Archive for the ‘Design Talente’ Category

Monsieur Montebourg und sein Eames Lounge Chair

Friday, April 26th, 2013

Es ist bezeichnend für das Bild von Designermöbeln in unserer Gesellschaft, dass Medien aus ganz Europa den Fakt aufgegriffen haben, dass der französische Wirtschaftsminister, Arnaud Montebourg, in Zusammenhang mit dem kürzlich veröffentlichten Wohlstandsbericht des französischen Kabinetts zugab, er besitze einen Eames Lounge Chair.

Spiegel Online illustrierte den Wohlstandsbericht sogar zeitweise mit einem Bild eines solchen Eames Lounge Chairs.

vitra eames lounge chair

Der Eames Lounge Chair. Ähnlich dem von Arnaud Montebourg.

Während die Faszination für Monsieur Montebourg und seinen Eames Lounge Chair fast sicher mit der Tatsache zusammenhängt, dass es sich dabei um eine der wenigen Enthüllungen bei der ganzen Sache handelt – auch wenn die Enthüllung kein Teil des offiziellen Dokuments ist, sondern eigentlich aus einem Interview in der Zeitung Le Monde stammt -, offenbart sie gleichzeitig die weitläufige Meinung über den Besitz von Designermöbeln als einen Indikator von unerreichbarem und irgendwie ungerechtem Reichtum.

Ja, so ein Ojekt wie der Eames Lounge Chair kostet mehr als die meisten Menschen normalerweise für ein Möbelstück ausgeben würden. Aber wenn man mal eine Kosten-Nutzen Rechnung macht, ist es, verglichen mit den Alternativen, plötzlich gar nicht mehr soooo viel. Die Investition in einen Eames Lounge Chair ist eine Investition in ein Objekt, das einen nicht nur bis zum letzten Atemzug begleitet, sondern darüber hinaus auch noch den eigenen Kindern erhalten bleiben wird.

Und dann ist da noch die materielle Investition. Wenn man sich den Bericht des Ministeriums ansieht, findet man z.B. heraus, dass der Europaminister Thierry Repentin 2009 einen Renault Scenic für 26.700 Euro kaufte. Der ist jetzt noch 8.500 Euro wert. Der Eames Lounge Chair hingegen, den Arnaud Montebourg 1988 für ca. 4.300 Euro gekauft hat, wird kaum einem Wertverlust von 66% unterlegen haben. Und wünschen wir uns nicht alle Politiker, die vernünftige ökonomische Entscheidungen treffen? Vor allem in der aktuellen Lage?

Für uns ist ein Teil des Problems, der zu der Faszination für den Besitz eines Designklassikers wie dem Eames Lounge Chair führt, wie solche Produkte beworben oder generell in den Medien präsentiert werden. Viel zu oft werden Designermöbel als etwas übernatürliches präsentiert, als etwas exklusives und nichts für so jemanden wie dich und mich. Wie wir bereits sagten – und wiederholen werden bis unsere Zähne ausfallen – wenn sich Hersteller der ermüdenden, von Agenturen erschaffenen Bilderwelt verweigern würden und sich dafür darauf konzentrieren würden, die Qualität der verwendeten Materialien, der angewandten Handwerkskunst, die Dauer des Designprozesses, die Investitionen in die Maschinen, die für die Herstellung benötigt werden usw. usf. zu erklären, würde die Öffentlichkeit auch den Preis nachvollziehen können. Und würden sich so ein Objekt vielleicht sogar als einen Hauch von Luxus in ihrem grauen, unerfüllten Leben wünschen.

In diesem Zusammenhang kann im Lounge Chair Atelier im VitraHaus eine wunderbare Entwicklung beobachtet werden, da es dort dem Besucher seit einiger Zeit nicht nur möglich ist, zu sehen und zu fühlen, wie ein Vitra Lounge Chair hergestellt wird, sondern auch mit den Mitarbeitern zu sprechen und ein bisschen mehr über die Menschen hinter dem Produkt zu erfahren.

Von daher sagen wir, lassen Sie Monsieur Montebourg in Ruhe! Er hat unserer Meinung nach sehr weise und vernünftig investiert.

Und was die Dekadenz angeht: Justizministerin Christiane Taubira gab zu, drei Fahrräder zu besitzen. Drei Fahrräder!!!

Qu’ils mangent de la brioche! Also echt…!

Vitra Eames Lounge Chair Chemnitz

Ein Vitra Eames Lounge Chair White. Hier bei der Ausstellung Eames by Vitra im Wasserschloß Klaffenbach, Chemnitz



IMM Köln 2011: d3 Design Talente

Tuesday, January 25th, 2011

Wie bei allen Möbelmessen üblich, stellt auch die IMM Köln jährlich einen Teil der Ausstellungsfläche jungen aufstrebenden Designern zur Verfügung.

In drei thematisch untergliederten Sektionen bieten die “d3 Design Talents” Platz für d3 Schools, d3 Professionals und den d3 Contest.

“Raum” ist dabei aber nicht nur ein relativer Begriff, aber einer der nicht durch physikalische Messungen bestimmt werden kann.

Dies lernten wir auf unserem Weg zum Congress-Centrum Ost!

d3 Design Talents : d3 Contest

Beaugars  von Meike Langer, Teil des diesjährigen IMM Köln d3 Contest. (Im Hintergrund: Home Traveller von Anne Lorenz)

Beaugars von Meike Langer, Teil des diesjährigen IMM Köln d3 Contest. (Im Hintergrund: Home Traveller von Anne Lorenz)

Mit den Werken von 28 Design Studios aus 9 Ländern war der diesjährige d3 Contest aus unserer Sicht etwas schwächer besetzt als in den letzten Jahren, aber das ist natürlich nur unsere subjektive Meinung und keine negative Reflektion über die ausgestellten Werke.

Neben alten Bekannten wie Tafelstukken von Daphna und Laurens oder Panel von Yi-Cong Lu war Beaugars von Meika Langer eines der Objekte, das unsere Aufmerksamkeit erlangte.

Ein Kleiderständer mit Hocker und einem Tischchen – Beaugars ist ein ähnliches Konzept wie Kirin von Dörte Ahlgrimm and Kathrin Scheidt – nur mit ein paar zusätzlichen Funktionen, die es für uns interessanter machen.

d3 Design Talents : d3 Schools

Ebenso “interessant” – allerdings im negativen Sinne – war die Behandlung der Hochschulen, die am d3 Schools 2011 teilnahmen.

Der Weg zum Ausstellungsteil d3 Schools führte den mutigen Besucher bis zu den äußeren Grenzen des Kölner Messekomplexes – das Ganze erinnerte zugegebener Maßen mehr an die Dschungelsendung “Ich bin ein Star…” als an eine Ausstellung. Dort wartete auf den Besucher dann eine Halle die aussah, als wäre sie in den späten 80ern stillgelegt und extra für die Studenten wiedereröffnet worden.

Allerdings komplett lichtdurchflutet. So alt, dass es fast schon wieder modern wirkt…

Wir wissen zwar, dass die Hochschulen sich kaum selbst damit helfen, ihre eigenen Kunst-Philosophien beharrlich durchsetzen zu wollen anstatt zu sagen “Hier ist unser Zeug – ist es nicht gut?!”, aber das ist kein Grund sie so weit entfernt von den Besuchern zu verbannen.

Allerdings wurden diejenigen, die sich ein paar Brote eingepackt und den langen Weg bis zur d3 Schools Ausstellung gemeistert haben, mit einigen wirklichen sehenswerten Projekten belohnt.

Franzel von Sebastian Schneider - eines der Objekte, die unsere Herzen höher schlagen ließ.

Franzel von Sebastian Schneider - eines der Objekte, die unsere Herzen höher schlagen ließ.

Insbesondere Sebastian Schneider von der Akademie Gestaltung im Handwerk Münster erlangte unsere Aufmerksamkeit mit seiner Gartentisch und -bank Kombination “Franzel” – oder besser gesagt mit seiner neuen Art die Tisch- und Bankbeine einzuklappen.

Darüber hinaus waren wir zudem sehr angetant von Play, einem vielseitigen Regal- und Lagersystem von Adisa Vatres von der Akademie der Bildenden Künste Sarajevo. Ein anderes Objekt im Stand von Sarajevo, das unsere Aufmerksamkeit weckte, war Mantic von Marina Busic. Aber später mehr dazu…

Wir hoffen nur, dass es auch genug Besucher gab, die den weiten unwegsamen Weg auf sich genommen haben und sich die Ausstellung für die Studenten gelohnt hat.

Und falls nicht hoffen wir, dass die Hochschulen der IMM nächstes Jahr aus Protest einen Korb geben oder zumindest freie Plätze fordern.

Denn es gibt keine akzeptable Entschuldigung dafür, sie in einem solch verlassenen und trostlosen Gebäude unterzubringen.

Das war beleidigend.

Vor allem wenn man die völlige Brillianz und unschlagbare Qualität betrachtet, die dort auf der d3 Schools ausgestellt wurde.

d3 Design Talents : d3 Professionals

Sehr positiv war die Vielzahl an jungen Talenten, die sich unter dem Dach der d3 Professionals versammelt haben.

Aber dazu später mehr…

Alles in allem trotz einiger echter Höhepunkte und einiger wunderbarer Entdeckungen wurde die d3 Design Talents 2011 durch die schlechte Behandlung der d3 Schools getrübt.

Daher kommt bei uns berechtigt die Frage auf, wie ernst die Organisatoren der IMM die d3 Design Talents überhaupt nehmen. Und welchen Stellenwert Profit gegenüber Kreativität, Innovation und Nachhaltigkeit einnimmt.

d3 Design Talents d3 Schools @ IMM Cologne. Geniale Beleuchtung!

d3 Design Talents d3 Schools @ IMM Cologne. Geniale Beleuchtung!