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Design braucht Täter 2012: Outsider von jp designs

Tuesday, February 7th, 2012

Wie wir bereits gestanden haben, besuchten wir Design braucht Täter 2012 in Köln noch vor der offiziellen Eröffnung – und bevor überhaupt alle Aussteller da waren. Wir wissen, dass das nicht die feine Art ist und können deshalb noch immer nicht richtig schlafen.

Und so haben wir uns besonders über die E-Mail von Julia Pfizenmayer von jp designs gefreut – eine der Ausstellerinnen, die wir leider nicht sehen konnten -, die uns aber nachträglich ihr modulares Stauraummöbel Outsider vorstellte. Das beweist doch, dass die Aussteller uns unsere Aktion nicht allzu übel nehmen.

Design braucht Täter 2012 Reprise Outsider by jp designs

Outsider von jp design

Bekanntlich beurteilen wir Möbelstücke normalerweise nicht, ohne sie vorher getestet zu haben. Wir denken nämlich: Auch geschenkten Gäulen sollte man in die Mäuler schauen…

Doch wenn man sich die Bilder und das Video anschaut, dann sieht Outsider auf jeden Fall nach der Art Design aus, für die wir uns begeistern könnten.

Im Wesentlichen besteht das Möbel aus ein paar Schichtholzboxen, die übereinander gestapelt werden können. Das Highlight an Outsider ist aber das System, mit dem die Kuben gegeneinander verschoben werden können. Und schon hören wir den ein oder anderen murren:”…Aber wozu brauche ich denn ein Regal, bei dem ich die einzelnen Ebenen um ein paar Grad verschieben kann?”

Wir wissen nicht genau, was die Idee dahinter war, würden aber so was in der Richtung vermuten: Einerseits hat man ja oft Gegenstände im Regal, die etwas zu weit hervorragen. Wenn man die Einheit ein wenig nach hinten verschiebt tun sie das nicht mehr.

Bei uns gibt es andererseits viele Ecken, wo Regale nicht wirklich hinpassen; entweder, weil die Wände nicht so gerade sind wie sie sein sollten oder weil irgendwas im Weg ist, wie zum Beispiel Fußleisten oder Steckdosen. Die Möglichkeit, einzelne Elemente ein wenig nach rechts oder links zu verschieben, kann in solchen Fällen sehr nützlich sein.

Dann ist da noch der ästhetische Aspekt, besonders wenn man das Regal als Raumteiler benutzen möchte: Outsider kann nicht nur seitwärts verschoben, sondern auch gedreht werden, sodass eine spiralförmige Struktur entsteht. Und manchmal ist es auch einfach nur schön, nicht lineare Formen zu haben…

Doch wie gesagt, besteht das wahre Highlight des Outsiders nicht darin, dass die Elemente verschoben werden können, sondern darin, wie diese Bewegung vonstatten geht: Die einzelnen Kuben sind nicht miteinander fixiert, sondern nur übereinander gesetzt. Dennoch ist das System in allen Positionen stabil und die Kuben können in ihrer Stellung gehalten werden.

Aber wie?

Wie jedes gute Design ist auch Outsider wie ein Straßenzauberer: Man guckt ganz genau hin und sieht den Trick nicht. Man guckt noch mal hin und sieht ihn immer noch nicht. Man ist beeindruckt, kann aber nicht erkennen, wie es gemacht wird.

Wir haben ein bisschen geschummelt. Wir haben nämlich Julia gefragt. Wir wissen also wie es geht. Wir werden es euch aber nicht verraten.

Wie gesagt, müssen wir noch warten bis wir Outsider selbst gesehen und ausprobiert haben, bevor wir ein finales Urteil fällen können. Doch auf der Grundlage dessen, was wir gesehen und gehört haben, können wir schon mal sagen, dass Outsider von jp designs auf jeden Fall ein Konzept ist, dass man sich ruhig etwas genauer ansehen kann.

Vielen Dank noch mal, dass du dich mit uns in Verbindung gesetzt hast, Julia.

Mehr Infos gibt’s unter: www.jpdesigns.de

Outsider von jp designs. Ein Video.



A&W Designer des Jahres 2012: Patricia Urquiola

Thursday, February 2nd, 2012
A&W Designer of the Year 2012 Patricia Urquiola

A&W Designer des Jahres 2012: Patricia Urquiola

Seit eineinhalb Jahrzehnten beginnt die Möbelwoche in Köln inoffiziell mit der Ehrung des A&W Designers des Jahres.

Verliehen vom Magazin A&W Architektur und Wohnen wurde der Preis 1997 ins Leben gerufen, um Designer zu ehren, deren Werk den Einrichtungsstil unserer Zeit besonders geprägt hat. Zu früheren Gewinnern gehören Philippe Starck, Antonio Citterio und Tom Dixon – um nur 3 von insgesamt 15 zu nennen.

A&W Designerin des Jahres 2012 ist die Spanierin Patricia Urquiola.

Die durch ihre Arbeit mit Moroso, B&B Italia, Kartell oder Molteni bekannte Patricia Urquiola studierte zunächst in Madrid Architektur bevor sie nach Italien zog, um ihre Studien am Politecnico di Milano abzuschließen. 2001 gründete sie ein eigenes Studio in Mailand und arbeitet sowohl im Möbeldesign als auch an zahlreichen Innendesignprojekten. Seit 2002 ist sie außerdem Gastprofessorin an der Domus Akademie.

Vor der Verleihungszeremonie sprachen wir mit Patricia Urquiola über ihre Karriere und diskutierten – passend zur Auszeichnung und zur Ausstellung “Von Aalto bis Zumthor. Architektenmöbel” im MAKK -, ob Architekten die besseren Möbeldesigner sind.

(smow)blog: Sie haben Architektur studiert und arbeiten nun hauptsächlich als Designerin. War eine Karriere als Architektin ihr Ziel oder nur Mittel zum Zweck?

Patricia Urquiola: Ich wollte schon in meinen frühen Jugendjahren Architektin werden; ich war eine von denen, die schon ganz genau wussten, was sie später tun möchten. Also studierte ich Architektur an der Universidad Politécnica de Madrid und traf dort Marco Zanuso, Achille Castiglioni und viele andere überaus interessante Architekten, die sowohl in der Architektur als auch im Design tätig waren. Das brachte mich dazu, mich stärker auf Design zu konzentrieren. Die Italiener leiteten also in gewisser Weise diesen Wandel ein.

(smow)blog: Und dann zogen Sie nach Mailand, wo Sie später mit einem weiteren Architekten und Designer weiterarbeiteten, Piero Lissoni

Patricia Urquiola: Ja, aber bei meinem Hintergrund und in meiner Altersgruppe war es ganz natürlich über die Grenzen zwischen Architektur und Design hinweg zu arbeiten. Das ist natürlich auch einer der Gründe dafür, wieso Mailand ein wichtiges Zentrum für Architektur und Design wurde.

(smow)blog: Im Augenblick findet hier in Köln eine Ausstellung statt, die die Rolle von “Möbelarchitekten” beleuchtet. Machen Architekten bessere Möbel als Designer mit anderem Hintergrund?

Patricia Urquiola: Nein, das glaube ich nicht. Ich bin zum Beispiel ein großer Fan von Konstantin Grcic und der ist kein Architekt. Man kann sich dem Design auf ganz verschiedene Weisen nähern; für mich wird die Grenze zwischen den beiden Disziplinen auf der einen Seite durch den “Lebensraum” und auf der anderen durch die “Werkzeuge für das Leben” definiert. Das war meine Ausbildung, das bin ich und das ist auch meine Einstellung. Aber man kann verschieden an die Disziplinen herangehen, deshalb sollten wir alle offen sein und auf neue Ansichten hören. Ich finde, dass zurzeit einige wichtige Forschungsbereiche und Schulen entstehen. So ist beispielsweise Eindhoven für mich derzeit sehr interessant. Aber wie gesagt gibt es viele Möglichkeiten in den Disziplinen zu arbeiten und wir alle sollten der Situation offen gegenüber stehen.

(smow)blog: Sie leben nun schon seit 25 Jahren in Mailand. Haben Sie im Laufe der Zeit eine Veränderung bemerkt? Ist Mailand immer noch eine Stadt, in der man die Kreativität förmlich spüren kann?

Patricia Urquiola: Ich bin in einer sehr kreativen Zeit nach Mailand gezogen. Leute wie Castiglioni oder Vico Magistretti waren noch aktiv und die Memphis Group hatten ihre beste Zeit. Aber dann hat sich Mailand wirklich stark verändert; es wurde immer spießiger und heute haben wir diese ganzen Krisen. Doch wie in allen Designzentren Italiens besteht auch in Mailand noch immer der Wunsch, qualitativ hochwertige Arbeiten zu produzieren. Ich hatte das Glück, in Mailand Leute zu treffen, die noch an Design glaubten und die diesen Glauben an Menschen wie mich weitergaben. Dafür bin ich sehr dankbar. Mein Leben dreht sich aber nicht nur um Mailand und meine Arbeit dort ist nur ein Teil meiner Arbeit.

A&W Designer of the Year 2012 Patricia Urquiola Volant Moroso

Das Sofa Volant für Moroso von Patricia Urquiola

A&W Designer of the Year 2012 Patricia Urquiola Silver Lake Moroso Comeback Chair Kartell

Silver Lake von Moroso und im Hintergrund der Comeback Chair für Kartell von Patricia Urquiola

A&W Designer of the Year 2012 Patricia Urquiola KETTAL MAIA Egg swing chasen flos Tropicalia Moroso

Maia Egg Hängesessel für Kettal, die Leuchte Chasen für flos und Tropicalia für Moroso, alle von Patricia Urquiola

 



IMM Cologne 2012: Müller Möbelfabrikation

Thursday, January 26th, 2012

Und eine Schublade hat er auch noch. Eine Schublade! Ein Schreibtisch mit einer, quatsch, sogar mehreren Schubladen! Spätestens damit hatten sie uns.

Als könnten die Designer von Müller Möbelfabrikation unsere Gedanken lesen, sahen wir uns bei ihrem Stand in Köln vor dem tollsten Stahlschreibtisch überhaupt! Mit gaaanz vielen Schubladen! Und schon wieder hatten sie uns…

IMM Köln 2012 Müller Möbelfabrikation TB 299

Der TB 299 von Müller Möbelfabrikation auf der IMM Cologne 2012

Wenn wir etwas zu kritisieren hatten, dann nur die Entscheidung, den Schreibtisch in Orange auszustellen. Wenn es eine Farbe gibt, die man bei Ausstellungsbeleuchtung wirklich schwer fotografieren kann, dann Orange… Und ausgerechnet Orange lag am Stand der Müller Möbelfabrikation total im Trend.

Außerdem im Trend lagen dieses Jahr die Lippert Studios. Die waren nämlich, wenn auch nicht Urheber unseres Lieblingsschreibtisches, das dominante Designstudio am Müller Möbelfabrikation Stand. Im vergangenen Jahr noch mit nur einem Stück, dem PS08 Sekretär, vertreten, brachten die Lippert Studios es in diesem Jahr schon auf drei Produkte.

Der PS10 Sekretär ist eine offene Variante des PS08 mit einer etwas größeren Arbeitsfläche; der ST08 ist eine Schminktisch-Variante des PS08 und…

Nein, im Ernst! Es geht wirklich um einen Schminktisch.

Ausgestattet mit beleuchtetem Spiegel, eingelassenem Stauraum und einer Schublade, kommt der ST08 unserer romantischen Vorstellung von Schminktischen in den Garderoben von Provinztheatern sehr nahe. Auf jeden Fall sollten sie so aussehen… Der ST08 verfügt über die gleiche Grundform wie sein Vorgänger, der PS08. Das Gehäuse wirkt jedoch um einiges schlichter und verleiht der gesamten Konstruktion etwas sehr Durchdachtes. Und was vielleicht noch wichtiger ist: Das Gehäuse sorgt dafür, dass man in geschlossenem Zustand niemals erraten würde, was sich im Inneren des Tisches befindet.

Wir finden, der ST08 ist ein wundervolles Accessoire für alle modernen Stadtmädchen, die in einer modernen 1-Raum-Stadtwohnung leben.

IMM Köln 2012 Müller Möbelfabrikation Lippert Studios ST 08

Der Schminktisch ST08 von den Lippert Studios für Müller Möbelfabrikation. Hier in Benutzung.

Trotz unserer unverholenen Freude über den ST08 war für uns der LS05 das prägnanteste Ausstellungsstück. Geschlossen ist der LS05 ein schlichter Beistell- bzw. Couchtisch, ausgezogen ist er ein reizender Laptop-Tisch mit Schublade.
Was uns am meisten daran gefällt, ist die simple Auszugs-Konstruktion. Nun ja, wir ahnen da ein paar Platzprobleme… Man sollte sich auf jeden Fall vergewissern, dass genügend Platz hinter dem Tisch bleibt, sodass der obere Teil ausgefahren werden kann ohne Blumentöpfe oder kostbare Vasen umzuwerfen. Hat man den Platz, hat man mit dem LS05 einen wunderbaren, dreistöckigen Laptop-Arbeitsplatz in hinreißender Retro-Futurismus-Optik, der sich übrigens auch ziemlich gut als Beistelltisch,Telefontisch oder was auch immer eignen sollte.

Der LS05 war auf jeden Fall eines unserer Lieblingsstücke bei der IMM 2012.

Alles in allem war es wirklich schön zu sehen, wie Müller Möbelfabrikation und die Lippert Studios die Grundidee des originalen, vielfachen Preisträgers PS08 weiterentwickelt haben und somit eine sehr innovative und moderne Tischfamilie geschaffen haben.

Jetzt fehlt uns nur noch eine Version für die Küche.

IMM Köln 2012 Müller Möbelfabrikation Lippert Studios LS 05

Der LS05 Laptop-Beistelltisch von den Lippert Studios für Müller Möbelfabrikation. Hier vollständig geöffnet...

 

IMM Köln 2012 Müller Möbelfabrikation Lippert Studios

Der LS05, PS10 und ST08 von den Lippert Studios für Müller Möbelfabrikation auf der IMM Cologne 2012

 

IMM Köln 2012 Müller Möbelfabrikation bright

Die bunte Welt der Müller Möbelfabrikation...

IMM Köln 2012 Müller Möbelfabrikation colour

... wohin man auch sieht.



Weltmöbeltag 2012

Friday, January 20th, 2012

Es war vielleicht nicht ganz richtig, als wir sagten, es gäbe bei der IMM Cologne keine Möbel von Moormann. Einen tapferen, kleinen Vetreter konnten wir nämlich finden: den Strammen Max.

Allerdings fungierte er hier einmal nicht als Vetreter seines Designers oder Herstellers, er stand vielmehr stellvertretend als globaler Botschafter einer Idee, die so genial, so unfassbar einfach und notwendig ist, dass wir mehr als nur ein wenig neidisch sind, dass wir selbst nicht darauf gekommen sind: die Idee des Weltmöbeltages.

Die Veranstalter des Weltmöbeltags versuchen mithilfe zahlreicher Events am Sonntag, den 22. Januar, Spaß und Möbel wieder zusammenzubringen und unsere Bindung zu unseren Möbeln zu stärken.

Denn obwohl sich derzeit tausende “Trendsucher” ihren Weg durch die IMM Cologne bahnen, um nach irgendwas zu suchen, das sie als den Trend im Herbst 2012 abstempeln können, geht es bei Möbeln genau genommen ja weniger um Trends und ständig neue Kollektionen. Manche Teile der Möbelindustrie wollen uns das aber glauben machen. Sie versuchen uns davon zu überzeugen, dass Möbel lediglich saisonal rotierende Modeobjekte sind, auf denen man sitzen kann. Und das nur, um ihren Profit zu erhöhen. Diese Leute sind Scharlatane.

Möbel sind eine lebenslange Verpflichtung und nichts für ein nettes Wochenende, das nur darauf wartet durch etwas Frischeres abgelöst zu werden.

Die beiden Highlights des ersten Weltmöbeltages sind der Chair Slam in Berlin und der Möbelflashmob in Köln. Bei ersterem soll der Besucher seinen eigenen Stuhl mitbringen und das Publikum davon überzeugen, wieso gerade sein Stuhl der beste ist. Beim Flashmob sollen alle ein Möbelstück mit ins Kölner Stadtzentrum bringen und damit neben dem Dom ein “Freiluft-Wohnzimmer” gestalten. Einfach genial!

Und natürlich sind alle dazu angehalten, ihr eigenes, lokales Event zu organsieren und den Weltmöbeltag so zu feiern, wie man es gerne möchte. Und wenn nicht in diesem Jahr, dann eben im nächsten.

Denn natürlich wird eine Idee wie die des Weltmöbeltages eine alljährliche Wiederholung finden und immer wieder aufs neue das ehren, was an Möbeln gut, lustig und persönlich ist. Oder um es kürzer auszudrücken: Der Weltmöbeltag 2013 ist bereits in Planung.

Mehr Details und Hintergrundinfos zum Weltmöbeltag 2012 gibt’s unter http://www.weltmoebeltag.de.

weltmöbeltag 2012

Weltmöbeltag 2012 Botschafter Strammer Max im IMM Cologne Presseraum



MAKK Fortsetzung: Thonet, Ron Arad, Satyendra Pakhalé

Wednesday, January 18th, 2012

Neben der Ausstellung “Von Aalto bis Zumthor: Architektenmöbel” präsentiert das Museum für Angewandte Kunst Köln seine neuesten Errungenschaften: 10 frühe Stühle von Michael Thonet und ein seltenes Stück von Jacob und Josef Kohn, außerdem 2 monumentale, modern-abstrakte Metallmöbel: “2 R Not” von Ron Arad und den “Bell Metal Horse Chair” von Satyendra Pakhalé.

Die Thonet Stühle werden zurzeit in einer besonderen Vitrine ausgestellt, die die Entwicklung des Werkes von Michael Thonet wunderbar porträtiert.

Und wie um den Begründer der industriellen Möbelproduktion zu verspotten, haben die Kuratoren 2 R Not und den Bell Metal Horse Chair wie zwei mechanische, futuristische Türsteher direkt vor der Thonet Ausstellung aufgestellt.

Michael Thonet und Ron Arad. Die Gegenüberstellung des Jahres.

Museum für Angewandte Kunst Köln Thonet Ron Arad

Michael Thonet. Ein Mann mit einer Vision, die er nie aufgab...

 

Museum für Angewandte Kunst Köln Thonet Ron Arad

Michael Thonet und sein "Boppard Stuhl"

Museum für Angewandte Kunst Köln Thonet Ron Arad

Michael Thonet vs. Ron Arad



Museum für Angewandte Kunst Köln: Von Aalto bis Zumthor. Architektenmöbel

Tuesday, January 17th, 2012

Wie es die Tradition so will, richtet das Museum für Angewandte Kunst Köln (MAKK) auch in diesem Jahr wieder, wenn in Köln die Möbelmesse IMM stattfindet, eine Sonderausstellung zum Thema Möbel aus.

Unter dem Titel “Von Aalto bis Zumthor. Architektenmöbel” stellt das MAKK über 120 verschiedene Möbel aus, denen eins gemein ist: sie wurden alle von Architekten designt.

Museum für Angewandte Kunst Köln Von Aalto bis Zumthor Architektenmöbel

Museum für Angewandte Kunst Köln: Von Aalto bis Zumthor. Architektenmöbel

Wie treue Leser längst wissen werden, ist der “Möbel-Architekt” eines unserer Lieblingstehmen. Und das nicht nur, weil solche Architekten einige wirklich fantastische Arbeiten hervorgebracht haben – und das oft nur aus purer Leidenschaft und mit wenig oder gar keinen finanziellen Ambitionen -, sondern weil wir glauben, dass das Verstehen des “Möbel-Architekten” eine wichtige Basis für das Verstehen der Möbelindustrie und letztendlich guten Möbeldesigns ist.

In der Pressemitteilung erklärt das MAKK, dass viele der Architekten zum Möbeldesign gekommen seien, weil sie auf dem Markt kein passendes Mobiliar für ihre Projekte gefunden hätten.

Es ist naturgemäß nicht unsere Art alteingesessenen und anerkannten Designmuseen zu widersprechen.

Aber.

Wir glauben zwar auch, dass der Notwendigkeitsaspekt in manchen Fällen bestimmt ein entscheidender Faktor gewesen ist, der Wunsch ein Projekt vollständig zu kontrollieren und so eine formale Einheit zu schaffen in vielen Fällen aber als bedeutender einzuordnen  ist.
Wir haben einige hübsche Zitate gefunden; z.B. wie Egon Eiermann nur zustimmen wollte, ein Haus in Berlin zu entwerfen, wenn er auch die Möbel gestalten durfte; oder wie Arne Jacobsen ähnliche Forderungen stellte, bevor er die Aufträge für das SAS Royal in Kopenhagen und das St. Cahthrines College in Oxford akzeptierte. Und Le Corbusier hat seine sozialen Wohnungsbauten der 1950er nur nicht selber eingerichtet, weil IKEA noch erfunden werden musste.

Für uns ist diese Unterscheidung so wichtig, weil sich aus ihr etwas entscheidendes herauslesen lässt: Die Motivation definiert den Hintergrund der entworfenen Möbel und unterstreicht als solches die Art und Weise, wie die Architekten dachten und arbeiteten.

Was unstrittig ist, ist der Wert der Arbeiten.

Museum für Angewandte Kunst Köln Von Aalto bis Zumthor Architektenmöbel

10 Unit System von Shigeru Ban über Artek (2009)

Neben Stücken aus der museumseigenen Sammlung wird “Von Aalto bis Zumthor. Architektenmöbel” durch Leihgaben vervollständigt und erzählt die Geschichte eines ganzen Jahrhunderts “Möbel-Architekten”. So beginnt die Ausstellung bei Werken von Hoffmann, Wagner oder Emil Beutinger. Letzterer ist mit seiner wunderbaren Kücheneinrichtung aus dem Jahr 1903 vertreten. Das Ensemble enthält einen “Sitzschrank”, der auch aus einer Haute Couture Kollektion des Ateliers Moormann stammen könnte.

Im Vergleich zu der dezenten Eleganz vieler früher Stücke, konnten wir uns nicht dem Eindruck entziehen, dass viele modernere Stücke förmlich schreien “Sieh mich an!”.

Natürlich wissen wir, dass der Wunsch nach Aufmerksamkeit noch ganz andere Ausmaße annehmen kann. Man denke nur an Menschen, die ihrer Berühmtheit wegen in den australischen Dschungel ziehen und vor laufender Kamera Kangaroohoden essen, nur um mit dem, “was sie der Gesellschaft hinterlassen haben”, in Erinnerung zu bleiben. – So um Aufmerksamkeit bemüht waren wirklich nur die allerwenigstens Stücke in der Ausstellung.

Nun könnte man argumentieren, dass der Grund dafür ist, warum viele der Vorkriegsmöbeldesigns im Gegensatz zu den modernen “Hinguckern” so konservativ und, ja, normal erscheinen, dass die Gesellschaft auch so war. Es gab keine größeren oder kleineren Angriffe auf akzeptierte Normen.

Nach der Postmoderne, dem Dadaismus und dem Punk haben wir jedoch andere Erfahrungen gemacht und mittlerweile ist es sogar zulässig Konventionen anzufechten. Dies gilt insbesondere für Möbel, die für ein Gebäude entworfen wurden, das Ansprüchen an modernes Wohnen gerecht werden muss.

Was uns zu den Ursachen zurückbringt, warum ein Architekt Möbel designt….

So oder so glauben wir, dass jene Architekten, die in die Kategorie “Hauptsache Aufmerksamkeit” fallen, gar nicht erst als “Möbel-Architekten”, sondern als “Künstler” bezeichnet werden müssen. Und ihre Arbeiten nennt man auch nicht “Möbel”, sondern “Kreationen” – oder schlimmer noch “Statements”.

Das führt uns zu der Frage, ob solche Künstler überhaupt in eine Möbelausstellung wie diese gehören. Nun, Kunst, Design und Architektur sind zwar verschiedene Disziplinen, sie können jedoch ineinander greifen und verschmelzen. Die Frage, die aber bleibt, ist, welche Disziplin die dominante ist. Bei der Auswahl der Objekte für so eine Ausstellung würden wir sagen, ist es Design. Idealerweise Design, das mit der Übung, dem Auge und dem Verständnis eines Architekten gestateltet worden ist.

Was zwangsläufig zu der nächsten Frage führt: Wo war eigentlich das USM Haller Möbelsystem – ein Möbel, das direkt aus einem architektonischen Konzept entstanden ist?

Museum für Angewandte Kunst Köln Von Aalto bis Zumthor Architektenmöbel

Jean Prouvé und Alvar Aalto bei Von Aalto bis Zumthor. Architektenmöbel

“Von Aalto bis Zumthor. Architektenmöbel” ist eine gute Ausstellung. Unser Problem ist aber, dass nicht genug erklärt wird; es wird nur gezeigt. Für eine Sonderausstellung in einem Museum wie dem MAKK ist das einfach zu wenig. Man sollte die Ausstellung doch mit dem Gefühl verlassen, wirklich etwas über das Thema erfahren zu haben.

Wir kennen uns auf dem Gebiet einigermaßen gut aus und haben es genossen, die Stücke einfach alle einmal beisammen zu sehen und vergleichen zu können. Den meisten Besuchern geht es vermutlich anders – sie kennen nicht schon die meisten der Exponate, weil sie diese und andere Möbelklassiker in einem Onlineshop verkaufen.

Für einige Ausstellungsstücke gab es sogar gut konzipierte und hübsch illustrierte Schautafeln, für die Mehrzahl gab es jedoch nur etwas, das aussah wie Archivkarten mit einem Namen und wenigen anderen Informationen darauf.

Und dann war da natürlich noch die Entscheidung einige Stühle 5 Meter hoch über dem Boden zu platzieren – halb versteckt in Kisten, sodass sie keiner sehen kann. Das finden einfach nur blöd.

Trotz des für uns etwas lustlosen Ausstellungskonzepts bleibt der Wert der Arbeiten unangetastet und “Von Aalto bis Zumthor. Architektenmöbel” einen Besuch wert – besonders während der IMM Cologne, wenn der Eintritt frei ist.

“Von Aalto bis Zumthor. Architektenmöbel” ist im Museum für Angewandte Kunst Köln bis 22. April 2012 zu sehen.

 



(smow) Blog Best of 2011: Bookinist Cup – Die Hölle von Aschau

Monday, January 9th, 2012

Obwohl als Firmenfeier angedacht, bei der Moormann seinen Partnern, Händlern, Designern usw. für die gute Zusammenarbeit im vergangenen Jahr danken wollte, war die Die Hölle von Aschau viel mehr so etwas wie ein Familienfest und die Stimmung so warm wie ofenfrischer Apfelstrudel.

Und das trotz Schneeregen und Wind!

Diese Wärme offenbarte sich dem Zuschauer besonders als sich Nils Holger Moormann höchstpersönlich auf die Piste schwang und das Fotografenaufgebot umgehend auf ein Level anstieg, das man eher von Auftritten von George Clooney oder Brad Pitt gewohnt ist.

Das war wirklich ergreifend.

In einer Woche oder so werden wir in Köln bei der IMM sein, in einer Welt also, wo harte Geschäfte auf den Bezügen von Ledersofas fragwürdiger Qualität von unangemessen selbstüberzeugten Außendienstmitarbeitern ausgehandelt werden. In diesem Jahr mit Tablets, selbstverständlich.

Der Bookinist Cup hat uns daran erinnert, dass es so aber nicht laufen muss.

Wenn wir einmal schätzen, was der Spaß wohl gekostet hat, sind wir uns ziemlich sicher, dass das Geld, das Moorman in Die Hölle von Aschau investiert hat, gut und gerne auch für einen schönen Stand auf einer Messe gereicht hätte.

Aber wir kennen Nils Holger und seine fröhliche Schar von Moormännern gut genug, um zu wissen, dass die Wahl zwischen einer Messe und einem Rennen mit einem ihrer Möbelstücke immer auf das Rennen fallen würde.

So etwas ist nur in einer Welt möglich, in der Qualität mehr als Profit zählt – auch wenn Profit unweigerlich zu den notwendigen Dingen im Geschäft gehört; in einer Welt, in der Qualität entsteht, wenn man eine Sache mit Leidenschaft verfolgt, wenn das, was man tut, mehr als bloße Arbeit ist und wenn das einen glücklich macht.

Weil uns also Die Hölle von Aschau so nachhaltig daran erinnert, dass die Designermöbelindustrie etwas ist, das von Zeit zu Zeit wahrhaft froh stimmen kann, erhält das Rennen ganz klar einen Platz auf unserer Highlights-2011-Liste.

Für alle, die nicht dabei gewesen sind, gibt es hier den offiziellen Film vom Rennen.

 



Die Hölle von Aschau 2011 – Concours d’Élégance

Wednesday, December 21st, 2011

Abseits der Rennstrecke war ein wahres Highlight der “Hölle von Aschau” der Concours d’Élégance.

Vor dem Event hatte Moormann seinen Kunden, Partnern und Freunden Bastelsets zum Nachbau von Miniatur-Bookinisten geschickt, die “gepimpt”  zum Wettbewerb “Concours d’Élégance” eingereicht werden konnten. Sie hatten wahrscheinlich nicht erwartet, dass es so viele Einsendungen geben würde. So war die Moormann-Jury nicht nur von der hohen Resonanz beeindruckt, sondern auch von der sehr hohen Qualität der Einsendungen.

Vom Lebkuchen-Bookinisten übers Papamobil bis hin zum unsäglich plumpen und doch coolen “Bookimist” von Jehs + Laub – die Fantasie und das künstlerische Talent der Moormann-Familie scheint grenzenlos.

Es war wirklich die reinste Freude. Und die gesamte Galerie gibt’s hier.

Die Hölle von Aschau 2011 Concours d'Élégance

Die Hölle von Aschau 2011: Concours d'Élégance

Ein Bastelset landete auch im (smow)Hauptquartier.

Doch wären wir nicht (smow), wenn wir blind den Regeln folgen würden. Auch wenn die Regeln von Nils Holger Moormann persönlich stammen. Und so individualisierte auch (smow) einen Bookinisten – allerdings im Maßstab 1:1.

In den Tälern Südsachsens von ortsansässigen Handwerkern mithilfe traditioneller Herstellungsverfahren gefertigt und ganz im Gegensatz zu Moormanns Ozonschicht zerstörenden und offen gesagt total veralteten Dieselmotoren mit einem umweltfreundlichen Elektromotor ausgestattet, wurde der (smow)Bookinist…

…sofort vom Rennen disqualifiziert! Und das obwohl er mit echten Büchern bestückt war und nicht nur mit Aufklebern wie die anderen Renn-Bookinisten!

Doch nach mehrfachem Bitten und Flehen zeigte sich die Jury gnädig und entschied sich für die Einrichtung einer Extra-Kategorie für außergewöhnliche Beispiele ostdeutscher Ingenieurskunst und das (smow)Team durfte endlich in die Boxengasse, um sich für die Schlacht zu rüsten.

Als die Zeit dann kam, zeigte sich auf der engen Strecke von Aschau der unschätzbare Wert der vielen Trainingsstunden. Unter dem Jubel von Tausenden Zuschauern schaffte der (smow)Pilot die Strecke mit seinem Mobil in der beachtlichen Zeit von 1:17.65. Das wäre in einer gerechten Welt immerhin der 8. Platz gewesen.

Und als sich die übrigen Teilnehmer die Nacht um die Ohren schlugen, war das (smow)Racingteam noch immer auf den Beinen und übte auf den regennassen Pflastersteinen Aschaus.

Wie sollte es auch anders sein?

Die Hölle von Aschau 2011 smow bookinist

Die Hölle von Aschau 2011: Der (smow) Bookinist nimmt Gestalt an.

Die Hölle von Aschau 2011 smow bookinist test

Noch eine Testrunde auf dem Moormann-Parkplatz ....

Die Hölle von Aschau 2011 smow bookinist race

...und dann auf die Rennstrecke um den Bookinist Cup 2011.

Die Hölle von Aschau 2011 smow bookinist meat

Als die anderen das Essen mit allen Beteiligten am Rennen voll auskosteten...

Die Hölle von Aschau 2011 smow bookinist night

...raste (smow) noch immer durch die Nacht.



Egon Eiermann – Neue Stühle für neue Kirchen. Der SE 119 und SE 121

Tuesday, December 20th, 2011

Am 17. Dezember 1961 wurde die neue Kaiser Wilhelm Gedächtniskirche in Berlin offiziell eingeweiht. Entworfen von Egon Eiermann war und ist der neue Kirchenbau ein selbstbewusster und moderner Ersatz für die alte Kaiser Wilhelm Gedächtniskirche; ein Gebäude, das zum Bedauern vieler Berliner Urgesteine der Bombadierung von 1943 zum Opfer fiel.

Wie auch in anderen Projekten dieser Zeit, entwarf Eiermann nicht nur das Gebäude, sondern gestaltete auch gleich das passende Mobiliar für das Kircheninnere.

Die neue Kaiser Wilhelm Gedächtniskirche war Eiermanns zweites Kirchenprojekt – und genau wie er von der Matthäuskirche Pforzheim architektonische Elemente wiederverwendete und neu verarbeitete,  transportierte er bekannte Elemente auch in Form des Mobiliars in das Innere der neuen Kaiser Wilhelm Gedächtniskirche.

egon eiermann wilde + spieth se 119

Stuhl für die Matthäuskirche Pforzheim. Entworfen von Egon Eiermann

Für die Matthäuskirche entwarf Eiermann einen einfachen, fast schon rustikalen Holz- und Weidenstuhl; für Berlin verwendete Eiermann die gleiche Grundform, wenngleich die Form unter neuem Materialeinsatz eine neue Ausstrahlung erhielt. In vielerlei Hinsicht wirkt diese Interpretation urbaner und mondäner.

Die Rahmenform bewahrend, ersetzt Eiermann den Weidensitz aus Pforzheim durch eine gurtgestützte Struktur. Das bemerkenswerteste am “Berliner Stuhl” ist die offene Konstruktion,  die plakativ zur Schau stellt, wie die Gurte um den Rahmen geschlungen sind.

neue kaiser wilhelm gedächtniskirche Berlin 2011

Stühle in der neuen Kaiser Wilhelm Gedächtniskirche, Berlin. Entworfen von Egon Eiermann

Auf der Rückseite hat Eiermann die zwei absolut unerlässlichen Elemente eines Kirchenstuhls eingearbeitet: Stauraum für das Gesangsbuch und einen Huthalter.

Wie wir alle wissen, hatte Egon Eiermann immer ein Problem damit, wenn Menschen versucht haben, seine Arbeiten mit den (gezwungenermaßen) früheren Arbeiten von Charles Eames zu vergleichen. Aber so sehr wir den kleinen schwarzen, ballförmigen Huthalter mögen und schätzen, kann sich ein Teil von uns nicht gegen den Wunsch wehren, Eiermann hätte eine Möglichkeit gefunden, die ein kleines bisschen weniger an einen Hang it All Haken erinnert…

neue kaiser wilhelm gedächtniskirche Berlin 2011

Der Gesangsbuchhalter und der Huthaken

Was Eiermann leider nicht von Pforzheim in Berlin übernommen hat, war sein berühmtes Tischgestell als Altar. Diese Entscheidung ist jedoch eher den vielen Meinungsverschiedenheiten zwischen Eiermann und dem Berliner Bistum geschuldet, als einer bewussten Entscheidung seitens Eiermann.

1985 stellt Wilde+Spieth den “Pforzheimer Stuhl” als SE 119 der Öffentlichkeit vor – laut Arthur Mehlstäubler1, der erste Stuhl, den Eiermann für ein Architekturprojekt entworfen hat und der daraufhin in die Serienproduktion ging. Das markiert in unseren Augen den Punkt, an dem Eiermann zu einem vollwertigen “Möbelarchitekten” im dänischen Sinne wurde. Obgleich der SE 119 schon 1958 als Esszimmerstuhl im deutschen Pavillion auf der Weltausstellung in Brüssel zum Einsatz kam.

1962 brachte Wilde+Spieth den “Berliner Stuhl” als SE 121 heraus, der ab 1964 in der Kanzlei der deutschen Botschaft in Washington verwendet wurde. Ohne Huthaken und Gesangsbuchhalter, allerdings.

Leider werden beide Stühle nicht mehr hergestellt, aber die Kirchen stehen noch und in beiden kann man einen wunderbaren Einblick in einen sehr speziellen Teil von Egon Eiermanns Oeuvre erhalten.

1. Aus Kielmeyer, Barbara, Hg. “Egon Eiermann – die Möbel”, INFO-Verlag, Karlsruhe 1999

neue kaiser wilhelm gedächtniskirche Berlin 2011

Die neue Kaiser Wilhelm Gedächtniskirche Berlin. Mit Eiermanns Stühlen, komplett mit Huthaken und Gesangsbuchhaltern



Neue Räume Zürich: Nikolas Kerl

Friday, December 16th, 2011

Einer der Gründe auf die Neue Räume Zürich zu gehen war es, einen Überblick über die aktuelle Situation der Designermöbelindustrie in der Schweiz zu bekommen.

Wenn auch idyllisch hinterm Alpenvorhang versteckt, wäre es zu einfach anzunehmen, in der Confoederatio Helvetica liefe alles immer rosig. Manchmal malt man sich ja aus, wie Schweizer Designer und Hersteller den ganzen Tag nichts machen als ihr Geld zu zählen und aufzupassen, dass sie sich nicht ihre Füllungen beim Verzehr dieser zähen, dreieckigen Schokolade ausbeißen. Nachdem jedoch der Schweizer Franken im letzten Sommer anstieg wie ein Geier im Steilflug haben wir eine etwas andere Realität vorgefunden.

Ansporn genug für uns da mal etwas genauer nachzuhaken.

Unter den Leuten mit denen wir gesprochen haben war auch der junge Züricher Designer Nikolas Kerl. Nach seinem Studium an der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK) gründete Nikolas 2010 umgehend seine eigene Firma und stellte zusammen mit lokalen Händlern seine eigenen Möbel in kleinen Serien her.

Beim Material konzentriert sich Nikolas hauptsächlich auf natürliche Produkte wie Holz, Lehm und Glas. So hat er auch direkt öffentliches Aufsehen erregt. Nämlich mit seiner Glasschüssel „Flat O“, die für den Schweizer Design Preis 2011 nominiert war, und mit dem Tisch „T1“, der für den gleichermaßen begehrten “Die Besten 2011″-Preis ins Rennen ging.

Wenn das mal kein gutes Zeichen für die Zukunft ist.

Bei der Neue Räume Zürich haben wir Nikolas abgefangen und ihn gefragt, warum er sich für die Karriere im Möbeldesign entschieden hat.

Nikolas Kerl: Ich habe mit einer schulbegleitenden Schreinerlehre begonnen, wo ich zum ersten Mal in Kontakt mit Möbeln gekommen bin. Da habe ich mich schon in das Entwerfen und Herstellen von Möbeln verliebt und es war klar, dass ich das später mal machen will. Der Schreiner war mir aber zu wenig, also habe ich mich für das Industriedesign-Studium an der ZHdK entschieden.

(smow)blog: Kannst du dich noch daran erinnern, was dich als erstes so fasziniert hat?

Nikolas Kerl: Es war einfach der Umgang mit Material und der Geruch, die Lebendigkeit des Holzes. Holz ist so ein warmes Material, das den Wohnbereich sehr bereichern kann.

(smow)blog: An der ZHdK hast du dann aber vermutlich nicht gleich mit Möbeldesign zu tun gehabt?

Nikolas Kerl: Nein. In den Kursen sind wir alle Aspekte vom Industriedesign durchgegangen: Mobilität, Servicedesign, Produktdesign…

(smow)blog: Aber du bist dem Möbeldesign treu geblieben? Haben die anderen Richtungen überhaupt nicht dein Interesse gewinnen können?

Nikolas Kerl: Mein Herz schlägt einfach für das Möbeldesign und Holz, Stein und Glas sind die Materialien mit denen ich am besten arbeiten kann, die mir und meinen Entwürfen am meisten entsprechen.

(smow)blog: Hast du dich bewusst dafür entscheiden nach deinem Studium in Zürich zu bleiben?

Nikolas Kerl: Ja. Für mich war es eine klare Entscheidung in Zürich bzw. der Schweiz zu bleiben. Ich denke in der Schweiz wird gute Handarbeit viel mehr geschätzt und demzufolge auch die entsprechend höheren Preise besser akzeptiert. Die Leute hier sind bereit für gute Qualität mehr auszugeben. Da meine Möbel in kleinen bis mittleren Serien von Hand in der Schweiz hergestellt werden, ergibt es Sinn hier zu bleiben. Meine Möbel passen einfach sehr gut auf den Schweizer Markt.

(smow)blog: Wie einfach – oder schwer – war es, dich als neuer, junger Hersteller auf einem unserer Auffassung nach relativ kleinen Markt zu etablieren?

Nikolas Kerl: Der Markt ist tatsächlich überschaubar. Aber man wird relativ schnell akzeptiert, bloß der nächste Schritt – Verkaufen – ist dann ziemlich schwer und da bin ich gerade noch dran.

(smow)blog: Gab es in diesem Zusammenhang irgendwelche Business-Kurse in deinem Studium?

Nikolas Kerl: Leider nicht! Das ist jetzt alles Learnig by Doing …und der beste Master, den ich machen kann.

(smow)blog: Und zum Schluss: Du wurdest für den Design Preis Schweiz nominiert. Herzlichen Glückwunsch dafür! Was bedeutet das für dich?

Nikolas Kerl: Allein die Nominierung hat mir schon einige Türen geöffnet. Unabhängig davon ob ich also gewinnen werde oder nicht, ist schon so eine Nominierung ein Glücksfall. Außerdem bedeutet es ein ziemlich großes Medienecho, wodurch eine Menge Leute auf mich und meine Arbeit aufmerksam werden. Sowas hilft ungemein. Und natürlich ist es auch eine schöne Bestätigung, dass das, was ich mache, in die richtige Richtung geht.

Mehr Informationen gibt’s unter www.nikolaskerl.com

Nikolas Kerl Neue Räume Zurich
Nikolas Kerl bei Neue Räume Zürich 2011
Neue Räume Zurich Nikolas Kerl T1
Neue Räume Zürich: Nikolas Kerls Stand mit dem Tisch T1
Neue Räume Zurich Nikolas Kerl Stan Harvey
Stan & Harvey von Nikolas Kerl bei Neue Räume Zürich