(smow)chair v1.0

September 2nd, 2010
smowchair

(smow)chair v1.0

Die Motivation zum (smow)Stuhl kam mit dem Chairless von Alejandro Aravena für Vitra.

Obwohl es ein wirklich bezauberndes Produkt ist, waren wir etwas irritiert ob der Tatsache dass das Design für den Chairless nicht wirklich “chairless” - also “stuhllos” ist … eigentlich ersetzt es nur die Spannung innerhalb des Stuhls durch die Spannung innerhalb des Körpers.

Der Benutzer wird zum Stuhl und ist demzufolge während der Benutzung in seinen Bewegungen eingeschränkt.

Aber da uns das “Chairless”-Konzept so beeindruckt hat, wollten wir die Gelegenheit wahrnehmen, die uns der Vitra-Design-Museum-Pappmöbel-Workshop und die Ausstellung “Essence of Things. Design and the Art of Reduction” boten, um unseren eigenen “Chairless”-Stuhl zu entwickeln.

Unsere Kriterien:

  • 100% Pappe, kein anderes Material
  • transportabel
  • so reduziert wie möglich

Als erstes entschieden wir uns, die Beine wegzulasssen. Stühle brauchen keine Beine.

Wir in den westlichen Kulturen sind so an Stühle mit Beinen gewöhnt, dass wir es kurios finden oder sogar gönnerhaft “authentisch”, wenn wir andere Kulturen bereisen, in denen Stühle mit Beinen keine Alltagsgegenstände sind.

Aber Stühle brauchen keine Beine.

Also mussten die Beine dran glauben.

MVS Chais by Maarten van Severen for Vitra.

MVS Chaise von Maarten van Severen für Vitra.

Die Grundlage für unser Design war Maarten Van Severens MVS Chaise von Vitra.

Seine wunderbare dreiteilige Form bildet die perfekte Basis für einen Falt-”Stuhl” mit Sitz, Rücken und SUPPORT.
Die Frage war nur, wie wir die nötige Stabilität erreichen würden ohne auf andere Materialien zurückgreifen zu müssen.

Nach einer Reihe erfolgloser Experimente kam die Antwort durch das (smow)Lager-Team.

Die Kollegen aus dem (smow)Lager sind nicht nur Experten im Verpacken und Versenden von Designermöbeln und in der USM Haller Montage - sie wissen auch ein bisschen was über Statik.

Und dieser Input führte dann zur Form des (smow)chair v1.0

Im Prinzip wurde “der Stuhl” auf “die Armlehnen” reduziert.

Die Arme bieten die Stabilität und sind verantwortlich für den Stuhl.
Die Rücken-, Stütz- und Sitzteile, die die meisten als “Stuhl” verstehen, sind dagegen austauschbar und verzichtbar.

Wer die Armlehnen hat, kann auch einen Stuhl bauen. Wer nur ein Rücken-, Sitz- oder Stützteil hat, kann das nicht.

Two smow chairs ready for departure

Abfahrbereit!

Außerdem ermöglicht der Längsschlitz in den Armen das sichere Zusammenlegen des Stuhls - und der gefaltete (smow)chair kann überall hin mitgenommen werden.

Wir haben z.B. zwei (smow)chairs aus Weil am Rhein am Rucksack festgeschnallt mit nach Hause gebracht.

Die Entwicklung des (smow)chairs ist noch nicht zu Ende. Der (smow)chair v2.0 wurde gerade fertiggestellt, v3.0 wird bald erwartet.

Ein Serienmodell ist allerdings noch nicht in Sicht.

In den nächsten Wochen werden wir hier nicht nur die Weiterentwicklung des (smow)chair dokumentieren sondern den Stuhl auch dazu nutzen um Möbeldesign und die Designmöbelbranche ein wenig zu erläutern.

smow chair and the art of reduction

(smow)chair und die Kunst der Reduktion

Dänspotting: Dänische Designermöbel 2010

September 1st, 2010

Während andere sich auf der Tendence in Frankfurt amüsiert haben, waren wir auf dem Weg nach Kopenhagen und zur CODE 10.

Wir wollen nicht den Eindruck erwecken, dass das ein Fehler war, aber wir sind uns auch noch nicht sicher, dass es die beste Idee war die wir jemals hatten.

Und wir hatten ein paar wirklich schlechte Ideen.

“Dänemark, du wirst nicht jünger. Die Welt verändert sich, Design verändert sich, sogar Materialien verändern sich. Du kannst hier nicht den ganzen Tag rumsitzen, von gebogener Plastik und Arnold Jacobsen träumen.”

“Es ist Arne Jacobsen”

Abgesehen vom Versprechen, dass die CODE 10 “…neue Herangehensweisen an Designform, Designdenken und den kreativen Prozess” zeogen wird, war alles was wir gefunden haben, eine Menge müder und matter Designkonzepte. Sie waren entweder nur Nachahmer von dem was “Dänisches Design” ist, oder einfach Kopien von den Mitbewerben aus Marktanteilverlustangst.

Wir haben die versprochenen Aussteller nicht gefunden, weil sie nicht ausgestellt haben.

Das Konzept der CODE 10 ist nicht schlecht.

Das Bella Center in Kopenhagen ist bereits die Basis für das Skandinavian Shoe Center und das Copenhagen Fashion House. Zwei Locations in denen Agenten ein Forum für ständigen Austausch mit Händlern geboten wird.

Das BC Design Centre hat ein ähnliches Konzept für die dänsiche Möbelindustrie. Eine Art One-Stop-Shop für die Händler auf der Suche nach Designermöbeln.

Schöne Idee.

Die CODE 10 wurde im BC Design Centre veranstaltet.

Das hieß, dass die Mehrzahl der Aussteller der CODE 10 nicht die Möbelhersteller selbst, sondern ihre dänischen Agenten waren.

Das Bella Centre in Kopenhagen: Es sieht nicht nur von außen nach einem provinziellen Shoppingcenter aus...

Das Bella Centre in Kopenhagen: Es sieht nicht nur von außen nach einem provinziellen Shoppingcenter aus...

Für uns hieß das, dass auf der CODE 10 kaum ein Designer oder Produzent anwesend war.

Und das ist eine schlechte Ausganssituation für eine Handelsmesse.

Neben der Tatsache, dass die meisten Agenten permanent im BC Design Centre arbeiten, gepaart mit den Bergen von Kram und Verpackungen in einsehbaren ungenutzen Räumen, kam das Gefühl von einem provinziellen Shopping Center auf.

Kurz: Schöne Idee, schlechte Umsetzung.

Glücklicherweise gab es ein paar Produkte, die sich lohnten zu entdecken. Beides Wiederauflagen von dänischen Designklassiekern und neuen Produkten von jungen Designern.

In den nächsten Tagen werden wir die gefundenen Stücke präsentieren. Und wir werden unseren Teil dazu beitragen die dänische Designmöbel Industrie zu retten.

CODE 10: Der Geist der dänischen Designermöbel Kultur verschwand frühzeitig

CODE 10: Der Geist der dänischen Designermöbel Kultur verschwand frühzeitig

(smow)Spätsommer 2010: Thonet Wohnshowroom, Museum und Biegerei

August 28th, 2010
Michael Thonet

Michael Thonet: Lebenswerk als Lebensphilosophie

Am letzten Sonntag der Sommerferien öffnen jedes Jahr über 35 Produktionen und Industriebetriebe aus der Gegend um Kassel zum “Blauen Montag Sonntag” ihre Türen.

Der Name ist vielleicht etwas überambitioniert, aber die Idee dahinter ist gut und in diesem Jahr haben wir die Gelegenheit genutzt um Thonet in Frankenberg (Eder) einen Besuch abzustatten.

Der Blaue Sonntag war nämlich zum einen die erste “offizielle” Veranstaltung für das neue Thonet Wohnshowroom, zum anderen hatten Besucher auch die seltene Gelegenheit einen Blick auf die Thonet-Holzbiegerei zu werfen.

Das Thonet Wohnshowroom wurde zwar nicht von Herzog und de Meuron entworfen, ist aber trotzdem eine optische Illusion. In dem Fachwerkhaus aus dem Jahre 1889, das neben der Thonet Fabrik steht, wohnten früher die Firmenchefs Claus, Peter und Philipp Thonet. Das Thonet Wohnshowroom ist nicht sehr groß, aber alle Zwischentüren sind geöffnet und die Fenster sind fantastisch platziert. Außerdem wurden ein paar Innenwände entfernt, sodass sich insgesamt der Eindruck ergibt, das Haus wäre doppelt so groß wie es eigentlich ist. Genau wie das VitraHaus ist auch das Thonet Wohnshowroom ein Showroom für die Produkte. Aber da das Thonet Wohnshowroom ein echtes Haus mit echten Proportionen ist, ist der Effekt hier viel besser. Die natürliche Limitierung der Größe der Räume schafft eine authentischere und persönlichere Atmosphäre.  Ein Highlight für uns war z.B. das Regalsystem 7000 von f/p design, das in Frankenberg viel besser zur Geltung kam als in Mailand.

Cobb grill and Thonet - the perfcet combination summer, winter, autum or spring

Cobb Grill und Thonet - die perfekte Kombination im Winter, Herbst, Frühling... oder Sommer

In der Pressemitteilung erklärt Phillip Thonet, dass er die Neugestaltung so ansprechend findet, dass er sich vorstellen könnte einen Nachmittag allein im Thonet Wohnshowroom zu verbringen.

Wir auch.

Und zwar nicht nur wegen des Cobb Grills im Wintergarten.

Genauso beeidruckend ist das Thonet Museum. Als wir mit Thonets Kreativdirektor James Irvine in Mailand gesprochen haben, schwärmte er von den vielen faszinierenden Artikeln im Thonet-Archiv. Damals dachten wir noch das wäre nur ein hübscher Spruch für die Kamera gewesen. Aber im Thonet Museum war uns bereits nach wenigen Minuten klar dass er wirklich nicht übertrieben hatte. Schon allein mit dem Bettsofa aus dem Jahre 1884 haben wir (untersuchend und bewundernd) ca. 20 Minuten verbracht. Genial!

Thonet Day bed from

Thonet Schlafsofa aus dem Jahr 1884

Der einzige Wermutstropfen war vielleicht die etwas “über-optimistische” Verner Panton-Ecke: Panton und Thonet haben zwar an einigen Projekten zusammen gearbeitet, aber davon gingen nicht so sehr viele in Produktion. Und “nicht so sehr viele” ist hier auch sehr optimistisch ausgedrückt.

Der wahre Höhepunkt des Nachmittages war allerdings die Biegerei.

Wie jeder weiß, hat Michael Thonet in den 1840er Jahren nach 20 Jahren Forschungsarbeit einen Prozess zum Biegen von Holz für die Möbelherstellung perfektioniert - und mit Stühlen wie dem (2)14 mehr oder weniger die Massenproduktion von Möbeln erfunden.

Die wahre Schönheit eines 214 liegt in der versteckten Komplexität eines Designs, das auf den ersten Blick so einfach aussieht und diesen “das kann doch jeder” Charm versprüht.

Wenn man die Thonet-Arbeiter in Aktion sieht, wird einem klar, wie brilliant der Prozess von Michael Thonet ist.

Heutzutage wird im Industriedesign sehr viel Zeit, Schweiß und Geld darauf verwendet, die Prozesse und Materialien zu optimieren und zu verfeinern, um die Stabilität zu erhöhen und das Volumen zu reduzieren. Michael Thonet hat genau das getan und das Resultat seines Lebenswerkes hat sich über die Jahre wenig verändert.

The ghost of Michael Thonet still haunts the Biegerei

Der Geist von Michael Thonet in der Thonet Biegerei

Die Tische auf denen das heiße Holz gebogen wird, haben sich kaum verändert seitdem Michael Thonet den Prozess in den 1840ern entwickelt hat.

Die alte Biegerei in Frankenberg hat sich kaum verändert, seit Georg Thonet die zerbombte Fabrik Anfang der 1950er Jahre wiederaufgebaut hat.

Sogar die Nachnamen der Arbeiter die das Holz biegen haben sich im Laufe der Jahrzehnte kaum geändert.

Und die Chancen stehen gut, dass sich daran auch in den nächsten Jahren nichts ändern wird.

Es ist schwer vorstellbar, dass Roboter und Computer jemals in der Lage sein werden, einen so komplexen Stuhl wie den 214 herzustellen. Also kann der Käufer eines Thonet Bugholzstuhls auch in Zukunft sicher sein, ein zu 100% handgefertigtes Produkt zu erhalten mit einer ihm innewohnenden 160 Jahre alten Qualitätsgarantie.

Diejenigen, die den “Dreh” des Konzepts von Michael Thonet noch nicht kennen, werden hier bald mehr erfahren.

Habeas cathedra! White steam indicates chairs in production.

Habeas Kathedrale!

Thonet gehört zu den Firmen die man leicht übersehen könnte, aber nur weil ihre Produkte so oft kopiert werden. Und das ist falsch. Thonet bleibt das Unternehmen, das maßgeblich dazu beigetragen hat, die Serienproduktion einzuführen, das qualitativ hochwertige Möbel einem Massenpublikum zugänglich gemacht hat und das an vorderster Front an zwei der wichtigsten Innovationen im Möbeldesign beteiligt war: Bugholz und Stahlrundrohr.

Und was vielleicht am wichtigsten ist: Thonet ist nach wie vor ein Familienbetrieb und integraler Bestandteil der Region.

Der Blaue Sonntag spielt insofern eine wichtige Rolle, dass er dem Unternehmen zum einen die Möglichkeit gibt, seinen Hintergrund und seine Philosophie zu erläutern, zum anderen aber den Kunden auch zeigen kann, was sie für ihr Geld bekommen.

Jeder der ca. 400 Besucher, die am Sonntag bei Thonet waren und den Schweiß auf den Stirnen der Biegerei-Arbeiter gesehen haben,  weiß das jetzt.

We left Frankenberg with just photos.... others with a little more.

Wir hatten bei der Abreise nur Fotos in der Tasche - andere etwas mehr.

Und so machten wir uns mit vollem Magen (Kuchen) und vollen Speicherkarten (Fotos) und einer Sturmfront im Nacken auf den Rückweg durch die grünen Täler Nordhessens.

Für alle, die den Blauen Sonntag verpasst haben: Am 25./26. September wird es einen Sonder-Werksverkauf geben. Die Biegerei wird an diesem Wochenende zwar nicht geöffnet sein, dafür aber das Thonet Museum und Thonet Wohnshowroom - und es gibt natürlich die Möglichkeit, Thonet-Artikel zum Spezialpreis zu erwerben.

Happy Birthday Eero Saarinen!

August 19th, 2010
Eero Saarinen

Eero Saarinen, 1910 - 1961

Am 20. August jährt sich zum 100. Mal der Geburtstag des finnischen Architekten und Designers Eero Saarinen.

Eero Saarinen hatte wahrscheinlich keine große Alternative bei der Auswahl seines Berufes. Sein Vater Eliel Saarinen war ein gefeierter Architekt in Finnland, zwei Onkel waren ebenfalls Architekten, und seine Mutter Loja Gesellius Saarinen war Bildhauerin und Textildesignerin.

Eero Saarinen verbrachte die ersten 13 Jahre seines Lebens in seinem Geburtsort Kirkkonummi, außerhalb von Helsinki. 1923 emigrierte die Familie nach positivem Feedback auf Eliel Saarinens eingereichten Beitrag für die Chicago Tribune Tower Competitionin in die USA. Ursprünglich ging es nach Evanston, Illinois, aber 1925 wurde Eliel Saarinen von G.G. Booth mit dem Bau der neuen Cranbrook Academy of Art in Bloomfield Hills, Michigan beauftragt.

The Cranbrook Academy Campus, designed by Eliel Saarinen

Der Campus der Cranbrook Academy, entworfen von Eliel Saarinen

Ein Auftrag der später noch großen Einfluss auf Eero Saarinens Karriere nehmen sollte.

1930 reiste Eero nach Paris, wo er ein Jahr Bildhauerei an der Académie de la Grande Chaumière studierte, bevor er sich an der Yale School of Architecture einschrieb. 1935 machte er dort seinen Abschluss und reiste anschließend ein Jahr lang durch Europa und Nordafrika. Nach seiner Rückkehr nach Amerika arbeitete Eero Saarinen im Büro seines Vaters in Cranbrook. Dort lernte er auch Charles Eames kennen. Die jungen Eames studierten beide am College und waren in Eliel Saarinens Büro angestellt.

Dieses Treffen sollte der Beginn einer lebenslangen beruflichen und persönlichen Beziehung werden; Saarinen nannte seinen ersten Sohn in zweiter Ehe sogar “Eames”.

Charles Eames and Eero Saarinen at Cranbrook Academy (photo © Cranbrook Archives)

Charles Eames und Eero Saarinen in der Cranbrook Academy (photo © Cranbrook Archives)

Die beruflichen Entwicklungen von Charles Eames und Eero Saarinen waren eng miteinander verknüpft und beide begannen tatsächlich mit gemeinsamen Projekten: dem Wettbewerb “Organic Design in Home Furnishings” im Jahre 1940 und dem “Case Study House #9″ für das Arts & Architecture Magazine von 1945 bis 1949.

Als Antwort auf die zunehmende Gelangweiltheit der Amerikaner von den minimalistischen Stahl-/Leder-/Glasobjekten der Bauhaus-Schule, organisierte das Museum of Modern Art in New York 1940 den Wettbewerb “Organic Design in Home Furnishings” um die besten neuen Möbeldesignkonzepte in den USA zu finden. Laut Wettbewerbsregeln sollten die Designs funktionell und bezahlbar sein und auf neuen, modernen Produktionsprozessen beruhen.

Eames und Saarinen reichten acht Entwürfe ein die hauptsächlich auf ihren früheren Experimenten mit geformten synthetischen Möbeln basierten - u.a. den Conversation Chair, heute bekannter unter dem Namen Organic Chair.

Die Jury, der Lichtgestalten wie Marcel Breuer und Alvar Aalto angehörten, vergab den ersten Platz an Charles Eames und Eero Saarinen.

The Organic Chair by Charles Eames and Eero Saarinen through Vitra

Der Organic Chair von Charles Eames und Eero Saarinen (Vitra)

Obwohl der Preis dem Paar viel Anerkenung einbrachte, war die Massenproduktion der Eames-Saarinen Designs in den frühen 1940er Jahren noch unmöglich. Die Technologie war einfach noch nicht weit genug um die Stühle zu produzieren bzw. die Maschinen, die die Stühle produzieren könnten. Der Ansatz, der hier zum Tragen kam, sollte jedoch in der Arbeit beider Designer später eine wichtige Rolle spielen. Charles Eames nutzte ihn für seine Fiberglas/Plastic Chair Serie, während Saarinen ihn in seinen Arbeiten für Knoll International anwendete: z.B. den Womb Chair und den Tulip Chair - seine beiden wohl wichtigsten Designs.

Auch ihre Laufbahn als Architekten begannen Eames und Saarinen mit einem gemeinsamen Projekt. Der Herausgeber der amerikanischen Zeitschrift Arts & Architecture, John Entenza, rief im Januar 1945 in einem Leitartikel dazu auf, mehr Massenproduktionstechnologie im Hausbau anzuwenden. In den darauf folgenden Jahren wurde eine Reihe namhafter Architekten beauftragt, ihre Visonen des industriell massengefertigten Hauses der Zukunft zu entwerfen und zu bauen.

1949 wurde das “Case Study House #9″ von Charles Eames und Eero Saarinen fertiggestellt. Es zeigt die typisch quadratischen Formen der frühen Arbeiten von Eames und Saarinen. Die Ausstattung und Einrichtung illustriert den Glauben der beiden an die Einheit von Architektur und Design und die Beziehung zwischen einem Haus, seinem Inhalt und seinem Nutzer/Bewohner.

Neben dem “Case Study House #9″ befindet sich “Case Study House #8″ - das sogenannte “Eames House”, welches offiziell Charles und Ray Eames zugeschrieben wird. Aber auch hier ist der Einfluss von Eero Saarinen unverkennbar.

Die Teilnahme an einem solch prestigeträchtigen Projekt brachte den beiden - noch relativ jungen - Architekten Saarinen und Eames ein größeres Publikum für ihre Arbeiten und letztendlich auch das Ansehen.

1946 führte eine weitere “Cranbrook Connection” von Eero Saarinen zu seiner Zusammenarbeit mit Knoll International.

Tulip Chair by Eero Saarinen for Knoll International

Der Tulpenstuhl (Tulip Chair) von Eero Saarinen für Knoll International

In Cranbrook hatte Saarinen Florence Schust kennengelernt. 1944 heiratete Florence den jungen deutschen Möbelhersteller Hans G. Knoll und wurde die Innendesignerin bei Knoll International. Sie war es, die Saarinen ansprach, sein Form-Stuhl-Konzept für die Firma zu entwickeln.

Alles in allem entwickelte Saarinen über ein Dutzend Produkte für Knoll International. Viele von ihnen wurden seit ihrer Markteinführung kontinuierlich produziert.

Trotz der Bedeutung seiner Arbeiten war Möbeldesign für Eero Saarinen immer ein Seitenprojekt neben seiner Karriere als Architekt. Als “Hauptbeschäftigung” entwarf er unter anderem das Jefferson National Expansion Memorial in St Louis, den TWA Terminal auf dem JFK Flughafen New York und den Dulles International Airport, Washington. Dennoch sah Saarinen die Arbeit als Designer nie  als wertloser an, im Gegenteil: Ihn faszinierte die Idee, dass jeder Teil einer Arbeit die anderen Teile widerspiegeln und ergänzen könne und dass das Äußere und das Innere als ein Ganzes vereint sein könnten. In diesem Sinne können Saarinens Möbelentwürfe als direkte Ergänzung seiner Architektur gesehen werden - und seine Architektur ebenso als Ergänzung seiner Möbeldesigns.

Am 1. September 1961 starb Eero Saarinen an den Folgen einer Hirntumor-Operation.

Obwohl er in jungen Jahren gestorben ist, hat Eero Saarinen im Laufe seiner 25jährigen Karriere die moderne Architektur und modernes Möbeldesign geprägt. Seine Arbeiten haben dazu beigetragen die Architekturtheorie neu zu definieren und die Zukunft auszumalen. Seine Entwürfe legten die Grundlage für die moderne Designmöbelindustrie.

Designe immer in Anbetracht des nächstgrößeren Kontexts -  ein Stuhl in einem Raum, ein Raum in einem Haus, ein Haus in einer Umgebung, eine Umgebung in einer Stadt.

Eero Saarinen, 1910 - 1961

Designermöbel Social Networking: Twitter

August 18th, 2010

Es gab einmal eine Zeit, in der die “Netzwerkpflege” im Geschäftsleben hauptsächlich auf Cocktailpartys, in Tennisclubs oder unter Freimaurern stattfand.

Lang lang ist’s her.

Wir leben aber im Jetzt und in der modernen Geschäftswelt ist Netzwerkpflege (Networking) gleichbedeutend mit Facebook, Twitter, X-ing et al.

Nicht nur als Marketinginstrument sondern auch immer mehr als wichtiges Mittel der Kundenkommunikation, Feedbackinstrument und Forum für Kritik.

Fritz Hansen have recognised the advantages of social networking

Fritz Hansen hat die Vorteile von sozialen Netzwerken erkannt

Eine Studie von Edison Research unter Twitter-Nutzern in den USA hat kürzlich ergeben, dass Twitter eine wichtige Quelle für Produktinformationen ist - und zwar nicht nur im Sinne von Basiswissen sondern auch als Plattform für Meinungsaustausch.

Die Recherchen von smow.de zeigen zwar, dass die Nutzung und Akzeptanz von Twitter unter führenden Möbelhersteller in den letzten Jahren gestiegen ist; aber generell hinkt die Designermöbelindustrie weit hinter anderen Branchen hinterher, was die sozialen Netzwerke angeht.

Für den (smow)Report-Autoren Kelly Felten ist das ein Problem: “Wenn man bedenkt, wieviele Designblogs in den letzten Jahren entstanden sind, ist es umso wichtiger dass die Hersteller in der Lage sind die Diskussionen zu verfolgen und eben zu reagieren, wenn es um ihre Produkte geht. Wenn das auf Twitter geschieht, müssen die Hersteller dort vertreten sein!”

Gezielte Nutzung von Twitter könne sich zum Beispiel auch nützlich erweisen beim Aufbau von Markenloyalität unter Konsumenten oder zur Organisation von effizienteren PR-Kampagnen im Vorfeld der großen Messen, so Felten.

“Stellen Sie sich doch nur mal das folgende Szenario vor: Designer X bringt für den Hersteller Y ein Produkt auf den Markt, ein Twitter Chat mit X wird über Ys Twitter Account organisiert,” so Felten, “und schon haben Sie einen Online Buzz.”

Außerdem könnten bessere und (für die Käufer) interessantere Inhalte das größte Problem der Designmöbelhersteller lösen: die relativ geringe Zahl der Follower.

Einzig und allein Herman Miller kann mit ca. 62.000 Followers von sich behaupten, an führende kommerzielle Marken heranzureichen - was die Twitter-Zahlen angeht.

Dass Designmöbel-Kunden Interesse an (u.a.) Twitter haben, wird am Beispiel Kartell deutlich. Der italienische Hersteller fing im April 2010, kurz vor der Mailänder Möbelmesse, an zu twittern und hat jetzt fast 650 Follower.

@kartellpeople

@kartellpeople haben am 8. April 2010 angefangen zu twittern

Felten relativiert, dass Twitter allein die Möbelbranche nicht verändern wird, aber die gezielte und professionelle Nutzung von Twitter wird eine zunehmend wichtigere Rolle für Designmöbelhersteller spielen.

“Die Vertriebsstrukturen verändern sich, und mit ihnen die Kommunikation zwischen Käufer und Hersteller”, meint Felten. “Die Designmöbelhersteller haben das erkannt, stecken aber noch in den Kinderschuhen.”

Die (smow) Designermöbel Twitter Top 11:

Hersteller Twitter Name Followers Klout
Herman Miller @hermanmiller 62038 24
Vitra @vitra 3588 18
Knoll International @knoll_inc 2918 05
Droog Amsterdam @droogamsterdam 865 05
Ligne Roset @ligneroset 840 06
Fritz Hansen @fritzhansen 694 10
Kartell @kartellpeople 635 16
bludot @bludotnews 531 05
e15 @e15_furniture 221 00
Droog New York @DroogNYC 205 00
Thonet @THONET_GmbH 182 00

(Stand: 18.08.2010)

(Zum Vergleich: http://twitter.com/smowblog hat 220 Followers und ein Klout Rating von 05)

Röthlisberger Kollektion: Wir suchen immer diese konstruktiven Schwierigkeiten

August 11th, 2010

Nennen Sie einen Schweizer Designermöbelhersteller! Für die meisten Menschen ist diese Herausforderung in etwa genauso so groß wie bei der Frage nach einem bekannten Belgier oder einem glücklich verheirateten englischen Fußballer.

USM Haller ist das Pendant zu Belgiens Hergé.

Aber die Confoederatio Helvetica hat mehr zu bieten als Fritz Hallers geniales System. Und weit mehr als modularen Stahl und Chrom.

Ein starker Gegensatz zu USM Haller ist der Schrankhersteller Röthlisberger.

Röthlisberger wurde 1928 gegründet. Der erste Kontakt mit dem internationalen Möbelmarkt kam 1957 zustande als Röthlisberger Möbel für Knoll International produzierte. 1975 endete die Kooperation mit Knoll International und 1977 führte Röthlisberger seine eigenen Produkte unter dem Namen “Röthlisberger Kollektion” am Markt ein.

Die “Röthlisberger Kollektion” vereint die jahrzehntelange Erfahrung in traditionellem Schweizer Zimmererhandwerk mit modernen Technologienund Ansätzen. Aktuell umfasst die Kollektion Produkte von Designern wie Tomoko Azumi, Hans Eichenberger oder Susi und Ueli Berger.

Wir suchen immer diese konstruktiven Schwierigkeiten

In Mailand traf (smow) den Chef von “Röthlisberger Kollektion” Jürg Scheidegger und sprach über die Entwicklung neuer Produkte, die Rolle des Internets in der Designmöbelbranche - und die Macht von Schweizer Schokolade.

Röthlisberger Kollektion Milan 2010

Anna Castelli Ferrieri

August 5th, 2010
Anna Castelli Ferrieri (

Anna Castelli Ferrieri (1920-2006)

Der 6. August markiert den Jahrestag des 90. Geburtstags der italienischen Architektin, Designerin und Mitgründerin von Kartell, Anna Castelli Ferrieri.

Abgesehen von kleineren Flirts mit der Moderne und einem Besuch bei Le Corbusier in Paris wurde die jugne Anna Castelli Ferrieri schon immer mehr vom italienischen Neorationalismus angezogen - besonders von Franco Albinis Arbeit.

Auch wenn das Design von Kartell nicht sofort an die Arbeiten von Albini erinnert, so lebt doch der Ethos hinter dem Unternehmen und die Auffasung von Design nach Albinis Mix aus traditionellem, italienischen Design gemischt mit modernen Elementen und bezahlbaren Materialien.

Neben ihrem Einfluss auf die goldene Ära des zeitgenössischen italienischen Design in den 60er und 70er Jahren hat Anna Castelli Ferrieri mit ihrem 1969 Componibili, ein modulares Storagesystem und ein Klassiker im zeitgenössischen italienischen Design, zum italienischen Designkanon beigetragen.

Von 1976 bis zum Ruhestand 1989 war Anna Castelli Ferrieri Artist Director bei Kartell und betreute die Etablierung Kartells an der Spitze der Entwicklung und Verwendung von modernem Kunststoff im Produktdesign.

Anna Castelli starb am 22. Juni 2006 im Alter von 87 Jahren.

Componibili by Anna Castelli Ferrieri for Kartell

Componibili von Anna Castelli Ferrieri für Kartell

(smow)offline: “gute aussichten - junge deutsche fotografie” Georg Brückmann

August 2nd, 2010
Eames Lounge Chair by George Bruckmann. A delightful combination of paiting, photography and mind games.

Eames Lounge Chair von Georg Brückmann. Eine wunderbare Kombination aus Malerei, Fotografie und Gedankenspielchen.

Illegale Kopien von Designklassikern sind ein Thema, das uns nicht nur hier im (smow)Blog sondern generell im globalen (smow)Netzwerk immer wieder beschäftigt.

Oder besser gesagt, wann ist ein Designklassiker ein Designklassiker?

Beim HGB Rundgang in Leipzig im Februar wurden wir mit einer unerwarteteten und ungewöhnlichen Interpretation dieser Frage in Form des “Eames Lounge Chair” von Georg Brückmann konfrontiert.

Wir waren begeistert.

Und nicht nur wir waren beeindruckt von Brückmanns Arbeit. Im Oktober 2009 wurde seine Serie “in situ” für eine der wichtigsten und angesehensten deutschen Fotografie-Ausstellungen: “gute aussichten - junge deutsche fotografie” 2009/2010 ausgewählt.

Nach 10 Monaten und 6 Stationen in 3 Ländern, öffnet die letzte “gute aussichten” Ausstellung der 2009/2010 Tour am Donnerstag, dem 29. Juli im Art Foyer DZ Bank in Frankfurt am Main.

Bis zum 11. September können Besucher die Arbeiten von Georg Brückmann und den sieben anderen Künstlern, die aus 91 Bewerbungen von 33 deutschen Hochschulen ausgewählt wurden, anschauen.

Im Vorfeld der Ausstellungseröffnung haben wir Georg Brückmann in seinem Atelier in Leipzig-Lindenau getroffen. Und sind auch gleich zu Beginn in einen dicken Fettnapf getreten.

Wie alle Formen von “Design” bauen auch die bildenden Künste auf Innovation und neuen Ideen wenn sie überleben wollen.

Wir dachten, Brückmann malt auf Fotos.

Tut er nicht.

Still life with beer by George Brückmann. The objects are real, have been painted and then photographed

Stillleben mit Bier von Georg Brückmann. Die Objekte sind real, wurden angemalt und dann fotografiert.

Ursprünglich bemalte er die Objekte, überzog sie mit der gleichen Farbe und fotografierte sie anschließend. So hat er wunderbare, undurchsichtige, voluminöse Szenen irgendwo zwischen Realität, Malerei und Fotografie geschaffen.

Dann ging er dazu über, Objekte anzumalen, die im Bewusstsein des Betrachters dann in andere Objekte weitergesponnen werden, bevor er sich mit dem Thema Designklassiker bzw. der Beziehung zwischen Designklassikern und Nicht-Designklassikern auseinandersetzte.

Wir wollen den Reiz der Arbeiten nicht zerstören, indem wir den Entstehungsprozess verraten. Aber Georg Brückmann malt Designmöbelklassiker so, dass durch die Komposition des endgültigen Fotos “normale” Objekte in Kultmöbel verwandelt erscheinen.

Die Bilder der Stühle an sich sind nicht sonderlich akkurat, die Proportionen und Formen weichen oft von den Originalen ab. Aber das spielt keine Rolle. Man erkennt sie dennoch, findet sie attraktiv, gibt ihnen einen Wert - einen Wert, der auch die rauen und rudimentären Kulissen scheinbar veredelt.

Brückmanns Arbeit befasst sich mit der “imaginären Erweiterung” von einem Objekt in ein anderes. Das erreichen die Werke durch das Zusammenspiel von Perspektive, Kontext, Kunst und der Wahrnehmung des Betrachters. Sei es ein Pappkarton der zu einem Liegestuhl wird oder eine schlichte Gartenliege die Le Corbusiers LC 4 Chaiselongue wird.

Charles und Ray Eames’ Lounge Chair, der F 51 von Walter Gropius und Mies van der Rohes Barcelona Chair sind nur drei der Designklassiker, die Brückmann reinterpretiert hat… Oder besser gesagt, die er erweitert oder aufgewertet hat von weniger wertvollen Alltagsgegenständen zu Designklassikern die wir alle kennen.

In Brückmanns Worten: “Hier wird der Gegenstand zu dem, was er hätte werden können, was er sein könnte, sein wollte oder gar sollte.”

Unser Interview mit Georg Brückmann über seine Arbeit, gute ausichten und seine Zukunft gibt es auf den (smow)Kulturseiten.

Die Ausstellung “gute aussichten - junge deutsche fotografie 2009/2010” ist bis zum 11. September im Art Foyer DZ Bank in Frankfurt am Main zu sehen.

Le Corbusier LC 4 by George Brückmann

Le Corbusier LC 4 von Georg Brückmann

(smow)offline: Designhotels Berlin

July 29th, 2010

Als das (smow)Team im Frühling bei Vitra in Weil am Rhein war, logierten wir im Hotel und Gasthaus Schwanen. Angesichts unzähliger neuer Designhotels, die täglich aus dem Boden sprießen wie schöne Giftpilze, könnte man diese Art von Unterbringung fast schon als „retro“ bezeichnen.

Der "retro" Frühstücksraum im Schwanen

Der "retro" Frühstücksraum im Hotel Schwanen, Weil am Rhein

Hätte Vitra seinen Sitz in der Hauptstadt, wäre es uns wahrscheinlich anders ergangen. Die Auswahl an stylischen Designhotels in Berlin ist groß. Wir haben uns einmal umgeschaut.

Arne Jacobsens Serie 7 im Frühstücksraum des Ku' Damm 101

Arne Jacobsens Serie 7 im Frühstücksraum des Ku' Damm 101, Berlin

Im Ku’ Damm 101 Hotel frühstückt man z.B. auf der Serie 7. Die komplette Einrichtung des Hauses wurde von jungen deutschen Designern exklusiv für das Hotel entworfen und durch moderne Möbelklassiker ergänzt, wie eben den 3107 von Arne Jacobsen im Frühstücksraum, Eero Aarnios Pony Chairs in der Lobby, Hans Corey Stühle im Garten… (die Bezugsliste gibt es auf Anfrage im Hotel) und doch gibt es einen roten Faden. Basierend auf den Farbreihen von Le Corbusier liegt jeder Etage eine eigene Farbkomposition zugrunde.

Ellington Hotel, Berlin

Ellington Hotel, Berlin

Das Ellington Hotel wiederum macht schon rein äußerlich mächtig was her. Die vornehme Fassade des Ende der 1920er Jahre errichteten Geschäfts- und Ballhauses ist in jedem Berliner Architekturführer abgebildet. Und auch im Inneren hat sich der Charme jener Zeit an den Wänden, in den Treppenhäusern und in den Sälen erhalten. Was die Inneneinrichtung angeht, wird modernes geradliniges Design mit Chesterfield Sofas kombiniert – alles ansprechend und ästhetisch, aber nicht spektakulär. So ist es wohl vor allem die Geschichte, die uns ins Ellington zieht: Tanztee in den Goldenen Zwanzigern im Ballsaal Femina und Diskonächte mit David Bowie und Iggy Pop in den 1970ern Jahren im Szene-Club „Dschungel“…

Fenster-Waschbecken-Arrangement im Casa Camper, Berlin

Fenster-Waschbecken-Arrangement im Casa Camper, Berlin

Über das Dos Palillos Restaurant im Casa Camper Hotel hatten wir ja hier bereits berichtet. Auch das Zimmerkonzept ist anders als in anderen Hotels. Waschbecken und Dusche sind großzügig im hellen Tageslichtraum untergebracht, beim Zähneputzen kann man den Blick über Berlin schweifen lassen. Das Bett hingegen ist im hinteren dunkleren Bereich untergebracht. Designklassiker findet man auch im Casa Camper: Stühle von Charles und Ray Eames, Bauhaus-Lichtschalter und Artemide-Leuchten…

Auch das Mandala Hotel oder das Adele Designhotel werden wir demnächst in Berlin unter die Lupe nehmen.

Und in Weil am Rhein logieren wir vorerst gern wieder im Schwanen. Denn der Service lässt auch dort nichts zu wünschen übrig… und den einen Fön des Hauses kann man sich an der Rezeption gern kostenfrei ausleihen.

(smow)sommertour 2010: Drei Ausstellungen und ein Todesfall

July 28th, 2010
Summar tour 2010 review

(smow)sommertour 2010 Rückblick

Obwohl sie kurz war, hat sich der Aufwand für die (smow)sommertour 2010 gelohnt.

Es lohnt sich immer die Jahresausstellungen der Design-Hochschulen zu besuchen. Unser Fokus lag logischerweise auf die Arbeiten des Produkt- und Industrie-Designs. Aber wir haben auch die Gelegenheit genutzt, andere Fachbereiche zu besuchen. Und wo immer man hingeht und was immer man auch sieht, irgendetwas bewegt oder inspiriert einen.

Oft in völlig unerwarteten Bereichen.

Genau deshalb können wir solche Ausstellungen nur empfehlen.

Weil es uns an Kreativität fehlt, ein eigenes Format für eine kurze Zusammenfassung zu erstellen, haben wir das der “Design Grundlagen” Klasse aus dem 2. Semester der Universität der Künste geklaut.

All time-favourite - Was uns am meisten gefallen hat:

Neben dem genialen Projekt in Weimar, das wir leider weger diskutieren, fotografieren oder erwähnen können (aber merken Sie sich, wo sie zuerst davon gehört haben) - war der schönste Moment der Sommertour auf der Heimreise. Als wir im ICE zurück nach Leipzig saßen und uns die Ereignisse der letzten Tage noch einmal vor Augen hielten. Der Möwenkopf in Weimar, das Café an der UDK Berlin, die 3D Fotografie an der Burg Giebichenstein, das Bad in Weimar, das Bühnendesign in Weißensee, die Kerzen an der UDK, die Porzellan Zeitung an der Burg Giebichenstein, die Prototypen in Weißensee, die humorlosen, haarlosen, halslosen Türsteher der Burg Giebichenstein. Klingt wie ein Klischee. Ist ein Klischee, aber es war herrlich.

Personal Disaster - Was wir in Zukunft vermeiden möchten:

The opening of the Burg Giebichenstein Exhibition 2010

Die Eröffnung der Burg Giebichenstein Ausstellung 2010

Die “Ausstellungseröffnung” der Burg Giebichenstein. Wir verließen die Volkspark Galerie um 19 Uhr, nachdem wir die Kunstausstellung ungefähr 20 mal gesehen hatten. Als wir aufbrachen, wand sich die Schlange draußen durch den Garten. Kein Einlass für die Öffentlichkeit vor 19:30 Uhr - trotz der angeblichen Eröffnung um 18:30 Uhr.

18:30 Uhr galt natürlich für die eingeladenen VIPs aus Halle. Aber warum hat man das nicht allen gesagt.

So schlecht organisiert und so schlecht als “Ausstellungseröffnung” vermarktet, ist es einfach unakzeptabel und für uns etwas, das wir nicht noch einmal erleben möchten.

Nächstes Jahr werden wir wohl einfach an einam Samstag oder Sonntag die Burg Giebichenstein besuchen, weil ein Ausflug dorthin es Wert ist und weil die Burg eines unserer Lieblings Design-Hochschulen bleibt.

Die Hochschul-Website wird leider so unbenutzbar bleiben. Nach dem Motto “des Kaisers neue Kleider 2.0″. Aber wir wissen dennoch, dass die Studenten weiterhin gut unterrichtet werden und Arbeiten auf hohem Niveau produzieren. Und das ist es, worum es geht. Nicht um den Champagner und das Finger Food.

Whack on the head - Als der Groschen fiel:

The Palast der Republik in Berlin opend in 1976. We suspect that was also the last year the UDK Berlin was renovated.

Der Palast der Republik in Berlin öffnete 1976. Wir vermuten, das war auch das letzte Mal, als die UDK Berlin renoviert worden ist.

Es war weniger ein Groschen, sondern viel mehr die Erkenntnis über die riesigen Unterschiede in der Deutschen Design Bildung. Als wir über den Campus der Bauhaus Universität Weimar bummelten, machte sich eine kleine Stimme in uns bemerkbar, die ständig sagte: das alles wird von unseren Steuern bezahlt. Tatsächlich waren die Gebäude makellos und es scheint, das Geld keine Rolle bei der Renovierung spielte. Sowas nennt man wohl “Prestige Projekt”.

Die Universität der Künste in Berlin blieb 1976 geschlossen. Das war wohl auch das letzte Mal, als die Korridore des Fachbereichs Design in der Straße des 17. Juni gestrichen worden sind. Das Gebäude roch wie eine Bildungsanstalt im Jahre 1976. Die Werkstätten der Kunsthochschule Berlin Weißensee hatten moderne Maschinen, jedoch nicht in der Menge mit der Weimar prahlen kann.

Die Wahl, auf welche Design Hochschule man gehen sollte, hängt größtenteils von den angebotenen Kursen und den lehrenden Professoren / Dozenten ab. Das heißt, nur weil man eher Industrie-Design in Berlin mit Professor Axel Kufus als Produkt-Design mit Professor Heiko Bartels in Weimar studieren würde, sollte man keine schlechteren Bedingungen erwarten. Oder Retro-Gerüche.

Die Hochschulen an sich sind nicht das Problem, eher jene, die die Finanzierung organisieren. Wir haben keine Lösung für das Problem. Kooperationen mit kommerziellen Partnern mögen helfen, einzelne Klassen zu finanzieren, sind aber keine Dauerlösung.

Das war die (smow)sommertour 2010

Die Herbsttour 2010 wird uns nach Kopenhagen, London, Wien und Brüssel führen.

Aber dazu später mehr.




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