Archive for the ‘Ausstellungen’ Category

Vienna Design Week Passionswege: Beza Projekt @ Atelier Telliez

Thursday, December 15th, 2011

Eines unserer Lieblingsprojekte bei der Vienna Design Week war das Passionswege-Projekt “The Swing” von Beza Projekt aus Warschau im Atelier Telliez.

Philippe Telliez ist ein “Tapessier” – ein Beruf, der nur ansatzweise wirklich beschrieben werden kann, bei dem es sich aber im Wesentlichen um einen Polsterer handelt, der mit Wandaufhängungen, Wandteppichen und dergleichen arbeitet.

Anna Łoskiewicz und Zofia Strumiłło-Sukiennik vom Beza Projekt haben diesen “Hänge-”Aspekt mit Materialien kombiniert, die das Atelier Telliez normalerweise für die Herstellung luxuriöser Schaukeln verwendet – für Erwachsene, die ihrer Arbeitswelt entfliehen und stattdessen in eine Kinderwelt eintauchen möchten. Eine Flucht, die ihnen ironischerweise erst durch den Reichtum ermöglicht wird, den die Arbeitswelt ihnen gebracht hat.

Purer Rokoko-Pomp in einer Stadt, die “maßloses Konsumverhalten” quasi erfunden hat, ist natürlich ein geografisch überaus relevantes Projekt.

Einfach toll!

 

 

 



Vienna Design Week Passionswege: Tomas Kral @ Mühlbauer Hutmanufaktur

Tuesday, December 13th, 2011

Manchmal sind die einfachsten Ideen auch die besten.

Im Rahmen der Vienna Design Week Passionswege hat sich der slowakische Designer Tomas Kral zusammen mit dem Wiener Hutmacher Mühlbauer Hutmanufaktur aufgemacht, die visuelle – und auch linguistische – Nähe von Lampenschirmen und Schirmmützen “unter einen Hut zu bringen” und eine wunderbare Reihe von Hut-Tischleuchten zu entwerfen.

Alle Leuchten stehen auf einem Keramiksockel, die Schirme bestehen aus “normalen” Hutmaterialien und wurden mit den “normalen” Verfahren zur Hutherstellung gefertigt.

Ein wirklich lustiges Projekt, das eine nette Abwechslung zu den meist sehr ernsten und philosophischen Projekten bietet, die in Wien ausgestellt wurden.

 



Neue Räume Zürich 2011: Plinio il Giovane

Friday, December 2nd, 2011

Gelegentlich sehen wir etwas, das uns innehalten lässt. Bei Neue Räume Zürich war dieses Etwas der Mailänder Hersteller Plinio il Giovane.

Wir wissen, dass wir viel über Italiens überschätzte Position als Spitze des Designberges gemeckert haben. Doch ebenso wie die Italiener einen scheinbar unerschöpflichen Vorrat an korrupten Politikern haben, so scheinen sie auch in der Lage zu sein, ganz unerwartet hochwertige Designermöbelhersteller aus dem Boden zu stampfen.

Die aus Eiche handgefertigte Kollektion von Plinio il Giovane sieht nicht nur fantastisch aus, viele Stücke sind auch außergewöhnlich originell. Da merkt man mal, was alles entstehen kann, wenn sich Designer und Tischler zusammentun. Ein besonders schönes Beispiel für solch eine gelungene Symbiose ist Duetto, ein Ausziehsofa für zwei Personen von fast atemberaubender Schlichtheit.

Wie wir bestimmt schon mal erwähnt haben, sind wir nicht gerade große Fans massiver Holzmöbel. Doch die schlichte Genialität von Plinio il Giovane könnte uns dazu bringen, unseren Standpunkt noch einmal zu überdenken. In zweierlei Hinsicht….



Stiftung Bauhaus Dessau: Kibbuz und Bauhaus

Tuesday, November 29th, 2011

“…ich werde nie vergessen, welche Schrecken ich bekam, als ich zum ersten Mal in einer der alten Kwuzoth kam, nach Degania A. Sie war geradezu ein Musterbeispiel für falsche Planung. Der Wind traf dort zuerst die Dungstätten, brachte von dort Fliegen und Gestank zunächst zu den Ställen und von dort vermehr [sic] zur Küche, nahm die dortigen Düfte auf und brachte das ganze Gemisch zu den Speisesälen und Wohnhäusern.”1

In seiner lebhaften Beschreibung der Bedingungen in Degania A – dem ältesten israelischen Kibbuz – macht der israelische Architekt Richard Kaufmann auf eindringliche Weise deutlich, dass die frühen Kibbuze noch sehr, sehr weit davon entfernt waren, die Häfen der Ruhe mit den sorgsam angelegten Gärten von heute zu sein.
Ein wichtiger Faktor, der zu einem Wandel diesbezüglich beitrug, war das Bauhaus; ein Einfluss, der derzeit in der Ausstellung “Kibbuz und Bauhaus” am Bauhaus Dessau nachvollzogen werden kann.

Im Laufe der Jahre, zwischen den 1920ern und 1930ern emigrierten ungefähr 24 Studenten entweder nach Palästina, nachdem sie am Bauhaus Dessau studiert hatten oder sie kamen aus Palästina nach Dessau, um für einige Semster am Bauhaus zu studieren.  Die Biografien von sieben dieser Architekten sollen in der Ausstellung dargestellt werden.

Losgelöst von der viel weiter gefassten Ausstellung “Kibbuz – Architektur ohne Vorbild” des israelischen Pavilions auf der Biennale Venedig 2010, beginnt “Kibbuz und Bauhaus” bei der Einführung dieser sieben Kibbuznik aus dem Bauhaus Dessau, bevor die Natur und Struktur eines der ursprünglichen Kibbuze en détail erklärt wird und schließlich eine Einschätzung der aktuellen Situation der Kibbuzbewegung abgegeben wird.

Trotz allem beschäftigt sich “Kibbuz und Bauhaus” aber in erster Linie mit der Verbindung zwischen den beiden Phänomenen.

Geht man durch die Ausstellung, wird einem unentwegt deutlich, wie sehr sich die beiden Bewegungen ähnelten und ergänzten, wie vereint sie in ihrem “Wir können die Welt verändern und werden es euch zeigen.”-Revolutionsansatz waren.

Aber auch in der kalten Logik, die das Planen von Projekten erfordert oder in der Universalität der Ideale kann man viele Parallelen und Schnittstellen erkennen. Das könnte einen glatt dazu verführen zu behaupten, dass das Bauhaus Dessau so ziemlich das beste war, was der Kibbuzbewegung passieren konnte. Der Rahmen von “Kibbuz und Bauhaus” ist jedoch nicht weit genug gefasst, um solch eine These rechtfertigen zu können. Das ist aber auch gar nicht das Ziel. Das Ziel ist es, einen Blick auf einen Aspekt der Bauhausgeschichte in Dessau einschließlich der Biografien einiger seiner Absolventen zu werfen. Und das ist “Kibbuz und Bauhaus” sehr gut gelungen.

“Kibbuz und Bauhaus” wird zusammen mit Yuval Yasky und Galia Bar-Or, den Urhebern von “Kibbuz – Architektur ohne Vorbild” auf der Biennale, kuratiert. Dabei ermöglicht die Ausstellung nicht nur den Blick auf einen Aspekt, dem sonst weniger Aufmerksamkeit geschenkt wird – dem globalen Einfluss des Bauhauses, sondern ist auch eine Gedankenstütze, warum die Kibbuzbewegeung so wichtig war. Hier zeigt sich außerdem einmal mehr, wie schade es ist, wenn Ideale von damals und längst gelernte Lektionen aus frühen Experimenten zunehmend ignoriert werden und letztlich in Vergessenheit geraten.

Auch das könnte als Verbindung der Kibbuzbewegung zum Bauhaus verstanden werden.

Kibbuz und Bauhaus ist noch bis zum 9. April 2012 in der Stiftung Bauhaus Dessau zu sehen. Weitere Informationen gibt es unter www.bauhaus-dessau.de

1. Aus “Geplante Siedlung: Gespräch mit Richard Kaufmann in Jüdische Rundschau 47 (15. Juni 1937)”, wie in der Ausstellung Kibbuz und Bauhaus in der Stiftung Bauhaus Dessau zitiert, 2011.



Caught in the Act II

Monday, November 28th, 2011

Unser lieber Kollege mit der Kamera scheint im Alter etwas langsamer zu werden.

Gerade erst hatte er sich von dem Schock erholt, bei Nils Holger Moormanns Renntag “Die Hölle von Aschau” von Christoffer Martens fotografiert worden zu sein, da wurde er Opfer des nächsten Schnappschnusses. Die Grenzen der Designfotografie sind hier eindeutig überschritten… und die körperlichen Fähigkeiten unseres ertappten Fotografens scheinen das auch.

Während unser Fotograf die Ausstellung “Great Taste for Waste” im Atelier von Kasper Klokgebouw dokumentierte, erwischte ihn der Eindhovener Fotograf Kasper van‘t Hoff mit seinem iPhone.
Das Foto ist übrigens ein Musterbeispiel für die Strapazen, die mit der Erstellung des (smow)Blogs verbunden sind… und dafür, wieso unsere Reinigungskosten so hoch sind.

Danke für dieses Foto!

Kasper van‘t Hoff Great Taste for Waste Eindhoven

Beim Fotografieren von "Great Taste for Waste" auf der Dutch Design Week 2011. (Er wird sich sicher wünschen, die Mütze nicht abgesetzt zu haben...)



Neue Räume Zürich 2011: Rhombus von Michael Koch für Illuminartis

Tuesday, November 22nd, 2011

Wir müssen diesen Post mit einem kleinen Geständnis beginnen: Wir haben den Geschäftsführer von Illuminartis, Thomas Germann, belogen. Es war allerdings eine Notlüge…

Kurz gesagt war es so, dass uns Thomas Germann fragte, wie wir die Leuchten von Illuminartis fänden, worauf wir antworteten, dass wir es  eigentlich gar nicht so mit Lampen haben… Selbstverständlich war das eine Lüge.

Die Wahrheit ist, dass unser Speicher nach zwei Wochen non-stop Designshows voll war und wir schlicht und einfach nicht in der Lage waren, neue Informationen – welcher Art auch immer – sinnvoll zu verarbeiten. Unsere Gehirne waren bis zum Rand voll. Aber wir wollten den armen Mann nicht mit unserer kleinen Unpässlichkeit langweilen. Sorry, Thomas Germann!

Ansonsten sind wir eigentlich immer auf der Suche nach gutem, innovativem zeitgenössischem Lichtdesign.

Eins haben wir aber zumindest noch aufnehemen können: Rhombus von Michael Koch hat uns gefallen. Und das nicht nur, weil es mit seinem reduzierten und damit besseren 80er-Jahre-Fabrikhallen-Design perfekt in die Location von Neue Räume gepasst hat.

Neue Räume Zurich 2011 Rhombus by Michael Koch for Illuminartis

Neue Räume Zürich 2011: Rhombus von Michael Koch für Illuminartis

Rhombus wird in der Schweiz handgefertigt und besteht im Wesentlichen aus 48 LEDs, die am äußeren Rand eines Aluminiumrahmens positioniert sind.

Ein speziell entworfener Diffusor erzeugt nicht nur eine sehr angenehme Beleuchtung, sondern sorgt auch dafür, dass man nicht erblindet, wenn man im falschen Winkel in die Lampe sieht. Die Bedeutung dieser Tatsache wird uns Tag für Tag vor Augen geführt, wenn uns unsere Tischleuchte dank ihres schlecht designten Lampenschirms alle paar Minuten blendet.

Rhombus gibt es als Hänge- und Stehleuchte, ist dimmbar und kann durch moderne LEDs über etwa 20 Jahre hinweg als kostengünstige und qualitativ hochwertige Beleuchtung dienen. Mit ihrer modernen Touch-Bedienung wird das An- und Ausschalten außerdem zum kinderleichten Spaß. Nicht wie bei diesen störrischen oldschool Schaltern…

2008 vom Chicago Athenaeum mit dem Good Design Award ausgezeichnet und 2010 für den Designpreis Deutschland nominiert, ist Rhombus von Michael Koch für Illuminartis eines jener unkomplizierten Objekte, die man einfach mögen muss… Ihr wisst was wir meinen!

Hier ist ein kurzer Film, der das Ganze ein bisschen genauer erklärt.

Neue Räume Zurich 2011 Rhombus lamp Michael Koch Illuminartis



Neue Räume Zürich 2011

Monday, November 21st, 2011

Die letzte Station unserer Herbsttour 2011 führte uns zu Neue Räume in Zürich, der größten und vermutlich auch verwirrendsten Möbeldesignmesse der Schweiz.

Wir wissen es wirklich zu schätzen, dass die Organisatoren versuchen, es mit Neue Räume allen recht zu machen, indem sie eine breite Palette an Produkten, Herstellern und Designformen ausstellen. Theoretisch hätte uns das auch gefallen, doch derart viel auf so kleinem Raum zusammenzubringen, oder besser zu quetschen, funktioniert in unseren Augen einfach nicht.

Entweder muss der Raum größer werden – um so Ausstellern und Besuchern sowohl ausreichend Platz für die Präsentation als auch die Aufnahme des Gezeigten zu bieten – oder es müssen verstärkt Schwerpunkte gesetzt werden.

Fest steht, die Schweiz braucht eine vernünftige Möbeldesignmesse. Die Schweiz verfügt über eine lange Designtradition und einige wirklich exzellente Hersteller. Und was läge da näher als das auch ganz groß auszustellen? Uns pesönlich liegt außerdem so viel daran, weil wir Europa gerne von der Mailänder Zentralgewalt und den damit einhergehenden verstaubten Zwängen befreit sehen wollen. Aber wir brauchen mehr lokale und auf Qualität ausgerichtete Designmessen, um die Designszene von Mailand abzunabeln. Zurzeit schafft das Neue Räume noch nicht.

Ein schönes Beispiel dafür, inwiefern Neue Räume nicht so richtig funktioniert hat, ist das “Design in the City”-Programm. Die Idee dahinter war, Ausstellungsobjekte der Messe in die Läden der Stadt zu bringen. Eine schöne Idee. Eigentlich… Wenn aber beispielsweise Shell aus der Röthlisberger Kollektion in irgendwelchen Kleidergeschäften in der Stadt zum Einsatz kommt, sollte man das auch bekannt machen. Andernfalls haben alle nur Augen für die Pullover. Vielleicht bemerkt der eine oder andere noch, dass sich die Pullover in einem schönen Stück zeitgenössichem Design befinden. Aber mehr…? Das ist eine schlechte Informationspolitik.

Das Programm war einfach nicht interaktiv genug und bezog sein Publikum zu wenig ein. Außerdem bleibt für uns unklar, wem mit dem “Design in the City”-Programm eigentlich geholfen werden sollte: Den Herstellern? Den Händlern? Der Züricher Bevölkerung? Uns?

Wie gesagt, Neue Räume ist eine schöne Messe, aber es hapert an einem klaren und konsequenten Konzept.

Abgesehen davon hat sich unser Trip nach Zürich aber definitiv gelohnt. Wir konnten nicht nur einige interessante neue Stücke und Hersteller entdecken, wir kamen außerdem in den Genuss einiger sehr interessanter und unterhaltsamer Gespräche mit so manch einem Teilnehmer. Dazu bald mehr.

Unser Highlight der Züricher Messe war auf jeden Fall das aus der Installation “Tape” des Studios numen/for use entwickelte Sitzsystem “TUFT”. Aus der Weiterentwicklung der Klebebandstruktur von Sven Sonke, Christoph Katzler und Nikola Radelikoric seit der Vienna Design Week 2009 ging ein wirklich wunderbares labyrinthartiges öffentliches Sitzsystem hervor. Hier würden wir eigentlich gerne eine Schmetterling-Metamorphose-Analogie benutzen, aber das wäre zu einfach.

Wir werden in den kommenden Tagen noch mehr über Neue Räume Zurich posten. Für den Moment gibt es aber schon ein paar Fotos…



Dutch Design Week: Area 51 Skate Park

Friday, November 18th, 2011

Jedes Jahr zur Dutch Design Week gönnen wir uns eine kleine Auszeit vom Messezirkus und fliehen in den Area 51 Skate Park. Denn die Area 51 hat wahrscheinlich mehr mit Design zu tun, als vieles von dem, was wir das ganze Jahr über auf den Designermöbelmessen sehen. (Allerdings fühlen wir uns auf den Messen nicht so alt… :)

2002 wurde das 3000 m² große Gelände der Area 51 eröffnet – ein Jahr nach der Gründung der Dutch Design Week also. Die Area 51 ist eine hügelige Landschaft aus Holz, die sich in einem alten Fabrikgebäude auf dem Philips-Grundstück befindet. Hier können Jugendliche sicher Skaten und Bladen. “Sicher” aber nicht etwa im Sinne von “sich nicht verletzen”, sondern im Sinne von “nicht durch eine Gesellschaft belästigt werden, die meint, sie wisse alles besser”.

Genau wie Graffiti nicht wirklich Graffiti ist, wenn es offiziell auf eine Wand gesprüht wird, und Skifahren abseits der Piste eigentlich keine Freiheitsgefühle auslösen kann, wenn man mit einem Helikopter auf den Berg gebracht wird, gehört Skateboarden eigentlich auf die Straße. Soviel steht fest, auch wenn viele anderer Meinung sind.

Aber in der Area 51 können die Kids in Ruhe an ihrer Technik feilen und brauchen sich keine Gedanken über zeigefingerhebende Erwachsene machen. Ein bisschen also wie Designer in ihrem Atelier, wo sie experimentieren können ohne von irgendwem dafür gerüffelt zu werden.

Dutch Design Week Area 51 Skate Park Eindhoven
Area 51 Skate Park Eindhoven

Man kann ruhig zugeben, dass die meisten Skater in der Area 51 sich sicher nie mit dem großen Skaterhelden Tony Hawkes (oder wer auch immer es mittlerweile sein mag…) messen können, aber darum geht es auch gar nicht. Es geht um den Spaß, den das alles macht, und um das Gemeinschaftsgefühl, das dabei aufkommt.

Ein weit verbreitetes Vorurteil unter etwas konservativeren Gesellschaftsschichten ist ja, dass Skaterkids nichts als Rumhängen und Lärm machen können. Beschäftigt man sich aber einmal etwas mehr mit dem Skaten, kann man vor allem junge Menschen sehen, die versuchen etwas zu erreichen… die daran scheitern… es wieder versuchen… scheitern… versuchen, scheitern usw. Irgendwann packen sie es und alles scheint so einfach – so als könnte es gar nicht anders sein.
Wenn das mal keine Metapher für den Designprozess ist! Also, wie gesagt, die Area 51 und Möbeldesign sind gar nicht so verschieden wie man es auf den ersten Blick meinen könnte.

Dutch Design Week Area 51 Skate Park Eindhoven
Area 51 Skate Park Eindhoven: Australier sind hier auch erlaubt…

Nachdem wir eine halbe Stunde mit den Kids geträumt haben, schallte Iggy Pops Lust for Life aus den Boxen. Während die Jugendlichen zu dem subversiven Vesprechen von Freiheit eines jungen Iggys rockten, hatten wir so eine albtraumartige Vision von einem 60-jährigen Mr. Pop mit freiem Oberkörper, der Autoversicherungen in einem TV-Spot verkauft. Da haben wir gemerkt, dass es Zeit wird, wieder in die Welt zurückzukeheren, in der alles kuratiert und strukturiert ist – und die wir mittlerweile unser Zuhause nennen.

Um die Area 51 Strijp S herum entwickelt sich das Gebiet übrigens, wie man es von alten Industriegebieten am Rand großer Städte erwartet: Es gibt Lofts, Architekturbüros und teure Coffeeshops. Inmitten dieser exklusiven und teuren Entwicklung erinnert uns die Area 51 zum Glück daran, dass verantwortungsvolle Stadtplanung alle Gruppen der Gesellschaft berücksichtigen sollte. Und dazu gehören auch Teenager mit Wollmützen und Holzfällerhemden.



Vienna Design Week: kidsroomZOOM

Wednesday, November 16th, 2011

Eine der originellsten und unterhaltsamsten Ausstellungen auf der Vienna Design Week 2011 war definitiv der kidsroomZOOM.

Kuratiert von Paola Noè von der Galerie Unduetrestella Mailand und Thomas Maitz vom österreichischen Kindermöbelhersteller Perludi, gestaltete sich der kidsroomZOOM als entzückende, speziell für Kinder eingerichtete Jahrhundertwende-Wohnung in der Wiener Innenstadt.

Erwachsene durften in die Wohnung, wurden im Ausstellungskonzept jedoch nicht sonderlich berücksichtigt.

kidsroomZOOM bot mit Arbeiten von Herstellern und Designern, wie Thorsten van Elten, Rijada oder Nonah einen gelungenen Überblick über das gegenwärtige Kindermöbeldesign in Europa – und beweist dabei, dass es durchaus gute Alternativen zum billigen Ramsch aus dem Möbelhaus gibt.

Die Idee mit der “Kinder-Wohnung” entstand, um die internationalen Marken einmal nicht als Konkurrenten, sondern als Teil einer gemeinsamen Lösung für einen kreativen wie sicheren Ort für Kinder, zu zeigen. Das ist ein Konzept, das uns so erfrischend schien wie die in diesem Rahmen gezeigten Produkte.

Neben altbewährten Lieblingen, wie MAXintheBOX von Perludi oder Duck von Rijada, haben uns besonders die zwei intelligenten Schaumstoffmöbel Tukluk und Kubix begeistert.

Und dann war da natürlich noch der so herzzerreißend traurig dreinblickende Punch’n'Cuddle – eine langohrige, kaum identifizierbare Figur in Form eines Boxsacks – die also durchaus zum Draufhauen einlädt – eigentlich aber aussieht als müsste sie mal kräftig umarmt werden.

In Ergänzung zur eigentlichen Ausstellung, bot kidsroomZOOM am Samstag außerdem einen Papierspielzeug-Workshop an.

Aus dem Pressematerial geht hervor, dass das bereits der zweite kidsroomZoom war; der erste fand während der Fuori Salone 2011 statt, wo wir es wie so oft aufgrund der Menge anderer Veranstaltungen leider verpasst haben etwas davon mitzubekommen.

Und so bleibt nur zu hoffen, dass es den Veranstaltern gelingt, die Übung auf anderen Design Festivals zu wiederholen; wir jedenfalls halten das Konzept für sehr erfolgreich und wert die Aufmerksamkeit eines größeren Publikums zu erhalten.

Wir halten euch auf dem Laufenden.

Mehr Informationen gibt es unter kidsroomZOOM.com



Dutch Design Week: Great Taste for Waste

Tuesday, November 15th, 2011

Inspiration für eine Designausstellung findet man an den unmöglichsten Orten – sogar im Müll, den der Hund zuhause anschleppt.

Kasper van ‘t Hoff’s schwarzer Labrador zum Beispiel sammelt gern Abfall und bringt ihn mit nach Hause. Also dachte sich van ‘t Hoff, warum das gute Zeug wegschmeißen, wenn man es auch behalten und fotografieren kann. Van ‘t Hoff ist Fotograf – das ist also gar nicht so verwunderlich. (Wenn er es nicht wäre, könnte man allerdings schon ins Grübeln darüber kommen…)

Eines Tages sprach van ‘t Hoff dann mit der Keramikkünstlerin Marina Relou von Gus über seine Inspirationsquelle und beide waren sich einig, dass der Hund für seinen Beitrag zu einem saubereren Eindhoven geehrt werden sollte.

So wurde das Projekt “Great Taste for Waste” geboren, bei dem Kasper van ‘t Hoff, Maria Relou und ein paar Kollegen versuchen, Müll zu neuem Glanz zu verhelfen und so eigentlich Wertloses wertvoll zu machen.

Gus sieht offensichtlich einen Wert im Müll. Doch wieso können wir das nicht?

Für uns war das herausragendste Objekt der Ausstellung Maria Relous “Plasikflaschen” aus Keramik – wunderbar filigrane und realistische Stücke, die an zerknüllten Plastikflaschen orientiert sind.

Zudem verarbeitete Relou Porzellanreste zu Geschirr, auf dem Bruno van Vaerenbergh kleine Leckerbissen drapierte. Und auch hier war das Thema des Abends maßgebend und auf den Tellern landeten die Stücke vom Essen, die sonst weggeworfen worden wären.

Es soll auch eine umweltfreundliche Hundehütte ausgestellt worden sein, aber wir konnten sie leider nicht finden.

Im Allgemeinen hat uns “Great Taste for Waste” sehr gut gefallen – auch weil es fraglos eine der leichter zugänglichen und unterhaltsameren Ausstellungen war, die wir in Eindhoven gesehen haben.

Mehr Infos gibt’s unter www.greattasteforwaste.com