IMM Cologne 2012: Müller Möbelfabrikation

January 26th, 2012

Und eine Schublade hat er auch noch. Eine Schublade! Ein Schreibtisch mit einer, quatsch, sogar mehreren Schubladen! Spätestens damit hatten sie uns.

Als könnten die Designer von Müller Möbelfabrikation unsere Gedanken lesen, sahen wir uns bei ihrem Stand in Köln vor dem tollsten Stahlschreibtisch überhaupt! Mit gaaanz vielen Schubladen! Und schon wieder hatten sie uns…

IMM Köln 2012 Müller Möbelfabrikation TB 299

Der TB 299 von Müller Möbelfabrikation auf der IMM Cologne 2012

Wenn wir etwas zu kritisieren hatten, dann nur die Entscheidung, den Schreibtisch in Orange auszustellen. Wenn es eine Farbe gibt, die man bei Ausstellungsbeleuchtung wirklich schwer fotografieren kann, dann Orange… Und ausgerechnet Orange lag am Stand der Müller Möbelfabrikation total im Trend.

Außerdem im Trend lagen dieses Jahr die Lippert Studios. Die waren nämlich, wenn auch nicht Urheber unseres Lieblingsschreibtisches, das dominante Designstudio am Müller Möbelfabrikation Stand. Im vergangenen Jahr noch mit nur einem Stück, dem PS08 Sekretär, vertreten, brachten die Lippert Studios es in diesem Jahr schon auf drei Produkte.

Der PS10 Sekretär ist eine offene Variante des PS08 mit einer etwas größeren Arbeitsfläche; der ST08 ist eine Schminktisch-Variante des PS08 und…

Nein, im Ernst! Es geht wirklich um einen Schminktisch.

Ausgestattet mit beleuchtetem Spiegel, eingelassenem Stauraum und einer Schublade, kommt der ST08 unserer romantischen Vorstellung von Schminktischen in den Garderoben von Provinztheatern sehr nahe. Auf jeden Fall sollten sie so aussehen… Der ST08 verfügt über die gleiche Grundform wie sein Vorgänger, der PS08. Das Gehäuse wirkt jedoch um einiges schlichter und verleiht der gesamten Konstruktion etwas sehr Durchdachtes. Und was vielleicht noch wichtiger ist: Das Gehäuse sorgt dafür, dass man in geschlossenem Zustand niemals erraten würde, was sich im Inneren des Tisches befindet.

Wir finden, der ST08 ist ein wundervolles Accessoire für alle modernen Stadtmädchen, die in einer modernen 1-Raum-Stadtwohnung leben.

IMM Köln 2012 Müller Möbelfabrikation Lippert Studios ST 08

Der Schminktisch ST08 von den Lippert Studios für Müller Möbelfabrikation. Hier in Benutzung.

Trotz unserer unverholenen Freude über den ST08 war für uns der LS05 das prägnanteste Ausstellungsstück. Geschlossen ist der LS05 ein schlichter Beistell- bzw. Couchtisch, ausgezogen ist er ein reizender Laptop-Tisch mit Schublade.
Was uns am meisten daran gefällt, ist die simple Auszugs-Konstruktion. Nun ja, wir ahnen da ein paar Platzprobleme… Man sollte sich auf jeden Fall vergewissern, dass genügend Platz hinter dem Tisch bleibt, sodass der obere Teil ausgefahren werden kann ohne Blumentöpfe oder kostbare Vasen umzuwerfen. Hat man den Platz, hat man mit dem LS05 einen wunderbaren, dreistöckigen Laptop-Arbeitsplatz in hinreißender Retro-Futurismus-Optik, der sich übrigens auch ziemlich gut als Beistelltisch,Telefontisch oder was auch immer eignen sollte.

Der LS05 war auf jeden Fall eines unserer Lieblingsstücke bei der IMM 2012.

Alles in allem war es wirklich schön zu sehen, wie Müller Möbelfabrikation und die Lippert Studios die Grundidee des originalen, vielfachen Preisträgers PS08 weiterentwickelt haben und somit eine sehr innovative und moderne Tischfamilie geschaffen haben.

Jetzt fehlt uns nur noch eine Version für die Küche.

IMM Köln 2012 Müller Möbelfabrikation Lippert Studios LS 05

Der LS05 Laptop-Beistelltisch von den Lippert Studios für Müller Möbelfabrikation. Hier vollständig geöffnet...

 

IMM Köln 2012 Müller Möbelfabrikation Lippert Studios

Der LS05, PS10 und ST08 von den Lippert Studios für Müller Möbelfabrikation auf der IMM Cologne 2012

 

IMM Köln 2012 Müller Möbelfabrikation bright

Die bunte Welt der Müller Möbelfabrikation...

IMM Köln 2012 Müller Möbelfabrikation colour

... wohin man auch sieht.



Design Museum Helsinki: DesignWorld

January 24th, 2012

Am 27. Januar eröffnet das Design Museum Helsinki mit der DesignWorld seine erste Hauptausstellung des Jahres 2012. Bedenkt man die Tatsache, dass die finnische Hauptstadt den Titel World Design Capital 2012 trägt, ist das keine unwesentliche Sache.

Gemäß dem Helsinki-Manifest für 2012 – wenn diese Formulierung nicht zu weit geht -, hinterfragt die DesignWorld, wie Design  Menschen, Gesellschaft und ihre Interaktion mit der Umgebung, beeinflussen bzw. verbessern kann. Mit “fertigen Produkten”, Prototypen und “Entwicklungskonzepten” beleuchtet die DesignWorld dabei Design unter anderem hinsichtlich Nachhaltigkeit, Verantwortung und Sicherheit.

Wir werden es leider nicht zur Eröffnung nach Helsinki schaffen. Aber allen, die gerade in Helsinki oder in der Nähe sind, können wir einen Abstecher zur Ausstellung nur wärmstens empfehlen.

Bei dieser Gelegenheit kann man auch schnell noch Finnish Design Unwrapped – A Deeper Look besuchen, bevor die Ausstellung am 29. Januar endet. Dort werden neben zeitgenössischen Designstücken Fotografien von 19 Designern, die vom in London lebenden finnischen Fotografen Jani Kaila aufgenommen wurden, gezeigt. Finnish Design Unwrapped ist die Eröffnungsausstellung der Ausstellungsreihe Design Gallery 12 des Design Museums Helsinki, bei der im Zuge der World Design Capital 2012 zwölf verschiedene, jeweils einen Monat dauernde Ausstellungen zu sehen sein werden.

Die DesignWorld im Design Museum Helsinki läuft bis zum 6. Mai 2012 und Finnish Design Unwrapped – A Deeper Look noch bis zum 29. Januar.

Mine Kafon Massoud Hassani

Mine Kafon von Massoud Hassani zu sehen bei der DesignWorld im Design Museum Helsinki

The Copenhagen Wheel MIT Senseable City Lab 2009 Photo Max Tomasinelli

The Copenhagen Wheel von MIT Senseable City Lab (Foto Max Tomasinelli)

UNWRAPPED STEFAN LINDFORS photos by Jani Kaila

Stefan Lindfors fotografiert von Jani Kaila für die Ausstellung Finnish Design Unwrapped – A Deeper Look



Weltmöbeltag 2012

January 20th, 2012

Es war vielleicht nicht ganz richtig, als wir sagten, es gäbe bei der IMM Cologne keine Möbel von Moormann. Einen tapferen, kleinen Vetreter konnten wir nämlich finden: den Strammen Max.

Allerdings fungierte er hier einmal nicht als Vetreter seines Designers oder Herstellers, er stand vielmehr stellvertretend als globaler Botschafter einer Idee, die so genial, so unfassbar einfach und notwendig ist, dass wir mehr als nur ein wenig neidisch sind, dass wir selbst nicht darauf gekommen sind: die Idee des Weltmöbeltages.

Die Veranstalter des Weltmöbeltags versuchen mithilfe zahlreicher Events am Sonntag, den 22. Januar, Spaß und Möbel wieder zusammenzubringen und unsere Bindung zu unseren Möbeln zu stärken.

Denn obwohl sich derzeit tausende “Trendsucher” ihren Weg durch die IMM Cologne bahnen, um nach irgendwas zu suchen, das sie als den Trend im Herbst 2012 abstempeln können, geht es bei Möbeln genau genommen ja weniger um Trends und ständig neue Kollektionen. Manche Teile der Möbelindustrie wollen uns das aber glauben machen. Sie versuchen uns davon zu überzeugen, dass Möbel lediglich saisonal rotierende Modeobjekte sind, auf denen man sitzen kann. Und das nur, um ihren Profit zu erhöhen. Diese Leute sind Scharlatane.

Möbel sind eine lebenslange Verpflichtung und nichts für ein nettes Wochenende, das nur darauf wartet durch etwas Frischeres abgelöst zu werden.

Die beiden Highlights des ersten Weltmöbeltages sind der Chair Slam in Berlin und der Möbelflashmob in Köln. Bei ersterem soll der Besucher seinen eigenen Stuhl mitbringen und das Publikum davon überzeugen, wieso gerade sein Stuhl der beste ist. Beim Flashmob sollen alle ein Möbelstück mit ins Kölner Stadtzentrum bringen und damit neben dem Dom ein “Freiluft-Wohnzimmer” gestalten. Einfach genial!

Und natürlich sind alle dazu angehalten, ihr eigenes, lokales Event zu organsieren und den Weltmöbeltag so zu feiern, wie man es gerne möchte. Und wenn nicht in diesem Jahr, dann eben im nächsten.

Denn natürlich wird eine Idee wie die des Weltmöbeltages eine alljährliche Wiederholung finden und immer wieder aufs neue das ehren, was an Möbeln gut, lustig und persönlich ist. Oder um es kürzer auszudrücken: Der Weltmöbeltag 2013 ist bereits in Planung.

Mehr Details und Hintergrundinfos zum Weltmöbeltag 2012 gibt’s unter http://www.weltmoebeltag.de.

weltmöbeltag 2012

Weltmöbeltag 2012 Botschafter Strammer Max im IMM Cologne Presseraum



Tatort Köln: Design braucht Täter 2012

January 19th, 2012

Abgesehen vom Ausstellungskonzept und der stets perfekt gewählten Location gibt es noch einen anderen Grund, warum wir uns immer besonders auf Design braucht Täter freuen: Jedes Jahr entdecken wir etwas Neues.

2012 bildet da keine Ausnahme – auch wenn wir uns in diesem Jahr zugegebenermaßen heimlich reingeschlichen haben, als noch aufgebaut wurde und wir deshalb gar nicht alle Aussteller sehen konnten. Wir wissen, dass das nicht gerade die feine Art ist… Sorry… Aber wir haben eben einen vollen Zeitplan. Uns blieb also gar nichts anderes übrig. Und wenn man schon mal so dreist ist, wie wir es nun mal sind… Was spricht dagegen?

Design braucht Täter 2012 Schreibtisch für Zwei by Handwert Möbeldesign

Design braucht Täter 2012: Schreibtisch für Zwei von Handwert Möbeldesign

Schreibtisch für Zwei von Handwert Möbeldesign ist – wie der Name schon sagt – ein Schreibtisch, der für zwei konstruiert wurde. Und eine Schublade hat er auch noch. Eine Schublade! Ein Schreibtisch mit einer, quatsch, sogar mehreren Schubladen! Spätestens damit hatten sie uns.

Einen Schreibtisch, an dem bequem zwei Menschen arbeiten können, halten wir für wirklich sinnvoll. In modernen Büros arbeitet man ja häufig mit platzsparenden “Insel-Konzepten” – besonders in sogenannten “Startups” oder bei rückwärtsgewandten Dorfverwaltungen in Brandenburg. Nachteile dieser Konstruktionen sind nicht nur, dass immer unzählige Kabel und anderer Kram zwischen den Tischen stören, sondern dass, die Größe eines solchen geteilten Arbeitsplatzes laut EU-Richtlinie nicht mal für Legehennen tragbar wäre. Wieso sollte man also nicht direkt zwei Personen pro Arbeitsplatz einplanen?

Der wunderschöne, aus Eiche gefertigte Schreibtisch für Zwei verfügt nicht nur über Schubladen, sondern auch über einen Spalt in der Mitte, der als Versteck für Kabel sowie Halterung für die integrierten Plastik-Stiftehalter geradezu prädestiniert ist.
Unser Einrichtungstipp: Die Auswahl an Dingen, die man im Spalt unterbringen kann, ist beliebig um z.B. Blumentöpfe, Lautsprecher, Ladegerät fürs Telefon, Kabelkorb, Notizblockhalter, Lampen usw. erweiterbar.

Design braucht Täter Köln 2012 bench2bed thomas bohm

Design braucht Täter 2012: Bench2bed von Thomas Bohm

Bench2bed des Dortmunder Designers Thomas Bohm hat vor der Ausstellung nicht gerade unsere Aufmerksamkeit erregt. Doch das hat sich während der Ausstellung geändert. Im Wesentlichen handelt es sich bei dem Stück um eine Bank, die in ein Bett verwandelt werden kann – eine Variation des Bettsofas also. Das hat uns echt gut gefallen, aber natürlich mussten auch wir uns fragen: Braucht man so was wirklich? Eine Bank, die zu einem Bett wird… Wir sind zugegebenermaßen noch nicht hundertprozentig überzeugt. Oder waren wir einfach nur von der Stahl/Holz-Optik irritiert, die ein wenig an Gartenmöbel erinnert? Nichtsdestotrotz lieben wir den Gedanken hinter dem Projekt. Und auch wenn Bench2bed nicht Bohms kommerzieller Durchbruch sein wird, so zeigt sich in der Konstruktion doch ein Designgeist mit der richtigen Einstellung und einer gesunden Abneigung gegen Konventionen.

Design braucht Täter Köln 2012 moveo reditum

Design braucht Täter 2012: Moveo von Reditum

Ein anderes Projekt, das uns im Warm-up der Ausstellung noch nicht sonderlich begeistert hat, es letztlich aber doch unter unsere Design braucht Täter Favoriten geschafft hat, war Moveo vom Kölner Hersteller Reditum.

Wie treue Leser wissen, sind wir, was recycelte Möbel angeht, nicht so einfach zufrieden zu stellen. Wir sind wahrscheinlich die einzigen, die Piet Hein Eeks Holzstühle und -tische eher unter Grafikdesign als Möbeldesign verbuchen würden… Doch Moveo hat uns überzeugt.

Zusammengesezt aus Teilen von alten Paletten, alten Fahrradschläuchen und Metallteilen, ist Moveo eine Reihe von Kisten, die entweder zusammengesteckt oder als Regalsystem aufgehangen werden können.

Wir vermuten, wir haben Moveo unseren Segen gegeben, weil es sich ebenso wie hommage au vélo von Sebastian Donath, nicht nur auf seine recycelte Natur fixiert. Nach dem Motto: “Seht mich an! Seht mich an! Ich bin recycelt. Ich bin so cool!” Stattdessen ist es in erster Linie ein schönes, gut gemachtes und funktionales Produkt. Das und die Tatsache, dass es uns an die Holzkisten von Le Corbusier erinnert, die Cassina bei der IMM 2011 wieder eingeführt hat.

Und jetzt ratet mal, von wem wir glauben, dass er in einer Zeit der ökologischen und sozialen Instabilität am verantwortungsvollsten mit verfügbaren Ressourcen umgeht…

Design braucht Täter Köln 2012 solo stefan weiser

Design braucht Täter 2012: Solo von Stefan Weiser

Auch das Regalsystem Solo von Stefan Weiser sollte an dieser Stelle lobend erwähnt werden. Dabei handelt es sich um ein Aufbewahrungselemnet, das zum Transport flach zusammengefaltet werden kann – und aufgeklappt funktioniert es ganz wunderbar als Raumtrenner. Wir sind uns nicht so sicher, ob eine textile Hülle die beste Wahl war, aber das könnte auch nur unsere törichte, subjektive Meinung sein. Für uns ist das Konzept es durchaus wert, weiterentwickelt zu werden, denn wir sehen darin eine Menge Potential – und das nicht nur für zuhause…

Und dann war da natürlich noch Becherlicht, das uns noch immer wohlig erschauern lässt.

Wenn ihr bei der IMM in Köln seid, können wir euch wärmstens empfehlen, einen Abstecher zu Design braucht Täter zu machen. Besonders am Donnerstagabend, den 19. Januar, wenn von 18-23 Uhr die verspätete Vernissage stattfindet.

Und wenn ihr auf etwas wirklich gutes stoßen solltet, das wir hier nicht erwähnt haben, lasst es uns bitte wissen.

Design braucht Täter 2012 findet bis Sonntag, den 22. Januar, in der Hochbunker Körnerstr. 101, 50825 Köln statt.

 



MAKK Fortsetzung: Thonet, Ron Arad, Satyendra Pakhalé

January 18th, 2012

Neben der Ausstellung “Von Aalto bis Zumthor: Architektenmöbel” präsentiert das Museum für Angewandte Kunst Köln seine neuesten Errungenschaften: 10 frühe Stühle von Michael Thonet und ein seltenes Stück von Jacob und Josef Kohn, außerdem 2 monumentale, modern-abstrakte Metallmöbel: “2 R Not” von Ron Arad und den “Bell Metal Horse Chair” von Satyendra Pakhalé.

Die Thonet Stühle werden zurzeit in einer besonderen Vitrine ausgestellt, die die Entwicklung des Werkes von Michael Thonet wunderbar porträtiert.

Und wie um den Begründer der industriellen Möbelproduktion zu verspotten, haben die Kuratoren 2 R Not und den Bell Metal Horse Chair wie zwei mechanische, futuristische Türsteher direkt vor der Thonet Ausstellung aufgestellt.

Michael Thonet und Ron Arad. Die Gegenüberstellung des Jahres.

Museum für Angewandte Kunst Köln Thonet Ron Arad

Michael Thonet. Ein Mann mit einer Vision, die er nie aufgab...

 

Museum für Angewandte Kunst Köln Thonet Ron Arad

Michael Thonet und sein "Boppard Stuhl"

Museum für Angewandte Kunst Köln Thonet Ron Arad

Michael Thonet vs. Ron Arad



Museum für Angewandte Kunst Köln: Von Aalto bis Zumthor. Architektenmöbel

January 17th, 2012

Wie es die Tradition so will, richtet das Museum für Angewandte Kunst Köln (MAKK) auch in diesem Jahr wieder, wenn in Köln die Möbelmesse IMM stattfindet, eine Sonderausstellung zum Thema Möbel aus.

Unter dem Titel “Von Aalto bis Zumthor. Architektenmöbel” stellt das MAKK über 120 verschiedene Möbel aus, denen eins gemein ist: sie wurden alle von Architekten designt.

Museum für Angewandte Kunst Köln Von Aalto bis Zumthor Architektenmöbel

Museum für Angewandte Kunst Köln: Von Aalto bis Zumthor. Architektenmöbel

Wie treue Leser längst wissen werden, ist der “Möbel-Architekt” eines unserer Lieblingstehmen. Und das nicht nur, weil solche Architekten einige wirklich fantastische Arbeiten hervorgebracht haben – und das oft nur aus purer Leidenschaft und mit wenig oder gar keinen finanziellen Ambitionen -, sondern weil wir glauben, dass das Verstehen des “Möbel-Architekten” eine wichtige Basis für das Verstehen der Möbelindustrie und letztendlich guten Möbeldesigns ist.

In der Pressemitteilung erklärt das MAKK, dass viele der Architekten zum Möbeldesign gekommen seien, weil sie auf dem Markt kein passendes Mobiliar für ihre Projekte gefunden hätten.

Es ist naturgemäß nicht unsere Art alteingesessenen und anerkannten Designmuseen zu widersprechen.

Aber.

Wir glauben zwar auch, dass der Notwendigkeitsaspekt in manchen Fällen bestimmt ein entscheidender Faktor gewesen ist, der Wunsch ein Projekt vollständig zu kontrollieren und so eine formale Einheit zu schaffen in vielen Fällen aber als bedeutender einzuordnen  ist.
Wir haben einige hübsche Zitate gefunden; z.B. wie Egon Eiermann nur zustimmen wollte, ein Haus in Berlin zu entwerfen, wenn er auch die Möbel gestalten durfte; oder wie Arne Jacobsen ähnliche Forderungen stellte, bevor er die Aufträge für das SAS Royal in Kopenhagen und das St. Cahthrines College in Oxford akzeptierte. Und Le Corbusier hat seine sozialen Wohnungsbauten der 1950er nur nicht selber eingerichtet, weil IKEA noch erfunden werden musste.

Für uns ist diese Unterscheidung so wichtig, weil sich aus ihr etwas entscheidendes herauslesen lässt: Die Motivation definiert den Hintergrund der entworfenen Möbel und unterstreicht als solches die Art und Weise, wie die Architekten dachten und arbeiteten.

Was unstrittig ist, ist der Wert der Arbeiten.

Museum für Angewandte Kunst Köln Von Aalto bis Zumthor Architektenmöbel

10 Unit System von Shigeru Ban über Artek (2009)

Neben Stücken aus der museumseigenen Sammlung wird “Von Aalto bis Zumthor. Architektenmöbel” durch Leihgaben vervollständigt und erzählt die Geschichte eines ganzen Jahrhunderts “Möbel-Architekten”. So beginnt die Ausstellung bei Werken von Hoffmann, Wagner oder Emil Beutinger. Letzterer ist mit seiner wunderbaren Kücheneinrichtung aus dem Jahr 1903 vertreten. Das Ensemble enthält einen “Sitzschrank”, der auch aus einer Haute Couture Kollektion des Ateliers Moormann stammen könnte.

Im Vergleich zu der dezenten Eleganz vieler früher Stücke, konnten wir uns nicht dem Eindruck entziehen, dass viele modernere Stücke förmlich schreien “Sieh mich an!”.

Natürlich wissen wir, dass der Wunsch nach Aufmerksamkeit noch ganz andere Ausmaße annehmen kann. Man denke nur an Menschen, die ihrer Berühmtheit wegen in den australischen Dschungel ziehen und vor laufender Kamera Kangaroohoden essen, nur um mit dem, “was sie der Gesellschaft hinterlassen haben”, in Erinnerung zu bleiben. – So um Aufmerksamkeit bemüht waren wirklich nur die allerwenigstens Stücke in der Ausstellung.

Nun könnte man argumentieren, dass der Grund dafür ist, warum viele der Vorkriegsmöbeldesigns im Gegensatz zu den modernen “Hinguckern” so konservativ und, ja, normal erscheinen, dass die Gesellschaft auch so war. Es gab keine größeren oder kleineren Angriffe auf akzeptierte Normen.

Nach der Postmoderne, dem Dadaismus und dem Punk haben wir jedoch andere Erfahrungen gemacht und mittlerweile ist es sogar zulässig Konventionen anzufechten. Dies gilt insbesondere für Möbel, die für ein Gebäude entworfen wurden, das Ansprüchen an modernes Wohnen gerecht werden muss.

Was uns zu den Ursachen zurückbringt, warum ein Architekt Möbel designt….

So oder so glauben wir, dass jene Architekten, die in die Kategorie “Hauptsache Aufmerksamkeit” fallen, gar nicht erst als “Möbel-Architekten”, sondern als “Künstler” bezeichnet werden müssen. Und ihre Arbeiten nennt man auch nicht “Möbel”, sondern “Kreationen” – oder schlimmer noch “Statements”.

Das führt uns zu der Frage, ob solche Künstler überhaupt in eine Möbelausstellung wie diese gehören. Nun, Kunst, Design und Architektur sind zwar verschiedene Disziplinen, sie können jedoch ineinander greifen und verschmelzen. Die Frage, die aber bleibt, ist, welche Disziplin die dominante ist. Bei der Auswahl der Objekte für so eine Ausstellung würden wir sagen, ist es Design. Idealerweise Design, das mit der Übung, dem Auge und dem Verständnis eines Architekten gestateltet worden ist.

Was zwangsläufig zu der nächsten Frage führt: Wo war eigentlich das USM Haller Möbelsystem – ein Möbel, das direkt aus einem architektonischen Konzept entstanden ist?

Museum für Angewandte Kunst Köln Von Aalto bis Zumthor Architektenmöbel

Jean Prouvé und Alvar Aalto bei Von Aalto bis Zumthor. Architektenmöbel

“Von Aalto bis Zumthor. Architektenmöbel” ist eine gute Ausstellung. Unser Problem ist aber, dass nicht genug erklärt wird; es wird nur gezeigt. Für eine Sonderausstellung in einem Museum wie dem MAKK ist das einfach zu wenig. Man sollte die Ausstellung doch mit dem Gefühl verlassen, wirklich etwas über das Thema erfahren zu haben.

Wir kennen uns auf dem Gebiet einigermaßen gut aus und haben es genossen, die Stücke einfach alle einmal beisammen zu sehen und vergleichen zu können. Den meisten Besuchern geht es vermutlich anders – sie kennen nicht schon die meisten der Exponate, weil sie diese und andere Möbelklassiker in einem Onlineshop verkaufen.

Für einige Ausstellungsstücke gab es sogar gut konzipierte und hübsch illustrierte Schautafeln, für die Mehrzahl gab es jedoch nur etwas, das aussah wie Archivkarten mit einem Namen und wenigen anderen Informationen darauf.

Und dann war da natürlich noch die Entscheidung einige Stühle 5 Meter hoch über dem Boden zu platzieren – halb versteckt in Kisten, sodass sie keiner sehen kann. Das finden einfach nur blöd.

Trotz des für uns etwas lustlosen Ausstellungskonzepts bleibt der Wert der Arbeiten unangetastet und “Von Aalto bis Zumthor. Architektenmöbel” einen Besuch wert – besonders während der IMM Cologne, wenn der Eintritt frei ist.

“Von Aalto bis Zumthor. Architektenmöbel” ist im Museum für Angewandte Kunst Köln bis 22. April 2012 zu sehen.

 



Galeriehaus am Kapellenberg Chemnitz

January 16th, 2012

Wir wissen, dass wir bisher eher schroff mit Chemnitz umgegangen sind, doch wie alle Lebewesen, die über Bewusstsein verfügen, werden auch wir von unseren Erfahrungen geleitet.

Und bisher haben wir in Chemnitz ehrlich gesagt nicht besonders viel Liebe erfahren.

Doch vielleicht, nur vielleicht, dreht sich jetzt der Wind.

Denn:

In den Kunstsammlungen Chemnitz gibt es nicht nur die progressivsten und innovativsten Kunstgalerien in Deutschland; und Chemnitz hat mit dem Marianne Brandt Wettbewerb nicht nur einen Designpreis, der unbeirrt nur Design belohnt, der es vermag eine Harmonie zwischen Ästhetik, Innovation und Funktion herzustellen; Chemnitz kann sich jetzt außerdem mit einem Wohnkomplex schmücken, bei dem jeder Besitzer einer Eigentumswohnung gleich ein Elektrofahrrad obendrauf erhält.

Eines der größten Probleme, das Architekten und Stadtplaner derzeit zu bewältigen versuchen, ist, dass unser Alltag künftig möglichst wenig der Umwelt schaden soll. Dabei spielt urbane Mobilität eine entscheidende Rolle.

Unserer Meinung nach fand das Team um das Galeriehaus am Kapellenberg in Chemnitz eine wunderbare Lösung für diese Problematik: Elektrofahrräder für alle – inklusive Aufladestationen in der Fahrradgarage.

Wir wissen natürlich, dass ein Elektrofahrrad Elektrizität benötigt, während ein konventionelles Fahrrad dies nicht tut.

Aber es ist nun mal so, dass, wenn Menschen überredet werden sollen, ihre Autos für nachhaltigere Transportformen aufzugeben, handfeste Vorteile auf den Tisch gelegt werden müssen.

Wir kennen z.B. eine Menge Leute, die zwar mit dem Fahrrad an die Arbeit fahren würden, es aber nicht so schick finden, verschwitzt im Büro anzukommen. Mit einem Elektrofahrrad hat man den ganzen Komfort eines Fahrrads, kann jedoch den eigenen Aufwand auf ein Minimum reduzieren – und braucht nicht länger zu schwitzen.

Nicht nur in Bezug auf die Arbeit sind Elektrofahrräder praktisch. Sie ermöglichen nämlich auch der “älteren Generation” noch mit dem Rad unterwegs zu sein, wenn sie es mit herkömmlichen Fahrrädern schon gar nicht mehr könnten. Außerdem ist es generell vorzuziehen, die morgentlichen Brötchen mit dem Fahrrad anstatt mit dem Auto zu holen.

Doch nicht nur die Fahrräder sind grün. Auch was Wasser, Heizung und die Elektrizitätsversorgung betrifft, wurde Sorge getragen, dass der Komplex modernen Umweltstandards gerecht wird und seinen Teil dazu beiträgt, sowohl den Energieverbrauch als auch die Müllproduktion zu reduzieren.

Wir müssen zugeben, dass wir den Komplex bisher noch nicht besichtigt haben. Aber wir planen einen Ausflug nach Chemnitz in naher Zukunft, um uns selbst ein Bild zu machen.

Und wer weiß, vielleicht springt dann endgültig der Funke über…

Galeriehaus am Kapellenberg Chemnitz
Galeriehaus am Kapellenberg Chemnitz

 



IMM Cologne 2012. Und 1962.

January 13th, 2012

Am Montag, den 16. Januar, öffnet die IMM Cologne, Deutschlands größte Möbelmesse, ihre Tore.

In den kommenden Tagen werden wir aus diesem Anlass einige Interviews, Berichte und Rückblicke vom Rhein bloggen. Außerdem dachten wir, dass es auch ganz nett wäre, einmal zu sehen, wie es vor 50 Jahren um die IMM stand. Denn zum einen finden wir es ziemlich interessant zu sehen, was die Möbelindustrie generell um 1962 so getrieben hat, und zum anderen hoffen wir, so die Rolle der IMM etwas besser in der Möbelgeschichte verorten zu können.

imm cologne

IMM Cologne

Die “Internationale Möbel Messe Köln” startet 1949 und war zunächst ein zweimal jährlich stattfindendes Event. Dieses Konzept gefällt uns nicht nur wirklich gut, sondern erinnert uns auch an die guten alten Zeiten, als Möbelhersteller nicht alle paar Minuten ein neues Produkt auf den Markt warfen.
In diesem Sinne hat die Industriezeitung “Möbel Kultur” in ihrer Vorschau auf die Kölner Messe von 1962 auch von einer “…schöpferischen Pause…” seit 1960 gesprochen.1 Und das bedeutet eine ganz und gar positive “Möglichkeit die Produkte zu reflektieren und verbessern”.

Ist das nicht genau das, was Nils Holger Moormann meinte, als er sagte “Möbel brauchen Zeit. Sie müssen präszisiert und perfektioniert werden.“?

Ausgehend von der Ausstellerliste wurde die Möbelindustrie 1962 noch von Holzprodukten aus Schreinereien kleinerer und mittlerer Größe dominiert. Doch die Lage begann sich langsam zu verändern. So gab es damals zum Beispiel eine kontroverse Debatte über die Verwendung neuartiger Kunststoffe für Oberflächen, wie den von Küchen.

In den Jahren unmittelbar nach dem Krieg bestanden die grundlegenden Anforderungen in Europa an Möbel in erster Linie darin einfach und billig zu sein, sodass zumindest eine Grundausstattung aller Wohnungen gewährleistet war.

Zur Situation der Möbelindustrie dieser Zeit gibt es mehr in unserem Post “Design for Use, USA“.

In den Besprechungen zur Kölner Möbelmesse bis 1962 behauptete die Möbel Kultur noch, dass die Deutschen – besonders jene, die aus Preußen geflohen waren – trotz der vorwärtsgewandten Bestrebungen der Veranstalter nach massiven, altmodischen Möbeln suchten, die sie an das Leben vor dem Krieg erinnerten.2 Und so kam es, dass sich der sogenannte “Gelsenkirchener Barock” mit seinen opulenten, schweren Möbeln aus Tropenholz im Deutschland der 1950er größter Beliebtheit erfreute.

Aber nachdem diese Generation älter wurde und nicht länger eine so wichtige Käufergruppe war, verschwand auch ihr Einfluss auf das Angebot am Möbelmarkt. Köln 62 zeigt, dass dieser Generationswechsel bereits voll im Gange gewesen ist; die Berichterstattungen verweisen regelmäßig auf die moderne “gute Form”, bei der wir heute wahrscheinlich von Designermöbeln sprechen würden.

Gleichzeitig gibt es aber auch Anzeichen, dass die Möbelindustrie und die Kölner Messe auf dem besten Weg waren dieses Schiff in die Zukunft segeln zu lassen, ohne selbst an Bord zu gehen.

Karlheinz Krug unterteilt in einem Artikel in der “Form” die Möbelhersteller von Köln 62 in drei Gruppen: Da gibt es jene, die mit kompetenten Designern arbeiten, um individuelle und innovative Produkte zu schaffen, dann gibt es jene, die Grundlagen von Designermöbeln kopieren und daraus billige Möbel produzieren und jene, die Altbekanntes neu auflegen.

Daneben moniert Herr Krug die Abwesenheit einiger wichtiger Hersteller. Insbesondere die, welche durch ihren designorientierten Ansatz zu den schimmernden Sternen der modernen Möbelindustrie zu zählen waren, fehlen ihm. Er nennt Knoll International und Wilkhahn, die fünfzig Jahre später noch immer nicht auf der Ausstellerliste stehen – genau wie die großen Hersteller Moormann, Magis, Freedom of Creation und Vitra.
Letzter präsentierte sich 1962 ironischerweise als kleines Unternehmen, das seine ersten, zögernden Schritte auf dem globalen Geschäftsparkett unternimmt. Heute ist die Marke Vitra so etabliert, dass sie sicher auf keine Messe, wie die IMM, mehr angewiesen ist.

Das führt uns zu einem großen Problem der IMM: Der Fokus bei den Ausstellern liegt zu sehr auf Karlheinz Krugs Gruppe 2 und nicht auf denen der Gruppe 1.

Schließlich wurden hauptsächlich Möbel für Kunden angeboten, die bei ihrer Wohnzimmereinrichtung die Vertrautheit des Gelsenkirchener Barocks suchten. Kunden also, die durchaus bereit sind viel zu viel für etwas zu zahlen, das sie mit einem bestimmten Status assoziieren, weil es einem bestimmten Stil-, Trend- oder Luxus-Gedanken nahekommt… viel mehr bereit als vom Markt wirkliche Qualität zu einem angemessenen Preis zu fordern. Und das obwohl Herr Ordnung4 1962 bereits postulierte, der Gelsenkirchener Barock liege in seinen letzten Atemzügen.

Wir werden nicht müde zu versuchen die Organisatoren zu überzeugen, ihr Format zu ändern und mehr innovative high-end Designs aufzunehmen. Aber wir müssen auch akzeptieren, dass die IMM eine kommerzielle Messe ist und in erster Linie nach ökonomischen Gesichtspunkten beurteilt werden muss.

Die Kölner Möbelmesse zählte 1962 ungefähr 65.400 Besucher – fast 90% davon aus Deutschland; Produkte von 868 Herstellern wurden ausgestellt, die zu zwei Dritteln deutscher und einem Drittel internationaler Herkunft waren.5 Diese Zahlen zeigen nicht nur, dass es sich dabei um ein gelungenes Event handelte, sondern dass sich die IMM erfolgreich von einer einfachen regionalen Sache in eine wichtige überregionale Messe verwandelt hat.

Solche Statistiken sagen selbstverständlich nichts über die Qualität der Waren aus, die damals oder heute angeboten wurden oder werden. Damit wollen wir also auch gar nicht anfangen. Das ist ein Thema für einen anderen Post…

Man könnte aber mal – wenn wir schon bei den Zahlen sind -  die Zahlen von Mailand ansehen: 12.000 Besucher und 328 Hersteller bei der ersten Messe 1961; 320.000 Besucher und 1283 Hersteller bei der Messe 2011.7 Doch auch das ist ein Thema für einen anderen Post…

Geht man die Berichte und Besprechungen der IMM 1962 durch – und das können wir durchaus empfehlen – fällt eine bestimmte Kontinuität der Begrifflichkeiten, Themen und Meinungen auf.  Wir haben viele Besucher von damals gefunden, die Dinge kritisieren oder bejubeln, die unsere Erfahrungen und Meinungen von heute spiegeln. Da sieht man, dass bei so einer Messe nicht nur die Möbel in regelmäßigen Intervallen wiederkehren.
In dieser Hinsicht gab es eine Sache, die uns besonders ins Auge stach: der deutliche Trend von 1962 zu hellen, natürlichen Holzfarben…

1. “Was bringt Köln 1962?” Möbel Kultur, Februar 1962

2. “1949-1962. Die Möbelformen seit der ersten Kölner Messe” Möbel Kultur, Februar 1962

3. Krug, Karlheinz “International Möbelmesse Köln 1962″, Form, 17, 1962

4. Herr Alfred Ordnung, Vorsitzender des Möbelfachverbandes in der Hauptgemeinschaft des Deutschen Einzelhandels

5. “Die Möbelmesse statistisch gesehen” Möbel Kultur, Januar 1962

6. “Facts and Figures” IMM Website http://www.imm-cologne.com/en/imm/diemesse/daten_fakten/index.php. Accessed 09.01.2012

7. “Facts and Figures” Salone Internazionale del Mobile http://cosmit.it/tool/download.php?id=82945&idst=12535 Accessed 09.01.2012



(smow) Blog Best of 2011: Dutch Design Week

January 11th, 2012

Design Weeks gehören zum Alltag unseres Metiers.

Für diejenigen aber, die nichts mit unserer Branche zu tun haben, sieht es schnell so aus, als würden wir von einem exotisch klingenden Ort zum nächsten jetten und ständig mit unglaublich tollen und unterhaltsamen Leuten auf Cocktail-Partys rumhängen.

Mit diesem Vorurteil wollen wir endlich schlussmachen! Für uns bedeutet das Leben in der Designwelt nämlich vor allem Frühaufstehen, schwere Rucksäcke, jede Menge höflichen Small Talk, wenig Essen, viel Laufen, noch mehr höflichen Small Talk vermeiden, lange Nächte usw. Und obendrein müssen wir unser Bier meist selbst kaufen – das trinken wir dann für gewöhnlich, während wir Interviews abtippen und Fotos checken. Eine Ausnahme bildet natürlich unser jährlicher Besuch im Gasthaus Gruber in Wien.

Design Weeks sind auch dazu da, Kontakte zu Designern, Herstellern, Galerien und all den anderen Leuten aus der Branche zu knüpfen und zu pflegen, auf denen unsere Arbeit aufbaut. Keine Kontakte. Keine Geschichten. Es ist stressig, hat zugegebenermaßen aber auch seine amüsanten Seiten.

So oder so gibt es keine Design Week, die wir nicht genießen. Jede hat ihren eigenen Charme – und da gehört auch das Auf und Ab von guten und schlechten Jahren dazu. 2011 war zum Beispiel ein gutes Jahr für Eindhoven.

Eindhoven ist als Stadt selbst ehrlich gesagt nicht besonders interessant, attraktiv oder gar inspirierend. Sie sieht aus wie eine langweilige Industriestadt, die ihre Industrie von einst verloren hat und deren Bewohner nun andernorts Arbeit gefunden haben. Und genauso ist es auch…

Eindhoven war dennoch bemerkenswert erfolgreich darin, die Absolventen der Eindhoven Design Academy festzuhalten. Das liegt wohl vor allem daran, dass die Stadt ihnen bezahlbaren Raum für Ihre Arbeit bietet. Und an dem zuvor erwähnten industriellen Kollaps.

Das Ergebnis ist ein bemerkenswertes Netzwerk aus hochtalentierten, motivierten und innovativen Designern, die alle voneinander lernen und sich gegenseitig beeinflussen. Und in diesem Jahr haben wir das deutlich gespürt.

Doch nicht nur die lokalen Talente zeigten sich in diesem Jahr von ihrer besten Seite. Es gab auch unheimlich viele interessante und zum Nachdenken anregende Projekte internationaler Designer zu sehen.

Wir haben auch in Wien, Berlin, Stockholm, Mailand etc. viele gute und interessante Projekte gesehen, doch unserer Ansicht nach waren die 2011 in Eindhoven einfach höher konzentriert.

Wenn wir eines zu kritisieren hatten, dann war es, dass das Infomaterial oft nur auf niederländisch verfügbar war.

Ja, es heißt Dutch Design Week, es ist aber ein internationales Festival. Und es gibt nichts Sinnloseres als vor einem Ausstellungsstück zu stehen und nicht die leiseste Ahnung zu haben, ob es gut ist oder nicht, weil man das Infomaterial nicht versteht.

Und so wäre 2012 etwas mehr Englisch überaus hilfreich für all jene von uns, die nicht Niederländisch sprechen.

Unser Design Week Jahr 2012 beginnt in einigen Tagen und verspricht einige neue Festivals.

Es wird interessant sein, zu sehen, wer die Messlatte in diesem Jahr setzt.

eindhoven stadhuis meets design

Es geht darum, eine Solidargemeinschaft zu gründen... aber fragt uns bloß nicht wie. Die Stadhuis Ausstellung war einer der schlimmsten Fälle von Monolingualismus in Eindhoven.

 

Dutch Design Week Eindhoven 2011

Dutch Design Week Eindhoven 2011



(smow) Blog Best of 2011: Bookinist Cup – Die Hölle von Aschau

January 9th, 2012

Obwohl als Firmenfeier angedacht, bei der Moormann seinen Partnern, Händlern, Designern usw. für die gute Zusammenarbeit im vergangenen Jahr danken wollte, war die Die Hölle von Aschau viel mehr so etwas wie ein Familienfest und die Stimmung so warm wie ofenfrischer Apfelstrudel.

Und das trotz Schneeregen und Wind!

Diese Wärme offenbarte sich dem Zuschauer besonders als sich Nils Holger Moormann höchstpersönlich auf die Piste schwang und das Fotografenaufgebot umgehend auf ein Level anstieg, das man eher von Auftritten von George Clooney oder Brad Pitt gewohnt ist.

Das war wirklich ergreifend.

In einer Woche oder so werden wir in Köln bei der IMM sein, in einer Welt also, wo harte Geschäfte auf den Bezügen von Ledersofas fragwürdiger Qualität von unangemessen selbstüberzeugten Außendienstmitarbeitern ausgehandelt werden. In diesem Jahr mit Tablets, selbstverständlich.

Der Bookinist Cup hat uns daran erinnert, dass es so aber nicht laufen muss.

Wenn wir einmal schätzen, was der Spaß wohl gekostet hat, sind wir uns ziemlich sicher, dass das Geld, das Moorman in Die Hölle von Aschau investiert hat, gut und gerne auch für einen schönen Stand auf einer Messe gereicht hätte.

Aber wir kennen Nils Holger und seine fröhliche Schar von Moormännern gut genug, um zu wissen, dass die Wahl zwischen einer Messe und einem Rennen mit einem ihrer Möbelstücke immer auf das Rennen fallen würde.

So etwas ist nur in einer Welt möglich, in der Qualität mehr als Profit zählt – auch wenn Profit unweigerlich zu den notwendigen Dingen im Geschäft gehört; in einer Welt, in der Qualität entsteht, wenn man eine Sache mit Leidenschaft verfolgt, wenn das, was man tut, mehr als bloße Arbeit ist und wenn das einen glücklich macht.

Weil uns also Die Hölle von Aschau so nachhaltig daran erinnert, dass die Designermöbelindustrie etwas ist, das von Zeit zu Zeit wahrhaft froh stimmen kann, erhält das Rennen ganz klar einen Platz auf unserer Highlights-2011-Liste.

Für alle, die nicht dabei gewesen sind, gibt es hier den offiziellen Film vom Rennen.