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Klassik Stiftung Weimar: Henry van de Velde. Leidenschaft, Funktion und Schönheit

Wednesday, March 27th, 2013

Noch bis zum 23. Juni 2013 präsentiert die Klassik Stiftung Weimar die Ausstellung “Henry van de Velde. Leidenschaft, Funktion und Schönheit”.

Anlässlich des 150. Geburtstages von Henry van de Velde will “Leidenschaft, Funktion und Schönheit” als erste Ausstellung ihrer Art van de Veldes komplettes kreatives Schaffen untersuchen – von seinen frühesten künstlerischen Bestrebungen über Kunstgewerbe und Möbeldesigns bis hin zu seinem architektonischen Schaffen, Innenausstattung und den Lehraufträgen.

Der Mythos Henry van de Velde ist bekannt und schnell erzählt: Er kam aus Belgien, wurde Direktor der Kunstgewerbeschule in Weimar, schlug 1915 Walter Gropius als seinen Nachfolger vor und Gropius gründete das Bauhaus. Dass viel mehr hinter dem Mann steckt, ist klar. Wie viel genau zeigt ein Rundgang durch “Leidenschaft, Funktion und Schönheit”.

Henry van de Velde Leidenschaft Funktion und Schönheit Klassik Stiftung Weimar 11

Klassik Stiftung Weimar: Henry van de Velde. Leidenschaft, Funktion und Schönheit

Das erste, was über die Ausstellung gesagt werden muss: Sie ist umfangreich. Sehr umfangreich. Die rund 700 Objekte auf 1400 m² auf zwei Etagen des Neuen Museums Weimar lassen sich nicht mal eben in der Mittagspause durchlaufen. Die Ausstellung braucht Zeit und verdient sie auch.

“Leidenschaft, Funktion und Schönheit” beginnt mit Henry van de Veldes Ausbildung in Antwerpen und Brüssel, seinen ersten Berufsjahren und seiner Entwicklung weg von der Kunst hin zu Kunstgewerbe, Möbeldesign und Architektur. Der zweite Teil der Ausstellung schaut auf seine Beziehung zum expressionistischen Maler Ernst Ludwig Kirchner, die Zeit nach Weimar und den Versuch seinen Weimarer Erfolg mit der Designhochschule La Cambre in Brüssel zu wiederholen.

Die Erwartungen werden voll erfüllt. Man findet Keramik, Silberschmuck, Bilder, Möbel, Architektur … Sowie ein paar unerwartete Highlights wie ein Modell des Fährschiffes “Prince Baudouin”, für das van de Velde die Inneneinrichtung entworfen hat, ein paar frühe Bilder van de Veldes à la van Gogh und Beispiele der genialen Schreibtische und Stühle, die er für die Universitätsbibliothek Gent designt hat.

Das Ergebnis ist ein umfassender, aber natürlich auch oberflächlicher, Überblick über Henry van de Velde und sein Schaffen. Er kann nur oberflächlich sein da es selbst mit der zur Verfügung stehenden Fläche unmöglich ist, jedes Thema tiefgehend abzudecken. Was die Organisatoren hier auf die Beine gestellt haben, ist aber trotzdem wärmstens zu empfehlen und lohnt sich zu erforschen.

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Klassik Stiftung Weimar: Henry van de Velde. Leidenschaft, Funktion und Schönheit

In den verschiedenen Pressetexten und Katalogen ist viel davon die Rede, dass die Ausstellung Henry van de Velde durch den Vergleich mit Zeitgenossen in Bezug zu seiner Zeit setzt. Davon haben wir ehrlich gesagt nicht viel gespürt. Das liegt vielleicht daran, dass das Ausstellungskonzept den Besucher nicht wirklich dazu animiert.

Und darin liegt – unsere Meinung nach – auch die größte Enttäuschung der Ausstellung: im Layout. Es als langweilig zu bezeichnen, würde einem verregneten Sonntag in einer einsamen Hütte ohne Strom, Bücher oder Radio mit Rückenschmerzen im Bett einen schlechten Dienst erweisen. Wir hatten wirklich etwas mehr Fantasie erwartet. Es ist ja schließlich eine große Henry-van-de-Velde-Ausstelung. In Weimar.

Die Präsentation auf der ersten Etage ist einfach unwürdig. Im Erdgeschoss wird es zwar besser, aber es ist fraglich ob das Interesse eines durchschnittlichen Besuchers so lang anhält. Die Ausstellungsstücke selbst sind größtenteils interessant, die Texte informativ und gut lesbar. Ein gewisses Vorwissen schadet zwar nicht, aber man lernt wirklich was. Es wäre nur schön gewesen, wenn sich jemand ein paar Minuten Gedanken über die Präsentation der Objekte gemacht hätte. Ein Stuhl auf einem niedrigen Podest vor einer grauweißen Wand ist nicht gerade inspirierend.

Und warum die Organisatoren es für nötig erachtet haben, die Pfeiler im Erdgeschoss zu verstecken, verstehen wir auch nicht… erst recht nicht, da sie nur halb versteckt sind. Man ahnt, was hätte sein können. Ärgerlich. Henry van de Velde hatte nichts gegen ionische Pfeiler. Benutzte sie, nutzt sie aus, und lasst die Ausstellung atmen.

In der Pressemitteilung zur Ausstellung erklären die Organisatoren, wie Henry van de Velde seiner Maxime treu geblieben ist dass “… die Gestaltung eines Gegenstands desto vollkommener sei, je exakter sie dessen Zweck entspreche”. Das Wort “Gegenstand” kann man gut durch “Ausstellung” ersetzen.

In seiner Einführung zum Rahmenprogramm verspricht Kurator Thomas Föhl den Besuchern der Ausstellung eine interessante, spannende und sensorische Erfahrung. Interessant ist die Ausstellung auf jeden Fall. Aber spannend? Die Sinne ansprechend? Leider nicht – und so hält die Ausstellung nicht alles, was sie verspricht (“Leidenschaft, Funktion und Schönheit”). Schade eigentlich.

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Klassik Stiftung Weimar: Henry van de Velde. Leidenschaft, Funktion und Schönheit

Henry van de Velde hat sicher nicht allein auf weiter Flur den Weg für den europäischen Modernismus geebnet, und doch war er eine der bedeutenden Figuren. Ihm gebührt zurecht ein Platz in der Geschichte als auch der Respekt zukünftiger Generationen. Das Schöne an der Austellung ist, dass dieser Aspekt nicht direkt berührt wird. Henry van de Veldes Beitrag zur Entwicklung des Modernismus ist sichtbar, aber nicht dominant. “Henry van de Velde. Leidenschaft, Funktion und Schönheit” bewegt sich vielmehr entlang dieser Entwicklungen, die den Mythos van de Velde ausmachen, und präsentiert so das Portrait eines Künstlers, Designers und Architekten im Kontext seiner Kreativität und nicht im Kontext seines Einflusses.

Die Ausstellung ist also unbedingt und trotz der Schwächen zu empfehlen.

“Henry van de Velde. Leidenschaft, Funktion und Schönheit” ist bis zum 23. Juni 2013 im Neuen Museum, Weimarplatz 5, 99423 Weimar zu sehen.

Ausführliche Informationen gibt es unter www.klassik-stiftung.de

Außerdem präsentiert die Baushaus-Universität Weimar vom 29. März bis 12. Mai 2013 eine Ausstellung des gesamten architektonischen Schaffens von Henry van de Velde. “Der Architekt Henry van de Velde” ist organisiert und kuratiert von Studenten der Architektur-Fakultät. In Form von 3D-Modellen wird van de Veldes Werk zu neuem Leben erweckt.

Weitere Informationen und die kostenlose App zur Ausstellung gibt es unter www.uni-weimar.de/projekte/vandevelde/ausstellung/



blickfang Stuttgart 2013. Einundzwanzig Jahre jung.

Wednesday, March 13th, 2013

1992 entschieden sich einige “Spinner” – nicht unsere Worte, nicht mal ihre Worte, sondern die höflich wiedergegebenen Worte einer Institution in Baden-Württemberg, die eigentlich mehr Weitsicht besitzen sollte – eine Verkaufsmesse für zeitgenössische Designermöbel in Stuttgart ins Leben zu rufen. Eine Verkaufsmesse, auf der junge Designer ihre in Eigenproduktion entstandenen Arbeiten direkt einem Käuferpublikum präsentieren konnten.

Die erste blickfang Stuttgart zog ungefähr 42 Aussteller an; eine beachtliche Leistung, wenn man bedenkt, dass blickfang eine der allerersten Messen ihrer Art war und dass das eine Zeit war, in der das Hauptziel der meisten Designer war, einen Hersteller für ihre Arbeiten zu finden. Der unabhängige “Produzent”, wie wir ihn heute kennen, lag noch in ferner Zukunft.

Über die dazwischenliegenden zwei Jahrzehnte wuchs blickfang nicht nur innerhalb Stuttgarts und etablierte sich in der hiesigen Kreativszene – wenn die 21. Ausgabe der blickfang Stuttgart am 15. März ihre Tore öffnet, werden über 200 Designer teilnehmen, die Mode, Schmuck und Möbeldesigns präsentieren – sondern auch international mit einer Reihe von Messen in Deutschland, Österreich und der Schweiz sowie zuletzt in Dänemark.

Eine Tatsache, die einen in Kombination mit der Vielzahl ähnlicher Messen, die weltweit aus dem Boden schießen, dazu bringen könnte Obi-Wan Kenobi falsch zu zitieren und zu fragen: “Wer ist dümmer, der Dumme oder der Dumme, der seinen Plan abgelehnt hat….?”.

Im Vorfeld der blickfang Stuttgart 2013 haben wir blickfang Gründer und CEO Dieter Hofmann und Anne Schneider, Projektmanagerin für blickfang Stuttgart und Hamburg, getroffen und wollten wissen, wie alles begann…

Dieter Hofmann: Zusammen mit meinem Bruder war ich fast 30 Jahre im Veranstaltungswesen tätig und wir haben immer versucht Projekte zu entwickeln, die uns persönlich interessierten. Für mich war Design so ein Thema. Als junger Mann hatte ich über eine Karriere im Designbereich nachgedacht und sogar eine Lehre als Schreiner begonnen. Doch ich habe ziemlich schnell gemerkt, dass das nicht mein Ding ist und angefangen BWL zu studieren. Mit blickfang wollten wir einfach jungen, unabhängigen Designlabels eine Plattform bieten, wo sie in Kontakt mit den Konsumenten treten konnten. In gewisser Weise, Design aus seinem “Elfenbeinturm” holen und es einem interessierten, weiteren Publikum nahe bringen.

(smow)blog: Ist es 21 Jahre später immer noch notwendig Design aus seinem ”Elfenbeinturm” zu holen oder worin sehen Sie die heutige “Rolle” von blickfang?

Dieter Hofmann: Die Situation hat sich in den letzten Jahren ganz offensichtlich verändert. Ich möchte es mit den Veränderungen vergleichen, die im Bereich der Lebensmittelindustrie stattfanden, wo sich die Konsumenten z.B. immer mehr dafür interessieren, wo ihr Essen herkommt und wie es hergestellt wird. Ähnliche Überlegungen werden immer relevanter für eine immer größer werdende Gruppe von Konsumenten von Möbeln oder Kleidung. Ökologische Überlegungen sind ein Aspekt, aber genauso wichtig ist Regionalität und dass man versteht, woher die Produkte kommen. So etwas anzubieten ist mittlerweile wichtiger für uns als Design zu “erklären”.

(smow)blog: Bleiben wir bei diesem “regionalen” Aspekt: blickfang ist in sechs Städten in vier Ländern vertreten. Halten alle Veranstaltungen an ein und derselben blickfang-Marke fest oder haben sie alle ihren eigenen Charakter?

Anne Schneider: Wir versuchen eine gewisse Konsistenz im Auftreten und der Darstellung der Veranstaltungen zu bewahren, aber natürlich tickt jeder Ort etwas anders. Was in Hamburg funktioniert, muss nicht auch in Stuttgart funktionieren. Dann gibt es auch eine unterschiedliche Mischung von Ausstellern. Im Allgemeinen sagt man, dass bei allen blickfang Locations ein Drittel der Aussteller aus der Gaststadt kommt, ein Drittel aus dem Gastland und ein Drittel international ist. Dieser Mix beeinflusst natürlich die Atmosphäre des Events. Und so ist es zwar immer blickfang und auch immer als solches zu erkennen, aber jede blickfang Messe hat darüber hinaus auch ihre eigene “Design Identität”.

(smow)blog: 2012 debütierte blickfang in Kopenhagen; die erste Messe im nicht-deutschsprachigen Europa. Können wir das als Beginn einer größeren europäischen Eroberung interpretieren?

Dieter Hofmann: Wir denken zurzeit über eine weitere Europa-Expansion nach und im Moment haben wir drei, vier mögliche Locations im Visier. Obwohl wir nicht vergessen dürfen, dass eine Vergrößerung keine Frage des neuen Veranstaltungsortes ist; es ist eine Frage von Ressourcen und Zeit. Wenn wir jede Woche eine andere Messe in einer anderen europäischen Metropole veranstalten, ist das natürlich etwas, was wir als Organisatoren meistern müssen. Dennoch gibt es diese Pläne und ich bin zuversichtlich, dass in absehbarer Zukunft konkretere Ideen für den ein oder anderen Ort entwickelt werden.

(smow)blog: Zurück zur blickfang Stuttgart 2013. Nach der Premiere im letzten Jahr, wird nun die blickfang Local Plattform wiederholt. Ganz kurz, was ist der Hintergrund?

Anne Schneider: Blickfang Local wird in Zusammenarbeit mit der Wirtschaftsförderung der Landeshauptstadt Stuttgart organisiert und entsprang aus allgemeinen Gesprächen darüber, wie man unsere Kooperation verbessern könnte und wie man kreativen Talenten aus Stuttgart helfen kann. Die Idee ist es, jungen Talenten eine Plattform zu bieten, auf der sie ihre Arbeiten zum ersten Mal einem Publikum vorstellen können. Dieses Jahr sind fünf Stuttgarter Designstudios aus dem Möbelsektor dabei.

(smow)blog: Und sind die Teilnehmer vorausgewählt oder müssen sie sich bewerben?

Anne Schneider: Sie müssen sich bewerben. Was die generelle Regel für alle blickfang Aussteller ist. Sogar für die, die schon einmal in der Vergangenheit bei blickfang ausgestellt haben. Wir haben eine internationale Spezialisten-Jury, die die Auswahl auf Basis von Kriterien wie zum Beispiel folgenden trifft: Kann die Produktionskette eindeutig nachvollzogen werden? Was ist das Besondere an dem Projekt? Oder steckt hinter der Arbeit eine originelle Geschichte? Daneben versuchen wir ein strenges 50/50 Gleichgewicht zwischen Möbeln auf der einen und Mode und Schmuck auf der anderen Seite herzustellen. Und wir versuchen auch sicherzustellen, dass kein zu großer interner Wettbewerb zwischen den Ausstellern entsteht und dass die Mischung der Produkte interessant und so weit gefasst wie nur möglich ist.

(smow)blog: blickfang hat eine designbasierte Idee aus Stuttgart in die Welt gebracht. Ist Stuttgart indes selbst eine kreative Stadt?

Anne Schneider: Stuttgart hat eine lange Tradition innerhalb der Architektur und die ganze Region ist geprägt von einer Handwerkstradition, was bedeutet, dass es eine hohe Konzentration von Menschen in der Region gibt, die Objekte mit regionaler Herstellung sehr zu schätzen wissen. Was jedoch nicht heißen soll, dass Stuttgart über eine hohe Konzentration von Designern verfügt. Auf der blickfang Stuttgart haben wir nicht viele Designer aus Stuttgart selbst, sie kommen viel mehr aus dem weiteren Umland. In Zürich haben wir z.B. mehr Aussteller direkt aus Zürich oder in Hamburg mehr direkt aus Hamburg.

(smow)blog: Zum Schluss nochmal zurück zum Anfang. Als blickfang startete, war die Herstellerszene nicht so ausgebaut wie heute. Haben sich die Dinge so entwickelt wie Sie sie vorausgesehen haben?

Dieter Hofmann: Zurückzublicken ist in gewisser Weise immer schwierig, und ja, wir könnten behaupten, die jüngsten Entwicklungen seien Teil unseres strategischen Plans gewesen. Doch letztlich haben wir nur an eine Idee geglaubt und geglaubt, dass sie sich durchsetzen könnte. Dass sie sich als so erfolgreich erwies, liegt hauptsächlich an den parallelen Entwicklungen in der Gesellschaft; Entwicklungen zu denen blickfang auch einen klitzekleinen Beitrag geleistet hat. Wie Sie sagen, produzieren mittlerweile immer mehr junge Designer ihre eigenen Waren und blickfang spiegelt diesen Trend wieder. Viele unserer Aussteller suchen nicht nach einem großen Hersteller. Sie haben sich viel mehr bewusst entschieden selbst zu produzieren und ihr eigenes Label zu gründen. Und ich finde das spannend.

blickfang Stuttgart 2013 findet von Freitag, den 15. März bis Sonntag, den 17. März in der Liederhalle Stuttgart statt.

Vollständige Informationen unter blickfang.com

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Wasserschloss Klaffenbach Chemnitz: Eames by Vitra

Monday, March 11th, 2013

Bis zum 9. April wird im Wasserschloss Klaffenbach Chemnitz die Ausstellung “Eames by Vitra“, präsentiert von (smow) Chemnitz, gezeigt.

Wie bereits in unserem ersten Post erwähnt, gibt “Eames by Vitra” einen vollständigen Überblick über den Charles-und-Ray-Eames-Stuhl-Kanon, der durch Texte, Fotografien und Videos vervollständigt wird, die den Hintergrund zum Eames Studio erklären. Es ist keine Ausstellung, die das komplette Phänomen Charles und Ray Eames erklärt, aber das behauptet sie auch nicht. Es geht ganz um die Stühle.

“Eames by Vitra” im Wasserschloss Klaffenbach ist über drei Räume verteilt, was den positiven Nebeneffekt hat, dass der Besucher auf eine Reise durch das Eames’sche Werk geschickt wird. Jeder Raum hat seine eigene Atmosphäre, seinen eigenen Charakter und das ist bezogen auf die Ausstellung ein Umstand, der zusammen mit den offenen Räumen, den Eindruck erweckt, die Ausstellung sei viel größer als sie ist.

Und sie ist nicht groß. Sie ist intensiv, aber nicht groß.

Trotz allem zeigt “Eames by Vitra” recht viel aus dem Werk der Möbeldesigner: Eames Sperrholz, Plastic und Aluminium Chair Kollektionen, neben der La Chaise Liege, den Stools und natürlich dem Eames Lounge Chair. Außerdem gibt es genug Eames Elephants in der Ausstellung, um einen Wasserschloss Klaffenbach Safari Park aufzumachen.

Wenn wir etwas bemängeln würden (und uns ist durchaus bewusst, was es bringt, wenn wir uns beschweren…) wäre es, dass das erste Ausstellungsstück, das man sieht, ein Eames Plastic Chair ist. Denn es ist nicht nur so, dass die Eames Geschichte chronologisch mit den Sperrholzstühlen beginnt. Um das Eames Ouvre zu verstehen, muss man auch die Eames Plywood Chairs verstehen. Daher würde es für uns mehr Sinn ergeben, mit dem gebogenen Sperrholz zu beginnen. Aber das sehen wahrscheinlich nur wir so.

Und wie immer sind wir mehr als froh darüber, dass sich ja jeder Besucher seine eigene Meinung bilden kann… Um uns dann zu sagen, dass wir falsch liegen.

“Eames by Vitra” ist bis zum 9. April 2013 im Wasserschloss Klaffenbach Chemnitz zu sehen.

Weitere Informationen unter www.wasserschloss-klaffenbach.de

“Eames by Vitra” ist eine Co-Produktion zwischen der C³ Chemnitzer Veranstaltungszentren GmbH und (smow) Chemnitz.



Pop Art Design im Vitra Design Museum

Thursday, October 25th, 2012

Das MoMa in New York beheimatet bekanntermaßen einige der berühmtesten Arbeiten aus der Pop Art – neben so ziemlich jeder anderen modernen Kunst- und Designrichtung. Die Pop Art Werke sind jedoch durch ein Stockwerk von den anderen Werken aus der Mitte des 20. Jahrhunderts getrennt. Bedenkt man die Größe und den Aufbau des MoMas ist es undenkbar, dass irgendein normaler Besucher in der Lage wäre, das, was er gerade in dem einen Stockwerk sieht, mit dem in Verbindung zu bringen, was er vor einer gefühlten Ewigkeit auf einem anderen gesehen hat. Man betrachtet die beiden Ausstellungsteile zwangsläufig als zwei separate Einheiten. Zwei getrennte Welten. Hier George Nelson, Charles & Ray Eames, Eero Aarnio. Da Andy Warhol, Claes Oldenburg, Roy Lichtenstein.

Das Vitra Design Museum in Weil am Rhein sieht die Dinge etwas anders und richtet noch bis Februar 2013 die Ausstellung Pop Art Design aus. Das ist nicht nur die erste Ausstellung im Vitra Design Museum, die Kunstwerke in den Fokus rückt, es ist auch der erste Versuch überhaupt zu untersuchen, wie Kunst und Design in der Pop-Art-Ära interagiert und sich gegenseitig beeinflusst haben.

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Vitra Design Museum: Pop Art Design

Mit 140 Arbeiten aus Kunst und Design der 1950er, 1960er und 1970er Jahre präsentiert Pop Art Design einen umfassenden Überblick über die Hauptakteure, Themen und Errungenschaften der Periode – und das alles im Rahmen der Betrachtung von Kunst im Kontext von Design und Design im Kontext von Kunst.

Insofern wir das Ausstellungskonzept richtig verstanden haben, gibt es keine Versuche bei Pop Art Design eine direkte Verbindung zwischen den Künstlern und Designern der Zeit herzustellen, d.h. es soll nicht “aufgedeckt” werden, wie der eine Arbeiten oder Ideen eines anderen übernommen hat. Viel mehr geht es darum deutlich zu machen, wie die beiden Gruppen auf die Zeit, die vorherrschende Politik sowie die sozialen und technologischen Entwicklungen reagiert haben. Vor allem geht es aber um den Dialog, der zwischen Kunst und Design stattfand.

Im Vorwort zum Ausstellungskatalog beschreibt der Vitra Design Museum Chef-Kurator Mateo Kries den Dialog als einen “zentralen Charakter” der Pop Art.

Wenn wir ehrlich sind, haben wir das Ganze noch nie so betrachtet. Nachdem wir aber die Ausstellung gesehen haben, verstehen wir diesen Dialog um einiges besser. Und dem Ausstellungskonzept nach zu urteilen, glauben wir, dass alle Besucher die Ausstellung mit einem ähnlich erweiterten Horizont verlassen werden.

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Pop Art Design im Vitra Design Museum

Die Künstler der Nachkriegszeit spielten mit der weltweit wachsenden Prominentenszene und der aufkeimenden Werbeindustrie, während die Designer moderne Materialien zur Verfügung hatten und einer neuen Generation von Konsumenten gegenüberstanden, die sich in einer wachsenden finanziellen Sicherheit befand. Und so feierten beide Gruppen ihre kreative Freiheit, bedingt durch die vorherrschenden Umstände und der wachsenden globalisierten Gesellschaft, um schließlich zu reflektieren und darauf zu antworten, was um sie herum geschah.

Die Ergebnisse sind erstaunlich ähnlich; nicht nur in Sachen Form und Farben, sondern auch bezogen auf die Langzeitwirkung der Arbeiten.

Eines der besten Beispiele dafür kann man sehen, noch bevor man die Ausstellung überhaupt betreten hat. Vor dem Vitra Design Museum steht eine Installation, bestehend aus dem “Blow Inflatable Armchair” von Paolo Lomazzi, Donato D’Urbino und Jonathan De Pas aus dem Jahre 1967 zusammen mit einer verkleinerten Version von Andy Warhols “Silver Clouds” von 1966.

Aufgeblasene, hohle Objekte als Mittel bestehende Konventionen zu hinterfragen und eine Debatte anzustoßen. Eins unmissverständlich Kunst, das andere unmissverständlich Design. Beide unmissverständlich mit dem gleichen Genmaterial ausgestattet. ”Aufgeblasene, hohle Objekte” in zeitgenössischer Kunst und Design? Hat hier jemand was von Jeff Koons gesagt? Oskar Zieta? Philippe Starck? Und wo sollen wir jetzt Asif Khan’s “Clouds” von der Design Miami Basel 2011 einordnen? In die Architektur?

Pop Art Design demonstriert außerdem auf geschickte Weise, wie sich der Einfluss der Pop Art noch heute indirekt auf verschiedenen Wegen äußert. Steht man z.B. vor Arbeiten von Ettore Sottsass wird einem die Verbindung zwischen Pop Art und Postmodernem Design nur allzu bewusst; spätere Arbeiten transportieren das Entmystifizierende, Entlarvende und Demokratisierende wie es von der Pop Art gepredigt wurde also noch einen Schritt weiter. Sie gehen es mit noch mehr Elan und Zielstrebigkeit an.

Wie es Pop Art Design so schön deutlich macht, wurde diese Entwicklung in weiten Teilen von dem Dialog angetrieben, der während der Pop-Art-Jahre zwischen dem, was als Kunst verstanden wurde, und dem, was als Design verstanden wurde, stattfand; als die Designer also begonnen haben immer mehr künstlerische Techniken anzuwenden und sich Künstler bis dahin dem Design vorbehaltenen Prozessen zuwandten.

Vitra Design Museum Pop Art Design

Pop Art Design im Vitra Design Museum

Ein Aspekt der Ausstellung, der uns wirklich überrascht hat, war die Anzahl der Arbeiten von Alexander Girard, die dort zu sehen sind. Wir haben unserer Bewunderung für Alexander Girard nicht selten Ausdruck verliehen, aber in den Kontext von Pop Art haben wir sein Werk nie eingeordnet. Und so kam die Gelegenheit, einen Freitag Morgen damit zu verbringen, Alexander Girards Arbeiten mit denen von Andy Warhol zu vergleichen, so unerwartet wie sie schließlich wunderbar und wohltuend war.

Die Intention der Kuratoren war es dabei nicht aufzuzeigen, dass Alexander Girard Pop Art ist, aber es sollte deutlich werden, wie ähnlich die Ursprünge der von Folk Art inspirierten Arbeiten Girards mit bestimmten Motiven in der Pop Art sind. Oder anders ausgedrückt: Das Verhältnis von Girard zur Volkskunst entspricht ungefähr der Vernarrtheit der Pop Art in Marken und Konsum.

Ein zweiter Ansatz, der in der Ausstellung eine prominente Rolle einnahm und hier nicht unerwähnt bleiben soll, ist die Politik. Jasper Johns’ “Flag” war zwar nicht unter den Exponaten, eine genauso starke Infragestellung von Amerikas gefürchtetstem Symbol kann jedoch in dem “Leonardo Sofa” vom Studio 65 gesehen werden. Die Arbeit ist dazu auch noch neben Warhols Portrait von Mao und der Moloch Floor Lamp von Gaetano Pesce platziert. Diese Entscheidung der Kuratoren stellt eine brillante Provokation dar und verspottet die Stars and Stripes wie kaum ein anderes – einzelnes – Kunstwerk es vermag.

vitra design museum pop art design

George Nelson, Roy Lichtenstein & Ettore Sottsass @ Pop Art Design

Auf der Pressekonferenz zur Eröffnung erklärte Mathias Schwartz-Clauss, dass es ein Ziel des Ausstellungskonzeptes sei, Kunst und Design als gleichberechtigte Partner zu präsentieren, wobei keines das andere überschatten soll. Für uns hat dieses Konzept sein Ziel erreicht. Die Grenzen zwischen den Genres sind einfach nicht vorhanden. Zwischen Kunst und Design kann man sich hier genauso gut bewegen wie am Baseler Flughafen zwischen der Schweiz und Frankreich.

Pop Art Design ist keine Ausstellung für jene, die sich für eins-zwei Stunden in hellen Objekten oder abstrakten Formen verlieren wollen. Dafür sollte man ins MoMa gehen. Es ist viel mehr eine Ausstellung für die, die besser verstehen wollen, was das Wesentliche der Pop-Art-Ära war, was uns Pop Art gegeben hat, wohin uns Pop Art mitgenommen hat und wo die Wurzeln vieler moderner Designs liegen.

Wenn man mit der gleichen Abenteuerlust in die Ausstellung geht wie die Künstler und Designer jener Zeit an ihre Arbeit gegangen sind, wird man sie mit einem deutlich erweiterten Verständnis von einer Zeit, die viel mehr als berühmte Bilder von Suppendosen oder Skulpturen von Hamburgern zu bieten hat, verlassen.

Pop Art Design kann bis zum 3. Februar 2013 im Vitra Design Museum in Weil am Rhein gesehen werden. Neben der Ausstellung selbst bietet das Museum ein Rahmenprogramm aus Gesprächen, Workshops, Filmen und einem Konzert an.

Weitere Informationen gibt es unter www.design-museum.de

Vitra Design Museum Pop Art Design

Pop Art Design im Vitra Design Museum. Leonardo Sofa, Mao und Moloch.

 

Vitra Design Museum Pop Art Design

Pop Art Design im Vitra Design Museum

 

Vitra Design Museum Pop Art Design A small crowd enjoying Charles and Ray Eames 1959 film Glimpses of the United States

Eine kleine Menge genießt Charles and Ray Eames' Film "Glimpses of the United States" von 1959



Depot Basel

Wednesday, May 30th, 2012

Wie wir bereits bis zum Abwinken deutlich gemacht haben müssten, hat uns das Projekt Depot Basel schon von Beginn an begeistert – auch wenn wir es bisher noch nicht geschafft hatten, uns dieses Eindruckes vor Ort zu vergewissern. Das hat sich nun endlich geändert. Als wir zur Eröffnung von “Gerrit Rietveld – Die Revolution des Raums” im Vitra Design Museum in Weil am Rhein waren, tat sich eine kleine Lücke in unserem Terminplan auf. Natürlich packten wir die Gelegenheit beim Schopf und überquerten schnell die Grenze, mit Ziel Depot Basel.

In einem ehemaligen Getreidesilo an einem ehmaligen Güterbahnhof gleich neben einer vielbefahrenen Schnellstraße gelegen, sieht Depot Basel, wenn man mal ehrlich ist, wie die perfekte Location für eine zeitgenössische Designgalerie aus. Für uns ist das ein wenig to much. Ein wenig zu sehr New York 1991. Ein wenig zu sehr postindustrielle Gentrifizierung… Da es sich um ein nichtkommerzielles Projekt handelt, das von einer kleinen Gruppe Enthusiasten geleitet wird, beschränken sich die Stereotypen aber zum Glück auf diesen äußeren Eindruck und unserer Begeisterung tut das auch keinen Abbruch.

Das Team hinter Depot Basel war schon immer sehr darauf bedacht, dass es sich bei dem Projekt weder um eine Galerie noch um ein Museum oder einen Showroom handelt. Depot Basel soll viel mehr als Ort gesehen werden, der einem breiten Publikum vermittelt, was zeitgenössisches Design ist und wo und wie es unser Leben beeinflusst. Um diesem Anspruch möglichst gerecht zu werden, tendieren Ausstellungen vom Depot Basel zu mehr Interaktivität als man es von anderen Ausstellungen gewohnt ist.

Man soll nicht nur gucken, diskutieren, einen leckeren Müller-Thurgau genießen und hoffentlich noch was kaufen, sondern man wird dazu angehalten, aktiv teilzunehmen, mitzuarbeiten und etwas zu lernen. Und so scheint bei Depot Basel Design nicht als etwas Kompliziertes und Exklusives, sondern kommt ganz alltäglich und zugänglich daher.

 

Depot Basel

Depot Basel. Das vertraute Bild. Wir lieben es aber immer noch.

Wie gesagt stand uns nur ein winziges Zeitfenster zur Verfügung; der ICE nach Frankfurt wartet eben auf niemanden. Noch nicht mal auf uns… Dennoch haben wir es irgendwie geschafft, nicht nur eine kurze Runde durch die Ausstellung zu drehen, sondern uns auch noch mit Moritz Walther, einem Mitbegründer von Depot Basel, zu treffen und mit ihm über den Hintergrund und die Zukunft des Projektes zu sprechen.

(smow)blog: Wie hat alles begonnen? Was ist der Hintergrund von Depot Basel?

Moritz Walther: Letztes Jahr hat die Stiftung Habitat [der Treuhandfond, dem das Gebäude und das umliegende Land gehört] Laura Pregger gefragt, ob sie Interesse hat, ein zeitgenössisches Projekt für diesen Ort auf die Beine zu stellen. Also haben wir uns getroffen, ein paar Leute kontaktiert, von denen wir dachten, dass sie interessiert sein könnten, ein Konzept aufgestellt, den Platz bekommen, und dann die schwierige Phase zur Klärung der Finanzierung des Projektes begonnen. Wir hatten zwar den Raum, aber keine finanziellen Mittel. Doch Dank verschiedener Institutionen und Träger konnten wir die nötigen Mittel aufbringen, um im August 2011 zu starten.

(smow)blog: Depot Basel ist ja ein temporäres Projekt. Heißt das, es ist als Ganzes zeitlich begrenzt oder nur dass die Zeit in dieser Location begrenzt ist?

Moritz Walther: Wir möchten das Projekt Depot Basel auf jeden Fall fortsetzen, die Nutzungsdauer der Location ist aber begrenzt. Wir haben einen Vertrag bis Ende 2012 und die Option auf Verlängerung bis Ende 2013. Die Idee und das Konzept sollen aber definitiv fortgeführt werden; es muss nur noch entschieden werden, wo und in welcher Form.

(smow)blog: Wir sind regelmäßig in Basel und haben den Eindruck, dass die Stadt schon voll mit Galerien und Museen ist. Liegen wir mit diesem Eindruck richtig und wo ist da Depot Basel einzuordnen?

Moritz Walther: In Basel gibt es haufenweise Museen, aber im Hinblick auf, nennen wir es mal haptische Gestaltung, gibt es eigentlich nur das Vitra Design Museum. Auch wenn es eigentlich nicht in Basel liegt, spürt man hier seinen Einfluss. Die Stadt selbst hatte auch einmal einen Ausstellungsraum für Design, aber der ist mittlerweile leider geschlossen. Wir glauben, dass solch ein Ort in Basel als eine Art Erweiterung und Kontrast zu all den Kunstmuseen und -galerien wirklich wichtig ist.

(smow)blog: Es handelt sich ja nicht im eigentlichen Sinne um ein berufsmäßiges Projekt, da niemand wirklich bei Depot Basel angestellt ist, auch wenn ihr mittlerweile die 6. Ausstellung zeigt und die 7. schon vorbereitet – und das innerhalb des ersten Jahres. Wie organisiert ihr denn eigentlich die ganze Arbeit?

Moritz Walther: Wir haben einen Masterplan, über den wir auch die Verantwortungsbereiche im Team aufgeteilt haben. So war Laura zum Beispiel Hauptverantwortliche für die Ausstellung Sitzgelegenheiten, Matylda übernimmt die gleiche Rolle für die kommende Ausstellung Handwerk und Szenografie, Julia und Katharina fürs aktuelle Projekt Bring a Ding. Und zwischen den Hauptausstellungen haben wir noch die Einblick-Reihe, wo einzelne Designer sich selbst, ihre Arbeit, ihre Inspirationen etc. vorstellen können, außerdem veranstalten wir Filmabende. Für all diese Events leisten wir alle unseren Beitrag, wo und wann immer wir können. Aber wie du schon angedeutet hast, haben wir alle auch noch “echte Jobs”, damit wir unsere Rechnungen bezahlen können. Depot Basel ist also ein unbezahltes, durch Leidenschaft getriebenes Projekt.

(smow)blog: Die Ausstellung Bring a Ding lief bis zum 27. Mai. Nur ganz kurz: Was ist der Hintergrund vom Projekt und was das Ziel?

Moritz Walther: Die grundsätzliche Idee ist es, Kinder dazu zu bringen, den Wert von Gegenständen zu verstehen. Also zum Beispiel zu begreifen, dass Dinge, die kaputt sind oder nicht länger benötigt werden, nicht automatisch Müll sind, sondern immer noch eine Bedeutung und eine Geschichte haben. Die Kinder sollten zuerst einen Gegenstand auswählen, dann seine Geschichte dokumentieren und das Objekt hier mithilfe von drei professionellen Designern umgestalten bzw. in einen neuen Kontext setzen. Hier in der Ausstellung zeigen wir den gesamten Prozess: von der Suche übers Umgestalten bis hin zu den fertigen Objekten.

(smow)blog: Was kommt denn nach Bring a Ding, wie sehen die nächsten Projekte aus?

Moritz Walther: Ende Mai werden wir die meisten Exponate aus den Ausstellungsräumen nehmen, denn dann kommt die Art Basel Ausstellung Handwerk und Szenografie, die am 11. Juni eröffnet und einen Monat dauern wird. Dann machen wir eine kurze Sommerpause, bis wir im August unsere Musterzimmer-Ausstellung eröffnen. Dabei handelt es sich um Prototypen oder so was wie Showrooms, die kreiert wurden, um aktuelle bzw. zukünftige Trends der Möbel- und Architekturindustrie zu zeigen. Wir möchten diese Tradition ein wenig wiederbeleben und junge Designer dazu herausfordern, zu zeigen, wie sie die Häuser der Zukunft sehen.

Mehr Infos zu Depot Basel gibt’s unter http://depotbasel.ch.

Einen Abstecher zum Depot Basel kann man zum Beispiel gut während der bevorstehenden Design Miami Basel (12. bis 17. Juni) unternehmen. Das klappt unter anderem auch ganz gut, weil man mit dem Bus 55 direkt vom Badischen Bahnhof Basel (im Grunde also eigentlich die Messe) übers Depot Basel zum Vitra Campus kommt. Ein Bus, drei Designhighlights. Ein etwas reißerischerer Blog würde das als “Designtour” empfehlen…

Mehr Fotos von Bring a Ding haben wir als Facebook Galerie veröffentlicht.

Depot Basel

Depot Basel mit Exponaten der Ausstellung "Sitzgelegenheiten"

Depot Basel Bring a Ding

Teil von "Bring a Ding" bei Depot Basel (sorry, aber wir haben leider den Namen des Designers vergessen)



Bauhaus: Art as Life @ Barbican Art Gallery London: Dr. Annemarie Jaeggi

Tuesday, May 8th, 2012

Am 3. Mai wurde die Ausstellung “Bauhaus: Art as Life” in der Barbican Art Gallery London eröffnet. In Kooperation mit dem Bauhaus Archiv Berlin, der Stiftung Bauhaus Dessau und der Klassik Stiftung Weimar organisiert, zeigt “Bauhaus: Art as Life” ungefähr 450 Arbeiten von Künstlern, wie Marianne Brandt, Wassily Kandinsky, Marcel Breuer, Walter Gropius usw., und ist damit die erste große Bauhaus-Ausstellung in Großbritannien seit 1968.

Bald wird noch ein Post über die Ausstellung als Ganzes folgen, für den Moment gibt es unser Interview mit der Bauhaus Archiv Berlin Direktorin, Dr. Annemarie Jaeggi, zu lesen, mit der wir vor der offiziellen Eröffnung über die Ausstellung und die Rolle vom Bauhaus im Vereinigten Königreich gesprochen haben.

(smow)blog: Zuerst zum Hintergrund: Haben die drei Bauhaus Institutionen das Barbican mit der Idee zur Ausstellung angesprochen oder kam das Barbican auf Sie zu?

Dr. Annemarie Jaeggi: Das Barbican kam 2009 während der Ausstellung “Modell Bauhaus” in Berlin mit der Anfrage auf uns zu, ob es möglich wäre entweder diese oder eine andere Bauhaus-Ausstellung 2012 in London zu zeigen.

(smow)blog: Die Entscheidung fiel schließlich auf eine andere Ausstellung. Warum wurde nicht einfach die Ausstellung von 2009 nach London gebracht?

Dr. Annemarie Jaeggi: “Modell Bauhaus” war eine sehr teure Ausstellung und für das 90-jährige Jubiläum des Bauhauses gedacht. Und auch wenn sie in reduzierter Form nach New York ging, erwies sich die Ausstellung als nicht besonders praktikabel für ständige Leihgaben – nicht zuletzt, weil die Objekte aus verschiedenen Quellen stammten und es für uns nicht möglich gewesen wäre, diese als dauerhafte Leihgabe zu halten.

Also dachten wir “Ok, machen wir die Dinge etwas anders” und so haben wir als die drittgrößte Bauhausinstitution unsere Sammlung für das Barbican zugänglich gemacht, das die Ausstellung dann selbst kuratiert hat. Am Ende waren ungefähr 70 % der Exponate aus Dessau, Weimar und Berlin und ungefähr 30 %  stammen aus der englischen Sammlung, einige Objekte sind außerdem Leihgaben zum Beispiel vom Centre Pompidou, MoMa New York oder Zentrum Paul Klee in Bern.

(smow)blog: Eine Bauhaus-Ausstellung in Großbritannien wirft eine Reihe auf der Hand liegender Fragen auf. Zuerst, Ihrer Meinung nach, hat die Arts and Crafts Movement eine Rolle bei der Etablierung des Bauhauses gespielt oder gibt es da keine wirkliche Verbindung.

Dr. Annemarie Jaeggi: Ich bin nicht davon überzeugt, dass das eine Rolle gespielt hat. Arts and Crafts war sehr wichtig für die Wiederentdeckung von traditionellem Handwerk, insbesondere einer qualitativ hochwertigen und reinen Form des Handwerks. Und das hatte einen großen Einfluss auf Deutschland, was Jugendstil und den Deutschen Werkbund betrifft. In dieser Periode kam also ein Impuls aus England. Jedoch denke ich, traf dieser weniger das Bauhaus, da diese Bewegung viel mehr von der Situation in Deutschland nach dem Ersten Weltkrieg beeinflusst worden war. Natürlich gibt es bei allen Strömungen Gemeinsamkeiten, weil sie alle handwerkliche Elemente beinhalten und Handarbeit als Werkzeug verstehen, um zu lernen, wie man mit verschiedenen Materialien arbeiten kann, was möglich ist und wo die Grenzen eines Materials liegen. Außerdem verfolgen alle die Idee eines ehrlichen Materialgebrauchs – dass man also nicht gegen die Eigenschaften eines Materials arbeiten sollte. In diesem Sinne könnte man durchaus sagen, dass es da Parallelen gibt.

Aber was Bauhaus schließlich zu dem gemacht hat, wofür wir es heute kennen, kommt aus einer andere Richtung, nämlich Designer auszubilden oder, um die Sprache der Zeit zu nutzen, Formgestalter auszubilden, die mit und für die Industrie arbeiten. An diesem Punkt trennen sich Arts and Crafts und Bauhaus.

(smow)blog: Wenn wir das richtig verstanden haben, hatte das Bauhaus also keinen nennenswerten Einfluss auf das Vereinigte Königreich. Für uns könnte man fast von Großbritannien als dem Land sprechen, das das Bauhaus vergessen hat. Ist das der Fall?

Dr. Annemarie Jaeggi: Mittlerweile sieht man das etwas anders. Früher galt es als unbestritten, dass das Bauhaus in Großbritannien nur eine kleine, wenn nicht gar keine, Spur hinterlassen hat – dass die Bauhäusler, die nach Großbritannien emigriert sind, etwas zu früh kamen. England war damals fest verwurzelt in seiner eigenen Tradition und der Wechsel zur Moderne erfolgte nur sehr zögerlich und wurde bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges nicht wirklich vollzogen. Wie auch immer, heutzutage gibt es diesen Hang dazu, immer nur auf die prominenten Bauhäusler zu blicken. Aber was ist mit den vielen anderen, weniger bekannten, die Deutschland verlassen mussten? Solche, die im Vergleich zu Walter Gropius oder Marcel Breuer an einigen von Englands wichtigsten Colleges gelehrt haben, und deren Beitrag zur britischen Kunst und dem Design erst nach 1945 bemessen werden konnte. Das ist ein Thema, das bis heute nicht vollständig erforscht wurde, aber was hoffentlich weiter, idealerweise mit britischen Institutionen zusammen, untersucht werden wird.

(smow)blog: Und in diesem Kontext kann die Ausstellung als guter Ausgangspunkt für eine tiefergehende Studie über die Beziehung zwischen Großbritannien und dem Bauhaus gesehen werden?

Dr. Annemarie Jaeggi: Ja, es ist eine wundervolle Gelegenheit deutlich zu machen, welche Gebiete einer intensiveren Auseinandersetzung bedürfen – einschließlich Gebieten von speziellem historischen Interesse für Großbritannien. Und ich hoffe, dass die Ausstellung einen kleinen Impuls in diese Richtung geben kann.

(smow)blog: Noch kurz zum Schluss, wie schon gesagt, war “Modell Bauhaus”  nicht als Wanderausstellung geeignet. Ist “Bauhaus Art as Life” besser dafür geeignet? Könnte die Ausstellung potentiell zur Wanderausstellung werden?

Dr. Annemarie Jaeggi: Ich denke nicht. Viele der Objekte hier sind sehr empfindlich. Wir haben zum Beispiel eine unglaublich große Menge von Ausstellungsstücken auf Papier, die sehr lichtempfindlich sind. Außerdem muss man bedenken, dass die Stücke 80 oder 90 Jahre alt sind und das Papier, das damals benutzt wurde, war wirklich von schrecklicher Qualität; die Jahre nach dem Ersten Weltkrieg waren sehr harte Jahre und die Qualität des Papiers spiegelt genau das wieder. Die Textilien zum Beispiel wurden außerdem noch mit natürlichen Farbstoffen gefärbt – und die verblassen natürlich ziemlich schnell unter Lichteinfluss. Und so bevorzugen wir es, eine große Ausstellung alle zwei oder drei Jahre an einem Ort zu veranstalten und wollen nicht die Risiken von Wanderausstellungen auf uns nehmen.

(smow)blog: Das heißt, die Ausstellung hier bietet eine einmalige Gelegenheit, die Auswahl der Objekte in dieser Form, an einem Ort zu sehen?

Dr. Annemarie Jaeggi: Ja. Und die letzte große Bauhaus-Ausstellung in London war 1968… Es ist also etwas einzigartiges und sehr besonders.

Bauhaus “Art as Life” ist noch bis zum 12. August 2012 in der Barbican Art Gallery London zu sehen.

bauhaus art as life barbican art centre london
Bauhaus: Art as Life @ Barbican Art Gallery London
bauhaus art as life barbican art centre london
Bauhaus: Art as Life @ Barbican Art Gallery London
bauhaus art as life barbican art centre london
Bauhaus: Art as Life @ Barbican Art Gallery London


V&A Museum London: British Design 1948-2012. Innovation in the Modern Age

Monday, May 7th, 2012

Ende März hat das V&A Museum London die Ausstellung “British Design 1948-2012. Innovation in the Modern Age” und damit die Hauptsommerausstellung sowie den tragenden Pfeiler ihrer Huldigung aller britischen Dinge im Jahre 2012 eröffnet.

Die Geschichte des Designs in Großbritannien seit der letzten Londoner Olympiade dokumentierend, beginnt “British Design 1948-2012″ in einer Zeit, in der sich die Briten vom Trauma des Zweiten Weltkrieges erholt und begriffen haben, dass in den Trümmern des Krieges die Chance liegt, die Gesellschaft und Wirtschaft neu zu ordnen und den Grundstein für eine schöne neue Zukunft zu legen. Und geht man durch die Ausstellungsräume von “British Design 1948-2012″ kann man kaum mehr leugnen, dass es tatsächlich dieser Prozess der Erneuerung war, der die Basis für die Geschichte modernen britischen Designs bildete.

Durch soziale Umstrukturierung, Massenimmigration, Jugendarbeitslosigkeit usw. bildeten sich die ersten Subkulturen unter Jugendlichen heraus und, wie die Ausstellung deutlich macht, ist insbesondere diese vielfältige Jugendkultur es, die die Geschichte vom britischen Design seit dem Krieg maßgeblich mitbestimmt hat.

Wir sagen nicht, dass alle britischen Designepochen ihren Ursprung in der Jugendkultur haben. Wir sagen auch nicht, dass Großbritanniens besten Designer überhaupt von der Jugend auf der Insel beeinflusst worden waren. Jasper Morrison, zum Beispiel, wurde zu dem Designer, der er heute ist, weil er die Memphis Gruppenausstellung in Mailand besucht hat und Zeit in Berlin mit Andreas Brandolini, Axel Kufus und anderen Mitgliedern der “Neues deutsches Design”-Bewegung verbrachte. Was jedoch nicht abzustreiten ist, ist dass es einen Einfluss der Jugendkultur auf die Geschichte des britischen Designs gab und dass dieser sich bis zum heutigen Tag auswirkt.
Nun…, so ganz richtig ist das nicht. Irgendwo in den späten 1990ern verliert sich der Faden, aber darauf kommen wir noch….

 

V&A Museum London British Design 1948-2012 Innovation in the Modern Age london john piper the englishmans home

Ein Teil von "The Englishman's Home" von John Piper bei "British Design 1948-2012. Innovation in the Modern Age" @ the V&A Museum London

Nimmt man eine sehr weite Definition von “Design” und zieht so viel wie möglich aus den Unterkategorien heraus, erinnert “British Design 1948 -2012″ an die Charakteristik einer Flunder: viel breiter als tief. Was nicht heißen soll, dass diese Tatsache die Ausstellung oder das Erlebnis für die Besucher schmälern würde…

In einem Interview, das wir hoffentlich bald posten können, erzählt uns der Direktor eines führenden europäischen Designmuseums, dass die Rolle eines Museums tatsächlich die ist, die Sammlung zu nutzen, um Geschichten zu erzählen und man müsse sich nur entscheiden, welche. Das V&A hat sich entschieden, sich in die Tiefen ihrer britischen Sammlung zu stürzen, um britisches Nachkriegsdesign in seinen sozialen, kulturellen und historischen Kontext zu setzen. Eine ziemlich gelungene Geschichte, wie wir finden.

Vom Brutalismus der 1950er über die Swinging Sixties bis hin zum Punk der 70er, Rave der 80er und Cool Britannia der 90er sowie allem dazwischen zeigt die Ausstellung über 350 Exponate, die die Entwicklung des Designs im Vereinigten Königreich ausgezeichnet erklären.

Und schließlich stellt die Ausstellung die Frage der Fragen: Der Olympiade 1948 folgte das Fesitival of Britain, was den Anstoß für den britischen Nachkriegsaufschwung gab… Was werden also die Spiele von 2012 bewirken? – Es ist eben eine große Sache mit den Erwartungen auf den britischen Inseln und den Spekulationen, ob die Olympischen Spiele 2012 auch ein schönes neues Zeitalter einläuten werden. Auch wenn natürlich kaum jemand wirklich daran glaubt…

Alle in der Ausstellung gezeigten Exponate früherer Jahrzehnte wurden in Großbritannien produziert. Wir vermuten, das ist hauptächlich der Alternativlosigkeit geschuldet. Heutzutage kann im Ausland produziert werden. Und die Designs führender zeitgenössischer Designer werden das auch. Barber Osgerby arbeitet derzeit mit Vitra, Magis, ClassiCon und flos zusammen; Benjamin Hubert mit De Vorm, De La Espada und &Tradition; Doshi Levien mit Moroso, Cappellini und Richard Lampert.

Wir wollen das überhaupt nicht verurteilen. Das ist ja nichts schlechtes. Vor allem ist es aber eine Situation, die sich – wenn wir mal ehrlich sind – nicht ändern lassen wird. Nur bedeutet es eben auch, dass – egal, wie erfolgreich britische Designer sein werden – ihr Beitrag zu Großbritanniens Bruttoinlandsprodukt unerheblich sein wird.

Auffallend bei der Ausstellung ist außerdem, wie das Wesen des britischen Designs gezeichnet wird. Die Exponate können vorwiegend als ikonische, stylische und attraktive Objekte charakterisiert werden. Großbritanniens “zeitgenössische Designtradition” besitzt also anscheinend keinerlei Werke, die man als wirklich innvovativ bezeichnen könnte oder die so etwas wie eine globale Bewegung losgetreten haben.

“Aber was ist mit der Concorde?”, hören wir es da gleich aus der ersten Reihe rufen. “Die entstand  in Zusammenarbeit mit Franzosen und ist zwar ohne Frage ein Symbol für luxuriöse Flugreisen, aber was hat die Concorde zur modernen Luftfahrt beigetragen?”, antworten wir da.

Und ja, Jonathan Ive wurde für seine Leistungen im Design sogar zum Ritter geschlagen. So ein MacBook sieht ja auch wirklich sehr gut aus, aber für die Funktion eines Apple Produkts ist sein Entwurf nicht ausschlaggebend. Er sorgt (nur) dafür, dass die Geräte gut aussehen. Oder anders ausgrdrückt: Ive designt in feinster britischer Designmanier kultige, stylische Objekte.

Wie wir schon oft festgestellt haben, haben in den Jahren nach dem Krieg die ansteigenden verfügbaren Einkommen und die soziale Sicherheit einen Markt für Konsumgüter der Sorte Mary Quant oder Terence Conran geschaffen. Und die britische Jugend mit ihrer unbeugsamen Fähigkeit, die harte soziale Realität in kreative Energie umzuwandeln, lieferte dafür die musikalische Kulisse. British Design avancierte zu einem Teil des British Styles und rief in der ganzen Welt Neid hervor.

Aber wie wir bereits sagten, verlor man irgendwann Mitte der 1990er den Anschluss an die Jugendkultur. Doch während wir das normalerweise gerne Damien Hirst und seinen Kumpels von den Young British Artrists in die Schuhe schieben, müssen wir die Schuld dieses Mal leider an anderer Stelle suchen.

Das Problem ist das Internet – versteht man es als ein Medium, in dem wegen seiner rasanten Prozesse Jugendkulturen schon wieder abgeschrieben sind, bevor sie überhaupt die Möglichkeit hatten, sich zu entwickeln und Fuß zu fassen. Das steigende Tempo unserer digitalen Welt bedeutet, dass eine Massenbewegung wie die Ravekultur – die unserer Meinung nach die letzte wirklich große Jugendkultur war und die es noch vermochte Designer, wie Tom Dixon, ins Rampenlicht zu katapultieren – wahrscheinlich nie wieder möglich sein wird. Und ohne die Jugendsubkultur….

Aber zumindest in der Ausstellung hält man an den bewährten Strategien fest. Das “British Design 1948-2012″-Ausstellungsdesign wurde nämlich von Ben Kelly entworfen, der auch  Malcolm McLaren & Vivienne Westwoods Kings Road Boutique sowie das Interieur von Hacienda entwarf. Wir können uns kein besseres Beispiel für die Bedeutung von Jugendsubkulturen als führende Kräfte im British Design vorstellen.

V&A Museum London British Design 1948-2012 Innovation in the Modern Age FAC 51 Hacienda Ben Kelly

Teil vom Hacienda Interieur, entworfen von Ben Kelly. Gezeigt bei British Design 1948-2012. Innovation in the Modern Age. Ausstellungsdesign von .... Ben Kelly.

Wir sagen nicht, die Situation ist hoffnungslos. Britische Designer werden zweifelsfrei weiter nachgefragt werden, aber ihre Karrieren werden zunehmend von ausländischen Herstellern abhängig sein und die Entscheidungen über die Aufträge dieser Hersteller wiederum werden von globalen Marketing- und Verkaufsstrategien abhängen – anders als etwa die Graswurzelbewegung, die das Ansehen des British Designs einst begründet hat. So wie das “British” wird demzufolge auch das “British Design” immer schwieriger zu definieren sein. Aber das ist eine Frage des Nationalstolzes – und nicht einer Designtheorie.

Schließlich kann “British Design 1948-2012. Innovation in the Modern Age” entweder als Dokumentation der vergangenen 60 Jahre britischer Designgeschichte kombiniert mit einem Versuch, British Design in einem globalen Kontext zu verorten, gesehen werden – wie es sich die Kuratoren gewünscht haben – oder man betrachtet die Ausstellung als erste große Retrospektive des goldenen Zeitalters im British Design.

So oder so ist es eine wichtige Ausstellung und definitiv sehenswert.

“British Design 1948-2012. Innovation in the Modern Age” ist bis zum 12. August 2012 im V&A Museum London zu sehen.

V&A Museum London British Design 1948-2012 Innovation in the Modern Age concorde

Bereit, um dem Sonnenuntergang entgegen zu fliegen? Ein maßstabsgetreues Modell der Concorde bei British Design 1948-2012. Innovation in the Modern Age

 



Bauhaus-Archiv Berlin: Stühle ohne Beine – Interview mit Prof. Dr. Florian Hufnagl

Sunday, April 1st, 2012

Am 20. März hat das Bauhaus-Archiv Berlin seine Frühlingsausstellung “Stühle ohne Beine” eröffnet.

“Stühle ohne Beine” ist eine Hommage an den Freischwinger, an seine Entwicklung und Vielfältigkeit. Das relativ einfache Ausstellungskonzept transportiert auch eine einfache Botschaft: Einen Stuhl ohne Beine zu entwerfen bedeutet keine Einschränkung der Möglichkeiten. Weniger ist mehr ist hier nicht nur Designmaxime sondern auch Designherausforderung.

Mit 25 Stühlen aus der Neuen Sammlung – The International Design Museum Munich ist “Stühle ohne Beine” nicht nur die erste Zusammenarbeit des Bauhaus-Archivs mit der Neuen Sammlung sondern auch der Beginn der Reihe zu Gast im Bauhaus-Archiv, in der verschiedene internationale Museen eingeladen sind, speziell kuratierte Ausstellungen in der deutschen Hauptstadt zu präsentieren.

Zur Ausstellungseröffnung haben wir mit dem Direktor der Neuen Sammlung Florian Hufnagl über die Geschichte, Entwicklung und Bedeutung des Freischwingers gesprochen.

(smow)blog: Fangen wir beim Anfang an. Es gab und gibt immernoch Meinungsverschiedenheiten, wer den Freischwinger “erfunden” hat. Spielt die Debatte noch eine Rolle oder ist es lediglich relevant dass der Stuhl erfunden wurde?

Florian Hufnagl: Es ist heute schon noch wichtig, da es der erste Streit über das Thema Gestaltung war, der vor Gericht ausgetragen wurde. Dort wurde nicht nur eindeutug zugunsten von Mart Stam entschieden, sondern auch klar Marcel Breuers Beitrag definiert. So eine grundsätzliche Klärung ist bis zum heutigen Tage für jeden Entwerfer wichtig, weil es für ihn zumindest in Europa einigermaßen Sicherheit gibt.

(smow)blog: Denken Sie es war die richtige Entscheidung?

Florian Hufnagl: Ja, ich glaube schon, dass dort eindeutig richtig entschieden wurde.

(smow)blog: Die ersten Freischwinger waren ein Produkt ihrer Zeit …

Florian Hufnagl: … Ja, das war eine große Veränderung. Der große Schnitt.  Ich glaube, es gab im 20. Jahrhundert vielleicht drei große Schnitte: die Jahrhundertwende mit Josef Hoffmann, dann ganz allgemein gesagt die zweite Hälfte der 1920er Jahre und dann noch einmal von 1968-70. Das waren die großen Veränderungen in der Gestaltung, wo man sich getrennt hat vom Althergebrachten und neue mutige Wege eingeschlagen hat auf denen auch mal ein paar Freischwinger zu Bruch gingen – sozusagen eine Bruchlandung für die Designer, aber “no risk no fun”. Also hat es eine Weile gedauert, bis die Entwicklung weiter gehen konnte. Wenn man aber nicht an die Grenzen geht, wird man auch nicht weiterkommen.

(smow)blog: In Bezug auf den Freischwinger: Gibt es einen bestimmten Moment, an dem er zum erfolgreichen Massenprodukt wurde?

Florian Hufnagl: Wie viele Bauhausentwürfe, wurde der Freischwinger erst nach dem zweiten Weltkrieg und besonders in den 1960er Jahren populär.

(smow)blog: Die Ausstellung zeigt auch ein paar Plastikfreischwinger aus der DDR. War das eine typische DDR-Entwicklung: billige Massenproduktion …?

Florian Hufnagl: Es gibt eine ganze Reihe Entwürfe von DDR-Entwerfern zum Thema Freischwinger und es war immer die Absicht diese preiswert herzustellen.  Das war in Westdeutschland oder z.B. in Italien nicht anders. Vergessen Sie nicht, dass Firmen wie Kartell aus der ideologischen Not heraus mit Kunststoff gearbeitet haben um preiswerte, bunte Möbel für die Jugend zu produzieren, die man sich leisten kann, die man stapeln kann, die man wegstellen kan, die man immer wieder neu kombinieren kann. Die Entwerfer in der DDR hatten immer das Problem, dass die Mangelwirtschaft überall war, dass in der DDR zwar viel entworfen wurde, die Produkte aber nicht die Käufer erreichten. Viele Produkte gingen stattdessen in den Westen oder in die Sowjetunion – aber nicht in die DDR.

(smow)blog: Die Freischwinger spiegelten ihre Zeit immer auch im verwendeten Material wider. Denken Sie, Freischwinger bieten den Designern auch heute noch eine Plattform zum Experimentieren?

Florian Hufnagl: Beim MYTO von Konstantin Grcic, der in Zusammenarbeit mit BASF entstand, hat sich ein Weltkonzern mithilfe eines Designers fokussiert die Entwicklung eines neuen Materials weiter zu treiben. Das ist ein beispielhaftes Projekt, da es heute immer um neue Materialien geht. Wir brauchen neue Materialien in jeder Hinsicht – nicht nur um bestimmte Entwürfe herzustellen, sondern auch um Themen wie die Nachhaltigkeit zu lösen. Hergestellte Produkte müssen schließlich auch sinnvoll weiterverwendet werden können.

(smow)blog: In Ihrer Eröffnungsrede haben Sie angesprochen, dass der Stuhl bereits erfunden wurde, was die Hersteller aber nicht davon abhält, ein paar tausend “neue” Stühle in Mailand vorzustellen. Wo bleiben Sie als Museumsdirektor und Direktor einer Sammlung denn in Mailand stehen und schauen?

Florian Hufnagl: Der Zugang ist bei mir wie bei jeder Person, die die (Waren- und Konsum-)Welt um sich herum mit offenen Augen betrachtet, sehr emotional. Löst ein Stuhl eine Reaktion aus, weil er neu oder anders ist oder etwas möglich macht was bisher nicht bekannt war, ist das eine ganz ganz große Ausnahme: Vielleicht ein halber Stuhl von 100.

(smow)blog: Das heißt Sie reisen jedes Jahr mit großen Hoffnungen nach Mailand, aber kommen mit leeren Koffern zurück?

Florian Hufnagl: Ja, das passiert durchaus. Aber es gibt auch immer wieder Überraschungen. Die Warenwelt wird nun mal immer größer, die Bedürfnisse immer weniger. Die eigentliche Erfindung ist selten, aber das war auch im 20. Jahrhundert so und im 19. Jahrhundert nicht anders. Darum gibt es Museen, die das Besondere auswählen und zeigen und so einen Beitrag  zur Orientierung leisten.

“Stühle ohne Beine” ist bis zum 10. Juni 2012 im Bauhaus-Archiv Berlin zu sehen.

Bauhaus Archiv Berlin Stühle ohne Beine

Bauhaus Archiv Berlin: Stühle ohne Beine

Bauhaus Archiv Berlin Stühle ohne Beine Alexander Begge

Kinderstuhl von Alexander Begge bei Stühle ohne Beine im Bauhaus-Archiv Berlin

 

Bauhaus Archiv Berlin Stühle ohne Beine mart stam gas pipe chair

Gasrohrstuhl von Mart Stam bei Stühle ohne Beine im Bauhaus-Archiv Berlin



GRASSI Museum für Angewandte Kunst zu Leipzig: Jugendstil bis Gegenwart

Thursday, March 22nd, 2012

Am 4. März 2012 hat das GRASSI Museum für Angewandte Kunst zu Leipzig den letzten Teil seiner Dauerausstellung eröffnet; eine Ausstellung, die uns ganz besonders am Herzen liegt. Mittlerweile kennt ihr uns ja ein wenig und wisst, dass wir nichts gegen Barock oder antike japanische Möbel haben. Aber unsere Herzen schlagen einfach ein bisschen höher, wenn wir uns dem Ende des 19. Jahrhunderts nähern: Mies van der Rohe biegt Metall. Alvar Aalto biegt Holz. Verner Panton biegt Plastik. Axel Buether biegt Licht. Das alles gibt es in Jugendstil bis Gegenwart. …Und ein monumentales Schlafzimmerensemble von Ron Arad aus Baugerüststangen.

Grassi Museum for Applied Arts Leipzig Art Nouveau to Present Ron Arad
Schlafzimmer-/Schreibtischkombination von Ron Arad (1980). So gesehen im GRASSI Museum für Angewandte Kunst zu Leipzig.

Die Ausstellung beginnt im ausgehenden 19. Jahrhundert, zeigt Jugenstilobjekte und den maßlosen Pomp des frühen 20. Jahrhunderts, bevor sie dokumentiert wie Funktionalismus, Bauhaus und Modernismus alles wieder auf’s Wesentliche reduzieren. Der Zweite Weltkrieg wird dann metaphorisch über das wunderschöne Treppenhaus übersprungen.

Neben der Sammlung von Porzellan-Kaffeetassen, ist das erste, was die Aufmerksamkeit des Besuchers im Erdgeschoss auf sich zieht, der RAR von Charles and Ray Eames. Es folgt ein Stuhl-Tisch-Ensemble von Eero Saarinen, das perfekt von einer AJ Royal Hängelampe von AJ – Arne Jacobsen – angestrahlt wird.

Die Ausstellung führt weiter in die knallbunten Pop-Art-Welten und in die Postmoderne, bevor sie mit Sinneslandschaften, einer multimedialen Rauminstallation von Axel Buether und einer Gruppe seiner Studenten der Burg Giebichenstein Halle, endet.

Ein wahrer Star unter den zweifelsohne zahlreichen Highlights in Jugendstil bis Gegenwart ist die Rekonstruktion von Lilly Reichs Präsentationsmöbeln für Wilhelm Wagenfelds Glaswaren-Kollektion der Vereinigten Lausitzer Glaswerke (VLG) wie auf der Grassimesse 1936.

So faszinierend die Arbeiten selbst zweifellos sind, finden wir vor allem interessant wie die Präsentation sehr schön veranschaulicht, dass die Hauptaufgabe eines Museums das Dokumentieren ist. In diesem Kontext sind die durch die Ausstellung verstreuten Raumkonzepte ein weiteres Highlight. Wenn auch nicht besonders groß, so ermöglichen sie doch, die Möbel in ihrem entstehungsgeschichtlichen Kontext zu betrachten und die Beziehung der einzelnen Stücke zueinander zu verstehen.

Jugendstil bis Gegenwart vermischt außerdem auf eine sehr schöne Weise Design aus Ost und West: So findet man z.B. einen Staubsauger vom VEB Elektrowärme Altenburg aus dem Jahre 1962 neben einem Braun SK 5 von Dieter Rams und Hans Gugelot. Oder den besagten Eames RAR neben Erich Menzels “Model 50642″ für den VEB Sachsenholz Hellerau. Eine Mischung, die deshalb funktioniert, weil sie einfach die politische Situation, in der die Arbeiten entstanden sind, außen vor lässt und sich stattdessen auf die Arbeiten selbst und deren Relevanz konzentriert.

Grassi Museum for Applied Arts Leipzig Art Nouveau to Present Kinder Schaukelwagen Hans Brockhage Erwin Andrä
Kinder-Schaukelwagen von Hans Brockhage & Erwin Andrä. Wärt ihr in den letzten 6 Monaten in unserem Büro gewesen, wüsstet ihr, warum wir das so lustig finden…

Die Schwachstelle der Ausstellung ist für uns der wenig gelungene Versuch der Kuratoren mit der Tiefe des Themas umzugehen. Das GRASSI Museum hat ganz offensichtlich eine wunderbare Sammlung, aber leider keinen Platz, sie so auszustellen, dass ein tiefgehender Diskurs entstehen könnte.

Und so hat man sich bei Jugendstil bis Gegenwart für ein eher altmodisches Ausstellungskonzept entschieden, bei dem die Mehrheit der Objekte einfach im Raum aufgestellt und mit einer Infotafel versehen wird. Das ist ein Konzept, bei dem man unglaublich viel auf sehr kleinem Raum unterbringen kann – und das den Besucher vollkommen überfordert. Selbst wir sahen unser Interesse von Zeit zu Zeit aufgrund der monotonen und interaktionsarmen Anordnung schwinden.

Wie wir schon bei “Von Aalto bis Zumthor. Architektenmöbel” bemerkten, kann man bei einer Dauerausstellung mit so einem Konzept auskommen. Die Frage ist jedoch, ob “auskommen” genügt. Es wird auf jeden Fall interessant, wie in zukünftigen Sonderausstellungen mit der Situation umgegangen werden wird.

Nichtsdestotrotz ist Jugendstil bis Gegenwart eine durchaus empfehlenswerte Ausstellung. Denn neben den schönen Stücken selbst rundet sie die Dauerausstellung des GRASSI Museums auch ab, indem sie dem Betrachter ermöglicht, die Entwicklung des Designs nachzuvollziehen und somit zu verstehen, wo modernes Design überhaupt her kommt, und wie “modernes Design” im Kontext von “historischem Design” zu verstehen ist.

Grassi Museum for Applied Arts Leipzig Art Nouveau to Present Eero Saarinen Arne Jacobsen
Eero Saarinen & Arne Jacobsen in “Jugendstil bis Gegenwart” @ GRASSI Museum für Angewandte Kunst zu Leipzig


Furniture for the Senses – Finn Juhl 100

Thursday, February 23rd, 2012
Furniture for the Senses Finn Juhl 100 Portrait

Finn Juhl

Aufmerksame Leser wissen längst von der Ausstellung Album in der Vitra Design Museum Gallery über die Rolle von Zeichnungen und Skizzen in den Arbeiten der Brüder Bouroullec. Wer es nun aber in den nächsten Monaten nicht einrichten werden kann nach Weil am Rhein zu fahren, sich aber im Laufe des Jahres einmal in Kopenhagen aufhalten wird, hat die Möglichkeit eine thematisch ganz ähnliche Ausstellung zu besuchen. Im Designmuseum Danmark wird anhand der Arbeiten von Finn Juhl die Rolle von Kunst im Designprozess beleuchtet.

Finn Juhl ist – wenn auch weniger bekannt als manch anderer Däne – einer der bedeutendsten dänischen Möbelarchitekten des mittleren 20. Jahrhunderts und hätte 2012 seinen 100. Geburtstag gefeiert. Mit einer eigens für diesen Anlass kuratierten Ausstellung ehrt das Designmuseum Danmark seine Person sowie sein Werk.

Neben Möbeln, die die Besucher ausdrücklich anfassen und erforschen sollen (auf denen man also auch sitzen darf!), zeigt das Museum eine Sammlung restaurierter Aquarelle Juhns.

Obwohl er wie eigentlich alle großen Möbeldesigner des mittleren 20. Jahrhunderts eine Architektenausbildung als Hintergrund hat, hatte Juhn als junger Mann viel mehr eine akademische Karriere als Kunsthistoriker im Sinn. Seine Ambitionen in Richtung Kunst drücken sich deutlich in Form einer künstlerisch anmutenden Basis in seinen Aquarellen und Skizzen aus, die letztlich sein Verständnis für Design, Form und Ästhetik definiert. Was uns wieder zu Ronan & Erwan Bouroullec bringt…

Auch auf die Gefahr hin, Designkritiker in ganz Europa gegen uns aufzubringen, sind wir der Meinung, dass in Finn Juhls natürlicher, organisch fließender Formensprache und der nahtlosen Verknüpfung von Beständigkeit und  Kunstfertigkeit klare Parallelen – wenn auch nur partiell – zum Bourroullec’schen Werk zu erkennen sind. Wir denken hier insbesondere an Arbeiten wie den Slow Chair für Vitra, Steelwood für Magis oder Facett für Ligne Roset.

Wir haben die Ausstellung in Kopenhagen leider nicht besuchen können und können daher auch nicht viel darüber sagen. Doch wir sind große Fans von Finn Juhls Arbeit und sind daher generell der Ansicht, dass jede Ausstellung, die ihm gewidmet ist, einen Besuch wert ist.

Die Ausstellung Furniture for the Senses – Finn Juhl 100 läuft noch bis zum 31. Dezember 2012 im Designmuseum Danmark.

Zusätzlich zur Ausstellung veranstaltet das Museum verschiedene andere Events zur Feier des Jahrestages; viele davon in Zusammenarbeit mit dem Museum Ordrupgaard, an dessen Grundstück das einstige Wohnhaus von Finn Juhl angrenzt.

Mehr Infos gibt’s unter: http://designmuseum.dk

 

Furniture for the Senses Finn Juhl 100 Model 45

Furniture for the Senses - Finn Juhl 100. Ein Aquarell des Model 45 Armchairs (Foto: Pernille Klemp)

Furniture for the Senses Finn Juhl 100 Watercolour

Furniture for the Senses - Finn Juhl 100. Ein Aquarell von Finn Juhls Möbeln in einem Innendesignprojekt (Foto: Pernille Klemp)