wir wären auch ziemlich enttäuscht wenn der Stand nicht von so vielen Menschen wie möglich gesehen und bewundert werden würde. Und das obwohl wir in keinerlei Hinsicht finanziell am (Miss-)Erfolg des Standes beteiligt sind.

So haben wir uns nach achteinhalb Stunden getaner Arbeit als ehrenamtliche Moormänner vom Stand verabschiedet und auf den Weg in die Stadt gemacht. Ein kaltes Bier hatten wir uns verdient. Oder vier. Im Zug haben wir den Tag noch einmal Revue passieren lassen. Obwohl wir nicht garantieren können, dass unsere Fotos in Zukunft besser oder unsere Witze lustig werden, versprechen wir, dem Aufwand und der Zeit, die in einem solchen Stand stecken, in Zukunft mehr Respekt zu zollen.



DMY Berlin 2011: Made out Portugal

Tuesday, July 19th, 2011

Zu den innovativsten Designkonzepten auf dem DMY Berlin 2011 gehörte auf jeden Fall die aus Holland stammende Designplattform Made out Portugal. Ihre Arbeiten stellte sie nämlich auf der Ladefläche eines Lastwagens aus. Zumindest tat sie das am Anfang – die Kombination aus Ort und Wetter zwang sie später doch zum Umzug nach drinnen. Das schmälerte aber nicht das Konzept als solches.

Mobile Ausstellungen sind ja nichts neues. Regierungen und Krankenkassen nutzen diese Ausstellungsform gern um Bürger auf Themen aufmerksam zu machen oder sie zum Mitmachen bei irgendwas zu animieren. Im Bereich des Produktdesigns oder in der Kunst wirkt es hingegen ein wenig subversiv, wenn Begriffe wie Kurzlebigkeit und Flüchtigkeit ins Spiel kommen. Theoretisch könnten Sie an jeder Raststätte auf dem Rückweg nach Eindhovem halt machen und ihre Arbeiten zeigen.

Um mehr über das mobile Konzept und über den Stand der Dinge bei Made out Portugal zu erfahren, haben wir mit einem der Plattformgründer, Bruno Carvalho, gesprochen.

(smow)blog: Wie kam es zu der Entscheidung die Ausstellung auf einem Lastwagen zu präsentieren?

Bruno Carvalho: Wir kommen alle aus Portugal, leben aber anderswo und sind deshalb alle in irgendeiner Art und Weise Designnomaden. Mit dem gemieteten Van sind wir nicht unbedingt auf eine Ausstellungsfläche oder eine Galerie angewiesen, um unsere Arbeiten zu zeigen. Wir haben einfach unsere eigene, temporäre Galerie. Wir können Sie überall parken und sofort ausstellen. Dieses Konzept mag ich wirklich sehr, weil ich der Meinung bin, dass Design für jeden da sein sollte. Mit unserem Wagen können wir in einem Wohngebiet anhalten und dadurch Leute erreichen, die normalerweise nicht zu solchen Shows gehen würden. Es ist definitiv eine andere Form der Kommunikation, gerade weil es im Moment so viele Designshows gibt. Manchmal ist es so, dass es mehr Designwochen als normale Wochen im Jahr gibt.

(smow)blog: Und wie kam es zur Entscheidung den Truck auf dem DMY zu zeigen?

Bruno Carvalho: Weil es Berlin ist – Berlin ist einfach eine tolle Stadt. Und deshalb war es mehr so “Lasst uns zum DMY fahren – das ist in Berlin!!” Außerdem ist das DMY ein nettes entspanntes Festival mit vielen Workshops und weniger wirtschaftlichem Druck. Hinzu kommt, dass die Designer viel miteinander sprechen, was wirklich gut und sehr positiv ist.

(smow)blog: Das erste Mal haben wir uns ja auf der Dutch Design Week in Eindhoven getroffen, für Euch war das gleichzeitig auch die erste Made out Portugal Ausstellung. Wie haben sich die Dinge seitdem für Euch entwickelt?

Bruno Carvalho: Am meisten beschäftigt uns momentan die interne Diskussion in welche Richtung wir uns weiterentwickeln wollen. Einige wünschen sich eine strukturiertere Organisation, ich aber bin der Meinung, dass weiterhin alles ganz einfach gehalten werden sollte. Made out Portugal stellt für mich keine Marke dar, sondern nur eine Plattform auf der sich alle unverbindlich einander helfen. Deshalb ist unser nächster Schritt zu entscheiden, wie unsere zukünftige Ausrichtung aussieht.

(smow)blog: Suchst Du trotzdem weiter nach Designern, die bei Euch mitmachen können?

Bruno Carvalho: Ja. Wir sind immer auf der Suche nach neuen Designern. Jeder portugiesiche Designer, der in Europa – aber nicht in Portugal – arbeitet, ist eingeladen uns beizutreten. Portugal befindet sich momentan in einer sehr schwierigen wirtschaftlichen Situation, wir möchten Portugal in dieser Situation helfen. Viele von uns arbeiten mit und in sehr hochrangigen professionellen Studios in denen wir viele Erfahrungen sammeln, die wir gern weitergeben. Genau deshalb werden wir auf der Experimenta auch ein paar in Portugal lebende Designer einladen.

(smow)blog: Was uns ganz vorzüglich zur letzten Frage überleitet: Wo können wir den Made out Portugal Truck als nächstes erwarten?

Bruno Carvalho: Momentan befinden wir uns noch in der Planungsphase. Wir versuchen aber beim Londoner Design Festival und bei der Experimenta in Lissabon zu sein. Das Gute ist: wir können – selbst wenn wir keinen Stand bekommen – an jedem Veranstaltungsort anhalten und ausstellen!

Mehr Informationen zu Made out Portugal gibt es hier www.madeoutportugal.com

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Der Made out Portugal Ausstellungstruck

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...und hier nachdem sie nach drinnen gezogen sind.

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Spore Vase von Paulo Sellmayer. Teil von Made Out Portugal auf dem DMY Berlin 2011

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João Valente #Another contemporary chair. Teil von Made Out Portugal auf dem DMY Berlin 2011.

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Tempelhof Lamp von Bruno Carvalho. Der zweite Teil von Bruno - spezielle Konzeptmöbel.



DMY Berlin 2011: Transalpino – Made in Between

Wednesday, June 22nd, 2011

In ihrem diesjährigen Projekt wollten die aus Berlin und Mailand stammenden Designer von Transalpino die Designtraditionen, die zwischen den beiden Städten liegen, ergründen.

Die Früchte ihrer Recherchen gab es unter dem Titel “Made in Between” auf dem DMY Berlin 2011 zu sehen.

Wir haben mit dem Transalpino-Mitglied Christoffer Martens gesprochen um etwas mehr über das Projekt zu erfahren.

(smow)blog: Was ist der Hintergrund zu “Made in Between”?

Christoffer Martens: Normalerweise spricht man von der Designstadt Berlin oder der Designstadt Mailand, wir wollten aber das Potential erforschen, das zwischen den beiden Städten liegt. Wir waren neugierig, welche Möglichkeiten in den verschiedenen Regionen existieren. Also haben wir die Regionen, die auf der Reiseroute liegen, untersucht und Unternehmen ausgewählt die unserer Meinung nach die jeweilige Region repräsentieren. Am Ende hatten wir eine hübsche Mischung aus sehr traditionellen Betrieben, modernen Firmen und aus kleinen Handwerksbetrieben und großen globalen Konzernen. Mit dem Projekt haben wir die Gebiete miteinander verbunden, indem wir Produkte entworfen haben, die verschiedene Firmen und Regionen zusammenführen.

(smow)blog: Heißt “zusammenführen”, dass verschiedene Hersteller in einem Produkt repräsentiert sind?

Christoffer Martens: In einigen Produkten haben wir verschiedene Materialien von unterschiedlichen Herstellern, oder es wurde ein bestimmter Prozess oder eine Spezialisierung der einen Firma im Produkt einer anderen Firma verwendet. Es gibt also verschiedene Arten der “Zusammenführung”.

(smow)blog: Und der Trip selbst: Sind Sie tatsächlich die Route entlang gefahren?

Christoffer Martens: Ja, wir waren zwei Wochen mit zwei Autos unterwegs – eins davon war ein sehr alter VW Bus. Wir sind die Route entlang gefahren, haben die Firmen besucht und Ideen ausgetauscht. Als wir zurück waren, hat die eigentliche Produktentwicklung begonnen.

(smow)blog: Was haben Sie als Designer von der Erfahrung gelernt?

Christoffer Martens: Einerseits erkennt man das riesige Potential das in den einzelnen Regionen steckt, die relativ weit weg von den herkömmlichen “Designstädten” liegen. Außerdem existiert dort ein unheimlich großes Wissen, welches teilweise in Gefahr ist verloren zu gehen, da die Zukunft der Unternehmen unsicher ist. Und wir haben Menschen kennengelernt, die die fantastischsten Objekte herstellen – das ist so inspirierend! Alles in allem war es ein wunderbares und inspirierendes Erlebnis.

(smow)blog: Hier in Berlin ist die Premiere. Gibt es Pläne, auch an anderen Orten auszustellen?

Christoffer Martens: Wir zeigen traditionell alle Transalpino-Ausstellungen sowohl in Berlin als auch in Mailand. Wir wollen nächstes Jahr in Mailand ausstellen, aber natürlich auch in einigen der Orte, die wir bereist haben.

Details zum Projekt und Bilder aller Produkte gibt es unter www.transalpino.de

Am Donnerstag, dem 23. Juni werden Mitglieder der Transalpino-Gruppe über die Entstehung des Projekts und ihre Erfahrungen in der Galerie “erstererster” in Berlin sprechen.

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DMY Berlin 2011: Transalpino - Made in Between

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Constellation Vase von Johannes Laue, Teil von Transalpino - Made in Between

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Rita Becher von Sven Funcke



Möbelmesse Mailand 2011: Konstantin Grcic @ Vitra

Friday, June 17th, 2011

Zu den auffälligsten neuen Vitra-Produkten in Mailand gehörte der Waver von Konstantin Grcic.

Es gab schon einmal eine Kooperation des Designers mit Vitra im Rahmen des Vitra Edition Projektes, aber Waver ist Konstantin Grcics erstes kommerzielles Produkt für Vitra. Der für den Outdoor-Bereich entworfene Stuhl erinnert stark an die Ästhetik von “Lifestyle” Sportarten, seine Formensprache schlägt zweifelsohne neue Wege ein, aber er ist auch unglaublich bequem.

Im zweiten Teil unseres Interviews mit Konstantin Grcic haben wir über Waver, die Kooperation mit Vitra und die Bedeutung der Möbelmesse in Mailand gesprochen.

(smow)blog: Fangen wir von vorne an: Was ist der Hintergrund zum Waver?

Konstantin Grcic: Waver ist Teil eines viel größeren Vitra-Projekts: Outdoormöbel. Vitra hat zwar Produkte die auch draußen eingesetzt werden können, aber keine speziellen Outdoor-Möbel. Ich hatte die Idee, als wir angefangen haben, mit Vitra zu sprechen. Wir wollten zusammen arbeiten – aber woran? Ich fand die Outdoor-Idee gut, weil es da auch eine gewisse Freiheit in der Typologie gibt. Die Vitra Home Collection ist von den Klassikern dominiert, die so stark sind, dass man sich nur sehr schwer gegen sie behaupten kann, also dachte ich ich gehe nach draußen…

(smow)blog: … die Eames im Wohnzimmer lassen und in den Garten gehen …

Konstantin Grcic: Genau. Ich gehe nach draußen und mache mein Ding. Waver ist ein individuelles Stück. Der Rest der Kollektion, an der wir noch arbeiten, wird mehr eine Familie sein. Als individuelles Produkt hat der Waver mehr Freiheit, denn man muss nicht dieselbe Geometrie oder Grammatik auf verwandte Produkte anwenden.

(smow)blog: Wir können uns gut vorstellen, dass ein Projekt wie der Waver verschiedene Herausforderungen mit sich gebracht hat…

Konstantin Grcic: Klar! Das größte Problem ist das UV-Licht, das sehr aggressiv ist. Aber wir wollten natürlich, dass Waver ein Produkt ist das draußen benutzt werden kann, ohne dass die Farben mit der Zeit verblassen. Es war entsprechend kompliziert ein Material zu finden dass sowohl UV-resistent als auch robust genug ist. Bei dem Waver muss das Material ein großes Gewicht tragen, so etwas muss man erstmal finden. Letzen Endes konnten wir ein passendes Material in Italien auftreiben.

(smow)blog: Kann man sagen, dass Konstantin Grcic endlich bei Vitra angekommen ist? Oder war das nie ein erklärtes Ziel von Ihnen?

Konstantin Grcic: Ja, ein bisschen. Ich habe Vitra als Firma immer bewundert und ja, ich hatte auch immer den Wunsch oder Traum, mit Vitra zu arbeiten. Und dann passiert es. Es ist nicht länger ein Traum sondern Realität – mit all den alltäglichen Problemen die Design mit sich bringt.

(smow)blog: Unsere letzte Frage stellen wir allen in Mailand: Ist die Mailänder Möbelmesse noch wichtig?

Konstantin Grcic: Doch, ja. Aber ich muss zugeben, dass ich nicht viel mitbekomme, weil ich einfach keine Zeit habe. Ich denke aber, dass die Messe nach wie vor sehr wichtig ist, weil einmal im Jahr alle hierher kommen. Auch wenn alles ein großer Hype ist, der alles größer macht als es eigentlich ist, definiert die Messe doch den Rhythmus der gesamten Branche. Wir Designer fangen im Mai mit den Vorbereitungen für das nächste Jahr an. Wenn es Mailänd nicht gäbe, würden einige Sachen sicher auf der Strecke bleiben.

Waver by Konstantin Grcic for Vitra

Waver von Konstantin Grcic für Vitra



EuroDesignExhibition: Marco dos Santos Pina

Friday, May 6th, 2011

Nächste Woche startet der Eurovision Song Contest 2011 in Düsseldorf – und wir können uns nicht erinnern, wann wir Lena zuletzt gesehen haben…?
Komisch.

Aber bevor das Gesinge losgeht, wird Düsseldorf auch Gastgeber für einen ähnlich wichtigen Versuch der europäischen Völkerverständigung sein: EuroDesignExhibition – Sit down please: 40 Stools from 40 Countries.

Die EuroDesignExhibition will mit Arbeiten junger Designer aus ganz Europa schauen ob sich Kulturen durch Möbel definieren lassen.

Design ist offensichtlich ein wichtiger Teil unserer Kultur. Aber inwieweit wird Möbeldesign beeinflusst von unserer kulturellen Identität? Oder sind wir alle einfach Europäer?

Portugal wird in Düsseldorf von Marco dos Santos Pina vertreten.

was sagt mein hocker über portugal aus?
mir war es wichtig, dass er in seiner formsprache eine typische nordeuropäische ästhetik aufweist (»reduce to the max« oder »less is more«), was auf meinen deutschen einfluss zurückzuführen ist. die portugiesen sind ein stolzes volk und mir war es ausserdem wichtig, dass ich den bhocker selber produzieren kann. ich bin stolz darauf, dass ich ihn selbst produzieren kann.
der entwurf ist also eine verschmelzung zweier kulturen, die immer wieder neue ausdrucksformen entstehen läßt.

Was genau Marco dos Santos Pina entworfen hat, ist vom 6. bis 20. Mai zu sehen bei Teilmöbliert, Lorettostrasse 9, 40219 Düsseldorf.

In den nächsten Tagen werden wir ein paar Fotos der Ausstellung veröffentlichen.

Weitere Informationen zur EuroDesignExhibition und eine vollständige Übersicht der Teilnehmer gibt es unter:

http://www.anonymegestalter.de/

http://www.teilmoebliert.com/

eurodesignexhibition-sit-down-please-40-stools-from-40-countries


EuroDesignExhibition: Alexander Gufler

Tuesday, May 3rd, 2011

Man kann ein Land ja gut anhand des Essens, der Musik oder der Qualität des Fußballs definieren und beschreiben.

Aber können Designer ihr Land mit einem Hocker charakterisieren?

Die Ausstellung “Sit down please” 40 Stools from 40 Countries” in Düsseldorf versucht derzeit, diese Frage zu beantworten.

Österreich wird durch Alexander Gufler vertreten. Die spannende Frage ist: Wie geht Alexander mit dieser Herausforderung um? Habsburger Exzess? Art Deco Ästhetik? Michael Thonet Minimalismus?

Als ich von den anonymen Gestaltern eingeladen wurde einen Hocker für die EuroDesignExhibition 2011 zu entwerfen, habe ich mir erst überlegt wo ich Hocker schon überall im Einsatz gesehen habe. Ziemlich schnell ist mir dann eine Kindheitserinnerung eingefallen.
Da ich selber aus dem Alpenraum stamme (Meran/Südtirol), war ich als Kind häufig auf Bauernhöfen. Und genau dort werden Hocker vermehrt verwendet, vor allem im Stall zum Melken von Kühen.
Von da an war mir klar dass der klassische Melkhocker ein guter Startpunkt für dieses Projekt ist und gut zur österreichischen ländlichen Tradition passt.
Mir war auch sehr wichtig, das Projekt mit den gleichen handwerklich traditionellen Techniken herzustellen wie sie an lokalen Bauernmöbeln angewendet wird. Dabei ist das Drechseln und die Zapfenverbindung sehr wichtig.
Der Hocker soll traditionelle und zeitgenössische Ästhetik verbinden.
Das dabei verwendete Holz ist eine Esche die aus einem Park in Wien stammt.

Wir hoffen nur, dass er vorher um Erlaubnis gefragt hat!!

Alexander Guflers Interpretation des traditionellen österreichischen Melkschemels und alle anderen Beiträge zur EuroDesignExhibition sind vom 6. bis 20. Mai zu sehen bei Teilmöbliert, Lorettostrasse 9, 40219 Düsseldorf.

Der Publikumspreis wird am 13. Mai vergeben und wir berichten natürlich darüber.

Weitere Informationen und eine Übersicht aller Teilnehmer gibt es unter:

http://www.anonymegestalter.de/

http://www.teilmoebliert.com/

eurodesignexhibition-sit-down-please-40-stools-from-40-countries