Archive for the ‘Bauhaus’ Category

Stiftung Bauhaus Dessau: Kibbuz und Bauhaus

Tuesday, November 29th, 2011

“…ich werde nie vergessen, welche Schrecken ich bekam, als ich zum ersten Mal in einer der alten Kwuzoth kam, nach Degania A. Sie war geradezu ein Musterbeispiel für falsche Planung. Der Wind traf dort zuerst die Dungstätten, brachte von dort Fliegen und Gestank zunächst zu den Ställen und von dort vermehr [sic] zur Küche, nahm die dortigen Düfte auf und brachte das ganze Gemisch zu den Speisesälen und Wohnhäusern.”1

In seiner lebhaften Beschreibung der Bedingungen in Degania A – dem ältesten israelischen Kibbuz – macht der israelische Architekt Richard Kaufmann auf eindringliche Weise deutlich, dass die frühen Kibbuze noch sehr, sehr weit davon entfernt waren, die Häfen der Ruhe mit den sorgsam angelegten Gärten von heute zu sein.
Ein wichtiger Faktor, der zu einem Wandel diesbezüglich beitrug, war das Bauhaus; ein Einfluss, der derzeit in der Ausstellung “Kibbuz und Bauhaus” am Bauhaus Dessau nachvollzogen werden kann.

Im Laufe der Jahre, zwischen den 1920ern und 1930ern emigrierten ungefähr 24 Studenten entweder nach Palästina, nachdem sie am Bauhaus Dessau studiert hatten oder sie kamen aus Palästina nach Dessau, um für einige Semster am Bauhaus zu studieren.  Die Biografien von sieben dieser Architekten sollen in der Ausstellung dargestellt werden.

Losgelöst von der viel weiter gefassten Ausstellung “Kibbuz – Architektur ohne Vorbild” des israelischen Pavilions auf der Biennale Venedig 2010, beginnt “Kibbuz und Bauhaus” bei der Einführung dieser sieben Kibbuznik aus dem Bauhaus Dessau, bevor die Natur und Struktur eines der ursprünglichen Kibbuze en détail erklärt wird und schließlich eine Einschätzung der aktuellen Situation der Kibbuzbewegung abgegeben wird.

Trotz allem beschäftigt sich “Kibbuz und Bauhaus” aber in erster Linie mit der Verbindung zwischen den beiden Phänomenen.

Geht man durch die Ausstellung, wird einem unentwegt deutlich, wie sehr sich die beiden Bewegungen ähnelten und ergänzten, wie vereint sie in ihrem “Wir können die Welt verändern und werden es euch zeigen.”-Revolutionsansatz waren.

Aber auch in der kalten Logik, die das Planen von Projekten erfordert oder in der Universalität der Ideale kann man viele Parallelen und Schnittstellen erkennen. Das könnte einen glatt dazu verführen zu behaupten, dass das Bauhaus Dessau so ziemlich das beste war, was der Kibbuzbewegung passieren konnte. Der Rahmen von “Kibbuz und Bauhaus” ist jedoch nicht weit genug gefasst, um solch eine These rechtfertigen zu können. Das ist aber auch gar nicht das Ziel. Das Ziel ist es, einen Blick auf einen Aspekt der Bauhausgeschichte in Dessau einschließlich der Biografien einiger seiner Absolventen zu werfen. Und das ist “Kibbuz und Bauhaus” sehr gut gelungen.

“Kibbuz und Bauhaus” wird zusammen mit Yuval Yasky und Galia Bar-Or, den Urhebern von “Kibbuz – Architektur ohne Vorbild” auf der Biennale, kuratiert. Dabei ermöglicht die Ausstellung nicht nur den Blick auf einen Aspekt, dem sonst weniger Aufmerksamkeit geschenkt wird – dem globalen Einfluss des Bauhauses, sondern ist auch eine Gedankenstütze, warum die Kibbuzbewegeung so wichtig war. Hier zeigt sich außerdem einmal mehr, wie schade es ist, wenn Ideale von damals und längst gelernte Lektionen aus frühen Experimenten zunehmend ignoriert werden und letztlich in Vergessenheit geraten.

Auch das könnte als Verbindung der Kibbuzbewegung zum Bauhaus verstanden werden.

Kibbuz und Bauhaus ist noch bis zum 9. April 2012 in der Stiftung Bauhaus Dessau zu sehen. Weitere Informationen gibt es unter www.bauhaus-dessau.de

1. Aus “Geplante Siedlung: Gespräch mit Richard Kaufmann in Jüdische Rundschau 47 (15. Juni 1937)”, wie in der Ausstellung Kibbuz und Bauhaus in der Stiftung Bauhaus Dessau zitiert, 2011.



Hajo Rose – Bauhaus Foto Typo

Monday, September 20th, 2010

Am 14. September eröffnete das Bauhaus Archiv Berlin eine Hajo Rose gewidmete Ausstellung.

“Hajo Rose”?

Wir geben zu, dass wir ein wenig verloren waren als wir die Pressemitteilung des Bauhaus Archiv Berlins gelesen haben.

“Hajo Rose”??

Sogar Wikipedia hatte nur ein paar Sätze in niederländisch zu bieten.

Selbst die Deutsche Bücherei – eine Bibliothek in der jedes in Deutschland veröffentlichte Buch archiviert wird – hatte nur zwei “Bücher” zu bieten.

Beides Ausstellungskataloge aus der DDR von 1978 und 1980.

Wir wollen nicht von Verschwörung sprechen, aber ….

Hajo Rose: Ein Selbstporträt gemischt mit der Fassade des Bauhaus Dessau (© VG Bild-Kunst, Bonn)

Hajo Rose: Ein Selbstporträt gemischt mit der Fassade des Bauhaus Dessau (© VG Bild-Kunst, Bonn)

Hans-Joachim wurde 1910 in Mannheim geboren. Er studierte in Kaliningrad bevor er 1930 ans Bauhaus Dessau kam.

Rose schloss seinen “Vorkurs” unter Josef Albers ab. Danach studierte er weiter Typografie, Werbung und Ausstellungsdesign unter Joost Schmidt und Photografie unter Walter Peterhans. 1933 machte er seinen Abschluss als einer der letzten Absolventen vor der Schließung durch die Nazis. Er arbeitete danach als Assistent für Laszlo Moholy-Nagy in Berlin.

1934 floh Rose aus Berlin und ging nach Amsterdam um dort als Lehrer an der Nieuwe Kunstschool zu arbeiten.
Der neue Direktor der Dresdner Hochschule für Werkkunst and Bildende Kunst Mart Stam holte ihn 1949 nach Dresden. 1953 wechselte Rose an die Leipziger Fachhochschule für Angewandte Kunst.

Nach seiner Entscheidung die SED zu verlassen war es für Hajo Rose nicht mehr möglich als Lehrer in der DDR zu arbeiten. Er verdiente sein Geld von nun an als Freelancer für Ausstellungs- und Grafikdesign.

Er starb 1989 kurz vor dem Fall der Berliner Mauer.

Auch wenn die gefeiertsten seiner Werke Grafikdesign oder Posterdesign Stücke waren – er gewann neben zahlreichen Ausstellungen seiner Werke auch 2 Goldmedaillien auf der 1937 Paris Exhibiton für seine Photografien.

Der Fachbereich Photografie wurde 1929 in Dessau unter der Leitung von Walter Peterhans und der Unterstützung vom jungen Hajo Rose gegründet. Auch Moholy-Nagy hatte großen Einfluss auf die Etablierung der Bauhaus Photografie und entwickelte immer wieder Dinge die vorher nicht möglich waren.

A "Jener glas" Werbefoto von Hajo Rose welches während seiner Assistenzzeit bei Moholy-Nagy entstannt (© VG Bild-Kunst, Bonn)

A "Jener glas" Werbefoto von Hajo Rose welches während seiner Assistenzzeit bei Moholy-Nagy entstannt (© VG Bild-Kunst, Bonn)

Ein weiterer Einfluss war Josef Albers. Er fotografierte die von ihm genehmigten Arbeiten mit einer kleinen Leica Kamera.

Von der Leichtigkeit inspiriert, welche Albers beim Fotografieren an den Tag legte, kaufte sich Rose auch eine Leica Kamera. Sein Stil wurde von Moholy-Nagy und Peterhans geprägt und entwickelte sich von einfacher reproduzierender Photografie zu konstruktiver, künstlerischer Photografie.

Rose selbst sagt, dass die Entwicklung nicht schnell ging, sich aber durch “kontinuierlichen und wohlüberlegtem Einsatz für das indivuduelle Objekt mit seiner eigenen Logik”1 heraus entstand.

Dieser studierte und bedachte Ansatz kombiniert mit technischer Innovation kann ganz klar als Zeichen Hajo Roses Arbeit gesehen werden.

Ein großes Problem mit Hajo Rose ist der Fakt, dass die meisten öffentlichen Quellen Magazinartikel aus der Zeit der DDR sind, welche grundsätzlich mit Vorsicht zu genießen sind. Deswegen ist es wichtig, dass zum Anlass des 100sten Geburtstag von Hajo Rose auch mal Quellen wie das Bauhaus Archiv herangezogen werden um ein akkurates Porträt des hochtalentierten Künstlers zu zeichnen.

Und Hajo Rose ist definitiv ein Künstler über den es sich lohnt noch mehr zu erfahren. Und einer der noch mehr Öffentlichkeit verdient hat, als er bisher genoß.

“Hajo Rose – Bauhaus Foto Typo” läuft im Bauhaus Archiv in Berlin bis zum 8. November 2010.

1. “Hajo Rose: Ich lernte am Bauhaus fotografieren” Fotografie 11 (1979)



Ein Genie – Le Corbusier

Friday, December 4th, 2009
Porträt von Le Corbusier auf der Schweizer Zehn-Franken-Banknote

Porträt von Le Corbusier auf der Schweizer Zehn-Franken-Banknote

Le Corbusier, als Charles-Edouard Jeanneret-Gris in La Chaux-de-Fonds in der Schweiz 1887 geboren, gilt als einer der wichtigsten Architekten, Städteplaner und Designer des 20. Jahrhunderts. Seine Möbelentwürfe sind moderne Designklassiker schlechthin geworden.

Le Corbusier sieht die Aufgabe des Architekten im Erstellen von zweckmäßigen, funktionalen und wirtschaftlichen Entwürfen. Er bekennt sich dabei umfassend zu den technischen Möglichkeiten der Zeit. Das bedeutet, den Einsatz von Eisenbeton, Stahl und Fertigteilen um eine völlig neue, vormals nicht mögliche Architektur zu realisieren. Die von Le Corbusier begründete Architekturlehre nimmt sich die reine Funktionalität der Maschine zum Vorbild für die Gebäudegestaltung. Daraus resultieren klare und einfache Körper, die sich aus den geometrischen Grundformen des Rechtecks, Kreises und Quaders zusammensetzen.

Das Bekenntnis zum Eisenbeton geht bei Le Corbusier soweit, dass er unter anderem sogar Einrichtungsgegenstände wie Kästen und Schreibtische daraus fertigt.

Le Corbusier wird 1887 als Sohn eines Designers und einer Musiklehrerin in der Schweiz geboren. Bereits in jungen Jahren beginnt er eine Ausbildung als Graveur, Maler und Goldschmied an der École d’Art in La Chaux-de-Fonds.

1914 entwickelt er ein Eisenbeton-Skelett-System “Domino” für mehrgeschossige Bauten. Für die Pariser Exposition Internationale des Arts D’coratifs von 1925 entwarf Le Corbusier den Pavillion L’Esprit Nouveao, und auf dem Pariser Herbstsalon von 1929 stellte er seine Möbelentwürfe aus. Daraufhin übernahm die Firma
Thonet die Produktion.

Der Modulator

Der Modulor

In den 40er Jahren schafft Le Corbusier eine neue Maßeinheit, Modulor, die dem menschlichen Maßstab angepaßt ist und die in Architektur und Technik universell anwendbar sein soll.
Der Modulor ist ein Proportions-System und stellt den bedeutendsten modernen Versuch dar, der Architektur eine am Maß des Menschen orientierte mathematische Ordnung zu geben. Der Modulor zählt heute zu den bedeutendsten Schriften der Architekturgeschichte.

Neben Architektur beschäftigte sich Le Corbusier auch mit der bildenden Kunst und Möbeldesign. Die geometrischen Formen aus seinen Bauwerken finden sich auch in seinen Möbelentwürfen der Serie LC wieder. So zeichnet sich der Corbusier Basculant LC1 durch Leichtigkeit und Eleganz aus. Abgeleitet vom Safaristuhl ist der Corbusier Basculant ein bequemes und zugleich raumsparendes Möbel. Er ergänzt die moderne Einrichtung gutbürgerlicher Wohnungen ebenso wie schicke Lofteinrichtungen und Atelier-Möblierungen.

LC1 von Le Corbusier für Cassina

LC1 von Le Corbusier für Cassina

Die Design-Möbel der Reihe LC sind natürlich im (smow)Shop erhältlich.



Neu bei smow: KAISERidell 6631 R Luxus

Friday, September 4th, 2009
kasiseridell6631

KAISERidell 6631 R Luxus von Christian Dell

Der KAISERidell 6631 R Luxus wurde 1936 von den Gebrüdern Kaiser & Co. in Neheim-Hüsten, der “Stadt der Lichter” im Sauerland, das erste Mal hergestellt und wurde bald gleichgesetzt mit Produkt-Design, Materialwahl und präziser Ingenieurskunst.

Die 6631 Luxus wurde vom Silberschmied und Bauhaus-Meister Christian Dell entworfen und ist ebenso durch das geschmeidige, asymmetrische Design ihres Lampenschirms charakterisiert wie durch die Aufmerksamkeit, die in solchen Details wie den Drehgelenken stecken. Diese ermöglichen es, die Lampe in zahllose Positionen zu verstellen.

Nach verschiedenen Übernahmen wurde die Produktion der 6631 in den 80er Jahren gestoppt und die KAISERidell 6631 war nur noch in Auktionshäusern und Museen zu finden.

kasiseridell6631

Offiziell lizenzierte Herstellung durch KAISERidell A/S

Das hat sich jetzt geändert.

Seit 2007 stellt KAISERidell A/S offiziell lizenzierte Versionen der KAISERidell 6631 in Vejle in Dänemark her. Die dänische Version erfüllt alle modernen technischen Standards, ist aber ansonsten absolut identisch mit der originalen Lampe: In Punkto Design, Qualität und Handwerkskunst. Als Qualitätsbeweis wird jede Lampe mit einem Echtheits-Zertifikat geliefert und hat eine Seriennummer im Fuß eingraviert.

detail

KAISERidell 6631 R Luxus ... Detail

Die Lampe sieht nicht nur fantastisch aus – das raffinierte Design des Lampenschirms ermöglicht auch eine perfekt ausbalancierte Beleuchtung: Sei es auf dem Schreibtisch, neben dem Bett oder in der Ecke des Ess- oder Wohnzimmers.

Die KAISERidell 6631 R Luxus ist eine echte Multifunktionslampe und ein Klassiker des Bauhaus-Designs der 1930er Jahre.

Außerdem ist sie jetzt bei smow.de erhältlich.