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Design braucht Täter 2012: Outsider von jp designs

Tuesday, February 7th, 2012

Wie wir bereits gestanden haben, besuchten wir Design braucht Täter 2012 in Köln noch vor der offiziellen Eröffnung – und bevor überhaupt alle Aussteller da waren. Wir wissen, dass das nicht die feine Art ist und können deshalb noch immer nicht richtig schlafen.

Und so haben wir uns besonders über die E-Mail von Julia Pfizenmayer von jp designs gefreut – eine der Ausstellerinnen, die wir leider nicht sehen konnten -, die uns aber nachträglich ihr modulares Stauraummöbel Outsider vorstellte. Das beweist doch, dass die Aussteller uns unsere Aktion nicht allzu übel nehmen.

Design braucht Täter 2012 Reprise Outsider by jp designs

Outsider von jp design

Bekanntlich beurteilen wir Möbelstücke normalerweise nicht, ohne sie vorher getestet zu haben. Wir denken nämlich: Auch geschenkten Gäulen sollte man in die Mäuler schauen…

Doch wenn man sich die Bilder und das Video anschaut, dann sieht Outsider auf jeden Fall nach der Art Design aus, für die wir uns begeistern könnten.

Im Wesentlichen besteht das Möbel aus ein paar Schichtholzboxen, die übereinander gestapelt werden können. Das Highlight an Outsider ist aber das System, mit dem die Kuben gegeneinander verschoben werden können. Und schon hören wir den ein oder anderen murren:”…Aber wozu brauche ich denn ein Regal, bei dem ich die einzelnen Ebenen um ein paar Grad verschieben kann?”

Wir wissen nicht genau, was die Idee dahinter war, würden aber so was in der Richtung vermuten: Einerseits hat man ja oft Gegenstände im Regal, die etwas zu weit hervorragen. Wenn man die Einheit ein wenig nach hinten verschiebt tun sie das nicht mehr.

Bei uns gibt es andererseits viele Ecken, wo Regale nicht wirklich hinpassen; entweder, weil die Wände nicht so gerade sind wie sie sein sollten oder weil irgendwas im Weg ist, wie zum Beispiel Fußleisten oder Steckdosen. Die Möglichkeit, einzelne Elemente ein wenig nach rechts oder links zu verschieben, kann in solchen Fällen sehr nützlich sein.

Dann ist da noch der ästhetische Aspekt, besonders wenn man das Regal als Raumteiler benutzen möchte: Outsider kann nicht nur seitwärts verschoben, sondern auch gedreht werden, sodass eine spiralförmige Struktur entsteht. Und manchmal ist es auch einfach nur schön, nicht lineare Formen zu haben…

Doch wie gesagt, besteht das wahre Highlight des Outsiders nicht darin, dass die Elemente verschoben werden können, sondern darin, wie diese Bewegung vonstatten geht: Die einzelnen Kuben sind nicht miteinander fixiert, sondern nur übereinander gesetzt. Dennoch ist das System in allen Positionen stabil und die Kuben können in ihrer Stellung gehalten werden.

Aber wie?

Wie jedes gute Design ist auch Outsider wie ein Straßenzauberer: Man guckt ganz genau hin und sieht den Trick nicht. Man guckt noch mal hin und sieht ihn immer noch nicht. Man ist beeindruckt, kann aber nicht erkennen, wie es gemacht wird.

Wir haben ein bisschen geschummelt. Wir haben nämlich Julia gefragt. Wir wissen also wie es geht. Wir werden es euch aber nicht verraten.

Wie gesagt, müssen wir noch warten bis wir Outsider selbst gesehen und ausprobiert haben, bevor wir ein finales Urteil fällen können. Doch auf der Grundlage dessen, was wir gesehen und gehört haben, können wir schon mal sagen, dass Outsider von jp designs auf jeden Fall ein Konzept ist, dass man sich ruhig etwas genauer ansehen kann.

Vielen Dank noch mal, dass du dich mit uns in Verbindung gesetzt hast, Julia.

Mehr Infos gibt’s unter: www.jpdesigns.de

Outsider von jp designs. Ein Video.



A&W Designer des Jahres 2012: Patricia Urquiola

Thursday, February 2nd, 2012
A&W Designer of the Year 2012 Patricia Urquiola

A&W Designer des Jahres 2012: Patricia Urquiola

Seit eineinhalb Jahrzehnten beginnt die Möbelwoche in Köln inoffiziell mit der Ehrung des A&W Designers des Jahres.

Verliehen vom Magazin A&W Architektur und Wohnen wurde der Preis 1997 ins Leben gerufen, um Designer zu ehren, deren Werk den Einrichtungsstil unserer Zeit besonders geprägt hat. Zu früheren Gewinnern gehören Philippe Starck, Antonio Citterio und Tom Dixon – um nur 3 von insgesamt 15 zu nennen.

A&W Designerin des Jahres 2012 ist die Spanierin Patricia Urquiola.

Die durch ihre Arbeit mit Moroso, B&B Italia, Kartell oder Molteni bekannte Patricia Urquiola studierte zunächst in Madrid Architektur bevor sie nach Italien zog, um ihre Studien am Politecnico di Milano abzuschließen. 2001 gründete sie ein eigenes Studio in Mailand und arbeitet sowohl im Möbeldesign als auch an zahlreichen Innendesignprojekten. Seit 2002 ist sie außerdem Gastprofessorin an der Domus Akademie.

Vor der Verleihungszeremonie sprachen wir mit Patricia Urquiola über ihre Karriere und diskutierten – passend zur Auszeichnung und zur Ausstellung “Von Aalto bis Zumthor. Architektenmöbel” im MAKK -, ob Architekten die besseren Möbeldesigner sind.

(smow)blog: Sie haben Architektur studiert und arbeiten nun hauptsächlich als Designerin. War eine Karriere als Architektin ihr Ziel oder nur Mittel zum Zweck?

Patricia Urquiola: Ich wollte schon in meinen frühen Jugendjahren Architektin werden; ich war eine von denen, die schon ganz genau wussten, was sie später tun möchten. Also studierte ich Architektur an der Universidad Politécnica de Madrid und traf dort Marco Zanuso, Achille Castiglioni und viele andere überaus interessante Architekten, die sowohl in der Architektur als auch im Design tätig waren. Das brachte mich dazu, mich stärker auf Design zu konzentrieren. Die Italiener leiteten also in gewisser Weise diesen Wandel ein.

(smow)blog: Und dann zogen Sie nach Mailand, wo Sie später mit einem weiteren Architekten und Designer weiterarbeiteten, Piero Lissoni

Patricia Urquiola: Ja, aber bei meinem Hintergrund und in meiner Altersgruppe war es ganz natürlich über die Grenzen zwischen Architektur und Design hinweg zu arbeiten. Das ist natürlich auch einer der Gründe dafür, wieso Mailand ein wichtiges Zentrum für Architektur und Design wurde.

(smow)blog: Im Augenblick findet hier in Köln eine Ausstellung statt, die die Rolle von “Möbelarchitekten” beleuchtet. Machen Architekten bessere Möbel als Designer mit anderem Hintergrund?

Patricia Urquiola: Nein, das glaube ich nicht. Ich bin zum Beispiel ein großer Fan von Konstantin Grcic und der ist kein Architekt. Man kann sich dem Design auf ganz verschiedene Weisen nähern; für mich wird die Grenze zwischen den beiden Disziplinen auf der einen Seite durch den “Lebensraum” und auf der anderen durch die “Werkzeuge für das Leben” definiert. Das war meine Ausbildung, das bin ich und das ist auch meine Einstellung. Aber man kann verschieden an die Disziplinen herangehen, deshalb sollten wir alle offen sein und auf neue Ansichten hören. Ich finde, dass zurzeit einige wichtige Forschungsbereiche und Schulen entstehen. So ist beispielsweise Eindhoven für mich derzeit sehr interessant. Aber wie gesagt gibt es viele Möglichkeiten in den Disziplinen zu arbeiten und wir alle sollten der Situation offen gegenüber stehen.

(smow)blog: Sie leben nun schon seit 25 Jahren in Mailand. Haben Sie im Laufe der Zeit eine Veränderung bemerkt? Ist Mailand immer noch eine Stadt, in der man die Kreativität förmlich spüren kann?

Patricia Urquiola: Ich bin in einer sehr kreativen Zeit nach Mailand gezogen. Leute wie Castiglioni oder Vico Magistretti waren noch aktiv und die Memphis Group hatten ihre beste Zeit. Aber dann hat sich Mailand wirklich stark verändert; es wurde immer spießiger und heute haben wir diese ganzen Krisen. Doch wie in allen Designzentren Italiens besteht auch in Mailand noch immer der Wunsch, qualitativ hochwertige Arbeiten zu produzieren. Ich hatte das Glück, in Mailand Leute zu treffen, die noch an Design glaubten und die diesen Glauben an Menschen wie mich weitergaben. Dafür bin ich sehr dankbar. Mein Leben dreht sich aber nicht nur um Mailand und meine Arbeit dort ist nur ein Teil meiner Arbeit.

A&W Designer of the Year 2012 Patricia Urquiola Volant Moroso

Das Sofa Volant für Moroso von Patricia Urquiola

A&W Designer of the Year 2012 Patricia Urquiola Silver Lake Moroso Comeback Chair Kartell

Silver Lake von Moroso und im Hintergrund der Comeback Chair für Kartell von Patricia Urquiola

A&W Designer of the Year 2012 Patricia Urquiola KETTAL MAIA Egg swing chasen flos Tropicalia Moroso

Maia Egg Hängesessel für Kettal, die Leuchte Chasen für flos und Tropicalia für Moroso, alle von Patricia Urquiola

 



IMM Cologne 2012: Müller Möbelfabrikation

Thursday, January 26th, 2012

Und eine Schublade hat er auch noch. Eine Schublade! Ein Schreibtisch mit einer, quatsch, sogar mehreren Schubladen! Spätestens damit hatten sie uns.

Als könnten die Designer von Müller Möbelfabrikation unsere Gedanken lesen, sahen wir uns bei ihrem Stand in Köln vor dem tollsten Stahlschreibtisch überhaupt! Mit gaaanz vielen Schubladen! Und schon wieder hatten sie uns…

IMM Köln 2012 Müller Möbelfabrikation TB 299

Der TB 299 von Müller Möbelfabrikation auf der IMM Cologne 2012

Wenn wir etwas zu kritisieren hatten, dann nur die Entscheidung, den Schreibtisch in Orange auszustellen. Wenn es eine Farbe gibt, die man bei Ausstellungsbeleuchtung wirklich schwer fotografieren kann, dann Orange… Und ausgerechnet Orange lag am Stand der Müller Möbelfabrikation total im Trend.

Außerdem im Trend lagen dieses Jahr die Lippert Studios. Die waren nämlich, wenn auch nicht Urheber unseres Lieblingsschreibtisches, das dominante Designstudio am Müller Möbelfabrikation Stand. Im vergangenen Jahr noch mit nur einem Stück, dem PS08 Sekretär, vertreten, brachten die Lippert Studios es in diesem Jahr schon auf drei Produkte.

Der PS10 Sekretär ist eine offene Variante des PS08 mit einer etwas größeren Arbeitsfläche; der ST08 ist eine Schminktisch-Variante des PS08 und…

Nein, im Ernst! Es geht wirklich um einen Schminktisch.

Ausgestattet mit beleuchtetem Spiegel, eingelassenem Stauraum und einer Schublade, kommt der ST08 unserer romantischen Vorstellung von Schminktischen in den Garderoben von Provinztheatern sehr nahe. Auf jeden Fall sollten sie so aussehen… Der ST08 verfügt über die gleiche Grundform wie sein Vorgänger, der PS08. Das Gehäuse wirkt jedoch um einiges schlichter und verleiht der gesamten Konstruktion etwas sehr Durchdachtes. Und was vielleicht noch wichtiger ist: Das Gehäuse sorgt dafür, dass man in geschlossenem Zustand niemals erraten würde, was sich im Inneren des Tisches befindet.

Wir finden, der ST08 ist ein wundervolles Accessoire für alle modernen Stadtmädchen, die in einer modernen 1-Raum-Stadtwohnung leben.

IMM Köln 2012 Müller Möbelfabrikation Lippert Studios ST 08

Der Schminktisch ST08 von den Lippert Studios für Müller Möbelfabrikation. Hier in Benutzung.

Trotz unserer unverhohlenen Freude über den ST08 war für uns der LS05 das prägnanteste Ausstellungsstück. Geschlossen ist der LS05 ein schlichter Beistell- bzw. Couchtisch, ausgezogen ist er ein reizender Laptop-Tisch mit Schublade.
Was uns am meisten daran gefällt, ist die simple Auszugs-Konstruktion. Nun ja, wir ahnen da ein paar Platzprobleme… Man sollte sich auf jeden Fall vergewissern, dass genügend Platz hinter dem Tisch bleibt, sodass der obere Teil ausgefahren werden kann ohne Blumentöpfe oder kostbare Vasen umzuwerfen. Hat man den Platz, hat man mit dem LS05 einen wunderbaren, dreistöckigen Laptop-Arbeitsplatz in hinreißender Retro-Futurismus-Optik, der sich übrigens auch ziemlich gut als Beistelltisch,Telefontisch oder was auch immer eignen sollte.

Der LS05 war auf jeden Fall eines unserer Lieblingsstücke bei der IMM 2012.

Alles in allem war es wirklich schön zu sehen, wie Müller Möbelfabrikation und die Lippert Studios die Grundidee des originalen, vielfachen Preisträgers PS08 weiterentwickelt haben und somit eine sehr innovative und moderne Tischfamilie geschaffen haben.

Jetzt fehlt uns nur noch eine Version für die Küche.

IMM Köln 2012 Müller Möbelfabrikation Lippert Studios LS 05

Der LS05 Laptop-Beistelltisch von den Lippert Studios für Müller Möbelfabrikation. Hier vollständig geöffnet...

 

IMM Köln 2012 Müller Möbelfabrikation Lippert Studios

Der LS05, PS10 und ST08 von den Lippert Studios für Müller Möbelfabrikation auf der IMM Cologne 2012

 

IMM Köln 2012 Müller Möbelfabrikation bright

Die bunte Welt der Müller Möbelfabrikation...

IMM Köln 2012 Müller Möbelfabrikation colour

... wohin man auch sieht.



Tatort Köln: Design braucht Täter 2012

Thursday, January 19th, 2012

Abgesehen vom Ausstellungskonzept und der stets perfekt gewählten Location gibt es noch einen anderen Grund, warum wir uns immer besonders auf Design braucht Täter freuen: Jedes Jahr entdecken wir etwas Neues.

2012 bildet da keine Ausnahme – auch wenn wir uns in diesem Jahr zugegebenermaßen heimlich reingeschlichen haben, als noch aufgebaut wurde und wir deshalb gar nicht alle Aussteller sehen konnten. Wir wissen, dass das nicht gerade die feine Art ist… Sorry… Aber wir haben eben einen vollen Zeitplan. Uns blieb also gar nichts anderes übrig. Und wenn man schon mal so dreist ist, wie wir es nun mal sind… Was spricht dagegen?

Design braucht Täter 2012 Schreibtisch für Zwei by Handwert Möbeldesign

Design braucht Täter 2012: Schreibtisch für Zwei von Handwert Möbeldesign

Schreibtisch für Zwei von Handwert Möbeldesign ist – wie der Name schon sagt – ein Schreibtisch, der für zwei konstruiert wurde. Und eine Schublade hat er auch noch. Eine Schublade! Ein Schreibtisch mit einer, quatsch, sogar mehreren Schubladen! Spätestens damit hatten sie uns.

Einen Schreibtisch, an dem bequem zwei Menschen arbeiten können, halten wir für wirklich sinnvoll. In modernen Büros arbeitet man ja häufig mit platzsparenden “Insel-Konzepten” – besonders in sogenannten “Startups” oder bei rückwärtsgewandten Dorfverwaltungen in Brandenburg. Nachteile dieser Konstruktionen sind nicht nur, dass immer unzählige Kabel und anderer Kram zwischen den Tischen stören, sondern dass, die Größe eines solchen geteilten Arbeitsplatzes laut EU-Richtlinie nicht mal für Legehennen tragbar wäre. Wieso sollte man also nicht direkt zwei Personen pro Arbeitsplatz einplanen?

Der wunderschöne, aus Eiche gefertigte Schreibtisch für Zwei verfügt nicht nur über Schubladen, sondern auch über einen Spalt in der Mitte, der als Versteck für Kabel sowie Halterung für die integrierten Plastik-Stiftehalter geradezu prädestiniert ist.
Unser Einrichtungstipp: Die Auswahl an Dingen, die man im Spalt unterbringen kann, ist beliebig um z.B. Blumentöpfe, Lautsprecher, Ladegerät fürs Telefon, Kabelkorb, Notizblockhalter, Lampen usw. erweiterbar.

Design braucht Täter Köln 2012 bench2bed thomas bohm

Design braucht Täter 2012: Bench2bed von Thomas Bohm

Bench2bed des Dortmunder Designers Thomas Bohm hat vor der Ausstellung nicht gerade unsere Aufmerksamkeit erregt. Doch das hat sich während der Ausstellung geändert. Im Wesentlichen handelt es sich bei dem Stück um eine Bank, die in ein Bett verwandelt werden kann – eine Variation des Bettsofas also. Das hat uns echt gut gefallen, aber natürlich mussten auch wir uns fragen: Braucht man so was wirklich? Eine Bank, die zu einem Bett wird… Wir sind zugegebenermaßen noch nicht hundertprozentig überzeugt. Oder waren wir einfach nur von der Stahl/Holz-Optik irritiert, die ein wenig an Gartenmöbel erinnert? Nichtsdestotrotz lieben wir den Gedanken hinter dem Projekt. Und auch wenn Bench2bed nicht Bohms kommerzieller Durchbruch sein wird, so zeigt sich in der Konstruktion doch ein Designgeist mit der richtigen Einstellung und einer gesunden Abneigung gegen Konventionen.

Design braucht Täter Köln 2012 moveo reditum

Design braucht Täter 2012: Moveo von Reditum

Ein anderes Projekt, das uns im Warm-up der Ausstellung noch nicht sonderlich begeistert hat, es letztlich aber doch unter unsere Design braucht Täter Favoriten geschafft hat, war Moveo vom Kölner Hersteller Reditum.

Wie treue Leser wissen, sind wir, was recycelte Möbel angeht, nicht so einfach zufrieden zu stellen. Wir sind wahrscheinlich die einzigen, die Piet Hein Eeks Holzstühle und -tische eher unter Grafikdesign als Möbeldesign verbuchen würden… Doch Moveo hat uns überzeugt.

Zusammengesezt aus Teilen von alten Paletten, alten Fahrradschläuchen und Metallteilen, ist Moveo eine Reihe von Kisten, die entweder zusammengesteckt oder als Regalsystem aufgehangen werden können.

Wir vermuten, wir haben Moveo unseren Segen gegeben, weil es sich ebenso wie hommage au vélo von Sebastian Donath, nicht nur auf seine recycelte Natur fixiert. Nach dem Motto: “Seht mich an! Seht mich an! Ich bin recycelt. Ich bin so cool!” Stattdessen ist es in erster Linie ein schönes, gut gemachtes und funktionales Produkt. Das und die Tatsache, dass es uns an die Holzkisten von Le Corbusier erinnert, die Cassina bei der IMM 2011 wieder eingeführt hat.

Und jetzt ratet mal, von wem wir glauben, dass er in einer Zeit der ökologischen und sozialen Instabilität am verantwortungsvollsten mit verfügbaren Ressourcen umgeht…

Design braucht Täter Köln 2012 solo stefan weiser

Design braucht Täter 2012: Solo von Stefan Weiser

Auch das Regalsystem Solo von Stefan Weiser sollte an dieser Stelle lobend erwähnt werden. Dabei handelt es sich um ein Aufbewahrungselemnet, das zum Transport flach zusammengefaltet werden kann – und aufgeklappt funktioniert es ganz wunderbar als Raumtrenner. Wir sind uns nicht so sicher, ob eine textile Hülle die beste Wahl war, aber das könnte auch nur unsere törichte, subjektive Meinung sein. Für uns ist das Konzept es durchaus wert, weiterentwickelt zu werden, denn wir sehen darin eine Menge Potential – und das nicht nur für zuhause…

Und dann war da natürlich noch Becherlicht, das uns noch immer wohlig erschauern lässt.

Wenn ihr bei der IMM in Köln seid, können wir euch wärmstens empfehlen, einen Abstecher zu Design braucht Täter zu machen. Besonders am Donnerstagabend, den 19. Januar, wenn von 18-23 Uhr die verspätete Vernissage stattfindet.

Und wenn ihr auf etwas wirklich gutes stoßen solltet, das wir hier nicht erwähnt haben, lasst es uns bitte wissen.

Design braucht Täter 2012 findet bis Sonntag, den 22. Januar, in der Hochbunker Körnerstr. 101, 50825 Köln statt.

 



(smow)Designtour 2012: Es ist Zeit, die Reisesocken hervorzuholen…

Thursday, January 5th, 2012

Der schottische Liedermacher Malcom Middleton nahm mit seinem Album “Waxing Gibbous” von 2009 den Song “Red Travellin’ Socks” auf. Das ist eine muntere, für uns jedoch etwas zu plakative, Hass-Liebe-getränkte Ode an seine roten Reisesocken.

Diese Hass-Liebe sieht folgendermaßen aus: Wenn Middleton seine Socken trägt, fühlt er sich an die Freiheit der Straße erinnert, die ihn seine urinstinktiven Bedürfnisse erfüllen lässt – bis zu dem Zeitpunkt, wo der romantische Mythos des endlosen Highways auf dem heißen Asphalt zerrinnt und er sich wieder nach Hause sehnt. Die roten Socken symbolisieren seinen Frust und seine Hoffnungslosigkeit, die aus diesem Kreislauf zwischen Fern- und Heimweh resultieren.

“Bringt mich nach Hause, rote Wandersocken”, fordert er zuletzt, “Ich habe kein Geld mehr und diese Lieder satt….”.

Und dann, nach einer Weile, kommt es unweigerlich dazu, dass ihn seine roten Reisesocken, wie sie so vorwurfsvoll im gepflegten Kleiderschrankambiente liegen, daran erinnern, was er vermisst…

Malcolms rote Reisesocken entsprechen unserer Vitra Panton Chair Miniatur.

Aus keinem wirklich ersichtlichen Grund begleitet uns der kleine Kunststoff-Freischwinger seit ein paar Jahr auf unserem Weg durch das designaffine Europa. Natürlich fehlte er auch auf unserer umstrittenen  Tour zum Thema Verner Pantons Kopenhagen nicht. Und selbstverständlich wird er auch Teil unseres bevorstehenden Arne Jacobsen Porträts sein.

Aber warum ist die Panton Chair Miniatur nun so etwas wie unsere roten Socken?

So sehr wir das Fotografieren auch genießen, irgendwann kommt einfach ein Punkt auf unseren Reisen, wo der kleine Panton Chair wie eine bleierne Metapher in unserem Rucksack liegt und uns unseren routinierten Alltag vermissen lässt. Und ehe wir uns versehen, steht er schon wieder im Regal…

Unser treuer Reisegefährte vor Arne Jacobsens ehemaligem Haus in Kopenhagen

Während wir auf dem Rückweg von Neue Räume Zürich 2011 zugegebenermaßen noch überlegt haben, unseren kleinen Panton Chair aus dem Zug zu werfen, unterziehen wir ihn nun doch wieder voller Vorfreude auf den Designfrühling 2012 einer Hochglanzpolitur.

Denn es wird einiges zu sehen geben:

Am 13. Januar werden wir in Köln bei der Ausstellungseröffnung von “From Aalto to Zumthor – Architect Furniture” im MAKK sein. Dabei schauen wir uns natürlich gleich die IMM Cologne 2012 inklusive Rahmenprogramm an.
Zu den potentiellen Highlights der Messe gehören die neue Outdoor-Kollektion von Richard Lampert, die Ausstellung “Made in Sishane” und wie sich die Universitäten auf den Satellitenveranstaltungen in der Stadt machen.

Anfang Februar sind wir dann bei der Eröffnung der neuen Ronan und Erwan Bouroullec Ausstellung “Album” im Vitra Design Museum in Weil am Rhein. Das haben wir in Bordeaux verpasst und freuen uns sehr darauf das endlich nachzuholen; … und natürlich darauf herauszufinden, wie ihre Yacht ankommt!

Ab 6. Februar sind wir in Stockholm beim alljährlichen Design Festival und der Möbelmesse dabei. Was auch ohne das Nennen von Details ganz klar schon als Highlight durchgeht.

Angesichts der Tatsache, dass unser (smow)Boss wohl auch erwarten wird, dass am Ende unserer Reisen so etwas wie “Arbeit” steht, werden wir uns die Ausstellung “The Evolution of Object” von Katrin Greiling ansehen, werden die “New tile designs” von Claesson Koivisto Rune für Marrakech Design verfolgen und generell die aktuelle Lage der Designermöbelindustrie in Skandinavien begutachten.

Berichte, Fotos und Rückblicke werden wie gewohnt hier und auf unserer Facebook-Seite veröffentlicht.

stockholm february 2011

Stockholm. Februar, 2011

 



Vienna Design Week Passionswege: Beza Projekt @ Atelier Telliez

Thursday, December 15th, 2011

Eines unserer Lieblingsprojekte bei der Vienna Design Week war das Passionswege-Projekt “The Swing” von Beza Projekt aus Warschau im Atelier Telliez.

Philippe Telliez ist ein “Tapessier” – ein Beruf, der nur ansatzweise wirklich beschrieben werden kann, bei dem es sich aber im Wesentlichen um einen Polsterer handelt, der mit Wandaufhängungen, Wandteppichen und dergleichen arbeitet.

Anna Łoskiewicz und Zofia Strumiłło-Sukiennik vom Beza Projekt haben diesen “Hänge-”Aspekt mit Materialien kombiniert, die das Atelier Telliez normalerweise für die Herstellung luxuriöser Schaukeln verwendet – für Erwachsene, die ihrer Arbeitswelt entfliehen und stattdessen in eine Kinderwelt eintauchen möchten. Eine Flucht, die ihnen ironischerweise erst durch den Reichtum ermöglicht wird, den die Arbeitswelt ihnen gebracht hat.

Purer Rokoko-Pomp in einer Stadt, die “maßloses Konsumverhalten” quasi erfunden hat, ist natürlich ein geografisch überaus relevantes Projekt.

Einfach toll!

 

 

 



Vienna Design Week Passionswege: Tomas Kral @ Mühlbauer Hutmanufaktur

Tuesday, December 13th, 2011

Manchmal sind die einfachsten Ideen auch die besten.

Im Rahmen der Vienna Design Week Passionswege hat sich der slowakische Designer Tomas Kral zusammen mit dem Wiener Hutmacher Mühlbauer Hutmanufaktur aufgemacht, die visuelle – und auch linguistische – Nähe von Lampenschirmen und Schirmmützen “unter einen Hut zu bringen” und eine wunderbare Reihe von Hut-Tischleuchten zu entwerfen.

Alle Leuchten stehen auf einem Keramiksockel, die Schirme bestehen aus “normalen” Hutmaterialien und wurden mit den “normalen” Verfahren zur Hutherstellung gefertigt.

Ein wirklich lustiges Projekt, das eine nette Abwechslung zu den meist sehr ernsten und philosophischen Projekten bietet, die in Wien ausgestellt wurden.

 



Neue Räume Zürich 2011: Plinio il Giovane

Friday, December 2nd, 2011

Gelegentlich sehen wir etwas, das uns innehalten lässt. Bei Neue Räume Zürich war dieses Etwas der Mailänder Hersteller Plinio il Giovane.

Wir wissen, dass wir viel über Italiens überschätzte Position als Spitze des Designberges gemeckert haben. Doch ebenso wie die Italiener einen scheinbar unerschöpflichen Vorrat an korrupten Politikern haben, so scheinen sie auch in der Lage zu sein, ganz unerwartet hochwertige Designermöbelhersteller aus dem Boden zu stampfen.

Die aus Eiche handgefertigte Kollektion von Plinio il Giovane sieht nicht nur fantastisch aus, viele Stücke sind auch außergewöhnlich originell. Da merkt man mal, was alles entstehen kann, wenn sich Designer und Tischler zusammentun. Ein besonders schönes Beispiel für solch eine gelungene Symbiose ist Duetto, ein Ausziehsofa für zwei Personen von fast atemberaubender Schlichtheit.

Wie wir bestimmt schon mal erwähnt haben, sind wir nicht gerade große Fans massiver Holzmöbel. Doch die schlichte Genialität von Plinio il Giovane könnte uns dazu bringen, unseren Standpunkt noch einmal zu überdenken. In zweierlei Hinsicht….



Stiftung Bauhaus Dessau: Kibbuz und Bauhaus

Tuesday, November 29th, 2011

“…ich werde nie vergessen, welche Schrecken ich bekam, als ich zum ersten Mal in einer der alten Kwuzoth kam, nach Degania A. Sie war geradezu ein Musterbeispiel für falsche Planung. Der Wind traf dort zuerst die Dungstätten, brachte von dort Fliegen und Gestank zunächst zu den Ställen und von dort vermehr [sic] zur Küche, nahm die dortigen Düfte auf und brachte das ganze Gemisch zu den Speisesälen und Wohnhäusern.”1

In seiner lebhaften Beschreibung der Bedingungen in Degania A – dem ältesten israelischen Kibbuz – macht der israelische Architekt Richard Kaufmann auf eindringliche Weise deutlich, dass die frühen Kibbuze noch sehr, sehr weit davon entfernt waren, die Häfen der Ruhe mit den sorgsam angelegten Gärten von heute zu sein.
Ein wichtiger Faktor, der zu einem Wandel diesbezüglich beitrug, war das Bauhaus; ein Einfluss, der derzeit in der Ausstellung “Kibbuz und Bauhaus” am Bauhaus Dessau nachvollzogen werden kann.

Im Laufe der Jahre, zwischen den 1920ern und 1930ern emigrierten ungefähr 24 Studenten entweder nach Palästina, nachdem sie am Bauhaus Dessau studiert hatten oder sie kamen aus Palästina nach Dessau, um für einige Semster am Bauhaus zu studieren.  Die Biografien von sieben dieser Architekten sollen in der Ausstellung dargestellt werden.

Losgelöst von der viel weiter gefassten Ausstellung “Kibbuz – Architektur ohne Vorbild” des israelischen Pavilions auf der Biennale Venedig 2010, beginnt “Kibbuz und Bauhaus” bei der Einführung dieser sieben Kibbuznik aus dem Bauhaus Dessau, bevor die Natur und Struktur eines der ursprünglichen Kibbuze en détail erklärt wird und schließlich eine Einschätzung der aktuellen Situation der Kibbuzbewegung abgegeben wird.

Trotz allem beschäftigt sich “Kibbuz und Bauhaus” aber in erster Linie mit der Verbindung zwischen den beiden Phänomenen.

Geht man durch die Ausstellung, wird einem unentwegt deutlich, wie sehr sich die beiden Bewegungen ähnelten und ergänzten, wie vereint sie in ihrem “Wir können die Welt verändern und werden es euch zeigen.”-Revolutionsansatz waren.

Aber auch in der kalten Logik, die das Planen von Projekten erfordert oder in der Universalität der Ideale kann man viele Parallelen und Schnittstellen erkennen. Das könnte einen glatt dazu verführen zu behaupten, dass das Bauhaus Dessau so ziemlich das beste war, was der Kibbuzbewegung passieren konnte. Der Rahmen von “Kibbuz und Bauhaus” ist jedoch nicht weit genug gefasst, um solch eine These rechtfertigen zu können. Das ist aber auch gar nicht das Ziel. Das Ziel ist es, einen Blick auf einen Aspekt der Bauhausgeschichte in Dessau einschließlich der Biografien einiger seiner Absolventen zu werfen. Und das ist “Kibbuz und Bauhaus” sehr gut gelungen.

“Kibbuz und Bauhaus” wird zusammen mit Yuval Yasky und Galia Bar-Or, den Urhebern von “Kibbuz – Architektur ohne Vorbild” auf der Biennale, kuratiert. Dabei ermöglicht die Ausstellung nicht nur den Blick auf einen Aspekt, dem sonst weniger Aufmerksamkeit geschenkt wird – dem globalen Einfluss des Bauhauses, sondern ist auch eine Gedankenstütze, warum die Kibbuzbewegeung so wichtig war. Hier zeigt sich außerdem einmal mehr, wie schade es ist, wenn Ideale von damals und längst gelernte Lektionen aus frühen Experimenten zunehmend ignoriert werden und letztlich in Vergessenheit geraten.

Auch das könnte als Verbindung der Kibbuzbewegung zum Bauhaus verstanden werden.

Kibbuz und Bauhaus ist noch bis zum 9. April 2012 in der Stiftung Bauhaus Dessau zu sehen. Weitere Informationen gibt es unter www.bauhaus-dessau.de

1. Aus “Geplante Siedlung: Gespräch mit Richard Kaufmann in Jüdische Rundschau 47 (15. Juni 1937)”, wie in der Ausstellung Kibbuz und Bauhaus in der Stiftung Bauhaus Dessau zitiert, 2011.



Caught in the Act II

Monday, November 28th, 2011

Unser lieber Kollege mit der Kamera scheint im Alter etwas langsamer zu werden.

Gerade erst hatte er sich von dem Schock erholt, bei Nils Holger Moormanns Renntag “Die Hölle von Aschau” von Christoffer Martens fotografiert worden zu sein, da wurde er Opfer des nächsten Schnappschnusses. Die Grenzen der Designfotografie sind hier eindeutig überschritten… und die körperlichen Fähigkeiten unseres ertappten Fotografens scheinen das auch.

Während unser Fotograf die Ausstellung “Great Taste for Waste” im Atelier von Kasper Klokgebouw dokumentierte, erwischte ihn der Eindhovener Fotograf Kasper van‘t Hoff mit seinem iPhone.
Das Foto ist übrigens ein Musterbeispiel für die Strapazen, die mit der Erstellung des (smow)Blogs verbunden sind… und dafür, wieso unsere Reinigungskosten so hoch sind.

Danke für dieses Foto!

Kasper van‘t Hoff Great Taste for Waste Eindhoven

Beim Fotografieren von "Great Taste for Waste" auf der Dutch Design Week 2011. (Er wird sich sicher wünschen, die Mütze nicht abgesetzt zu haben...)